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Die Folgen der globalen ErwĂ€rmung sind zahlreiche, den Menschen und seine Umwelt betreffende weltweite VerĂ€nderungen. Globale ErwĂ€rmung ist der beobachtete und prognostizierte Trend zu einer höheren globalen Durchschnittstemperatur mit Folgen wie steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher, Verschiebung von Klimazonen, Vegetationszonen und LebensrĂ€umen, verĂ€ndertes Auftreten von NiederschlĂ€gen, stĂ€rkere oder hĂ€ufigere Wetterextreme wie Ăberschwemmungen und DĂŒrren, Ausbreitung von Parasiten und tropischen Krankheiten sowie mehr UmweltflĂŒchtlinge. Massenmedien sprechen in diesem Zusammenhang verschiedentlich von einer âKlimakatastropheâ. Einige der Folgen sind im Klimawandelindex quantitativ zusammengefasst.
WĂ€hrend weitgehend Einigkeit ĂŒber die Ursachen der globalen ErwĂ€rmung besteht[1] (hauptsĂ€chlich menschliche Emissionen von Treibhausgasen), werden ihre Folgen intensiv erörtert (siehe dazu auch unter: Kontroverse um die globale ErwĂ€rmung). Einige Folgen sind bereits jetzt spĂŒrbar, andere werden erst in der Zukunft erwartet.
Nach einer Studie des Stockholm Resilience Centre von 2009 ist der ermittelte Grenzwert fĂŒr den Kohlendioxidgehalt der AtmosphĂ€re bereits um 11 % ĂŒberschritten, so dass der anthropogene Klimawandel nach dem Artensterben das zweitgröĂte globale ökologische Problem darstellt.
Ăber die möglichen Folgen der ErwĂ€rmungen informieren auch die Unterartikel Folgen der globalen ErwĂ€rmung in Deutschland, Folgen der globalen ErwĂ€rmung in Europa, Folgen der globalen ErwĂ€rmung in der Arktis, Folgen der globalen ErwĂ€rmung in der Antarktis sowie Folgen der globalen ErwĂ€rmung fĂŒr den Weinbau.
In welchem AusmaĂ die Durchschnittstemperatur im Laufe des 21. Jahrhunderts ansteigt, hĂ€ngt insbesondere von der Menge an Treibhausgasen ab, die ausgestoĂen werden. Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss fĂŒr KlimaĂ€nderungen) geht in seinem aktuellen Vierten Sachstandsbericht davon aus, dass sich die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 abhĂ€ngig vom weiteren Anstieg der Emissionen um 1,1 bis 6,4 °C erhöht.[2]
Steigende Durchschnittstemperaturen verschieben das Temperaturspektrum. WĂ€hrend extreme KĂ€lteereignisse seltener auftreten, werden auĂergewöhnliche Hitzeereignisse wahrscheinlicher. Wegen der möglichen Auswirkungen auf menschliche Sicherheit, Gesundheit, Wirtschaft und Umwelt hat die globale ErwĂ€rmung groĂe Risiken, kann sich aber örtlich und regional auch positiv auswirken. Einige VerĂ€nderungen der Umwelt, die Menschen und Ăkosysteme gemeinsam betreffen, sind schon wahrzunehmen. Dazu gehören steigende Meeresspiegel, Gletscherschmelze oder statistisch signifikante Abweichungen vom gewöhnlichen Wettergeschehen (siehe unten). Ob diese und weitere Folgen eintreten und wie stark sie sein werden, wird dabei recht unterschiedlich eingeschĂ€tzt. Die Folgen des Klimawandels prĂ€gen sich regional und lokal ganz unterschiedlich aus und haben individuelle Folgen. Die Klimamodelle beschreiben derzeit auf globaler Ebene die Folgen recht gut, können diese jedoch auf regionaler Ebene nur recht unsicher abschĂ€tzen.[3]
Wie stark die VerĂ€nderungen sein werden, hĂ€ngt davon ab, wie rasch der Klimawandel fortschreitet. Falls er in sehr kurzer Zeit erfolgen sollte, werden sowohl die ökonomischen Anpassungskosten als auch die EinflĂŒsse auf die Natur voraussichtlich drastisch spĂŒrbar sein. Der ErwĂ€rmungstrend setzt absehbar nicht nur die Ăkosysteme, sondern auch Milliarden Menschen enormen Belastungen z. B. hinsichtlich der Wasserversorgung aus.
Dem IPCC zufolge weisen von 29.436 Serien mit Beobachtungsdaten aus 75 Studien, die signifikante VerĂ€nderungen in physikalischen oder biologischen Systemen aufzeigen, 89 % mit den Erwartungen ĂŒber eine erwĂ€rmte Welt ĂŒbereinstimmende VerĂ€nderungen auf.[4] Mit ĂŒber 28.000 DatensĂ€tzen zu biologischen VerĂ€nderungen ist Europa hierbei deutlich ĂŒberreprĂ€sentiert, doch dass hiervon 90 % eine mit der ErwĂ€rmung ĂŒbereinstimmende VerĂ€nderung anzeigen macht das Ergebnis auch sehr robust. In anderen Regionen und weltweit zu den physikalischen Systemen liegen deutlich weniger DatensĂ€tze vor, deren Kongruenz mit dem ErwĂ€rmungssignal allerdings mit 88 % bis 100 % ebenfalls sehr hoch liegt.[5]
Eine der bereits sichtbaren Folgen der globalen ErwĂ€rmung ist das zeitlich verĂ€nderte Auftreten der Jahreszeiten in klimatischer Hinsicht (nicht astronomischer). Der FrĂŒhling beginnt regional unterschiedlich fast zwei Wochen frĂŒher,[6] wie beispielsweise das Wanderverhalten von Zugvögeln zeigt. Eine Untersuchung ĂŒber das Verhalten von 130 Tierarten zeigte eine durchschnittliche Vorverschiebung arttypischer saisonabhĂ€ngiger Verhaltensweisen um 3,2 Tage pro Jahrzehnt. Nördlich des 45. Breitengrades (etwa die Höhe von Turin in Norditalien) lebende Tiere wiesen dabei sogar eine Abweichung um 4,4 Tage je Dekade auf.[7]
Auch phĂ€nologische Beobachtungen an Pflanzen zeigen die ErwĂ€rmung an. Im Mittel beginnt die Blattentfaltung und BlĂŒte in Europa 2,4â3,1 Tage pro Dekade, in Nordamerika 1,2â2,0 Tage pro Dekade frĂŒher.[8] Der Jahresgang des Kohlenstoffdioxidgehalts der AtmosphĂ€re, der auf der Nordhalbkugel im Winter sein Maximum erreicht, bestĂ€tigt ebenfalls die VerfrĂŒhung des FrĂŒhjahrs. Der RĂŒckgang zum sommerlichen Minimum trat bereits Ende der 1990er Jahre 7 Tage frĂŒher ein als 1960.[9] Eine Folge fĂŒr die Fauna ist die Verschiebung gewohnter Rhythmen. FĂŒr bestimmte untersuchte Vogelarten, etwa die Kohlmeise, wurde festgestellt, dass ihre Jungen verstĂ€rkt mit Nahrungsproblemen zu kĂ€mpfen hatten. Da sich der Lebenszyklus einer als Hauptnahrungsquelle dienenden Raupenart zeitlich nach vorne verlagert hatte und die Vögel mit ihrem Brutverhalten nur teilweise nachfolgen konnten, verlieren die Jungvögel eine wichtige Nahrungsgrundlage.[10]
Desgleichen wird eine VerspĂ€tung der Herbstphasen beobachtet, sichtbar am Beginn der LaubverfĂ€rbung. Diese VerĂ€nderungen variieren jedoch stĂ€rker und sind nicht so stark wie die der FrĂŒhjahrsphasen ausgeprĂ€gt. In Europa hat sich der Zeitpunkt der LaubverfĂ€rbung in den letzten 30 Jahren um 0,3â1,6 Tage pro Dekade verspĂ€tet. Insgesamt hat sich die Vegetationsperiode in den letzten drei bis fĂŒnf Jahrzehnten um bis zu 3,6 Tage pro Jahrzehnt verlĂ€ngert.[8]
Eine weitere Folge ist das vorgezogene Aufbrechen von See- und Flusseis, dem das verspĂ€tete Einfrieren im Winter entspricht. Zwischen 1846 und 1995 froren Seen und FlĂŒsse auf der Nordhalbkugel mit einer durchschnittlichen Verzögerung von 5,8 Tagen je Jahrhundert spĂ€ter zu, und gleichzeitig brach das Eis auf ihnen im Durchschnitt 6,5 Tage je Jahrhundert frĂŒher auf.[11]
Die Risiken fĂŒr Ăkosysteme auf einer erwĂ€rmten Erde verĂ€ndern sich erheblich mit dem Umfang und dem Tempo des weiteren Temperaturanstiegs. Unterhalb einer ErwĂ€rmung von 1 °C sind die Risiken vergleichsweise gering, fĂŒr anfĂ€llige Ăkosysteme jedoch nicht zu vernachlĂ€ssigen. Zwischen 1 °C und 2 °C ErwĂ€rmung liegen signifikante und auf regionaler Ebene mitunter substanzielle Risiken vor. Eine ErwĂ€rmung oberhalb von 2 °C birgt enorme Risiken fĂŒr das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, deren LebensrĂ€ume nicht lĂ€nger ihren Anforderungen entsprechen. Diese Arten werden verdrĂ€ngt oder können aussterben, wenn sie den sich geographisch schnell verschiebenden Vegetationszonen nicht folgen können.[12] Andere Arten können sich unter den verĂ€nderten Bedingungen stĂ€rker ausbreiten. DarĂŒber hinaus drohen ĂŒber 2 °C Temperaturanstieg sogar kollabierende Ăkosysteme, deutlich verstĂ€rkt auftretende Hunger- und Wasserkrisen sowie weitere sozioökonomische SchĂ€den, besonders in EntwicklungslĂ€ndern.[13]
Eine 2007 in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Modellstudie deutet drastische Folgen fĂŒr Lebewesen in allen Klimazonen der Welt unter den Bedingungen der ErderwĂ€rmung an. Aus biologischer Sicht am stĂ€rksten betroffen werden demnach wahrscheinlich Tropengebiete sein, weil sie historisch gesehen bislang den geringsten Schwankungen ausgesetzt waren. Ihre AnpassungsfĂ€higkeit wird deshalb als Ă€uĂerst gering eingeschĂ€tzt. Bis 2100 droht auf bis zu 39 % der globalen LandflĂ€chen das Entstehen völlig neuartiger Klimate, vor allem in den Tropen und Subtropen, gefolgt von den Polargebieten und Gebirgen. Auf bis zu 48 % der LandflĂ€chen könnten die bisherigen Klimate verschwinden und durch andere ersetzt werden.[14]
Tiere wandern mit steigenden Temperaturen zunehmend polwĂ€rts. Eine Untersuchung an 1.700 Spezies besagt, dass diese sich um durchschnittlich 6,1 km pro Jahrzehnt den Polen nĂ€hern bzw. sich mit 6,1 m pro Dekade in höhere Gebirgslagen zurĂŒckziehen. FĂŒr 279 dieser Spezies konnte ein so genannter âdiagnostischer Fingerabdruckâ ermittelt werden, der andere EinflussgröĂen auf dieses Verhalten als den Klimawandel nahezu ausschlieĂt.[15] FĂŒr Westeuropa fand eine andere Studie fĂŒr den Zeitraum von 1905 bis 2005 eine durchschnittliche AufwĂ€rtswanderung von 29 m pro Jahrzehnt fĂŒr 171 Pflanzenarten vor.[16] Besonders betroffen sind deshalb Spezies, die in Polargebieten oder auf Bergen leben und keine oder nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten besitzen. Eine Studie, die 1.103 Pflanzen- und Tierarten untersuchte, die 20 % der ErdoberflĂ€che abdecken, ergab, dass bei einer geringen ErwĂ€rmung von 0,8 bis 1,7 °C bis 2050 etwa 18 % der untersuchten Spezies aussterben wĂŒrden. Bei einer mittleren ErwĂ€rmung von 1,8 bis 2,0 °C im gleichen Zeitraum wĂŒrden etwa 24 % aller Arten aussterben und bei einer hohen ErwĂ€rmung von ĂŒber 2 °C wĂ€ren es hiernach sogar ca. 35 %.[17]
In den Ozeanen ist etwa 50-mal mehr Kohlenstoff enthalten als in der AtmosphĂ€re. Der Ozean wirkt als groĂe Kohlenstoffdioxidsenke und nimmt circa ein Drittel der durch menschliche AktivitĂ€ten freigesetzten Menge Kohlenstoffdioxid auf.[18] In den oberen Schichten der Ozeane wird es teilweise durch Photosynthese gebunden. WĂŒrden die Meere kein Kohlendioxid lösen, lĂ€ge die atmosphĂ€rische Konzentration von Kohlenstoffdioxid heute um 55 ppm (parts per million, Teile pro Million) höher, statt bei 380 ppm also bei wenigstens 435 ppm. Ăber den Zeitraum von Jahrhunderten gerechnet, sind die Ozeane in der Lage, zwischen 65 % und 92 % der anthropogenen CO2-Emissionen aufzunehmen. Verschiedene Effekte sorgen jedoch dafĂŒr, dass mit steigenden Temperaturen und wachsendem atmosphĂ€rischem CO2-Anteil die AufnahmefĂ€higkeit der Meere fĂŒr Kohlenstoff abnimmt. Wie weit die AufnahmefĂ€higkeit sinkt, lĂ€sst sich schwer beziffern, dĂŒrfte aber bereits zum Ende des 21. Jahrhunderts 4 â 15 % betragen.
Die "Versauerung der Meere" ist ein Paralleleffekt der steigenden Konzentration von Kohlendioxid in der AtmosphÀre. Obwohl sie keine direkte Folge der ErwÀrmung ist, wird sie hÀufig in diesem Zusammenhang diskutiert und auch hier erwÀhnt.
Kohlendioxid senkt den pH-Wert der Ozeane.[19][20] Die HydrosphÀre nimmt etwa 92 Gigatonnen (Gt) atmosphÀrischen Kohlenstoff pro Jahr auf. Etwa 90 Gt davon werden von den Weltmeeren wieder abgegeben, und 2 ± 1 Gt speichern sie (insgesamt beherbergen die Meere gegenwÀrtig etwa 38.000 Gt Kohlenstoff). Seit 1800 haben die Ozeane zwischen 27 und 34 % der anthropogenen CO2-Emissionen oder 118 ± 19 Milliarden Tonnen (Gt) Kohlenstoff (C) aufgenommen. Damit haben sich die Ozeane zu einer bedeutenden CO2-Senke entwickelt, die sie zuvor so nicht gewesen waren.
Das Kohlendioxid verbindet sich teilweise mit dem Wasser zu KohlensĂ€ure, was zur Versauerung der Ozeane beitrĂ€gt. Der durchschnittliche pH-Wert hat sich seit der Zeit vor der Industriellen Revolution (vor 1750) bis zum Jahr 2006 von 8,16 auf 8,05 verringert. Bei einer Verdoppelung der atmosphĂ€rischen CO2-Konzentration im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wird mit einer weiteren Absenkung auf 7,91 gerechnet, bei einer Verdreifachung auf 7,76.[21] Dieser Effekt verlangsamt zwar die ErderwĂ€rmung, zieht aber schwerwiegende Folgen unter anderem fĂŒr Tiere mit einem Schutzmantel aus Kalk nach sich. Betroffen sind besonders Korallen, bei denen die der Tropen und Subtropen zu den an meisten gefĂ€hrdeten zu zĂ€hlen sind, und Kleinstlebewesen wie winzige Meeresschnecken und Zooplankton, die am Anfang der Nahrungskette stehen. Die Tiefe, unterhalb derer sich Kalk im Ozean auflöst, hat sich in den letzten 200 Jahren um 400 Meter nach oben verschoben.[22]
Gegen Ende des 21. Jahrhunderts wird ein um bis zu 0,4 Punkte gesunkener und damit so niedriger pH-Wert in den Ozeanen erwartet, wie er seit mindestens 650.000 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Dieser Zustand ist nach menschlichen MaĂstĂ€ben irreversibel, und es wird wenigstens einige zehntausend Jahre dauern, bis auf natĂŒrlichem Weg der vorindustrielle SĂ€uregrad wieder hergestellt sein kann.
Als Folge der ErderwĂ€rmung erhöht sich der Meeresspiegel. Nach verschiedenen Szenarien des IPCC sind bis 2100 Anstiege zwischen 0,19 m und 0,58 m möglich, wobei die Erhöhung nicht gleichmĂ€Ăig ausfĂ€llt sondern sich aufgrund von Meeresströmungen und anderen Faktoren regional unterschiedlich darstellt. Von diesen Berechnungen noch ausgenommen sind die schwer zu modellierenden Eisschilde Grönlands und der Antarktis, die aber zum Teil bereits jetzt und möglicherweise kĂŒnftig zunehmend abschmelzen.[2] Der Meeresspiegel war bislang um 1 cm bis 2 cm pro Jahrzehnt gestiegen und erhöht sich aktuell mit etwa 3 cm pro Dekade.[23] FĂŒr die Meeresspiegelerhöhung werden im Wesentlichen zwei Faktoren verantwortlich gemacht: Zum einen dehnt sich das Meerwasser bei höheren Temperaturen stĂ€rker aus, zum anderen kommt es bei höheren Temperaturen zum verstĂ€rkten Abschmelzen von Gletschern (siehe unten).
Allein fĂŒr die thermische Ausdehnung bis 2100 werden Werte von zwischen 13 und 18 cm (bei Erhöhungen der Lufttemperatur um 1,1 bis 1,5 °C) bis hin zu 19 und 30 cm (bei 2,2 bis 3,5 °C) genannt, die sich noch durch die hinzukommenden BeitrĂ€ge des Schmelzwassers wenigstens verdoppeln dĂŒrften.[24] Wenn sich die ErwĂ€rmung bei 3 °C gegenĂŒber dem vorindustriellen Wert stabilisiert, wird eine Meeresspiegelerhöhung bis zum Jahr 2300 um 2,5-5,1 m prognostiziert. Davon wĂŒrden 0,4-0,9 m durch die thermische Ausdehnung, 0,2-0,4 m durch das Abschmelzen von Gebirgsgletschern, 0,9-1,8 m durch das Abschmelzen der Gletscher Grönlands und 1â2 m durch das Schmelzen der Gletscher der Westantarktis beigetragen.[19]
Besonders einige kleine LĂ€nder im Pazifischen Ozean, deren LandflĂ€che nur wenig ĂŒber dem Meeresspiegel liegt, mĂŒssen fĂŒrchten, dass sie in den nĂ€chsten Jahrzehnten im Meer versinken, falls der Anstieg sich nicht verlangsamt.[25] Neben Inselstaaten sind besonders KĂŒstenregionen und -stĂ€dte bedroht. Zu den Risiken gehören gesteigerte KĂŒstenerosion, höhere Sturmfluten, verĂ€nderte Grundwasserspiegel, SchĂ€den an GebĂ€uden und HĂ€fen oder die Verschlechterung der Bedingungen fĂŒr Landwirtschaft und Aquakulturen. Ohne GegenmaĂnahmen wĂŒrden bei einem Anstieg des Meeresspiegels um 1 m weltweit 150.000 kmÂČ LandesflĂ€che dauerhaft ĂŒberschwemmt werden, davon 62.000 kmÂČ kĂŒstennaher Feuchtgebiete. 180 Millionen Menschen wĂ€ren betroffen, und 1,1 Billionen Dollar an zerstörtem Besitz wĂ€ren zu erwarten (bei heutiger Bevölkerung und Besitzstand).[26] Umfassender KĂŒstenschutz wĂŒrde mehr als 180 der 192 betroffenen LĂ€nder weltweit bis zum Jahr 2085 weniger als 0,1 % ihres BIP kosten.[27]
Die Meere erwĂ€rmen sich mit den steigenden Temperaturen der AtmosphĂ€re zusĂ€tzlich. Dadurch kommt es zur thermischen Ausdehnung des Wassers, was einen Beitrag zum ansteigenden Meeresspiegel leistet (siehe oben). FĂŒr das Ăkosystem Ozean gravierender sind aber die zahlreichen weiteren mit einer erhöhten Wassertemperatur einhergehenden Effekte. Global gemittelt haben sich die Ozeane seit 1955 um 0,04 °C erwĂ€rmt. Diese geringe ErwĂ€rmung liegt darin begrĂŒndet, dass bislang nur einige hundert Meter der obersten Wasserschichten wĂ€rmer geworden sind. Betrachtet man lediglich die OberflĂ€chentemperaturen, fĂ€llt die ErwĂ€rmung mit 0,6 °C bereits sehr viel deutlicher aus. Sie ist dennoch geringer als die Erhöhung der OberflĂ€chentemperaturen an Land, da LandflĂ€chen sich allgemein schneller erwĂ€rmen.[19] Zwischen 1993 und 2005 wird die gesamte ErwĂ€rmungsrate der obersten 750 m Meerestiefe mit 0,33 ± 0,23 W/mÂČ berechnet.
Die ErwĂ€rmung der Meere hat Folgen fĂŒr ihre Bewohner wie Fische und MeeressĂ€uger. Sie wandern polwĂ€rts, worin sie den Landtieren Ă€hneln. Die Populationen des Kabeljaus in der Nordsee etwa schrumpfen stĂ€rker, als es allein mit Ăberfischung erklĂ€rt werden kann, sie wandern in Folge der steigenden Temperaturen bereits nordwĂ€rts. Nördlich gelegene Regionen profitieren von dieser Entwicklung: FĂŒr das Nordmeer ist davon auszugehen, dass sich der Fischfang insgesamt verbessern und die Zusammensetzung des Fangs Ă€ndern wird, so lange die ErwĂ€rmung sich auf 1â2 °C beschrĂ€nkt. FĂŒr darĂŒber hinausgehende Steigerungsraten und ihre Folgen können keine Prognosen abgegeben werden, da die Unsicherheiten zu groĂ sind.
Besonders negativ betroffen sind wiederum die Korallenriffe.[19] Die ErwĂ€rmung des Meerwassers ruft bei ihnen die so genannte Korallenbleiche hervor, die zwar reversibel ist, bei lĂ€nger anhaltender Belastung aber zum Tod der Koralle fĂŒhrt. Seit den 1950er Jahren sind bereits (auch durch nicht-selektive Fischfangmethoden wie Dynamit- und Cyanidfischerei) 20 % aller Korallenriffe zerstört worden. Weitere 24 % stehen kurz vor dem Kollaps, und 26 % sind gefĂ€hrdet. Tropische Korallen haben wenig Toleranzen gegenĂŒber steigenden Temperaturen, sie beginnen bereits bei 1â2 °C ĂŒber dem sommerlichen Temperaturmaximum auszubleichen. Es muss als zweifelhaft gelten, dass die Korallen sich schnell genug an die globale ErwĂ€rmung und ihre Auswirkungen auf die Meerestemperaturen anpassen können, wenngleich dies nicht ausgeschlossen werden kann.
Die globale ErwĂ€rmung kann auch weniger offensichtliche Wirkungen haben: Der Nordatlantikstrom als Teil des globalen Förderbands wird unter anderem dadurch angetrieben, dass sich im Nordpolarmeer mit dem Golfstrom herangetragenes Wasser abkĂŒhlt. In der Folge erhöht sich die Dichte des OberflĂ€chenwassers, das daraufhin in tiefere Schichten des Ozeans absinkt. Dieses Absinken fĂŒhrt erstens zu einem Sog, der immer wieder neues OberflĂ€chenwasser heranströmen lĂ€sst, und setzt zweitens eine dauernde Zirkulation des Meerwassers in Gang, weil sich in der Tiefsee eine in entgegengesetzte Richtung flieĂende Strömung herausbilden kann. Dieses Zusammenspiel wird auch thermohaline Zirkulation genannt.
In den vergangenen 120.000 Jahren ist der Nordatlantikstrom mehrfach unterbrochen worden.[28] Ursache dafĂŒr war der Zufluss groĂer Mengen SĂŒĂwassers, welches den Verdichtungsprozess abschwĂ€chte und das Absinken des OberflĂ€chenwassers verhinderte. Bei einem dieser Ereignisse entleerte sich ein in Kanada gelegener riesiger Schmelzwassersee, der sich in der ErwĂ€rmungsphase am Ende einer Eiszeit gebildet hatte. Die enormen Mengen an zusĂ€tzlichem SĂŒĂwasser verhinderten das Absinken des Meerwassers, und der Nordatlantikstrom setzte aus. FĂŒr Europa bedeutete dies die Fortsetzung der eigentlich gerade zu Ende gehenden Eiszeit.
Durch die globale ErwĂ€rmung könnte theoretisch durch den verstĂ€rkten Eintrag von SĂŒĂwasser aus grönlĂ€ndischen Gletschern eine erneute Unterbrechung geschehen. Ein Versiegen des Golfstroms hĂ€tte, wenn auch keine Eiszeit, so doch einen starken KĂ€lteeinbruch in ganz West- und Nordeuropa zur Folge. Falls sich das Klima weiter erwĂ€rmt, könnte es mit der Zeit auch zu Ă€hnlichen VerĂ€nderungen der ĂŒbrigen ozeanischen Strömungen mit weit reichenden Folgen kommen. Eine Unterbrechung des Nordatlantikstroms wird bislang von den beteiligten Wissenschaftlern als zumindest mittelfristig sehr unwahrscheinlich erachtet.[29] Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird nach Simulationen mit Klimamodellen eine leichte AbschwĂ€chung des Nordatlantikstroms erwartet. Die vor einigen Jahren veröffentlichten Berichte, nach denen bereits ein sehr starker RĂŒckgang gemessen werden konnte, haben sich im Nachhinein nicht bestĂ€tigt. Vielmehr wurde durch die genauere Untersuchung des Nordatlantikstroms in den letzten Jahren deutlich, dass dieser starken natĂŒrlichen Schwankungen unterliegt, aber bisher keine AbschwĂ€chungstendenzen aufweist.[30] Einer Anfang 2008 veröffentlichten Studie zufolge ist es infolge der ErwĂ€rmung seit der letzten Eiszeit zu einer VerstĂ€rkung der ozeanischen Zirkulation gekommen, und eine weitere ErwĂ€rmung der mittleren AtmosphĂ€renschichten in Zusammenhang mit der Globalen ErwĂ€rmung wĂŒrde zu einer weiteren VerstĂ€rkung der Meeresströmungen fĂŒhren.[31]
Simulationen ergeben, dass sich die atlantische thermohaline Zirkulation kĂŒnftig abschwĂ€chen kann, was zu einem atlantischen La Nina-Zustand mit starker ErwĂ€rmung des Golfs von Guinea fĂŒhrte. Damit wĂŒrde der Westafrikanische Monsun zusammenbrechen und in der Folge nach Norden in die Sahara ausweichen. Ein ErgrĂŒnen dieser Region gehört damit zu den möglichen Effekten der globalen ErwĂ€rmung.[32][33]
Eng mit dem Anstieg des Meeresspiegels verbunden, aber mit zahlreichen weiteren Folgen fĂŒr Trinkwasserversorgung und lokale Ăkosysteme einhergehend, ist der RĂŒckgang der Gebirgsgletscher, der im 19. Jahrhundert begann und sich seitdem erheblich beschleunigt hat.[34]
Gletscher sind sehr trĂ€ge Gebilde, was dafĂŒr sorgt, dass sie weniger durch einzelne Wetterlagen beeinflusst werden als vielmehr durch langjĂ€hrige KlimaverĂ€nderungen. Daher sind sie in ihrer Gesamtheit ein guter Indikator fĂŒr langfristige Temperaturtrends, auf die sie deutlich empfindlicher reagieren. 83 % aller Gletscher schrumpften zwischen 1970 und 2004, die durchschnittliche Rate des RĂŒckgangs aller Gletscher betrug dabei 0,31 m pro Jahr.[35] Die Massenbalance der globalen Gletscher ist durch diesen RĂŒckgang seit 1960 deutlich negativ, wie das Schaubild verdeutlicht.
Gletscher dienen FlĂŒssen als Jahreszeiten abhĂ€ngige "WassertĂŒrme", die im Winter Wasser in Form von Eis anhĂ€ufen und dieses im Sommer abgeben. Durch die kontinuierliche Gletscherschmelze seit dem Ende der kleinen Eiszeit nahm die von den FlĂŒssen gefĂŒhrte Wassermenge vor allem im Sommer zu. So hat die zusĂ€tzlich freiwerdende Wassermenge aus den Himalaya-Gletschern zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen ProduktivitĂ€t in Nordindien gefĂŒhrt.[36] Im umgekehrten Fall fĂŒhrte die Ausweitung der Karakorum-Gletscher durch die regional sinkenden Sommertemperaturen seit 1961 zu einer Abnahme der sommerlichen Wassermenge der FlĂŒsse Hunza und Shyok um 20 %.[37]
Den Prognosen des IPCC zufolge wird das Volumen der nordhemisphĂ€rischen Gletscher bis 2050 durchschnittlich um weitere 60 % zurĂŒckgehen.[38][4] In der zweiten HĂ€lfte des 21. Jahrhunderts wird deshalb zunehmend effizienteres Wassermanagement nötig sein, um die dann rĂŒcklĂ€ufigen sommerlichen Wassermengen der FlĂŒsse auszugleichen. Andernfalls wird der RĂŒckgang der verfĂŒgbaren Wassermenge die landwirtschaftliche Produktion in einigen Gebieten erheblich mindern.[39]
Besonders in der Arktis steigt die Wassertemperatur deutlich rascher als im globalen Durchschnitt.[40] Die gesamte Arktis ist in Bewegung. Auch in unmittelbarer NĂ€he des Pols zeigen sich im Sommer zunehmend offene WasserflĂ€chen. Zwischen 1979 und 2005 nahm die beobachtete EisflĂ€che um 1,5 â 2,0 % pro Dekade ab. Am 8. August 2007, einen Monat vor dem normalerweise erst im September erreichten Minimum, wurde mit 5,8 Millionen km2 die geringste je ermittelte Ausdehnung gemessen. Zum 14. August war die Ausdehnung weiter auf 5,4 Millionen km2 gefallen.[41] Der FlĂ€chenverlust hatte sich in den Wintern 2005 und 2006 bereits erheblich beschleunigt. In den beiden Jahren ist die maximale Ausdehnung des Meereises um jeweils 6 % gefallen â eine Steigerung um den Faktor 30 bis 40 im Vergleich zur in den Jahrzehnten zuvor ermittelten Schmelzrate.[42] Zwischen 1979 und 2006 konnte fĂŒr jeden Monat im Vergleich zum Vorjahreswert ein deutlicher Verlust an Meereis festgestellt werden. Am stĂ€rksten ist dieser fĂŒr den September, traditionell der Monat mit der geringsten Ausdehnung, wo er 8,6 ± 2,9 % pro Jahrzehnt betrĂ€gt.[43]
GröĂere Unsicherheiten bestehen in der Erfassung der Dicke des Eispanzers. Hier schwanken die Angaben zwischen 40 % und 8 â 15 % Abnahme. Zwischen Mitte und Ende des 21. Jahrhunderts ist nach Modellberechnungen bei fortschreitender ErwĂ€rmung mit einem eisfreien Nordpolargebiet in den Sommermonaten zu rechnen.[44] Der Massenverlust in Grönland betrĂ€gt nach verschiedenen Messungen zwischen 239 ± 23 km3 und 224 ± 41 km3 pro Jahr.[45]
In der Antarktis zeigt sich bislang ein anderes Bild. Hier erhöhte sich die mittlere Temperatur seit dem 19. Jahrhundert um geschĂ€tzte 0,2 °C.[46] WĂ€hrend sich der antarktische Kontinent letztmalig zwischen 1958 und 1970 leicht erwĂ€rmte, zeigen die antarktischen Temperaturaufzeichnungen der letzten 32 Jahre weder eine ErwĂ€rmung, noch eine AbkĂŒhlung.[47] Ăber die genaue Entwicklung der Antarktis besteht Unsicherheit, da Akkumulation in den Kernbereichen und Schmelzprozesse in den Randbereichen eine geschlossene Massenbilanz sehr erschweren. Die erste vollstĂ€ndige Schwerkraft-Analyse ĂŒber den gesamten antarktischen Eisschild zeigte, dass im Beobachtungszeitraum zwischen April 2002 und August 2005 der jĂ€hrliche Verlust an Eismasse durchschnittlich 152 (± 80) km3 betrug.[48] In dieses komplexe Problem â der im Regelfall sehr trĂ€gen Eisdynamik â spielen zudem lokal wie global ergĂ€nzende Faktoren hinein, die zum Beispiel plattentektonischer oder isostatischer Natur (lokales Absinken, Verengung der Ozeane) sein können. Diese sind eher auf lange ZeitrĂ€ume angelegt. Im Winter 2007 erreichte die FlĂ€che des antarktischen Meereises mit 16,17 Millionen Quadratkilometern[49] die gröĂte Ausdehnung seit Beginn der Messungen im Jahr 1979.[50] Die zunehmende antarktische MeereisflĂ€che kann mit anwachsendem Schneefall durch die sich erwĂ€rmende Luft erklĂ€rt werden.[51]
Schmelzendes Meereis hĂ€tte zumindest fĂŒr den Meeresspiegel nur geringfĂŒgige Folgen (und als positive die Ăffnung der Nordwest- und Nordostpassage fĂŒr die Schifffahrt). Da Meereis aus SĂŒĂwasser besteht und in gefrorenem wie flĂŒssigen Zustand eine geringere Dichte aufweist als das darunter liegende Meerwasser, wĂŒrde das Schmelzen allen Meereises und der schwimmenden Eisschelfe den weltweiten Meeresspiegel um ca. 4 cm anheben.[52] Dagegen sieht das Bild fĂŒr die Eisschilde von Grönland und der Antarktis anders aus. Ein vollstĂ€ndiges Abschmelzen als worst case-Szenario hĂ€tte einen steigenden Wasserpegel von 7 m bzw. 5 m (fĂŒr die westliche Antarktis) zur Konsequenz. Um die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses einschĂ€tzen zu können, sind jedoch weitere Forschungen nötig. Die verfĂŒgbaren Modelle erlauben diesbezĂŒglich keine eindeutige Antwort.[53] Auf jeden Fall mĂŒsste eine solche Schmelze wenigstens einige hundert Jahre dauern, bis die genannten LandflĂ€chen eisfrei wĂ€ren. Das Alter des grönlĂ€ndischen Eisschildes wird auf mindestens 130.000 Jahre geschĂ€tzt, so dass es offenbar auch die wĂ€rmste Phase des HolozĂ€n, das Atlantikum (6.-3. Jahrtausend v. Chr.), ĂŒberstanden haben muss.
Schwere SchĂ€den sind auch beim gegenwĂ€rtigen ErwĂ€rmungstrend besonders fĂŒr Wildtierpopulationen im Nordpolargebiet zu erwarten. In den letzten Jahren wurden besonders die bei EisbĂ€ren bereits aufgetretenen Effekte kontrovers diskutiert. Da sie vom Meereis abhĂ€ngig sind, sie jagen auf dem Eis lebende Robben und nutzen Eiskorridore um von einem Gebiet zu anderen zu ziehen, gilt es als unwahrscheinlich, dass sie als Art ĂŒberleben, wenn es zu einem vollstĂ€ndigen Verlust des sommerlichen Meereises kommen sollte. Anderseits werden beispielsweise in Kanada jĂ€hrlich tausende Robben getötet, was den EisbĂ€ren die Hauptnahrungsquelle stark reduziert. Ebenfalls betroffen sein wird die Lebensweise der Inuit, die auf intakte EisflĂ€chen fĂŒr Begehbarkeit und Jagd angewiesen sind.[54]
Die globale ErwĂ€rmung fĂŒhrt zu einer verĂ€nderten Verteilung und Menge des Regens: NiederschlĂ€ge fallen in anderen Intervallen als vorher ĂŒblich oder verteilen sich neu auf die Jahreszeiten. Auch niederschlagsbedingte Wetterextreme wie Ăberschwemmungen oder DĂŒrren können auf einer erwĂ€rmten Erde zu- oder abnehmen. Zu beachten ist, dass ein einzelnes Ereignis nie direkt auf die globale ErwĂ€rmung zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann. Unter den Bedingungen des Klimawandels verĂ€ndert sich aber die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das Auftreten solcher Ereignisse.
Bei der Kartierung groĂflĂ€chiger Trends der einfallenden Niederschlagsmenge seit 1900 zeigen sich regional deutliche Unterschiede. Mehr Niederschlag entfiel besonders auf Kanada, Nordeuropa, Westindien und Ostaustralien. RĂŒckgĂ€nge von bis zu 50 % wurden besonders in West- und Ostafrika und im Westen Lateinamerikas gemessen.[55] Im Vergleich zu 1980 wird nach einer Modellstudie bis 2050 der Osten Afrikas einen weiteren RĂŒckgang erfahren, ebenso Mittelamerika und eine groĂe Region, die sich von Neuseeland ĂŒber Australien und Neuguinea bis nach Japan erstreckt. Ein deutlicher Anstieg wird fĂŒr den Osten Grönlands, fĂŒr Teile Lateinamerikas und Westafrikas sowie besonders ĂŒber dem Pazifischen Ozean erwartet.[56]
In einer Studie aus dem Jahr 2002 werden mehrere tausend Zeitserien verschiedener klimatischer Indikatoren ausgewertet, die zu dem Schluss fĂŒhren, dass sich die Zahl der Tage mit besonders schwerem Niederschlag signifikant erhöht hat. So haben sich schwere RegenfĂ€lle in GroĂbritannien wĂ€hrend des Winters nahezu verdoppelt. WĂ€hrend in den 1960ern 7â8 % der NiederschlĂ€ge im Winter in die Kategorie Starkregen fielen, waren es Mitte der 90er bereits ca. 15 %.[57] Ebenfalls signifikant gewachsen ist in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die von Wetterextremen betroffene LandflĂ€che, auch wenn fĂŒr Teile Afrikas und SĂŒdamerikas bei der Erstellung der Studie nur unzureichende Daten vorgelegen haben.[58] Menschen in Afrika sind Extremereignissen besonders ausgesetzt, da es hier nur ein schwach ausgebautes meteorologisches Ăberwachungssystem gibt, was hĂ€ufig zu verspĂ€teten und ungenauen Informationen fĂŒhrt.[59]
Eine weltweit 195 FlĂŒsse umfassende Studie von 2005 zeigt fĂŒr 27 davon eine Zunahme an Ăberschwemmungen, fĂŒr 31 eine Abnahme, fĂŒr die restlichen 137 jedoch keine klare Tendenz.[60] Eine andere Studie von 2002 will jedoch einen weltweiten Trend zur Vermehrung besonders schwerer Ăberschwemmungen im Laufe des 20. Jahrhunderts festgestellt haben. Dieser Trend stimme mit den erwarteten Wirkungen der globalen ErwĂ€rmung ĂŒberein, und es wird prognostiziert, dass er sich im 21. Jahrhundert weiter verschĂ€rfe.[61] Dabei ist zu berĂŒcksichtigen, dass menschliche Eingriffe in natĂŒrliche FlussverlĂ€ufe ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf HĂ€ufigkeit und Schwere von Ăberschwemmungen haben können und dass eine zunehmende Ansiedlung von Menschen in FlussnĂ€he den durch eine Ăberschwemmung verursachten Schaden weiter erhöhen könnte.
Regional sind die Hochwassertrends sehr verschieden. FĂŒr Elbe und Oder ergab eine Studie aus dem Jahr 2003 keine Zunahme, sondern vielmehr eine Abnahme der Winterhochwasser und keinen Trend im Hinblick auf Sommerhochwasser ĂŒber die letzten 80 bis 150 Jahre. Der Trend bei den Winterhochwassern sei zumindest teilweise auf die nicht mehr zufrierenden FlĂŒsse zurĂŒckzufĂŒhren, die im Falle der Eisbedeckung als natĂŒrliche Barrieren das AusmaĂ eines Hochwassers verstĂ€rken können.[62]
| Atlantik (seit 1850) | Ostpazifik (seit 1971) | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Rang | Saison | ACE | Rang | Saison | ACE |
| 1 | 2005 | 248 | 1 | 1992 | 290 |
| 2 | 1950 | 243 | 2 | 1990 | 249 |
| 3 | 1893 | 231 | 3 | 1978 | 207 |
| 4 | 1995 | 227 | 4 | 1983 | 206 |
| 5 | 2004 | 224 | 5 | 1993 | 201 |
| 6 | 1926 | 222 | 6 | 1984 | 193 |
| 7 | 1933 | 213 | 7 | 1985 | 192 |
| 8 | 1961 | 205 | 8 | 1994 | 185 |
| 9 | 1955 | 199 | 9 | 1991 | 178 |
| 10 | 1887 | 182 | 10 | 1997 | 167 |
Im Jahr 2006 hielt der International Workshop on Tropical Cyclones der World Meteorological Organization (WMO) fest, dass es Anhaltspunkte fĂŒr und wider das Vorhandensein eines erkennbaren anthropogenen Signals in den bisherigen Aufzeichnungen ĂŒber tropische WirbelstĂŒrme gibt, doch bislang können dazu keine gesicherten Schlussfolgerungen gezogen werden.[63] Ebenso weist die WMO darauf hin, dass kein einzelner tropischer Wirbelsturm direkt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann.[63]
Die IntensitĂ€t tropischer WirbelstĂŒrme folgt nach empirischen Erkenntnissen der OberflĂ€chentemperatur des Meeres. Dabei ist zu beachten, dass diese Temperaturen aus bislang unbekannten GrĂŒnden ĂŒber einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten variieren. Im Nordatlantik wechselt die Atlantische Multidekaden-Oszillation in einem Rhythmus von etwa 50 bis 70 Jahren zwischen âwarmâ und âkaltâ, wĂ€hrend im Nordostpazifik die Pazifische Dekaden-Oszillation alle 20 bis 30 Jahre einen Ă€hnlichen Wechsel vollzieht. Besonders im Nordatlantik lĂ€sst sich hierbei ein Trend erkennen, dass sich bei âwarmerâ AMO deutlich intensivere Hurrikansaisons ereignen als bei âkalterâ.[64] So ereigneten sich sieben der zehn intensivsten Hurrikansaisons (seit Beginn der Messungen im Jahr 1850) in den vorletzten beiden AMO-Warmphasen von ~1850 bis ~1900 sowie ~1925 bis ~1965. In der darauffolgenden Kaltphase, die bis in die frĂŒhen 1990er andauerte, kam es dagegen nur zu vergleichsweise milden Hurrikansaisons. Seit etwa 1995 befindet sich die AMO wieder in einer Warmphase, weshalb die HurrikanintensitĂ€t im Trend wieder deutlich zunahm. Prognosen zufolge wird die Warmphase der AMO bis etwa 2020 ihren Höhepunkt erreichen,[65] wodurch die HurrikanintensitĂ€t im Nordatlantik voraussichtlich bis zu diesem Zeitpunkt hoch bleiben wird.
FĂŒr den Nordostpazifik existieren verlĂ€ssliche Daten der Hurrikanobservation erst seit 1971, weshalb sich hier noch keine SchlĂŒsse ĂŒber langfristige Trends ziehen lassen. Jedoch ereigneten sich auch hier die intensivsten Hurrikansaisons auf dem Höhepunkt der seit 1977 anhaltenden Warmphase der PDO. Seit 1998 zeigt die PDO einen AbkĂŒhlungstrend, und zugleich ereigneten sich seitdem nur unterdurchschnittlich intensive Hurrikansaisons (<100 ACE), mit Ausnahme der Saison 2006 (ACE 120).[66]
Den Statistiken der NOAA zufolge nahm die IntensitĂ€t und insbesondere die Anzahl der Hurrikans im Trend in jeder Warmphase der AMO zu. Einige Forscher sehen in dieser Zunahme die Auswirkung der globalen ErwĂ€rmung,[67] wĂ€hrend andere Studien â so etwa auch eine der NOAA selbst[68] â behaupten, die neuen Observationstechniken und Instrumente seien fĂŒr diesen beobachteten Anstieg verantwortlich. Die WMO erklĂ€rt, dass die dramatischen Verbesserung bei den Techniken der Windgeschwindigkeitsmessung wĂ€hrend der letzten Jahrzehnte es schwierig machen, einen genauen Trend zu bestimmen.[63] WĂ€hrend man im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert auf die selektiven Luftdruck- und Windgeschwindigkeitsmessungen einzelner Stationen und Forschungsschiffe angewiesen war, ermöglichen Satelliten seit den 1970ern die wesentlich genauere Observation von Hurrikans. Einige Forscher weisen darauf hin, dass im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert viele tropische WirbelstĂŒrme unregistriert blieben, wenn sie keine KĂŒste erreichten[69] oder nur wenige Tage existierten.[70]
FĂŒr langfristige Trends in der IntensitĂ€t tropischer WirbelstĂŒrme ist man auf die Rekonstruktionen der PalĂ€otempestologie angewiesen. Die Zahl derartiger Rekonstruktionen hĂ€lt sich aufgrund des jungen Alters dieser Forschungsrichtung bislang in engen Grenzen. Verschiedene Studien zeigen, dass es auch frĂŒher bereits Phasen hoher Sturmfrequenz gab.[71][72] Jedoch werden je nach Ort verschiedene Zeiten und Ursachen fĂŒr solche âhyperaktivenâ Phasen genannt. Eine 1998 veröffentlichte Studie stellt fest, dass innerhalb einer solchen Phase insbesondere die Region um den Golf von Mexiko hĂ€ufig von âkatastrophalen Hurrikansâ der Kategorie 4 und 5 betroffen war.[73]
Nicht von Menschen verursachte WaldbrĂ€nde sind natĂŒrliche VorgĂ€nge, die unregelmĂ€Ăig auftreten und wichtige Funktionen im Ăkosystem Wald ĂŒbernehmen. Durch die Art der Waldnutzung und die UnterdrĂŒckung von wilden Feuern wĂ€hrend des 19. und 20. Jahrhunderts ist in vielen WĂ€ldern besonders der USA die Menge an Holz-Biomasse im Wald teilweise um ein Vielfaches ĂŒber den natĂŒrlicherweise vorkommenden Wert gestiegen. Dies fĂŒhrt dann beim Entstehen eines Brandes zu schwereren und unkontrollierbareren Feuern, nicht selten mit Todesopfern und hohen SachschĂ€den.[74] Neben dieser VerĂ€nderung durch Landnutzung trĂ€gt auch die globale ErwĂ€rmung wahrscheinlich zu verstĂ€rktem Auftreten von WaldbrĂ€nden bei. Eine Studie ĂŒber die westliche USA kommt zu dem Schluss, dass es in der Mitte der 1980er Jahre zu einem sprunghaften Anstieg der Anzahl, StĂ€rke und Dauer von WaldbrĂ€nden kam. Dieser Anstieg geschah in durch Waldnutzung relativ unberĂŒhrten Gebieten, und er hĂ€ngt eng mit beobachtbaren steigenden FrĂŒhlings- und Sommertemperaturen und einer immer frĂŒher einsetzenden Schneeschmelze zusammen. Zwar sei es auch möglich, dass ein noch unbekannter natĂŒrlicher Zyklus ursĂ€chlich fĂŒr diese Effekte sei, doch passe das Muster der VerĂ€nderungen genau in das durch Klimamodelle vorhergesagte Verhalten.[75]
FĂŒr die Zukunft wird eine weitere Verschiebung der Temperaturen hin zu diesem anscheinend waldbrandfördernden Klima erwartet. Da dies sogar unberĂŒhrte Waldgebiete gefĂ€hrdet, sind kĂŒnstlich mit Holz âangefĂŒllteâ WĂ€lder besonders starken Risiken ausgesetzt. In Gegenden mit einer erwarteten Zunahme der Niederschlagstage hingegen dĂŒrften sich bei ansonsten unverĂ€nderten Bedingungen weniger schwere WaldbrĂ€nde ereignen. Eine Regionalstudie ĂŒber das Bundesland Baden-WĂŒrttemberg zum Beispiel erwĂ€hnt einen wahrscheinlichen Anstieg der Waldbrandgefahr bis 2050 im Lee des Schwarzwaldes sowie einen leichten RĂŒckgang im Norden und Westen. Insgesamt erwartet die am Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung erstellte Studie einen ProduktivitĂ€tsgewinn der sĂŒdwestdeutschen WĂ€lder bis zur HĂ€lfte dieses Jahrhunderts, der vor allem durch die verlĂ€ngerte Vegetationsperiode und das schnellere Wachstum in höheren Lagen bedingt wĂ€re, kombiniert mit dem DĂŒngeeffekt des CO2 (siehe auch unten).[76]
Zwischen den globalen Temperaturen und der BiodiversitÀt gibt es einen langfristigen Zusammenhang, der sich anhand von Fossilienfunden bis vor 520 Millionen Jahren feststellen lÀsst. In Zeiten höherer Temperaturen war die Artenvielfalt sowohl im Meer als auch am Land geringer als in Zeiten niedrigerer Temperaturen. Dies deutet darauf hin, dass sich die globale ErwÀrmung negativ auf die BiodiversitÀt auswirken könnte, aber die ursÀchlichen ZusammenhÀnge sind noch unklar.[77]
Laut dem vom Arktischen Rat in Auftrag gegebenen Arctic Climate Impact Assessment wird in zahlreichen polaren Gebieten die Artenvielfalt zunehmen, weil im Zuge der ErwÀrmung neue Spezies in die Arktis einwandern werden und die Gesamtzahl der Arten und deren ProduktivitÀt zunehmen wird.[78]
Einige Wirkungen der globalen ErwĂ€rmung erzeugen wiederum neue EinflĂŒsse auf den Umfang der globalen ErwĂ€rmung, sie wirken als RĂŒckkopplungen im globalen Klimasystem. Einige RĂŒckkopplungen sind negativ, d. h., die ErwĂ€rmung zieht abkĂŒhlende Effekte nach sich. Andere sind positiv, so dass sich die ErwĂ€rmung von selbst verstĂ€rkt.
Vorsichtige AbschĂ€tzungen der durch die ErwĂ€rmung natĂŒrlicherweise forcierten weiteren Freisetzung von Kohlendioxid, einer klassischen positiven RĂŒckkopplung, belaufen sich auf einen den Klimawandel zusĂ€tzlich verstĂ€rkenden Effekt um 15â78 Prozent im Laufe eines Jahrhunderts.[79] Das heiĂt, die durch zwei sinnbildliche von Menschen freigesetzten Teilchen Kohlendioxid ausgelöste ErwĂ€rmung fĂŒhrt ungefĂ€hr zur Freisetzung eines weiteren Teilchens durch die Natur.
Bedingt durch höhere Temperaturen sowie die DĂŒngewirkung von CO2 rechnen manche Klimamodelle[80] mit einem erhöhten Pflanzenwachstum (gemessen an der Biomasse). Dies wird auch durch Beobachtungen der PalĂ€oklimatologie gestĂŒtzt, die von einer AbhĂ€ngigkeit zwischen Biomasse und Temperatur ausgeht. Diese verbesserten Wachstumsmöglichkeiten fĂŒr Pflanzen fĂŒhren zu einem RĂŒckkopplungseffekt: Die Neubildung von Biomasse stellt in den Klimamodellen eine CO2-Senke dar. Die terrestrische BiosphĂ€re alleine absorbiert ca. 20-30 % der anthropogenen CO2 Emissionen und fĂŒhrt dazu, dass es sich langsamer in der AtmosphĂ€re anreichert.[81]
FĂŒr tropische WĂ€lder wurde in einer Langzeitstudie anhand von zwei Gebieten in Panama und Malaysia nachgewiesen, dass eine erhöhte Temperatur zu einer Verringerung des Zuwachses an Biomasse fĂŒhrt, und zwar sowohl insgesamt als auch bei der Mehrzahl der einzelnen Arten.[82]
Eine Erhöhung des Pflanzenwachstums auf der Nordhalbkugel konnte im Zeitraum von 1982 â 1991 durch Satellitenbeobachtung festgestellt werden.[83] Dieser Effekt tritt regional sehr unterschiedlich auf, da auch die VerfĂŒgbarkeit von Wasser Voraussetzung fĂŒr Pflanzenwachstum ist und die Regenverteilung sich als Folge des Klimawandels Ă€ndern kann. Neuere Studien deuten diesbezĂŒglich an, dass es zu keinem Nettozuwachs an Biomasse kommt, da klimabedingt heiĂere Sommer und Wassermangel anscheinend das Pflanzenwachstum hemmen.[84]
Versuche mit GrĂ€sern in einer kĂŒnstlich mit CO2-angereicherten Umgebung ergaben keine signifikant erhöhte Aufnahme von Stickstoff durch die Pflanzen.[85] Experimente an kĂŒnstlich âgedĂŒngtenâ WĂ€ldern[86] ergaben zwar ein gesteigertes Wachstum, zeigten aber auch, dass eine mögliche Mehraufnahme organischen Materials durch die BĂ€ume von einer ebenfalls erhöhten Bodenatmung wieder zunichte gemacht werden könnte, so dass WĂ€lder trotz zusĂ€tzlicher CO2-DĂŒngung nicht als verstĂ€rkte Kohlenstoffsenke fungieren wĂŒrden.
Eine positive RĂŒckkopplung resultiert aus der Beobachtung, dass sich die Temperaturen in Westsibirien um ein Vielfaches schneller erhöhen als im globalen Mittel. Seit den 1960er Jahren ist die mittlere Temperatur dort um ca. 3 °C angestiegen. Belegt ist, dass seit 1899 die Grenze des Permafrosts am Yukon in Kanada um 100 km polwĂ€rts gezogen ist und ein Ă€hnliches AusmaĂ auch an anderen Orten zu erwarten ist oder bereits vorgefunden wurde. Als Konsequenz beginnt seit der Jahrtausendwende der Permafrostboden zu tauen und sehr groĂe Methanmengen, die bisher als Gashydrat unterhalb des Permafrosts im Boden gebunden sind, werden in die AtmosphĂ€re entweichen.[87] Da Methan ein starkes Treibhausgas darstellt, wird die ErwĂ€rmung damit zusĂ€tzlich beschleunigt.
Die AbschĂ€tzungen ĂŒber das AusmaĂ des Auftauprozesses in Sibirien, Kanada und Ă€hnlich weit nördlich gelegenen Regionen variieren ebenso wie die Meinungen darĂŒber, wie viel Methan letzten Endes freigesetzt werden wird.[88] Laut jĂŒngsten Studien könnte zwischen den Jahren 2300 und 2400 bis zu 75 % des dort gelagerten Kohlenstoffs in die AtmosphĂ€re gelangen.[89] Im sibirischen Permafrost lagert insgesamt eine Kohlenstoffmenge, mit der man die atmosphĂ€rische CO2-Konzentration verdreifachen könnte, so sie in Form von CO2 in die AtmosphĂ€re gelangen wĂŒrde.[90] Das Auftauen des Permafrosts in Hochgebirgsregionen wird zur Destabilisierung der BerghĂ€nge und verstĂ€rkt zu Bergrutschen und BergstĂŒrzen fĂŒhren.[91]
Im Meeresboden lagern groĂe Mengen Methan in Form von Methanhydraten, die bei einer starken ErwĂ€rmung freigesetzt werden könnten. Methanhydrate sind Feststoffe, die in ihrem aus WassermolekĂŒlen bestehenden Kristallgitter MethanmolekĂŒle einschlieĂen. Sie sehen aus wie schmutziges Eis und sind brennbar. Die weltweiten Methanhydratvorkommen werden auf 500â3000 Gt C geschĂ€tzt.[92][93] Zum Vergleich: Die nachgewiesenen Kohlereserven betragen ca. 900 Gt C.[94] Methanhydrate, die im Laufe mehrerer Millionen Jahre entstanden sind,[95] sind nur unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen stabil. Je höher die Umgebungstemperatur ist, desto höher muss der Druck sein, damit sich die Methanhydrate nicht auflösen. Solche Bedingungen herrschen in Meerestiefen ab 500 m, in der Arktis etwas nĂ€her an der MeeresoberflĂ€che.
Durch die globale ErwĂ€rmung und die damit verbundene ErwĂ€rmung der Ozeane könnten die Methanhydrate im Meeresboden destabilisiert werden, was zu einer Freisetzung von groĂen Mengen Methan fĂŒhren wĂŒrde. Allerdings erwĂ€rmen sich die Ozeane langsamer als die LandoberflĂ€che und durch die langsame Vermischung des Ozeans dringt diese ErwĂ€rmung nur langsam bis zum Meeresboden vor. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit einer groĂen und raschen Freisetzung von Methan innerhalb dieses Jahrhunderts sehr gering. Bedeutsamer ist die Gefahr einer langsamen, unkontrollierbaren und ĂŒber Jahrhunderte anhaltende Methanfreisetzung aufgrund des allmĂ€hlichen Eindringens der ErwĂ€rmung in die tieferen Ozeanschichten.
Durch die globale ErwĂ€rmung nimmt das Meereis, das bis zu 15 Prozent der Weltmeere bedeckt, ab. Die Ozeane haben ein geringeres RĂŒckstrahlvermögen (Albedo) von Sonnenlicht als die EisflĂ€chen, weil sie viel dunkler sind. Die Ozeane absorbieren also einen GroĂteil des eintreffenden Sonnenlichts, wĂ€hrend das Meereis bis zu 90 % der eingestrahlten Sonnenenergie ins Weltall reflektiert. Nimmt die FlĂ€che des Meereises ab, wird mehr Sonnenenergie absorbiert und die Erde erwĂ€rmt sich stĂ€rker. (Der Effekt tritt vergleichbar auch auf, wenn sich ein schwarzes Auto im Sonnenlicht schneller als ein weiĂes erwĂ€rmt.) Diese positive RĂŒckkopplung hat bereits begonnen. So hat die arktische MeereisflĂ€che, die sich im Winter bildet und im Sommer zum Teil wieder verschwindet, im September 2005 mit 5,32 Millionen km2 das geringste je gemessene AusmaĂ angenommen. Zu Beginn der Messungen 1979 betrug diese FlĂ€che im September noch ungefĂ€hr 7,5 Millionen km2. Seitdem hat sie jede Dekade um mehr als 8 % abgenommen.[96] Unter anderem wegen des RĂŒckgangs des Meereises und des Schnees hat sich die Jahresmitteltemperatur in der Arktis fast doppelt so schnell wie die der ĂŒbrigen Welt erhöht. Nach verschiedenen Prognosen wird sich die Arktis in den nĂ€chsten 100 Jahren um weitere 4 bis 7 °C erwĂ€rmen.[97]
Seit 2007 mehren sich die Stimmen, die den Klimawandel als eine Gefahr fĂŒr den Weltfrieden bezeichnen. Auf Anregung GroĂbritanniens debattierte der UN-Sicherheitsrat im April 2007 ĂŒber dieses Thema. Ein US-amerikanisches, mit hohen Ex-Offizieren besetztes Beratungsgremium bezeichnete den Klimawandel in einem eigenen Bericht als eine Gefahr fĂŒr die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Der Bericht sieht den Klimawandel als einen "GefahrenverstĂ€rker" und erwartet u.a. eine erhebliche Zunahme globaler Migration durch UmweltflĂŒchtlinge.[98] Jenseits dieser Prognosen finden sich bereits heute Hinweise auf politische Folgen des Klimawandels: der Geograph Jared Diamond analysiert den Völkermord in Ruanda 1994 und sieht den Klimawandel als einen Faktor in diesem Ressourcenkonflikt um knappes Land.[99]
In Weltregionen, wo der Klimawandel die Lebensbedingungen nachhaltig beeintrĂ€chtigt oder unertrĂ€glich macht, dĂŒrfte sich in Gestalt von UmweltflĂŒchtlingen eine zunehmende Wanderung ergeben. Dies ist vor allem in der so genannten Dritten Welt zu erwarten, wo angestammte LebensrĂ€ume einerseits durch den steigenden Meeresspiegel â etwa in Bangladesh â und andererseits durch zunehmende Wasserknappheit in semiariden Regionen â z. B. in Afrika â verloren gehen. Da in den meisten betroffenen Regionen das Bevölkerungswachstum erschwerend hinzukommt und die Migrationsmotive oft nicht eindeutig bestimmbar sind (und nirgendwo zentral registriert werden), stellt die prĂ€zise quantitative Erfassung von Migrantenzahlen im Zusammenhang mit der globalen ErwĂ€rmung wohl bis auf Weiteres ein unlösbares methodisches Problem dar.[100]
Die menschliche Gesundheit wird vom Klima direkt (z. B. KĂ€lte oder Hitze) und indirekt (z. B. durch temperaturbedingte VerĂ€nderung der Ausbreitungsgebiete von KrankheitsĂŒbertrĂ€gern) beeinflusst. Die Prognosen fĂŒr die Auswirkungen einer zukĂŒnftigen ErwĂ€rmung sind mit groĂen Unsicherheiten behaftet, da insbesondere die indirekten Folgen primĂ€r vom wirtschaftlichen Stand einer Region beeinflusst werden. Dem IPCC zufolge werden die negativen Folgen der ErwĂ€rmung fĂŒr die Gesundheit die positiven sehr wahrscheinlich ĂŒbersteigen. Besonders stark werden dabei die EntwicklungslĂ€nder betroffen sein.[101]
In Europa sterben jedes Jahr deutlich mehr Menschen an KĂ€lte als an Hitze, wobei jedoch zu beachten ist, dass es trotz gravierend unterschiedlicher Durchschnittstemperaturen gleichermaĂen in Helsinki wie in Athen zu TodesfĂ€llen durch Hitze und KĂ€lte kommt, wobei die KĂ€ltetoten in beiden FĂ€llen etwa um das fĂŒnffache ĂŒberwiegen.[102] TodesfĂ€lle durch KĂ€lte sind in praktisch allen LĂ€ndern auĂerhalb der Tropen weit zahlreicher als Hitzetote.[103] Keatinge et al. gehen deshalb davon aus, dass die zu erwartende Zunahme an Hitzetoten durch die globale ErwĂ€rmung bei weitem durch den RĂŒckgang an KĂ€ltetoten ausgeglichen wird.[102] Eine weitere Studie geht fĂŒr GroĂbritannien bei einer ErwĂ€rmung um 2 °C von 2.000 zusĂ€tzlichen Hitzetoten sowie 20.000 weniger KĂ€ltetoten aus.[104] Eine vom WWF in Auftrag gegebene und vom Kieler Institut fĂŒr Weltwirtschaft erstellte Studie prognostiziert hingegen, dass sich bis zum Jahr 2100 die Zahl der Hitzetoten in Deutschland um zusĂ€tzliche 5.000 (ohne BerĂŒcksichtigung der demografischen Entwicklung) beziehungsweise um 12.000 (mit Einbeziehung der verĂ€nderten Altersstrukturen) erhöhen kann. Gleichzeitig kĂ€me es zu einem RĂŒckgang an KĂ€ltetoten um 3.000 beziehungsweise 5.000 Opfer.[105]
Zu den indirekten Folgen der globalen ErwĂ€rmung zĂ€hlt die regionale Ănderung von Gesundheitsrisiken durch VerĂ€nderung des Verbreitungsgebiets, der Population und des Infektionspotentials von KrankheitsĂŒbertrĂ€gern wie StechmĂŒcken (z. B. Anopheles, ĂbertrĂ€gerin der Malaria[106]), Flöhen oder Zecken. Durch die ErwĂ€rmung werden nach bisherigen Erkenntnissen einige Gebiete fĂŒr ĂbertrĂ€ger höchstwahrscheinlich unbewohnbar werden, andere bisher unbewohnbare wiederum könnten von ihnen als neue LebensrĂ€ume erschlossen werden. Ob sich die weltweiten Ausbreitungsgebiete insgesamt vergröĂern, verkleinern oder gleich bleiben, ist dabei nicht nur von klimatischen Faktoren, sondern auch vom jeweiligen ĂbertrĂ€ger und entsprechenden GegenmaĂnahmen abhĂ€ngig.[107] So spielt die Temperatur z. B. nur eine untergeordnete Rolle bei der tatsĂ€chlichen Ausbreitung von Malaria, da diese Krankheit bis in die 1950er in 36 US-Bundesstaaten verbreitet war und erst spĂ€ter durch gezielte BekĂ€mpfung der MĂŒcken mittels DDT ausgerottet werden konnte.[108] Auch in Europa ist eine erneute Ausbreitung der Malaria höchst unwahrscheinlich, da hier ein hoher medizinischer Standard herrscht und regelmĂ€Ăig teilweise auch biologische MaĂnahmen zur BekĂ€mpfung von StechmĂŒcken durchgefĂŒhrt werden.[109] Ărmere LĂ€nder, insbesondere jene West- und Zentralafrikas, werden von einer möglichen Malariaausbreitung wesentlich stĂ€rker betroffen sein, weil sie sich keine GegenmaĂnahmen leisten können.
Neben der reinen Temperaturerhöhung wird sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die durch stĂ€rkere RegenfĂ€lle und das Abtauen von Permafrostregionen bedingte Zunahme von Feuchtgebieten speziell auf StechmĂŒckenpopulationen auswirken.[110] In Norddeutschland wurde die unter dem Namen Marschenfieber bekannte Malaria als Nebeneffekt der Trockenlegung der Marschen zwar effektiv eingeschrĂ€nkt, die eigentliche Reduktion des Risikos besteht aber weiterhin in der gezielten Prophylaxe speziell bei Reisenden in tropische LĂ€nder. Damit kann die Anzahl infizierter Hauptwirte höchstwahrscheinlich auch in Zukunft gering genug gehalten werden, um eine epidemische Ausbreitung zu verhindern, obwohl die LebensrĂ€ume der ĂbertrĂ€ger weiterhin vorhanden sind.[111]
Auch wenn Deutschland nicht zu den erklĂ€rten Risikogebieten fĂŒr Malaria gehört, ist hier bei einer ErwĂ€rmung aufgrund frostĂ€rmerer Winter und feuchterer Sommer unter anderem mit einer Ausbreitung von Zeckenpopulationen zu rechnen, die wiederum ein erhöhtes Risiko fĂŒr Borreliose und FrĂŒhsommer-Meningoenzephalitis (FSME) mit sich bringen.[112] Die Ausbreitung der Krankheiten selbst kann dabei sowohl durch vorbeugende MaĂnahmen als auch eine Impfung gegen FSME eingeschrĂ€nkt werden. Gegen Borreliose gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff.[113]
Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben schon heute jÀhrlich mindestens 150.000 Menschen an den indirekten Folgen der globalen ErwÀrmung, zu denen die WHO Nahrungsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchfall, Malaria und andere Infektionen zÀhlt.[114] Die meisten Opfer sind in EntwicklungslÀndern zu beklagen.
Die im Rahmen der globalen ErwĂ€rmung steigenden Temperaturen werden wahrscheinlich einen Einfluss auf die Summe und die Verteilung des GlĂŒcks der Menschheit haben. Menschen in hohen Breitengraden werden aufgrund wĂ€rmerer Wintermonate tendenziell glĂŒcklicher, wĂ€hrend Menschen in niedrigen Breitengraden aufgrund wĂ€rmerer Sommermonate tendenziell unglĂŒcklicher werden. Einer Analyse von 67 (hauptsĂ€chlich europĂ€ischer) Staaten zufolge wĂŒrden die Menschen in Kanada und Skandinavien am stĂ€rksten an GlĂŒck gewinnen, wĂ€hrend das GlĂŒck der Einwohner mehrerer sĂŒd- und sĂŒdosteuropĂ€ischer Staaten zurĂŒckgehen wĂŒrde. Dabei wurden nur Temperatur und Niederschlag, nicht aber die möglichen Auswirkungen extremer Wetterereignisse sowie einer emotionalen Anpassung an ein verĂ€ndertes Klima auf das GlĂŒck, berĂŒcksichtigt.[115]
Einige Wissenschaftler weisen einen statistischen Zusammenhang zwischen der bisherigen globalen ErwĂ€rmung und normalisierten, d.h. um den Anstieg von Wohlstand und Bevölkerung korrigierte volkswirtschaftliche Verluste infolge von Katastrophen zurĂŒck bzw. betrachten den Zusammenhang als nicht signifikant.[116][117]
Bei der AbschĂ€tzung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels bestehen groĂe Unsicherheiten. Das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) schĂ€tzt dennoch, dass bis zum Jahr 2050 SchĂ€den von bis zu 200 Billionen US-Dollar auftreten könnten.[118] Der von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Stern-Report hĂ€lt fest, dass die Gesamtkosten und -risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, heute und auf Dauer einer EinbuĂe in Höhe von 5 % des Welt-Bruttosozialprodukts entsprechen, möglicherweise sogar bis zu 20 % â was in etwa den Folgen der Weltwirtschaftskrise der 1930er entsprĂ€che.[119] Kritiker wie der Ăkonom Richard Tol halten diese Zahlen jedoch fĂŒr weit ĂŒbertrieben, da Stern willkĂŒrlich jene Studien in seinem Bericht zusammenzĂ€hle, die die dramatischsten Auswirkungen prognostizieren.[120] Zudem geht Stern von einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung aus, wohingegen es viel eher wahrscheinlich sei, dass sich insbesondere die afrikanischen LĂ€nder bis zum Jahr 2100 enorm entwickelt haben werden.[120]
Das DIW und der Stern-Report rechnen fĂŒr einen "effektiven Klimaschutz" mit jĂ€hrlichen Kosten von ca. 1 % des Welt-Bruttosozialprodukts.[118][119] Einige Ăkonomen halten diese Zahl fĂŒr zu niedrig, zumal Stern auch hier von ausschlieĂlich optimistischen SchĂ€tzungen ausgehe, etwa dass sich die Kosten fĂŒr erneuerbare Energien bis zum 2050 auf ein Sechstel der heutigen Kosten reduzieren werden.[120] Zudem ignoriere Stern, dass die kostspielige Reduktion von Treibhausgasen auf die von ihm vorgeschlagenen 550 ppm (CO2-Ăquivalent) die globale ErwĂ€rmung lediglich hinauszögern, aber nicht aufhalten wĂŒrde.[120]
| Rang | Hurrikan | Saison | Kosten (Mrd. USD) |
|---|---|---|---|
| 1 | âMiamiâ | 1926 | 157,0 |
| 2 | âGalvestonâ | 1900 | 99,4 |
| 3 | Katrina | 2005 | 81,0 |
| 4 | âGalvestonâ | 1915 | 68,0 |
| 5 | Andrew | 1992 | 55,8 |
| 6 | âNew Englandâ | 1938 | 39,2 |
| 7 | âPinar del RĂoâ | 1944 | 38,7 |
| 8 | âOkeechobeeâ | 1928 | 33,6 |
| 9 | Donna | 1960 | 26,8 |
| 10 | Camille | 1969 | 21,2 |
Ein im November 2006 herausgegebener Bericht der Finance Initiative des United Nations Environment Programme (UNEP) gab an, dass sich die VersicherungsschĂ€den gegenwĂ€rtig alle 12 Jahre verdoppeln. HĂ€lt dieser Trend an, rechnet das UNEP mit dem Erreichen einer jĂ€hrlichen Schadenssumme von ĂŒber einer Billion Dollar in drei bis vier Jahrzehnten.[121] Wie die World Meteorological Organization (WMO) jedoch klarstellt liegt die zunehmende Auswirkung von tropischen WirbelstĂŒrmen in jĂŒngerer Zeit in erster Linie an der wachsenden Konzentration von Bevölkerung und Infrastruktur in KĂŒstenregionen.[63]
Im Jahr 1930 wohnten in allen 109 US-Counties an Golf- und AtlantikkĂŒste von Texas bis Virginia weniger Menschen als heute allein in Miami wohnen. Zudem fĂŒhrte der gestiegene allgemeine Wohlstand zu aufwendigeren und wertvolleren HĂ€usern, weshalb die Summe der durch Hurrikans angerichteten SchĂ€den jĂ€hrlich steigt. Relativiert man jedoch den Wohlstandzuwachs innerhalb des letzten Jahrhunderts, zeigt sich, dass etliche Hurrikans einen vielfach gröĂeren Schaden angerichtet hĂ€tten, wenn sie bei heutigem Wohlstand auf die US-amerikanischen KĂŒsten getroffen wĂ€ren. Der âMiamiâ-Hurrikan von 1926 hĂ€tte demnach einen Schaden von 157 Milliarden Dollar angerichtet.[122]
Die britische Association of British Insurers rechnet in einem Bericht von 2005 mit um zwei Drittel steigenden versicherten SchĂ€den bis 2080 lediglich durch StĂŒrme, und zwar auf dann jĂ€hrlich 27 Milliarden Dollar allein in den MĂ€rkten USA, Japan und Europa. Die SchĂ€den durch Ăberflutungen in GroĂbritannien sieht die Association um das FĂŒnfzehnfache erhöht. Die Berechnungen gelten alle fĂŒr ansonsten unverĂ€nderte sozioökonomische Bedingungen, beziehen also weder Aspekte der Bevölkerungsentwicklung noch den in der jĂŒngeren Vergangenheit beobachtbaren Trend zur Ansiedlung in attraktiven, aber besonders verwundbaren KĂŒstenregionen.[123] Zu einer Ă€hnlichen Prognose kommt ein Bericht der amerikanischen Versicherer, laut dem sich die VersicherungsschĂ€den durch Hurrikans alle zehn Jahre verdoppeln werden, weil die Baukosten wie auch die Zahl der GebĂ€ude zunehmen und sich die Art der AusfĂŒhrung Ă€ndert.[124]
Nach Angaben der MĂŒnchener RĂŒckversicherung besteht ein deutlich erkennbarer Trend hin zu schwereren und kostspieligeren Naturkatastrophen.[125] Der Zusammenhang zwischen diesen und dem globalen Klimawandel ist keineswegs eindeutig, da neben Ăberschwemmungen und SturmschĂ€den auch Ereignisse wie Tsunamis oder Erdbeben mitgezĂ€hlt werden. Dennoch erhöht nach Auffassung der Forscher des Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung eine steigende Erdtemperatur die Wahrscheinlichkeit fĂŒr wetterbedingte katastrophale Ereignisse. Im Versicherungswesen ergeben sich daraus steigende Kosten fĂŒr die Versicherungsnehmer oder, in besonders gefĂ€hrdeten Gebieten, die Weigerung der (RĂŒck-)Versicherer, angesichts unkalkulierbar werdender Kosten ĂŒberhaupt Versicherungspolicen anzubieten.
Im Jahr 2008 beliefen sich die SchĂ€den aus Naturkatastrophen auf einem Rekordniveau von 200 Mrd. USD und 220 000 Toten. Die Versicherung MĂŒnchener RĂŒck benennt als Ursache klar den Klimawandel,[126] obgleich ein GroĂteil der VersicherungsschĂ€den und Opfer auf das Erdbeben in Sichuan zurĂŒckgeht.
| Auswirkungen der globalen ErwÀrmung auf das landwirtschaftliche Produktionspotenzial (2080)[127] | |||
| Land | ohne Kohlenstoffdioxid-DĂŒngung | mit Kohlenstoffdioxid-DĂŒngung | |
|---|---|---|---|
| Australien | -27 % | -16 % | |
| Brasilien | -17 % | -4 % | |
| China | -7 % | 7 % | |
| Deutschland | -3 % | 12 % | |
| Frankreich | -7 % | 7 % | |
| Indien | -38 % | -29 % | |
| Indonesien | -18 % | -6 % | |
| Italien | -7 % | 7 % | |
| Japan | -6 % | 8 % | |
| Kanada | -2 % | 13 % | |
| Pakistan | -30 % | -20 % | |
| Philippinen | -23 % | -12 % | |
| Mexiko | - 35 % | -26 % | |
| Russland | -8 % | 6 % | |
| Spanien | -9 % | 5 % | |
| SĂŒdkorea | -9 % | 4 % | |
| Thailand | -26 % | -15 % | |
| TĂŒrkei | -16 % | -4 % | |
| Vereinigtes Königreich | -4 % | 11 % | |
| Vereinigte Staaten | -6 % | 8 % | |
| Welt | -16 % | -3 % | |
Ein den Menschen direkt betreffendes Problem der Verschiebung von Vegetationszonen sind VerĂ€nderungen der ErtrĂ€ge aus der Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche ProduktivitĂ€t wird sowohl von einer Temperaturerhöhung als auch von einer VerĂ€nderung der NiederschlĂ€ge betroffen sein. ZusĂ€tzlich ist von entscheidender Bedeutung, ob sich durch steigende Kohlenstoffdioxidkonzentrationen ein DĂŒngungseffekt ergibt. Letztlich ist bezĂŒglich der Auswirkungen maĂgeblich, in welchem Umfang und zu welchen Kosten sich die Landwirtschaft anpasst, und in Zukunft anpassen kann und anpassen wird, etwa durch Verwendung anderer (vorhandener oder noch zu zĂŒchtender) Pflanzensorten oder anderer Anbaupraktiken und mit welchen Begleiterscheinungen und RĂŒckkoppelungen diese Anpassungsleistungen wiederum verbunden sind. Global ist, grob gesehen, mit einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten in den gemĂ€Ăigten und kĂŒhleren Klimazonen und einer Verschlechterung in den tropischen und subtropischen Gebieten zu rechnen. Die Tatsache, dass es unter den heutigen Bedingungen schon in vielen besonders betroffenen Regionen schwer fĂ€llt, einen funktionalen Agrarsektor zu gestalten, wird die damit verbundenen Probleme wahrscheinlich weiter verschĂ€rfen.
FĂŒr den Zeitraum 1981-2002 wurde ein negativer Einfluss von steigenden Temperaturen auf die globalen ErnteertrĂ€ge von Weizen (-18,9 % pro Jahr), Mais (-12,5 %) und Gerste (-8 %) festgestellt. FĂŒr Reis (-1,6 %), Sojabohne (+1,8 %) und Sorghumhirsen (-0,8 %) wurden geringere negative bzw. positive Effekte geschĂ€tzt. Die negativen Effekte seien durch steigende Kohlenstoffdioxidkonzentrationen und technologische Anpassungen mehr als wettgemacht worden, stellen aber fĂŒr sich genommen einen Ertragsverlust von etwa 40 Megatonnen pro Jahr dar. Ohne die Temperaturanstiege seit 1981 wĂ€ren die Weizen-, Mais- und GerstenertrĂ€ge im Jahr 2002 um 2-3 % höher gewesen.[128]
In den 1980er Jahren durchgefĂŒhrte Laborexperimente zu den DĂŒngungseffekten einer steigenden Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Luft dienten bis vor einigen Jahren als Parameter in den SchĂ€tzungen zu den Ertragseffekten der globalen ErwĂ€rmung. Darauf basierende Prognosen hatten ergeben, dass negative Ertragseffekte durch steigende Temperaturen von positiven Ertragseffekten durch steigende Kohlenstoffdioxidkonzentrationen mehr als ausgeglichen werden wĂŒrden. JĂŒngere Freilandversuche mit der FACE-Technologie hingegen zeigen an, dass die aus den Laborexperimenten abgeleiteten DĂŒngungseffekte um etwa 50 % ĂŒberschĂ€tzt worden seien. Die Freilandversuche suggerieren, dass zukĂŒnftige globale ErwĂ€rmungstendenzen trotz KohlenstoffdioxiddĂŒngung eher negative Ertragseffekte haben werden.[129] Hierdurch biete sich jedoch die Chance, mithilfe von PflanzenzĂŒchtung (inklusive GrĂŒner Gentechnik) und Pflanzenbauwissenschaft eine höhere Kohlenstoffdioxidkonzentration besser auszunutzen.[130]
Die EuropĂ€ische Union hat im Rahmen des Vierten Rahmenprogramms fĂŒr Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelt und Klima die Effekte auf die EU-Mitgliedstaaten untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die ProduktivitĂ€tsunterschiede zwischen verschiedenen Nutzpflanzenarten zunehmen werden. In Teilen SĂŒdeuropas könnte es bei Ăberschreiten einer Temperaturobergrenze von einzelnen Pflanzenarten zu Missernten kommen, wĂ€hrend es in Europa unter UmstĂ€nden möglich sein wird, dank einer wĂ€rmeren und lĂ€ngeren Vegetationsperiode ein breiteres Spektrum von Arten anzubauen. Die Auswirkungen auf die gegenwĂ€rtig angebauten Arten werden voraussichtlich in SĂŒdeuropa eher negativ, in Nordeuropa eher positiv ausfallen.[131]
Die durchschnittlichen erwarteten Auswirkungen der von sechs Klimamodellen prognostizierten VerĂ€nderungen von Temperatur und Niederschlag bis in die 2080er Jahre auf die Landwirtschaft deuten auf einen RĂŒckgang des Produktionspotenzials hin. Das globale Produktionspotenzial wĂŒrde um ca. 16 % zurĂŒckgehen, in EntwicklungslĂ€ndern um 21 %, in IndustrielĂ€ndern um 6 %. Diesem Szenario liegt die Annahme zugrunde, dass eine Kohlenstoffdioxid-DĂŒngung durch einen erhöhten Anteil von Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft nicht stattfinden wird, auch sind mögliche SchĂ€den durch extreme Wetterereignisse und möglicher höherer SchĂ€dlings- und Krankheitsbefall nicht berĂŒcksichtigt. Sollte die DĂŒngung stattfinden, wird der globale RĂŒckgang des Produktionspotenzials auf 3 % geschĂ€tzt. Unter diesem Szenario kĂ€me es zu einem Zuwachs des Potenzials in IndustrielĂ€ndern um 8 %, wĂ€hrend das Produktionspotenzial in EntwicklungslĂ€ndern um 9 % sinken wĂŒrde. Die Landwirtschaft Indiens wĂŒrde massiv unter der globalen ErwĂ€rmung zu leiden haben, mit RĂŒckgĂ€ngen im Produktionspotential von 30-40 %. In Deutschland wĂŒrde das landwirtschaftliche Produktionspotenzial bei Ausbleiben der Kohlenstoffdioxid-DĂŒngung um 3 % ab-, andernfalls um 12 % zunehmen.[127]
Die globale ErwĂ€rmung wirkt sich auf den Weinbau aus; so hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten die RebblĂŒtezeit und damit der Reifebeginn der Trauben im Herbst nach vorne verlagert.
Im Tourismus dĂŒrfte es bezĂŒglich des Sommerurlaubs tendenziell zu einer Verschiebung der Touristenströme zu Gunsten der kĂŒhleren Ă€quatorfernen Gebiete und zu Lasten der tropischen und subtropischen LĂ€nder kommen. Tourismusziele in Russland oder Kanada können dabei unter UmstĂ€nden mit Steigerungen des Tourismusaufkommens um ein Drittel bis 2025 rechnen. Noch bedeutendere Auswirkungen auf den Tourismus als die globale ErwĂ€rmung dĂŒrften aber aus wissenschaftlicher Sicht weiterhin die wirtschaftliche und die Bevölkerungsentwicklung haben.[132]
Wirtschaftliche Nachteile werden aufgrund von Schneemangel in Skigebieten erwartet, insbesondere in den in niedrigen und mittleren Lagen gelegenen Gebieten.[133] So hat eine Studie aus der Schweiz ergeben, dass im dortigen Wintertourismus bei einer Temperaturerhöhung von 2 °C mit einem hohen Wertschöpfungsverlust von 1,78â2,28 Milliarden CHF (1,131â1,159 Milliarden Euro) pro Jahr zu rechnen ist. Zum Vergleich: Derzeit betrĂ€gt die Bruttowertschöpfung des Wintersports in der Schweiz ca. 5,3 Milliarden CHF (ca. 3,4 Milliarden âŹ) pro Jahr. Besonders stark werden die Voralpen und der Kanton Jura betroffen sein.[134]
Die Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschlands gröĂte Wissenschaftsorganisation, hat im Bundesgebiet vier regionale KlimabĂŒros[135] eingerichtet. Diese dienen als Informationsquelle fĂŒr EntscheidungstrĂ€ger aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu Fragen regionaler Auswirkungen des Klimawandels. Die KlimabĂŒros greifen dabei auf die wissenschaftliche Expertise des jeweiligen Helmholtz-Zentrums zurĂŒck, an das sie angegliedert sind.
Themen: StĂŒrme, Sturmfluten, Seegang, Energie- und Wasserkreislauf in Norddeutschland
Themen: Klimarelevante Fragestellungen der Polar- und Meeresforschung
Themen: Klimafolgenforschung in Bezug auf Umwelt, Landnutzung, Gesellschaft
Themen: regionale Klimasimulationen, Extremereignisse (StĂŒrme, Hagel, StarkniederschlĂ€ge)
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Dieser Artikel wurde am 11. April 2007 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |