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Fachdidaktik ist die Bezeichnung fĂŒr diejenigen wissenschaftlichen Disziplinen, deren GegenstĂ€nde in Forschung, Lehre und Entwicklung fach- bzw. domĂ€nenspezifische Lernprozesse sind.
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Fachdidaktiken sind im deutschsprachigen Raum in der Regel den SchulfÀchern entsprechend organisiert (etwa Physikdidaktik, Geschichtsdidaktik). Es gibt aber auch Didaktiken, welche mehrere FÀcher zusammenfassen ("Bereichsdidaktiken"; z.B.: Didaktik der Sozialwissenschaften, Naturwissenschaftsdidaktik, Fremdsprachendidaktik) oder nur bestimmte Aspekte eines Faches behandeln (Literaturdidaktik, Sprachdidaktik). International sind Bereichsdidaktiken (z.b. Science Education) weiter verbreitet.
Den Begriff der Fachdidaktik (statt bloĂer Methodik) benutzte zuerst der Mathematikdidaktiker Walter Lietzmann um 1921.[1]
Das VerstĂ€ndnis der Fachdidaktiken, die den SchulfĂ€chern zugeordnet bzw. von ihnen abgeleitet werden, ist durch ihre Entstehung aus Fachmethodiken heraus zu erklĂ€ren, heute aber ĂŒberholt. Im Zuge der Verwissenschaftlichung vieler Fachdidaktiken zu wissenschaftlichen (Teil-)disziplinen mit eigenen Forschungsfeldern ist diese herkömmliche Bindung zunehmend einer eigenstĂ€ndigen BegrĂŒndung der Gegenstandsbereiche gewichen. Insbesondere seit der Debatte um Bildungsstandards und Kompetenzen und der zunehmenden "empirischen Wende" fachdidaktischer Forschung (vgl. Heinrich Roth) lĂ€sst sich auch argumentieren, dass SchulfĂ€cher ihrerseits "lediglich" kontingente organisatorische Einheiten sind, welche mehr oder weniger entlang systematischer oder pragmatischer Definitionen von Wissensbereichen und/oder "DomĂ€nen" der WelterschlieĂung definiert sind. In diesem Sinne lassen sich Fachdidaktiken auch verstehen als domĂ€nenzentrierte Wissenschaftsdisziplinen, welche Bedingungen, Logiken, Formen etc. "fach-" bzw. "domĂ€nenspezifischen" Lernens erforschen und auf der Basis dieser Forschungen lehren (vor allem in der Lehrerbildung).
Fachdidaktiken sind im modernen VerstÀndnis weder Ableitungen oder Umsetzungs- oder Anwendungsdisziplinen "ihrer" Fachwissenschaft ("Abbilddidaktik") noch fachliche Spezifizierungen der "Allgemeinen Didaktik". Sie werden eher als eigene Disziplinen angesehen, welche in engem Bezug zu verschiedenen Nachbarwissenschaften stehen. Dies sind neben den Fachwissenschaften die "allgemeine" Erziehungswissenschaft und allgemeine Didaktik, die Entwicklungs- und Lernpsychologie, sowie Bereiche wir die Sozialisationsforschung etc.
In der frĂŒher vorherrschenden "Abbilddidaktik" war es die Hauptaufgabe der Fachdidaktik, fachwissenschaftliche "Inhalte" (oder "GegenstĂ€nde") auszuwĂ€hlen und adressatengerecht aufzubereiten. Entsprechend lag die wissenschaftliche Hauptaufgabe vieler Fachdidaktiker darin, SchulbĂŒcher zu schreiben. Es gehört zwar weiterhin zu den wichtigen Aufgaben der Fachdidaktiken, Curricula und Lehr-/bzw. Lernziele fĂŒr fachliche/domĂ€nenspezifische Lernprozesse zu reflektieren und zu begrĂŒnden sowie Prinzipien und Formen ihrer Thematisierung und Methodisierung zu erarbeiten und zu evaluieren. FĂŒr diese Aufgaben bleiben die von der jeweiligen Fachwissenschaft erforschten und bereitgestellten WissensbestĂ€nde eine unverzichtbare Grundlage. Ziele, GegenstĂ€nde, Medien und Methoden der Wissensvermittlung werden jedoch nicht vornehmlich in AbhĂ€ngigkeit zur Fachwissenschaft, sondern mit Blick auf die Funktionen und Formen des fach- oder domĂ€nenspezifischen Wissens und Könnens fĂŒr die Lernenden in ihrem gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Leben reflektiert.
In diesem Sinne greifen viele Fachdidaktiken heutzutage in ihrem Forschungs- wie Lehrinteresse ĂŒber die SchulfĂ€cher und die Lehrerbildung hinaus und widmen sich der Erforschung von Funktionen und Formen des gesellschaftlichen Gebrauchs fachlichen/domĂ€nenspezifischen Wissens, der Prozesse fachbezogener gesellschaftlicher Kommunikation sowie in Lehre auch der (Aus-)Bildung auĂerschulischer "Vermittler". Auch verstehen sich einige Fachdidaktiken inzwischen durchaus als Reflexionsinstanzen, welche auch die wissenschaftliche Behandlung "ihrer" DomĂ€ne durch die Fachwissenschaften reflektieren.
Einer der wichtigeren Versuche der Bestimmung der zentralen Fragestellungen von Fachdidaktik aus der Perspektive der Allgemeinen Didaktik stammt von Wolfgang Klafki. Dort ist Fachdidaktik noch zentral auf SchulfÀcher bezogen:
Das Untersuchungsobjekt der Fachdidaktik ist die Planung, DurchfĂŒhrung und Analyse des Unterrichtens und Berichtens im jeweiligen Unterrichtsfach. Sie :
Fachdidaktik ist ein wesentlicher Anteil in den Lehramtsstudien an deutschen Hochschulen. Struktur und Umfang dieser Studien wie auch die inhaltliche Ausrichtung sind jedoch sowohl zwischen den UniversitĂ€ten und den PĂ€dagogischen Hochschulen sowie zwischen den einzelnen UniversitĂ€ten als auch unter den verschiedenen FĂ€chern sehr unterschiedlich. Das Studium der jeweiligen Fachdidaktik ist zwar in den auf den Beruf der Lehrkraft vorbereitenden StudiengĂ€ngen und im Zusammenhang mit den gewĂ€hlten FĂ€chern obligatorisch, die Angebote an den UniversitĂ€ten sind jedoch auĂerordentlich unterschiedlich und variieren zwischen ânicht vorhandenâ und einem wissenschaftlichen, forschungs- und empiriebasierten Angebot. Die Fachdidaktik nimmt groĂen Raum ein in der zweiten Ausbildungsphase im Studienseminar. Dabei allerdings gibt es hĂ€ufig erhebliche Probleme, weil es âdieâ Fachdidaktik im Sinne einer verbindlichen Methodenlehre nicht gibt.
Zu den Inhalten von Fachdidaktik ist zu sagen, dass sich eine Fachdidaktik erst mit Inhalten fĂŒllt, wenn man sich auf ein konkretes Fach bezieht.
Fachdidaktik kann auch als metawissenschaftliche Disziplin betrachtet werden, die erst auf der Grundlage einer fachlichen Disziplin (âFachâ) entwickelt werden kann. Nichtsdestoweniger gibt es allgemeindidaktische Trends, die sich in Ă€hnlicher AusprĂ€gung in ganz verschiedenen Fachdidaktiken widerspiegeln. Zum Beispiel spielen gegenwĂ€rtig sowohl in der Fremdsprachendidaktik als auch in der Didaktik der naturwissenschaftlichen FĂ€cher konstruktivistische Prinzipien eine groĂe Rolle; sie kommen in didaktischen Konzepten wie Handlungsorientierung und Lernorientierung zum Ausdruck. Eine kohĂ€rente methodische Umsetzung des konstruktivistischen Ansatzes in der Praxis liefert die im Französischunterricht entwickelte und auf alle FĂ€cher ĂŒbertragbare Methode Lernen durch Lehren. Dabei wird die Lernergruppe zum neuronalen Netz umgeformt mit der Aufgabe, Wissen zu produzieren. Insgesamt werden im methodischen Bereich eklektische Konzepte gegenĂŒber geschlossenen Modellen bevorzugt (siehe auch Liste der Unterrichtsmethoden).
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Der Lehrende als Fachdidaktiker ist auf folgende Dimensionen hin zu beschreiben und zu einem theoretisch stimmigen Didaktikkonzept zusammen zu fĂŒhren: Er konstruiert eine Struktur der Sache aufgrund des Wissens um die Sache (Wissensarchitektur, didaktische Epistemologie) und um das Wissen seiner eigenen Wissensstruktur (Wissensbiographie). Er ist zugleich Interpret zwischen der erstellten Struktur der Sache (Wissensarchitektur), seiner eigenen Struktur (Wissensbiographie), seiner didaktischen Vermittlungsstrategie, der Struktur der Chreoden der Lernenden (subjektive Wissenslogiken, subjektive Hirnstrukturen), der medialen und symbolischen BrĂŒcken. Dazu ist er Prozessor inmitten einer staatlich geprĂ€gten Lernkultur.
Daraus leiten sich folgende Forschungsbereiche fĂŒr alle Fachdidaktiken ab:
Besonders akut stellt sich das in allen Wissenschaften vorhandene Theorie-Praxis-Problem fĂŒr die Fachdidaktik. In den PĂ€dagogischen Hochschulen waren fachdidaktische Konzepte lange erprobt, doch fehlte der theoretische Bezugsrahmen. In den 1970er Jahren wurde die Fachdidaktik erheblich ausgeweitet, um die in den UniversitĂ€ten ausgebildeten Lehrer auf die RealitĂ€t ihres Berufes besser vorzubereiten. Die fachwissenschaftliche Theorie sollte durch den fachdidaktischen Praxisbezug ergĂ€nzt werden. Es wurden bundesweit Fachdidaktikerstellen an den Hochschulen geschaffen und mit besonders qualifizierten Praktikern oder engagierten Habilitierten besetzt. Allerdings wurde von den Neuberufenen eine lebhafte Theoriebildung entwickelt, um inneruniversitĂ€r Anschluss an die angesehenen Fachwissenschaften zu finden. Dieser Schritt in die Abstraktion verlief vielfach auf Kosten des Praxisbezuges, was an der gelegentlichen Abgrenzung der Fachdidaktik gegenĂŒber der Methodik abzulesen ist, besonders ausgeprĂ€gt in der Geschichtsdidaktik. So war die Fachdidaktik in den letzten dreiĂig Jahren nur beschrĂ€nkt in der Lage, einerseits Anschluss an die etablierten Wissenschaften zu finden, andererseits die Lehramtsstudierenden und PraktikerInnen zufriedenzustellen. Angesichts dieser Situation sind Bestrebungen an den Hochschulen zu erkennen, ProfessorInnenstellen in der Fachdidaktik abzubauen und durch praxisorientierte Mittelbaustellen zu ersetzen. Gleichzeitig werden Lehrerbildungszentren an den Hochschulen gegrĂŒndet, um die Ausbildung zu verbessern.
Das Theorie-Praxis-Problem ist neuerdings wieder aufgegriffen worden: Die bisherige Auffassung, dass eine gute Theorie auch eine gute Praxis nach sich ziehe und umgekehrt, ist nach Kösel ein Trugschluss. Nicht umsonst fallen tausende junger Lehrenden, die gerade die theoretische Ausbildung an den Hochschulen hinter sich haben, in ein tiefes Loch (Praxisschock), wenn sie plötzlich einer Klasse und einem Lehrerkollegium gegenĂŒberstehen. Dort herrschen ganz andere Gesetze und Normierungen, als es der Novize gelernt und geglaubt hat. Das Versprechen, eine gute Theorie wĂ€re die beste Grundlage fĂŒr didaktisches Handeln, erweist sich zu diesem Zeitpunkt als falsch. Nach wie vor wird dieser Mythos verbreitet (Jank, W., Meyer, H. (2002): Didaktische Modelle, 5. Aufl., Berlin). Es wird dabei verkannt, dass Theorie zur Reflexion und zur Beschreibung eines PhĂ€nomens relevant ist und dass didaktisches Handeln aus einer Vielzahl anderer Faktoren bestimmt ist, die die Theorie in ihrer jetzigen Gestalt nicht erfassen kann.
Jede Fachdidaktik kann sich also nicht nur auf die Struktur der Sache beziehen. Entscheidend ist auch eine entsprechende Handlungstheorie, die die vielen Faktoren des Schulalltags und das entsprechende Handeln des Lehrenden und des Lernenden inmitten einer gesellschaftlichen BewĂ€hrung einer Fachdidaktik berĂŒcksichtigt.
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