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Eugen Anton Bolz (* 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar; †23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.
Inhaltsverzeichnis |
Eugen Bolz wurde als zwölftes Kind von Joseph Bolz, Angehöriger eines alteingesessenen Kaufmannsgeschlechts, und dessen Ehefrau Maria Theresia geb. Huber in Rottenburg am Neckar geboren und am 27. Dezember 1881 in der ehemaligen Stiftskirche St. Moriz getauft.
Er war mit der Ulmerin Maria Hoeneß verheiratet, mit der er eine Tochter hatte. Eugen Bolz war über die Familie seiner Frau der Onkel des Kurienkardinals Paul Augustin Mayer (1911-2010).[1]
Bolz legte 1900 am Karls-Gymnasium in Stuttgart die Reifeprüfung ab.[2] Er engagierte sich im „Windhorstbund“, der Jugendorganisation der Zentrumspartei. Ab 1900 studierte er Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie in Bonn (1901) und Berlin (1901/02). Er wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindungen AV Guestfalia Tübingen, der K.D.St.V. Bavaria Bonn und der K.A.V. Suevia Berlin, alle im CV. Bei der K.A.V. Suevia Berlin lernt er den Zentrumspolitiker Felix Porsch kennen, der ihn veranlasst nach dem Studienabschluss Politiker zu werden.
Er trat der Zentrumspartei bei, für die er von 1912 bis 1918 dem Reichstag des Kaiserreichs angehörte. Er vertrat den Wahlkreis Württemberg 13 (Aalen, Gaildorf, Neresheim, Ellwangen). Nach der Novemberrevolution beteiligte er sich 1919 bis 1920 in der Weimarer Nationalversammlung. Ab 1920 bis 1933 war er Mitglied im Reichstag der Weimarer Republik. Zudem gehörte er von 1912 bis 1918 der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände und von 1919 bis 1933 dem Landtag des freien Volksstaates Württemberg an.
1919 wurde er in Württemberg zum Justizminister, 1923 zum Innenminister ernannt. Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er – als erster Katholik im überwiegend protestantischen Württemberg – als Nachfolger von Wilhelm Bazille seit 1928 Staatspräsident und zugleich weiterhin Innenminister. Da er als Anhänger der katholischen Soziallehre die NSDAP offen ablehnte, galt er als einer der Hauptgegner der neuen Machthaber. Er wurde am 11. März 1933 aus dem Amt gedrängt, nachdem der Landtag unter dem Druck der Nationalsozialisten seinen Nachfolger Wilhelm Murr gewählt hatte. Dem Fraktionszwang der Zentrumsfraktion folgend stimmte Bolz am 23. März 1933 im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz trotz heftiger innerer Gewissenskonflikte zu. Am 19. Juni 1933 wurde Eugen Bolz verhaftet und mehrere Wochen in dem frühen Konzentrationslager Festung Hohenasperg interniert.
Nach seiner Entlassung zog er sich nach Beuron zurück. Ende 1941/Anfang 1942 kam Eugen Bolz in Verbindung mit dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler. Eugen Bolz erklärte sich bereit, nach einem Umsturz ein Ministeramt in einer neuen Regierung zu übernehmen. In Goerdelers Ministerliste wurde er als Innenminister geführt. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde er am 12. August 1944 verhaftet, am 21. Dezember vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Plötzensee enthauptet.
Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstaße/Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Bolz.
Es gibt zahlreiche weitere Einrichtungen, Straßen und Plätze, die mit dem Namen Eugen Bolz verbunden sind.
Die von Bolz besuchte Lateinschule in Rottenburg heißt heute Eugen-Bolz-Gymnasium. Auch Schulen in Bad Waldsee, Ellwangen, Kornwestheim, Meckenbeuren und Wolpertswende wurden nach Bolz benannt.
1994 wurde eine Studienstiftung Eugen Bolz gegründet, die dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) nahesteht und eine demokratische und staatsbürgerliche Bildung von Studenten fördert.
Am 9. November 2006 gab die deutsche Post eine 45-Cent-Sondermarke innerhalb der Serie „Aufrechte Demokraten“ heraus.
Staatspräsidenten des freien Volksstaats Württemberg: Blos | Hieber | Rau | Bazille | Bolz | Murr
Ministerpräsident zur Zeit des Nationalsozialismus: Mergenthaler
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bolz, Eugen |
| ALTERNATIVNAMEN | Bolz, Eugen Anton |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Zentrum), MdR, Staatspräsident und Innenminister von Württemberg, Widerstandskämpfer |
| GEBURTSDATUM | 15. Dezember 1881 |
| GEBURTSORT | Rottenburg am Neckar |
| STERBEDATUM | 23. Januar 1945 |
| STERBEORT | Berlin-Plötzensee |