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Eine Flussanzapfung entsteht, wenn sich ein Flusslauf zu einem anderen hin verlagert und diesem (im wörtlichen Sinne) „das Wasser abgräbt“. Die Wasserscheide wird hierbei durchbrochen und verlagert sich: Der angezapfte Fluss verkümmert unterhalb der Anzapfungsstelle, dort kann ein Trockental entstehen, während der andere seine Wassermenge mit dem Fremdwasser vermehrt.
Eine ungewöhnlich starke Flussabbiegung kann als Hinweis auf einen derartigen Vorgang gedeutet werden – man bezeichnet sie als Anzapfungsknie.
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Als Anzapfung im strengen Sinne werden nur relativ plötzliche Ereignisse gesehen, langfristigere geodynamische Prozesse und deren hydrographischen Auswirkungen fasst man in der moderneren Literatur unter dem Ausdruck Flussablenkung zusammen. Tatsächlich ist die „Plötzlichkeit“ in geologischen Zeiträumen immer mit Vorbehalt zu betrachten und umfasst meist mehrere Zwischenstadien.
Für die Flussanzapfung lassen sich mehrere Ursachen festmachen, die in der geologischen Entwicklung ineinander übergreifende Prozesse darstellen können, die zu den heutigen Flussläufen geführt haben:
Eine „moderne“ Form tritt im Wasserkraftwerksbau auf, wo durch Anzapfung Wasser eines Einzugsgebietes einem fernen Krafthaus zugeleitet wird. Einem Vertrocknen des Flusses kann nur durch Restwassergabe entgegengewirkt werden. Im Kraftwerksbau wird diese gesetzlich oder vertraglich verankert, wo sie fehlt (Großprojekte außerhalb der Industrienationen), können großräumige hydrologische Veränderungen auftreten.