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| Flachsfaser | |
|---|---|
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| Fasertyp | |
| Herkunft | |
| Eigenschaften | |
| FaserlĂ€nge | Einzelfaser 9-70, durchschnittlich 33 mm; FaserbĂŒndel 25-120 cm[1] |
| Faserdurchmesser | 5-38 ”m, durchschn. 19 ”m[1] |
| Dichte | 1,4 g/cmÂł[1] |
| Zugfestigkeit | 0,90 GPa</sup>[1] |
| Spezifische Zugfestigkeit | 0,60 GPa</sup>[1] |
| ElastizitÀtsmodul | 85 GPa</sup>[1] |
| Spezifisches ElastizitÀtsmodul | 71 GPa</sup>[1] |
| Bruchdehnung | 1,8âŠ3,3 %</sup>[1] |
| Wasseraufnahme | 7 %</sup>[1] |
| Produkte | Textilien |
Leinen oder Flachs (altgr. linon und lat. linum,Leinâ) ist die Faser aus der Lein- oder Flachspflanze, insbesondere auch das daraus gefertigte Gewebe oder Tuch.
Synonym wird fĂŒr das Fertigprodukt Leinwand oder Linnen benutzt. Seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert wurde Leinen fast völlig durch Baumwolle verdrĂ€ngt, gewinnt aber als ökologische Naturfaser wieder an Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis |
Die Flachs- oder Leinenfaser wird aus den StĂ€ngeln der Flachspflanze gewonnen und zĂ€hlt zu den Bastfasern. Die Leinenfasern bilden BĂŒndel, im Gegensatz zu Samenfasern wie Baumwolle, die aus unverbundenen Einzelfasern bestehen. Die 2,5 bis 6 Zentimeter langen Elementarfasern aus Zellulose sind durch Pektine zu den 50 bis 90 Zentimeter langen FaserbĂŒndeln, den technischen Fasern, verbunden.
Weitere Bestandteile der Faser sind Hemicellulose und Lignin. Die Menge der einzelnen Bestandteile ist abhĂ€ngig vom Reifegrad der Faser, durchschnittlich besteht eine Flachsfaser zu 71 % aus Cellulose, 18,6â20,6 % Hemicellulose, 2,3 % Pektin und 2,2 % Lignin und etwa 1,7 % Wachs, welches zum gröĂten Teil auf der FaseroberflĂ€che zu finden ist.[2]
Durch Kottonisierung können diese BĂŒndel chemisch in Elementarfasern zerlegt werden. Der so erzeugte Flockenbast ist der Baumwolle sehr Ă€hnlich, wird aber wegen der aufwĂ€ndigeren Bearbeitung kaum hergestellt.
Bei der Ernte werden die Leinpflanzen mittels spezieller Maschinen mit den Wurzeln aus dem Boden gerauft, das heiĂt ausgerissen, da beim MĂ€hen die Fasern zerstört wĂŒrden. Die Ernte erfolgt bei Gelbreife, dann sind im unteren Drittel die BlĂ€tter bereits abgefallen. Das Stroh wird in Schwadlage auf dem Boden abgelegt und parallel ausgerichtet. Beim anschlieĂenden Trocknen reiĂt die Epidermis auf, so dass hier spĂ€ter Mikroorganismen eindringen können. Durch das Riffeln werden die Samenkapseln entfernt. Das Riffeln kann auch nach der Röste erfolgen. Bei der Röste oder Rotte wird durch Bakterien und Pilze die Bindung zwischen den FaserbĂŒndeln und dem sie umgebenden Gewebe gelöst. Die Rotte muss zum richtigen Zeitpunkt unterbrochen werden, um eine SchĂ€digung der Fasern zu verhindern.[3]
Die heute vorherrschende Röstmethode ist die Tauröste, die auf rund drei Vierteln der AnbauflĂ€chen weltweit angewendet wird, vor allem in Gebieten mit ozeanischem Klima, da hierzu Taufeuchte benötigt wird. Dabei wird das Flachsstroh auf den Feldern liegengelassen. Durch die Taufeuchte bauen Bakterien und Pilze die Pektine ab. Dieses Verfahren ist relativ umweltfreundlich, auch gelangen die NĂ€hrstoffe wĂ€hrend der Röste teilweise wieder in den Boden zurĂŒck. Nachteile sind die WitterungsanfĂ€lligkeit und die lange Dauer.
In manchen Gebieten, wie in Osteuropa, Belgien, China und Ăgypten wird die Warmwasserröste eingesetzt. Hier wird das Stroh drei bis vier Tage in Bassins mit 28 bis 40 °C warmem Wasser geröstet. Dies fĂŒhrt durch die AbwĂ€sser zu recht hohen Umweltbelastungen.
Ein historisches Verfahren ist die Kaltwasserröste, bei der das Flachsstroh in Teichen oder in WassergrĂ€ben geröstet wurde. Chemische Verfahren zur Röste haben sich nicht durchgesetzt, da sie meist auch die Flachsfasern angreifen. Enzymatische Verfahren haben sich aus KostengrĂŒnden nicht durchgesetzt.
Datei:Rhof-flachsbearbeitung.ogg
[3] Nach der Röste wird das Stroh wieder getrocknet und in die Verarbeitungsbetriebe (Schwingerei) gebracht. Hier wird das Stroh zunĂ€chst gebrochen: der Holzkern wird in kleine StĂŒcke, SchĂ€ben genannt, zerkleinert. Beim anschlieĂenden Schwingen werden die SchĂ€ben vom Flachs getrennt, dabei fĂ€llt auch der Schwungwerg an, kurze Flachsfasern. SchĂ€ben und Schwungwerg werden in einer Wergreinigungsanlage voneinander getrennt. Der Flachs wird gehechelt und dabei parallelisiert und weiter gereinigt. Die Flachsfasern, auch als Langfasern bezeichnet, verlassen die Schwingerei zu Zöpfen gedreht und werden so in die Spinnereien gebracht.
Kurzfasern fallen entweder bei der Langfasergewinnung als Nebenprodukt an, oder die gesamte Produktion ist auf Kurzfasern ausgerichtet. Dann erfolgt die Verarbeitung in einer sogenannten Kurzfaserlinie: das Stroh wird nicht parallel liegend verarbeitet. Die dabei entstehenden Kurzfasern sind nicht so hoch gereinigt wie die Langfasern und werden vor allem fĂŒr technische Zwecke verwendet.
Beim Spinnen werden die Fasern zu FĂ€den versponnen. Lang- und Kurzfasern werden dabei unterschiedlich gehandhabt, es wird zwischen Trocken- und Nassspinnverfahren unterschieden.[4]
Langfasern werden vor dem Verspinnen zu einem Band vereinigt, mehrfach gestreckt und mit anderen BÀndern vermischt (doubliert), um so eine möglichst homogene QualitÀt zu erreichen. Langfasern werden meist nass zu hochwertigen FÀden versponnen. Die BÀnder werden zu feinen, homogenen FÀden gestreckt. In einem Warmwasserbad bei 70 °C lösen sich die Pektine, so dass sich die Fasern leichter gegeneinander verziehen. Nach dem Aufwickeln auf Garnspulen wird das Garn bei rund 80 °C getrocknet.
Bei Kurzfasern wird durch Aufrauen (Kardieren) ein flĂ€chiges âVliesâ produziert, das zu einem Band reduziert wird. Dieses Band wird gekĂ€mmt (gehechelt), um es von SchĂ€ben und zu kurzen Fasern zu reinigen. Dann wird das Band gestreckt und wie die Langfasern doubliert. Kurzfasern werden in der Regel trocken versponnen. Die entstehenden Garne sind rau und fĂŒhlen sich gleichzeitig weich an.
Gewebt wird Leinen in der klassischen Leinwandbindung, aber auch Jacquard, Köper und andere Bindungsarten sind ĂŒblich. Batist, Schleier und Linon wurden ebenfalls aus Flachs hergestellt, man zĂ€hlte sie jedoch nicht zum Leinengewebe. Beim Weben von Leinen muss fĂŒr die KettfĂ€den ein sehr gleichmĂ€Ăiges und damit teures Garn verwendet werden. KettfĂ€den mit den fĂŒr Leinen typischen UnregelmĂ€Ăigkeiten wĂŒrden unter der Scheuerbelastung leiden und zu oft reiĂen.
Halbleinen ist ein Gewebe mit einem Mindestgehalt an Leinenfasern, es wird typischerweise mit Leinen als Schuss und meist Baumwolle-KettfÀden gewebt.
GegenĂŒber anderen Bastfasern ist die Leinenfaser gut teilbar und fein verspinnbar, was sie fĂŒr WĂ€sche und Kleidung auszeichnet. Die Leinenfaser ist glatt und das Leinengewebe schlieĂt wenig Luft ein, so ist Leinen flusenfrei und wenig anfĂ€llig gegen Schmutz und Bakterien, die Faser ist von Natur bakteriozid, fast antistatisch und schmutzabweisend.
Leinen nimmt bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit auf und tauscht diese Feuchtigkeit auch schnell mit der Umgebungsluft aus, wirkt somit kĂŒhlend, ist dennoch trocken wĂ€rmend. Deswegen wird das Gewebe gern fĂŒr Sommerbekleidung eingesetzt. Die Wasserhaltung auf der OberflĂ€che ist auch Ursache der antistatischen (und damit schmutzabweisenden) Eigenschaft. Die Leinenfaser ist sehr reiĂfest und extrem unelastisch. Aufgrund der geringen ElastizitĂ€t ist Leinen knitteranfĂ€llig; die ReiĂfestigkeit macht das Leinen strapazierfĂ€hig und langlebig. Leinen ist stark und muss nicht wie Baumwolle nachgestĂ€rkt werden. Es hat natĂŒrlichen Glanz und StĂ€rke.
AnfĂ€llig ist Leinen jedoch gegenĂŒber Reibung. Seine Scheuerfestigkeit ist geringer als die der Baumwolle; es sollte deswegen bei WĂ€sche der Schongang eingesetzt werden oder bei HandwĂ€sche nur gestaucht und nicht gerieben werden.
Leinen ist gegen Waschlaugen, Waschmittel, KochwĂ€sche, chemische Reinigung und hohe Temperaturen beim BĂŒgeln unempfindlich. Trockene Hitze schĂ€digt das Gewebe, daher muss es zum BĂŒgeln noch leicht feucht sein, WĂ€schetrockner sind ungeeignet.
Das Bleichen von Leinen ist problematisch. Vollbleiche fĂŒhrt zu Gewichtsverlusten von bis zu einem FĂŒnftel. Das FĂ€rben von Leinen ist im Garn oder am Gewebe möglich. Das Blau der Berufsbekleidung ist auf das FĂ€rbeverhalten des Leinens zurĂŒckzufĂŒhren, das mit Naturfarben nur mit Indigo einigermaĂen echt gefĂ€rbt werden konnte. Dies liegt an der Eigenschaft von Leinen als Zellulosefaser, die beim FĂ€rben keine chemische Bindung ermöglicht. Möglich ist die FĂ€rbung neben den genannten KĂŒpenfarbstoffen mit der Klasse der substantiven Farbstoffe, dabei wird das FarbstoffmolekĂŒl (nur mechanisch gefangen) in das KnĂ€uel des polymeren ZellulosemolekĂŒls eingebaut.
Die technischen Flachsfasern sind relativ steif und reiĂfest. Kombiniert mit ihrer geringen Dichte ergibt sich somit eine sehr hohe spezifischen Festigkeit und Steifigkeit, vergleichbar mit Glasfasern. Die QualitĂ€t der Fasern hĂ€ngt jedoch stark von den Anbaubedingungen und Aufschlussverfahren ab, wodurch sich eine relativ groĂe Streuung der Eigenschaften ergibt. Durch konsequentes QualitĂ€tsmanagement lassen sich diese Schwankungen aber kontrollieren.
Leinengewebe wurden traditionell fĂŒr Bett- und HauswĂ€sche verwendet. In dieser Nutzung wurden sie von der billigeren Baumwolle verdrĂ€ngt. Neue Einsatzgebiete wie Kleidung und Dekorationsstoffe kommen hinzu, besonders in Form handgewebter hochpreisiger Produkte. Leinen wird als Bezugsstoff fĂŒr BucheinbĂ€nde verwendet, auĂerdem fĂŒr Schuhe und Taschen. Namensgebend waren Leinenstoffe zum Bespannen fĂŒr LeinwĂ€nde in der Malerei. Leinenstroh findet zusehends eine groĂe Bedeutung als Einstreu in der Pferdehaltung. Dazu verwendet man den holzigen Teil des FlachsstĂ€ngels. Die Saugkraft ist zehnmal so hoch wie von gewöhnlichem Stroh, viermal so hoch wie bei HolzspĂ€nen. Leinenfasern finden auch fĂŒr technische Gewebe sowie als Austauschstoff fĂŒr Asbestfasern Verwendung.
Aus Kurzfasern, die als Nebenprodukt der Leinengewinnung anfallen, werden NaturdĂ€mmstoffe in Form von Matten, Platten oder Stopfwolle hergestellt, gelegentlich wird ihnen zwecks höherer StabilitĂ€t noch etwas Polyester zugesetzt.[5] Flachs weist einen WLG-Wert von 040 auf und ist damit vergleichbar mit Holzfaser, Zellulose, Steinwolle oder auch Polystyrol und speichert bei einer WĂ€rmekapazitĂ€t von 1550 J/(kg x K) WĂ€rme gut.[5] Es wird in die Baustoffklasse B2 eingestuft, ist also normal entflammbar.[6] Zwar haben sich die entsprechenden Produkte als WĂ€rmedĂ€mmstoffe etabliert,[7] der Marktanteil von Leinen im DĂ€mmstoffbereich liegt jedoch derzeit â gemeinsam mit Hanf gerechnet â bei weniger als 0,5 %, selbst unter optimalen Bedingungen wird auch fĂŒr die Zukunft mit einem Marktanteil von höchstens 5 % gerechnet.[6]
Die Flachsfaser wird, auf Grund ihrer guten mechanischen Eigenschaften und regionalen VerfĂŒgbarkeit, vermehrt als VerstĂ€rkungsfaser fĂŒr Naturfaserverbundwerkstoffe eingesetzt. Hinzu kommt, dass der Preis von deutlich unter einem Euro pro Kilogramm fĂŒr technische Fasern in den letzten Jahren nur geringen Schwankungen unterworfen war. Eines der wichtigsten Anwendungsgebiete fĂŒr flachsfaserverstĂ€rkte Kunststoffe ist die Automobilindustrie, fast zwei Drittel der hier eingesetzten Naturfasern sind Flachsfasern.[8] In den letzten Jahren gehören aber auch andere Industriezweige zu den Abnehmern.
Die fĂŒr die Produktion von naturfaserverstĂ€rkten Kunststoffen eingesetzten Fasern sind, preislich bedingt, vor allem Kurzfasern. Eines der wichtigsten Verarbeitungsverfahren fĂŒr Naturfasern ist das Formpressen, bei dem sogenannte Fasermatten zusammen mit duroplastischen oder thermoplastischen Kunststoffen unter Temperatureinwirkung verpresst werden. Flachsfasern finden sich aber auch in Kunststoffgranulaten fĂŒr die Spritzguss- und Extrusionsverarbeitung. Diese Werkstoffe zeichnen sich durch eine geringe Dichte kombiniert mit relativ hohen Festigkeiten und Steifigkeiten aus. In Kombination mit der Nachhaltigkeit der Naturfasern, ihrer CO2-NeutralitĂ€t und der medizinischen Unbedenklichkeit ergeben sich groĂe Einsparmöglichkeiten fĂŒr glasfaserverstĂ€rkte und gefĂŒllte Kunststoffe.
Die CELC vergibt das masters of linen-Siegel, ein geschĂŒtztes Warenzeichen, an Leinenprodukte aus westeuropĂ€ischem Anbau. Die vier Zeichen mit dem stilisierten âLâ stehen fĂŒr QualitĂ€ten von Reinleinen bis Halbleinen.
In Deutschland gelten laut Textilkennzeichnungsgesetz (TKG)[9] die Begriffe Flachs oder Leinen fĂŒr Bastfasern aus den StĂ€ngeln des Flachses (Linum usitatissimum) und Halbleinen fĂŒr Erzeugnisse mit einer Kette aus reiner Baumwolle und einem Schuss aus reinem Leinen, bei denen der Anteil des Leinens nicht weniger als 40 % des Gesamtgewichts des entschlichteten Gewebes ausmacht, wobei die Angabe âKette reine Baumwolle â Schuss reines Leinenâ hinzugefĂŒgt werden muss. Reinleinen muss in Kette und Schuss reine Flachsgarne enthalten. Das Kurzzeichen fĂŒr den Faser-Rohstoff Flachs/ Leinen ist LI (Anteile von Rohstoffen in Mischgeweben); nur Leinen ohne andere Fasern darf als âLeinen, reinâ bezeichnet werden (sowohl Kette als auch Schuss nur aus Leinen).
Der Anteil des Leinens am weltweiten Faseraufkommens liegt nur bei rund zwei Prozent. Die gröĂten Anbaugebiete sind China mit 161.000, die EU mit 102.740 (v. a. Frankreich und Belgien), Russland mit 89.210, WeiĂrussland mit 71.000, die Ukraine mit 23.600 und Ăgypten mit 8.900 Hektar. In Deutschland mit 30 und Ăsterreich mit 129 Hektar ist der Anbau bedeutungslos. Die Weltproduktion liegt bei rund zwei Millionen Tonnen jĂ€hrlich.[10]
Der GroĂteil der Wertschöpfung beim Faserleinanbau erfolgt mit den Langfasern, die in der EU rund 88 Prozent des Umsatzes ausmachen. 2003 lag der Preis fĂŒr die Tonne textile Langfasern bei 1.593 Euro, fĂŒr textile Kurzfasern bei 345 Euro, fĂŒr Kurzfasern fĂŒr Papier bei 170 Euro, und fĂŒr Kurzfasern fĂŒr DĂ€mmstoffe oder Verbundwerkstoffe bei 400 bis 500 Euro. Der GroĂteil der europĂ€ischen Langfaser-Produktion geht in den Export, vor allem nach China.[11]
Die Leinenproduktion ist im Unterschied zur Baumwolle auf wenig Chemikalieneinsatz (DĂŒnger, Pestizide) angewiesen. Auch ohne moderne Technik kann Leinen hergestellt werden, jedoch ist die Produktion der Leinenfaser aufwendig und arbeitsintensiv. Baumwolle setzte sich erst mit der Industrialisierung durch, wobei dieser Trend zum Massenprodukt wiederum die Anbaumenge beeinflusste. Andererseits ist Leinen die einzige Naturfaser, die in kontrolliert biologischer QualitĂ€t aus heimischem Anbau (Westeuropa) auf dem Markt ist. Eine ökologische Herstellung von Flachsfasern in gröĂerem Umfang ist durch die Probleme der Ernte und der Taurotte[12] begrenzt. AbwĂ€sser der Wasserrotte sind belastet, also ist die Taurotte empfohlen und wird gefördert.
Es ist bekannt, dass unter anderem in Ăgypten, Mesopotamien und Phönizien bereits vor 6.000 bis 7.000 Jahren Leinen systematisch verarbeitet wurde. Ăgyptische Mumien sind in Leinenstreifen gehĂŒllt. Möglicherweise existierte die Leinenverarbeitung schon vor 10 000 Jahren.[13]
Von der griechischen und römischen Antike bis ins europĂ€ische Mittelalter war Leinen neben Wolle das Material fĂŒr Kleidung. Seine BlĂŒtezeit hatte das Leinen im vorindustriellen Europa. Als Baumwolle noch nicht in groĂen Mengen importiert wurde, war Leinen (neben wenigen Ausnahmen) die einzige pflanzliche Faser. Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren 18 % der verarbeiteten Fasern aus Flachs und 78 % aus Wolle.[14]
Im Mittelalter wurde Leinen (im Gegensatz zu Wolle) durch die schmutzabweisende Eigenschaft bevorzugt fĂŒr körpernahe Verwendung eingesetzt, auf Grund seiner StĂ€rke auch fĂŒr Stoffpanzer. Da es schwer fĂ€rbbar war, wurde es vorwiegend in blassen Tönen angeboten; deckende und dunkle Töne waren teuer. Leinen wurde lange Zeit nur in Handarbeit verarbeitet, spĂ€ter kamen auch industrielle Methoden hinzu. Bis ins 20. Jahrhundert wurde handgesponnenes, aber auch maschinell versponnenes Garn in Heimarbeit auf HandwebstĂŒhlen gewebt. Verarbeitet wurde das Leinen hauptsĂ€chlich in Irland, Holland, Westfalen, Sachsen, Schlesien und Böhmen. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs war Deutschland von Baumwoll-Importen abgeschnitten, daher wurde der Anbau von heimischem Flachs forciert. Dadurch stieg die AnbauflĂ€che von Flachs von 5000 ha (1933) auf 100000 ha (1937).[15] Zur Verarbeitung der Faser wurden Flachswerke gebaut, so 1937 in KĂŒnzelsau.
Folgenden QualitÀten werden historisch unterschieden:
Auch Gewebe aus Hanf in Leinwandbindung wurden als Leinen bezeichnet (Hanfleinwand).
Mit der Perfektionierung der maschinellen Baumwollverarbeitung zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Leinen zuerst in Amerika und spĂ€ter, mit wachsenden Baumwollimporten, in Europa zurĂŒckgedrĂ€ngt. Nach einem erneuten Tiefpunkt Anfang der 1980er Jahre, steigt der Verbrauch langsam an, wobei der Trend zu Naturgeweben, handgewebte Artikel und hochpreisige Kunsthandwerkgewebe sowie kulturhistorische Reproduktionen das Wachstum fördern.