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Eugene O’Neill

Eugene O’Neill, fotografiert von Carl van Vechten am 5. September 1933

Eugene Gladstone O’Neill (* 16. Oktober 1888 in New York City; † 27. November 1953 in Boston) war ein US-amerikanischer Dramatiker und LiteraturnobelpreistrĂ€ger irischer Abstammung. Er ist zudem bis heute neben Robert Frost die einzige Person, der vier Pulitzer-Preise (1920, 1922, 1928, 1957) verliehen wurden – der letzte postum.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend

Gedenktafel am Geburtshaus in New York City

O’Neill wurde in einem Familienhotel am Broadway als dritter Sohn geboren. Der zweite Bruder Edmund (* 1885) war schon mit 1 1/2 Jahren an Masern gestorben, der im Beruf erfolglose Ă€ltere Bruder verfiel spĂ€ter dem Alkohol. Der Vater James O’Neill (1849–1920) stammte aus Kilkenny, Irland, und war Schauspieler. James, der 1850 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten gekommen war, hatte sich aus armen VerhĂ€ltnissen emporgearbeitet, konnte aber seine krankhafte Sparsamkeit nie ĂŒberwinden. Eugene O’Neill reiste als Kind mit Eltern und Ă€lterem Bruder James jr. (1878–1923) auf den Gastspielreisen des Vaters durch die ganzen Vereinigten Staaten und lernte so schon frĂŒh das Theater kennen. Der bodenstĂ€ndige irische Katholizismus des Vaters und die mehr mystische Frömmigkeit der Mutter, Ellen Quinlan (ca. 1858–1922), lagen Eugenes Auseinandersetzung mit Gott und der Religion, die O’Neills Dramen auszeichnen sollte, zugrunde.

Die alptraumhafte Unsicherheit seines frĂŒhen Lebens („I had no childhood“), wie auch die DrogenabhĂ€ngigkeit seiner Mutter (die das Theater ablehnte), machte Eugene O’Neill spĂ€ter seinem Vater zum Vorwurf. Wenn er nicht mit der Familie auf Tournee war, besuchte er verschiedene katholische Internate, bis er es als Teenager durchsetzte, auf eine nicht konfessionell gebundene Schule zu wechseln. Die Sommerferien verbrachte er im einzigen dauerhaften Heim der Familie, einem bescheidenen Haus in New London (Connecticut), von wo aus man einen Fluss namens Thames ĂŒberblicken konnte. Nach dem Schulabschluss immatrikulierte er im Herbst 1906 an der UniversitĂ€t Princeton, wurde aber schon im Juni 1907 wegen eines Regelverstoßes entlassen. Er hatte eine Bierflasche durch ein Fenster des UniversitĂ€tsprĂ€sidenten und spĂ€teren US-PrĂ€sidenten Woodrow Wilson geworfen.

Zielloses Leben

Danach wechselte er von einem Job zum anderen. ZunĂ€chst fand er, der sowieso keine große Lust auf das College gehabt hatte, eine SekretĂ€rsstelle in einem dubiosen New Yorker VersandgeschĂ€ft, an dem sein Vater beteiligt war. Nach dessen Schließung heiratete er am 2. Oktober 1909 die junge New Yorkerin Kathleen Jenkins. Die Heirat wurde von seiner Familie missbilligt und er brach noch im selben Jahr mit einem Bergbauingenieur als Goldsucher nach Honduras auf, musste jedoch schon im MĂ€rz 1910 wegen Malaria nach New York zurĂŒckkehren, wo sich die Eheleute noch vor der Geburt des Sohnes Eugene jr. trennten. Dieser lernte seinen Vater erst mit elf oder zwölf Jahren kennen.
Eugene O’Neills Vater machte ihn zum „Assistant Manager“ der Truppe, und O’Neill reiste mit ihr von St. Louis in Missouri bis Boston. Eugene, den der Job wenig interessierte, trat bald nach dem Ende der Spielzeit seine erste Seereise an. Die Fahrten als Seemann nach SĂŒdamerika (65 Tage auf einem norwegischen Schiff von Boston nach Buenos Aires) und SĂŒdafrika, brachten ihn in Kontakt mit Schauerleuten, Entwurzelten und Ausgestoßenen aller Art, nach denen er viele seiner Charaktere formte. In Argentinien fand er zunĂ€chst BeschĂ€ftigung in der technischen Zeichenabteilung der Westinghouse Electrical Company, dann in einer Wollpackanlage in La Plata, schließlich im BĂŒro der Singer-NĂ€hmaschinenfabrik in Buenos Aires. Es folgte eine Seereise nach Durban in SĂŒdafrika und zurĂŒck als Maultierhalter auf einem Rindertransporter. Danach war er eine lĂ€ngere Zeit völlig mittellos und fĂŒhrte im Hafenviertel und am Strand von Buenos Aires sowie spĂ€ter in New York und Liverpool das Leben eines Obdachlosen und wurde zum SĂ€ufer. Schließlich verdingte er sich als gewöhnlicher Seemann auf einem britischen Trampschiff, das ihn nach New York brachte. Danach kam seine letzte Fahrt zur See als Matrose auf der Amerika-Linie New York-Southampton.

Wendepunkt

Als er 23 Jahre alt war, ging es in seinem Leben wieder aufwĂ€rts. Er trat in der Spielzeit 1911/12 in der Truppe seines Vaters in einer kleinen Rolle auf und arbeitete â€“ nach 15 Wochen mit der Familie nach New London zurĂŒckgekehrt â€“ fĂŒr knapp sechs Monate als Reporter beim „New London Telegraph“, zu dessen Poetry Column er von August bis Dezember 24 â€“ meist satirische â€“ Gedichte, beitrug. Die Sympathie des Verlegers der Zeitung, Frederick P. Latimer, war ihm trotz ihrer grundverschiedenen Ansichten gewiss. Latimer war auch der erste, der erkannte, dass O’Neill großes Talent besaß, obwohl er ihn fĂŒr den dickköpfigsten und unbelehrbarsten Sozialrebellen hielt. Nach einem Selbstmordversuch im Jahr 1912 und der Scheidung seiner kurzen Ehe mit Kathleen Jenkins im selben Jahr brach er im Dezember 1912 gesundheitlich zusammen. In Gaylord Farm in Wallingford, Connecticut, einem Sanatorium, blieb er fĂŒnf Monate, um seine Tuberkulose auszuheilen. Ans Bett gefesselt war er nicht, denn die Therapie setzte auf körperliche AbhĂ€rtung. Hier wurde nicht nur seine Gesundheit einigermaßen wiederhergestellt â€“ d. h. das Fortschreiten der Krankheit gestoppt â€“ es war auch der Wendepunkt seines bisher ziellosen Lebens.

Wiederbeginn als Dramatiker

Er las im Sanatorium wie besessen Werke von Ibsen, Strindberg, Nietzsche und Dostojewski und fĂŒhlte sich angetrieben Dramatiker zu werden. Er verspĂŒrte zum ersten Mal den Drang, StĂŒcke zu schreiben und die bisherigen Erfahrungen zu verarbeiten. Nach seiner Entlassung im spĂ€ten FrĂŒhjahr 1913 verbrachte er einige Zeit zuhause, und als die Spielzeit wieder begann, zog er zu einer befreundeten englischen Familie, von deren Haus man auf den Long-Island-Sund blickte. Hier blieb er ĂŒber ein Jahr, las, ruhte, trieb Sport, hĂ€rtete sich durch tĂ€gliches morgendliches Schwimmen im Sund ab, auch den ganzen Winter ĂŒber, und schrieb vor allem. In etwa 15 Monaten verfasste er elf Einakter, zwei mehraktige Dramen und einige Gedichte. FĂŒr sein Drama Jenseits vom Horizont erhielt O’Neill 1920 den Pulitzer-Preis. Als erster amerikanischer Dramatiker wurde er 1936 fĂŒr die Kraft, Ehrlichkeit und tiefempfundenen GefĂŒhle in seinem dramatischen Werk, das eine eigenstĂ€ndige Idee der Tragödie verkörpert mit dem Nobelpreis fĂŒr Literatur ausgezeichnet.

Immer wieder widmete sich O’Neill in seinen StĂŒcken den innerlich zerbrochenen Figuren, die durch Selbstbetrug und Rausch versuchen, der Verantwortung ihres Lebens zu entfliehen. Mit radikaler Ehrlichkeit legt er die AbgrĂŒnde seiner Figuren offen, die aus verdrĂ€ngter Schuld, falschen GefĂŒhlen und Resignation bestehen und im sinnlosen Kampf miteinander verstrickt sind. O’Neills BezĂŒge zur griechischen Tragödie werden nicht zuletzt im StĂŒck „Trauer muss Elektra tragen“ (1931) deutlich.

Am auffĂ€lligsten sind die Verbindungen zwischen O’Neills Leben und seinem Werk in dem 1941 vollendeten StĂŒck „Eines langen Tages Reise in die Nacht“, dessen UrauffĂŒhrung O’Neill testamentarisch erst lange nach seinem Tod erlaubte. So schrieb er seiner Frau in der Widmung des StĂŒcks: „Ich schenke Dir das Originalmanuskript dieses Schauspiels, es handelt von altem Leid, geschrieben mit TrĂ€nen und Blut.“ In der Person Edmund, der nach Halt Suchende in einer unberechenbar und sinnlos gewordenen Welt, hatte er sich sein Spiegelbild geschaffen.

Auch in seinem privaten Leben wiederholten sich belastende FamilienumstĂ€nde. Von seiner dritten Ehefrau wurde er 1946 wegen „seelischer Grausamkeit“ verklagt. Er verlor seinen Sohn durch Selbstmord. Seine Tochter Oona O’Neill, die spĂ€ter mit Charlie Chaplin verheiratet war, suchte vergeblich mit O’Neill in Kontakt zu kommen. Von der Parkinson-Krankheit und Neuritis gezeichnet, vernichtete er kurz vor seinem Tod einen betrĂ€chtlichen Umfang seines Werkes.

1953 starb er in einem Bostoner Hotel an Tuberkulose. „Born in a hotel-room and God-damned, died in a hotel-room“, sollen seine letzten Worte gewesen sein.

Werke (Auswahl)

  • The (S.S.) Glencairn Plays, vier Einakter aus den 1910ern
  • Beyond The Horizon, 1920   (Jenseits vom Horizont)
  • The Emperor Jones, 1921   (Der Kaiser Jones)
  • Anna Christie, 1920
  • The Hairy Ape, 1922   (Der haarige Affe)
  • All God’s Chillun Got Wings, 1924   (Alle Kinder Gottes haben FlĂŒgel)
  • Desire Under the Elms, 1924   (Sehnsucht unter Ulmen)
  • The Great God Brown, 1926   (Der große Gott Brown)
  • Strange Interlude, 1928   (Seltsames Zwischenspiel)
  • Mourning Becomes Electra, 1931   (Trauer muß Elektra tragen)
  • Ah, Wilderness!, 1933   (O Wildnis)
  • The Iceman Cometh 1946,   (Der Eismann kommt)
  • A Moon for the Misbegotten, 1947   (Ein Mond fĂŒr die Beladenen)
  • Long Day’s Journey Into Night, 1956   (Eines langen Tages Reise in die Nacht)
  • A Touch of the Poet, 1957   (Fast ein Poet)[1]

Verfilmungen

  • 1930 – Anna Christie – Regie: Clarence Brown – mit Greta Garbo
  • 1933 – Kaiser Jones (The Emperor Jones) – Regie: Dudley Murphy
  • 1940 – Der lange Weg nach Cardiff (The long voyage home) – Regie: John Ford – Vorlage: vier Einakter
  • 1947 – Mourning becomes Electra – Regie: Dudley Nichols – mit Michael Redgrave
  • 1957 – Begierde unter Ulmen (Desire under the elms) – Regie: Delbert Mann
  • 1960 – Der Eismann kommt (The iceman cometh) – Regie: Sidney Lumet
  • 1962 – A long day’s journey into night – Regie: Sidney Lumet
  • 1970 – Trauer muss Elektra tragen – TV-Film mit Peter Pasetti
  • 1987 – VerhĂ€ngnisvolle Liebe (Strange interlude) – Regie: Herbert Wise

Weblinks

 Commons: Eugene O’Neill â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ www.nobelpreis.org Eugene Gladstone O'Neill
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