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Als Flächensanierung wird ein historisches stadtplanerisches Konzept bezeichnet, welches, ausgehend von einer bestimmten Interpretation der Charta von Athen, Stadtsanierung durch großflächigen Abriss von Altbausubstanz und anschließende Neubebauung nach dem Leitbild der „autogerechten Stadt“ zum Gegenstand hatte. Allerdings lassen sich in der Geschichte des Städtebaus bereits lange vor dieser Definition Beispiele für umfangreiche Flächensanierungen finden. Als herausragendes Beispiel für das 19. Jahrhundert kann der Umbau von Paris durch Baron Haussmann genannt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Die ersten großflächigen Fälle von Flächensanierungen im Sinne der Charta von Athen fanden seit ca. 1940 in den Vereinigten Staaten statt. Als Bestandteil des New Deal wurden dort bereits seit den 1930er Jahren Bundesgesetze zur Förderung von Sanierungsvorhaben erlassen. Das erste Gesetz dieser Art war der 1934 erlassene National Housing Act, dessen Ziel es ursprünglich eigentlich war, Familien in den ärmeren Stadtvierteln der großen Städte leichteren Zugang zu Hypothekenkrediten zu gewähren. Zu einer unerwünschten Nebenfolge des Gesetzes gehörte dann jedoch auch eine stärkere Zersiedlung an den Stadträndern. Weitere Bundesgesetze, insbesondere der Housing Act of 1949, verstärkten jedoch noch die einmal eingeschlagene Richtung: Nun bekamen die Städte zwei Drittel der Kosten für den Grunderwerb in Sanierungsgebieten von der (US-)Bundesregierung finanziert. Die Städte brauchten, neben der Ausweisung bestimmter Gegenden als Sanierungsgebiet (so genanntes Redlining) lediglich ein weiteres Drittel hinzu zu geben. In der Folge wurde dann jeweils der gesamte Baubestand des Gebietes abgerissen und neue Wohnblöcke, einschließlich komplett neuer Straßenführungen errichtet. Auf diese Weise wurde in den fünfziger Jahren beispielsweise ein großer Teil der New Yorker Lower East Side komplett ausgewechselt. Diese Verfahrensweise veränderte das Gesicht ganzer Stadtviertel vieler amerikanischer Städte und hielt sich etwa bis Ende der 60er Jahre. Es war insbesondere dem Buch The Death and Life of Big American Cities (Tod und Leben großer amerikanischer Städte) der amerikanischen Stadtplanerin und Journalistin Jane Jacobs zu verdanken, dass seitdem ein nachhaltiger Meinungswechsel eintrat.
Die "Wiege der industriellen Revolution" weist naturgemäß die ältesten Industriestädte der Welt auf; viele Quartiere waren bereits um 1850 herum errichtet worden. Spätestens nach dem 2.Weltkrieg galt die historische Bebauung als nicht mehr zeitgemäß, zumal die althergebrachte Bauweise vieler Wohnquartiere (Back-to-Back Houses) längst als wenig gesundheitsfördernd erkannt worden war.
So wurden ab 1857 etwa in Leeds viele alte Wohnviertel abgerissen; bei dieser Gelegenheit wurde auch das rasterförmige Straßennetz aufgehoben. An ihrer Stelle entstand in der Regel eine aufgelockerte Cottage-Bebauung mit autogerechten Straßen und Wohnhof.
Andernorts, etwa in Newcastle-upon-Tyne oder Liverpool, wurden moderne mehrstöckige Wohnblocks errichtet, wie sie ab ca. 1960 auch auf dem Kontinent en vogue waren. Diese Lösung geriet jedoch in England noch eher als im übrigen Europa in Verruf, da sie durch Pauperisierung ihrer Mieterschaft rasch zu "modernen Slums" degenerierten. Inzwischen sind manche dieser Wohnanlagen selbst wieder abgerissen worden.
Bedingt durch die großen Zerstörungen der Städte im Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland nur wenige Flächensanierung in einigen Stadtteilen in den 1950er bis in die 1970er Jahren praktiziert und später dann kritisch als Kahlschlagsanierung bezeichnet. Diese Form der Flächensanierung wurde wegen ihrer zerstörerischen Wirkungen aufgegeben. Stattdessen wurde am 19. Juni 1971 das vom Bundesbauministerium unter Minister Lauritz Lauritzen (SPD) erarbeitete Städtebauförderungsgesetzes (StBauFG) erlassen, das später als Besonderes Städtbaurecht im Zweiten Kapitel (§§ 136 bis 191) des Baugesetzbuches Aufnahme fand. Ausgewiesene Sanierungsgebiete erhielten eine besondere Förderung. 1991 folgte im Osten, später auch im Westen, das Programm zum Städtebaulichen Denkmalschutz, bei dem auch der historische Stadtgrundriss ausdrücklich geschützt und gefördert wurde.
Die Gründe für das Scheitern der Flächensanierung waren unterschiedlich:
In einigen Städten wird versucht, diesen Tendenzen durch Quartiersmanagement entgegenzuwirken. Dabei wird vor allem versucht, die sozialen Bindungen innerhalb des Stadtteils zu fördern und unter Mitwirkung der Anwohner eine Verbesserung in kleinen Schritten umzusetzen.
In einigen Stadtteilen wie in Berlin-Kreuzberg oder der Hamburger Hafenstraße kam es auch wegen der Flächensanierungsplanungen kleinerer Gebiete, in den 1970er und 1980er Jahren zu Hausbesetzungen. Die Besetzer prangerten die Missstände im Quartier und die Maßnahme Flächensanierung an und erregten damit in Deutschland die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Damit konnten auch kleinere Flächensanierungen politisch schwerer durchgesetzt werden. Das Leitbild der behutsamen Stadterneuerung setzte sich mehr und mehr durch.
Eine positive Sonderform der Flächensanierung ist die Sanierung von Stadtbrachen, die auch heute noch durchgeführt wird. Stadtbrachen entstehen z.B. durch die Abwanderung von Industriebetrieben aus der Innenstadt. Während heute vielfach versucht wird, Gebäude zu erhalten und umzunutzen, ist das natürlich nicht in jedem Fall und in vollem Umfang möglich oder sinnvoll, vor allem wenn gleichzeitig auch noch Altlasten vorhanden sind, die ebenfalls einer Sanierung bedürfen.
Beispiele für die Sanierung von Stadtbrachen finden sich im In- und Ausland:
"Stadtsanierung - Stadterneuerung", in: Erdkunde-Unterrichtsbuch NRW 9/10.Klasse, Stuttgart 1978;