Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Flugzeugkatastrophe von Kastrup

Flugzeugkatastrophe von Kastrup
Douglas C-47 Dakota PH-PBA 5.jpg

Eine erhaltene DC-3 im 1960er-Jahre-Farbschema der KLM

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Strömungsabriss beim Start infolge eines Wartungsfehlers
Ort Flughafen Kastrup, Kopenhagen, DĂ€nemark
Datum 26. Januar 1947, 15:35 Uhr
Todesopfer 22
Überlebende 0
Flugzeug
Flugzeugtyp Douglas DC-3C (C-47A-30-DK, „Dakota“)
Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines
Kennzeichen PH-TCR
Abflughafen Amsterdam, Niederlande
Stopover Kopenhagen, DĂ€nemark
Zielflughafen Stockholm, Schweden
Passagiere 16
Besatzung 6

Als Flugzeugkatastrophe von Kastrup (dĂ€nisch Flykatastrofen i Kastrup, deutsch â€žFlugkatastrophe in Kastrup“) wird der Absturz einer Douglas DC-3C (C-47) „Dakota“ der KLM Royal Dutch Airlines am 26. Januar 1947 bezeichnet. Die Linienmaschine aus Amsterdam mit dem Ziel Stockholm-Bromma stĂŒrzte kurz nach dem Start vom Zwischenlandeplatz Kastrup (Kopenhagen) ab. Alle 22 Insassen kamen ums Leben. Die Absturzursache war ein Strömungsabriss beim Steigflug, der durch einen Wartungsfehler am Höhenleitwerk der Maschine ausgelöst wurde.

Unter den 16 Passagieren befanden sich der schwedische Prinz Gustav Adolf sowie die US-amerikanische OpernsĂ€ngerin und Schauspielerin Grace Moore. Bis heute handelt es sich um das viertschwerste UnglĂŒck in der dĂ€nischen Luftfahrtgeschichte. Gleichzeitig hatte der Absturz unmittelbare Auswirkungen auf die schwedische Thronfolge.

Inhaltsverzeichnis

Flugzeugmuster

Douglas DC-3

Bei dem verwendeten Flugzeug handelte es sich um eine Douglas DC-3C (C-47A-30-DK). FĂŒr die Royal Air Force wurde sie in britischer Lizenz unter der Bezeichnung „Dakota“ gefertigt. Die zweimotorige, auf Kurz- und Mittelstrecken zum Einsatz kommende Maschine[1] war der meistgebaute und marktbeherrschende amerikanische Flugzeugtyp der 1930er- bis 1950er-Jahre. Die vielfach fĂŒr militĂ€rische Zwecke genutzte DC-3 bildete nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstock vieler Nachkriegsfluggesellschaften und wurden teilweise ĂŒber Jahrzehnte geflogen.[2] Bei der niederlĂ€ndischen Fluggesellschaft KLM wurde die letzte DC-3 erst im Jahr 1965 außer Dienst gestellt.[3]

Die UnglĂŒcksmaschine (Kennzeichen: PH-TCR) war 1943 von der Douglas Aircraft Company gebaut worden (Werksnummer: 43-48218). Nachdem sie von der United States Army Air Forces im Zweiten Weltkrieg genutzt worden war, ging sie am 4. Juni 1946 in den Besitz der Fluggesellschaft KLM ĂŒber. Die ÜberfĂŒhrung zum Heimatflughafen Amsterdam-Schiphol erfolgte durch den hollĂ€ndischen Flugzeugbauer Fokker, der das Flugzeug samt Kabineneinrichtung generalĂŒberholte. Auch die Motoren und Propeller ließ die KLM ĂŒberholen.[4] Die Maschine verfĂŒgte seitdem ĂŒber zwei Motoren des Typs Pratt & Whitney Twin Wasp T-1830 mit einer Leistung von je 1200 PS. Die maximale Reisegeschwindigkeit der Maschine betrug 285 km/h, ihre maximale Reichweite lag bei 1800 km.[3] Der linke Motor (Seriennummer: CP-360458) war vor dem letzten Flug ĂŒber 1100 Flugstunden in Betrieb gewesen, der rechte (CP-359447) beinahe 1300 Flugstunden.[4]

Die PH-TCR war am 18. Oktober 1946 vom niederlĂ€ndischen Reichsluftfahrtdienst wĂ€hrend eines Probeflugs abgenommen worden. Drei Tage spĂ€ter wurde die Maschine fĂŒr den Flugbetrieb zugelassen und mit der Nummer 490[4] in das niederlĂ€ndische Luftfahrtregister eingetragen. Die Zulassung galt bis zum 21. Oktober 1947. Das Flugzeug konnte maximal 21 Passagiere befördern. Das höchstzulĂ€ssige Abfluggewicht lag bei 12.712 kg, das höchstzulĂ€ssige Landegewicht bei 11.800 kg. Die DC-3 war bis zu ihrem Absturz rund 1686,5 Flugstunden im Einsatz, davon 442 Flugstunden nach der Übergabe durch Fokker und etwa 35,5 Flugstunden seit der letzten Inspektion.[4]

Die DC-3 war im Gegensatz zu ihrem im Jahr 1946 verunglĂŒckten Schwesterflugzeug PH-TBV mit dem aktuellen Farbschema der KLM versehen.[3] Dieses sah eine blau lackierte Nase vor, von der sich je ein blauer, verjĂŒngender Seitenstreifen unter den Passagierfenstern bis zum Heck erstreckte. Die Rumpfunterseite war weiß, wĂ€hrend auf der Oberseite jeweils der in Blau gehaltene, englischsprachige Schriftzug The Flying Dutchman (dt.: „Der fliegende HollĂ€nder“) prangte. Das Seitenleitwerk war gemĂ€ĂŸ den Farben der niederlĂ€ndischen Flagge in Rot, Weiß und Blau gehalten, wobei das KLM-Logo in der Mitte des weißen Farbfeldes platziert war.

Flugverlauf

Besatzung

FlugkapitÀn Gerrit J. Geysendorffer im Jahr 1945

Die diensthabende sechsköpfige Besatzung stammte aus den Niederlanden. Der FlugkapitĂ€n Gerrit Johannes Geysendorffer (* 1892) war in seiner Heimat ein bekannter Flugpionier und der erste NiederlĂ€nder mit einer kommerziellen Pilotenlizenz. Er stand – mit Unterbrechungen – seit dem 1. MĂ€rz 1921 in den Diensten der KLM. Im Auftrag des US-amerikanischen Verlegers W. Van Lear Black aus Baltimore hatte Geysendorffer im Jahr 1927 mit einer Fokker F.VIIa (Kennzeichen: H-NADP) den ersten Flug nach Batavia in NiederlĂ€ndisch-Ostindien (heute Jakarta, Indonesien) durchgefĂŒhrt und war bis 1930 dessen Privatpilot.[5] Geysendorffer flog ĂŒber 50 Mal in die niederlĂ€ndische Kolonie und wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau (Ridder in de Orde van Oranje Nassau) geschlagen. Seit 1937 besaß Geysendorffer die Berechtigung, die DC-3 zu fliegen. Zwischen 1921 und 1940 hatte er 14.000 Flugstunden fĂŒr die KLM auf 31 verschiedenen Typen absolviert. Vom November 1945 an konnte er 1251 Flugstunden vorweisen, davon 300 auf der DC-3.[6] Der Familienvater lebte in Amsterdam und war mit der DĂ€nin Tofa Spandet verheiratet, die er als junger Flieger bei einer Notlandung in DĂ€nemark kennengelernt hatte.[7]

Kopilot Gerrit Jan Rietman (* 1918) hatte 1937 seine Fluglizenz erhalten und 1939 erfolgreich die Kopilotenausbildung absolviert. Er stand seit dem 1. November 1940 im Dienst der KLM.[8] Der Bordmechaniker Willem Antonie van Bommel (* 1924) arbeitete seit 1945 fĂŒr die Fluggesellschaft. Die beiden Funker Simon Martinus Antonius Pijnenburg (* 1915) und Willem Brandenburg (* 1920) sowie der Flugbegleiter Hugo Hoek (* 1917) standen seit 1946 in den Diensten der KLM.[3]

Aufgenommene Passagiere in Amsterdam und Flug nach Kastrup

Erbprinz Gustav Adolf bei seiner Hochzeit im Jahr 1932 mit der Deutschen Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha

Der am Sonntag, den 26. Januar 1947, stattfindende Linienflug von Amsterdam nach Stockholm mit einer geplanten Zwischenlandung in Kopenhagen wurde tĂ€glich von der niederlĂ€ndischen Fluggesellschaft KLM angeboten.[9] Die DC-3 (Kennziffer: PH-TCR) startete mit ihren sechs Besatzungsmitgliedern und sieben Passagieren vom Flughafen Schiphol. Zu den FluggĂ€sten, welche die Maschine in Amsterdam bestiegen hatten, gehörte Prinz Gustav Adolf von Schweden, der von seinem SekretĂ€r, dem grĂ€flichen Adjutanten und HofjĂ€germeister Albert Gustav Hugo Stenbock (* 1899[10]), begleitet wurde.[11] Der 40-jĂ€hrige Erbprinz war einer privaten Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande zur Wildschweinjagd gefolgt.[9] Er hatte einige Tage im Palais Soestdijk verbracht und befand sich nun auf der RĂŒckreise zu seiner Familie nach Schweden.[12]

Die Wetterbedingungen auf dem Flughafen Kastrup gaben um 14 Uhr leichten Schneefall an. Die Sicht betrug 15 km. Die Wolkenhöhe lag bei 600 Metern. Der Wind blies mit 40 km/h aus Nord-Nord-Ost.[13]

FluggÀste ab Kastrup

Eine DC-3 der KLM in altem Farbschema mit geöffneter rechter PassagiertĂŒr (1939)

Die PH-TCR erreichte um 14:58 Uhr Ortszeit den Flughafen Kastrup, der sich einige Kilometer sĂŒdlich von Kopenhagen befindet. Drei Passagiere verließen hier die DC-3,[11] wĂ€hrend bei einer Routinekontrolle die Motoren ĂŒberprĂŒft wurden.[14] Um 15:15 Uhr bestiegen zwölf weitere Passagiere vom Vilhelm-Lauritzen-Terminal aus die KLM-Maschine. Damit befanden sich fĂŒr die letzte Teilstrecke des Fluges neben der sechsköpfigen Besatzung 16 Passagiere an Bord – elf MĂ€nner, drei Frauen und zwei Kinder. Sie stammten aus sechs Nationen; davon sieben aus DĂ€nemark, vier aus Schweden, zwei aus Frankreich und eine aus den Vereinigten Staaten. Zwei MĂ€nner aus den niederlĂ€ndischen Kolonien bzw. Spanien waren mit Prinz Gustav Adolf und Graf Stenbock in Amsterdam zugestiegen.[15]

Reisegruppe um Grace Moore

Grace Moore auf der Titelseite einer argentinischen Filmzeitschrift (1935)

Am bekanntesten unter den in Kastrup zugestiegenen Passagieren war die US-amerikanische OpernsĂ€ngerin und Schauspielerin Grace Moore. Die 48-jĂ€hrige Sopranistin hatte im Juli 1946 die Vereinigten Staaten fĂŒr eine Konzerttournee durch Europa sowie fĂŒr Pflichtauftritte vor amerikanischen Soldaten verlassen. Am Tag vor dem Abflug nach Stockholm hatte Moore in der Kopenhagener KB Halle ein umjubeltes Konzert vor 4000 Zuschauern gegeben[11] und als letztes Lied Ciribiribin[16] angestimmt.[15] Der folkloristisch angehauchte Titel war seit ihrer Oscar-nominierten Rolle in dem Musicalfilm One Night of Love (1934) zu ihrer Erkennungsmelodie geworden.[17] Moores Tournee durch Skandinavien sollte bereits am nĂ€chsten Tag mit einem Konzert in Stockholm[9] sowie weiteren Auftritten in Schweden fortgesetzt werden.

GetrĂŒbt wurde die Europa-Tournee der Amerikanerin durch eine mehrmonatige Krankheit ihres Ehemanns ValentĂ­n Parera. Der spanische Schauspieler, der sie in der Vergangenheit bei ihren Konzertreisen begleitet hatte, blieb im gemeinsamen Anwesen in Mougins an der CĂŽte d’Azur zurĂŒck. Moore hatte viel Zeit bei ihrem Ehemann in SĂŒdfrankreich verbracht und aufgrund seines Gesundheitszustands geplante Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera im Februar 1947 abgesagt.[15] Wenige Stunden vor ihrem Abflug schickte sie ihrem Ehemann noch ein Telegramm, in dem sie seine Anwesenheit vermisste („Am longing awfully already. Today I go to Stockholm. I cannot be without you all these months.“).[15]

Moore wurde auf ihrer Konzertreise von dem zwölfjĂ€hrigen französischen Pianisten Jean-Loup Peltier[12] (anderen Angaben zufolge „Jean Loup Peltier“,[18] „Jean Louis Peltier“ oder „Louis Peltier“[19]) begleitet. Peltier galt als hochtalentierter Musiker und hatte bereits den ersten Preis des Pariser Conservatoire gewonnen. Ebenfalls zum Mitarbeiterstab Moores gehörten der 41-jĂ€hrige französische Impresario Roland Fernand Xavier Victor Malbecq[18] (anderen Angaben zufolge „Roland Fernand Malbec“,[14] „Roland Ferdinant Vickard Malbec“[15] oder „Malbeq“[3]) sowie der 24-jĂ€hrige DĂ€ne Hans Henning Thomsen (auch als „H. H. Thomsen“ sowie fĂ€lschlicherweise als „Hans Denning Thomsen“ gefĂŒhrt[3]), der Moores Skandinavien-Tournee organisierte.[14]

Gerda Neumann und weitere Passagiere

NationalitÀten der Passagiere
und der Besatzung
DanemarkDĂ€nemark DĂ€nemark: 7
NiederlandeNiederlande Niederlande: 7
SchwedenSchweden Schweden: 4
FrankreichFrankreich Frankreich: 2
SpanienSpanien Spanien: 1
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten: 1
Gesamt: 22

Der Gruppe um Moore nach Stockholm schlossen sich die 31-jĂ€hrige dĂ€nische SĂ€ngerin Gerda Neumann sowie ihr Ehemann, der dĂ€nische Filmproduzent Jens Dennow Thomasen (auch als „Jens Thomasen Dennow“ gefĂŒhrt[20]) an. Neumanns Gatte war der GeschĂ€ftspartner von Thomsen und das Paar hatte am Tag zuvor, nach dem Konzert in der KB-Halle, gemeinsam mit Moore gegessen.[11] Die US-Amerikanerin hatte Neumann daraufhin eingeladen, sie nach Stockholm zu begleiten.[14] Die vom Jazz beeinflusste populĂ€re DĂ€nin hatte ab Ende der 1930er-Jahre Konzertreisen in Europa und Auftritte in einigen Filmen absolviert.[20] Wie Moore war sie auch vor britischen und US-amerikanischen Soldaten in Deutschland aufgetreten.[14] Die Abreise von Moore, Neumann und ihrem Ehemann wurde von der Presse begleitet und alle drei stellten sich vor dem Besteigen der Maschine den Fragen der Journalisten sowie fĂŒr Fotos zur VerfĂŒgung.[11]

Neumann nahm auf die Reise nach Stockholm ihren drei- bis vierjĂ€hrigen Neffen mit,[14][11] der die schwedische StaatsbĂŒrgerschaft besaß. Zu den weiteren dĂ€nischen Passagieren zĂ€hlten ein Ingenieur, der in Schweden arbeitete,[14] ein weiterer Ingenieur und ein Makler, die bei der Fluggesellschaft Det Danske Luftfartselskab (DDL; spĂ€ter SAS) angestellt waren[18] sowie ein mĂ€nnlicher und ein weiblicher Fluggast. Ebenfalls stieg in Kastrup ein mĂ€nnlicher Passagier schwedischer Staatsangehörigkeit zu.

Start und Absturz

Die UnglĂŒcksroute der PH-TCR (diese Karte entspricht nicht der genauen Flugroute)

Um 15:25 Uhr begann die Besatzung um FlugkapitĂ€n Geysendorffer mit den Startvorbreitungen. Die beiden Motoren wurden angewĂ€rmt und der diensthabende Fluglotse im Kontrollturm gab zweimal die Information zur Startfreigabe. Die Besatzung bestĂ€tigte den Empfang der Freigabe und rollte ĂŒber die Bahn 17 zum sĂŒdwestlichen Ende der Piste 04.[11] Um 15:31 Uhr begann die KLM-Maschine mit dem Start. Es schien die Sonne und herrschte Schneefall.[21] Die Außentemperatur lag bei −5 Grad Celsius.[3] Der Wind kam aus Richtung Nord-Nord-Ost. Die Windgeschwindigkeit betrug 40 km/h. Aufgrund des starken Gegenwinds hob die Maschine nach nur 200 bis 300 Metern vom Boden ab, was aber als normal angesehen wurde.[22]

Im Steigflug wies die PH-TCR einen höheren Anstellwinkel als gewöhnlich auf, nach Augenzeugenberichten mehr als 45 Grad. In einer Höhe von 75 bis 100 Metern ĂŒber dem Boden rollte die DC-3 nach links und fiel fast senkrecht nach unten. Etwa einen Kilometer westlich ihres Startpunktes schlug die PH-TCR um 15:35 Uhr[23] mit der Nase und der linken TragflĂ€che zuerst auf dem Flugfeld auf. Der Absturzort lag unmittelbar in der Mitte des damals kleineren FlughafengelĂ€ndes, direkt an der Kreuzung der Bahnen 04-22 und 12-30.[11] Unmittelbar nach dem Aufprall brach ein schweres Feuer aus, das sich schnell ĂŒber das gesamte Wrack ausbreitete.

Noch bevor die PH-TCR auf den Boden aufschlug, war von einem Flughafenmitarbeiter, der die Szenerie beobachtet hatte, Alarm ausgelöst worden. Erste RettungskrĂ€fte – Flughafenmitarbeiter mit Handfeuerlöschern und ein Fahrzeug der Flughafenfeuerwehr[11] – trafen innerhalb von drei Minuten an der Unfallstelle ein. Entgegen den Anweisungen der Flughafenleitung waren sie nicht ĂŒber die befestigten Wege, sondern direkt ĂŒber das gefrorene Gras zur UnglĂŒcksstelle geeilt,[18] konnten aber aufgrund des schweren Feuers und der starken Hitzeentwicklung nicht zu den Insassen vordringen.[9] Die Versuche, zwecks VerstĂ€rkung telefonisch Kontakt zur nahe gelegenen Brandwache in TĂ„rnby zu bekommen, schlugen anfangs fehl. Die Telefonzentrale im ersten Stock des FlughafengebĂ€udes war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht besetzt – die Telefonistin hatte ihren Platz fĂŒr 15 Minuten verlassen, um Kaffee zu kochen.[18]

Eine Verbindung mit der Telefonvermittlung in Kopenhagen kam erst nach mehr als zehn Minuten Verzögerung zustande. Eine stĂ€dtische Feuerwehreinheit aus DragĂžr erreichte die UnglĂŒcksstelle nach ungefĂ€hr 20 Minuten – die Feuerwehrleute hatten Rauch vom Flughafen aufsteigen sehen. Ihnen folgten die Feuerwehr TĂ„rnby, die Falck A/S und die Polizei.[11] Erst nach mehr als einer Stunde (anderen Angaben zufolge 30 Minuten) gelangten die RettungskrĂ€fte direkt zum Wrack. Es gab keine Überlebenden. Der Absturz konnte vom Passagier-Terminal aus beobachtet werden, wo es aber nicht zum Ausbruch einer Panik kam.[12]

Alle 22 Insassen der DC-3 waren unmittelbar beim Absturz getötet worden, wie die gerichtsmedizinische Untersuchung in Kopenhagen ergab – Passagiere und Besatzung wurden angeschnallt in ihren Sitzen gefunden.[14] Die Identifizierung der Toten stellte sich als schwierig heraus, da diese bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Prinz Gustav Adolf wurde als erster durch eine mitgefĂŒhrte Identifikationsplakette aus Metall („metal identification disk“), die normalerweise Soldaten trugen, sowie ein halbverbranntes Taschentuch mit seinen Initialen bestimmt. Der Leichnam Grace Moores konnte durch einen gravierten Armreif („To Grace from Val“) identifiziert werden, den sie von ihrem Ehemann als Geschenk nach einem Konzert in den USA erhalten hatte. Die Juwelen, welche die Amerikanerin auf ihrer Reise mit sich gefĂŒhrt hatte, konnten aus dem Wrack geborgen werden. Der Leichnam Gerda Neumanns, der von der Polizei zunĂ€chst irrtĂŒmlich Moore zugeordnet worden war, wurde durch eine Brosche in Form einer Lyra identifiziert. Bereits einen Tag nach dem UnglĂŒck konnte 13 der 22 Leichen ihr Name zugeordnet werden.[24]

Unmittelbare Folgen und Trauerfeierlichkeiten

Die schwedische Thronfolge (1947)
Wappen von Schweden

Der Flugzeugabsturz fand aufgrund der prominenten Todesopfer weltweit mediale Beachtung. Neben dĂ€nischen, schwedischen und niederlĂ€ndischen Tageszeitungen berichteten auch viele englischsprachige Medien auf ihren Titelseiten vom UnglĂŒck, darunter die New York Times, die Los Angeles Times und Washington Post.

Der schwedische Gesandte in Kopenhagen war einer der ersten, der vom Tod des Prinzen Gustav Adolf erfuhr. Er benachrichtigte daraufhin die in Kopenhagen lebenden jĂŒngeren Geschwister des Verstorbenen, Kronprinzessin Ingrid und Sigvard Bernadotte.[9] Prinzessin Sibylla, der Witwe von Gustav Adolf, wurde die Nachricht persönlich von Kronprinzessin Louise von Schweden nach Schloss Haga ĂŒberbracht.[12] Aus Sympathie zur schwedischen Königsfamilie und zu Kronprinzessin Ingrid wurde am 27. Januar Trauerbeflaggung in ganz Kopenhagen angeordnet. Auch die Standarte von König Christian X. von DĂ€nemark wurde nicht vollstĂ€ndig gesetzt.[24]

Prinz Gustav Adolf bekleidete bei seinem Tod Platz Zwei in der schwedischen Thronfolge, hinter seinem Vater Gustav VI. Adolf, der im Jahr 1950 dem verstorbenen Gustav V. auf den Thron folgen sollte. Da das Thronfolgegesetz zu jener Zeit vorsah, dass die schwedische KönigswĂŒrde nach dem Erstgeburtsrecht nur an mĂ€nnliche Nachfahren weitervererbt werden konnte, wurde der zum Zeitpunkt des Absturzes fast neun Monate alte Carl Gustaf neuer Erbprinz, nach seinem 64-jĂ€hrigen Großvater. Carl Gustaf war der einzige Sohn des verunglĂŒckten Prinzen und von Prinzessin Sibylla. Neben ihm gab es einige Ă€ltere Prinzen in der Familie, die aber kaum Aussichten auf eigene Söhne hatten. Bei der Thronbesteigung Gustav VI. Adolfs sollte Carl Gustaf im Alter von viereinhalb Jahren Kronprinz von Schweden und nach dessen Tod 1973 König werden.

In Kopenhagen wurde der Leichnam von Gustav Adolf in der Schwedischen Kirche in einem geschlossenen, mit der schwedischen Flagge versehenen Sarg aufgebahrt. An den dortigen Trauerfeierlichkeiten nahmen die königliche dĂ€nische Wache, Königin Alexandrine und die dĂ€nische Königsfamilie, MinisterprĂ€sident Knud Kristensen und Außenminister Gustav Rasmussen teil.[25] Der niederlĂ€ndische Gesandte in Stockholm kondolierte bei der Familie des Verstorbenen in Drottningholm.[9]

Der schwedische Königshof ordnete ab dem 28. Januar eine offizielle Trauer an.[9] Alle Stockholmer Theater, darunter auch das Königliche Dramatische Theater, stellten ihren Spielbetrieb ein.[9][19] Der Leichnam Gustav Adolfs wurde mit dem schwedischen Schiff Oscar II in seine Heimat ĂŒberfĂŒhrt[25] und am 4. Februar auf dem königlichen Friedhof Haga, unweit seines Wohnsitzes, beerdigt. An den Trauerfeierlichkeiten in Stockholm nahmen Mitglieder aus den königlichen Familien von Schweden, DĂ€nemark und Norwegen teil, der Deutsche Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha sowie ReprĂ€sentanten aus 35 LĂ€ndern.[26]

Der Leichnam Grace Moores wurde fĂŒr einen Gedenkgottesdienst persönlich von ihrem Ehemann nach Paris ĂŒberfĂŒhrt. 500 Personen nahmen am 3. Februar in der American Cathedral Church Abschied von der SĂ€ngerin und Schauspielerin, darunter der US-amerikanische Botschafter Jefferson Caffery, der Theaterdirektor Georges Hirsch, Henry Malherbe, Direktor der OpĂ©ra-Comique, der französische Tenor JosĂ© Luccioni sowie die Schauspielerinnen Marlene Dietrich und Yvonne Printemps.[27] Über Cherbourg wurde Moores Leichnam mit der America nach New York ĂŒberfĂŒhrt, wo das Passagierschiff am 21. Februar eintraf.[28][29] Zwei Tage spĂ€ter wurde Moore unter großer Anteilnahme in ihrer Heimatstadt Chattanooga, Tennessee, beerdigt.[30]

Der Großteil der ĂŒbrigen Insassen der UnglĂŒcksmaschine wurde am 4. und 5. Februar in ihren Heimatorten beigesetzt.[3]

Unfalluntersuchung und Ergebnis

Beladung beim Start der PH-TCR in Kastrup[31]
Leergewicht 8269 kg
Besatzung (6) 480 kg
KombĂŒsenausrĂŒstung 90 kg
Benzin (2000 l) 1440 kg
Öl (140 l) 126 kg
Passagiere (16) 1240 kg
GepĂ€ck 250 kg
Post 82 kg
Frachtgut 212 kg
Gesamtgewicht
(max. Abfluggewicht: 12.712 kg)
12.189 kg

Mit der offiziellen Untersuchung des Flugzeugabsturzes wurde die staatliche dĂ€nische Luftfahrtaufsicht betraut, die von Experten aus den Niederlanden und Schweden unterstĂŒtzt wurde. Die Untersuchungskommission sollte ihren Bericht spĂ€ter der niederlĂ€ndischen Regierung vorlegen.

Bereits kurz nach dem UnglĂŒck ließ der leitende Ermittler Sven Aage Dalbro verlauten, dass kein Pilot mit der Ausbildung und Erfahrung Geysendorffers absichtlich einen solchen Start durchgefĂŒhrt hĂ€tte.[32] Geysendorffer verfĂŒgte ĂŒber insgesamt 26.000 Stunden Flugpraxis. Die KLM gab an, dass der 54-jĂ€hrige Pilot auf seine Gesundheit hin untersucht und fĂŒr flugtauglich befunden worden war.[33]

Theorie 1: Falsche Beladung

Bereits einen Tag nach dem Absturz wurden zwei mögliche Theorien als Auslöser fĂŒr die Katastrophe in Betracht gezogen. Erste Berichte gingen von einer falschen Beladung bzw. Überladung der DC-3 aus.[9] Das maximale Abfluggewicht der PH-TCR lag bei 12.712 kg. Neben den sechs Besatzungsmitgliedern und 16 Passagieren beförderte die Maschine auf ihrem letzten Flug auch 250 kg GepĂ€ck, 82 kg Post und 212 kg Frachtgut. Das Gesamtgewicht von 12.189 kg lag beim Start in Kastrup 523 kg unterhalb des maximal zulĂ€ssigen Abfluggewichts. Dennoch senkten die dĂ€nischen Behörden in ihrem Flugraum das maximale Abfluggewicht fĂŒr Flugzeuge des Typs DC-3 auf 11.450 kg.[34] Schweden folgte diesem Beispiel.[35] Der britische Minister fĂŒr den zivilen Flugverkehr, Lord Nathan, gab zu bedenken, dass das Abfluggewicht der UnglĂŒcksmaschine nicht ĂŒberzogen war und in Kriegszeiten bei bis zu 13.600 kg gelegen hĂ€tte.[36] Behörden der amerikanischen LuftstreitkrĂ€fte wiesen darauf hin, dass ihre Maschinen im Zweiten Weltkrieg bis zu 16.500 kg gewogen hĂ€tten. Die amerikanisch-europĂ€ischen Regelungen fĂŒr den Luftverkehr sahen ein Maximalgewicht von 16.154 kg fĂŒr den Flugzeugtyp vor.[35]

Theorie 2: Verriegeltes Höhenruder

Eine zweite Theorie ging davon aus, dass man vergessen hatte, die Verriegelung des Höhenruders (englisch â€želevator lock“) vor dem Start zu lösen. Bei starkem Wind, wie er am UnglĂŒckstag vorgeherrscht hatte, wurde das Höhenruder mit einem Metallkeil fixiert, um ein unkontrolliertes Ausschwenken am Boden und daraus resultierende BeschĂ€digungen zu verhindern. Gunnar Larsson, stellvertretender Inspektor der schwedischen zivilen Luftfahrtbehörde gab an, dass das Ruder trotz der Verriegelung ĂŒber ein wenig Bewegungsspielraum verfĂŒge. Das könnte die Piloten beim Testen der Steuerung im Glauben gelassen haben, dass die Verriegelung bereits gelöst worden sei. Zum Absturzzeitpunkt herrschte ein starker Wind, der die Bedienung des Ruders ebenfalls erschwerte.[34]

Normalerweise waren diese Verriegelungen mit Fahnen oder Wimpeln auch optisch gekennzeichnet, damit das Bodenpersonal oder die Flugbesatzung darauf achtete, diese vor dem Start zu lösen. TatsĂ€chlich wurde 15 Minuten nach dem UnglĂŒck ein solcher Metallkeil von einem Mitglied des Bodenpersonals etwa 76 Meter östlich des Flugzeugwracks gefunden. Der Gegenstand zeigte keine Anzeichen von Brandspuren und war auch nicht mit Schnee bedeckt. In den TrĂŒmmern der PH-TCR fand man keinen solchen Riegel.[31] Auch konnten die Ermittler keine technischen Defekte am Flugzeug, insbesondere bei den Verbindungen zwischen Höhen- und Seitenruder feststellen. Der Fund wurde bereits einen Tag nach dem UnglĂŒck öffentlich gemacht und die Untersuchungskommission ließ verlautbaren, diesem Punkt eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.[36]

Am Tag des UnglĂŒcks war ein 19-jĂ€hriger Mechaniker der DDL fĂŒr die Abfertigung der KLM-Maschine verantwortlich gewesen. Er gehörte erst seit dem 7. Januar 1947 dem Bodenpersonal des Flughafens Kastrup an und verfĂŒgte nur ĂŒber unzureichende Kenntnisse der Höhenruder-Verriegelung an der DC-3. Auch war kein weiterer Mitarbeiter anwesend, der die Arbeit des Mechanikers auf ihre OrdnungsmĂ€ĂŸigkeit hĂ€tte ĂŒberprĂŒfen können. Da der Riegel neu gekauft worden war, verfĂŒgte dieser auch nicht ĂŒber optische Kennzeichen wie Fahnen oder Wimpel. Der Mechaniker beteuerte nach dem Absturz seine Unschuld und sagte aus, dass die Verriegelung an der PH-TCR nicht aktiv gewesen war. UnterstĂŒtzt wurde er in seiner Aussage vom Chefmechaniker des Bodenpersonals, der aber am UnglĂŒckstag abwesend war.[37]

Den Aussagen des Mechanikers widersprach ein Zeuge, der sich zum Zeitpunkt der Wartung des Flugzeugs etwa 75 Meter entfernt vom Terminal im zweiten Stock des FlughafenverwaltungsgebĂ€udes befunden hatte. Dieser sagte aus, dass fĂŒnf bis acht Minuten vor dem Start ein Mann in KLM-Uniform die PH-TCR verlassen und die Verriegelung angebracht hĂ€tte.[38] Um das Verhalten des Flugzeugs im Steigflug mit verriegeltem Höhenruder zu testen, wurden am 1. Februar 1947 FlĂŒge mit einer baugleichen DC-3 „Dakota“ der Fluggesellschaft DDL durchgefĂŒhrt.[38] Unter Verwendung von SandsĂ€cken war das Testflugzeug genauso schwer wie die UnglĂŒcksmaschine. Auch fĂŒhrte man dieselbe Menge an Treibstoff mit. An Bord befanden sich FlugkapitĂ€n Emil Dam, Leiter der technischen Abteilung von DDL, ein Mitglied der dĂ€nisch-schwedisch-niederlĂ€ndischen Untersuchungskommission und drei weitere Piloten.[39] Die TestflĂŒge wurden ab einer Flughöhe von 2000 Metern durchgefĂŒhrt. Es wurden jeweils ungefĂ€hr 20 Meter hohe SteigflĂŒge mit verriegeltem Höhenruder simuliert, bei denen die Maschine einen hohen Anstellwinkel von bis etwa 60 Grad erreichte.[38] Innerhalb von sieben Sekunden kam es zum Strömungsabriss und die DDL-Maschine geriet ins Trudeln.[39]

Untersuchungsergebnis

Die Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass die Verriegelung des Höhenruders die UnglĂŒcksursache war.[40] Bereits am 31. Januar, fĂŒnf Tage nach dem Flugzeugabsturz, veröffentliche dies die staatliche niederlĂ€ndische Luftfahrtbehörde in Absprache mit den dĂ€nischen Experten.[41] Der zu hohe Anstellwinkel beim Start hatte einen Strömungsabriss bei der PH-TCR verursacht, was zum Absturz fĂŒhrte. Der Metallriegel sei, so die Ermittler, wahrscheinlich in der Luft heruntergefallen oder durch die Explosion fortgeschleudert worden.

Neben den Fehlern des Bodenpersonals rĂŒgte der Untersuchungsbericht das Verhalten der Flugbesatzung um KapitĂ€n Geysendorffer, auf dessen guten Ruf verwiesen wurde. Die Piloten hĂ€tten es ebenfalls versĂ€umt, die Höhenruder-Verriegelung zu ĂŒberprĂŒfen, wie es in der Checkliste vorgesehen war. Der Bericht wies darauf hin, die Reihenfolge der Checkliste eventuell zu Ă€ndern und das Entfernen der Verriegelung noch vor dem Anlassen der Motoren aufzufĂŒhren. Die niederlĂ€ndische Tageszeitung Algemeen Dagblad versuchte in einem am 1. Februar 1947 erschienenen Artikel die NachlĂ€ssigkeit der Besatzung psychologisch zu erklĂ€ren. Die KLM-Maschine sei wegen des starken Windes mit einer halben Stunde VerspĂ€tung in Kastrup eingetroffen. Aufgrund der prominenten FluggĂ€ste hĂ€tte die Besatzung daher den Drang verspĂŒrt, so schnell wie möglich den Weiterflug nach Stockholm einzuleiten.[3]

Bereits vor dem Absturz in Kastrup war es zu zwei BeinaheunfĂ€llen von Flugzeugen des Typs DC-3 mit verriegeltem Höhenruder gekommen. Ein Vorfall betraf ein schwedisches Flugzeug im Juli/August 1946 auf dem Flughafen Schiphol. Bei einem lange zurĂŒckliegenden anderen Fall handelte es sich um eine KLM-Maschine auf dem Flughafen Kastrup. Ein dĂ€nischer Polizist hatte die aktivierte Verriegelung bemerkt und war mit seinem Wagen der zum Start rollenden Maschine hinterhergefahren. Beide VorfĂ€lle waren aber nie gemeldet worden.[42]

Nachwirken

Der Unfall fĂŒhrte dazu, dass man am Boden zwischen Höhen- und Seitenruder der DC-3 ein Stahlseil spannte, damit sich ein Ă€hnlicher Unfall nicht mehr wiederholen konnte.[3]

Der Absturz der PH-TCR war innerhalb weniger Tage das zweite von drei schweren UnglĂŒcken einer DC-3 „Dakota“ in Europa.[43] Einen Tag vor der Katastrophe in Kastrup war eine Passagiermaschine der Spencer Airways (Kennzeichen: VP-YFD) auf dem Flug nach Rom-Ciampino unter Ă€hnlichen Bedingungen kurz nach dem Start von London-Croydon abgestĂŒrzt, wobei zwölf der 23 Insassen ums Leben kamen.[44] Am 1. Februar verunglĂŒckte eine DC-3 der Air France (F-BAXQ) aus Bordeaux, als sie im Endanflug auf den Flughafen Lissabon unter schlechten SichtverhĂ€ltnissen mit einem Gipfel des Gebirgszuges Serra de Sintra kollidierte. 15 der 16 Insassen fanden den Tod.[45]

Die New York Times kritisierte Anfang Februar 1947, dass Irritationen ĂŒber die ZustĂ€ndigkeit beim Flugzeugabsturz in Kastrup geherrscht hĂ€tten, da ein US-amerikanischer Flugzeugtyp in Besitz einer niederlĂ€ndischen Fluggesellschaft auf dĂ€nischem Boden abgestĂŒrzt war. Ähnliche Probleme gab es einen Monat zuvor beim Absturz einer TWA-Lockheed Constellation (Kennzeichen: N86505[46]) auf dem Flughafen Shannon (Irland). Am 3. Februar 1947 empfahl die Accident Investigation Division der Provisional International Civil Aviation Organization bei einem Treffen in Montreal, dass die Unfalluntersuchung zwischen der Nation erfolgen sollte, deren Flugzeug abstĂŒrzte, und dem Land, in dem das UnglĂŒck stattfand.[47]

Die Datenbank Aviation Safety Network weist den Absturz im Jahr 1947 als seinerzeit schwersten Flugunfall in DĂ€nemark aus,[48] nachdem 1946 eine DC-3 der Air France (F-BAOB) auf dem Weg von Kopenhagen nach Paris nahe KĂžge abgestĂŒrzt war, wobei die gleiche Anzahl an Insassen ums Leben gekommen waren.[49] Die Flugzeugkatastrophe von Kastrup ist bis heute das viertschwerste UnglĂŒck in der dĂ€nischen Luftfahrtgeschichte. 1957 wurden beim Absturz einer Iljuschin Il-14 der Aeroflot (CCCP-L1874) ins sĂŒdliche Hafenbecken von Kopenhagen alle 23 Insassen getötet.[50] 1971 stĂŒrzte eine Iljuschin Il-18 der ungarischen Fluggesellschaft MalĂ©v (HA-MOC) beim Endanflug auf Kopenhagen nahe der Insel Saltholm ins Meer, wobei 32 Menschen starben.[51] Das bisher schwerste LuftfahrtunglĂŒck auf dĂ€nischem Territorium ereignete sich am 8. September 1989, als eine Convair CV-580 der norwegischen Charterfluggesellschaft Partnair nördlich der Gemeinde Hirtshals vor der dĂ€nischen KĂŒste in den Skagerrak stĂŒrzte. Keiner der 55 Insassen ĂŒberlebte das UnglĂŒck.[52]

Das aus dem Wrack der PH-TCR geborgene Post- und Frachtgut ist unter Sammlern begehrt. Im Mai 2004 wurden einige StĂŒcke bei einer Auktion in Den Haag verĂ€ußert.[3]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Air disaster at Kastrup 1947 â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ vgl. Beschreibung der DC-3 (C-47) bei flugzeuginfo.net (aufgerufen am 23. April 2011).
  2. ↑ vgl. Beschreibung der Douglas DC-3 (C-47 D Dakota) bei deutsches-museum.de (aufgerufen am 24. April 2011).
  3. ↑ a b c d e f g h i j k vgl. Bericht zum FlugzeugunglĂŒck bei aviacrash.nl (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 23. April 2011).
  4. ↑ a b c d vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 6 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 4. Mai 2011).
  5. ↑ vgl. Grace Moore and Heir to Throne Die in Crash. In: Los Angeles Times, 27. Januar 1947, S. 2.
  6. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 3–4 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  7. ↑ vgl. Grace Moore dies in burning Plane. In: The New York Times, 27. Januar 1947, S. 3.
  8. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 4–5 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  9. ↑ a b c d e f g h i vgl. Swedish Prince Killed In Air Wreck Crash After Taking Off At Copenhagen, Miss Grace Moore Among 22 Victims. In: The Times, 27. Januar 1947, Nr. 50669, S. 4.
  10. ↑ vgl. Profil Stenbocks bei gravar.se (schwedisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  11. ↑ a b c d e f g h i j vgl. BogĂž, Dines: Flykatastrofen i Kastrup 1947 – Bericht des Amager Bladet bei dinby.dk, 7. September 2009 (dĂ€nisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  12. ↑ a b c d vgl. Une sĂ©rie noire: A Copenhague, un avion s’ecrase au sol. In: Journal de GenĂšve, 27. Januar 1947, S. 2.
  13. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 7–8 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  14. ↑ a b c d e f g h vgl. Carstensen, Svend: Crash in Denmark: Grace Moore ; Plane Crash in Denmark Ends Brilliant Singing. In: The New York Times, 27. Januar 1947, S. 1/3.
  15. ↑ a b c d e vgl. Grace Moore Dies in Crash: Swedish Royal Heir and 20 Others Killed in Dutch Airliner's Plunge. In: Los Angeles Times, 27. Januar 1947, S. 1.
  16. ↑ vgl. Schreibweise im WorldCat (aufgerufen am 25. April 2011).
  17. ↑ vgl. One Night of Love bei tcm.com (englisch; aufgerufen am 25. April 2011).
  18. ↑ a b c d e vgl. Bericht von Dines BogĂž und Bilder zum FlugzeugunglĂŒck bei sydamager.dk (dĂ€nisch; aufgerufen am 25. April 2011).
  19. ↑ a b vgl. Tragique accident d’aviation au Danemark. In: Gazette de Lausanne, 27. Januar 1947, S. 6.
  20. ↑ a b vgl. Biografie von Gerda Neumann bei danskefilm.dk (dĂ€nisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  21. ↑ vgl. Bericht bei flykatastrofer.dk (dĂ€nisch; aufgerufen am 3. Mai 2011).
  22. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 1–2 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 3. Mai 2011).
  23. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 1 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 1. Mai 2011).
  24. ↑ a b vgl. Carsten, Svend: Plane Load Limit Cut by 2 Nations: Denmark Drops Figure Below Weight of Wrecked Dakota. In: The New York Times, 28. Januar 1947, S. 3.
  25. ↑ a b vgl. Prince’s Body Taken to Sweden by Ship. In: The New York Times, 31. Januar 1947, S. 10.
  26. ↑ vgl. Funeral Of Prince Gustaf Adolf : Ceremonies In Stockholm. In: The Times, 5. Februar 1947, Nr. 50677, S. 4.
  27. ↑ vgl. Grace Moore Rites are held in Paris. In: The New York Times, 4. Februar 1947, S. 25.
  28. ↑ vgl. AFP: Bringing Grace Moore Home. In: The New York Times, 15. Februar 1947, S. 15.
  29. ↑ vgl. Singer’s Body Due Today. In: The New York Times, 21. Februar 1947, S. 39.
  30. ↑ vgl. Grace Moore buried at Tennessee Home. In: The New York Times, 24. Februar 1947, S. 19.
  31. ↑ a b vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 7 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  32. ↑ vgl. Grace Moore: Plane Crash in Denmark ends brilliant Singing Career. In: The New York Times, 27. Januar 2011, S. 3.
  33. ↑ vgl. Grace Moore and Heir to Throne dies in Crash. In: Los Angeles Times, 27. Januar 1947, S. 2.
  34. ↑ a b vgl. Cause Of The Kastrup Air Crash: Elevator Lock Suspected. In: The Times, 30. Januar 1947, Nr. 50672, S. 3.
  35. ↑ a b vgl. Carsten, Svend: Plane Load Limit Cut by 2 Nations. In: The New York Times, 28. Januar 1947, S. 3.
  36. ↑ a b vgl. Wedge Is Crash Clew. In: The Washington Post, 28. Januar 1947. S. 1.
  37. ↑ vgl. Plane Lock denied in Danish Cras. In: The New York Times, 29. Januar 1947, S. 13.
  38. ↑ a b c vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 8 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  39. ↑ a b vgl. Special. in der The New York Times, 2. Februar 1947, S. 28.
  40. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 7–10 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  41. ↑ vgl. News In Brief – The Kastrup Air Crash. In: The Times, 1. Februar 1947, Nr. 50674, S. 3.
  42. ↑ vgl. Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht S. 9–10 bei hdekker.info (niederlĂ€ndisch; aufgerufen am 24. April 2011).
  43. ↑ vgl. AP: Crash Near Lisbon Kills 16: DC-3 From Paris Hits Peak. In: The New York Times, 2. Februar 1947, S. 1.
  44. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 2. Mai 2011).
  45. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 2. Mai 2011).
  46. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 2. Mai 2011).
  47. ↑ vgl. Uniform Procedure on Crashes sought. In: The New York Times, 4. Februar 1947, S. 8.
  48. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 23. April 2011).
  49. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 11. Mai 2011).
  50. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 11. Mai 2011).
  51. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 11. Mai 2011).
  52. ↑ vgl. Unfallbeschreibung bei aviation-safety.net (englisch; aufgerufen am 11. Mai 2011).
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.