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Das Fieber (aus mittelhochdeutsch vieber, dies von althochdeutsch fiebar, nachweisbar seit dem 9. Jahrhundert und entlehnt aus lateinisch febris, eigentlich „Hitze“[1]; auch die Pyrexie von altgriechisch πύρεξ(ις), pýrex(is), „Fieber haben“, von griechisch πυρετός, pyretós, „Fieber“[2]; vergleiche pyr, „Feuer“) ist ein Zustand erhöhter Körperkerntemperatur, der meistens als Begleiterscheinung der Abwehr gegen eindringende lebende Mikroorganismen oder andere als fremd erkannte Stoffe auftritt, sowie seltener im Rahmen anders verursachter Entzündungsvorgänge, Traumata oder als Begleiterscheinung bei manchen Tumoren vorkommt. Die hiermit verbundenen Vorgänge beruhen auf komplexen physiologischen Reaktionen, zu denen unter anderem eine pyrogenvermittelte, vom Organismus aktiv herbeigeführte, geregelte und begrenzte Erhöhung der Körperkerntemperatur gehört. Letztere entsteht infolge einer Temperatursollwertänderung im hypothalamischen Wärmeregulationszentrum.[3] Fieber ist damit ein Beispiel für eine regulierte Änderung der Homöostase.[4]
Entgegen einem häufig vorkommenden Missverständnis ist Fieber damit in den meisten Fällen nicht Ursache von Krankheit, sondern Teil der Antwort des Organismus auf Krankheit. Entsprechend ist es zwar eine häufige Praxis, Fieber ab einer bestimmten Höhe symptomatisch zu senken, um vermeintlichen Schaden vom Kranken abzuwenden; diese häufige Praxis entspricht aber oft nicht dem Forschungsstand der Fieberphysiologie. Anstelle einer routinemäßigen Senkung des Fiebers ab einer bestimmten Temperatur sollte sich eine symptomatische Therapie an der Befindlichkeit und an sekundären Risiken des Fiebers für bestimmte Patientengruppen orientieren.[5]
Fieber unterscheidet sich grundsätzlich von ungeregelten Zuständen der Hyperthermie, an der keine Pyrogene beteiligt sind, gegen die keine medikamentöse antipyretische Therapie hilft und bei denen die Temperatur erhöht ist, obwohl der Organismus an der Grenze seiner gegenregulatorischen Möglichkeiten versucht, seine Temperatur zu senken. Solche Überhitzung kann bei überstarker Erwärmung durch die Umgebung und/oder im Rahmen kräftiger körperlicher Bewegung vorkommen, ferner selten bei einer gestörten Temperaturregulation im Rahmen neurologischer Krankheiten oder bei der malignen Hyperthermie.
Fieber ist einer der häufigsten Beratungsanlässe in einer allgemeinmedizinischen oder pädiatrischen Praxis.[6]
Die Fähigkeit mehrzelliger Organismen, fieberartige Reaktionen im Rahmen der angeborenen Immunantwort zu bilden, ist wahrscheinlich etwa 600 Millionen Jahre alt, in der Evolution hochkonserviert und überwiegend erfolgreich: Sie kommt bei Säugetieren, Reptilien, Amphibien, Fischen wie auch bei einigen Invertebraten bis hin zu den Insekten vor und führt in der Regel zu verbessertem Überleben oder Ausheilen verschiedener Infektionen. Warm- und Kaltblüter ändern im Rahmen einer Fieberreaktion ihr Verhalten, um die von der Fieberreaktion geforderte höhere Körpertemperatur zu erreichen (Aufsuchen wärmerer Umgebung etc.), Warmblüter haben darüber hinaus effizientere physiologische Möglichkeiten, ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Dieselben Antipyretika, die bei Warmblütern die physiologische Fieberreaktion hemmen, unterdrücken bei Kaltblütern z. B. das gezielte Aufsuchen eines wärmeren Ortes im Falle einer Infektion.[7]
| Spezies | Basaltemperatur / °C | Temperatur bei Fieber / °C |
|---|---|---|
| Mensch | 36,0–37,2 | 38–41 |
| Pferd | 37,5–38,2 | 38,3–39,3 |
| Hund | 38,1–39,2 | 39,3–42,2 |
| Katze | 38,0–39,0 | 39,4–40,9 |
| Schwein | 39,3–39,9 | 40,5–41,1 |
| Ratte | 37,9–38,2 | 38,6–39,4 |
| Maus | 36,5–37,2 | 37,8–39,3 |
| Taube | 39,7–40,7 | 41,0–41,5 |
| Eidechse | 34,0–37,0 | 39–42 |
| Frosch | 25–28 | 35–39 |
| Goldfisch | 27,9 (Mittelwert) | 32,7 (Mittelwert) |
Das oberste thermoregulatorische Zentrum ist die präoptische Region des Hypothalamus: Hier wird die Ist-Körperkerntemperatur selber präzise direkt wahrgenommen, ferner laufen dort afferente Signale z. B. von Wärme- und Kälterezeptoren aus der Haut des ganzen Körpers zusammen. Die Temperaturinformationen aus der Peripherie werden mit den zentralen Temperaturinformationen verglichen und integriert; es resultiert eine von hier letztlich gesteuerte passende thermoregulatorische Antwort mit einem der beiden folgenden Ziele:
Ferner wird im Hypothalamus das Verhalten über die Wahrnehmung der Eigenwärme beeinflusst (Wechseln der Kleidung, Aufsuchen einer anderen Umgebung etc.). Bei einer normalen pyrogeninduzierten Fieberreaktion laufen diese Regulationsmechanismen genauso ab, sie sind also ebenfalls nur mit einer intakten präoptischen Region des Hypothalamus möglich.[8] Daher friert man bei fieberhaft ansteigender Temperatur und fühlt sich an Händen und Füßen kalt an. Demgegenüber ist einem warm bis hin zum Schwitzen, wenn die Temperatur nach dem Fieber (oder bei Gabe eines fiebersenkenden Medikamentes) wieder sinkt.
Im präoptischen Hypothalamus finden sich verschiedene Neurone: Etwa 30 % sind wärmesensitiv (das heißt, sie feuern schneller, wenn die Wärme steigt), über 60 % reagieren nicht auf Temperaturänderungen und weniger als 5 % sind kältesensitiv. Es wird vermutet, dass der sogenannte Temperatursollwert durch einen Vergleich der Neuronenaktivität der temperaturinsensitiven Neurone mit den wärmesensitiven Neuronen entsteht. Insbesondere die Aktivität der kältesensitiven Neurone ist stark abhängig von excitatorischem und inhibitorischem Input benachbarter Neurone, während die wärmesensitiven Neurone vor allem Input aus der Peripherie bekommen.[8] Die wärmesensitiven Neurone werden also ab einer bestimmten Temperatur aktiver und lösen im Endeffekt eine Regulation aus, die den Körper zu mehr Wärmeabgabe bringt.
Diese Neurone können durch sogenannte Pyrogene gehemmt werden, wodurch dann das normale regulatorische Gleichgewicht im Thermoregulationszentrum verschoben wird.[8] Diese Pyrogene gehören teilweise zu den Akute-Phase-Proteinen, die im Rahmen einer Entzündung vorkommen. Eine Vorstellung über die Wirkungszusammenhänge der verschiedenen Pyrogene gewann man vor allem durch tierexperimentelle Fiebererzeugung vor allem mit gespritzten Lipopolysacchariden (Bestandteile aus der Wand gramnegativer Bakterien). Dieses exogene Pyrogen führt vor allem in Monozyten, vermittelt u. a. durch den CD14-Rezeptor, zu einer vermehrten Bildung von endogenen Pyrogenen[9] und zwar beginnend für Tumornekrosefaktor (TNF), Interleukin-8 und Spuren von Interleukin-1 und etwas später für deutliche Mengen von Interleukin-6. Letzteres korreliert am besten mit dem Fieberverlauf selber.[10] Diese Bildung endogener Pyrogene in durch Lipopolysaccharide angeregten Monozyten läuft bei 42 °C (also einer Temperatur, die knapp über der natürlichen Fiebergrenze liegt) etwas langsamer (und für TNF und Interleukin-8 zeitlich begrenzter) als bei 37 °C.[11] Tumornekrosefaktor kann je nach Kontext auch eine fieberbegrenzende Eigenschaft haben. [10] Wenn im Experiment Lipopolysaccaride als exogenes oder Interleukin-1β als endogenes Pyrogen gespritzt werden, resultiert ein uniformer, zweigipfliger Fieberanstieg. Ein erster Fiebergipfel beginnt rasch und dauert 30-60 Minuten. Er wird dadurch hervorgerufen, dass das Interleukin-1β über seinen Interleukin-1 Rezeptor die Neutrale Sphingomyelinase aktiviert, welche die Bildung des löslichen C2-Ceramides katalysiert. Ceradmide hemmt die wärmesensitiven Neurone. [12]. Es gab auch die Hypothese, dass dieser erste Fieberanstieg durch den Vagusnerv vermittelt werde, diesbezügliche Versuche erbrachten aber uneinheitliche Ergebnisse [10].
Gleichzeitig regt das Interleukin-1β die vermehrte Transkription der Cyclooxygenase-2 zunächst in den Makrophagen an, diese bildet vermehrt Prostaglandine, v. a. auch Prostaglandin E2, welches über die zirkumventrikulären Organe in den Hypothalamus gelangt und den Beginn des zweiten Fieberanstieges bewirkt [13]: Dann wird die Cyclooxygenase-2 in den Endothelzellen des Hypothalamus selber angeregt, welche zentral zu einer erhöhten Prostaglandin-E2-Bildung führt. Das entstehende Prostaglandin-E2 kann in das Gehirn gelangen[14] und induziert über seinen EP3-Rezeptor dann letztlich einen längerdauernden Fieberanstieg mit einem Maximum ungefähr 3 Stunden nach dem Auftreten des Interleukin-1β, ebenfalls über die Hemmung wärmesensitiver Neurone.[15] Hierdurch werden wärmeabgebende Prozesse (periphere Gefäßerweiterung, Schwitzen etc.) gehemmt und ferner die Hemmung der wärmesensitiven Neurone auf die kältesensitiven Neurone aufgehoben. Dies führt dann zur Wärmebildung bis hin zum Schüttelfrost. Alles in allem resultiert ein stereotyper und reproduzierbarer zweigipfliger Fieberanstieg, bis jeweils das neue regulatorische Gleichgewicht hergestellt ist. Fieber ist also insgesamt das Ergebnis einer fein abgestimmten Kommunikation des Immunsystems des Organismus mit seinem Nervensystem.
Es ist eine allgemeine alte Erfahrung, dass bei einer akuten Fieberreaktion die menschliche Körpertemperatur (insbesondere bei Kindern) schnell bis zu Werten zwischen 40 und 41 °C ansteigt, jedoch fast nie Werte über etwa 41 °C erreicht,[16] unabhängig von der Fieberursache oder dem Ort der Temperaturmessung.[17][18] Der Körper muss also unter normalen Bedingungen in der Lage sein, eine Fieberreaktion regulatorisch wirksam zu begrenzen, bevor sie durch sich selber gefährlich wird. Wenn dies nicht der Fall wäre, hätte sich das Phänomen der Fieberreaktion nicht evolutionär durchsetzen können. Allerdings sind die Vorgänge der Fieberentstehung viel länger erforscht und daher ist über sie mehr bekannt als über die Vorgänge der Fieberbegrenzung durch den Organismus selber. Bei Körpertemperaturen oberhalb von 41,1 °C spricht man von einer Hyperpyrexie.[19]
Der Körper kann mit Hilfe einer Reihe endogener Antipyrogene seine Fieberreaktion begrenzen.[20] Hierzu gehören:
Vor einer Denaturierung von Zellproteinen, z. B. bei erhöhter Temperatur, schützen sich Zellen durch die Hitzeschock-Antwort. Diese ist ein evolutionär uralter und hochkonservierter Prozess, der in allen Lebewesen bis hin zu den Bakterien vorkommt.[27] Die dabei gebildeten Hitzeschockproteine haben vielfältige Funktionen, eine der Hauptaufgaben besteht dabei in der Erleichterung der korrekten Faltung denaturierter Proteine. Diese Funktion trägt wesentlich zum Zellüberleben unter Stressbedingungen bei. Die Gene für die Hitzeschockproteine haben sich die ganze Evolution hindurch erhalten, obwohl neue Möglichkeiten für die höherentwickelten Organismen hinzugekommen sind, mit Stressoren durch die Umwelt umzugehen. Die Beziehung zwischen der evolutionär alten Hitzeschock-Antwort und der evolutionär jüngeren Fieberreaktion kann als ein Beispiel dafür angesehen werden, wie neuere Prozesse früher entwickelte Prozesse benutzen. Beispiele für die komplexen Zusammenhänge zwischen Fieber und Hitzeschockantwort sind:[7]
Viele Funktionen der neutrophilen Granulozyten, der Makrophagen und der Lymphozyten, die für die Infektabwehr wichtig sind, wie z. B. Beweglichkeit, Phagozytosefähigkeit, Radikalbildung, Vermehrung, Antikörperbildung usw. sind bei Temperaturen von 38 bis 41 °C verstärkt beobachtbar und nehmen bei Temperaturen über 41 °C wieder ab.[7]
Für die meisten Infekte – vom einfachen Schnupfen bis hin zur lebensgefährlichen Sepsis – zeigt sich, dass fiebersenkende Maßnahmen den Krankheitsverlauf meistens komplikationsreicher machen und verlängern können. Dies gilt sowohl innerhalb klinischer Studien als auch in (tier-)experimentellen Settings, für virale, bakterielle und parasitäre Erkrankungen. Einige Beispiele sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt:
| Spezies | Infektion | Antipyrese | Ergebnis | Jahr | Ref. |
|---|---|---|---|---|---|
| Echse | Experimentelle Sepsis mit dem Bakterium Aeromonas hydrophila | variierte Umgebungstemperatur 34 bis 42 °C bzw. Salicylsäure | Wesentlich besseres Überleben bei 40 bis 42 °C als bei 34 bis 38 °C bzw. ohne als mit Salicylsäure | 1975, 1976 | [29][30] |
| Goldfische | Experimentelle Sepsis mit dem Bakterium Aeromonas hydrophila | variierte Umgebungstemperatur | Besseres Überleben in höherer Temperatur | 1977 | [31] |
| Kaninchen | Experimentelle Sepsis mit dem Bakterium Pasteurella multocida | Salicylsäure | Wesentlich schlechtere Bakterienabwehr unter Salicylsäure | 1981 | [32] |
| Mensch | Sepsis durch Bakterien oder Pilze | Einfluss der Körpertemperatur unter anderen Einflussfaktoren auf das Überleben | Überlebenswahrscheinlichkeit steigt mit der Körpertemperatur | 1983, 1997 | [33][34] |
| Maus | Experimentelle Lungenentzündung mit Pneumokokken | Acetylsalicylsäure | Schlechteres Überleben und schlechtere Infektabwehr in der Lunge unter Acetylsalicylsäure | 1984 | [35] |
| Mensch | Studie an Kindern von 1–12 Jahren mit Windpocken | Paracetamol oder Placebo | Längere Krankheitsdauer unter Paracetamol | 1989 | [36] |
| Mensch | Experimentelle Rhinitis mit Rhinovirus | Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen | Stärkere Nasenschwellung, längere Virusausscheidung, unterdrückte Antikörperbildung bei Acetylsalicylsäure und Paracetamol | 1990 | [37] |
| Mensch | Unkomplizierte Malaria | Paracetamol | Parasiten länger im Blut unter Paracetamol | 1997 | [38] |
| Maus | Experimentelle Peritonitis mit Klebsiellen | Körpertemperatur 37,5 oder 39,7 °C durch verschieden warme Umgebung | Bei wärmerer Körpertemperatur besseres Überleben und Bakterienabwehr | 2000 | [39] |
Es gibt auch Studien, die keinen krankheitsverlängernden Effekt fiebersenkender Maßnahmen bei Infektionskrankheiten feststellen konnten. Aber verkürzend auf die Erkrankung wirkt sich eine Fiebersenkung in der Regel nicht aus. Eine Fiebersenkung kann bei einigen Patientengruppen aber sekundäre Probleme abmildern. Solche Ergebnisse und klinische Erfahrungen sowie die zunehmenden Kenntnisse über die Fieberphysiologie stellen den routinemäßigen Gebrauch von Antipyretika bei Fieber z. B. auf Intensivstationen in Frage.[40][41] Gefordert wird heute vielmehr eine an den individuellen Behandlungszielen orientierte Therapie; Temperatursenkung als Selbstzweck ist bei Fieber kein unbedingtes Behandlungsziel.
Fieberkrämpfe treten bei (1 %) – 6 % – (14 %) (je nach Bevölkerungsgruppe) aller 1–5-jährigen Kinder auf; die Mechanismen, warum sie auftreten, sind kaum bekannt. Man vermutet, dass betroffene Kinder eine komplex vererbte Anlage für Fieberkrämpfe haben. Eine zurzeit diesbezüglich verfolgte Hypothese ist, dass es sich bei dieser Anlage um Mutationen eines anfallshemmenden GABA-Rezeptors handeln könnte, der temperaturabhängige Eigenschaften aufweist.[42] Im Gegensatz zu einer auch in Lehrbüchern oft geäußerten Vermutung verhindern Antipyretika nicht signifikant ein Fieberkrampfrezidiv.[43]
Patienten mit Epilepsie müssen von solchen mit Fieberkrämpfen unterschieden werden. Da es viele verschiedene Epilepsien gibt, ist der Einfluss von Fieber und erhöhter Temperatur auf die Anfallsaktivität unterschiedlich: Sie kann erhöht werden oder gleich bleiben. In manchen Fällen kann die Anfallsaktivität durch Fieber aber auch vorübergehend abnehmen.[44]
Wiederholte Fieberepisoden im ersten Lebensjahr (die zumeist aufgrund von Luftwegsinfekten auftreten) gehen mit einer höheren Prävalenz von früh begonnenem, nichtallergischem Asthma einher. Allerdings treten allergische Sensibilisierungen und später begonnenes Asthma nach häufigeren Fieberepisoden im ersten Lebensjahr seltener auf.[45] Wichtig scheint zu sein, dass die fieberhaften Episoden auftreten, bevor eine allergische Sensibilisierung eingetreten ist.[46] Es scheinen nur Fieberepisoden zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat vor atopischer Veranlagung zu schützen, wichtig ist ferner eine ausreichende Fieberhöhe > 39 °C.[47] Luftwegsinfekte im ersten Lebensjahr im Allgemeinen scheinen dagegen die Asthmahäufigkeit eher zu erhöhen (siehe z. B. [48]). In diesen Studien wurde aber zumeist nicht der Einfluss von Antibiotika[49] und antipyretischen Maßnahmen z. B. durch Paracetamol berücksichtigt; letzteres hat einen asthmabegünstigenden Effekt.[50][51] Kinder aus Familien mit anthroposophischem Lebensstil erhalten unter anderem weniger Antibiotika und Antipyretika und haben seltener Asthma und Allergien.[52]
Seit Krebsdiagnostik und -behandlung im 19. Jahrhundert eine Wissenschaft wurde, wurden immer wieder seltene Fälle mit „unerklärlichen“ Spontanheilungen berichtet. Vielen dieser Fälle ist eine hochfieberhafte Erkrankung vorausgegangen. Dies wurde vor der Chemotherapieära erfolgreich therapeutisch genutzt, z. B. mit der Fiebererzeugung durch ein injiziertes Bakterienextrakt.[53] Während man in der Chemotherapie- und Bestrahlungsära ab den 1950er-Jahren der Meinung war, dass der Körper keine eigenen Mittel habe, gegen Krebszellen zu kämpfen, wird der Zusammenhang zwischen Fieber und Krebsheilung seit den 1990er-Jahren wieder systematischer untersucht. Unterdessen ist es unstrittig, dass Fieber, insbesondere wenn es hoch ist, unter Umständen das Immunsystem zu einer besseren Krebsabwehr bringen kann. Da Krebserkrankungen eine länger schlummernde Erkrankung sind, ist dies auch im Vorfeld einer manifesten Krebserkrankung möglich, also präventiv. So erklärt sich, dass in der Vorgeschichte von Krebspatienten seltener Episoden mit fieberhaften Infekten zu finden sind.[54] In der praktischen Onkologie müssen solche Überlegungen mit dem Ziel verbunden werden, unkomfortable Situationen für den Patienten zu lindern.[55]
Fieber tritt immer im Rahmen einer komplexen körperlichen Entzündungsreaktion auf, die unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Die Gesamtsymptomatik ist immer von der Grunderkrankung mitgeprägt, daher fällt es schwer, einzelne Symptome in jedem Fall dem Fieber zuzurechnen. Häufig kommen jedoch folgende Symptome zusammen mit fieberhaften Erkrankungen vor:
Der Verlauf der Fieberkurve (graphische Darstellung der Fiebertemperatur in Abhängigkeit von der Zeit) kann Hinweise auf die Fieberursache (z. B. Krankheitserreger) geben, allerdings kann man sich für eine Diagnose nicht alleine darauf verlassen.[56] Traditionell wurden folgende Fiebermuster in diagnostisch brauchbare Gruppen zusammengefasst (nach [56]):
Die Körpertemperatur kann mit verschiedenen Messgeräten und an verschiedenen Orten, Messstellen gemessen werden.
Die Körpertemperatur kann sublingual (im Mund), rektal (im After), aurikular (im Ohr), vaginal (in der Scheide), inguinal (in der Leiste) oder axillar (in der Achselhöhle) gemessen werden, wobei der rektal gemessene Wert der Körperkerntemperatur am nächsten ist. Orientierend ist eine Messung auch an der Stirn möglich. Mittels Infrarotmessgeräten ist das, z. B. in der Seuchenkontrolle, auch über Distanz möglich. Die rektale Messung ist – insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern bis vier Jahren – am zuverlässigsten, dabei ist die gemessene Temperatur im Vergleich am höchsten. Die Temperatur unter der Zunge liegt etwa 0,3–0,5 °C niedriger, die unter den Achseln um etwa 0,5 °C und ist relativ unzuverlässig.[57] Bei der Messung im Ohr wird pyrometrisch, d. h. anhand der temperaturabhängigen Infrarotabstrahlung, die Temperatur des Trommelfelles gemessen. Diese Messmethode ist schnell und prinzipiell genau, liefert jedoch bei Fehlbedienung durch falsche Winkelung und Verlegung des Gehörganges durch Cerumen falsch-niedrige Werte.
Moderne Digitalthermometer brauchen oft nur noch 60 Sekunden und signalisieren, dass der Messvorgang abgeschlossen ist. Digitale Ohrthermometer brauchen sogar oft nur wenige Sekunden, um die Messung durchzuführen.
Traditionell wurde mit Quecksilberthermometern gemessen. Diese finden immer geringere Verbreitung unter anderem wegen des enthaltenen Quecksilbers, das im Fall der Zerstörung des Thermometers zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Diese Thermometer sind aus Glas gefertigt, wovon auch eine potentielle Gefährdung ausgeht. Seit April 2009 ist der Vertrieb von Quecksilberthermometern mit Ausnahme des wissenschaftlichen und medizinischen Bereichs innerhalb der EU verboten. Zunehmend wird Quecksilber durch nicht-toxisches Gallium ersetzt. Es handelt sich um Spitzenwert-Thermometer, d. h. der im Verlaufe der Messung höchste Wert verbleibt in der Anzeige. Vor erneuter Messung ist die Metallsäule deshalb herunterzuschütteln.
Solche analogen Thermometer besitzen gegenüber modernen digitalen Thermometern den Vorteil, ohne elektrischen Strom auszukommen. Jedoch sind die heute meistverbreiteten Thermometer wohl die digitalen, welche den analogen Thermometern in der Form ähneln. Sie haben gegenüber den analogen Thermometern die folgenden Vorteile: höhere Bruchfestigkeit, schnellere Messung, akustisches Signal am Ende des Messvorgangs, einfache Ablesbarkeit sowie meist eine Speicherfunktion zur Anzeige früherer Messergebnisse. Der Nachteil ist die Notwendigkeit von Batterien.
Zunehmende Verbreitung findet die pyrometrische Messung der Infrarotabstrahlung, meist mit Ohr-Thermometern. Diese ist wegen der hohen Messgeschwindigkeit vor allem für die Messung bei Kindern beliebt, findet aber auch zunehmend generelle Verwendung in Arztpraxen und Krankenhäusern.
Durch falsche Positionierung im Gehörgang können erhebliche Messfehler auftreten. Modernere Geräte bieten technische Möglichkeiten, die dies erkennen sollen. Auch sind bessere Geräte mit einer auf 37 Grad beheizten Spitze ausgestattet, mit deren Hilfe Messfehler durch Auskühlung des Gehörgangs vermieden werden sollen.
Preislich liegen analoge und digitale Thermometer mit kleineren Abweichung ungefähr gleichauf. Ohrthermometer sind je nach Modell um den Faktor 10 bis 40 teurer. Ein Kostenfaktor, der bei Ohrthermometern zusätzlich zu berücksichtigen ist, sind die auswechselbaren Kunststoffschalen, die den direkten Hautkontakt mit dem Gerät vermeiden sollen.
Nur bei der rektalen (im Anus) und der sublingualen (unter der Zunge, bei geschlossenem Mund) Messung entspricht das Ergebnis der Körperkerntemperatur. Damit die Messung nicht durch Abkühlung verfälscht wird, müssen die Messspitze und benachbarte Teile vorher auf annähernd Körpertemperatur erwärmt werden. Speziell bei Messung im Mund sollte man weniger als 15 min vorher keine kühlen Getränke zu sich nehmen.
Bei der oralen (im geschlossenen Mund), axillaren (in den trockenen Achselhöhlen) und inguinalen (in der Leiste) Messung misst man Schalentemperatur und muss, außer im geschlossenen Mund (da sind es nur 0,3 °C), noch 0,5 °C dazu zählen. Bei nicht trockenen Achselhöhlen wurde selbst bei mehrteiliger Oberbekleidung ein Temperaturunterschied von 1,2 °C bis zu 2,5 °C zur rektalen Messung ermittelt.
In der Intensivmedizin wird die Temperatur häufig über einen Blasenkatheter mit Thermistor oder über einen Thermistor-Katheter in einer Arterie (der außerdem zur Messung des Herzminutenvolumens dient) gemessen. Mund und Achseln sind zu unzuverlässig.
Bei Fieber ist der Flüssigkeitsbedarf gesteigert, deshalb ist hier besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. In der ersten Phase (siehe Symptome), in der vielfach auch Schüttelfrost empfunden wird, sollte Wärmeverlust des Körpers vermieden werden. Fiebersenkung durch Wärmeableitung, z. B. Wadenwickel, ist i. d. R. nur sinnvoll bei zusätzlicher Senkung des Sollwertes durch geeignete Medikamente. Kühlende Maßnahmen sind zudem sinnvoll bei extrem hohen Temperaturen, dann werden z. B. Eisbeutel in den Leisten platziert. Ein Mensch mit Fieber muss nicht unbedingt Bettruhe einhalten, da es bislang keinen Nachweis eines positiven Effektes der Bettruhe gibt. Körperliche Schonung, also Vermeidung von körperlichen und geistigen Überanstrengungen, ist empfehlenswert. Sollte Schwindel auftreten, ist die Verkehrstüchtigkeit eingeschränkt. Fieber über 40 °C muss durch fiebersenkende Therapie behandelt werden.
Unter „fiebersenkender Therapie“ versteht man Behandlungen zur Senkung fiebriger Körpertemperaturen. Es gibt verschiedene Indikationen für eine fiebersenkende Therapie. Vor allem ein reduziertes subjektives Wohlbefinden bei Fieber spricht für den Einsatz einer fiebersenkenden Therapie, wobei fiebersenkende Arzneimittel oft zusätzlich auch analgetisch wirken. Aber auch die Vermeidung unerwünschter metabolischer Effekte bei Fieber, wie z. B. Dehydratation oder auch unerwünschter kardiovaskulärer Effekte bei Fieber, z. B. Tachykardie, sind Indikationen. Speziell Kinder und ältere Menschen sind empfindlich gegenüber hohem Fieber; bei Kleinkindern können Fieberkrämpfe auftreten, insbesondere nach schnellem Fieberanstieg.
Bevor man eine fiebersenkende Therapie einsetzt, sollte man allerdings auch Argumente bedenken, die gegen den Einsatz einer fiebersenkenden Therapie sprechen. So verliert man das Fieber als diagnostischen Parameter, wodurch eine Verzögerung von therapeutischen Entscheidungen theoretisch denkbar ist.
Fiebersenkende Medikamente (Antipyretika) sind z. B. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol oder Metamizol. Die naturheilkundlich verwendete Weidenrinde enthält Salicin, das im Körper zu Salicylsäure verstoffwechselt wird und ähnlich wie Acetylsalicylsäure wirkt. Behandlung durch Ableitung von Körperwärme, wie z. B. Wadenwickel, Rumpf-Reibebad, absteigendes Wannenbad oder Irrigator (Einläufe) werden komplementärmedizinisch verwendet. Auch intensivmedizinisch wird im Bedarfsfall durch Wärmeableitung behandelt, dann meist mit Hilfe von mit Eiswasser gefüllten Beuteln, die z. B. in der Leiste platziert werden. Dabei findet im Gegensatz zur medikamentösen Fiebersenkung keine Normalisierung des Temperatursollwertes statt, so dass der Körper versucht, der externen Kühlung entgegenzusteuern, was mit einem hohen Energieverbrauch einhergeht. Deshalb sind diese Maßnahmen nur sinnvoll, wenn auch medikamentös behandelt wird oder im Falle von extremen Temperaturerhöhungen, die sich medikamentös alleine nicht beherrschen lassen und zu Denaturierung von Körpereiweißen führen würden.
Nach Meinung von Anhängern komplementärer Verfahren eignet sich auch eine Erhöhung der Temperatur zur Fieberbekämpfung. Dabei werden vor allem ansteigende Fußbäder, Tees und Sauna empfohlen. Einen Wirksamkeitsnachweis für diese Maßnahmen gibt es nicht; insbesondere beim Saunieren besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Temperaturanstiegs.
Bei bekanntem (oder wahrscheinlichem) Erreger kann das Fieber ursächlich behandelt werden: Eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt bei einem bakteriell bedingten Fieber. Wird das Fieber von Pilzen verursacht, helfen Antimykotika; bei manchen Virusinfektionen können Virostatika eingesetzt werden.
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