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Eugene Gladstone OâNeill (* 16. Oktober 1888 in New York City; â 27. November 1953 in Boston) war ein US-amerikanischer Dramatiker und LiteraturnobelpreistrĂ€ger irischer Abstammung. Er ist zudem bis heute neben Robert Frost die einzige Person, der vier Pulitzer-Preise (1920, 1922, 1928, 1957) verliehen wurden â der letzte postum.
Inhaltsverzeichnis |
OâNeill wurde in einem Familienhotel am Broadway als dritter Sohn geboren. Der zweite Bruder Edmund (* 1885) war schon mit 1 1/2 Jahren an Masern gestorben, der im Beruf erfolglose Ă€ltere Bruder verfiel spĂ€ter dem Alkohol. Der Vater James OâNeill (1849â1920) stammte aus Kilkenny, Irland, und war Schauspieler. James, der 1850 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten gekommen war, hatte sich aus armen VerhĂ€ltnissen emporgearbeitet, konnte aber seine krankhafte Sparsamkeit nie ĂŒberwinden. Eugene OâNeill reiste als Kind mit Eltern und Ă€lterem Bruder James jr. (1878â1923) auf den Gastspielreisen des Vaters durch die ganzen Vereinigten Staaten und lernte so schon frĂŒh das Theater kennen. Der bodenstĂ€ndige irische Katholizismus des Vaters und die mehr mystische Frömmigkeit der Mutter, Ellen Quinlan (ca. 1858â1922), lagen Eugenes Auseinandersetzung mit Gott und der Religion, die OâNeills Dramen auszeichnen sollte, zugrunde.
Die alptraumhafte Unsicherheit seines frĂŒhen Lebens (âI had no childhoodâ), wie auch die DrogenabhĂ€ngigkeit seiner Mutter (die das Theater ablehnte), machte Eugene OâNeill spĂ€ter seinem Vater zum Vorwurf. Wenn er nicht mit der Familie auf Tournee war, besuchte er verschiedene katholische Internate, bis er es als Teenager durchsetzte, auf eine nicht konfessionell gebundene Schule zu wechseln. Die Sommerferien verbrachte er im einzigen dauerhaften Heim der Familie, einem bescheidenen Haus in New London (Connecticut), von wo aus man einen Fluss namens Thames ĂŒberblicken konnte. Nach dem Schulabschluss immatrikulierte er im Herbst 1906 an der UniversitĂ€t Princeton, wurde aber schon im Juni 1907 wegen eines RegelverstoĂes entlassen. Er hatte eine Bierflasche durch ein Fenster des UniversitĂ€tsprĂ€sidenten und spĂ€teren US-PrĂ€sidenten Woodrow Wilson geworfen.
Danach wechselte er von einem Job zum anderen. ZunĂ€chst fand er, der sowieso keine groĂe Lust auf das College gehabt hatte, eine SekretĂ€rsstelle in einem dubiosen New Yorker VersandgeschĂ€ft, an dem sein Vater beteiligt war. Nach dessen SchlieĂung heiratete er am 2. Oktober 1909 die junge New Yorkerin Kathleen Jenkins. Die Heirat wurde von seiner Familie missbilligt und er brach noch im selben Jahr mit einem Bergbauingenieur als Goldsucher nach Honduras auf, musste jedoch schon im MĂ€rz 1910 wegen Malaria nach New York zurĂŒckkehren, wo sich die Eheleute noch vor der Geburt des Sohnes Eugene jr. trennten. Dieser lernte seinen Vater erst mit elf oder zwölf Jahren kennen.
Eugene OâNeills Vater machte ihn zum âAssistant Managerâ der Truppe, und OâNeill reiste mit ihr von St. Louis in Missouri bis Boston. Eugene, den der Job wenig interessierte, trat bald nach dem Ende der Spielzeit seine erste Seereise an. Die Fahrten als Seemann nach SĂŒdamerika (65 Tage auf einem norwegischen Schiff von Boston nach Buenos Aires) und SĂŒdafrika, brachten ihn in Kontakt mit Schauerleuten, Entwurzelten und AusgestoĂenen aller Art, nach denen er viele seiner Charaktere formte. In Argentinien fand er zunĂ€chst BeschĂ€ftigung in der technischen Zeichenabteilung der Westinghouse Electrical Company, dann in einer Wollpackanlage in La Plata, schlieĂlich im BĂŒro der Singer-NĂ€hmaschinenfabrik in Buenos Aires. Es folgte eine Seereise nach Durban in SĂŒdafrika und zurĂŒck als Maultierhalter auf einem Rindertransporter. Danach war er eine lĂ€ngere Zeit völlig mittellos und fĂŒhrte im Hafenviertel und am Strand von Buenos Aires sowie spĂ€ter in New York und Liverpool das Leben eines Obdachlosen und wurde zum SĂ€ufer. SchlieĂlich verdingte er sich als gewöhnlicher Seemann auf einem britischen Trampschiff, das ihn nach New York brachte. Danach kam seine letzte Fahrt zur See als Matrose auf der Amerika-Linie New York-Southampton.
Als er 23 Jahre alt war, ging es in seinem Leben wieder aufwĂ€rts. Er trat in der Spielzeit 1911/12 in der Truppe seines Vaters in einer kleinen Rolle auf und arbeitete â nach 15 Wochen mit der Familie nach New London zurĂŒckgekehrt â fĂŒr knapp sechs Monate als Reporter beim âNew London Telegraphâ, zu dessen Poetry Column er von August bis Dezember 24 â meist satirische â Gedichte, beitrug. Die Sympathie des Verlegers der Zeitung, Frederick P. Latimer, war ihm trotz ihrer grundverschiedenen Ansichten gewiss. Latimer war auch der erste, der erkannte, dass OâNeill groĂes Talent besaĂ, obwohl er ihn fĂŒr den dickköpfigsten und unbelehrbarsten Sozialrebellen hielt. Nach einem Selbstmordversuch im Jahr 1912 und der Scheidung seiner kurzen Ehe mit Kathleen Jenkins im selben Jahr brach er im Dezember 1912 gesundheitlich zusammen. In Gaylord Farm in Wallingford, Connecticut, einem Sanatorium, blieb er fĂŒnf Monate, um seine Tuberkulose auszuheilen. Ans Bett gefesselt war er nicht, denn die Therapie setzte auf körperliche AbhĂ€rtung. Hier wurde nicht nur seine Gesundheit einigermaĂen wiederhergestellt â d. h. das Fortschreiten der Krankheit gestoppt â es war auch der Wendepunkt seines bisher ziellosen Lebens.
Er las im Sanatorium wie besessen Werke von Ibsen, Strindberg, Nietzsche und Dostojewski und fĂŒhlte sich angetrieben Dramatiker zu werden. Er verspĂŒrte zum ersten Mal den Drang, StĂŒcke zu schreiben und die bisherigen Erfahrungen zu verarbeiten. Nach seiner Entlassung im spĂ€ten FrĂŒhjahr 1913 verbrachte er einige Zeit zuhause, und als die Spielzeit wieder begann, zog er zu einer befreundeten englischen Familie, von deren Haus man auf den Long-Island-Sund blickte. Hier blieb er ĂŒber ein Jahr, las, ruhte, trieb Sport, hĂ€rtete sich durch tĂ€gliches morgendliches Schwimmen im Sund ab, auch den ganzen Winter ĂŒber, und schrieb vor allem. In etwa 15 Monaten verfasste er elf Einakter, zwei mehraktige Dramen und einige Gedichte. FĂŒr sein Drama Jenseits vom Horizont erhielt OâNeill 1920 den Pulitzer-Preis. Als erster amerikanischer Dramatiker wurde er 1936 fĂŒr die Kraft, Ehrlichkeit und tiefempfundenen GefĂŒhle in seinem dramatischen Werk, das eine eigenstĂ€ndige Idee der Tragödie verkörpert mit dem Nobelpreis fĂŒr Literatur ausgezeichnet.
Immer wieder widmete sich OâNeill in seinen StĂŒcken den innerlich zerbrochenen Figuren, die durch Selbstbetrug und Rausch versuchen, der Verantwortung ihres Lebens zu entfliehen. Mit radikaler Ehrlichkeit legt er die AbgrĂŒnde seiner Figuren offen, die aus verdrĂ€ngter Schuld, falschen GefĂŒhlen und Resignation bestehen und im sinnlosen Kampf miteinander verstrickt sind. OâNeills BezĂŒge zur griechischen Tragödie werden nicht zuletzt im StĂŒck âTrauer muss Elektra tragenâ (1931) deutlich.
Am auffĂ€lligsten sind die Verbindungen zwischen OâNeills Leben und seinem Werk in dem 1941 vollendeten StĂŒck âEines langen Tages Reise in die Nachtâ, dessen UrauffĂŒhrung OâNeill testamentarisch erst lange nach seinem Tod erlaubte. So schrieb er seiner Frau in der Widmung des StĂŒcks: âIch schenke Dir das Originalmanuskript dieses Schauspiels, es handelt von altem Leid, geschrieben mit TrĂ€nen und Blut.â In der Person Edmund, der nach Halt Suchende in einer unberechenbar und sinnlos gewordenen Welt, hatte er sich sein Spiegelbild geschaffen.
Auch in seinem privaten Leben wiederholten sich belastende FamilienumstĂ€nde. Von seiner dritten Ehefrau wurde er 1946 wegen âseelischer Grausamkeitâ verklagt. Er verlor seinen Sohn durch Selbstmord. Seine Tochter Oona OâNeill, die spĂ€ter mit Charlie Chaplin verheiratet war, suchte vergeblich mit OâNeill in Kontakt zu kommen. Von der Parkinson-Krankheit und Neuritis gezeichnet, vernichtete er kurz vor seinem Tod einen betrĂ€chtlichen Umfang seines Werkes.
1953 starb er in einem Bostoner Hotel an Tuberkulose. âBorn in a hotel-room and God-damned, died in a hotel-roomâ, sollen seine letzten Worte gewesen sein.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | OâNeill, Eugene |
| ALTERNATIVNAMEN | OâNeill, Eugene Gladstone (vollstĂ€ndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Dramatiker |
| GEBURTSDATUM | 16. Oktober 1888 |
| GEBURTSORT | New York City |
| STERBEDATUM | 27. November 1953 |
| STERBEORT | Boston |