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Der Flügel ist eine Bauform des Klaviers. Sein Korpus besteht u. a. aus dem die Saiten haltenden Rahmen und dem Resonanzboden und liegt waagerecht auf drei Beinen. Er erreicht mit diesen eine Gesamthöhe von rund 1,4 Meter.
Die Flügelform war bereits beim Cembalo die Norm. Auf die andersartige Tonerzeugung spielt die Bezeichnung Kielflügel für das Cembalo an.
Die geschwungene Korpusform ähnelt dem Flügel eines Flugtiers und gab dieser Klavierform den Namen. Am geraden Korpusende sind Klaviatur, Mechanik und Stimmstock untergebracht. Das Gehäuse ist oben mit einem Deckel abgedeckt, der sich aufklappen lässt, z. B. um den Schall besser auch nach oben austreten zu lassen; unten ist ein Flügel in der Regel ohnehin offen, Ausnahme sehr frühe Instrumente des 18. Jahrhunderts.
Die Konstruktion, an der die Pedale angebracht sind, heißt „Lyra“, da ihre Form bei älteren Instrumenten dem gleichnamigen griechischen Saiteninstrument nachgebildet ist.
Während die aufrechte Bauform des Klaviers, das Pianino, aus Platz- und Kostengründen vorwiegend in Privathaus und Schule zum Einsatz kommt, ist der bei größeren Längen klangstärkere und generell differenzierter spielbare Flügel das Instrument für den engagierten Amateur sowie für den professionellen und konzertanten Bereich.
Die englische Bezeichnung für Flügel ist grand piano (großes Klavier) oder kurz grand. Die französischen Bezeichnungen lauten piano a droit („Klavier geradeaus") oder piano a queue („Klavier mit Schwanz").
Inhaltsverzeichnis |
| 1 Gussrahmen 2 Vorderdeckel 3 Kapodaster bzw. Druckstab (vordere Saitenbegrenzung) 4 Dämpfer 5 Hinterdeckel | 6 Dämpferarm 7 Teil der Pedalmutation (Wackelbrett) 8 Teil der Pedalmutation (Stößer) 9 Teil der Pedalmutation 10 Pedalstange | 11 Pedal 12 Steg 13 Saitenanhang 14 Gussrahmen 15 Resonanzboden 16 Saite |
Die geschwungene Form des Korpus verleiht dem Flügel seinen Namen. Der Korpus ist zusammen mit der Raste das tragende Element aller Bestandteile eines Flügels. Die Außenkontur, der sogenannte „Rim“, entsteht heute nahezu ausschließlich aus miteinander verleimten langen Schichten von Harthölzern, die auf einen Rimbiegeblock aufgespannt werden und darauf bis zum guten Abbinden des Leims getrocknet werden. Bei aufwendigen Instrumenten bestehen die Schichthölzer vorzugsweise aus Ahorn. Diese Herstellungsmethode geht auf eine Erfindung von Theodor Steinweg 1878 zurück. Davor wurden Flügelgehäuse aus Einzelteilen gebaut, deren aufwendigstes die gebogene S-formige Planke ist. Die größeren Flügel von Bösendorfer werden noch heute so hergestellt.
Die Raste unten im Flügelgehäuse, hergestellt aus großen gehobelten, genuteten, verzapften und befrästen Kanthölzern, hat die Aufgaben,
Weiteres Element ist der Klaviaturboden, aus genuteten Hölzern hergestellt. Der Klaviaturboden dient der Spielmechanik zur Auflage. Hinter dem Klaviaturboden schließt sich der „Damm“ an, im Wesentlichen ein quer im Flügel stehendes Brett, an dem die Dämpfung des Flügels befestigt ist. Der Damm teilt die Spielmechanik von der Klanganlage ab.
Der Deckel des Flügels lässt sich – oft auch mehrstufig – öffnen und bei Bedarf auch abnehmen, je nachdem wie die Abstrahlung des Klanges gewünscht ist. Früher wurden die Gehäuse arbeitsaufwändig mit Schellack politiert. In den USA ist das Lackieren von Flügeln in seidenmatt-schwarzer Ausführung gängig.
Die sichtbaren Teile des Korpus werden bei Fertigungen in Europa oder Asien heute meist mit einer Polyesterschicht versehen, meist glänzend schwarz, seltener weiß oder farbig, oder aber farblos, wenn das Gehäuse furniert ist. Das Aufbringen des Polyesterlackes in mehreren Schichten, auch „Flügellack“ genannt, und insbesondere das anschließende Schleifen und Polieren des Polyesters ist Spezialistenarbeit: sie ist wegen der entzündlichen Schleifstäube gefährlich und kann nur in besonders eingerichteten Werkstätten ausgeführt werden.
Erst nach der Fertigungstellung von Rim und Raste, des "Möbels", geschieht normalerweise der Einbau der Klanganlage mit Gussrahmen und Resonanzboden. Es gibt allerdings Hersteller (zum Beispiel Grotrian-Steinweg), die zuerst Raste und Klanganlage bauen, dann den Rim zum Korpus bzw. das Möbel um die Klanganlage herum.
Die Gusseisenplatte ist das tragende Element im Inneren des Flügels. Sie hält eine durch die Saiten auf ihr lastende Zugkraft von 150.000 bis 250.000 Newton (das entspricht dem Gewicht einer Masse von 15 bis 25 Tonnen). Früher wurde sie ausschließlich in Sandformen gegossen, seit einigen Jahren wird sie auch im Vakuumverfahren hergestellt.
Der Resonanzboden, der maßgeblich zur Klangcharakteristik eines Instruments beiträgt, ist unterhalb der Saiten auf dem Resonanzbodenlager gelagert. Er besteht aus Fichtenholz (ca. 10 mm Stärke). Der Resonanzboden ist nach obenhin gewölbt. Seine Wölbung wird durch die an der Unterseite angebrachten Resonanzbodenrippen stabilisiert.
Der Stimmstock befindet sich im vorderen Teil des Korpus und trägt die Stimmwirbel, mit welchen die Saiten gestimmt werden. Er wird aus schichtverleimtem Hartholz (Rotbuche, Ahorn) hergestellt. Bei modernen Flügeln ist der Stimmstock durch die gusseiserne Platte, in diesem Fall oft auch als Panzerplatte bezeichnet, überzogen. Dies dient zur verbesserten Haltung der Stimmung.
Pro Oktave gibt es 7 Stammtöne und 12 dazwischen liegende Halbtonschritte. Die Stammtöne (C-D-E-F-G-A-H) finden sich auf den meist weißen, früher mit Elfenbein, heute mit Kunststoff belegten Vorder- oder Untertasten. Die fünf kürzeren, meist schwarzen Hinter- oder Obertasten sind bei qualitativ hochwertigeren Modellen auch heute noch aus Ebenholz. Moderne Flügel verfügen im Allgemeinen über insgesamt 88 Tasten (der tiefste Ton heißt Subkontra-A, der höchste c5, der Umfang beträgt 7¼ Oktaven). Stuart & Sons in Australien baut Flügel mit 102 Tasten.[1]
Nur die mittlere Taste der „schwarzen“ Dreiergruppe liegt mittig zwischen den weißen Nachbartasten. Die übrigen schwarzen Tasten sind leicht auswärts versetzt, damit die Finger besser dazwischen kommen.
Das Spielwerk (die Flügelmechanik) überträgt die Kraft der Taste auf den Hammer, der die Saiten anschlägt. Die Hämmer bestehen aus einem Holzkern und einer unter Spannung darauf angebrachten verpressten Filztafel aus langfaserigen Wollfäden; sie schlagen die Saiten von unten an. Die Dämpfer werden kurz vor dem Anschlag von den Saiten gehoben. Nach dem Loslassen der Tasten kehren sie in die Ausgangsposition zurück und dämpfen dabei den Ton ab. Die Teile der Flügelmechanik werden aus Weißbuche, Ahorn, Birke, Schichtholz und teilweise auch aus Kunststoff gefertigt. Geschichtlich hat ca. 1700 Cristofori aus einer Cembalomechanik zum ersten Mal lederüberzogene Hämmerchen statt der Feder-Zupfkiele eingebaut, so dass man leise=piano und laut=forte spielen konnte: Das PianoForte war geboren. Sodann machte erst Sébastien Érard 1825 den nächsten Entwicklungsschritt der Flügelmechanik und baute die sogenannte Repetitionsmechanik, bei der am „Hammerröllchen“ gleichzeitig die „Stoßzunge“ und der „Schenkel“ anlagen, so dass eine Tonwiederholung mit minimaler Tastenbewegung möglich wurde. Diese Eigenschaft haben Mechaniken von (vertikalen) Klavieren nicht, sondern nur Flügel. Seit Erard hat es wohl punktuelle Verbesserungen der Mechanik gegeben, jedoch keinen wesentlichen Entwicklungsschritt.
Ein Flügel hat etwa 230 Stahlsaiten. In Diskant und Mittellage jeweils 3 Saiten pro Ton (Saitenchor). Im Bassbereich 1, 2 oder 3 mit Kupferdraht (früher auch Messing- und Eisendraht) umsponnene Saiten pro Ton. Die Berechnung der Saitenmensur (Länge der Saiten, Stärke, Prozentuelle Auslastung, Spannung, ...) ist eine wesentliche, für die Klangcharakteristik des Instrumentes (z. B. die Inharmonizität) entscheidende Arbeit bei der Konstruktion eines Flügels.
Der Bauteil an dem die Pedale angebracht sind, heißt im Fachgebrauch „Lyra“, da seine Form bei älteren Instrumenten zunächst dem gleichnamigen griechischen Saiteninstrument nachgebildet war. Die Pedale beeinflussen den Klang des Tons:
Flügel werden in vielen verschiedenen Größen gebaut. Eine nicht normierte Einteilung lautet:
Die Breite heutiger Flügel beträgt generell etwa 150 bis 158 cm, Ausnahme sind Instrumente mit erweitertem Tonumfang. Historische Flügel können bei verringertem Tonumfang auch einiges schlanker sein.
Die Bezeichnung „Stutzflügel“ für einen kurzen Flügel stammt aus dem 19. Jahrhundert, als das Musizieren zunehmend auch im Bürgertum üblich wurde und ein großer Bedarf an Instrumenten gegeben war. In den Schlössern der Adeligen war genug Platz für bis zu 3 m lange Hammerflügel, in den kleineren Wohnräumen der Bürger nicht. So wurden alte lange Instrumente kurzerhand abgeschnitten, gekürzt – „gestutzt“. Damit war auch eine Änderung der Besaitung – kürzere, aber dickere Saiten – in der unteren Mittellage und im Bass notwendig, was dazu führt, dass ein wesentlicher Anteil des Klangs sich gegenüber der Klavier-Bauform nachteilig verändert. Verglichen mit dem Hochklavier oder Pianino unterscheiden sich Flügel kürzerer Bauart jedoch immer noch in der Mechanik, der Form des Resonanzbodens und in der Klangabstrahlung. Der erste „Stutzflügel“ nach heutigem Größenverständnis (als komplette Neukonstruktion, d.h. ohne einen längeren Flügel zu stutzen) wurde von der Ernst Kaps Klavierfabrik AG im Jahr 1865 gebaut.
Stutzflügel können bezüglich Klangvolumen von größeren Klavieren leicht übertroffen werden, da deren Resonanzböden größer sind. Stutzflügel behalten jedoch den Vorteil ihrer flügelgemäßen feineren Spielart, die in aller Regel von Hochklavieren nicht erreicht werden kann. Um klanglich Vorteile gegenüber guten Klavieren zu haben, sollten daher Flügellängen von 170 cm möglichst nicht unterschritten werden. Bei kürzeren Flügeln werden die Kompromisse im Bass zu groß: die Inharmonizität steigt an; der Bassklang wird bei kürzeren Saitenlängen nicht mehr rund. Stutzflügel werden heute in der Regel mit Längen um 150 cm gebaut. Vereinzelt findet man noch kürzere Exemplare, deren im Bass schräg- bis quergedrehte Saitenanlage sich bei Längen bis herunter zu 128 cm immer mehr den Eigenschaften der wegen klanglicher Nachteile aufgegebenen Tafelklaviere annähert.
Eine Sonderbauform des Stutzflügels ist der selten zu findende Glockenflügel. Seinen Namen hat er von der markanten symmetrischen Außenkontur einer Glocke: die Basssaiten verlaufen schräg zur Mitte. Deren Rundung entspricht der „Glockenaufhängung“. Seine Saitenanlage ermöglicht eine spiegelsymmetrische doppelte Rundung des Gehäuses an beiden Wandungen, Bass und Diskant. Glockenflügel lassen sich daher gut in Raumecken platzieren. Klanglich unterliegt der Glockenflügel den gleichen Einschränkungen wie ein asymmetrischer Stutzflügel.
Ein typischer Konzertflügel ist etwa 270 bis 285 cm lang – der Steinway D misst z. B. 274 cm. Vereinzelt sind Konzertflügel noch etwas größer, 290 beim Bösendorfer „Imperial" oder 308 cm bei dem Fazioli F308. Jedoch ist angesichts der hohen Spannungen der Stahlsaiten bei ca. drei Metern eine technische Grenze der heute verfügbaren Materialien erreicht.
Noch längere Flügel, die in Einzelstücken oder auf besondere Bestellung gebaut wurden (Rubenstein 375, Kalifornien, USA), weisen keine konstruktiv solch hohen Spannungen auf und sind von daher auch nicht geeignet, große Konzertsäle wie die Carnegie Hall ausreichend zu beschallen; ihre „Mensur“, die Auslegung der Saiten- und Klanganlage, ist für den heutigen Konzertbetrieb mangels Klangprojektion, ausreichender Lautstärke und Durchschlagskraft weniger geeignet. Ihr Vorteil ist die infolge der größeren Saitenlängen niedrigere Inharmonizität; im Ergebnis entsteht ein sanfter und runder Klang.
Bekannte Flügelhersteller (in alphabetischer Reihenfolge): Bechstein, Blüthner, Bösendorfer, Broadwood, Collard & Collard, Erard, Estonia, Fazioli, Feurich, August Förster, Gaveau, Grotrian-Steinweg, Ibach, Kaps, Kawai, Carl Mand, Mangeot, Mason & Hamlin, Pearl River, Petrof, Pfeiffer, Pleyel, Sauter, Schiedmayer, Schimmel, Seiler, Steingraeber & Söhne, Steinway & Sons, Yamaha, Young Chang.