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Joseph von Buß

PortrĂ€t Ritter von Buß

Franz Joseph Buß, ab 1863 Ritter von Buß (* 23. MĂ€rz 1803 in Zell am Harmersbach, Schwarzwald; † 31. Januar 1878 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Jurist, Staatsrechtswissenschaftler und katholischer Politiker, großherzoglich badischer Hofrat und Professor an der UniversitĂ€t Freiburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Buß war das Ă€lteste von insgesamt sieben Geschwistern. Sein Vater war Schneider. Dennoch konnte er das Gymnasium in Offenburg besuchen und absolvieren. Nach dem Studium der Philosophie, Medizin, Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg, Heidelberg und Göttingen promovierte Buß 1822 in Freiburg in Philosophie, 1828 in Freiburg in den Rechtswissenschaften und 1831 in Basel in der Medizin. WĂ€hrend des Studiums schloss er sich in Freiburg der Burschenschaft an.[1]

1833 wurde er zunĂ€chst außerordentlicher, dann ab 1836 ordentlicher Professor fĂŒr Staatswissenschaft und Völkerrecht in Freiburg, 1844 zusĂ€tzlich auch noch fĂŒr Kirchenrecht. Mit der Berufung war die Ernennung zum Hofrat verbunden. Er blieb Professor in Freiburg bis zu seinem Tod.

Buß war Herausgeber und Redakteur verschiedener katholischer Zeitungen, GrĂŒnder katholischer Vereine und Inhaber von bedeutenden Laienpositionen in der Kirche, so u. a. erzbischöflicher Kommissar. Unter anderem hat er die Görres-Gesellschaft mitbegrĂŒndet und war Mitglied der katholischen Studentenverbindung Hercynia.[2]

In seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode am 31. Januar 1878 litt er unter schweren Depressionen und musste sich ĂŒber mehrere Monate stationĂ€r in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau behandeln lassen.[3]

Politische TĂ€tigkeit

Mit 34 Jahren wurde Buß als Kandidat des Wahlkreises Gengenbach-Oberkirch in die Zweite Kammer der Badischen StĂ€ndeversammlung gewĂ€hlt. Seine berĂŒhmt gewordene „Fabrikrede“[4] vom 25. April 1837 gilt als die erste sozialpolitische Rede vor einem deutschen Parlament. Als grundsĂ€tzlicher BefĂŒrworter der in Gang befindlichen Industrialisierung sah Buß die nachteiligen Folgen fĂŒr die Arbeiter und verlangte staatliche Hilfsmaßnahmen. Seine Liste konkreter VorschlĂ€ge hatte visionĂ€ren Charakter, sie reichte von ArbeitszeitbeschrĂ€nkungen ĂŒber Unfallschutz bis zu Bildungsmaßnahmen und staatlicher Hilfe bei ExistenzgrĂŒndungen. Buß’ Forderungen fanden aber nicht den Beifall der Kammer. Insgesamt gehörte er von 1837 bis 1840 und von 1846 bis 1848 der Zweiten Kammer des badischen Landtags an.

Buß setzte sich in den 1840er Jahren intensiv mit Wort und Schrift fĂŒr die politische Freiheit der Kirche ein. Die erfolgreiche Sammlung der deutschen Katholiken in den „Piusvereinen“ ist zu nicht geringem Teil auf seinen Einsatz zurĂŒckzufĂŒhren. Er praktizierte einen durchaus liberalen Katholizismus und war entschiedener Gegner eines Deutschkatholizismus. 1845 grĂŒndete er die konservative „SĂŒddeutsche Zeitung fĂŒr Staat und Kirche“. Bei der Ersten Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands wurde er 1848 zum PrĂ€sidenten des ersten Deutschen Katholikentages in Mainz gewĂ€hlt.[5]

Nach der Teilnahme am Vorparlament gehörte Buß vom 5. Dezember 1848 bis zum 30. Mai 1849 der Frankfurter Nationalversammlung als Abgeordneter fĂŒr Nienborg in Westfalen an. Er zĂ€hlte zur konservativen Fraktion CafĂ© Milani. In der Nationalversammlung und im Erfurter Unionsparlament vertrat er einen starken föderalistischen Ansatz und wandte er sich gegen den Ausschluss Österreichs bei der Wiederherstellung des Deutschen Reichs. Seine BemĂŒhungen blieben ebenso erfolglos wie seine Forderung nach Errichtung einer katholischen UniversitĂ€t.

Das Eintreten fĂŒr das habsburgische Kaisertum brachte ihm am 15. Januar 1863 mit Diplom vom 11. Oktober 1863 die Erhebung in den österreichischen Adelsstand (Ritter). Die Adelsanerkennung in Baden erfolgte am 29. Januar 1864.

1873 kehrte er bis 1877 nochmals in die badische Kammer zurĂŒck. FĂŒr die Zentrumspartei gewann Buß im Wahlkreis Tauberbischofsheim 1874 ein Reichstagsmandat, das er ebenfalls bis 1877 innehatte. Hierbei setzte er sich im Kulturkampf fĂŒr die katholische Kirche ein.[6]

Er war 1875 das erste Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Hercynia Freiburg im Breisgau im CV.[7]

Anmerkungen

  1. ↑ Peter Kaupp: Burschenschafter in der Paulskirche
  2. ↑ Das ewige Hercynenverzeichnis
  3. ↑ Petri, S. 61
  4. ↑ Redetext siehe erzbistum-freiburg.de
  5. ↑ PrĂ€sidenten und VizeprĂ€sidenten der Katholikentage
  6. ↑ Petri, S. 63ff.
  7. ↑ Geschichte der K.D.St.V. Hercynia, eingesehen am 17. Februar 2010

Literatur

  • Heinrich Best und Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, 1996, ISBN 3-7700-5193-9, S. 112
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1974, ISSN 0435-2408
  • Dieter K. Petri: Franz Joseph Ritter von Buß − Reichstagsabgeordneter in Berlin 1873–1877, In: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins fĂŒr Mittelbaden. 83. Jahresband 2003. S. 61–68, Verlag des Historischen Vereins fĂŒr Mittelbaden, Offenburg, ISSN 0342-1503
  • Julius Dorneich: Franz Josef Buß und die katholische Bewegung in Baden, Freiburg 1979 ISBN 3-451-18688-8
  • Franz Dor: Franz Joseph Ritter v. Buß. In seinem Leben und Wirken geschildert , Freiburg 1911
  • Johann Friedrich von Schulte: Buß, Franz Joseph Ritter von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 407–409.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Buss, Joseph von. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 831–832.

Weblinks

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