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František Palacký (* 14. Juni 1798 in Hodslavice in Mähren; † 26. Mai 1876 in Prag) war ein tschechischer Historiker und Politiker.
Inhaltsverzeichnis |
František Palacký war der Sohn des evangelisch-lutherischen Dorfschullehrers Jiří (Georg) Palacký in Hodslavice bei Olmütz in Nordmähren. Von 1812 bis 1819 besuchte er die Lateinschule in Trentschin, anschließend die evangelisch-theologische Lehranstalt in Preßburg und war danach als Privatlehrer in adligen Familien tätig. Im Jahr 1823 wurde er in Prag zunächst Archivar der Grafen Sternberg, seit 1838 Landeshistoriograph der böhmischen Stände, 1827 bis 1838 Redakteur der tschechischen Zeitschrift des böhmischen Landesmuseums, an deren Gründung und Aufbau zu einem Sprachrohr tschechischer Intellektueller er großen Anteil nahm. 1830 war er Gründungsmitglied der tschechischen kulturellen Vereinigung "Matice ceska" und des Vereins zum Bau eines tschechischen Nationaltheaters.
Im Jahr 1832 begann Franticek Palacky an einer umfangreichen Geschichte des tschechischen Volkes in Böhmen und Mähren zu schreiben, die 1848 in tschechischer Sprache unter dem Titel Dějiny národu českého v Čechách a v Moravě, erschienen ist. Er unternahm auch den Versuch, ein tschechisches Nachschlagewerk vom Typ des Brockhaus-Lexikon herauszugeben. Ein Unternehmen, welches sein Schwiegersohn Frantisek Ladislav (Franz Ladislaus) Freiherr von Rieger zum Abschluss und Druck brachte. Im Revolutionsjahr 1848 lehnte Palacky unter Berufung auf die tschechische Nationalität die Teilnahme an der Frankfurter Nationalversammlung ab, wurde Mitglied der österreichischen Volksvertretung in Wien und Kremsier, Präsident des Slawenkongresses in Prag, 1861 Mitglied des österreichischen Herrenhauses und war 1861 bis 1875 Abgeordneter des böhmischen Landtag unter fördernder Freundschaft des Prager Gubernialpräsidenten Karl Chotek von Chotkow.
Frantisek Palacky war Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Mitglied der Königlichen böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag, auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und zahlreicher weiterer wissenschaftlichen und kulturellen Vereinigungen und erhielt als Historiker den Ehrentitel eines "Otec naroda" (Vater der Nation). Die Universität in Olmütz trägt seit 1990 seinen Namen als Palacky-Universität Olmütz. Er hatte den Sohn Jan Palacký, geboren am 10. Oktober 1830 in Prag, verstorben am 22. Februar 1908 ebenda, Dr.phil. und Dr.jur. mit Sudienaufenthalten u.a. in Paris, Berlin und München; 1891 bis 1902 ordentlicher Professor an der tschechischen Universität in Prag, dessen Publikationen über Pflanzen- Tier- und Regionalgeographie in tschechischer, deutscher und französischer Sprache erschienen sind. Sein Schwiegersohn war der Politiker und Redakteur František Ladislav Rieger.
Mit Nachdruck setzte sich Palacký in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der tschechischen Nationalbewegung ein, förderte die Gründung des Nationaltheaters und war Präsident des ersten Slawenkongresses in Prag. Die Teilnahme an der Frankfurter Nationalversammlung lehnte er ab; er vertrat die Meinung, dass die slawischen Gebiete wie Böhmen und Mähren nicht ausreichend in ihrer historischen Existenz berücksichtigt werden.
Nach dem Scheitern des Prager Pfingstaufstandes im Jahr 1848 zog Palacky sich zunächst zurück; war in den sechziger Jahren führendes Mitglied der konservativen und kaisertreuen Tschechen, seit 1861 Mitglied des österreichischen Herrenhauses, beharrte aber auf der Gleichberechtigung des tschechischen Volkes innerhalb der Monarchie Österreich-Ungarn. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 veränderte sich seine Einstellung zur österreich-ungarischen Monarchie und er knüpfte in Russland Kontakte zu panslawischen Kreisen.
Besonders hervorzuheben sind Palackýs Forschungen zur tschechischen Geschichtsschreibung. Er ging in verklärender Sicht davon aus, dass die Slawen seit frühesten Zeiten ein friedliches und demokratisches Volk waren. Seine Betrachtung der tschechischen Geschichte des Mittelalters stützte sich z. T. auf die Königinhofener und Grünberger Handschriften - vermutlich einer Fälschung des tschechischen Archivar Vaclav Hanka - deren Echtheit er nicht bezweifelte. Schwer zu verstehen ist seine Idealisierung der grausamen Kriegszüge der Hussiten, die er als Vertreter einer demokratischen Grundhaltung ansah. Die Niederlage der böhmischen evangelisch-lutherischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag und die darauf folgende Rekatholisierung in Böhmen sah er als nationale Katastrophe an. Diese Geschichsbetrachtungen wirkte bis ins 20. Jahrhundert, wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) und der Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen in Böhmen und Mähren von der kommunistischen Regierung in Prag in veränderter Form instrumentalisiert.
Für seine historischen Forschungen reiste Palacky in etwa siebzig europäische Archive, im Vatikan in Rom fertigte er über 400 Abschriften aus den dortigen Archivbeständen an. Auch seine Sprachkenntnisse waren bemerkenswert. Neben Tschechisch, Latein und Altslawisch waren es Deutsch, Ungarisch, Russisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Palacký, František |
| KURZBESCHREIBUNG | tschechischer Historiker und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 14. Juni 1798 |
| GEBURTSORT | Hodslavice |
| STERBEDATUM | 26. Mai 1876 |
| STERBEORT | Prag |