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| Fluorit | |
| violetter Fluorit aus Marokko | |
| Andere Namen |
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| Chemische Formel |
CaF2 |
| Mineralklasse | Halogenide 3.AB.25 (8. Auflage: III/A.08-10) (nach Strunz) 09.02.01.01 (nach Dana) |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse | hexakisoktaedrisch 4/m 3 2/m |
| Farbe | in reiner Form farblos, gelb, grĂŒn, rot, violett auch schwĂ€rzlich |
| Strichfarbe | weiĂ |
| MohshÀrte | 4 |
| Dichte (g/cm3) | 3,2 |
| Glanz | Glasglanz |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig |
| Bruch | muschelig bis splittrig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {111} |
| Habitus | Kubische Kristalle und ihre Kombinationen; körnige, massige Aggregate |
| HÀufige KristallflÀchen | {001}, {111} |
| Zwillingsbildung | Durchkreuzungszwillinge nach (111) |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindex | n=1,433 bis 1,448 |
| Doppelbrechung (optische Orientierung) |
keine |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | wird durch SchwefelsÀure gelöst |
| RadioaktivitÀt | manchmal durch eingewachsene Uranminerale |
| Besondere Kennzeichen | blaue bis blaugrĂŒne Fluoreszenz, gelegentlich Phosphoreszenz |
Fluorit, auch unter der bergmĂ€nnischen Bezeichnung Flussspat bzw. FluĂspat oder seiner chemischen Bezeichnung Calciumfluorid bekannt, ist das Calciumsalz der FlusssĂ€ure und ein sehr hĂ€ufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der einfachen Halogenide. Fluorit kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaF2 und entwickelt kubische Kristalle mit vorwiegend wĂŒrfeliger oder seltener oktaedrischer Kristallform sowie Durchdringungszwillinge, aber auch körnige, massige Aggregate.
Reiner Fluorit ist farblos und transparent, durch Verunreinigungen auch grau. Er kann jedoch durch Fremdbeimengungen fast alle Farben, zumeist in schwacher IntensitĂ€t, annehmen. Verbreitet sind grĂŒne, violette bis schwarzviolette und gelbe Kristalle ("Honigspat"), aber auch blaue, rote und braune Fluorite werden gefunden. Ebenso kann hĂ€ufig ein zonarer Farbwechsel beobachtet werden. Die Strichfarbe ist dagegen immer weiĂ.
Fluorit ist das Leitmineral (Skalamineral) der Mohsschen HĂ€rteskala fĂŒr die HĂ€rte 4.
Inhaltsverzeichnis |
Durch Einlagerung von Lanthanoiden, zum Beispiel Eu2+, kann Fluorit unter Anregung mit UV-Licht starke Fluoreszenz zeigen, gelegentlich sogar Phosphoreszenz.[1]
Bei Kontakt mit starken SÀuren wie z. B. SchwefelsÀure setzt Fluorit hochgiftigen Fluorwasserstoff frei. Eine direkte ToxizitÀt des Fluorits ist jedoch nicht bekannt.
Obwohl reines CaF2 farblos ist, gehört Fluorit zu den Mineralen mit den meisten Farbvariationen ĂŒberhaupt. Die dunkle FĂ€rbung vieler Fluorite entsteht durch eingelagerte seltene Erden oder radioaktive Bestrahlung des Flussspats (Stinkspat), wobei auch eingewachsene Uranminerale die FĂ€rbung verstĂ€rken können.
Die Farbursachen sind vielfÀltig und nicht immer vollstÀndig geklÀrt [2]. FÀrbend wirken zumeist Spurengehalte von Seltenerdelementen, die oft erst durch radioaktive Bestrahlung zu fÀrbenden Ionen ionisiert werden. Welche Seltenerdelemente hierbei ionisiert werden, kann von der Art der Bestrahlung abhÀngen. So können Fluorite bei gleichen Gehalten an Spurenelementen in der Umgebung von thoriumhaltigen Mineralen andere Farben entwickeln, als in der Umgebung von uranhaltigen Mineralen. Weiterhin kann die Temperaturgeschichte die Farbe beeinflussen sowie der Einbau von Sauerstoffionen und OH- oder weiterer fÀrbender Ionen. Spurengehalte nicht fÀrbender Ionen wie Na+ oder Fe3+ stabilisieren fÀrbende Gitterdefekte und beeinflussen so ebenfalls die Farbe [3].
Als Stinkspat bezeichnet man eine dunkelviolette bis schwarze VarietÀt des Fluorits, die beim Zerkleinern einen stechenden Geruch entwickelt. Stinkspat kommt oft (aber nicht immer) zusammen mit Uranmineralien vor, die teilweise als feinste Partikel im Stinkspat eingeschlossen sein können (RadioaktivitÀt!). Die TyplokalitÀt und bekannteste deutsche Fundstelle ist Wölsendorf in der Oberpfalz.
Durch Reiben oder Schlagen des Kristalls wird gasförmiges giftiges Fluor (F2) freigesetzt, welches in Verbindung mit Wasser (H2O, z.B. Luftfeuchtigkeit) zu 2 MolekĂŒlen Fluorwasserstoff (HF) und einem Atom Sauerstoff (O) reagiert:
Der radikalische atomare Sauerstoff (O) verbindet sich mit dem molekularen Luftsauerstoff (O2) zu Ozon (O3). Der intensive Geruch, der auch zur Bezeichnung dieser Verbindung fĂŒhrte, resultiert aus der Bildung dieses Ozons sowie der Bildung von Fluor und Fluorwasserstoff.
Die dunkelviolette bis schwarze Farbe hat mehrere Uhrsachen. Eine groĂe Rolle spielt kolloidales matallische Ca, das zu einer dunkelblauen bis schwarzen FĂ€rbung fĂŒhrt. Hinzu kommen freie Elektronen auf leeren Fluorpositionen (F-Zentren), die typisch fĂŒr violetten Fluorit sind.
Alle diese Eigenschaften des Stinkspates haben ihre Ursache in radioaktiver Bestrahlung des Fluorits. Stinkspat tritt typischer weise zusammen mit uranhaltigen Mineralen auf. Das darin enthaltene Uran und Thorium zerfÀllt und gibt dabei Gammastrahlung ab. Diese Strahlung setzt Elektronen aus den F--Ionen frei und es bildet sich ein H-Zentrum, ein neutrales Fluoratom auf einer ansonsten leeren Gitterposition, das eine Atombindung zu einem benachbarten F--Ion ausbildet. Die freigesetzten Elektronen werden von Gitterfehlstellen, leeren Fluorpositionen, eingefangen und bilden dort F-Zentren), einzelne Elektronen auf einer F--Position, die von 4 Ca2+-Ionen umgeben sind. Diese F-Zentren sind nicht ortsstabiel. Sie diffundieren durch das Kristallgitter und verbinden sich mit weiteren F-Zentren zu fluorfreien Ca-Nanopartikeln mit 5 - 30nm Durchmesser. Diese Cluster werden auch als "kolloidales Ca" bezeichnet und tragen zur Blauschwarzen Farbe des Stinkspates bei.[5]
Flussspat war schon im antiken Griechenland bekannt. Der deutsche Name geht auf die Verwendung als Flussmittel in der Metallverarbeitung zurĂŒck. 1824 entdeckte der deutsche Mineraloge Friedrich Mohs die im ultravioletten Licht sichtbar werdende Fluoreszenz. Der irische Mathematiker und Physiker George Gabriel Stokes benannte das PhĂ€nomen der Fluoreszenz nach dem Fluorit in Analogie zur Opaleszenz zum Opal.[6]
In der mittlerweile veralteten, aber noch gebrĂ€uchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Fluorit zur allgemeinen Abteilung der âEinfachen Halogenideâ, wo er zusammen mit Coccinit, Frankdicksonit, Gagarinit-(Y), Laurelit, Tveitit-(Y) und Gagarinit-(Ce) (ehemals Zajacit-(Ce)) eine eigene Gruppe bildete.
Die seit 2001 gĂŒltige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunzschen Mineralsystematik ordnet den Fluorit in die neue und prĂ€zisere Abteilung der âEinfachen Halogenide ohne H2Oâ ein. Diese Abteilung ist allerdings noch weiter unterteilt nach dem StoffmengenverhĂ€ltnis zwischen Metall (M) und Halogenid (X), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung âM : X = 1 : 2â zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit dem hypothetischen Mineral Cerfluorit und dem Frankdicksonit die unbenannte Gruppe 3.AB.25 bildet.
Die im englischen Sprachraum gebrĂ€uchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Fluorit in die Klasse der âHalogenide (und Verwandte)â und dort in die Abteilung der âHalogenideâ ein. Hier ist er namensgebendes Mineral der âFluoritgruppeâ mit der System-Nr. 09.02.01 und den weiteren Mitgliedern Frankdicksonit, Tveitit-(Y) und Strontiofluorit innerhalb der Unterabteilung der âWasserfreien und wasserhaltigen Halogenide mit der Formel AX2â.
Fluorit kommt meist massiv, gelegentlich auch in kristalliner Form vor und entsteht primÀr in GÀngen und ist oft mit Baryt, Quarz, Topas, Calcit, Bleiglanz und Zinkblende assoziiert. Er bildet gelegentlich auch Nebengemengteil in Graniten, Karbonatiten und anderen magmatischen Gesteinen wie Pegmatiten.
Der weltweit gröĂte Flussspat-Bergbau findet sich in Mexiko, in der LagerstĂ€tte Las Cuevas, die vulkanischen Ursprungs ist. Weitere reichhaltige Flussspat-LagerstĂ€tten liegen in China, im indischen Amba Dongar, in SĂŒdafrika (Zwartkloof sowie Witkop im Transvaal), in Namibia (Okorusu), im kenianischen Kario Valley und in den US-amerikanischen Bundesstaaten Illinois und Kentucky. Eine bekannte FundstĂ€tte des Flussspats in Europa ist Castleton, im englischen Peak District, wo es unter dem Namen âBlue Johnâ bekannt ist und fĂŒr die Schmuckherstellung abgebaut wird. Der Name ist eine Verballhornung des Französischen âbleu et jauneâ, bedeutet also etwa âblau-gelbâ.
Deutsche LagerstĂ€tten sind zum Beispiel die Grube Clara bei Oberwolfach im Schwarzwald und die Grube KĂ€fersteige bei Pforzheim; daneben findet sich Fluorit auch im OberpfĂ€lzer Wald (Umgebung von Nabburg), im Schortetal bei Ilmenau im ThĂŒringer Wald (siehe auch: Schaubergwerk Volle Rose), im Erzgebirge bei Freiberg und BĂ€renstein [7][8], im Vogtland in Schönbrunn (VogtlĂ€ndische FluĂspatwerke bzw. Patriot) und im östlichen Harz bei StraĂberg. In geringen Mengen fand er sich in vielen MinerallagerstĂ€tten Deutschlands.
In Ăsterreich ist beispielsweise das â inzwischen erschöpfte â Vorkommen Vorderkrimml bekannt, heute Schaustollen.
Fluorit bildet hĂ€ufig gut ausgebildete, wĂŒrfelförmige und oktaederförmige Kristalle. In Kombination mit diesen Hauptformen zeigen Fluoritkristalle oft FlĂ€chen weiterer Formen. Verbreitet sind FlĂ€chen des Rhombendodekaeders {110}, Tetrakishexaeders {210} (zusĂ€tzliche FlĂ€chen parallel zu den WĂŒrfelkanten), ferner des Ikositetraeders {211} oder {311} und Hexakisoktaeders {421}.
Die WĂŒrfelflĂ€chen sind meist glatt und glĂ€nzend. Oktaeder- und RhombendodekaederflĂ€chen erscheinen dagegen oft rau und matt und sind dann meist aus winzigen WĂŒrfelflĂ€chen zusammengesetzt. Bei den im Handel verbreiteten losen, oktaederförmigen Fluoritkristallen mit glatten glĂ€nzenden FlĂ€chen handelt es sich fast nie um in dieser Form gewachsene Kristalle sondern um Spaltoktaeder.
Weiterhin bildet Fluorit kugelförmige und traubenförmige Aggregate, Krusten oder auch Stalaktiten.
Fluorit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der höchstsymmetrischen Kristallklasse m3m (kubisch-hexakisoktaedrisch) beziehungsweise der Raumgruppe Fm3m. In der Kristallstruktur bilden die Ca2+-Ionen eine kubisch dichtestete Kugelpackung, die einem kubisch flĂ€chenzentrierten Gitter (fcc, face centered cubic) entspricht. Die FlĂ€chenzentrierung der Elementarzelle (siehe Bild links) kann auch aus dem Raumgruppensymbol abgelesen werden (âFâ). Die Fluoridionen (Fâ) besetzen alle TetraederlĂŒcken der dichtesten Kugelpackung aus Calciumionen. Da in einer dichtesten Kugelpackung immer doppelt so viele TetraederlĂŒcken wie Packungsteilchen enthalten sind, ergibt sich in der Struktur ein Calcium-Fluor-VerhĂ€ltnis von 1:2, was sich auch in der chemischen Formel des Fluorits, CaF2, widerspiegelt. Als Koordinationspolyeder ergibt sich fĂŒr die Fluoridionen dadurch ein Tetraeder aus vier Calciumionen, die Calciumionen ihrerseits werden von acht Fluoratomen in Form eines WĂŒrfels umgeben. Die Kationen- und Anionen-Teilgitter sind nicht kommutativ, d. h. gegeneinander austauschbar. Die so genannte Fluorit-Struktur findet sich bei einer Reihe weiterer Salze, wie bei den Fluoriden SrF2, BaF2, CdF2, HgF2 und PbF2. Auch kommt die Fluorit-Struktur beispielsweise bei Li2O, Li2S, Na2O, Na2S, K2O, K2S, Rb2O und Rb2S vor. Seine Kristallstruktur ist isotyp mit Uraninit.
Industriell wird Fluorit hauptsÀchlich verwendet
Aufgrund seiner eher geringen HĂ€rte ist Fluorit als Schmuckstein fĂŒr die gewerbliche Schmuckindustrie eher uninteressant. Gelegentlich wird er von Glyptikern und Hobbyschleifern zu kleinen, kunstgewerblichen GegenstĂ€nden oder facettierten Schmucksteinen verarbeitet[9].
Da er aber durch seine Farbenvielfalt mit vielen Edelstein-Mineralen verwechselt werden kann, dient er oft als Grundlage fĂŒr Imitationen. Um die Farben zu verĂ€ndern, wird Fluorit entweder gebrannt oder bestrahlt. Zum Schutz vor BeschĂ€digung oder um SchĂ€den durch Spaltrisse zu ĂŒberdecken werden Schmucksteine aus Fluorit oft mit Kunstharz stabilisiert[10] (siehe auch Schmuckstein).
Monographien:
In Kompendien:
Wissenschaftliche Fachartikel: