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Riedberg ist eine entstehende Siedlung in Frankfurt am Main, die bis 2017 fertiggestellt sein soll. Ihre Entwicklung begann 2001 mit den ersten Baumaßnahmen, die Planungen gehen bis Anfang der 90er Jahre zurück. Riedberg liegt im Nordwesten des Stadtgebiets rund acht Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt auf bisher landwirtschaftlich genutzten Hang- und Hochflächen, die die Stadt Frankfurt am Main als städtebauliche Entwicklungsmaßnahme erworben hat. Die zugewiesene Fläche umfasst 266 ha. Davon entfallen 92 ha auf Parks, verbindende Grünanlagen und integrierte offene Landschaftsflächen, 56 ha auf den Universitätscampus und zugeordnete forschungsnahe Bauten, 43 ha auf Straßen und öffentliche Plätze, 6 ha auf Bauland für eine überdurchschnittlich gut bestückte soziale Infrastruktur, sowie 78 ha auf das Nettobauland, wovon ca. 60 ha reine Wohnbauflächen sind. Südlich begrenzt wird Riedberg durch das Mertonviertel.
Trotz der Vermarktung als „neuer Stadtteil“ ist Riedberg kein Stadtteil im statistischen Sinn. Der Hauptteil einschließlich sämtlicher Wohngebiete ist ein Stadtbezirk und bildet zusammen mit dem Stadtbezirk Kalbach den Ortsbezirk 12 und statistischen Stadtteil Kalbach-Riedberg. Die Flächen der wissenschaftlichen Einrichtungen im Süden bilden einen weiteren Stadtbezirk, der zum statistischen Stadtteil Niederursel und zum Ortsbezirk 8 gehört.
Inhaltsverzeichnis |
Riedberg setzt sich aus den folgenden sieben Quartieren zusammen, die sich in ihren Funktionen z.T. erheblich unterscheiden:
Am südwestlichen Hang vom Riedberg liegt der neue Campus Riedberg der Goethe-Universität. Dort sind die Fachbereiche „Biochemie, Chemie und Pharmazie“, „Physik“, „Geowissenschaften/Geographie“ sowie seit 2011 „Biowissenschaften“
Im Umfeld der Universität haben sich Unternehmen der Life Sciences sowie Forschungsinstitute niedergelassen.
Die wissenschaftlich genutzten Flächen gehören zum Ortsbezirk 8, bilden jedoch mit den sich verzahnenden Wohngebieten im Ortsbezirk 12 eine siedlungsgeografische Einheit.
Riedberg erhält nach und nach eine komplette Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, Eigentums- und Mietwohnungen, Geschäften, Parks und Grünverbindungen, Restaurants, Büros, Kindereinrichtungen, Schulen, Medizinisches Zentrum und weitere Arztpraxen, Hotels und Dienstleistungsbetrieben usw., im Dezember 2011 leben hier bereits rund 4.200 Menschen. Das markante Einkaufszentrum an der Kreuzung Riedbergallee/Altenhöferallee wurde im Dezember 2008 eröffnet. Es bietet auf 7200 Quadratmetern Fläche neben einem Lebensmittelmarkt und einem Discounter einige Fachgeschäfte, mehrere Restaurants, ein Cafe und Dienstleister des täglichen Bedarfs, eine Allgemeinarztpraxis und seit Januar 2011 ein privates Medizinisches Zentrum mit Fachärzten, Physiotherapie und Hausversorgung, eine Sparkassenfiliale sowie das Riedberg-Infozentrum. Bis zum Jahr 2017 soll die Großsiedlung ca. 6000 Wohneinheiten mit erwarteten 13.500 bis 15.000 Einwohnern haben. Insgesamt sind rund 3.000 Arbeits- und 8.000 Studienplätze in Riedberg eingeplant, vor allem auf dem Universitätscampus mit seinen angegliederten Instituten, forschungsnahen Zentren und Lifescience-Firmen. Auch die in der letzten Phase am Westrand geplanten hausnahen Dienstleistungsunternehmen werden einige Hundert Arbeitsplätze schaffen.
Aktuell gibt es im neuen Stadtbezirk fünf Kindertagesstätten und eine Grundschule, die als erste Passivhausschule Hessens gilt. Dazu kommt eine z. Z. noch provisorische Kindertagesstätte der Universität. Geplant sind insgesamt 12 Kindertagesstätten und damit eine angestrebte Versorgungsdichte von 100 Prozent, zwei Grundschulen und zwei weiterführende Schulen als Ganztagsschulen. Das "Gymnasium Riedberg" ist bereits gegründet, es erhält einen naturwissenschaftlichen und einen bilingualen Zweig; seine ersten Klassen sind seit Herbst 2009 im eigenen Containerprovisorium untergebracht. Das neue Gymnasium-Gebäude für 1350 Schüler am westlichen Kätcheslachpark hatte am 3. November 2010 Grundsteinlegung, im Oktober 2011 Richtfest und soll Anfang 2013 bezugsfertig sein. Das Gymnasium Riedberg ist der erste Neubau dieses Schultyps in Frankfurt a.M. seit 1913. Gleich nebenan entsteht ein Jugendhaus mit 740 Quadratmetern Funktionsräumen, in dem auch familienorientierte Angebote untergebracht sein werden. Die neuen Grünflächen am Gymnasium, d.h. der westliche Teil des Kätcheslachparks, werden so angelegt, dass sie einen erweiterten Pausenraum bilden. Für Kinder des neuen Stadtteils sind bereits mehrere z.T. provisorische Spielplätze und ein Bolzplatz eingerichtet.
Es gibt eine evangelische und eine katholische Kirchengemeinde in Riedberg, zunächst gastweise untergebracht; das neue evangelische Kirchenzentrum im Quartier Ginsterhöhe wurde im Frühjahr 2011 eingeweiht. Die katholische Gemeinde musste aufgrund ausbleibender Zuschüsse der Diözese Limburg vorerst auf einen Neubau verzichten. Im September 2011 wurden dann unter dem Namen "Edith-Stein-Zentrum" die Pläne für ein gemischtes Gemeindezentrum vorgestellt. Der Bau am Nelly-Sachs-Platz wird zum größten Teil als Studentenwohnheim genutzt werden, der nur 45 Quadratmeter große geplante Gemeindesaal hat die Gemeindemitglieder enttäuscht.
An den öffentlichen Nahverkehr ist Riedberg über eine Neubaustrecke mit zwei Linien an das Frankfurter U-Bahn-Netz sowie durch die Omnibuslinien 29 und 251 angeschlossen. Die Neubaustrecke wurde am 12. Dezember 2010 offiziell mit dem Fahrplanwechsel von Oberbürgermeistern Petra Roth eröffnet.[1] In fußläufiger Nähe befinden sich zudem die Stationen Riedwiese/Mertonviertel der Linie U2 und Niederursel der Linie U3.
Die vier Kilometer lange Rasengleisstrecke verläuft ebenerdig entlang der zentral neu angelegten Riedbergallee mit den zwei Stationen: Uni-Campus Riedberg und Riedberg. Die Linie U8 verkehrt von der Endstation Riedberg alle 15 Minuten entlang der Eschersheimer Landstraße und über die U-Bahn-Station Hauptwache zum Südbahnhof. Eine weitere Linie, die 10,3 Kilometer lange U9, bedient ebenfalls alle 15 Minuten von Nieder-Eschbach aus den Riedberg und fährt über das Nordwestzentrum nach Ginnheim. Hier befindet sich die Tram-Umsteigemöglichkeit zur Messe bis Ffm-Hauptbahnhof.
Für den Autoverkehr gibt es seit 2005 den neuen Autobahnanschluss „F-Heddernheim“ an die Bundesautobahn 661 und stadteinwärts zum Geschäftszentrum innerhalb des Alleenrings über die Hügel- und Eschersheimer Landstraße. Eine weitere wichtige Verbindung ist die autobahnähnlich ausgebaute Rosa-Luxemburg-Straße im Westen, die zusammen mit der vierspurigen Marie-Curie-Straße als Autobahnzubringer für die Bundesautobahn 66 im Süden und die Bundesautobahn 5 im Nordwesten dient und Riedberg mit der westlichen Frankfurter Innenstadt und dem Bahnhofs- und Messebereich verbindet.
Riedberg erhält eine relativ große Flächenzuweisung für öffentliche Grünanlagen, sowohl in Parks als auch als autofreie Verbindungsachsen in den Wohngebieten.
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Die ursprüngliche Planung aus der Mitte der 1990er Jahre war davon ausgegangen, dass die Großsiedlung Riedberg durch die Umwandlung von billigen landwirtschaftlich genutzten Flächen in hochpreisige erschlossene Baugrundstücke ein sich finanziell selbsttragender Prozess sein wird. Der damalige Zeithorizont für die Bebauung war mit 8 Jahren (bis 2007) recht eng angesetzt worden. Ende 2011 sind jedoch weniger als die Hälfte der Wohnbebauung fertiggestellt oder im Bau, so dass die städtische Projektgesellschaft noch viele Restflächen anbietet. Aufgrund des erhöhten Zinsaufwands und der verlängerten Projektbetreung sind große Finanzierungsdefizite eingetreten. Nach ersten Schätzungen werden bis zum neu geplanten Ende des Vorhabens 2017 mindestens 100 Millionen Euro Defizit auflaufen, die den allgemeinen Frankfurter Etat belasten werden.
Der Riedberg als Wohnstandort kam anfangs wegen fehlender Akzeptanz nur schwer in Gang: potentielle Bauträger, private Bauherren, Käufer und Mieter schreckten häufig zurück, weil die Infrastruktur auf dem abgelegenen Areal, vor allem jedoch die ÖPNV-Anbindung zur Innenstadt, lange unzureichend war. Dies besserte sich erst Ende 2010 mit der zweifachen Anbindung an das U-Bahn-Netz. Ein weiterer Nachteil ist die sich erkennbar noch über viele Jahre erstreckende Bautätigkeit mit ihren Lärm- und Verschmutzungsbelastungen. Um die künftigen Grundstückserlöse zu steigern, ging die Stadtentwicklungsgesellschaft HASEG dazu über, die bisher eher aufgelockerte Wohnbebauung in den Kernzonen der Quartiere zu verdichten. Von den Bauträgern wird erwartet, die angebotenen Bauqualitäten zu steigern; eine Tendenz zu immer höherpreisigen Kaufobjekten für Gutverdienende ist zu beobachten, während die Mieten oft noch unterhalb der innenstadtnahen Angebote liegen.
50.17694444448.63027777778Koordinaten: 50° 11′ N, 8° 38′ O