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Ferdinand von Bredow

Ferdinand von Bredow, 1930

Ferdinand von Bredow (* 16. Mai 1884 in Neuruppin; † 30. Juni oder 1. Juli 1934 in Berlin-Lichterfelde) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalmajor der Reichswehr. Er war ein enger Mitarbeiter und Vertrauter Kurt von Schleichers und wurde wie dieser im Zuge des Röhm-Putsches von den Nationalsozialisten ermordet.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Von Bredow stammte aus dem mĂ€rkischen Uradelsgeschlecht Bredow. Der Tradition seiner Familie folgend schlug er nach dem Schulbesuch eine militĂ€rische Laufbahn ein und kam am 22. MĂ€rz 1902 als Leutnant in das Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 in Charlottenburg. Vom 1. Oktober 1910 bis 21. Juli 1913 kommandierte man ihn an die Preußische Kriegsakademie.

Von 1914 bis 1918 nahm er als Offizier am Ersten Weltkrieg teil, in dem er vor allem an der Westfront zum Einsatz kam und u.a. mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse sowie dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern[1] ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg erfolgte seine Übernahme in die Reichswehr. Hier gehörte er ab 1925 der Abwehrabteilung des Reichswehrministeriums an und ĂŒbernahm fĂŒnf Jahre spĂ€ter, im Januar 1930, deren Leitung.

1932 wurde er bei dessen Ernennung zum Reichswehrminister als Nachfolger Kurt von Schleichers zum Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium und damit auch zum Stellvertreter Schleichers bestellt. Damit war ihm Schleichers persönlicher „Informationsdienst", einer von mehreren miteinander in Konkurrenz stehenden Geheimdienstorganisationen, unterstellt, dessen Leiter er bereits in der Phase der ausgehenden Republik war. Nachdem Schleicher im Dezember 1932 zum Reichskanzler ernannt worden war, ĂŒbernahm Bredow kommissarisch die Leitung des Reichswehrministeriums.

Anfang 1933 wurde Bredow zum Generalmajor befördert. Im Januar plĂ€dierte er neben Eugen Ott und Kurt von Hammerstein-Equord fĂŒr einen militĂ€rischen Staatsstreich, um den Sturz der Regierung Schleicher zu verhindern. Nachdem Schleicher diesen PlĂ€nen nicht stattgab und Ende Januar 1933 als Kanzler demissionierte, wurde am 28. Januar Franz von Papen durch ReichsprĂ€sident Hindenburg mit der Bildung einer Regierung beauftragt, in der Adolf Hitler zum Kanzler bestellt wurde. Nach Antritt der Regierung Hitler am 30. Januar 1933 und der Übernahme des Reichswehrministeriums durch Werner von Blomberg wurde Bredow bereits am 1. Februar 1933 als Chef des Ministeramts durch Walter von Reichenau ersetzt und nahm seinen Abschied.

Letzte Jahre (1933-1934)

Eine von Bredow geplante Parisreise im Januar 1934 wuchs sich zu einer kleinen StaatsaffĂ€re aus. Er besorgte sich Empfehlungsschreiben französischer und englischer AttachĂ©s in Berlin, die ihm in Paris einige „TĂŒren öffnen“ sollten. Auf der Grenzstation Herbesthal holte die Polizei ihn aus dem Zug, fand die Diplomatenbriefe und verhaftete ihn. Auf Veranlassung von Reichswehrminister Blomberg wurde er jedoch wieder freigelassen.

Wenige Wochen nach diesem Zwischenfall veröffentlichte ein Pariser Emigrantenverlag das anonyme Tagebuch eines Reichswehrgenerals. IrrtĂŒmlicherweise nahmen die Spitzen der NSDAP an, dass der anonyme Verfasser des Buches kein anderer als Bredow sei.

Bredow erfuhr noch am 30. Juni 1934 von der Ermordung Schleichers und erhielt entsprechende Warnungen, entschloss sich jedoch, bei seiner Familie zu bleiben. Am Abend des gleichen Tages wurde Bredow von Angehörigen der SS verhaftet und in die SS-Kaserne Lichterfelde verschleppt. Bei seiner Ankunft dort war er bereits tot. Er wies zwei Schussverletzungen im Kopf auf. Bredows Sohn Carl Hasso, damals acht Jahre alt und Zeuge der Verhaftung, bekam nach der Ermordung des Vaters eine Erziehungsbeihilfe von 150 Reichsmark im Monat ausgezahlt.

In der Forschung werden verschiedene mögliche Motive fĂŒr Bredows Ermordung diskutiert. Einmal wird angenommen, dass Bredow durch seine frĂŒhere TĂ€tigkeit als Leiter der Abwehr-Abteilung im Reichswehrministerium mit delikaten – und im Falle einer EnthĂŒllung womöglich kompromittierenden – Interna der NSDAP vertraut war. Eine andere Theorie hebt auf die persönliche Verfolgung Bredows durch Hermann Göring ab. Göring hatte sich im November 1932 im GesprĂ€ch mit Bredow angeboten, ein Luftfahrtministerium aufzubauen und dabei erklĂ€rt, er sei dazu auch unter einem anderen Kanzler als Hitler bereit. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers, so die Überlegung, habe Göring, den unliebsamen Mitwisser seiner kurzzeitigen Zweifel an Hitlers Erfolg im Kampf um die Macht und die erwogene ÜberlĂ€uferei loswerden wollen.[2]

Gedenkstele

Gedenktafel vor dem Haus Spichernstraße 15 in Berlin-Wilmersdorf Zum 124. Geburtstag von Bredows im Mai 2008 wurde im Beisein unter anderem des Sohnes Carl-Hasso von Bredow, des Bundeswehr-Brigadegenerals Christian Westphal, des Leiters der GedenkstĂ€tte Deutscher Widerstand Johannes Tuchel und der Herausgeberin der Aufzeichnungen von Bredows aus den Jahren 1933/34 Irene Strenge vor dem Haus Spichernstraße 15 in Berlin-Wilmersdorf, wo die Familie von 1930 bis 1934 gewohnt hatte, eine Gedenkstele mit Inschrift enthĂŒllt. Die Patenschaft ĂŒbernahm der Bundesminister der Verteidigung.[3]

Carl-Hasso von Bredow, der spĂ€ter als Bankkaufmann beim Bankhaus Metzler in Frankfurt/M. tĂ€tig war, war unter anderem Ehrengast des öffentlichen Gelöbnisses von Bundeswehrrekruten vor dem Berliner ReichstagsgebĂ€ude am 20. Juli 2010,[4] außerdem berichtete er verschiedentlich vor Schulklassen ĂŒber die damaligen Ereignisse und ZeitumstĂ€nde.

Siehe auch

Literatur

  • Irene Strenge: Ferdinand von Bredow. Notizen vom 20.2.1933 bis 31.12.1933. TĂ€gliche Aufzeichnungen vom 1.1.1934 bis 28.6.1934 (Zeitgeschichtliche Forschungen Band 39). Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2009, ISBN 978-3-428-12960-7.

Einzelnachweise

  1. ↑ Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1930, S. 116.
  2. ↑ Der Furcht so fern, dem Tod so nah' In: Der Spiegel. 20/1957, S. 20ff.
  3. ↑ Gedenkstele fĂŒr Ferdinand von Bredow auf berlin.de, abgerufen am 23. Januar 2012.
  4. ↑ "Recht und Freiheit tapfer verteidigen" auf bundestag.de, abgerufen am 23. Januar 2012.
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