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Franz Lehár (* 30. April 1870 in Komorn, Österreich-Ungarn; †24. Oktober 1948 in Bad Ischl, Österreich) war ein österreichischer Komponist ungarischer Herkunft. Lehár gilt zusammen mit Oscar Straus, Emmerich Kálmán und Leo Fall als Begründer der sogenannten Silbernen Operettenära.
Inhaltsverzeichnis |
Franz Lehár war der Sohn des Kapellmeisters im Infanterieregiment Nr. 50 der österreichisch-ungarischen Armee Franz Lehár (senior) (1838–1888) und der Christine Neubrandt (1849–1906). Sein Bruder Anton schlug wie der Vater eine Militärkarriere ein, die er als General und Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens beendete.
Lehárs Vorfahren waren bis Anfang des 18. Jahrhunderts als Kleinbauern in Lesnitz und Brünnles bei Mährisch Hohenstadt in Nordmähren nachweisbar. Der Name Lehar weist auf den tschechischen Ursprung der Familie hin, wobei es nach der Heirat des Urgroßvaters des Komponisten mit einer Bauerntochter aus Šumvald bei Mährisch Neustadt zur Eindeutschung des Namens kam. Deren Sohn lebte in Šumvald als Häusler und Glaser und heiratete die aus Šumvald stammende Anna Polách, ihr Sohn Franz Lehár (senior) (31. Januar 1838 in Šumvald – †7. Februar 1888 in Budapest) wurde dann der Vater des Komponisten. Lehár senior heiratete in Komorn die Ungarin Christine Neubrandt (1849–1906), deren Vater von bereits magyarisierten mecklenburgischen Einwanderern abstammte, die in alten Taufbüchern aber noch „Neubrandenburger“ hießen. „Als die Mutter im Jahre 1869 heiratete, konnte sie sich in der deutschen Sprache, die ihre Eltern noch vollkommen beherrschten, kaum ausdrücken. Mein Vater dagegen sprach fast gar nicht ungarisch. Da in der Armee damals nur deutsch gesprochen wurde, die ungarische Gesellschaft aber […] deutschsprechende Elemente nicht gerne sah, entbehrte meine Mutter in den ersten Jahren fast völlig jedes gesellschaftlichen Verkehrs.“[1]
Lehár wuchs daher mit der Sprache seiner Mutter auf, dem Ungarischen. Seine Jugend verbrachte er als Sohn eines Militärkapellmeisters mit häufigen Standortwechseln in Städten, die damals zu Ungarn gehörten: Preßburg, Ödenburg, Karlsburg und Klausenburg. Darum erhielt das „a“ des Namens Lehár das ungarische Dehnungszeichen. (Der sudetendeutsche, bis 1945 in Liebau ansässig gewesene Zweig schreibt sich Lehar, die tschechischen Namensträger Léhar.)
Franz Lehár bekannte sich während seines ganzen Lebens durch seine Unterschrift zu seiner ungarischen Herkunft, indem er nach ungarischer Art seinen Taufnamen Ferenc (Franz) dem Familiennamen hintansetzte. Das Wort Ferenc kürzte Lehár meist mit einem violinschlüsselartigen Schnörkel ab und behielt diese Schreibweise auch dann bei, wenn er später mit deutschem Vornamen unterschrieb.
Bei Ernst Décsey, Lehárs erstem Biographen, ist die Familienlegende zitiert, wonach die Lehars von einem Marquis Le Harde abstammen sollen. Dieser Marquis soll als Angehöriger der Grande Armée von den Russen gefangen genommen worden sein, aber in Nordmähren entflohen und bei Bauern Unterschlupf gefunden haben. Für diese Überlieferung fanden sich jedoch keinerlei Nachweise.
Die Begabung von Franz Lehár zeigte sich schon in frühen Jahren am Klavierspiel. Wie Mozart konnte auch er als Kind ein Thema bei verdeckten Tasten variieren. Mit elf Jahren komponierte er sein erstes Lied.
1880 wurde sein Vater mit seinem Regiment nach Budapest versetzt und Lehár besuchte dort das Piaristengymnasium. Um ihm eine bessere Kenntnis der deutschen Sprache zu vermitteln, kam er aber bald auf das Gymnasium in Mährisch Sternberg.
Ab 1882 wurde Lehár wegen seiner groĂźen Musikalität halber SchĂĽler des Prager Konservatoriums und studierte, entsprechend dem Wunsch seines Vaters, Violine bei Anton Bennewitz, Musiktheorie bei Josef Foerster und Komposition bei AntonĂn Dvořák, nachdem er zuvor privat bei ZdenÄ›k Fibich unterrichtet worden war. Als Dvořák 1887 zwei Kompositionen von Lehár gesehen hatte, meinte er: „Hängen Sie die Geige an den Nagel und komponieren Sie lieber.“[2] Auch Johannes Brahms „äuĂźerte sich wohlwollend ĂĽber mich und gab mir eine Empfehlungskarte an Professor Mandyczewski.“[3]
Seine musikalische Laufbahn begann er als Orchestermusiker in Barmen und Elberfeld (heute Wuppertal). Danach wurde er jüngster Militär-Kapellmeister der k.u.k. Armee. In Wien spielte er in der Kapelle seines Vaters und über verschiedene Stationen in der Monarchie arbeitete er sich vor bis zum Nachfolger seines Vaters. Diese Karriere führte ihn nach Pola, Triest, Budapest und von 1899 bis 1902 nach Wien. Wien wurde zu seiner Wahlheimat und Dank einiger großer Erfolge konnte er dann ausschließlich von seinem kompositorischen Schaffen leben und verschrieb sich ganz der Operette.
Schon mit seinen beiden Erstlingswerken Wiener Frauen und Der Rastelbinder galt er als der kommende Mann der Operette. Mit dem Welterfolg der Lustigen Witwe (1905) setzte er sich endgültig an die Spitze der damaligen Operettenkomponisten. Bald schlossen sich in den nächsten Jahren weitere Erfolgsstücke an: Der Graf von Luxemburg, Zigeunerliebe und Eva.
Als in den 1920er-Jahren dann die bisherige „alte“ Operette in der Publikumsgunst zunehmend der Revue weichen musste (auch hier probierte sich Lehár mit einer Revuefassung der Lustigen Witwe mit Fritzi Massary), verabschiedete sich auch Lehár von dieser heiteren Kunstform. Seit Paganini verzichtete er auf das bisher übliche Happy-End und setzte auf opernhaftes Sentiment und Pathos. Die Tenorpartien dieser letzten Operetten, wie Das Land des Lächelns oder Der Zarewitsch schrieb er großteils für Richard Tauber. Seine letzte Operette Giuditta, die er als „musikalische Komödie“ bezeichnete, wurde dann tatsächlich auch 1934 in der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Das "Hohe Haus" versprach sich mit dieser von Lehar lange ersehnten Aufführung auch eine pekuniäre Gesundung.
Privat war er sehr eng mit Giacomo Puccini befreundet und ließ sich auch durch dessen Opern inspirieren (wie umgekehrt auch Puccini von Lehár zu seiner Operette Die Schwalbe angeregt wurde, die allerdings kein Erfolg war). Lehár komponierte selbst zwei Opern (Kukuschka oder Tatjana zu Beginn seiner Laufbahn und Garbonciás, eine Umarbeitung der Zigeunerliebe, als letztes Bühnenwerk). Neben Operetten schrieb er noch zwei symphonische Dichtungen, zwei Violinkonzerte, Filmmusik, Lieder, Tänze und Märsche.
Im Lauf der Jahre zu beträchtlichem Wohlstand gekommen, erwarb Lehár im Jahr 1931 das Schikaneder-Schlössl in Wien-Nußdorf, das bereits Emanuel Schikaneder besaß. Seine Villa in Bad Ischl, in der er im Sommer gern komponierte, vermachte er der Stadt mit der Auflage, daraus ein Lehár-Museum zu bilden. Aus dem Komponistenanteil für Aufführungen seiner Werke in Österreich sollte ein Lehár-Fonds gebildet und die Einkünfte desselben zur Unterstützung unverschuldet in Not geratener alter Menschen verwendet werden. Jedoch sollten keine jungen Talente mit Hilfe dieses Fonds gefördert werden, da, so schrieb Lehár, wahres Talent sich von selbst durchringe und er nicht wünsche, dass dadurch Kunstdilettantismus großgezogen werde.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland hatte auch für Lehár große Auswirkungen, da er „sich ausnahmslos jüdischer Textbuchverfasser bei seinen Operetten bedient: Leo Stein, Bela Jenbach, Bodanzky, Reichert, Julius Bauer, Julius Brammer, Alfred Grünwald, Herzer, Löhner-Beda, Marton, Willner“ und „in Wien ausschließlich in jüdischen Kreisen“ verkehre.[4] Einen Ariernachweis hatte Lehár für sich und seine Frau mit dem Hinweis, dass beide katholisch seien, nie erbracht.[5] Er war aber wegen seiner jüdischen Gattin Sophie (geborene Paschkis) angreifbar und erhielt nur wegen Hitlers besonderem Interesse eine Sondergenehmigung zur Berufsausübung. Die anfänglichen Anfeindungen gegen ihn und sein Werk, die vor allem vom Amt Rosenberg ausgingen, verstummten dank der Interventionen von Goebbels, und seine Operetten wurden dann wieder auf den Spielplänen der deutschen Theater geduldet.[6] 1938 wurde seine Frau zur „Ehrenarierin“ erklärt.[7] Vielleicht stellte Lehár sich auch wegen seiner nicht unumstrittenen Position während des Zweiten Weltkriegs für Propagandakonzerte 1941 in Paris zur Verfügung und schenkte Hitler zu dessen Geburtstag 1938 ein in rotes Maroquin-Leder gebundenes Bändchen zur Erinnerung an die 50. Aufführung der Lustigen Witwe.[8] Trotzdem wurde einmal versucht, Lehárs Gattin zu deportieren.[9]
Lehárs Freund, der Librettist Fritz Löhner-Beda, wurde im KZ Auschwitz ermordet. Zwar findet sich in der Literatur die Behauptung, Lehár habe sich erfolglos um die Freilassung Löhners durch eine persönliche Vorsprache bei Hitler bemüht,[10] aber hierfür gibt es bislang keine Belege.[11] Jüngere Recherchen ergaben im Gegenteil, dass Lehár nichts unternahm[12] und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteuerte, von nichts gewusst zu haben.[13]
Nach dem Krieg hielt sich Lehár in der Schweiz auf, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Im Juni 1948 kehrte der Komponist mit seiner Schwester Emilie Christine, die ihn nach dem Tod seiner Frau betreute, nach Bad Ischl zurück. Im Oktober 1948 erhielt er die Ehrenbürgerschaft und starb kurz darauf. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl.
Denkmal im Wiener Stadtpark von Franz Coufal, 1980 enthĂĽllt
Denkmal in Bad Ischl
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lehár, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Komponist ungarischer Herkunft |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1870 |
| GEBURTSORT | Komárno |
| STERBEDATUM | 24. Oktober 1948 |
| STERBEORT | Bad Ischl |