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Ferdinand Tönnies

Ferdinand Tönnies
Denkmal-BĂŒste in Husum

Ferdinand Tönnies (* 26. Juli 1855 bei Oldenswort; † 9. April 1936 in Kiel) war Soziologe, Nationalökonom und Philosoph. Mit seinem 1887 erschienenen Grundlagenwerk Gemeinschaft und Gesellschaft veröffentlichte er das erste deutsche explizit soziologische Werk.[1] Tönnies trug auch bedeutend zur soziologischen Feldforschung bei. Erkenntnistheoretisch war er ein Vertreter der Einheit aller Wissenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Arbeitsfelder

Besonders populĂ€r ist Tönnies' Entgegensetzung der zwei Begriffe „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“. In seinem Werk „Gemeinschaft und Gesellschaft“ gibt er der damals neuen „Soziologie“ die Aufgabe, zu erklĂ€ren, warum Menschen einander bejahen. Denn dass sie einander verneinen (entgegenstehen), hĂ€lt er fĂŒr natĂŒrlich. Nach Tönnies bejahen Menschen einander entweder, weil sie sich gemeinsam als Mittel fĂŒr die höheren Zwecke eines Kollektivs empfinden und dergestalt „gemeinschaftlich handeln“ (z. B. in der Familie), oder, weil sie sich willentlich verbĂŒnden, um sich fĂŒr ihre individuellen Zwecke rational dieser ZusammenschlĂŒsse als Mittel zu bedienen („gesellschaftlich handeln“) (z. B. in einer Aktiengesellschaft). Diese beiden Willensrichtungen sind ihm also begrifflich unvereinbar, in der Wirklichkeit aber erscheinen sie immer miteinander vermischt.

Seine publizistische AktivitĂ€t war darĂŒber hinaus thematisch weit gespannt und umfangreich, sowohl in den Bereichen der Soziologie, der Statistik und der Forschung zu Thomas Hobbes, als auch – mit republikanischer GrundĂŒberzeugung – zu aktuellen politischen Themen des Ersten Weltkriegs[2] und scharf gegen den Nationalsozialismus.

Hervorzuheben sind seine Studien zum Voluntarismus (er prĂ€gte diesen Begriff), zur Typologie, seine BeitrĂ€ge zur Naturrechts-Debatte, sodann zum sozialen Wandel (zur Sozialen Frage, zur „Neuzeit“), zur öffentlichen Meinung, zu den Themen der Sitte, der KriminalitĂ€t und des Suizids, zur Methodologie der Statistik (Tönnies’ Korrelationskoeffizient), sowie seine Neubelebung der internationalen Hobbes-Diskussion (mit Herausgabe von dessen ungedruckten Manuskripten).

Leben

Ferdinand Tönnies ist der einzige „Klassiker“ der deutschen Soziologie, der nicht aus großstĂ€dtischem Milieu, sondern aus einer (groß)bĂ€uerlichen Familie stammte. Er wurde auf dem Haubarg Op de Riep bei Oldenswort (auf Eiderstedt im damals noch dĂ€nischen Herzogtum Schleswig) als Sohn des Marschbauern August Tönnies und der Pastorentochter Ida Mau geboren - daher auch sein durch dörfliche Erfahrungen angereichertes, unidealistisches VerhĂ€ltnis zur „Gemeinschaft“. Die Familie zog dann ins nahe Husum. Damit kommt ein zweites Element seiner sozialen Herkunft ins Spiel: Nordfriesland (auch die Reederstadt Husum) war damals durch Walfang und Überseehandel viel stĂ€rker als heute der Seefahrt zugewandt, also keinesfalls pfahlbĂŒrgerhaft eng.

In Husum arbeitete der hochbegabte[3] Gymnasiast als Korrekturgehilfe von Theodor Storm, mit dem ihn spĂ€ter Verehrung und Freundschaft verbanden. Storms Einfluss begĂŒnstigte sein lebenslang distanziertes VerhĂ€ltnis zur Religion, verbunden mit einer Grundeinstellung, die auch als monistisch und spinozistisch bezeichnet wird.

Bereits mit 16 Jahren bestand Tönnies die AbiturprĂŒfung (mit den Fremdsprachen Latein, Griechisch, HebrĂ€isch, Englisch, Französisch und DĂ€nisch). 1872 begann er ein Studium der Philologie und Geschichte in Jena. Hier wurde er bei der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller aktiv[4] und diente auch noch sein Wehrpflichtjahr im FĂŒsilierbataillon des Regiments Nr. 94 „Großherzog von Sachsen“ ab.[5]. Sodann studierte er bei Wilhelm Wundt in Leipzig[6] sowie in Bonn, Berlin und TĂŒbingen, veröffentlichte unter den Pseudonymen Julius Tönnies und Normannus einige Schriften und wurde 1877 (noch auf Latein) ĂŒber das Orakel des Ammon in der Ă€gyptischen Oase Siwa zum Dr. phil. promoviert.

Die noch bis zur großen Nachkriegs-Inflation gĂŒnstigen VermögensverhĂ€ltnisse seiner Familie erlaubten ihm ein privates Studium der Philosophie und der Staatswissenschaften. Auf Anregung seines Ă€lteren Freundes Friedrich Paulsen wandte er sich Thomas Hobbes zu und machte 1878 in England wichtige Archiventdeckungen zu dessen Leben und Werk. Er wird daher auch als Hobbes’ Wiederentdecker angesehen. 1878 bis 1879 war er eifriges Mitglied des Statistischen Bureau in Berlin und SchĂŒler von Ernst Engel, Richard Böckh und Adolph Wagner. 1881 habilitierte er sich an der UniversitĂ€t Kiel. Nach 1883 reiste er viel. 1887 brachte er sein - fĂŒr die Soziologie nicht nur in Deutschland - fundamentales Werk Gemeinschaft und Gesellschaft (GuG) heraus.

Er war mit der Schwabinger Malerin und Schriftstellerin Franziska GrĂ€fin zu Reventlow noch von Husum her befreundet, war den Quellen nach von Lou Andreas-SalomĂ© zeitweise sehr angezogen, heiratete jedoch 1894 die holsteinische PĂ€chterstochter Marie Sieck (1865–1937), mit der er in lebenslanger Ehe fĂŒnf Kinder haben sollte und zog mit ihr nach Hamburg. Seine dortigen Studien zu den Ursachen des Hamburger Hafenarbeiterstreiks von 1896/97 trugen ihm das dauernde Misstrauen der preußischen Hochschulaufsicht ein. 1898 zog das Paar ins damals noch nicht zu Hamburg gehörende Altona um, 1901 ins großherzoglich-oldenburgische Eutin in Holstein, das „Weimar des Nordens“. 1904 bereiste er anlĂ€sslich der Louisiana Purchase Exposition, der Weltausstellung in St. Louis, die USA und wurde fĂŒr den Beraterkreis des American Journal of Sociology gewonnen. 1909 wurde die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Soziologie (DGS) von ihm mitbegrĂŒndet. Die zweite Auflage von GuG von 1912 wurde ein bedeutender Erfolg.

Erst 1909 wurde Tönnies außerordentlicher Professor der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t zu Kiel, 1913 dann Ordinarius, 1916 auf eigenen Wunsch emeritiert (entpflichtet), 1917 Geheimrat. Das Familienvermögen geriet nun jedoch durch die galoppierende Inflation völlig in Verfall; Tönnies musste 1920 sein Eutiner Haus verkaufen, zog nach Kiel und nahm an der dortigen UniversitĂ€t einen besoldeten Lehrauftrag fĂŒr Soziologie an. 1921 verlieh ihm die UniversitĂ€t Hamburg den juristischen Ehrendoktor. 1922 wurde die im Weltkrieg ruhende DGS wieder belebt, deren einziger PrĂ€sident er bis zu seiner Amtsentfernung durch die NS-Machtergreifung 1933 blieb. Der Ehrendoktor (Dr. rer. pol. h. c.) der UniversitĂ€t Bonn folgte 1927. Tönnies war inzwischen in ganz Europa und den USA als Soziologe hoch angesehen und wurde Mitglied und Ehrenmitglied vieler auslĂ€ndischer soziologischer und philosophischer Gesellschaften und Institute.

Am schĂ€rfsten unter den etablierten deutschen Soziologen kritisierte er, der 1930 der SPD beigetreten war[7], hoch beunruhigt und öffentlich ab 1930 die „Bewegung“ Hitlers. 1933 verlor er daher seine Lehrbefugnis in Kiel und wurde vom nationalsozialistischen Regime im Rahmen des „Berufsbeamtengesetzes“ unter Streichung seiner EmeritenbezĂŒge aus dem Beamtenstand entlassen; er verarmte rasch vollends und musste seine Bibliothek grĂ¶ĂŸtenteils verkaufen. Viele seiner SchĂŒler und vier seiner Kinder verließen das Deutsche Reich. Am 9. April 1936 starb er in Kiel.[8]

Auf dem Parkfriedhof Eichhof bei Kiel findet sich sein und Marie Tönnies’ Grab. Vor dem Schloss in Husum wurde 2005 anlĂ€sslich seines 150. Geburtstages die von Raimund Kittl gestaltete BĂŒste mit dem Text "Ferdinand Tönnies / 1855 - 1936 / BegrĂŒnder der Soziologie" enthĂŒllt.

Ferdinand Tönnies hatte fĂŒnf Kinder: Gerrit, Jan Friedrich, Kuno, Franziska und Carola Tönnies.[9]

Zur Wirkung

Tönnies wirkte ab etwa 1900 stark auf die Intellektuellen des spĂ€ten Kaiserreiches und der Weimarer Republik, vor allem, weil mit der Jugendbewegung der Begriff „Gemeinschaft“ populĂ€r wurde. Die in einem Deutschen Reich wachsender StĂ€dte, kapitalistischer MĂ€rkte oder straff gefĂŒhrten Gymnasien sich entfremdet fĂŒhlenden Jugendlichen vermissten Gemeinschaft und versuchten diese emphatisch herzustellen; Tönnies' Theorie und Begriffsbildung stand hierfĂŒr bereit; Gemeinschaftsrhetorik wirkte bis in die GemeinschaftstĂŒmelei der Nazis („Volksgemeinschaft“) fort. Der Umstand, dass begeisterungssĂŒchtige JahrgĂ€nge bei Tönnies auf einen skeptischen Rationalisten stießen, förderte zunĂ€chst Tönnies' Erfolg, fĂŒhrte aber im weiteren Verlauf auch dazu, dass dieser vereinzelt als VorlĂ€ufer des Nationalsozialismus bezeichnet wurde.

Im Ersten Weltkrieg gehörte Tönnies zu den Verfechtern der Ideen von 1914.

Unmittelbaren Einfluss hatte Tönnies auf Soziologen wie z. B. Dimitrie Gusti, Herman Schmalenbach, Hans Lorenz Stoltenberg, Max Graf zu Solms, Ewald Bosse, Rudolf Heberle[10], Eduard Georg Jacoby, Werner J. Cahnman und Alexander Deichsel.

Obwohl er Karl Marx als Analytiker der „Gesellschaft“ bewunderte und vieles von ihm ĂŒbernahm, sah er in ihm einzig den „Gesellschafts“-Theoretiker, der die Kategorie der „Gemeinschaft“ ĂŒberging. Dies stand der Rezeption Tönnies' im spĂ€teren Ostblock entgegen.

Als „Pessimist“ wurde Tönnies bereits frĂŒh von Harald Höffding kritisiert, weil er den Untergang der neuzeitlichen (‚westlichen‘) Zivilisation in wenigen hundert Jahren voraussah - wie dies zahlreiche Autoren mit unterschiedlichen BegrĂŒndungen getan haben, so Spengler oder Borkenau. Den Pessimismusvorwurf wies er, lebenslang auf Reformen bedacht, stets zurĂŒck.

Angesichts des Nationalsozialismus' wurde beanstandet, dass Tönnies Max Webers dritte Kategorie der Herrschaft (neben vergemeinschaftender „traditionaler“ und vergesellschaftender „rationaler Herrschaft“) nicht in seinem Begriffs-System unterbringe: die „charismatische“ Herrschaft. So schlug bereits Herman Schmalenbach als zusĂ€tzliche Kategorie den „Bund“ vor. Man kann in diesem Manko mit JĂŒrgen Zander[11] den Grund fĂŒr Tönnies’ Fehldiagnose des Nationalsozialismus sehen: Er sagte dessen baldiges Scheitern voraus und vermutete dessen RĂŒckzug in eine Restaurierung der Monarchie. Grund fĂŒr diese, 1933-1935 nicht seltene, Fehlhaltung des ‚Hitler-abwirtschaften-Lassen‘ ist nach Zander, dass Tönnies’ Denken der Anziehungskraft des AußeralltĂ€glichen auf Menschen verstĂ€ndnislos gegenĂŒber stehe, auf der charismatische Herrschaft aufbaue. Dieses Charisma-Manko hat Tönnies stets bestritten, gerade mit Hitler hat er sich auch publizistisch mehrfach beschĂ€ftigt, ebenso wie mit der „Schwarmgeisterei“ seiner AnhĂ€nger, und er hat noch 1935 in „Geist der Neuzeit“ betont, wie sich in wirtschaftlichen Krisen die verunsicherten Menschen auf einmal wieder Ă€lteren sozialen Mustern zuwenden. Auch weisen neuere Forschungen (Michael GĂŒnther) auf seine einschlĂ€gige Behandlung der „Masse“ hin.

Insgesamt erhielt sich Tönnies’ hoher Ruf nach 1933 in der englischsprachigen (USA, Australien, Neuseeland) und der japanischen Soziologie zunĂ€chst mehr als in der deutschen.

In den USA hat namentlich Talcott Parsons die normaltypischen Eigenschaften von „Gemeinschaft“ bzw. „Gesellschaft“ idealtypisch fĂŒr seine fĂŒnf pattern variables benutzt. Rudolf Heberle hat Tönnies’ Ansatz fĂŒr seine Studien ĂŒber Massenbewegungen verwandt, Werner J. Cahnman ihn mit dem von George Herbert Mead verbunden. In Japan ist Shoji Kato zu nennen, in Polen StanisƂaw Kozyr-Kowalski, in Russland Rimma Schpakova, in Schweden Johan Asplund und in Spanien Ana Isabel Erdozain.

Anders in Deutschland: Max Webers Ruhm begann schon in der Weimarer Republik, den seinen zu ĂŒberstrahlen. Im 'Dritten Reich' war Tönnies als Gegner selbstverstĂ€ndlich persona non grata; sein „Geist der Neuzeit“ erschien 1935 fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und er wich mit Publikationen u. a. nach Frankreich und in die Niederlande aus. Seine Rezeption in der deutschen Soziologie riss jahrelang ab (Ă€hnlich wie die Georg Simmels), wiewohl sich in dieser Zeit Carl Schmitt der tönnesianischen Sicht von Hobbes bediente, um sich staatstheoretisch von primitiven NS-Verherrlichungen der „Macht“ abzusetzen.

In der Bundesrepublik Deutschland griff nach dem Zweiten Weltkrieg RenĂ© König, alarmiert durch den Missbrauch des „Gemeinschafts“-Begriffs im Nationalsozialismus und inspiriert von Theodor Geigers epistemologischen VorwĂŒrfen[12] den tönniesianischen Ansatz an. FĂŒr den Durkheim-Bewunderer (Soziales nur durch Soziales erklĂ€ren) König war Tönnies’ philosophische und erkenntnistheoretische Fundierung der falsche Weg.[13]. Alfred von Martin bewertete Königs Tönnies-Kritik als symbolischen Bruch mit der wissenschaftlichen Vergangenheit in Zeiten der Hinwendung zur empirischen Sozialforschung.[14] Der ebenfalls wirkungsstarke Helmut Schelsky ĂŒberging Tönnies. Die Frankfurter Schule wĂŒrdigte Bewunderer von Karl Marx nicht, die keine Marxisten waren; so auch die Soziologie in der DDR (Ausnahme: GĂŒnther Rudolph). Erst 1980 brach das (erste), von der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft und der UniversitĂ€t inaugurierte internationale Tönnies-Symposion in Kiel wieder das Eis. 1982 grĂŒndete Alexander Deichsel die Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle am Institut fĂŒr Soziologie der UniversitĂ€t Hamburg und entwickelte dort seine auf Tönnies gestĂŒtzte Markensoziologie. Tönnies kehrte in die deutsche soziologische Theoriedebatte zurĂŒck.[15] Der Forschungsfortgang wird von der Zeitschrift „Tönnies-Forum“ begleitet.

Über den Bereich der Soziologie hinaus entfaltete sein Werk auch relative Wirkung in anderen Wissenschaftsbereichen. So ist GuG fĂŒr die Geschichtsphilosophie von Paul Barth[16] von Bedeutung, der sich axiomatisch auf Tönnies’ Willensaxiomatik stĂŒtzt, aber auch fĂŒr die Theologie des jungen Dietrich Bonhoeffers, der in Auseinandersetzung mit Tönnies seinen bis heute bedeutenden Beitrag zur Ekklesiologie entwickelte.

Tönnies’ umfangreicher Nachlass wird von der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel betreut.

Denkmale fĂŒr ihn stehen in Oldenswort[17] und Husum. Nach Ferdinand Tönnies benannt ist die von der UniversitĂ€t Kiel verliehene „Ferdinand-Tönnies-Medaille“. Auch heißen eine Gemeinschaftsschule in Husum und Straßen in Kiel, Eutin und Husum nach ihm.

Werk

Tönnies war ein außergewöhnlich produktiver Autor[18], seine theoretischen und empirischen Schriften, seine Rezensionen, sowie seine vielfĂ€ltigen Stellungnahmen zu Zeitproblemen fĂŒllen die im Erscheinen begriffenen 24 BĂ€nde der Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe (TG, im Auftrag der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft (FTG) kritisch ediert von Lars Clausen, Alexander Deichsel, Cornelius Bickel, Rolf Fechner (bis 2006), Carsten SchlĂŒter-Knauer, Uwe Carstens (seit 2006).[19]

Der Kieler Soziologe und Tönniesforscher Lars Clausen (1935-2010) kennzeichnete Tönnies’ Gelehrtenprosa als eine Sprache mit sorgfĂ€ltiger Textgliederung sowie fundiertem und kleinschrittigem Begriffsaufbau. Tönnies habe, obgleich stets etymologisch fundiert formulierend, GrĂ€zismen und Latinismen gescheut. Seine Begriffe, etwa „Gemeinschaft“ oder „Öffentliche Meinung“, entnahm er der deutschen Sprache. Dabei enthielten seine Texte durchaus gelehrte Pointen, die aber niemals effekthascherisch wirkten.[20] Selbst in kritischen Stellungnahmen, z. B. zu tagespolitischen Problemen, war der Soziologe darauf bedacht, persönliche KrĂ€nkungen zu vermeiden. Und dies, obwohl seine Urteile deutlich, ja nicht selten scharf ausfielen.[21]

Dieser gelehrte Soziologe hat die Entwicklung des „Bauernkinds vom Heubarg“, das Deutsch wie DĂ€nisch sprach, dessen AbiturfĂ€cher 1871 „auf dem humanistischen Gymnasium Griechisch, Latein, HebrĂ€isch, Englisch, Französisch, DĂ€nisch“ waren, das, einundzwanzigjĂ€hrig, 1877 „auf Latein ĂŒber das Orakel des Zeus Ammon in Siva promoviert“ und, sechsundzwanzigjĂ€hrig, 1881 in Kiel habilitiert wurde, und dessen besondere und besonders kreative intellektuelle Leistung als „BegrĂŒnder“ der Soziologie in Deutschland auch von der wissenschaftsmethodologischen Seite her so beschrieben:

„Das Geheimnis des sozialen Lebens sei es, den vielfĂ€ltig einander verneinenden KrĂ€ften aller handelnden Menschen gegenĂŒber eine besondere, eine ganz ausgefallene Überlebenschance willentlich zu ergreifen – die gegenseitige soziale Bejahung. Sie erscheint zunĂ€chst widernatĂŒrlich, Verneinung ist der Normalfall, aber gerade deswegen ist die Bejahung eigens erklĂ€rungsbedĂŒrftig. Wiegestalt nun die zugleich willens- und denkfĂ€higen Menschen ihre wechselseitigen Bejahungen ausĂŒben, wie sie sie empfinden oder kalkulieren, das ist der besondere Erkenntnisgegenstand dieser neuen Wissenschaft.“[22]

Im Einzelnen:

  • De Jove Ammone questionum specimen, TĂŒbingen 1877
  • Gemeinschaft und Gesellschaft. Abhandlung des Communismus und des Socialismus als empirischer Culturformen, [1887], ab 2. Aufl. 1912 mit dem Untertitel Grundbegriffe der reinen Soziologie, zahlreiche Auflagen, zuletzt Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2005
  • Der Nietzsche-Kultus, [1897] 2005, Tönnies-Forum, Jg. 14, H. 1
  • Schiller als ZeitbĂŒrger und Politiker, Buchverlag der Hilfe, Berlin-Schöneberg 1905 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 7, S. 3–59);
  • Strafrechtsreform, Pan, Berlin 1905 (Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 7, S. 61–118);
  • Eugenik (ĂŒber: Galton, Francis: Restrictions in marriage. Studies in national eugenics, Eugenics as a factor in religion. Followed by an abstract of an earlier memoir "eugenics: its definition); In: Jahrbuch fĂŒr Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reich; Band 29 (1905), S. 1089–1106[23]
  • Philosophische Terminologie in psychologisch-soziologischer Ansicht, Thomas, Leipzig 1906 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 7, S. 119–250);
  • Die Sitte, RĂŒtten & Loening, Frankfurt am Main 1909
  • Die soziale Frage, 1907, zuletzt: Die soziale Frage bis zum Weltkriege, Vorwort: Cornelius Bickel, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1989
  • Thomas Hobbes, der Mann und der Denker, 1910
  • Der englische Staat und der deutsche Staat, Karl Curtius, Berlin 1917 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 10);
  • Weltkrieg und Völkerrecht, S. Fischer Verlag, Berlin 1917 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 10);
  • Theodor Storm. Zum 14. September 1917. GedenkblĂ€tter, Karl Curtius, Berlin 1917, (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 10);
  • Marx. Leben und Lehre, Jena 1921;
  • Kritik der öffentlichen Meinung [Erstausgabe 1922; fehlerhaftes Faksimile SaarbrĂŒcken: VDM Verlag Dr. MĂŒller, 2006, 583 S.], 2002 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 14)
  • Ferdinand Tönnies, Kiel; in: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Hg. Raymund Schmidt. Leipzig 1922; ÂČ1923, Band III, S. 203-242
  • Macht und Wert der Öffentlichen Meinung; in: Die Dioskuren. Jahrbuch fĂŒr Geisteswissenschaften, 2 (1923) 1, S. 72-99;
  • Soziologische Studien und Kritiken, 3 Bde., Jena 1924, 1926, 1929: 374 S., 457 S., 475 S. (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 15); bes. Der Begriff der Gemeinschaft; in: Bd. 2, 1926, S. 268-276;
  • Die Öffentliche Meinung in Deutschland in ihren jĂŒngsten Phasen; in: Die Böttcherstraße, 1 (1928) 1, S. 36-42
  • Einleitung; in: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Berlin: Deutscher Wirtschaftsverlag, 1930. 2 BĂ€nde. Mit Tausenden von Portraits im Text, 2124 S.[unpag.]
  • EinfĂŒhrung in die Soziologie, Stuttgart: Enke, 1931, 328 S.; 2., unverĂ€nderte Auflage ebda., XXVII/328 S. [fehlerhaftes Faksimile der EA: Edition Classic, VDM Verlag Dr. MĂŒller, SaarbrĂŒcken 2006, ISBN 3-86550-600-3]
  • Mein VerhĂ€ltnis zur Soziologie; in: Richard Thurnwald, Hg., Soziologie von heute. Ein Symposion der Zeitschrift fĂŒr Völkerpsychologie und Soziologie, Leipzig: C.L. Hirschfeld, 1932, S. 103-122;
  • Geist der Neuzeit, 1935 (in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 22, S. 3–223)
  • Ferdinand Tönnies, Friedrich Paulsen. Briefwechsel 1876–1908, hgg. von Olaf Klose, Eduard Georg Jacoby und Irma Fischer, Hirt, Kiel 1961 (Veröffentlichungen der Schleswig-Holsteinischen UniversitĂ€tsgesellschaft, N.F., 27).
  • Die Tatsache des Wollens, aus dem Nachlass hgg. von JĂŒrgen Zander, Duncker & Humblot, Berlin 1982.
  • Ferdinand Tönnies, Harald Höffding: Briefwechsel, hgg. u. komm. von Cornelius Bickel und Rolf Fechner, Duncker & Humblot, Berlin 1989, ISBN 3-428-06773-8 (BeitrĂ€ge zur Sozialforschung, Bd. 4).

Als thematische Sammelwerke erschienen ferner:

  • Soziologische Schriften 1891–1905, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2008, 341 S..
  • Schriften und Rezensionen zur Anthropologie, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2009, 463 S.
  • Schriften zu Friedrich von Schiller (mit einem Essay von Josef Winkler), hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2009, 97 S.
  • Schriften und Rezensionen zur Religion, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2010, 402 S.
  • Geist der Neuzeit, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2010, 252 S.
  • Schriften zur Staatswissenschaft, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2010, 499 S.
  • Schriften zum Hamburger Hafenarbeiterstreik, hgg. von Rolf Fechner, Profil-Verlag, MĂŒnchen/Wien 2011, 271 S.

SekundÀrliteratur

Generell

  • Rolf Fechner: Ferdinand Tönnies. Werkverzeichnis. Reihe: Tönnies im GesprĂ€ch. Walter de Gruyter, Berlin/New York, 1992 (als Bibliografie unverzichtbar)

Biografien

Untersuchungen

  • Uwe Carstens / Lars Clausen / Alexandre Escudier / Ingeburg LachaussĂ©e (Hgg.): Verfassung, Verfasstheit, Konstitution. [VI. Internationales Tönnies Symposion 28. und 29. September 2007] [= Tönnies-Forum, 17. Jg., H. 1 + 2 / 2008; = Sonderband zum Sechsten Internationalen Tönnies-Symposion 2007]. Norderstedt: Books on Demand 2008, ISBN 978-3-8370-4858-2
  • Richard Albrecht, Ferdinand Tönnies und der Kongreß ÂŽDas Freie WortÂŽ 1933; in: Sociologia Internationalis, 28 (1990) 1, S. 87-90
  • Alfred Bellebaum, Das soziologische System von Ferdinand Tönnies unter besonderer BerĂŒcksichtigung seiner soziographischen Untersuchungen, MĂŒnchen 1966
  • Cornelius Bickel: Ferdinand Tönnies. Soziologie als skeptische AufklĂ€rung zwischen Historismus und Rationalismus, Opladen: Westdt. Verlag 1991
  • Cornelius Bickel: Ferdinand Tönnies, in: Dirk Kaesler (Hg.): Klassiker der Soziologie. Bd. 1, Von Auguste Comte bis Alfred SchĂŒtz. 5. Aufl., C. H. Beck, MĂŒnchen 2006, S. 114-127. ISBN 3-406-54749-4
  • Stefan Breuer: Von Tönnies zu Weber. Zur Frage einer ‚deutschen Linie‘ der Soziologie, in: Berliner Journal fĂŒr Soziologie, Jg. 6, 1996, S. 227-245
  • Uwe Carstens / Lars Clausen / Frank Osterkamp / Carsten SchlĂŒter-Knauer (Hgg.): Neuordnung der Sozialen Leistungen. [V. Internationales Tönnies Symposion 14. und 15. Oktober 2005] [= Tönnies-Forum, 15. Jg., H. 1 + 2 / 2006; = Sonderband zum FĂŒnften Internationalen Tönnies-Symposion 2005]. Norderstedt: Books on Demand 2006, ISBN 3-8334-6477-1
  • Lars Clausen: „Ferdinand Tönnies (1855–1936)“, in: Christiana Albertina, H. 63, 2006, S. 663-69
  • Lars Clausen / Carsten SchlĂŒter[-Knauer] (Hgg.): Hundert Jahre „Gemeinschaft und Gesellschaft“. Ferdinand Tönnies in der internationalen Diskussion, Leske + Budrich, Opladen 1991 (mit BeitrĂ€gen von Jendris Alwast, Niall Bond, Lars Clausen, Alexander Deichsel, Michael Dreyer, Rolf Fechner, Klaus Frerichs, Friedrich FĂŒrstenberg, Michael Th. Greven, Perry H. Howard, Dirk KĂ€sler, Shoji Kato, Stanislaw Kozyr-Kowalski, Oliver Lemcke, Harry Liebersohn, Peter-Ulrich Merz-Benz, BĂ€rbel Meurer, Hermann PfĂŒtze, Andrzey Przestalski, Otthein Rammstedt, Emmanuel Richter, Horst Rode, GĂŒnther Rudolph, Mildred Schachinger, Carsten SchlĂŒter[-Knauer], Sibylle Tönnies, Hero Tsioli, Manfred Walther, Rainer Waßner, Bernard Willms)
  • Lars Clausen / Carsten SchlĂŒter[-Knauer] (Hgg. unter Mitarbeit von Rolf Fechner): „Ausdauer, Geduld und Ruhe“. Fragen und Quellen der Tönnies-Forschung. Fechner, Hamburg 1991 (mit BeitrĂ€gen von Richard Albrecht, Dieter Andresen, Dieter Anschlag, Gottfried Deetjen, Rolf Fechner, John Fraser, Josef Gunz, Peter-Ulrich Merz-Benz, John Offer, Carsten SchlĂŒter[-Knauer], Gabriele Schreib, Edgar Weiß)
  • Alexander Deichsel: Von Tönnies her gedacht, Materialien der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle, Bd. 5, Fechner, Hamburg 1987.
  • Alexander Deichsel: Markensoziologie, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main ÂČ2006, ISBN 3-86641-084-0
  • Rolf Fechner, Verstehen und ErklĂ€ren bei Ferdinand Tönnies, in: Rainer Greshoff / Georg Kneer / Wolfgang Ludwig Schneider (Hgg.): Verstehen und ErklĂ€ren, Wilhelm Fink, MĂŒnchen 2008, S. 13-26
  • Rolf Fechner / Lars Clausen / Arno BammĂ© (Hgg.): Öffentliche Meinung zwischen neuer Religion und neuer Wissenschaft. Ferdinand Tönnies' „Kritik der öffentlichen Meinung“ in der internationalen Diskussion, in: [Tönnies im GesprĂ€ch, Bd. 3], MĂŒnchen/Wien: Profil 2005, ISBN 3-89019-590-3 (mit BeitrĂ€gen von Arno BammĂ©, Michael Beetz, Wilhelm Berger, Cornelius Bickel, Lars Clausen, Alexander Deichsel, Ana Isabel Erdozain, Rolf Fechner, Peter Heintel, Ingeburg LachaussĂ©e, Henning Meyer, Frank Osterkamp, Carsten SchlĂŒter-Knauer, Martin Voss)
  • Rolf Fechner: "'Man geht in die Gesellschaft wie in die Fremde'. Individuum und welt in der Neuzeit. Überlegungen zu Ferdinand Tönnies' Konzept der Moderne", in: "Jahrbuch fĂŒr Soziologiegeschichte", 1996, Bd. 5, S. 153-176
  • Rolf Fechner, "Es hat sich ergeben, 'daß wir uns auch da verstanden, wo wir nicht einig waren ...'. Eine epistolographische Collage zum VerhĂ€ltnis zwischen Ferdinand Tönnies und Max Graf zu Solms", in: Rolf Fechner / Hebert Claas (Hg.), "VerschĂŒttete Soziologie. Zum Beispiel Max Graf zu Solms", Duncker & Humblot, Berlin 1996, S. 137-152
  • Rolf Fechner / Carsten SchlĂŒter-Knauer: „Tönnies’ BegrĂŒndung einer ‚Ersten Soziologie‘ als Beitrag zur SelbstaufklĂ€rung der AufklĂ€rung“, in: Tönnies-Forum, 2. Jg., H. 1/1993, S. 55-68; H. 2/1993, S. 12-29.
  • Michael GĂŒnther, Masse und Charisma. Soziale Ursachen des politischen und religiösen Fanatismus, Lang, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631-53536-8
  • Eduard Georg Jacoby: Die moderne Gesellschaft im sozialwissenschaftlichen Denken von Ferdinand Tönnies, Enke, Stuttgart 1971
  • Peter-Ulrich Merz-Benz: Tiefsinn und Scharfsinn. Ferdinand Tönnies' begriffliche Konstitution der Sozialwelt, Frankfurt am Main 1995. [Der Band erhielt im gleichen Jahr den Amalfi-Preis].
  • Frank Osterkamp, Gemeinschaft und Gesellschaft: Über die Schwierigkeit einen Unterschied zu machen, Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-11973-8
  • Martin Poske: Die Öffentliche Meinung in der Demokratiekonzeption von Ferdinand Tönnies, in: Tönnies-Forum, 8. Jg., H. 3/1999 [ganzes Heft]
  • GĂŒnther Rudolph: Die philosophisch-soziologischen Grundpositionen von Ferdinand Tönnies, Fechner, Hamburg 1995.
  • Carsten SchlĂŒter[-Knauer] (Hg.): Symbol - Bewegung - RationalitĂ€t. Zum 50. Todestag von Ferdinand Tönnies, Königshausen + Neumann, WĂŒrzburg 1987
  • Carsten SchlĂŒter-Knauer: Die kontroverse Demokratie: Carl Schmitt und Hans Kelsen mit und gegen Ferdinand Tönnies“, in: Uwe Carstens u. a. (Hgg.): Verfassung, Verfasstheit, Konstitution, Norderstedt 2008, S. 41-86
  • Carsten SchlĂŒter[-Knauer] / Lars Clausen (Hgg.): Renaissance der Gemeinschaft? Stabile Theorie und neue Theoreme, Duncker & Humblot, Berlin 1990
  • Carsten SchlĂŒter-Knauer / Rolf Fechner: „Der Weltfriede als Ziel politischen Gestaltens. Ferdinand Tönnies und die Weltinnenpolitik“, in: Uwe Carstens / Carsten SchlĂŒter-Knauer (Hgg.): Der Wille zur Demokratie. Traditionslinien und Perspektiven, Duncker & Humblot, Berlin 1998, S. 253-268
  • H. Walter Schmitz: Tönnies' Zeichentheorie zwischen Signifik und Wiener Kreis, in: Zeitschrift fĂŒr Soziologie, Jg. 14, 1985, H. 5, S. 373-385
  • H. Walter Schmitz: Sind Worte fĂŒr bare MĂŒnze zu nehmen? Ferdinand Tönnies ĂŒber Geld als Zeichen und Zeichen als Werte, in: Ars Semeiotica, 2002, Bd. 25, H. 3/4, S. 259-274
  • Schneidereit, Nele: Die Dialektik von Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe einer kritischen Sozialphilosophie, Akademie Verlag, Berlin 2010
  • Hans Lorenz Stoltenberg: Wegweiser durch Tönnies' Â»Gemeinschaft und Gesellschaft«, K. Curtius, Berlin 1919
  • Swiss Journal of Sociology: Community and Society in the Discourse of Modern Sociology: Essays in Honour of Ferdinand Tönnies on the Occasion of his 150th Birthday (mit BeitrĂ€gen von Albert Salomon, Peter-Ulrich Merz-Benz, Gerhard Wagner, Stefan Bertschi), 2005, Bd. 32, H. 1
  • JĂŒrgen Zander: Sieg der Vernunft? Ferdinand Tönnies' Fehldiagnose des Nationalsozialismus, in: Tönnies-Forum, 2004, H. 1

Einzelnachweise

  1. ↑ Wiewohl spĂ€ter in der deutschen Soziologie dann wirkungsstĂ€rker als Tönnies, traten Georg Simmel und Max Weber mit ihren soziologischen Pionierwerken erst Jahre spĂ€ter an die Öffentlichkeit: Simmels Über sociale Differenzierung erschien 1890, Webers Die sozialen GrĂŒnde des Untergangs der antiken Kultur 1896.
  2. ↑ Zuletzt noch 1932, vgl. TG, Bd. 22, Berlin/New York 1998
  3. ↑ Dazu Theodor Storm an Gottfried Keller: NĂ€chst seinerzeit, Theodor Mommsen, ist er der bedeutendste junge Mann, den ich in meinem Leben gefunden habe, und ein Mitglied der Kgl. PrĂŒfungs-Commission hielt fest, ein so schönes Abiturzeugnis habe er noch nie unterschrieben. (Uwe Carstens, Ferdinand Tönnies, 2005, S. 26 + 41)
  4. ↑ Vgl. Peter Kaupp: Tönnies, Ferdinand, in: Von Aldenhoven bis Zittler, Mitglieder der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller-Jena, die in den letzten 100 Jahren im öffentlichen Leben hervorgetreten sind, Dieburg 2000.
  5. ↑ Carstens a.a.O. 2005, S. 46-51, 59-61
  6. ↑ Aus diesem Semester rĂŒhrt auch seine Verbindung zu Paul Barth – , vgl. noch dessen Zueignung Ferdinand Tönnies gewidmet in dankbarer Erinnerung an den Winter 1879–1880 in seiner Die Philosophie der Geschichte als Soziologie, Bd. I, 3./4. Auflage, G. R. Reisland, Leipzig 1922, S. iii.
  7. ↑ Bernd KetternFerdinand Tönnies. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL).
  8. ↑ Einige Ă€ltere Lexika geben den falschen Todestag „11. April“ an.
  9. ↑ Uwe Carstens: Ferdinand Tönnies: Friese und WeltbĂŒrger. Eine Biografie, Norderstedt 2005, S. 305 (Auszug bei Google Books).
  10. ↑ Rudolf Heberle: Das soziologische System von Ferdinand Tönnies. Zum 100. Geburtstag des großen deutschen Soziologen. Schmollers Jahrbuch fĂŒr Gesetzgebung und Verwaltungswissenschaft, 2, 1955, S. 1-18.
  11. ↑ „Sieg der Vernunft? Ferdinand Tönnies’ Konfrontation mit dem Nationalsozialismus“, in: Dieter Lohmeier/Renate Paczkowski (Hgg.): Landesgeschichte und Landesbibliothek. Studien zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Heide 2001]
  12. ↑ Theodor Geiger: Ideologie und Wahrheit. Eine soziologische Kritik des Denkens, Wien 1953, S. 105 f.
  13. ↑ König traf damit seinerseits bei Jacoby 1971 u. a. auf scharfe VorwĂŒrfe mangelnden VerstĂ€ndnisses. Vgl. auch die kondensierten Darlegungen von Königs Verzeichnungen bei Peter-Ulrich Merz-Benz, „Das Paradoxon der institutionalisierten Dauerreflexion“, in: Ders./Gerhard Wagner (Hgg.), Soziologie und Anti-Soziologie, Konstanz 2001, S. 95 f. und Carsten SchlĂŒter[-Knauer], Nachwort: Nominalistische Sozio-Logie als Vorschule kritischer Philo-Sophie: Ein Vorschlag, wie Tönnies zu lesen sei, in: Ders. (Hrsg.), Symbol - Bewegung - RationalitĂ€t. Zum 50. Todestag von Ferdinand Tönnies, WĂŒrzburg 1987, hier S. 238-248.
  14. ↑ Vgl. Alfred von Martin: Mensch und Gesellschaft heute, Frankfurt am Main 1965, S. 276 f.
  15. ↑ Vgl. (neben den angefĂŒhrten Herausgebern der Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe) zumal (alphabetisch) Arno BammĂ©, Stefan Breuer, Dieter Haselbach, Michael GĂŒnther, Manfred Lauermann, Klaus Lichtblau, Peter-Ulrich Merz-Benz, Arno Mohr, Frank Osterkamp, Rainer Waßner, JĂŒrgen Zander
  16. ↑ Vgl. dessen Die Philosophie der Geschichte als Soziologie. Grundlegung und kritische Übersicht, Erstauflage 1897, a. a. O. 1922, S. 437–505.
  17. ↑ Abb. in: Uwe Carstens, Ferdinand Tönnies. Friese und WeltbĂŒrger, Norderstedt 2005, S. 316
  18. ↑ Vgl. Rolf Fechner, Ferdinand Tönnies. Werkverzeichnis, Berlin/New York 1992; JĂŒrgen Zander, Ferdinand Tönnies im Spiegel seines schriftlichen Nachlasses, in: Lars Clausen/Franz Urban Pappi (Hgg.), Ankunft bei Tönnies, Kiel 1981, S. 72-92. Er benutzte fĂŒr Tagesschriftstellerei auch die Pseudonyme Antisthenes, Julia v. Egge-Weichling, Ignotus, Justus, Kritias, Krito, Magus, Normannus, Julius Tönnies (Carstens 2005)
  19. ↑ Berlin/New York: Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998 ff.
  20. ↑ Lars Clausen, Ferdinand Tönnies (1855–1936), in: „Christiana Albertina“, Kiel 2006, S. 63-69
  21. ↑ Vgl. z. B. von ihm Das Breslauer Ereignis in der „Vossischen Zeitung“ vom 31. Dezember 1932, 1998 kritisch hgg. in: TG 22, S. 354-356
  22. ↑ Lars Clausen, Ferdinand Tönnies (1855–1936), in: „Christiana Albertina“, Kiel 2006, S. 63-69, hier S. 64 f.
  23. ↑ http://gso.gbv.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=490506461

Weblinks

 Wikisource: Ferdinand Tönnies â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Ferdinand Tönnies â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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