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Journalist

Dieser Artikel erlÀutert den Beruf des Journalisten; die gleichnamige Zeitschrift wird unter Journalist (Zeitschrift) erlÀutert.
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Ein Journalist [ʒʊrnaˈlÉȘst] ist gemĂ€ĂŸ dem Deutschen Journalisten-Verband „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt“. Die Berufsbezeichnung Journalist ist rechtlich nicht geschĂŒtzt und darf auch ohne entsprechende Ausbildung gefĂŒhrt werden.

Reporter Heinz Abel (PHOENIX) im GesprĂ€ch mit Peter Fahrenholz (SĂŒddeutsche Zeitung, im Bild rechts) fĂŒr die Live-Sendung „Wahl '05”

Inhaltsverzeichnis

Entstehung des Journalistenberufes in Deutschland

Die Berufsgeschichte des Journalismus ist untrennbar mit der Geschichte von Zeitung und Zeitschrift verbunden. Dieter Paul Baumert unterschied 1928 vier ZeitrÀume der Entwicklung des Journalismus in Deutschland als Beruf:

  1. die prĂ€journalistische Phase bis Mitte des 16. Jahrhunderts (eher sporadisches, grundsĂ€tzlich nicht berufsmĂ€ĂŸig betriebenes Nachrichtenwesen)
  2. den korrespondierenden/referierenden Journalismus bis Mitte des 18. Jahrhunderts (rein neutral vermittelnde Berichterstattung ohne redaktionelle Bearbeitung)
  3. den schriftstellernden/rÀsonierenden Journalismus bis Ende des VormÀrz (geistig anspruchsvolle Flugblatt- und Zeitschriftenliteratur)
  4. den redaktionellen Journalismus seitdem (planmĂ€ĂŸiges Zusammenwirken von Nachrichtenwesen und Tagesliteratur)

Alle vier Phasen bezeichnen jeweils nur die dominante Erscheinungsform. Heinz PĂŒrer fĂŒgte der Gliederung noch eine fĂŒnfte Epoche hinzu. Aufgrund vor allem seit etwa 1975 eingetretener VerĂ€nderungen bei den Techniken der Zeitungsherstellung plĂ€dierte er fĂŒr eine fĂŒnfte Phase des redaktionstechnischen Journalismus.[1]

Die inhaltliche Entwicklung des Journalistenberufs in Deutschland prÀgten vier Faktoren:

  • Maß der Pressefreiheit
  • Verlauf des Parteienbildungsprozesses
  • Kommerzialisierung der Presse
  • Entwicklung des journalistischen SelbstverstĂ€ndnisses

Die deutsche Presse entwickelte sich etwa gleich der Presse in England, den USA und Frankreich bis etwa 1819, als mit den Karlsbader BeschlĂŒssen die Meinungskontrolle in den deutschen Bundesstaaten vereinheitlicht wurde.

Ende des 18. und in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich in Deutschland zwei Typen von Presse heraus: die Herausgeberpresse und die Verlegerpresse. Journalist war im 17. und 18. Jahrhundert ein Schriftsteller, der sich mitunter auch als Herausgeber (meist zugleich auch als alleiniger Autor) eines Journals betĂ€tigte – im Falle des literarischen Journals mit der Rezension neuester wissenschaftlicher Publikationen (Literatur) befasst, im Falle des historischen oder politischen Journals der Kommentator von Zeitungsnachrichten, die zu diesem Zeitpunkt Zeitungen in der Regel ohne Kommentar und anonym abdruckten. Die damit einhergehende Arbeitsteilung â€“ der Journalist konnte sich jederzeit darauf zurĂŒckziehen, er kommentiere die Nachrichten des Korrespondenten lediglich, sei fĂŒr sie selbst jedoch nicht verantwortlich â€“ trug vornehmlich dem instabilen Schutz der MeinungsĂ€ußerung Rechnung. Zeitungen des Typs Herausgeberpresse waren jedoch meist kurzlebig â€“ die restriktiven presserechtlich-politischen Rahmenbedingungen ließen sie schnell aufgeben. Anders dagegen die Zeitungen des Typs Verlegerpresse. Sie waren eher auf ökonomischen denn politischen Erfolg abgestellt. Solche Zeitungen wie etwa die Vossische Zeitung waren auch die ersten, die ab etwa 1830 Journalisten fest anstellten.

Journalisten bei der UEFA Euro 2008

Mit der EinfĂŒhrung eines stabileren Presserechts ab 1871 löste sich der Journalismus vom Journal. Die Analyse und der Kommentar zogen in die Zeitungen ein, die damit Plattformen öffentlicher Debatten wurden; in der Ausdifferenzierung in Berichterstattung und Kommentar lebt innerhalb der Zeitung die alte Arbeitsteilung fort. Der Journalistenberuf selbst wandelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts von einem Nebenberuf zu einem Lebens-Hauptberuf. Seine Arbeit besteht seit diesen Umschichtungen primĂ€r in der Recherche, der Aufarbeitung und dem Angebot von Information in den tagesaktuellen Medien des Drucksektors. Eine starke Schubwirkung auf die Presse ging zudem in den 1870er Jahren von der Parlamentarisierung und der politischen Fraktionierung des gesellschaftlichen Lebens aus. Die Herausbildung der Parteipresse, die schon seit 1848 in AnsĂ€tzen begonnen hatte, setzte sich jetzt vollends durch.

Durch den technischen Fortschritt, vor allem im Bereich zwischen Redaktion und Produktion (etwa Druck), weiteten sich die Funktionen des Journalisten aus. Je nach BetriebsgrĂ¶ĂŸe und -organisation werden auch Aufgaben wahrgenommen, die frĂŒher ein Setzer, ein Layouter oder ein Mitarbeiter der Lithografie erledigt hat. Vor allem Hard- und Softwareprodukte in diesem Bereich ermöglichen, dass der schreibende Journalist auf seinem Bildschirm bereits die fertige Seite sieht und noch selbst mit prĂ€gen kann. Dementsprechend erweitert sich auch das Spektrum der schreibenden FĂ€higkeiten um Spezialkenntnisse aus dem Bereich der Bilder-, Grafik- und Layoutwelt.

Berufsbild und Ausbildung

Siehe auch: Journalismus

Jeder kann sich Journalist nennen – ohne spezielle Voraussetzungen oder einen bestimmten Ausbildungsweg, da die Berufsbezeichnung vom Gesetzgeber nicht geschĂŒtzt wurde. Auch Pressefotografen und Bildredakteure werden den Journalisten zugeordnet. Die Bezeichnung „Redakteur“ ist ebenfalls nicht geschĂŒtzt, aber tarifvertraglich festgelegt.

Die frĂŒhere Vorstellung vom „Begabungsberuf” wurde abgelöst durch ein professionelleres Berufsbild mit definierbaren AusbildungsgĂ€ngen sowie Kategorien fĂŒr die fachliche QualitĂ€t im Journalismus. In der Regel ist ein Studium Voraussetzung, gefolgt von einer zweijĂ€hrigen Ausbildung in einer oder mehreren Redaktionen als Volontariat. Bereits wĂ€hrend des Studiums werden Erfahrungen in Praktika und in freier journalistischer Mitarbeit gesammelt. Weitere Möglichkeiten zum Zugang sind der Besuch einer Journalistenschule oder ein Journalistik- bzw. Journalismus-Studium. Das Berufsfeld ist offen fĂŒr Quereinsteiger, insbesondere mit Spezialwissen.

Voraussetzung fĂŒr den Beruf des Journalisten ist in erster Linie die Kommunikation, sei es im Bereich Sprache, Foto oder Film. DarĂŒber hinaus kommt es auf soziales und gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein, logisches und analytisches Denken, KreativitĂ€t sowie KontaktfĂ€higkeit an. Abgesehen vom Lokaljournalisten, der ein Allrounder sein sollte, sind in den Mantelredaktionen der Printmedien sowie bei Hörfunk und Fernsehen zunehmend Fachleute gefragt.

Ein Studium, insbesondere Journalistik und Publizistik, bildet heute meist die Grundlage. Danach sollte ein Volontariat absolviert werden, in dem man die praktische Seite des Berufs kennenlernt. Die meisten Redaktionen verlangen mittlerweile ein abgeschlossenes Hochschulstudium, bevor sie eine Volontariatsstelle vergeben.

Journalistenschulen vermitteln Medienpraxis, da sie praktischer ausgerichtet sind als die StudiengÀnge an den UniversitÀten. Sie werden hÀufig nach dem oder parallel zum Studium besucht.

Bereits wÀhrend des Studiums sollte praktische Erfahrung, beispielsweise als freier Mitarbeiter in einer Lokalredaktion, gesammelt werden, sonst ist es schwer, eine Volontariatsstelle zu bekommen. Ein Volontariat dauert zwischen 15 und 24 Monaten.

TĂ€tigkeitsfelder

Interview mit Angela Merkel, 2011
Fotojournalisten bei der UEFA Euro 2008

Journalisten arbeiten in Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften und AnzeigenblĂ€ttern, aber auch im Hörfunk und Fernsehen, Öffentlichkeitsarbeit sowie Nachrichtenagenturen oder PressebĂŒros. In Pressestellen haben rund 75 Prozent der Mitarbeiter eine journalistische Ausbildung absolviert. Eine Großzahl der deutschen Journalisten arbeitet heute parallel als freier Journalist in diesen Bereichen.

Mit dem Online-Journalismus kamen als jĂŒngstes TĂ€tigkeitsfeld Online-Redaktionen hinzu. Ferner sind Journalisten als Pressesprecher oder Pressereferenten in den Pressestellen (auch PR- oder Marketingabteilungen) von Wirtschaftsunternehmen, Behörden oder Organisationen tĂ€tig.

Im Bereich der Tageszeitungen arbeitet ein großer Teil als Lokaljournalist. Bei ĂŒberregionalen Tageszeitungen, bei Zeitschriften und in den Bereichen Rundfunk und Fernsehen findet i. d. R. eine Spezialisierung auf bestimmte Ressorts statt, z. B. Nachrichten, Sport, Wirtschaft, Kultur, Musik, Wissenschaft, aber auch fĂŒr Seitengestaltung und Überschriftenformulierung, Recherche, Koordination.

ArbeitsverhÀltnisse

Siehe auch: Korrespondent, Redakteur, Reporter, Chef vom Dienst, Bildredakteur, Kolumnist, Feuilletonist, Lokaljournalist, Leitartikler, Fotojournalist, Videojournalist, Moderator

Wer bei Presse, Hörfunk oder Nachrichtenagenturen Nachrichten innerhalb einer Redaktion bearbeitet, also redigiert, gilt als Redakteur. Dabei werden Bild- und Text-Redakteur unterschieden. Im Gegensatz dazu arbeitet der Reporter vor Ort, etwa bei einem großen UnglĂŒck oder einer Naturkatastrophe, recherchiert also die Fakten einer Geschichte. Ein Korrespondent ist fĂŒr seine Heimatredaktion (Zeitung, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagentur) in der Bundes- oder Landeshauptstadt oder im Ausland tĂ€tig. Außerdem gibt es noch den Moderator, der Sendungen entweder im Fernsehen oder im Hörfunk prĂ€sentiert.

Laut Schneider/Raue arbeiteten 2003 fĂŒr Tageszeitungen circa 14.000 Redakteure, fĂŒr Zeitschriften etwa die HĂ€lfte, rund 8000 fĂŒr die Rundfunkanstalten und 5000 fĂŒr AnzeigenblĂ€tter.[2]

Neben den angestellten Journalisten gibt es auch rund 40.000 freiberufliche Journalisten. Besonders bei den themenspezifisch arbeitenden Hauptstadt-Journalisten (z. B. Wirtschaftsjournalisten) ist dies hĂ€ufig der Fall, da sich viele kleinere Zeitungen keine eigenen Redakteure in der Hauptstadt bzw. keine fĂŒr jedes einzelne Ressort leisten können. Diese arbeiten auf Honorar-Basis oder handeln PauschalvertrĂ€ge aus. Sie bekommen jedoch keine regelmĂ€ĂŸigen AuftrĂ€ge und mĂŒssen ein eigenes BĂŒro unterhalten, dazu mĂŒssen sie sich an ihren Kunden und deren ThemenwĂŒnschen orientieren. Ein freier Journalist im Pressewesen wird nach gedruckten Zeilen honoriert. Viele Moderatoren im Fernsehen sind freie Journalisten. Neben denjenigen, die sich freiwillig gegen eine Festanstellung entschieden haben und gut verdienen, nimmt das Heer der auftragsknappen oder -losen Journalisten mit Nebenjobs stĂ€ndig zu. Selbst große Medien haben Festangestellte und freie Mitarbeiter entlassen.

Zeitschriften, Fernsehen und Hörfunk sind auf die „Freien“ angewiesen, da diese billiger und flexibler einsetzbar sind und Verlage sowie ZeitungshĂ€user in den letzten Jahren umfassend rationalisiert haben, da der Kostendruck wegen sinkender Auflagen gestiegen ist. Der Anteil der freien Journalisten an den Inhalten von Zeitungen und Zeitschriften steigt dabei sehr stark an. Nach Recherchen des Berufsverbandes Freischreiber stammen beispielsweise 55 Prozent der Texte im Wissenschaftsmagazin P.M. von freien Journalisten. 60 Prozent ist ihr Anteil am Zeit-Magazin. Bei der Wirtschaftszeitschrift Brand eins sind es nach Angaben des Verbandes sogar 68 Prozent.[3]

Neben den angestellten und freiberuflichen Journalisten gibt es noch die sogenannten Pauschalisten, die ein Pauschalhonorar bekommen und keine festen Arbeitszeiten haben.

Darstellungsformen

In seiner Arbeit benutzt der Journalist unterschiedliche Darstellungsformen. Neben der reinen Vermittlung von Fakten (Nachricht, Bericht, Fotografie, Film und Interview) fließen in den anderen Darstellungsformen auch persönliche EindrĂŒcke ein: Reportage und Feature. Eine ausschließlich persönliche Wertung, Einordnung oder ErklĂ€rung eines Sachverhaltes findet sich im Kommentar und in der Glosse.

SelbstverstÀndnis der Journalisten

Das SelbstverstÀndnis von Journalisten aus England und Amerika unterscheidet sich von demjenigen ihrer Kollegen auf dem europÀischen Kontinent. Klischeehafte Ansichten wie All The News That's Fit To Print oder Tell it like it is kennzeichnen die angelsÀchsische Sicht der Dinge.[4] Die diametral entgegengesetzte Auffassung bringt Tissy Bruns im Vorwort zu einer neueren Untersuchung von Weichert und Zabel auf den Punkt: Journalisten wollen und sollen die Welt erklÀren.[5] Die unterschiedlichen Einstellungen zur Rolle und Aufgabe des Berufsstandes bleiben laut Noelle-Neumann nicht ohne Einfluss auf die Wirkungsabsichten der zwei Journalistengruppen: In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich bei deutschen Journalisten eine Dominanz der eher aktiven und teilnehmenden Rolle mit dem Ziel, den gesellschaftlichen und politischen Prozess selbst zu beeinflussen, wÀhrend in angelsÀchsischen LÀndern die Rolle des Informationsvermittlers an oberster Stelle der Wertehierarchie steht.[6]

Im Gegensatz zu vielen anderen LĂ€ndern hat man in seit Bestehen der Bundesrepublik vermieden, die Journalisten aktiv in die jeweilige Regierungspolitik einzubinden, da die Gefahr einer Instrumentalisierung der Presse als propagandistisches ErfĂŒllungsorgan aus der NS-Propaganda bekannt ist. Deutschland ist seitdem das einzige Land, dessen höchste Organisationsform der Journalisten, die Bundespressekonferenz, die Regierungssprecher zu den Pressekonferenzen einlĂ€dt[7]. Embedded Journalism, wie ihn die USA wĂ€hrend des Irak-Krieges praktizierten, war in Deutschland bislang nicht vorgesehen.

Im angelsĂ€chsischen Raum werden Bild und SelbstverstĂ€ndnis der Journalisten durch eine Flut von BĂŒchern, TheaterstĂŒcken und Filmen dokumentiert. So taucht etwa The Front Page, das 1928 uraufgefĂŒhrte Standardwerk von Ben Hecht und Charles MacArthur, in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in immer wieder neuen Adaptionen sowohl auf dem Broadway, als auch in Hollywood (The Front Page (1931), Sein MĂ€dchen fĂŒr besondere FĂ€lle (1940), Extrablatt (1974), Eine Frau steht ihren Mann (1988) etc.) auf dem Spielplan auf. Der deutschsprachige Journalismus lehnt sich in seinem RollenverstĂ€ndnis an den anglo-amerikanischen Journalismus an. Dies spiegelt sich jedoch nicht vergleichbar in fiktionaler Darstellung.

Rollenselbstbild im Wandel

Das Rollenselbstbild, wie die Akteure im Journalismus ihre Aufgabe in der Gesellschaft sehen, hat sich gemĂ€ĂŸ zweier reprĂ€sentativer Journalistenbefragungen von 1993 und 2005 in Deutschland ebenfalls gewandelt: Die Ambitionen von Kritik und Kontrolle haben abgenommen, es dominieren die reinen Informationsjournalisten und News-Manager.[8].

Der Anteil der Journalisten, die "Kritik an MissstĂ€nden ĂŒben" als Ziel angeben, ist von 63 Prozent auf 57 Prozent gesunken. Der Anteil der Journalisten, die "sich einsetzen fĂŒr die Benachteiligten in der Bevölkerung" ist von 43 auf 29 Prozent gesunken und der Anteil jener, "die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kontrollieren" von 37 auf 24 Prozent.

Umgekehrt stieg der Anteil der Journalisten, die "möglichst neutral und prÀzise informieren" wollen von 74 auf 89 Prozent. Der Anteil der Journalisten, der "komplexe Sachverhalte erklÀren und vermitteln" wollen, stieg von 74 auf 80 Prozent und jener, welche "die RealitÀt genau so abbilden wollen, wie sie ist", von 66 auf 74 Prozent.

Gender

Das Schreiben in Zeitungen wurde noch Ende des 20. Jahrhunderts auf dem Kontinent allgemein als MĂ€nnersache von hohem Befriedigungsgrad angesehen. Der Journalistenberuf ist weitgehend ein reiner MĂ€nnerberuf, ist im Nachschlagewerk Publizistik (1971) zu lesen. Aus einer Untersuchung, die das Institut fĂŒr Demoskopie Allensbach im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse im Jahre 1969 durchgefĂŒhrt hatte, geht hervor, dass alle Chefredakteure, 98 % der Ressortleiter und 85 % der Redakteure MĂ€nner waren. Hierzu fĂŒhrte Noelle-Neumann folgende ErklĂ€rung an: Die meisten Journalistinnen geben mit zunehmendem Alter ihre BerufstĂ€tigkeit auf.[9]

Siegfried Weischenberg ermittelte in der reprĂ€sentativen Befragung „Journalismus in Deutschland II“, dass der Frauenanteil der 48.000 Menschen, die 2005 in Deutschland hauptberuflich journalistisch tĂ€tig sind, bei 37 % liegt. Aber nur jede fĂŒnfte Chefredaktion ist mit einer Frau besetzt, 29 % der Ressortleitungen und CvDs nehmen Frauen wahr. „In den zentralen Ressorts Aktuelles, Politik, Wirtschaft und Lokales sind Journalistinnen entsprechend ihrem Anteil in der Profession vertreten” schreibt die Kommunikationswissenschaftlerin Margreth LĂŒnenborg. „Als hochgradiger MĂ€nnerjob erweist sich noch immer das Sportressort, mehr Frauen arbeiten im Feuilleton. Journalistinnen sind im Schnitt besser ausgebildet, verdienen allerdings deutlich weniger Geld (ca. 700 Euro Differenz total, gut 500 Euro allein aufgrund des Geschlechts).”[10]

Im Gegensatz zur Situation in den Printmedien haben Frauen in den hochbezahlten und publikumswirksamen Bereichen des Fernsehjournalismus allerdings schon seit vielen Jahren Spitzenpositionen erreichen können. Als Beispiele seien hier genannt: Sabine Christiansen, Anne Will (Nachrichtenredakteurinnen); Sandra Maischberger, Maybrit Illner (politische Talkshows) oder Franca Magnani, Gabriele Krone-Schmalz (Auslandskorrespondentinnen).

In den gefĂ€hrlicheren Bereichen des Journalismus sind Frauen eher unterreprĂ€sentiert und betrĂ€gt der Frauenanteil der bei der BerufsausĂŒbung getöteten Journalisten (ab 1992) etwa 7 %.

Soziologie

Das hervorstechendste Merkmal des Journalistenberufs sieht Jean Baudrillard in der Verhinderung von Kommunikation.[11] Der Austausch von Information (parole et rĂ©ponse) wird durch den Journalisten effektiv unterbunden. Anstatt mit einem eine persönliche Korrelation schaffenden reziproken Raum haben wir es mit einer „Rede ohne Antwort” zu tun. Alibi-Übungen wie Leserbriefseiten etc. Ă€ndern an dieser Tatsache wenig. Damit nimmt Baudrillard, ohne allerdings den griechischen Philosophen zu erwĂ€hnen, einen alten Gedanken Platons auf. Dieser geht im Phaidros ausfĂŒhrlich auf das Problem ein. So lĂ€sst er z.B. Sokrates die Einseitigkeit des Schreibens und deren Auswirkungen betonen: Denn dies Bedenkliche, Phaidros, haftet doch an der Schrift, und darin gleicht sie in Wahrheit der Malerei. Auch deren Werke stehen doch da wie lebendige, wenn du sie aber etwas fragst, dann schweigen sie stolz. Ebenso auch die geschriebenen Reden. Und auch den Schluss, der sich daraus ziehen lĂ€sst, nimmt Platon vorweg: Wer also glaubt, seine Kunst in Buchstaben zu hinterlassen, und wer sie wieder aufnimmt, als ob etwas Klares und Festes aus Buchstaben zu gewinnen wĂ€re, der strotzte vor Einfalt...[12]

Die Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann, die selbst in der NS-Zeit journalistisch aktiv war, sah den Journalistenstand als besonders totalitarismusresistent an. Ihren Untersuchungen zufolge gab es vor 1933 nur wenige Journalisten, die mit der NSDAP sympathisierten. Darin sieht das von ihr herausgegebene Fischer-Lexikon der Publizistik denn auch eine Ursache dafĂŒr, dass es der Partei nie gelungen sei, ihr Ziel einer lĂŒckenlosen Lenkung der Presse zu erreichen.[13] Neuere Publizistik-Wissenschaftler wie Horst Pöttker verweisen hingegen auf das Medienimperium von Alfred Hugenberg, das bereits vor 1933 journalistisch den Weg fĂŒr eine spĂ€tere Lenkung der Medien durch die NSDAP bereitete. Damit folgen auch die neueren Publizistik-Wissenschaftler der Tradition, die Entwicklung als Resultat von Manipulationen mĂ€chtiger Organisationen vorauszusetzen. Im angelsĂ€chsischen Raum wird im Gegensatz dazu, den Analysen von CzesƂaw MiƂosz[14] folgend, das Denken der Einzelnen, „der Verrat der Schreibenden an der Freiheit”, in den Vordergrund gestellt.

Vierte Gewalt

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Das deutsche Grundgesetz rĂ€umt mit der in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerten Pressefreiheit Journalisten eine besondere Rolle ein. Die Journalisten dĂŒrfen staatlich nicht beeinflusst werden, außerdem können sie sich neben Priestern als einzige auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen, d. h. sie können vor Gericht die Aussage verweigern, wer ihnen die Informationen zu einer bestimmten Story gegeben hat.

Denn gerade dadurch, dass ein Informant so sicher sein kann, nicht genannt zu werden, kann durch Aufdeckung von MissstĂ€nden, wie beispielsweise Korruption, eine „Kontrollfunktion“ gegenĂŒber dem Staat ausgeĂŒbt werden. Aus diesem Grunde werden Journalisten und Medien oft als Vierte Gewalt im Staate bezeichnet.

Zudem informieren Journalisten die Öffentlichkeit ĂŒber Sachverhalte oder VorgĂ€nge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Damit tragen sie zum Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei und erfĂŒllen eine wichtige gesellschaftliche und öffentliche Aufgabe. Um ihrer Aufgabe als Kontrollinstanz der Gesellschaft gerecht werden zu können, stehen Journalisten besondere Recherchebefugnisse zu, die die Pressegesetze der LĂ€nder unter den Begriffen „Auskunftsrecht“ oder „Informationsrecht“ regeln. Die Bereiche Zusicherungen und Erhalt von AuskĂŒnften von allgemeinem Interesse von Behörden und Ämtern, dehnte die höchstrichterliche Rechtsprechung auch schon auf Unternehmen aus, wo Recherchen notwendig waren, um entsprechende MissstĂ€nde und Fehlentwicklungen aufzudecken.

Die Sorgfaltspflicht zÀhlt ebenso zu den journalistischen Aufgaben. Die Journalisten sind verpflichtet, vor der Verbreitung ihrer Nachrichten diese auf Inhalt, Herkunft und Wahrheitsgehalt zu kontrollieren.

Siehe auch: Vierte Gewalt

Trends

WĂ€hrend der Medienkrise ab 2002 sorgte die schlechte Auftragslage bei den Anzeigen fĂŒr den Abbau von redaktionellen Stellen. Bei den Zeitungen arbeiteten um 2005 nur noch knapp 70 Prozent des Personals von 1993, bei Nachrichtenagenturen und AnzeigenblĂ€ttern weniger als die HĂ€lfte. 2005 konnten vom Journalismus wesentlich weniger Menschen leben als 1993. Parallel zur besseren konjunkturellen Entwicklung nahm ab 2006 die Zahl der arbeitslosen Journalisten wieder ab, die Zahl der Stellen deutlich zu[15]. Seit Ende 2008 fĂŒhrten mehrere Medienunternehmen jedoch aufgrund des starken konjunkturellen Abschwungs StellenkĂŒrzungen durch.[16]

Von Journalisten werden immer mehr TĂ€tigkeiten auch im Bereich der Produktion verlangt. Insgesamt nimmt der Arbeitsdruck in den Redaktionen zu, dabei geht die Zahl der festangestellten Journalisten zurĂŒck. Parallel dazu wĂ€chst die Zahl der freien Journalisten, wĂ€hrend deren Honorare abnehmen. Die Tendenz geht zum Content-Lieferanten.[17] Machtmissbrauch und Sensationsgier brachten vor allem den Boulevard-Journalismus in die Kritik. Die Journalistengewerkschaft DJV stellt hierzu fest: „QualitĂ€t im Journalismus erfordert professionelle Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheiten, die den journalistischen Anforderungen und der Verantwortung von Festangestellten wie Freien gerecht werden."[18]

DemgegenĂŒber steht eine Reihe engagierter Investigativjournalisten, die es sich bereits ab den spĂ€ten 1960er Jahren zur Aufgabe gemacht haben, auf der Basis journalistischer Recherche AufklĂ€rungsarbeit ĂŒber MissstĂ€nde aller Art zu leisten . In den meisten FĂ€llen geschieht dies ĂŒber zusammengefasste Publikationen in Form entsprechender SachbĂŒcher (wie von GĂŒnter Wallraff oder Ernst Klee), bei Fernsehjournalisten durch kritische Sendeformate wie z. B. Panorama oder Monitor.

Von den 45.000 festangestellten Journalisten in Deutschland arbeitet ein Drittel bei Tageszeitungen und ein Viertel beim Rundfunk. Der Rest verteilt sich auf Zeitschriften, Online-Dienste und auf Mitarbeiter in Pressestellen und Agenturen. Nach Branchenstatistiken erzielen diese Journalisten im Durchschnitt ein jÀhrliches Brutto-Einkommen von rund 36.000 Euro, Tendenz derzeit fallend.[19]

GefÀhrdung im Beruf

Aufgrund ihrer TĂ€tigkeit als Verbreiter und Veröffentlicher von Informationen und Meinungen sind Journalisten weltweit Ziel von Lobbyisten und Machthabern. JĂ€hrlich werden etliche Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet. Diese Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle, so nennt fĂŒr 2011 Reporter ohne Grenzen 66 getötete Journalisten, wĂ€hrend PEC (Press Emblem Campaign) mindestens 106 getötete Journalisten zĂ€hlt.[20][21]

Siehe auch: Liste wĂ€hrend der BerufsausĂŒbung getöteter Journalisten

Einzelnachweise

  1. ↑ Heinz PĂŒrer, Johannes Raabe: Medien in Deutschland. Band 1: Presse, 2., ĂŒberarbeitete Auflage, Konstanz 1996
  2. ↑ Wolf Schneider, Paul-Josef Raue: Das neue Handbuch des Journalismus, Reinbek 2003, ISBN 3-499-60434-5
  3. ↑ www.freischreiber.de, abgerufen am 30. Januar 2010
  4. ↑ Ian Mayes: Journalism. Right and Wrong, Guardianbooks, 2007
  5. ↑ Stephan Weichert und Christian Zabel: Die Alpha-Journalisten. Deutschlands WortfĂŒhrer im PortrĂ€t, Halem, Köln 2007
  6. ↑ Publizistik Massenkommunikation, Das Fischer Lexikon, Herausgeber: Elisabeth Noelle-Neumann, Winfried Schulz und JĂŒrgen Wilke, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 1989, S.63ff
  7. ↑ Gunnar KrĂŒger, Wir sind doch kein exklusiver Club! Die Bundespressekonferenz in der Ära Adenauer, LIT-Verlag 2005, ISBN 3-8258-8342-6
  8. ↑ Siegfried Weischenberg/Maja Malik/Armin Scholl (2006): Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report ĂŒber die Journalisten in Deutschland. ifk Institut fĂŒr Kommunikationswissenschaft. Abgerufen am 1. Februar 2010.
  9. ↑ Publizistik, Das Fischer Lexikon, Herausgeber: Elisabeth Noelle-Neumann und Winfried Schulz, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 1971, S. 65
  10. ↑ Margreth LĂŒnenborg in M - Menschen machen Medien, 3/2008
  11. ↑ Jean Baudrillard: Pour une critique de l'Ă©conomie politique du signe, Gallimard, Paris 1995
  12. ↑ Platon: Phaidros oder Vom Schönen, Reclam, UB 5789
  13. ↑ Publizistik, Das Fischer Lexikon, Herausgeber: Professor Dr. Elisabeth Noelle-Neumann und Dr. Winfried Schulz, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 1971, S.258
  14. ↑ Czeslaw Milosz: VerfĂŒhrtes Denken, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1959
  15. ↑ FAZ.net, 21. Januar 2008
  16. ↑ Quelle: Tagesschau.de (nicht mehr online verfĂŒgbar)
  17. ↑ Claudia Mast: Journalismus im Internet-Zeitalter. Content-Lieferant oder mehr?. Klaus Jarchow: Die Content-Lieferanten.
  18. ↑ Quelle: Charta „QualitĂ€t im Journalismus”, DJV 2002
  19. ↑ *Torsten Oltmanns, Ralf-Dieter Brunowsky: Manager in der Medienfalle BrunoMedia, Köln 2009, ISBN 978-3-9811506-7-4, S. 39-40
  20. ↑ Reporter Ohne Grenzen Jahresbilanz 2011 Stand: 22 Dezember 2011
  21. ↑ Press Emblem Campaign PEC Annual Report 2011 Stand: 19 Dezember 2011

Literatur

Filme

Siehe auch

Weblinks

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