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Europapolitik

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Unter Europapolitik versteht man die auf die europäische Integration ausgerichtete Politik von staatlichen, gesellschaftlichen Akteuren und internationalen Organisationen. Überwiegend wird die Politik auf die Europäische Union bezogen. Vielfach bezieht sie sich auch auf andere Organisationen wie den Europarat.

Inhaltsverzeichnis

Situation in Deutschland

Europapolitik wird in Deutschland von einer Vielzahl von Akteuren betrieben. Wichtigster Akteur ist die Bundesregierung, die durch das Ressortprinzip, stark fragmentiert nach Fachthemen, auf europapolitische Themen regiert. Ferner sind die deutschen Länder europapolitisch sehr aktiv. Ein durch den Vertrag von Lissabon gestärkter Akteur ist der Deutsche Bundestag, aber auch der Bundesrat. Wichtigstes Instrument staatlicher Akteure in der Europapolitik ist die Europakoordinierung.

Oftmals unterschätzt wird in Deutschland die Rolle der Lobbyisten, die ebenfalls in Brüssel, aber auch in der Bundeshauptstadt und in den Landeshauptstädten europapolitisch präsent sind. Ebenfalls unterschätzt werden die deutschen Europaparlamentarier, die über ihre Parteien nominiert werden und relativ unabhängig im erstarkten Brüssel-Straßburger Parlament agieren.[1]

Traditionell war die deutsche Europapolitik ein Teil der Außenpolitik, aufgrund der starken Politikverflechtung innerhalb der EU bürgert es sich aber immer mehr ein, von Europäischer Innenpolitik zu sprechen. In der Praxis kommt es regelmäßig zu Kompetenzstreitigkeiten in Bezug auf die Europakoordinierung, insbesondere zwischen dem Auswärtigem Amt und dem Bundeskanzleramt.[2]

Britische Europapolitik

Großbritannien (GB) schlos sich der EG erst am 1. Januar 1973 an, nachdem erste Verhandlungen 1961 bis 1963 über seinen Beitritt an einem französischen Veto gescheitert waren. Der Beitritt war zuvor vom Labour-Premierminister Edward Heath innenpolitisch durchgesetzt worden. 1973 hatten die von der ersten Phase der europäischen Integration ausgehenden wirtschaftlichen Wachstumskräfte ihre Wirkung verloren. Im Herbst 1973 begann die erste Ölkrise. Ebenfalls 1973 zerbrach das System von Bretton Woods, das feste Wechselkurse der beteiligten Währungen bewirkt hatte. In GB kam es aus verschiedenen Gründen zu einem Inflationsschub, dem eine Stagflation folgte.

Dieses alles schien die britischen EG-Kritiker zu bestätigen, die einen EG-Beitritt abgelehnt hatten bzw. die mit mehr Nach- als Voerteilen rechneten. Hauptargument der EG-Gegner war und ist ihre Befürchtung, dass die Souveränität des britischen Parlamentes bei Entscheidungen über zentrale Anliegen der britischen Politik eingeschränkt sein könnte, weil es zuvor Zuständigkeiten auf EU-Institutionen übertragen hatte. Die konservativen Kritiker sehen in Übertragungen einen Verfassungsbruch; die politische Linke befürchtete in den siebziger Jahren, daß die EG ihr nationale Entscheidungen für eine sozialistische Politik unmöglich machen könnte.

1979 wurde die Konservative Margaret Thatcher Premierminister und blieb es bis zum November 1990. Ihrer 1979 erhobene berühmtgewordene Forderung "We want our Money back!" folgte eine jahrelange britische EU-Blockadepolitik. 1984 gelang es ihr, den sogenannten Britenrabatt herauszuhandeln.


„Labour-Regierungen und konservative Regierungen haben die Rolle Großbritanniens in der EU in der Praxis meist sehr ähnlich definiert. Für sie blieb die EU eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft, ein Absatzmarkt für britische Güter und – im Hinblick auf den Abbau von Handelsbarrieren im gemeinsamen Binnenmarkt seit 1993 – eine wettbewerbspolitische Herausforderung. Die EG wurde 1979 gleich nach dem Amtsantritt Margaret Thatchers als Premierministerin auf dem Gipfel von Dublin mit der britischen Forderung nach einer Verringerung der Beitragszahlungen des Landes um eine Milliarde Pfund konfrontiert (Margaret Thatcher: "We want our money back" – "Wir wollen unser Geld zurückhaben"). Die Verhandlungen über dieses Thema kamen erst 1984 beim Gipfeltreffen in Fontainebleau zu einem Ergebnis. Großbritannien wurde von der EG eine Rückzahlung von 66 Prozent der Differenz zwischen seinem EG-Beitrag und den EG-Leistungen an das Vereinigte Königreich garantiert. Für die konservative Regierung befand sich die Zustimmung zum europäischen Binnenmarkt 1986 (Einheitliche Europäische Akte) im Einklang mit der marktwirtschaftlichen Ausrichtung ihrer Politik. Eine Vertiefung der politischen Integration im Unterschied zu der von ihr geförderten wirtschaftlichen Integration wurde von der Regierung Thatcher dagegen vehement abgelehnt. Erst aufgrund starken Drucks ihrer Partei, der Großindustrie und des internationalen Börsen- und Finanzzentrums in London, der Londoner City, stimmte die Regierungschefin 1990 dem Beitritt Großbritanniens zum Europäischen Währungssystem (EWS) zu.[3]“

Thatchers Nachfolger John Major (1990 - 1997) gab der Europapolitik einen höheren Stellenwert.

Literatur

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl.  Timm Beichelt: Deutschland und Europa. die Europäisierung des politischen Systems. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15141-0.</span> (google book siehe http://books.google.de/books?id=gQ1SC1uCbxcC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false)
  2. ↑ Kanzleramt entreißt Westerwelle Europapolitik. Handelsblatt, 22. Februar 2009, abgerufen am 22. Februar 2009.
  3. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung (Autor: Roland Sturm), Heft 262: [1]
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