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Europa

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Europa (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.

Europa

Lage Europas auf einer Weltkarte

FlĂ€che 10.180.000 kmÂČ
Bevölkerung 740 Millionen (Mitte 2011)[1]
Bevölkerungsdichte 65 Einwohner pro kmÂČ
LĂ€nder ca. 50
Sprachfamilien Indogermanisch
Finno-Ugrisch
Turksprachen
Baskisch
Semitisch
Nordwestkaukasische Sprachen
Nordostkaukasische Sprachen
Mongolische Sprachen
Zeitzonen UTC (Island) bis UTC+4 (Russland)
Satellitenfoto von Europa

Europa (griechisch Εᜐρώπη, Euráč“pē) ist ein Erdteil, der sich ĂŒber das westliche FĂŒnftel der eurasischen Landmasse erstreckt. Obwohl es geographisch gesehen ein Subkontinent ist, der mit Asien zusammen den Kontinent Eurasien bildet, wird es historisch und kulturell begrĂŒndet meist als eigenstĂ€ndiger Kontinent betrachtet. Dies verweist darauf, dass sich der Begriff „Europa“ nicht in der geographischen Definition erschöpft, sondern sich auch auf historische, kulturelle, politische, wirtschaftliche, rechtliche und ideelle Aspekte bezieht.

Inhaltsverzeichnis

Name

Europa und der Stier – Fresko des 1. Jahrhunderts n.Chr. aus Pompeji
Europa in Herodots antikem Weltbild

Der Name „Europa“ lĂ€sst sich in Europa selbst am weitesten in Form der griechischen Εᜐρώπη zurĂŒckverfolgen: Hier wurde Euráč“pē meist als Kompositum aus altgriechisch Δᜐρύς, eurĂœs, „weit“ und ᜄψ, Ăłps, „Sicht“, „Gesicht“ aufgefasst, daher Euráč“pē, „die [Frau] mit der weiten Sicht“.

Nach der griechischen Mythologie war dies der Name einer phönizischen Königstochter, altgriechisch Εύρώπη, die Zeus in Stiergestalt schwimmend nach Kreta entfĂŒhrte und dort verfĂŒhrte. Dieser Name stammt nach Auffassung einiger Etymologen[2] aus einer semitischen Sprache und wurde dann grĂ€zisiert, z. B. aus phönizisch erob, „dunkel“, „Abend“.

Im 5. Jahrhundert vor Christus bezog der griechische Schriftsteller und Geograph Herodot den Begriff „Europa“, auf die Landmassen nördlich des Mittelmeers sowie des Schwarzen Meers und unterschied sie so von den Landmassen Asiens („Asia“) und Afrikas („Libya“).

Geographie

Topographie Europas
→ Hauptartikel: Geographie Europas
Siehe auch: Eurasien

Europa hat im Osten gegenĂŒber Asien keine eindeutige geographische oder geologische Grenze. Deshalb sind die ‚Grenzen Europas‘ eine Frage gesellschaftlicher Übereinkunft, eine geographische Definition Europas ist immer willkĂŒrlich. Nach einer bekannten Formulierung von Bernard-Henri LĂ©vy ist Europa „kein Ort, sondern eine Idee“. Im Folgenden wird aus pragmatischen GrĂŒnden bezĂŒglich der Grenze zwischen Europa und Asien die Definition von Philip Johan von Strahlenberg verwendet. Danach bilden Uralgebirge und -fluss die Ostgrenze Europas. Zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer verlĂ€uft die Grenzlinie durch die Manytschniederung nördlich des Kaukasusgebirges, da an ihrer Stelle einst eine Meeresstraße das Kaspische Meer mit dem Schwarzen Meer verband.[3]

Die oben gezeigte Weltkugel zieht – davon abweichend – die Grenze entlang des Kaukasus-Hauptkammes; diese Grenzziehung wird im englisch- und französischsprachigen Raum bevorzugt. NĂ€heres dazu unter Innereurasische Grenze.

Insgesamt hat Europa eine FlĂ€che von etwa 10,5 Millionen Quadratkilometern und ist damit nach Australien der zweitkleinste Kontinent. Der nördlichste Punkt des europĂ€ischen Festlands liegt auf der Halbinsel Nordkinn in Norwegen, der sĂŒdlichste ist die Punta de Tarifa in Spanien, der westlichste das Cabo da Roca in Portugal. Die Nord-SĂŒd-Ausdehnung betrĂ€gt etwa 3800 km. In Ost-West-Richtung misst das europĂ€ische Festland etwa 6000 km, vom Uralgebirge in Russland bis zur AtlantikkĂŒste Portugals.

Bevölkerung

Mit ĂŒber 700 Millionen Einwohnern gehört Europa zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrĂ€gt etwa 65 Einwohner/kmÂČ. Vor allem in West-, Mittel- und SĂŒdeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, wĂ€hrend sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt. Die zentral gelegene Bevölkerungskonzentration in West-, Mittel- und SĂŒdeuropa, die sich bandförmig zwischen der Irischen See und dem Mittelmeer erstreckt, wird unter der Bezeichnung „Blaue Banane“ als wirtschafts- und siedlungsgeografisch bedeutende Megalopolis klassifiziert.

Sprachen

Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen sowie das Romani zÀhlen zu den indogermanischen Sprachen.

Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrĂ¶ĂŸte Sprachfamilie Europas dar. Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend Menschen im Ă€ußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen. Hierzu zĂ€hlen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland.

Im europĂ€ischen Teil der TĂŒrkei ist mit TĂŒrkisch eine Turksprache Amts- und Titularsprache, ebenso Kasachisch im europĂ€ischen Teil Kasachstans. Andere Turksprachen kommen als Minderheitensprachen in Ost- und SĂŒdosteuropa vor, so etwa das Gagausische und das Tatarische. Mit KalmĂŒckisch wird am Ostrand des Kontinents auch ein Vertreter der mongolischen Sprachfamilie in Europa gesprochen.

Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen vertreten. Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner grĂ¶ĂŸeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt. DarĂŒber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jĂŒngerer Zeit hierher gelangt sind.

Bezogen auf die Zahl der Bewohner ist in Europa das lateinische Alphabet am gebrĂ€uchlichsten, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Teilen Bosniens und der Herzegowina) und dem griechischen Alphabet. Die lateinische Sprache hat durch die römisch-katholische Kirche bis in die Neuzeit als Schrift des Kontinents ĂŒberleben können.

Religionen

Das Christentum und der Islam sind die am weitesten in Europa verbreiteten Religionen.

Etwa 75 % der EuropĂ€er sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox).[4]

Zwischen 35 und 53 Millionen, also bis zu 8 % sind Muslime, wobei die meisten Muslime in den europĂ€ischen Teilen Russlands (25 Millionen) leben, daneben im europĂ€ischen Gebiet der TĂŒrkei (5,9 Millionen), Bosnien-Herzegowina (2,2 Millionen), Albanien (1,4–2,5 Millionen[5]), sowie muslimische Einwanderer und deren Nachkommen in Frankreich (5,5 Millionen), Deutschland (ĂŒber 4 Millionen), im Vereinigten Königreich (1,8 Millionen) und Italien (1 Million).

Weniger als 1 % der europĂ€ischen Bevölkerung sind Juden (knapp 2 Millionen, die meisten davon in Frankreich (ca. 520.000), dem Vereinigten Königreich (ca. 270.000), Russland (ca. 260.000) und Deutschland (ca. 100.000)). Andere Religionen (Hinduismus, Buddhismus etc.) sind ebenfalls mit weniger als 1 % vertreten.

Etwa 17 % der EuropĂ€er sind konfessionslos, besonders in Estland, Tschechien, den Niederlanden, Russland und Ostdeutschland, sonst v.a. in den StĂ€dten.

Die alleinige Konfessionszugehörigkeit sagt jedoch wenig ĂŒber den tatsĂ€chlichen Grad der ReligiositĂ€t in einem Land aus. Nach der European Values Study bezeichneten sich ca. ein Drittel der EuropĂ€er als unreligiös, 5 % als ĂŒberzeugte Atheisten.

  • In Russland, dem flĂ€chengrĂ¶ĂŸten und bevölkerungsreichsten Staat Europas (der europĂ€ische Teil Russlands hat ĂŒber 100 Mio. Einwohner) sind ĂŒber 50 % Christen, mindestens 30 % Atheisten bzw. konfessionslos und etwa 14 % Muslime.
  • Im Vergleich dazu hat Deutschland mit ĂŒber 80 Mio. Einwohnern die zweitgrĂ¶ĂŸte Bevölkerungszahl. Fast 65 % sind Christen, etwa 5 % Muslime, der Rest vor allem Atheisten und Konfessionslose. Im Osten Deutschlands allerdings machen Konfessionslose bis zu 70 % aus.

Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel aus, wurde aber im Zuge der „Reconquista“ vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrĂ€ngt. EuropĂ€er verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile SĂŒdostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend sĂ€kularisiert.

Die römisch-katholische Kirche hat seit 1964 sechs Heilige zu Patronen Europas ernannt.[6]

Siehe auch: Islam in Europa

Bildung und Kultur

Sorbonne-UniversitÀt in Paris

In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit betrĂ€gt in den meisten LĂ€ndern vier bis fĂŒnf – in wenigen Staaten auch sieben oder acht Jahre. Danach folgt meist eine weiterfĂŒhrende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen LĂ€ndern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen LĂ€ndern gibt es außerdem renommierte Hochschulen und UniversitĂ€ten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten.

Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele StĂ€dte, wie beispielsweise Paris, Wien, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele StĂ€dte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.

StÀdte und Metropolen

Politische Karte Europas mit den HauptstÀdten
Verschiedene historische Grenzziehungen fĂŒr die Europa-Asien-Grenze

Die StĂ€dte und Gemeinden bilden die kleinsten administrativen Einheiten im Verwaltungsaufbau der Staaten. Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Neuzeit, da sie im Zeitalter des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier StĂ€dte der heutigen EuropĂ€ischen Union unter den 20 grĂ¶ĂŸten der Welt, seitdem wachsen die europĂ€ischen StĂ€dte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier grĂ¶ĂŸten heutigen EU-StĂ€dte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio sowie Mailand und Neapel, die noch Platz 13 und 19 belegten.

Doch in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts holten die StĂ€dte der restlichen Welt, besonders die der EntwicklungslĂ€nder, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder SĂŁo Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und fĂŒhren jetzt die Tabelle der Welt an.

Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist, dass es auch oft polyzentrische BallungsrĂ€ume gibt, in denen die KernstĂ€dte im Vergleich zum Ballungsraum sehr klein sind (z. B. Rhein-Ruhr, das oberschlesische Industriegebiet oder Mittelengland). Daher tauchen sie, auch wenn sie teilweise sehr groß sind, nicht in der Tabelle unten auf.

StÀdte mit mehr als 1,5 Mio. Einwohnern in Europa sind:

Rang
Stadt Staat Einwohner-
zahl in Mio.
Einwohnerzahl
mit Ballungsraum
in Mio.
1 Moskau RusslandRussland Russland 10,4 13,8
2 London Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 7,4 12,0
3 Istanbul‱ TurkeiTĂŒrkei TĂŒrkei 6,9‱‱ 16,0
4 Sankt Petersburg RusslandRussland Russland 4,8 5,3
5 Berlin DeutschlandDeutschland Deutschland 3,4 4,2
6 Madrid SpanienSpanien Spanien 3,1 5,3
7 Rom ItalienItalien Italien 2,7 3,8
8 Kiew UkraineUkraine Ukraine 2,7 3,3
9 Paris FrankreichFrankreich Frankreich 2,1 11,5
10 Bukarest RumĂ€nienRumĂ€nien RumĂ€nien 1,9 2,6
11 Hamburg DeutschlandDeutschland Deutschland 1,8 2,6
12 Minsk WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 1,7 1,7
13 Budapest UngarnUngarn Ungarn 1,7 2,4
14 Warschau PolenPolen Polen 1,7 2,4
15 Wien OsterreichÖsterreich Ă–sterreich 1,7 2,4
16 Barcelona SpanienSpanien Spanien 1,6 3,9

‱ liegt auf der Grenze zwischen Europa und Asien, der alte Stadtkern gehört zum europĂ€ischen Teil

‱‱ Anzahl der Einwohner des europĂ€ischen Teils Istanbuls

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Europas
Rekonstruktion von Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit

Älteste Nachweise von Vertretern der Gattung Homo stammen derzeit aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Mio. Jahre alt.[7] Noch Ă€ltere Fossilfunde aus Georgien (außerhalb der heute gĂŒltigen Grenzen Europas) sind 1,8 Mio. Jahre alt und werden als „Homo georgicus“ bezeichnet. Im nordalpinen Europa beginnt der Ă€lteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor ca. 600.000 Jahren. Erst vor ca. 40.000 Jahren gelangte Homo sapiens nach Europa (vgl. Ausbreitung des Menschen) und ersetzte nach und nach den Neandertaler. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunĂ€chst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.

Konstantin der Große mit dem Stadtmodell Konstantinopels

Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen bis heute ihre Spuren. In der Antike vereinigte das Römische Reich zur Zeit des Augustus erstmals das gesamte sĂŒdliche Europa zusammen mit den anderen KĂŒstenlĂ€ndern des Mittelmeerraums in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum in der SpĂ€tantike von Konstantin dem Großen gefördert (Konstantinische Wende) und unter Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben – eine Entwicklung, die bis heute fortwirkt. Mit dem Ende der Antike brach im Westen das Imperium Romanum zusammen, bestand im Osten jedoch als (immer mehr griechisch geprĂ€gtes) Byzantinisches Reich bis 1453 fort. In dieser Zeit drĂ€ngten mit der Völkerwanderung eine Vielzahl von meist germanischen StĂ€mmen (Angelsachsen, Franken, Goten u.a.) in das westliche Europa und bildeten den Grundstein fĂŒr zukĂŒnftige Nationen (England, Frankreich, Spanien).

Im FrĂŒhmittelalter erklĂ€rte das Paderborner Epos den Herrscher des Frankenreichs, Karl den Großen, zum „Vater Europas“ (pater EuropĂŠ).[8] Das Mittelalter war unter anderem geprĂ€gt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen (siehe Römisch-deutscher Kaiser) und dem byzantinischen Kaiser in Konstantinopel (Zweikaiserproblem), auf deren beider EinflusssphĂ€ren die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurĂŒckgeht. Missionare verbreiteten das Christentum seit dem FrĂŒhmittelalter ĂŒber Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa im SpĂ€tmittelalter christlich wurde. Im westlichen Europa gab es jedoch seit dem Investiturstreit im 11. Jahrhundert Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Im Zeitalter der Renaissance entdeckte man im lateinischen Westen das„ Wissen der Antike“ wieder, was teils einen kulturellen Aufschwung bewirkte. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die westliche Kirche (mit der orthodoxen Kirche war es bereits im Jahr 1054 zum Bruch gekommen) in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwĂŒstete der DreißigjĂ€hrige Krieg weite Teile Mitteleuropas.

Seit dem 15. Jahrhundert bauten europĂ€ische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen BesitztĂŒmern auf allen anderen Kontinenten auf. Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur).

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der AufklĂ€rung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der MenschenwĂŒrde, Gleichheit und Freiheit. In Frankreich kam 1789 durch die Französische Revolution das BĂŒrgertum zur Macht. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des nach der Revolutionszeit zur Macht gekommenen französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte. Die konservativen SiegermĂ€chte versuchten darauf im Rahmen des Wiener Kongresses die vorrevolutionĂ€ren ZustĂ€nde wieder herzustellen, was nur vorĂŒbergehend gelang. Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und verĂ€nderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt von der Verbreitung demokratischer Ideen und Systeme, der konservativen Reaktion darauf und dem mit ungezĂŒgeltem Nationalismus einhergehenden Imperialismus der GroßmĂ€chte. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an. Rund 60 Millionen Menschen verloren in Letzterem ihr Leben; geschĂ€tzte sechs Millionen davon waren Juden, welche die Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn, wie auch Homosexuelle und „Zigeuner“, auszurotten versuchten.

Europa im Jahr 1899

Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei große politisch-ökonomische Blöcke geteilt: sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte. Dazwischen gab es einige neutrale Staaten. Erst Perestroika und Glasnost fĂŒhrten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf.

Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstÀrkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt.

Siehe auch: Wiege Europas
Siehe auch: Alteuropa
Siehe auch: Blaue Banane

Politik

Politische Gliederung

Politische Karte Europas
Auch nicht-europÀische LÀnder sind Mitglied in europÀischen Organisationen. Beispiel: EU, Europarat, OSZE, EBU, UEFA

Siehe auch: Liste der LĂ€nder Europas

Zieht man die Grenze Europas gemĂ€ĂŸ der Definition Strahlenbergs (siehe: Abschnitt Geographie) gibt es zurzeit 46 souverĂ€ne Staaten, die ganz oder teilweise in Europa liegen. 26 davon sind Mitglied der EuropĂ€ischen Union. Der 27. Mitgliedstaat der EU, die Republik Zypern, zĂ€hlt geographisch zu Asien.

Des Weiteren wird die Republik Kosovo von allen deutschsprachigen Staaten als selbststĂ€ndiger Staat anerkannt. Serbien betrachtet die abtrĂŒnnige Provinz jedoch weiterhin als untrennbaren Bestandteil seines Territoriums.

Mitgliedstaaten der EuropÀischen Union

  1. BelgienBelgien Belgien (Hauptstadt BrĂŒssel)
  2. BulgarienBulgarien Bulgarien (Hauptstadt Sofia)
  3. DanemarkDĂ€nemark DĂ€nemark (Hauptstadt Kopenhagen)
  4. DeutschlandDeutschland Deutschland (Hauptstadt Berlin)
  5. EstlandEstland Estland (Hauptstadt Tallinn)
  6. FinnlandFinnland Finnland (Hauptstadt Helsinki)
  7. FrankreichFrankreich Frankreich (Hauptstadt Paris)
  8. GriechenlandGriechenland Griechenland (Hauptstadt Athen)
  9. IrlandIrland Irland (Hauptstadt Dublin)
  10. ItalienItalien Italien (Hauptstadt Rom)
  11. LettlandLettland Lettland (Hauptstadt Riga)
  12. LitauenLitauen Litauen (Hauptstadt Vilnius)
  13. LuxemburgLuxemburg Luxemburg (Hauptstadt Luxemburg)
  14. MaltaMalta Malta (Hauptstadt Valletta)
  15. NiederlandeNiederlande Niederlande (Hauptstadt Amsterdam)
  16. OsterreichÖsterreich Ă–sterreich (Hauptstadt Wien)
  17. PolenPolen Polen (Hauptstadt Warschau)
  18. PortugalPortugal Portugal (Hauptstadt Lissabon)
  19. RumĂ€nienRumĂ€nien RumĂ€nien (Hauptstadt Bukarest)
  20. SchwedenSchweden Schweden (Hauptstadt Stockholm)
  21. SlowakeiSlowakei Slowakei (Hauptstadt Bratislava)
  22. SlowenienSlowenien Slowenien (Hauptstadt Ljubljana)
  23. SpanienSpanien Spanien (Hauptstadt Madrid)
  24. TschechienTschechien Tschechien (Hauptstadt Prag)
  25. UngarnUngarn Ungarn (Hauptstadt Budapest)
  26. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich (Hauptstadt London)

Das EU-Mitglied Zypern liegt komplett in Asien.

Weitere Staaten mit europÀischem Territorium

  1. AlbanienAlbanien Albanien (Hauptstadt Tirana)
  2. AndorraAndorra Andorra (Hauptstadt Andorra la Vella)
  3. Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina (Hauptstadt Sarajevo)
  4. IslandIsland Island (Hauptstadt ReykjavĂ­k)
  5. KasachstanKasachstan Kasachstan (Hauptstadt Astana)
  6. KroatienKroatien Kroatien (Hauptstadt Zagreb)
  7. LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein (Hauptort Vaduz)
  8. MazedonienMazedonien Mazedonien (Hauptstadt Skopje)
  9. MoldawienMoldawien Moldawien (Hauptstadt Chișinău)
  10. MonacoMonaco Monaco (Hauptstadt Monaco (Stadt))
  11. MontenegroMontenegro Montenegro (Hauptstadt Podgorica)
  12. NorwegenNorwegen Norwegen (Hauptstadt Oslo)
  13. RusslandRussland Russland (Hauptstadt Moskau)
  14. San MarinoSan Marino San Marino (Hauptstadt San Marino)
  15. SchweizSchweiz Schweiz (Bundesstadt Bern)
  16. VatikanstadtVatikanstadt Vatikanstadt
  17. SerbienSerbien Serbien (Hauptstadt Belgrad)
  18. TurkeiTĂŒrkei TĂŒrkei (Hauptstadt Ankara)
  19. UkraineUkraine Ukraine (Hauptstadt Kiew)
  20. WeissrusslandWeißrussland Weißrussland (Hauptstadt Minsk)

Bei einer alternativen Grenzziehung Europas entlang des Hauptkamms des Kaukasus wÀren weitere kleine Gebiete Georgiens und Aserbaidschans (inklusive der Hauptstadt Baku) europÀisch.

De facto unabhÀngige Staaten

  1. KosovoKosovo Kosovo (Hauptstadt PriĆĄtina): Das Parlament in der von der UN verwalteten Provinz Kosovo erklĂ€rte am 17. Februar 2008 einseitig seine UnabhĂ€ngigkeit von Serbien. Serbien, in dessen Verfassung explizit ĂŒber die serbische Provinz als unteilbarer Teil der Republik die Rede ist, betrachtet die Region weiterhin als Bestandteil Serbiens.
  2. TransnistrienTransnistrien Transnistrien (Hauptstadt: Tiraspol): 1992 hat sich in Transnistrien ein de facto unabhĂ€ngiger Staat von Moldawien etabliert. Er ist aber von keinem anderen Staat anerkannt.

Weitere Gebiete

Daneben gibt es noch kleinere Territorien, die nicht integrierter Bestandteil eines Staates, aber auch nicht selbstÀndig sind:

Diese drei Gebiete sind Kronbesitzungen der britischen Krone. Sie sind kein Bestandteil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland.

Gibraltar ist ein Britisches Überseegebiet. Als solches steht es zwar unter der SouverĂ€nitĂ€t des Vereinigten Königreichs, ist aber ebenfalls kein Teil davon.

Die FÀröer bilden zusammen mit Grönland und dem dÀnischen Kernland das Königreich DÀnemark.

Andere Gebiete in Randlage

Diese zwei Gebiete sind Teil des Königreichs Norwegen und werden deshalb gewöhnlich zu Europa gezÀhlt. Aufgrund ihrer Lage zwischen Skandinavien und Grönland (Jan Mayen) bzw. zwischen Skandinavien und dem Nordpol (Svalbard) ist die geographische Zuordnung zum Kontinent nicht eindeutig.

Die Inselgruppen sind zwei autonome Regionen Portugals. Ihre Zuordnung zu Europa folgt aufgrund politischer, kultureller und historischer Gleichartigkeit. Geographisch liegt etwa Madeira nĂ€her der afrikanischen als der europĂ€ischen KĂŒste.

Teilweise in Europa liegende Staaten

  • Die TĂŒrkei liegt nach der traditionellen geographischen Abgrenzung an Bosporus und Dardanellen nur mit drei Prozent ihrer FlĂ€che in Europa, der Rest in Asien. Zum europĂ€ischen Teil gehört jedoch die Altstadt İstanbuls, der grĂ¶ĂŸten Stadt und historischen Hauptstadt. Die politischen und kulturellen Grenzen folgten in dieser Region kaum jemals der traditionellen geographischen Abgrenzung der Kontinente. Die TĂŒrkei unterscheidet sich vor allem durch ihre muslimische Religion vom Großteil des restlichen Europas. Politisch gehört die TĂŒrkei als Mitglied des Europarats zu Europa. Sie bildet mit der EU eine Zollunion und wird bei internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen meist Europa zugeordnet. Auf politischem Gebiet ist die Frage der Zugehörigkeit der TĂŒrkei zu Europa derzeit vor allem im Kontext der Verhandlungen ĂŒber ihren Beitritt zur EU heftig umstritten.
  • Kasachstan liegt nach der am weitesten verbreiteten geographischen Abgrenzung am Uralfluss mit elf Prozent seiner LandflĂ€che in Europa, der Rest in Asien. Etwa die HĂ€lfte der Einwohner sind Angehörige europĂ€ischer Völker (Russen, Ukrainer, Polen, Deutsche). Abgesehen von der Mitgliedschaft in der UEFA sowie der OSZE, die es jedoch mit fĂŒnf[9] bzw. sieben[10] weiteren asiatischen Staaten teilt, wird es politisch und kulturell gewöhnlich zu Asien gezĂ€hlt.

AußereuropĂ€ische Besitzungen europĂ€ischer LĂ€nder

Mitglieder europÀischer Organisationen

Einige Staaten gehören geographisch nicht zu Europa, sind aber Mitglieder europÀischer Organisationen

  • Zypern liegt im östlichen Mittelmeer nahe der KĂŒste Asiens, zu dem es deshalb geographisch gezĂ€hlt wird. Geschichtlich und kulturell ist es jedoch eng mit Europa verbunden und politisch und kulturell Mitglied europĂ€ischer Organisationen. Seit Mai 2004 ist die Republik Zypern auch Mitglied der EuropĂ€ischen Union.
  • Die transkaukasischen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien werden geographisch zu Asien gerechnet. Geschichtlich und kulturell sind jedoch die beiden mehrheitlich christlichen Staaten Armenien und Georgien mit Europa verbunden. Alle drei Staaten sind Mitglieder des Europarates und werden bei internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen meist Europa zugeordnet.
  • Israel liegt geographisch unbestritten in Asien. Bei internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen wird es jedoch oft Europa zugeordnet.

Siehe auch: Liste europÀischer Nachbarstaaten

Politische Organisationen

Mitgliedschaft in EuropÀischen Organisationen

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europĂ€ische Institution der Europarat gegrĂŒndet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) damals blockĂŒbergreifend gegrĂŒndet wurde, und der neben europĂ€ischen LĂ€ndern auch die USA und Kanada angehören.

Europadenkmal auf der deutsch-französischen Grenze bei Berus, Saarland

1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine EuropĂ€ische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine EuropĂ€ische Politische Gemeinschaft (EPG) zu grĂŒnden, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen VertrĂ€gen die EuropĂ€ische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegrĂŒndet. Ab dem EG-Fusionsvertrag 1967 teilten sich die drei EuropĂ€ische Gemeinschaften (EGKS, Euratom und EWG) die gemeinsamen Institutionen Kommission, Rat, Parlament und Gerichtshof. Mit dem Vertrag von Maastricht 1993 wurde die EWG in EuropĂ€ische Gemeinschaft (EG) umbenannt und außerdem die EuropĂ€ische Union gegrĂŒndet, die die drei Gemeinschaften umfasste sowie um zwei intergouvernementale Politikbereiche die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Zusammenarbeit im Bereich Justiz und Inneres erweiterte. 2002 wurde die EGKS aufgelöst und ihre Funktionen von der EG ĂŒbernommen. Nach der Ost-Erweiterung in den Jahren 2004 und 2007 zĂ€hlt die EU 27 Mitgliedsstaaten. Durch den Vertrag von Lissabon ging schließlich die EG zum 1. Dezember 2009 vollstĂ€ndig in der EU auf.

Ein Großteil der Mitgliedstaaten der ebenfalls in den 1950er Jahren gegrĂŒndeten EuropĂ€ischen Freihandelsassoziation (EFTA) ist mittlerweile in die EU ĂŒbergetreten, nur noch Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein sind Mitglieder. Die EFTA ist anders als die EU eine reine Freihandelszone ohne supranationale Entscheidungsbefugnisse.

In militĂ€rischer Hinsicht ist die NATO (Nordatlantikvertrag-Organisation) in Europa von großer Bedeutung. Sie wurde 1949 aufgrund der sich abzeichnenden Differenzen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen den Westalliierten und der UdSSR gegrĂŒndet. Neben den 23 europĂ€ischen Mitgliedern sind auch die USA, Kanada und die TĂŒrkei Mitglieder der NATO.

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert war Europa durch die in England beginnende und auf den ganzen Kontinent ĂŒbergreifende Industrielle Revolution konkurrenzlos die fĂŒhrende Wirtschaftskraft. SpĂ€ter brachten verschiedene internationale Einrichtungen und Organisationen, wie die EFTA (EuropĂ€ische Freihandelszone) und die EuropĂ€ische Gemeinschaft -der heutigen EU- einen Wachstumsschub, der in vielen Teilen Europas bis in die 1970er und teilweise in die 1980er anhielt. Die Versorgung der Bevölkerung Europas konnte durch die Verringerung von HandelsbeschrĂ€nkungen ebenfalls weiter ausgebaut werden. Momentan erlebt Osteuropa einen Wirtschaftsboom, und schließt zu den WesteuropĂ€ischen Staaten auf. Besonders hoch ist das Wachstum zurzeit [2006] in den EU-Staaten Lettland, Estland, Litauen und der Slowakei, mit zum Teil zweistelligen Wachstumsraten.

Mit dem Maastricht-Vertrag bildeten zunĂ€chst 12 Staaten der EU ab 1999 eine WĂ€hrungsunion. Ab dem 1. Januar 2002 wurden Euro-Geldscheine und -mĂŒnzen eingefĂŒhrt. Heute ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel in 17 EU-Staaten und sechs weiteren europĂ€ischen Staaten.

Heute ist Europa ein wohlhabender Kontinent mit großen Industriemetropolen, ertragreicher Landwirtschaft und einem wachsenden Dienstleistungssektor. Dennoch ist seit den 1970er Jahren Arbeitslosigkeit ein weit verbreitetes Problem in vielen europĂ€ischen Staaten. Die Industrie und die Dienstleistung konzentrieren sich vor allem auf die Ballungsgebiete. In den meisten Staaten Europas ist das Problem nicht mehr der Mangel an Nahrungsmitteln, sondern die Überproduktion und die Fettleibigkeit. AusfuhrgĂŒter sind vor allem Maschinen, Stahl, Computerbedarf und Autos. EinfuhrgĂŒter sind unter anderem Kakao, Tee, Kautschuk, Erdöl, Erdgas und Erze.

Klima

OberflÀchentemperatur des Golfstroms im westlichen Nordatlantik

Der Kontinent liegt hauptsĂ€chlich in den gemĂ€ĂŸigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Bordeaux betrĂ€gt beispielsweise 12,8 Â°C, wĂ€hrend das auf nahezu gleicher Breite liegende kanadische Halifax (Nova Scotia) nur 6,3 Â°C erreicht.

In großen Teilen Westeuropas stehen milden Wintern kĂŒhle Sommer gegenĂŒber. In Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stĂ€rker. In den grĂ¶ĂŸten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer NĂ€he vorwiegend kontinental geprĂ€gt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend.

Durch die Erdrotation und die damit verbundene ablenkende Kraft kommen Winde hauptsĂ€chlich aus westlicher Richtung. Da in den KĂŒstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjĂ€hrig zu Regen. In Ost- und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfĂ€llt. Gebirge beeinflussen die Niederschlagsmenge ebenfalls stark. So zĂ€hlen Teile der nordwestlichen Alpen zu den niederschlagsreichsten Gebieten Europas, wĂ€hrend zentrale AlpentĂ€ler vergleichsweise trocken sind. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere fĂŒr Regenfronten.

In Gebieten nahe dem Mittelmeer herrscht ĂŒberwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, wĂ€hrend es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen hĂ€ufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im SĂŒdosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag. So kann es z. B. auch sein, dass in Lappland noch Schnee liegt, wĂ€hrend in Sizilien ĂŒber Sommerhitze geklagt wird, es auf den Shetlandinseln andauernd regnet und Andalusien von jahrelanger Trockenheit geplagt wird.

Flora und Fauna

Wolf (Canis lupus)
EuropÀischer BraunbÀr

Die Vegetation in Europa lĂ€sst sich anhand des Klimas grob in vier Zonen einteilen: arktisch, boreal, gemĂ€ĂŸigt und mediterran. Durch jahrtausendelange Nutzung ist die ursprĂŒngliche Vegetation Europas in der gemĂ€ĂŸigten und mediterrane Zone bis auf winzige Reste vernichtet. Im Norden Europas sind in der arktischen Tundra nur StrĂ€ucher, Moose und Flechten zu finden. Weiter sĂŒdlich schließen sich in Skandinavien und dem nördlichen Russland boreale NadelwĂ€lder an (vorwiegend aus Fichten und Kiefern), in die ausgedehnte Moore eingebettet sind. In der gemĂ€ĂŸigten Zone wĂŒrden zwischen dem Atlantischen Ozean und den Karpaten unter natĂŒrlichen Bedingungen vor allem durch Rotbuchen geprĂ€gte LaubwĂ€lder wachsen, in den wĂ€rmsten Tieflagen auch solche mit sommergrĂŒnen Eichen und Hainbuchen. Östlich vom Verbreitungsgebiet der Rotbuche, etwa ab der Weichsel und dem Dnjestr bis zum sĂŒdlichen Ural, wĂ€ren MischwĂ€lder ausgebildet, in denen Stieleiche, Winter-Linde, Waldkiefer und – im Übergang zur nördlich anschließenden Nadelwaldzone – die Fichte die wichtigste Rolle spielen. Nach SĂŒden schließt an diese Mischwaldzone nördlich vom Schwarzen Meer eine Region an, in der unter natĂŒrlichen Bedingungen Steppenvegetation ausgebildet wĂ€re.

Auch der Mittelmeerraum war ursprĂŒnglich weitgehend bewaldet. Dort wĂ€re die Vegetation ohne menschliche Einwirkung von mediterranen Hartlaubwald geprĂ€gt, der von immergrĂŒnen Eichenarten (v.a. Steineiche) beherrscht wird, in den sĂŒdlichsten und wĂ€rmsten Lagen auch mit starker Beteiligung von OlivenbĂ€umen, Pistazien und Kiefern. In den kĂŒhleren Lagen des Mittelmeergebiets spielen aber auch verschiedene sommergrĂŒne Eichenarten, etwa die Flaumeiche, eine große Rolle. In den mittleren und höheren Lagen der Gebirge ist die ursprĂŒngliche Vegetation besser erhalten als in den Tieflagen. Hier sind auf relativ kleinem Raum mehrere einander ĂŒberlagernde Höhenstufen ausgebildet, wobei in AbhĂ€ngigkeit vom Klima die einzelnen Komponenten einer solchen Höhenstufenzonierung sehr unterschiedlich sein können. In den BergwĂ€ldern der mittleren oberen Höhenlagen sind neben der Rotbuche vor allem Tannen- und Kiefernarten, in den nördlicheren Gebirgen auch Fichte und LĂ€rche von Bedeutung. Oberhalb der Waldgrenze sind in den Gebirgen Zwergstrauchheiden, alpine Rasen, und im Mittelmeerraum auch Dornpolstervegetation zu finden. Nach oben zu wird die geschlossene Vegetation von einzeln wachsenden Fels- und Schuttpflanzen abgelöst.
Heute ist der grĂ¶ĂŸte Teil Europas durch agrarische Nutzung geprĂ€gt, die verbliebenen WĂ€lder werden intensiv forstlich genutzt. Geringer vom Menschen beeinflusste Bereiche gibt es vor allem in den höheren Lagen der Gebirge.

Große Raubtiere wie BĂ€r, Wolf oder Luchs sind nur noch im Norden oder Osten in grĂ¶ĂŸeren BestĂ€nden zu finden. Im Ă€ußersten Norden und Osten Europas kommen Rentiere und Elche noch relativ hĂ€ufig vor. Nach seiner Ausrottung wurde der Wisent aus ZoobestĂ€nden wieder in Osteuropa ausgewildert. Rothirsch, Reh und Wildschwein findet man in den meisten Regionen Europas. Eine typisch europĂ€ische Großtierart ist die GĂ€mse, die außerhalb der europĂ€ischen Gebirge nur in Kleinasien und den asiatischen Teilen des Kaukasus verbreitet ist. In Alpen, PyrenĂ€en und im Kaukasus leben verschiedene Arten des Steinbocks. Die Saigaantilope war noch im Mittelalter bis in die Ukraine verbreitet, heute ist sie in Europa auf Gebiete am Unterlauf der Wolga beschrĂ€nkt. Viele Arten sind schon vor Jahrhunderten ausgerottet worden (Ur, Tarpan). Auch der Bestand an Greifvögeln, wie Steinadler, Seeadler und GĂ€nsegeier ist in den letzten Jahrhunderten stark dezimiert worden. Nur in SĂŒdeuropa gibt es aufgrund des warmen Klimas eine grĂ¶ĂŸere Artenzahl an Eidechsen, Schlangen und Schildkröten. An der KĂŒste leben Seehunde und andere Robbenarten. In den nördlichen Meeren sind die bekanntesten Wale Schwertwal und Schweinswal, im Mittelmeer verschiedene Delfinarten. Die bekanntesten Salzwasserfische sind Heringe und verschiedene Thunfischarten.

Siehe auch folgende Artenlisten: SĂ€ugetiere Europas, Reptilien Europas, Amphibien Europas, SĂŒĂŸwasserfische Europas.

Siehe auch

 Portal:Europa – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Europa

Literatur

  • Lorraine Bluche, Veronika Lipphardt, Kiran Klaus Patel (Hrsg.): Der EuropĂ€er – ein Konstrukt. WissensbestĂ€nde, Diskurse, Praktiken. Wallstein Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0444-4.[11]
  • Almut-Barbara Renger / Roland Alexander Ißler (Hrsg.): Europa – Stier und Sternenkranz. Von der Union mit Zeus zum Staatenverbund, Göttingen: V&R unipress, 2009 (GrĂŒndungsmythen Europas in Literatur, Musik und Kunst, 1), ISBN 978-3-89971-566-8, 656 S., [1].

Weblinks

 Commons: Europa â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Europa â€“ geographische und historische Karten
Wikinews Wikinews: Europa â€“ in den Nachrichten
Wikinews Wikinews: Politik in Europa â€“ in den Nachrichten
Wiktionary Wiktionary: Europa â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Europa â€“ Zitate
Wikibooks Wikibooks: EuropĂ€ischer ReisefĂŒhrer â€“ Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. ↑ Datenreport 2011 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (PDF) (Link nicht mehr abrufbar)
  2. ↑ http://www.etymonline.com/index.php?search=europe auf etymonline.com unter European (englisch)
  3. ↑ Brockhaus EnzyklopĂ€die- 21. Auflage. F.A.Brockhaus. Leipzig/Mannheim 2006. Artikel Europa: „Als Grenze Europas zu Asien gilt seit dem 18. Jahrhundert der Ural... Konventionelle Grenzen zu Asien bilden außerdem der Fluß Ural, das Kaspische Meer, die Manytschniederung, das Schwarze Meer, der Bosporus, das Marmarameer, die Dardanellen sowie das ÄgĂ€ische Meer”.
  4. ↑ Christianity in Global Context: Trends and Statistics. Center for the Study of Global Christianity, 2005 (Link nicht mehr abrufbar)
  5. ↑ Der Anteil der Muslime an der albanischen Bevölkerung wird auf 40–70 % geschĂ€tzt, zu Einzelheiten und Nachweisen siehe Islam in Albanien.
  6. ↑ vgl. Union der EuropĂ€ischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen/innen U.C.E.S.M. (Link nicht mehr abrufbar)
  7. ↑ Carbonell, E. et. al. (2008): The first hominin of Europe. Nature 452, 465–469
  8. ↑ Dieter HĂ€germann: Karl der Große, Herrscher des Abendlandes, S. 10, Berlin u.a., 2000, ISBN 3 549 05826 8
  9. ↑ asiatische UEFA-Mitglieder neben Kasachstan: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Israel und Zypern
  10. ↑ asiatische OSZE-Mitglieder neben Kasachstan: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, außerdem: Vereinigte Staaten und Kanada
  11. ↑ Vgl. Vanessa Conze (22. Januar 2010): Rezension zu: L. Bluche u.a. (Hrsg.): Der EuropĂ€er – ein Konstrukt. H-Soz-u-Kult. Abgerufen am 22. Januar 2010.
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