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Europa
| FlĂ€che | 10.180.000 kmÂČ |
|---|---|
| Bevölkerung | 740 Millionen (Mitte 2011)[1] |
| Bevölkerungsdichte | 65 Einwohner pro kmÂČ |
| LĂ€nder | ca. 50 |
| Sprachfamilien | Indogermanisch Finno-Ugrisch Turksprachen Baskisch Semitisch Nordwestkaukasische Sprachen Nordostkaukasische Sprachen Mongolische Sprachen |
| Zeitzonen | UTC (Island) bis UTC+4 (Russland) |
Europa (griechisch ÎáœÏÏÏη, EuráčpÄ) ist ein Erdteil, der sich ĂŒber das westliche FĂŒnftel der eurasischen Landmasse erstreckt. Obwohl es geographisch gesehen ein Subkontinent ist, der mit Asien zusammen den Kontinent Eurasien bildet, wird es historisch und kulturell begrĂŒndet meist als eigenstĂ€ndiger Kontinent betrachtet. Dies verweist darauf, dass sich der Begriff âEuropaâ nicht in der geographischen Definition erschöpft, sondern sich auch auf historische, kulturelle, politische, wirtschaftliche, rechtliche und ideelle Aspekte bezieht.
Der Name âEuropaâ lĂ€sst sich in Europa selbst am weitesten in Form der griechischen ÎáœÏÏÏη zurĂŒckverfolgen: Hier wurde EuráčpÄ meist als Kompositum aus altgriechisch ΔáœÏÏÏ, eurĂœs, âweitâ und áœÏ, Ăłps, âSichtâ, âGesichtâ aufgefasst, daher EuráčpÄ, âdie [Frau] mit der weiten Sichtâ.
Nach der griechischen Mythologie war dies der Name einer phönizischen Königstochter, altgriechisch ÎÏÏÏÏη, die Zeus in Stiergestalt schwimmend nach Kreta entfĂŒhrte und dort verfĂŒhrte. Dieser Name stammt nach Auffassung einiger Etymologen[2] aus einer semitischen Sprache und wurde dann grĂ€zisiert, z. B. aus phönizisch erob, âdunkelâ, âAbendâ.
Im 5. Jahrhundert vor Christus bezog der griechische Schriftsteller und Geograph Herodot den Begriff âEuropaâ, auf die Landmassen nördlich des Mittelmeers sowie des Schwarzen Meers und unterschied sie so von den Landmassen Asiens (âAsiaâ) und Afrikas (âLibyaâ).
Europa hat im Osten gegenĂŒber Asien keine eindeutige geographische oder geologische Grenze. Deshalb sind die âGrenzen Europasâ eine Frage gesellschaftlicher Ăbereinkunft, eine geographische Definition Europas ist immer willkĂŒrlich. Nach einer bekannten Formulierung von Bernard-Henri LĂ©vy ist Europa âkein Ort, sondern eine Ideeâ. Im Folgenden wird aus pragmatischen GrĂŒnden bezĂŒglich der Grenze zwischen Europa und Asien die Definition von Philip Johan von Strahlenberg verwendet. Danach bilden Uralgebirge und -fluss die Ostgrenze Europas. Zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer verlĂ€uft die Grenzlinie durch die Manytschniederung nördlich des Kaukasusgebirges, da an ihrer Stelle einst eine MeeresstraĂe das Kaspische Meer mit dem Schwarzen Meer verband.[3]
Die oben gezeigte Weltkugel zieht â davon abweichend â die Grenze entlang des Kaukasus-Hauptkammes; diese Grenzziehung wird im englisch- und französischsprachigen Raum bevorzugt. NĂ€heres dazu unter Innereurasische Grenze.
Insgesamt hat Europa eine FlĂ€che von etwa 10,5 Millionen Quadratkilometern und ist damit nach Australien der zweitkleinste Kontinent. Der nördlichste Punkt des europĂ€ischen Festlands liegt auf der Halbinsel Nordkinn in Norwegen, der sĂŒdlichste ist die Punta de Tarifa in Spanien, der westlichste das Cabo da Roca in Portugal. Die Nord-SĂŒd-Ausdehnung betrĂ€gt etwa 3800 km. In Ost-West-Richtung misst das europĂ€ische Festland etwa 6000 km, vom Uralgebirge in Russland bis zur AtlantikkĂŒste Portugals.
Mit ĂŒber 700 Millionen Einwohnern gehört Europa zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrĂ€gt etwa 65 Einwohner/kmÂČ. Vor allem in West-, Mittel- und SĂŒdeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, wĂ€hrend sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt. Die zentral gelegene Bevölkerungskonzentration in West-, Mittel- und SĂŒdeuropa, die sich bandförmig zwischen der Irischen See und dem Mittelmeer erstreckt, wird unter der Bezeichnung âBlaue Bananeâ als wirtschafts- und siedlungsgeografisch bedeutende Megalopolis klassifiziert.
Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen sowie das Romani zÀhlen zu den indogermanischen Sprachen.
Die uralischen Sprachen stellen die zweitgröĂte Sprachfamilie Europas dar. Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend Menschen im Ă€uĂersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen. Hierzu zĂ€hlen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland.
Im europĂ€ischen Teil der TĂŒrkei ist mit TĂŒrkisch eine Turksprache Amts- und Titularsprache, ebenso Kasachisch im europĂ€ischen Teil Kasachstans. Andere Turksprachen kommen als Minderheitensprachen in Ost- und SĂŒdosteuropa vor, so etwa das Gagausische und das Tatarische. Mit KalmĂŒckisch wird am Ostrand des Kontinents auch ein Vertreter der mongolischen Sprachfamilie in Europa gesprochen.
Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen vertreten. Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner gröĂeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt. DarĂŒber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jĂŒngerer Zeit hierher gelangt sind.
Bezogen auf die Zahl der Bewohner ist in Europa das lateinische Alphabet am gebrĂ€uchlichsten, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, WeiĂrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Teilen Bosniens und der Herzegowina) und dem griechischen Alphabet. Die lateinische Sprache hat durch die römisch-katholische Kirche bis in die Neuzeit als Schrift des Kontinents ĂŒberleben können.
Das Christentum und der Islam sind die am weitesten in Europa verbreiteten Religionen.
Etwa 75 % der EuropÀer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox).[4]
Zwischen 35 und 53 Millionen, also bis zu 8 % sind Muslime, wobei die meisten Muslime in den europĂ€ischen Teilen Russlands (25 Millionen) leben, daneben im europĂ€ischen Gebiet der TĂŒrkei (5,9 Millionen), Bosnien-Herzegowina (2,2 Millionen), Albanien (1,4â2,5 Millionen[5]), sowie muslimische Einwanderer und deren Nachkommen in Frankreich (5,5 Millionen), Deutschland (ĂŒber 4 Millionen), im Vereinigten Königreich (1,8 Millionen) und Italien (1 Million).
Weniger als 1 % der europÀischen Bevölkerung sind Juden (knapp 2 Millionen, die meisten davon in Frankreich (ca. 520.000), dem Vereinigten Königreich (ca. 270.000), Russland (ca. 260.000) und Deutschland (ca. 100.000)). Andere Religionen (Hinduismus, Buddhismus etc.) sind ebenfalls mit weniger als 1 % vertreten.
Etwa 17 % der EuropÀer sind konfessionslos, besonders in Estland, Tschechien, den Niederlanden, Russland und Ostdeutschland, sonst v.a. in den StÀdten.
Die alleinige Konfessionszugehörigkeit sagt jedoch wenig ĂŒber den tatsĂ€chlichen Grad der ReligiositĂ€t in einem Land aus. Nach der European Values Study bezeichneten sich ca. ein Drittel der EuropĂ€er als unreligiös, 5 % als ĂŒberzeugte Atheisten.
Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel aus, wurde aber im Zuge der âReconquistaâ vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrĂ€ngt. EuropĂ€er verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem MaĂe auch auf anderen Kontinenten (Teile SĂŒdostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend sĂ€kularisiert.
Die römisch-katholische Kirche hat seit 1964 sechs Heilige zu Patronen Europas ernannt.[6]
In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit betrĂ€gt in den meisten LĂ€ndern vier bis fĂŒnf â in wenigen Staaten auch sieben oder acht Jahre. Danach folgt meist eine weiterfĂŒhrende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen LĂ€ndern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen LĂ€ndern gibt es auĂerdem renommierte Hochschulen und UniversitĂ€ten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten.
Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele StĂ€dte, wie beispielsweise Paris, Wien, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. AuĂerdem besitzen viele StĂ€dte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.
Die StĂ€dte und Gemeinden bilden die kleinsten administrativen Einheiten im Verwaltungsaufbau der Staaten. Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Neuzeit, da sie im Zeitalter des Imperialismus Zentrum eines groĂen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier StĂ€dte der heutigen EuropĂ€ischen Union unter den 20 gröĂten der Welt, seitdem wachsen die europĂ€ischen StĂ€dte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier gröĂten heutigen EU-StĂ€dte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio sowie Mailand und Neapel, die noch Platz 13 und 19 belegten.
Doch in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts holten die StĂ€dte der restlichen Welt, besonders die der EntwicklungslĂ€nder, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder SĂŁo Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und fĂŒhren jetzt die Tabelle der Welt an.
Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist, dass es auch oft polyzentrische BallungsrÀume gibt, in denen die KernstÀdte im Vergleich zum Ballungsraum sehr klein sind (z. B. Rhein-Ruhr, das oberschlesische Industriegebiet oder Mittelengland). Daher tauchen sie, auch wenn sie teilweise sehr groà sind, nicht in der Tabelle unten auf.
StÀdte mit mehr als 1,5 Mio. Einwohnern in Europa sind:
| Rang |
Stadt | Staat | Einwohner- zahl in Mio. |
Einwohnerzahl mit Ballungsraum in Mio. |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Moskau | |
10,4 | 13,8 |
| 2 | London | |
7,4 | 12,0 |
| 3 | Istanbulâą | |
6,9âąâą | 16,0 |
| 4 | Sankt Petersburg | |
4,8 | 5,3 |
| 5 | Berlin | |
3,4 | 4,2 |
| 6 | Madrid | |
3,1 | 5,3 |
| 7 | Rom | |
2,7 | 3,8 |
| 8 | Kiew | |
2,7 | 3,3 |
| 9 | Paris | |
2,1 | 11,5 |
| 10 | Bukarest | |
1,9 | 2,6 |
| 11 | Hamburg | |
1,8 | 2,6 |
| 12 | Minsk | |
1,7 | 1,7 |
| 13 | Budapest | |
1,7 | 2,4 |
| 14 | Warschau | |
1,7 | 2,4 |
| 15 | Wien | |
1,7 | 2,4 |
| 16 | Barcelona | |
1,6 | 3,9 |
⹠liegt auf der Grenze zwischen Europa und Asien, der alte Stadtkern gehört zum europÀischen Teil
âąâą Anzahl der Einwohner des europĂ€ischen Teils Istanbuls
Ălteste Nachweise von Vertretern der Gattung Homo stammen derzeit aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Mio. Jahre alt.[7] Noch Ă€ltere Fossilfunde aus Georgien (auĂerhalb der heute gĂŒltigen Grenzen Europas) sind 1,8 Mio. Jahre alt und werden als âHomo georgicusâ bezeichnet. Im nordalpinen Europa beginnt der Ă€lteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor ca. 600.000 Jahren. Erst vor ca. 40.000 Jahren gelangte Homo sapiens nach Europa (vgl. Ausbreitung des Menschen) und ersetzte nach und nach den Neandertaler. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte groĂer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunĂ€chst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.
Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterlieĂen bis heute ihre Spuren. In der Antike vereinigte das Römische Reich zur Zeit des Augustus erstmals das gesamte sĂŒdliche Europa zusammen mit den anderen KĂŒstenlĂ€ndern des Mittelmeerraums in einem GroĂreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum in der SpĂ€tantike von Konstantin dem GroĂen gefördert (Konstantinische Wende) und unter Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben â eine Entwicklung, die bis heute fortwirkt. Mit dem Ende der Antike brach im Westen das Imperium Romanum zusammen, bestand im Osten jedoch als (immer mehr griechisch geprĂ€gtes) Byzantinisches Reich bis 1453 fort. In dieser Zeit drĂ€ngten mit der Völkerwanderung eine Vielzahl von meist germanischen StĂ€mmen (Angelsachsen, Franken, Goten u.a.) in das westliche Europa und bildeten den Grundstein fĂŒr zukĂŒnftige Nationen (England, Frankreich, Spanien).
Im FrĂŒhmittelalter erklĂ€rte das Paderborner Epos den Herrscher des Frankenreichs, Karl den GroĂen, zum âVater Europasâ (pater EuropĂŠ).[8] Das Mittelalter war unter anderem geprĂ€gt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen (siehe Römisch-deutscher Kaiser) und dem byzantinischen Kaiser in Konstantinopel (Zweikaiserproblem), auf deren beider EinflusssphĂ€ren die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurĂŒckgeht. Missionare verbreiteten das Christentum seit dem FrĂŒhmittelalter ĂŒber Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa im SpĂ€tmittelalter christlich wurde. Im westlichen Europa gab es jedoch seit dem Investiturstreit im 11. Jahrhundert Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Im Zeitalter der Renaissance entdeckte man im lateinischen Westen dasâ Wissen der Antikeâ wieder, was teils einen kulturellen Aufschwung bewirkte. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die westliche Kirche (mit der orthodoxen Kirche war es bereits im Jahr 1054 zum Bruch gekommen) in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwĂŒstete der DreiĂigjĂ€hrige Krieg weite Teile Mitteleuropas.
Seit dem 15. Jahrhundert bauten europĂ€ische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit groĂen BesitztĂŒmern auf allen anderen Kontinenten auf. Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur).
Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der AufklĂ€rung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der MenschenwĂŒrde, Gleichheit und Freiheit. In Frankreich kam 1789 durch die Französische Revolution das BĂŒrgertum zur Macht. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des nach der Revolutionszeit zur Macht gekommenen französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte. Die konservativen SiegermĂ€chte versuchten darauf im Rahmen des Wiener Kongresses die vorrevolutionĂ€ren ZustĂ€nde wieder herzustellen, was nur vorĂŒbergehend gelang. Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und verĂ€nderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt von der Verbreitung demokratischer Ideen und Systeme, der konservativen Reaktion darauf und dem mit ungezĂŒgeltem Nationalismus einhergehenden Imperialismus der GroĂmĂ€chte. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an. Rund 60 Millionen Menschen verloren in Letzterem ihr Leben; geschĂ€tzte sechs Millionen davon waren Juden, welche die Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn, wie auch Homosexuelle und âZigeunerâ, auszurotten versuchten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei groĂe politisch-ökonomische Blöcke geteilt: sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte. Dazwischen gab es einige neutrale Staaten. Erst Perestroika und Glasnost fĂŒhrten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf.
Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstÀrkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt.
Siehe auch: Liste der LĂ€nder Europas
Zieht man die Grenze Europas gemÀà der Definition Strahlenbergs (siehe: Abschnitt Geographie) gibt es zurzeit 46 souverÀne Staaten, die ganz oder teilweise in Europa liegen. 26 davon sind Mitglied der EuropÀischen Union. Der 27. Mitgliedstaat der EU, die Republik Zypern, zÀhlt geographisch zu Asien.
Des Weiteren wird die Republik Kosovo von allen deutschsprachigen Staaten als selbststĂ€ndiger Staat anerkannt. Serbien betrachtet die abtrĂŒnnige Provinz jedoch weiterhin als untrennbaren Bestandteil seines Territoriums.
Das EU-Mitglied Zypern liegt komplett in Asien.
Bei einer alternativen Grenzziehung Europas entlang des Hauptkamms des Kaukasus wÀren weitere kleine Gebiete Georgiens und Aserbaidschans (inklusive der Hauptstadt Baku) europÀisch.
Daneben gibt es noch kleinere Territorien, die nicht integrierter Bestandteil eines Staates, aber auch nicht selbstÀndig sind:
Diese drei Gebiete sind Kronbesitzungen der britischen Krone. Sie sind kein Bestandteil des Vereinigten Königreichs von GroĂbritannien und Nordirland.
Gibraltar ist ein Britisches Ăberseegebiet. Als solches steht es zwar unter der SouverĂ€nitĂ€t des Vereinigten Königreichs, ist aber ebenfalls kein Teil davon.
Die FÀröer bilden zusammen mit Grönland und dem dÀnischen Kernland das Königreich DÀnemark.
Diese zwei Gebiete sind Teil des Königreichs Norwegen und werden deshalb gewöhnlich zu Europa gezÀhlt. Aufgrund ihrer Lage zwischen Skandinavien und Grönland (Jan Mayen) bzw. zwischen Skandinavien und dem Nordpol (Svalbard) ist die geographische Zuordnung zum Kontinent nicht eindeutig.
Die Inselgruppen sind zwei autonome Regionen Portugals. Ihre Zuordnung zu Europa folgt aufgrund politischer, kultureller und historischer Gleichartigkeit. Geographisch liegt etwa Madeira nĂ€her der afrikanischen als der europĂ€ischen KĂŒste.
Einige Staaten gehören geographisch nicht zu Europa, sind aber Mitglieder europÀischer Organisationen
Siehe auch: Liste europÀischer Nachbarstaaten
In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europĂ€ische Institution der Europarat gegrĂŒndet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst. Ebenfalls von groĂer Bedeutung ist die Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) damals blockĂŒbergreifend gegrĂŒndet wurde, und der neben europĂ€ischen LĂ€ndern auch die USA und Kanada angehören.
1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine EuropĂ€ische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine EuropĂ€ische Politische Gemeinschaft (EPG) zu grĂŒnden, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen VertrĂ€gen die EuropĂ€ische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegrĂŒndet. Ab dem EG-Fusionsvertrag 1967 teilten sich die drei EuropĂ€ische Gemeinschaften (EGKS, Euratom und EWG) die gemeinsamen Institutionen Kommission, Rat, Parlament und Gerichtshof. Mit dem Vertrag von Maastricht 1993 wurde die EWG in EuropĂ€ische Gemeinschaft (EG) umbenannt und auĂerdem die EuropĂ€ische Union gegrĂŒndet, die die drei Gemeinschaften umfasste sowie um zwei intergouvernementale Politikbereiche die Gemeinsame AuĂen- und Sicherheitspolitik und die Zusammenarbeit im Bereich Justiz und Inneres erweiterte. 2002 wurde die EGKS aufgelöst und ihre Funktionen von der EG ĂŒbernommen. Nach der Ost-Erweiterung in den Jahren 2004 und 2007 zĂ€hlt die EU 27 Mitgliedsstaaten. Durch den Vertrag von Lissabon ging schlieĂlich die EG zum 1. Dezember 2009 vollstĂ€ndig in der EU auf.
Ein GroĂteil der Mitgliedstaaten der ebenfalls in den 1950er Jahren gegrĂŒndeten EuropĂ€ischen Freihandelsassoziation (EFTA) ist mittlerweile in die EU ĂŒbergetreten, nur noch Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein sind Mitglieder. Die EFTA ist anders als die EU eine reine Freihandelszone ohne supranationale Entscheidungsbefugnisse.
In militĂ€rischer Hinsicht ist die NATO (Nordatlantikvertrag-Organisation) in Europa von groĂer Bedeutung. Sie wurde 1949 aufgrund der sich abzeichnenden Differenzen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen den Westalliierten und der UdSSR gegrĂŒndet. Neben den 23 europĂ€ischen Mitgliedern sind auch die USA, Kanada und die TĂŒrkei Mitglieder der NATO.
Im 19. Jahrhundert war Europa durch die in England beginnende und auf den ganzen Kontinent ĂŒbergreifende Industrielle Revolution konkurrenzlos die fĂŒhrende Wirtschaftskraft. SpĂ€ter brachten verschiedene internationale Einrichtungen und Organisationen, wie die EFTA (EuropĂ€ische Freihandelszone) und die EuropĂ€ische Gemeinschaft -der heutigen EU- einen Wachstumsschub, der in vielen Teilen Europas bis in die 1970er und teilweise in die 1980er anhielt. Die Versorgung der Bevölkerung Europas konnte durch die Verringerung von HandelsbeschrĂ€nkungen ebenfalls weiter ausgebaut werden. Momentan erlebt Osteuropa einen Wirtschaftsboom, und schlieĂt zu den WesteuropĂ€ischen Staaten auf. Besonders hoch ist das Wachstum zurzeit [2006] in den EU-Staaten Lettland, Estland, Litauen und der Slowakei, mit zum Teil zweistelligen Wachstumsraten.
Mit dem Maastricht-Vertrag bildeten zunĂ€chst 12 Staaten der EU ab 1999 eine WĂ€hrungsunion. Ab dem 1. Januar 2002 wurden Euro-Geldscheine und -mĂŒnzen eingefĂŒhrt. Heute ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel in 17 EU-Staaten und sechs weiteren europĂ€ischen Staaten.
Heute ist Europa ein wohlhabender Kontinent mit groĂen Industriemetropolen, ertragreicher Landwirtschaft und einem wachsenden Dienstleistungssektor. Dennoch ist seit den 1970er Jahren Arbeitslosigkeit ein weit verbreitetes Problem in vielen europĂ€ischen Staaten. Die Industrie und die Dienstleistung konzentrieren sich vor allem auf die Ballungsgebiete. In den meisten Staaten Europas ist das Problem nicht mehr der Mangel an Nahrungsmitteln, sondern die Ăberproduktion und die Fettleibigkeit. AusfuhrgĂŒter sind vor allem Maschinen, Stahl, Computerbedarf und Autos. EinfuhrgĂŒter sind unter anderem Kakao, Tee, Kautschuk, Erdöl, Erdgas und Erze.
Der Kontinent liegt hauptsĂ€chlich in den gemĂ€Ăigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Bordeaux betrĂ€gt beispielsweise 12,8 °C, wĂ€hrend das auf nahezu gleicher Breite liegende kanadische Halifax (Nova Scotia) nur 6,3 °C erreicht.
In groĂen Teilen Westeuropas stehen milden Wintern kĂŒhle Sommer gegenĂŒber. In Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stĂ€rker. In den gröĂten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer NĂ€he vorwiegend kontinental geprĂ€gt. Kalte Winter und heiĂe Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend.
Durch die Erdrotation und die damit verbundene ablenkende Kraft kommen Winde hauptsĂ€chlich aus westlicher Richtung. Da in den KĂŒstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjĂ€hrig zu Regen. In Ost- und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfĂ€llt. Gebirge beeinflussen die Niederschlagsmenge ebenfalls stark. So zĂ€hlen Teile der nordwestlichen Alpen zu den niederschlagsreichsten Gebieten Europas, wĂ€hrend zentrale AlpentĂ€ler vergleichsweise trocken sind. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere fĂŒr Regenfronten.
In Gebieten nahe dem Mittelmeer herrscht ĂŒberwiegend mediterranes Klima, das heiĂt trockene und heiĂe Sommer, wĂ€hrend es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen hĂ€ufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im SĂŒdosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heiĂen Sommern und geringem Niederschlag. So kann es z. B. auch sein, dass in Lappland noch Schnee liegt, wĂ€hrend in Sizilien ĂŒber Sommerhitze geklagt wird, es auf den Shetlandinseln andauernd regnet und Andalusien von jahrelanger Trockenheit geplagt wird.
Die Vegetation in Europa lĂ€sst sich anhand des Klimas grob in vier Zonen einteilen: arktisch, boreal, gemĂ€Ăigt und mediterran. Durch jahrtausendelange Nutzung ist die ursprĂŒngliche Vegetation Europas in der gemĂ€Ăigten und mediterrane Zone bis auf winzige Reste vernichtet. Im Norden Europas sind in der arktischen Tundra nur StrĂ€ucher, Moose und Flechten zu finden. Weiter sĂŒdlich schlieĂen sich in Skandinavien und dem nördlichen Russland boreale NadelwĂ€lder an (vorwiegend aus Fichten und Kiefern), in die ausgedehnte Moore eingebettet sind. In der gemĂ€Ăigten Zone wĂŒrden zwischen dem Atlantischen Ozean und den Karpaten unter natĂŒrlichen Bedingungen vor allem durch Rotbuchen geprĂ€gte LaubwĂ€lder wachsen, in den wĂ€rmsten Tieflagen auch solche mit sommergrĂŒnen Eichen und Hainbuchen. Ăstlich vom Verbreitungsgebiet der Rotbuche, etwa ab der Weichsel und dem Dnjestr bis zum sĂŒdlichen Ural, wĂ€ren MischwĂ€lder ausgebildet, in denen Stieleiche, Winter-Linde, Waldkiefer und â im Ăbergang zur nördlich anschlieĂenden Nadelwaldzone â die Fichte die wichtigste Rolle spielen. Nach SĂŒden schlieĂt an diese Mischwaldzone nördlich vom Schwarzen Meer eine Region an, in der unter natĂŒrlichen Bedingungen Steppenvegetation ausgebildet wĂ€re.
Auch der Mittelmeerraum war ursprĂŒnglich weitgehend bewaldet. Dort wĂ€re die Vegetation ohne menschliche Einwirkung von mediterranen Hartlaubwald geprĂ€gt, der von immergrĂŒnen Eichenarten (v.a. Steineiche) beherrscht wird, in den sĂŒdlichsten und wĂ€rmsten Lagen auch mit starker Beteiligung von OlivenbĂ€umen, Pistazien und Kiefern. In den kĂŒhleren Lagen des Mittelmeergebiets spielen aber auch verschiedene sommergrĂŒne Eichenarten, etwa die Flaumeiche, eine groĂe Rolle. In den mittleren und höheren Lagen der Gebirge ist die ursprĂŒngliche Vegetation besser erhalten als in den Tieflagen. Hier sind auf relativ kleinem Raum mehrere einander ĂŒberlagernde Höhenstufen ausgebildet, wobei in AbhĂ€ngigkeit vom Klima die einzelnen Komponenten einer solchen Höhenstufenzonierung sehr unterschiedlich sein können. In den BergwĂ€ldern der mittleren oberen Höhenlagen sind neben der Rotbuche vor allem Tannen- und Kiefernarten, in den nördlicheren Gebirgen auch Fichte und LĂ€rche von Bedeutung. Oberhalb der Waldgrenze sind in den Gebirgen Zwergstrauchheiden, alpine Rasen, und im Mittelmeerraum auch Dornpolstervegetation zu finden. Nach oben zu wird die geschlossene Vegetation von einzeln wachsenden Fels- und Schuttpflanzen abgelöst.
Heute ist der gröĂte Teil Europas durch agrarische Nutzung geprĂ€gt, die verbliebenen WĂ€lder werden intensiv forstlich genutzt. Geringer vom Menschen beeinflusste Bereiche gibt es vor allem in den höheren Lagen der Gebirge.
GroĂe Raubtiere wie BĂ€r, Wolf oder Luchs sind nur noch im Norden oder Osten in gröĂeren BestĂ€nden zu finden. Im Ă€uĂersten Norden und Osten Europas kommen Rentiere und Elche noch relativ hĂ€ufig vor. Nach seiner Ausrottung wurde der Wisent aus ZoobestĂ€nden wieder in Osteuropa ausgewildert. Rothirsch, Reh und Wildschwein findet man in den meisten Regionen Europas. Eine typisch europĂ€ische GroĂtierart ist die GĂ€mse, die auĂerhalb der europĂ€ischen Gebirge nur in Kleinasien und den asiatischen Teilen des Kaukasus verbreitet ist. In Alpen, PyrenĂ€en und im Kaukasus leben verschiedene Arten des Steinbocks. Die Saigaantilope war noch im Mittelalter bis in die Ukraine verbreitet, heute ist sie in Europa auf Gebiete am Unterlauf der Wolga beschrĂ€nkt. Viele Arten sind schon vor Jahrhunderten ausgerottet worden (Ur, Tarpan). Auch der Bestand an Greifvögeln, wie Steinadler, Seeadler und GĂ€nsegeier ist in den letzten Jahrhunderten stark dezimiert worden. Nur in SĂŒdeuropa gibt es aufgrund des warmen Klimas eine gröĂere Artenzahl an Eidechsen, Schlangen und Schildkröten. An der KĂŒste leben Seehunde und andere Robbenarten. In den nördlichen Meeren sind die bekanntesten Wale Schwertwal und Schweinswal, im Mittelmeer verschiedene Delfinarten. Die bekanntesten Salzwasserfische sind Heringe und verschiedene Thunfischarten.
Siehe auch folgende Artenlisten: SĂ€ugetiere Europas, Reptilien Europas, Amphibien Europas, SĂŒĂwasserfische Europas.
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