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Der Faustkeil ist ein zweiseitig bearbeitetes Steingerät und wird daher auch als Zweiseiter (franz.: Biface) bezeichnet. Faustkeile haben eine runde Basis, die gegenüberliegende Seite ist spitz zugerichtet. Während sie zunächst sehr groß (> 20 cm) waren, wurden sie in späteren Zeitabschnitten kleiner. Auch die Bearbeitung wurde aufwendiger. Faustkeile sind die Leitform des Acheuléen, das vor etwa 1,5 Millionen Jahren in Afrika beginnt. Sie sind nach den über zwei Millionen Jahre alten Choppern und Chopping Tools das älteste Werkzeug des Menschen und wurden bis in die Spätzeit der Neandertaler vor etwa 40.000 Jahren verwendet. Ihrer vielseitigen Funktionsweise als „Schweizer Messer“ der Steinzeit ist es wohl zu verdanken, dass es sie vom Altpaläolithikum bis ins späte Mittelpaläolithikum gab. Wahrscheinlich erfüllten sie zahlreiche Funktionen wie Hacken, Schneiden, Schaben, Schlagen und sogar Werfen.
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Es gibt so genannte Faustkeil-Industrien, die prägnante Formen und Bearbeitungsmethoden hervorgebracht haben und zur Einteilung der ältesten menschlichen Kulturen dienten: Abbevillien oder Chelléen (vor 600.000 bis 400.000 Jahren), Acheuléen (bis vor 150.000 Jahren), Micoquien (vor 130.000 bis 70.000 Jahren) und Moustérien (vor 120.000 bis 40.000 Jahren), alle nach Fundorten in Frankreich benannt. Ob sich hinter diesen verschiedenen Formen aber auch tatsächlich unterschiedliche archäologische Kulturen oder gar verschiedene Menschentypen verbergen, ist nicht eindeutig nachzuweisen.
Ihre Verbreitung in Mitteleuropa ist ein Ausläufer der überaus reichen Vorkommen in Westeuropa. Die Grenze der Faustkeile des Acheuleen liegt an der Oder. Nur späte Faustkeilformen und verwandte beidflächig zugeschlagene Geräte des Micoquien sind auch im östlichen Mitteleuropa und in Osteuropa verbreitet.
Faustkeile sind sehr weit verbreitet. Die einfachsten und ältesten Formen wurden in Afrika gefunden. Die aktuell am weitesten zurückdatierbaren Funde beidseitig bearbeiteter Faustkeile werden einem Alter von 1,75 Mill. Jahren zugeordnet[1]. Nur östlich der so genannten Movius-Linie, in Südostasien und China, gibt es sehr wenige Funde. Dies lässt sich mit einer Forschungslücke, mangelnden Rohmaterialien sowie geeignetem Alternativmaterial wie Bambus erklären.
Die ältesten europäischen Faustkeile im mediterranen Raum sind vor etwa 900.000 Jahren belegt,[2] nördlich der Alpen dagegen frühestens vor etwa 600.000 Jahren (Fundplatz Boxgrove Quarry).