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Das Europaviertel in Frankfurt am Main ist ein neues Stadtviertel, das auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs im Stadtteil Gallus gebaut wird. 2005 wurde mit Erschließungsarbeiten begonnen, bis 2019 soll das gesamte städtebauliche Projekt mit Büros, Hotels, Wohnungen, Parks sowie Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten abgeschlossen sein. Nach Fertigstellung sollen im Europaviertel rund 30.000 Menschen arbeiten und 10.000 Menschen wohnen.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Das freigemachte Areal hat eine Größe von fast 90 Hektar. Das Gebiet wird – ausgehend von den zwei Grundstückseigentümern – in Europaviertel West und Europaviertel Ost unterteilt; die Grenze bildet die Emser Brücke. Im westlichen Teil gehören der Aurelis Asset GmbH 66,7 Hektar und im östlichen Teil gehören 18 Hektar der Vivico Real Estate GmbH (seit Juni 2011: CA Immo). Das Quartier umfasst heute einschließlich weiterer Randflächen insgesamt 145 Hektar. Das Gebiet erstreckt sich vom Wohngebiet am Rebstockgelände im Nordwesten entlang des Messegeländes bis zum Güterplatz im Südosten. Im Süden wird das Areal durch die Hellerhofsiedlung begrenzt.
1996 entschied die Deutsche Bahn, den Hauptgüterbahnhof, den größten Güterbahnhof der Stadt Frankfurt, mangels Auslastung stillzulegen und die verbliebenen Güteraktivitäten zum Ostbahnhof zu verlagern. 1998 wurde der Betrieb auf dem Hauptgüterbahnhof eingestellt. 1999 erstellte das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer & Partner (AS&P) im Auftrag der Deutschen Bahn einen Rahmenplan für die zukünftige Entwicklung des Areals. Das Nutzungskonzept sah für die brachgefallenen Bahnflächen Anteile von jeweils 25 Prozent für Wohngebiete, Grünflächen, Messeerweiterung und Mischgebiete vor. Eine konkurrierende Planung, die der Architekt Helmut Jahn im Auftrag der Deutschen Bank unter dem Titel Messestadt konzipierte, wurde nicht weiter verfolgt, da die Deutsche Bahn das Gelände nicht verkaufen wollte. Zunächst erwarb die benachbarte Messe Frankfurt 31.000 m² Fläche, um ihr Gelände nach Süden ausdehnen zu können. Auf der Erweiterungsfläche entstand u. a. von 2000 bis 2001 die Messehalle 3.
Der westlich der Emser Brücke gelegene 66,7 Hektar große Teil des Entwicklungsgebietes wurde bis Mitte 2010 durch Aurelis von alten Gleisanlagen geräumt, von Belastungen entsorgt und erschlossen. Bereits im September 2008 begann die Aurelis mit der Vermarktung ihres Geländes im Europaviertel West. Es sollen zwei aufgelockerte reine Wohnquartiere entstehen. Zum einen die „Helenenhöfe“ und zum anderen das „Parkend“, wo 18 hochwertige Objekte nach bekannten europäischen Parkanlagen benannt werden. Zudem sollen zwei gemischt genutzte Quartiere, „Boulevard Mitte“ und „Boulevard West“ entstehen, die mit Büros, Nahversorgung, Gastronomie und sozialen Einrichtungen die gesamte Vielfalt eines urbanen Stadtteils abbilden werden. Für die Bewohner sind vier Kindertagesstätten, eine Schule und Geschäfte der Nahversorgung eingeplant.
Mittelpunkt und verbindendes Element dieser Quartiere wird die 4 Hektar große Parkanlage „Europagarten“ mit repräsentativem Brunnen, unter der hindurch die ansonsten breit und boulevardartig angelegte Europa-Allee in einem ca. 500 Meter langen Tunnel geführt wird. Ende September 2010 wurden 4 Spitzahornbäume als symbolischer Baubeginn des Europagartens gepflanzt. Ein kleiner erster Abschnitt des Europagartens ist seit Januar 2011 fertig, auch mit der Absicht, potentiellen Grundstückserwerbern eine optische Vorstellung des künftigen Erscheinungsbildes in der ansonsten leergeräumten Fläche zu geben. Das vormals völlig flache Gleisfeld wurde zum Teil leicht hügelig modelliert, es soll mit einem Drittel eingeplanter Grünflächen einen naturnah gestalteten Stadtraum bilden; ganz im Sinne der laufenden Maßnahmen Frankfurts am Main zum Umbau als „Green City“. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll sich das Europaviertel West ruhig und harmonisch entwickeln, Zielpunkt etwa 2018/20.
Der Europagarten erhält ab 2012 eine durchgehende Grünverbindung mit dem Rebstockpark von einem kleinen „nördlichen Taschenpark“, verbunden mit einer Fußgängerbrücke über die tieferlegende „Straße der Nationen“ und dem neuen dreieckigen „Zeppelinpark“. Im Südosten zur Idsteiner Straße entsteht der „südlichen Taschenpark“. Diese mit Aufenthalts- und Spielflächen angelegten Grünanlagen erhöhen den Wert der geplanten angrenzenden Wohnbebauung.
Durch das östliche Europaviertel verlaufen die S-Bahn-Linien S3 bis S6 mit den angrenzenden Bahnhöfen Galluswarte und Messe. Der östliche Teil des Europaviertel ist außerdem mit der U-Bahn-Linie U4 (Station Festhalle/Messe) zu erreichen. Hier halten auch die Straßenbahnen der Linien 16 und 17, die Busse der Linien 32 und 50 sowie die Nachtbuslinie n83. Etwas weiter südlich verkehren die Straßenbahnlinien 11 und 21 über die Station Güterplatz. Seit dem Fahrplanwechsel 2009/2010 am 13. Dezember 2009 verkehrt die Museumsuferlinie (Bus 46) vom Hauptbahnhof weiter zur neuen Endhaltestelle Dubliner Straße im östlichen Europaviertel. Ebenfalls bedient werden die Haltestellen Güterplatz und Den Haager Straße.
Nach bisheriger Beschlusslage war vorgesehen, mittelfristig das gesamte Europaviertel über eine (zumindest bis zum Europagarten) unterirdisch geführte Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 zum Messeparkhaus mehr zentral und leistungsfähig zu erschließen. Die bisher geplante Trasse zweigt an der Station Hauptbahnhof von der B-Strecke ab, verläuft durch die derzeitige Wendeanlage und erreicht dann an der Station Güterplatz das südöstliche Europaviertel. Die für einen Kostenaufwand von 240 Millionen Euro veranschlagte Strecke folgt danach dem Verlauf der zentralen Europa-Allee (bei südlicher Führung) und hat weitere relativ dicht liegende Stationen an der Emser Brücke, an der Hattersheimer Straße und am Europagarten. Mit dieser Streckenführung soll auch der nördliche Teil des Gallusviertels erreichbar werden. Über den anschließenden Streckenverlauf zum Messeparkhaus ist noch nichts bekannt. Die Investorengruppen haben angemahnt, die U-Bahn keinesfalls – wie von der Stadt aus Kostengründen bereits ins Gespräch gebracht – gänzlich oberirdisch anzulegen, da eine Zerschneidung der Hauptachse den Charakter des Quartiers abwerten würde.
Wegen der hohen Kosten der unterirdischen Führung haben sich das Land Hessen und der Bund Anfang 2012 geweigert, ihren Finanzierungsbeitrag dazu zu leisten. Die Stadt Frankfurt strebt daher doch eine oberirdische Streckenführung ab der Station Güterplatz an, möglichst mit untertunneltem Europagarten. Ein förmlicher Stadtverordnetenbeschluß wird im Frühjahr 2012 erwartet.
50.10944444448.65194444444Koordinaten: 50° 7′ N, 8° 39′ O