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Franz Wilhelm Junghuhn (* 26. Oktober 1809 in Mansfeld; â 24. April 1864 in Lembang auf Java, NiederlĂ€ndisch-Indien) war ein deutscher Arzt, Geologe, Botaniker und Landvermesser.
Fr. Junghuhn. Titelbild zum Aufsatz Franz Wilhelm Junghuhn von A. Wichmann. In: Petermanns Mitteilungen, 55. Band 1909, Tafel 37 (gegenĂŒber S. 297)
Junghuhns Werke, geschrieben unter dem Einfluss seines Vorbilds Alexander von Humboldt, zĂ€hlen zu den wertvollsten Schöpfungen der geographischen Literatur. Ăber Jahrzehnte hinweg regten sie zahlreiche Wissenschaftler zu weiterfĂŒhrenden Forschungen an. Reichhaltige Sammlungen belegen diese Werke: Geologen und PalĂ€ontologen haben seine Gesteins- und Fossiliensammlungen, Botaniker und PalĂ€obotaniker seine Herbarien ausgewertet. Bis heute konnten diese Arbeiten nicht zum Abschluss gebracht werden.
Junghuhns Forschungsgebiete befanden sich im damaligen NiederlĂ€ndisch-Indien bzw. im heutigen Indonesien. Die bedeutendste Leistung dieses âgröĂten deutschen Forschers auf malaiischem Bodenâ[1] war die erste vollstĂ€ndige geografische, geologische und botanische Erforschung der Insel Java, des wichtigsten Kolonialgebietes der NiederlĂ€nder. Von bleibendem Wert ist sein darĂŒber verfasstes grundlegendes Werk âJava, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauartâ, das mit einem groĂformatigen Landschaftenatlas, der ersten zuverlĂ€ssigen Karte dieser Insel und mit einem Katalog der geologischen Sammlung âzur ErlĂ€uterung des geologischen Bauesâ ergĂ€nzt werden kann. DarĂŒber hinaus lieferte er die erstmalige topografische und ethnologische Beschreibung der sĂŒdlichen BataklĂ€nder auf Sumatra. Von unschĂ€tzbarem Nutzen fĂŒr die gesundheitlichen VerhĂ€ltnisse in den Tropen war die erfolgreiche Kultivierung von ChinarindenbĂ€umen auf Java.
Nach Meinung des Geografen Oscar Ferdinand Peschel gehört Junghuhn âzu den Zierden deutscher Wissenschaftâ neben Alexander von Humboldt und Leopold von Buch.[2]
Junghuhns offizielles botanisches AutorenkĂŒrzel lautet âJungh.â.
Inhaltsverzeichnis |
Viele seiner AnhĂ€nger sind ĂŒberzeugt, dass Junghuhn unter gleichen Voraussetzungen Ă€hnliche Erfolge wie Alexander von Humboldt erzielt hĂ€tte. Die Ă€uĂeren Bedingungen der beiden Forscher und ihre Charaktere waren jedoch vollkommen gegensĂ€tzlich. Humboldt genoss als Nachkomme eines wohlhabenden Adelsgeschlechts die denkbar beste Kindheits- und Jugenderziehung, seine naturwissenschaftlichen Neigungen wurden von verstĂ€ndnisvollen Privatlehrern gefördert, seine Mittel erlaubten ihm, uneingeschrĂ€nkt seinen Neigungen nachzugehen und seine Weltgewandtheit und diplomatisches Geschick verhalfen ihm zu einem Einfluss, wie er weder vor noch nach ihm einem Forscher zuteil geworden ist.
Ganz anders verlief die Entwicklung von Junghuhn. Der Sohn eines KleinbĂŒrgers wurde mit rauer Hand erzogen und entgegen seinen Neigungen zum Medizinstudium gezwungen. Was ihm in der Jugend an naturwissenschaftlicher Bildung versagt geblieben war, musste er sich autodidaktisch selbst aneignen. Nach dem ZerwĂŒrfnis mit seinem Elternhaus und Jahren voller Entbehrungen sich als heimatlos bezeichnend,[3] begab er sich nach NiederlĂ€ndisch-Indien, wo er neben seinem Dienst als Gesundheitsoffizier als Botaniker, Geologe, PalĂ€ontologe, Mineraloge, Vulkanologe, Ethnologe, Meteorologe und Landvermesser tĂ€tig war. Welche FĂ€higkeiten er in allen diesen Disziplinen besaĂ, ohne darin jemals ein Studium absolviert zu haben, davon zeugen seine Werke.
Das gespannte VerhĂ€ltnis zu seinem Vater, von der Durchsetzung und Wahrnehmung seiner eigenen Interessen bis an die Grenze zur Unversöhnlichkeit verschĂ€rft, hat wesentlich zur Entwicklung seines trotzigen und unbeugsamen Charakters beigetragen. Anders als Humboldt war Junghuhn vollkommen undiplomatisch und kompromisslos bis zur Starrsinnigkeit. Respektlos, vielfach mit Hohn und Spott, Ă€uĂerte er sich gegenĂŒber Vorgesetzten, Fachkollegen, Kolonialbeamten und javanischen Adeligen, was zu stĂ€ndigen Auseinandersetzungen bis zum Ende seines Lebens gefĂŒhrt hat.[4] WĂ€hrend Alexander von Humboldt als âNestor der wissenschaftlichen Reisendenâ und âLeitbild der Erdforscher des 19. Jahrhundertsâ bezeichnet wurde,[5] galt Junghuhn als âkantiger zugeknöpfter EinzelgĂ€ngerâ und als âein unbequemer Mann, der es sich und anderen nicht leicht gemacht hat.â[6] Nebenbuhler wurden rĂŒcksichtslos ausgeschaltet. âWas ihm in der Seele verhasst war, war DilettantengeschwĂ€tz, und wenn man dazu noch seinen unwiderstehlichen Hang zur Satire rechnet, so lĂ€sst sich verstehen, weshalb sein Leben sich zu einer fast unaufhörlichen Kette von Konflikten gestaltete und sein Dasein wiederholt auf des Messers Schneide zu stehen kam.â (A. Wichmann).[7]
Junghuhn kam als erstes Kind der Eheleute Wilhelm Friedrich Junghuhn, einem Bergchirurgus,[8] und Christine Marie geborene Schiele am 26. Oktober 1809 in der Kupfererz-Bergbaustadt Mansfeld am Ostrand eines Harz-AuslÀufers zur Welt. Von den sechs Geschwistern, die nach ihm folgten, starben zwei im Kindesalter.
Junghuhns Zuneigung zur Natur, insbesondere zur Botanik, wurde in seinem kleinbĂŒrgerlichen Elternhaus unterdrĂŒckt. Als Erstgeborener war er dazu bestimmt, fĂŒr den Unterhalt seiner Eltern bis zu ihrem Ableben zu sorgen. Um hierfĂŒr in der Lage zu sein, sollte er Medizin studieren und als Arzt praktizieren. Mansfeld besaĂ jedoch kein Gymnasium, weshalb er bis zur Hochschulreife von einem Privatlehrer unterrichtet wurde. Ein folgenschwerer Missgriff war die Ăbertragung dieser Aufgabe an den Mansfelder Archidiakon Carl Ferdinand Hecht: Dieser unterrichtete mit so ungewöhnlicher Strenge und konservativer GottglĂ€ubigkeit, dass Junghuhn bis an sein Lebensende sich gegen die christlichen Lehren stellte und ein AnhĂ€nger und Verfechter des Pantheismus geworden ist. Seine Ausbildung in Latein jedoch bildete den Grundstock fĂŒr seine vielseitigen autodidaktischen Studien.
Ende September 1825, auf strikte Anordnung seines Vaters, begab sich Junghuhn nach Halle zum Studium der Medizin an der UniversitĂ€t Halle-Wittenberg. Wegen zu jungen Alters â er war erst 16 Jahre alt â wurde er zunĂ€chst abgewiesen. Unter der Obhut eines Theologieprofessors, nach monatelanger Weiterbildung und Vorbereitung in einer chirurgischen Klinik, erfolgte am 24. April 1826 seine vorlĂ€ufige und am 1. Juli 1827 seine endgĂŒltige Einschreibung. Unter dem Einfluss seines Jugendfreundes Hermann Burmeister, der ebenfalls in Halle neben anderen Naturwissenschaften Entomologie studierte, gewann jedoch seine Zuneigung zur Natur wieder die Oberhand. Neben seinem Medizinstudium durchstreifte er botanisierend das östliche, sĂŒdliche und nördliche Harzvorland. Ăberzeugt, dass nur das Studium der Natur seinen Interessen entspricht, gab er am 1. Februar 1829 das Medizinstudium auf.
Junghuhns Exmatrikulation fĂŒhrte zu einem Bruch mit seinem Vater und zum Verlust seiner finanziellen Zuwendungen. Es folgte eine der entbehrungsreichsten Zeiten seines Lebens. Vergeblich versuchte er, mit Gelegenheitsarbeiten sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In seiner Not verkaufte er seine persönliche Habe, darunter auch seine Bettstelle und seine geliebte BĂŒchersammlung.
âSchwankend zwischen Furcht und Hoffen, zwischen Reue und Stolz, zwischen Tod und Leben,â[9] kehrte er nach Mansfeld zurĂŒck. Wieder unternahm er botanische StreifzĂŒge durch ThĂŒringen, in den Harz und in die Umgebung von Braunschweig, sehr zum Unwillen seines Vaters, der die Botanik als unnĂŒtze Liebhaberei ansah. Mit besonderer Vorliebe widmete sich Junghuhn den Pilzen, entdeckte neue Arten und schrieb darĂŒber in lateinischer Sprache seine erste wissenschaftliche Abhandlung, die 1830 in der botanischen Zeitschrift âLinnaeaâ veröffentlicht wurde.[10]
Der Zwist mit seinem Vater, der durch beiderseitige Unnachgiebigkeit scheinbar unĂŒberbrĂŒckbar geworden war, die dĂŒstere Aussicht auf eine ungewisse Zukunft, sein Protest gegen das konservative Christentum, seine Zuneigung zur Natur und seine Abneigung zum Medizinstudium und â nicht zuletzt â sein eigensinniger, nach Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit strebender Charakter haben dazu gefĂŒhrt, dass er sich energisch gegen sein gesellschaftliches Umfeld auflehnte. Sein seelisches Gleichgewicht geriet derart aus den Fugen, dass er im FrĂŒhjahr 1830 ein Selbstmordversuch beging: In einem Kellergewölbe des Mansfelder Schlosses, im Angesicht seines Elternhauses, schoss er sich mit einer Pistole in den Hinterkopf.
Im Hinblick auf seine bis dahin erworbenen nicht unwesentlichen medizinischen Kenntnisse drĂ€ngt sich die Vermutung auf, dass Junghuhn sich mit diesem Schuss nicht das Leben nehmen sondern nur verletzen wollte, um sein Vater zum Nachgeben und Einlenken zu bewegen. Nur EnttĂ€uschung und Bedauern empfand jedoch der Vater fĂŒr den schwer verletzten Sohn. Mit Hilfe eines Arztes pflegte er ihn gesund. FĂŒr Junghuhn muss die Zeit seiner Pflege und Genesung im Haus seines Vaters ein Martyrium gewesen sein.[11]
Von Ostern 1830 bis Ostern 1833 war Junghuhn an der medizinischen FakultÀt der Friedrich-Wilhelms-UniversitÀt in Berlin eingeschrieben. Nur wenige Monate nach seiner Immatrikulation folgte ein Ereignis, das ihn vollends aus der Bahn zu werfen drohte: In einer Berliner Restauration kam es zu einer gegenseitigen Beschimpfung mit einem schweizerischen Studenten namens Schwoerer, die am 1. September 1830 in einem Pistolenduell gipfelte. Junghuhn erhielt einen Schuss durch den linken Oberschenkel, Schwoerer dagegen blieb unverletzt.[12]
Diese Ehrenhandlung war seinerzeit ein schweres Vergehen. Am 9. Juni 1831 wurde Junghuhn vom Senat des Berliner Kammergerichts zu 10 Jahren Festungshaft verurteilt. Zu dieser Zeit befand sich PreuĂen wegen Unruhen in den westlichen NachbarlĂ€ndern im Alarmzustand, und da Junghuhn aus diesem Anlass im April 1831 zum MilitĂ€r eingezogen und im HunsrĂŒck einer Einheit der PreuĂischen Rheinarmee zugeteilt wurde, musste der Vollzug seiner Haftstrafe zunĂ€chst aufgeschoben werden. Neun Monate lang leistete er als SanitĂ€ter seinen Dienst bei einer in Simmern und Laubach stationierten Feldbatterie. Erst am 25. Dezember 1831, âals die Armee demobil gemacht und auf den FriedensfuĂ gesetzt wurdeâ (Junghuhn),[13] erhielt sein Kommandant Befehl, ihn festzunehmen und in die Festung Ehrenbreitstein zu ĂŒberfĂŒhren.
Am 1. Januar 1832 wurde Junghuhn in das dortige MilitĂ€rgefĂ€ngnis eingeliefert. Nach ĂŒber zwölf Monaten Gefangenschaft simulierte er ein Brustleiden, worauf er am 20. Januar 1833 in das Koblenzer Garnisonslazarett in der WeiĂer Gasse (ehemaliges Dominikanerkloster) ĂŒberfĂŒhrt wurde. Seine RĂŒckverlegung nach Ehrenbreitstein, die im Juli erfolgen sollte, konnte er durch Simulierung einer Geisteskrankheit verhindern.
Dem Misstrauen eines MilitĂ€rarztes verdankte Junghuhn die Bekanntschaft mit Philipp Wirtgen, der als Botaniker in der Rheinprovinz groĂe Anerkennung besaĂ. Wirtgen wurde gebeten, einen âmerkwĂŒrdigenâ Mann anzusehen, der vom Ehrenbreitstein ins Koblenzer Lazarett gebracht worden war und âbedenkliche Anzeichen von geistiger Störungâ erkennen lieĂ. Da der Patient auf den SpaziergĂ€ngen mit offenbar wissenschaftlichem Verstand sich fĂŒr die Pflanzenwelt interessierte, kamen Zweifel auf ĂŒber die Echtheit seiner Geisteskrankheit. Wirtgen erschien dem MilitĂ€rarzt als die am besten geeignete Person, den Zustand des Patienten mit dem nötigen Fachwissen zu beurteilen.[14] Kaum war Junghuhn mit Wirtgen allein, gab er sich ihm zu erkennen und schloss mit ihm eine Freundschaft, die bis zum Ende seines Lebens wĂ€hrte.
In der Nacht vom 13. zum 14. September 1833 floh Junghuhn aus dem Lazarett. Ăber Trier eilte er nach Luxemburg, am 22. September passierte er die französische Grenze. In Toulon meldete er sich als Arzt bei der Fremdenlegion, wurde aber nur als Soldat rekrutiert. Von Januar bis Juni 1834 war er in Algerien stationiert; danach wurde er vorzeitig wegen Dienstuntauglichkeit entlassen.
Ende Juli 1834 kam Junghuhn nach Paris. Als Antwort auf ein Immediatsgesuch erfuhr er von der dortigen PreuĂischen Gesandtschaft, dass er lĂ€ngst begnadigt war. Der Gnadenerlass wurde bereits am 14. September 1833 erteilt, wenige Stunden nach seiner Flucht aus dem Koblenzer Lazarett.
In Paris besuchte Junghuhn die ihm als namhaft bekannten Botaniker Antoine-Laurent de Jussieu, Adolphe ThĂ©odore Brongniart und Christian Hendrik Persoon. Richtungsweisend fĂŒr seine Forscherlaufbahn war der niederlĂ€ndische Mykologe Persoon, der Junghuhn den Rat gab, die tropische Pflanzenwelt des Indischen Archipels zu erforschen â ein Unterfangen, das einen bedeutenden Teil seines Lebens in Anspruch nehmen sollte.
Am 5. Oktober 1834 trat Junghuhn seine Heimreise nach Deutschland an. In Koblenz suchte er seinen Freund Wirtgen auf. Gemeinsam unternahmen sie botanische Exkursionen in den HunsrĂŒck, in die Eifel und in das Moseltal.[15] Im November weilte er am Ufer des Laacher Sees; danach fuhr er rheinabwĂ€rts auf einem Dampfschiff nach Rotterdam und begab sich von dort aus nach Leiden und Utrecht.
Damit endet das wirre Kapitel ĂŒber Junghuhns Jugendzeit, und es folgten Jahre groĂer Taten. Hierzu Junghuhns GroĂneffe Max Carl Paul Schmidt: âDes Lebens Rad hat rĂŒcksichtslos an ihm herumgeschliffen. Aber zuletzt hat sich herausgestellt: der spröde Stein, an dem es schliff, war trotz seiner rauen Aussenseite doch ein Diamant.â[16]
Die Begebenheiten und Beobachtungen von seiner Festnahme und Gefangenschaft bis zu seiner RĂŒckkehr in sein Heimatland schrieb Junghuhn 1834 in seinem Bericht âReise nach Afrikaâ nieder, der erst 1909 mit dem Titel âFlucht nach Afrikaâ veröffentlicht worden ist. Das erste Kapitel âReise nach Hollandâ in seinem Werk âTopographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Javaâ ist eine nahtlose Fortsetzung dieses Berichts.[17]
FĂŒr den mittellosen Junghuhn war NiederlĂ€ndisch-Indien nur mit einer Anstellung bei der dortigen Armee zu erreichen. Nach erfolgreicher Absolvierung eines medizinischen Examens am 27. Dezember 1834 in Utrecht erhielt er am 12. Januar 1835 eine feste Anstellung als SanitĂ€tsoffizier dritter Klasse. Am 30. Juni 1835 ging der Dreimaster âJacob Catsâ nach Java ab, und am Morgen des 13. Oktober 1835 betrat Junghuhn den Landungsplatz in Batavia, dem heutigen Jakarta. Erst 13 Jahre spĂ€ter kehrte er â wenn auch nur vorĂŒbergehend â zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Europa zurĂŒck.
Junghuhn leistete zunĂ€chst seinen Dienst als Arzt in den MilitĂ€rhospitĂ€lern von Batavia und Semarang ab. Dass er in jeder freien Stunde botanisierte, die Berge in der erreichbaren Umgebung erstieg und seine EindrĂŒcke und Beobachtungen in Bild und Wort festhielt, erregte jedoch bald den Unwillen von Vorgesetzten und Kollegen und trug ihm zahlreiche Beschwerden wegen PflichtversĂ€umnis ein.
Im Februar 1836 wurde er nach Jogjakarta versetzt. WĂ€hrend eines Urlaubs vom 20. bis 26. Mai durchzog er das wegen seiner zahlreichen Kegelberge âGunung Sewuâ (âTausend HĂŒgelâ) genannte Karstgebiet an der SĂŒdkĂŒste Javas. Westlich von Jogjakarta studierte er am Kalkmassiv Gunung Gamping die erodierenden KrĂ€fte der Witterung, und im September 1836 begann er mit seinen grundlegenden Untersuchungen des tĂ€tigen Vulkans Merapi. Wiederholt erstieg er diesen fast 3000 m hohen Berg und dokumentierte ihn in Wort und Bild bis in die kleinsten Einzelheiten. Die Höhen bestimmte er mit einem selbst konstruierten Barometer, bestehend aus einem Bambusrohr und einer passend kalibrierten Glasröhre, das unterwegs bestĂ€ndig senkrecht gehalten werden musste. Er erzielte damit eine erstaunliche Genauigkeit. Der Merapi und der unmittelbar nördlich angrenzende ĂŒber 3000 m hohe Merbabu waren die ersten Vulkane, die Junghuhn erklomm.
1837 wurde er dem deutschen Arzt Ernst Albert Fritze unterstellt. Dieser war Chef des Gesundheitswesens von NiederlĂ€ndisch-Indien und â als Leiter des Naturhistorischen Museums der âBataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappenâ â selbst in hohem MaĂe naturbegeistert. Fritze erkannte Junghuhns Neigungen und FĂ€higkeiten und nahm ihn als Adjutant auf zwei Inspektionsreisen mit.
Die erste Reise, vom 11. Juli bis zum 23. August 1837, fĂŒhrte durch West-Java. Nach einem Besuch der Wijnkoopsbaai an der SĂŒdkĂŒste und des damals noch von unberĂŒhrten WĂ€ldern umgebenen Bergsees Telaga Patengan wurden die Vulkane Patuha, Tangkuban Perahu, Guntur, Papandayan, Galunggung und Ciremai bestiegen. Ăstlich von Garut, nach dem Abstieg vom Gipfel des Papandayan, wurde der milchig-weiĂe Kratersee Telaga Bodas aufgesucht.
Bei der zweiten Inspektionsreise, die vom 12. April bis zum 15. August 1838 durch Mittel- und Ostjava verlief, wurden elf Vulkane wissenschaftlich untersucht: Der Ungaran, der Lawu, der Sumbing, der Sundoro, nördlich von Jogjakarta - fĂŒr Junghuhn ein weiteres Mal - der Merapi, der Wilis, der Ringgit, der Lamongan, das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Bromo, das von Kratern und Seen durchsetzte Dieng-Plateau und der zweithöchste Gipfel Javas, der 3432 m hohe Slamet. Hinzu kamen zwei Schlammvulkane sĂŒdlich von Surabaya und ein neu entstandener, durch empor gedrĂŒcktes Wasser verursachter Ausbruchskegel bei Ambarawa. Fritze befasste sich mit der Geologie, sammelte Gesteine und berechnete die Höhen, Junghuhn beschĂ€ftigte sich vornehmlich mit der Botanik und hielt die Ergebnisse aller Forschungen in seinem Tagebuch fest.
Nach Beendigung dieser Reisen bemĂŒhte sich Fritze darum, Junghuhn die Möglichkeit zu schaffen, ohne seine Begleitung weiterhin Naturforschung betreiben zu können. Seiner Empfehlung verdankte Junghuhn einen Auftrag der Naturkundlichen Kommission, naturwissenschaftliche Untersuchungen in Westjava durchzufĂŒhren. SĂŒdwestlich der Stadt Bogor (damals Buitenzorg) erstieg er im Oktober 1838 den Gunung Salak. Sein darĂŒber verfasster ausfĂŒhrlicher Bericht, der noch im gleichen Jahr in niederlĂ€ndischer und 1840 in deutscher Sprache erschien, war die erste Veröffentlichung in deutscher Ăbersetzung, mit der Junghuhn die tropische Natur der Insel Java seinen Landsleuten in der Heimat vor Augen gebracht hat. Im April, im Juli und im November 1839 folgten Besteigungen des Vulkanmassivs GedĂ©-Pangrango. Die dabei gewonnenen vielseitigen Beobachtungen hielt er im letzten Abschnitt seines Werks âTopographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Javaâ fest. Im Oktober 1839, vor seinem letzten Besuch des GedĂ©-Pangrango, untersuchte Junghuhn den erloschenen Malabar in den Preanger-Landschaften sĂŒdlich von Bandung.
Junghuhns Exkursionen wĂ€ren nicht möglich gewesen ohne die Inanspruchnahme von einheimischen TrĂ€gern. Neben den unentbehrlichen GerĂ€ten und Messinstrumenten fĂŒr seine wissenschaftlichen Beobachtungen mussten BehĂ€lter fĂŒr mineralische und pflanzliche Objekte, Trinkwasser und Proviant mitgenommen werden. FĂŒr Ăbernachtungen auf den Gipfeln der hohen Vulkane, bei kalter und zugiger Witterung oberhalb der Baumgrenzen, wurde Brennholz fĂŒr warme Mahlzeiten und fĂŒr ein wĂ€rmendes Feuer benötigt. Bei seinen ersten Reisen im Jahre 1836, die Junghuhn in seinem unbĂ€ndigen Forscherdrang aus eigenem Antrieb unternahm, musste er seine Helfer aus eigenen Mitteln bezahlen. Ein Umstand, der sich wenig spĂ€ter in das Gegenteil verkehrte: Bei seinen Reisen mit Dr. Fritze und im Auftrag der Kolonialregierung hatte jeder Dorfvorsteher die Pflicht, TrĂ€ger und einen ortskundigen FĂŒhrer bereitzustellen.
Der Tod seines Vorgesetzten und Gönners Dr. Fritze im Mai 1839 war fĂŒr Junghuhn ein schmerzlicher Verlust. Noch immer stand er als SanitĂ€tsoffizier in militĂ€rischen Diensten. Sein Wunsch nach einer Fortsetzung seiner TĂ€tigkeit bei der Naturkundlichen Kommission wurde abgelehnt. Am 3. Januar 1840 absolvierte er in Batavia das Examen zum âChirurgus Zweiter Klasseâ. Einen Urlaub, den Junghuhn aus gesundheitlichen GrĂŒnden vom 1. MĂ€rz bis 3. April erhielt, nutzte er zur Erforschung des DiĂ«ngâPlateaus in Mitteljava. Im Juli 1840 wurde er nach Batavia zurĂŒckbeordert und zum SanitĂ€tsdienst in Padang auf Sumatra abkommandiert.
Die folgende Begebenheit war nicht nur fĂŒr Junghuhn selbst, sondern vor allem fĂŒr die geografische Wissenschaft von Nutzen. Wegen Krankheit versĂ€umte er die Ăberfahrt nach Padang. Auf dem nĂ€chsten Schiff begegnete er Pieter Merkus, der als Regierungskommissar nach Sumatra unterwegs war, um die Verwaltung der Niederlassungen an der WestkĂŒste zu organisieren; zwei Jahre spĂ€ter wurde er zum Generalgouverneur von NiederlĂ€ndischâIndien ernannt. Von Merkus erhielt Junghuhn den gefahrvollen Auftrag, die unbekannten LĂ€nder der Battas (Batak) zu erforschen. Dankbar nahm Junghuhn diesen Auftrag an, war er doch damit von SanitĂ€tsdiensten befreit.
Dieser Auftrag enthielt jedoch zahlreiche Instruktionen: Eine Karte soll Junghuhn von der Region erstellen, das Klima und die Fruchtbarkeit des Bodens erforschen, nutzbare Boden- und andere NaturschĂ€tze finden, Holzsorten auf ihre Eignung zum Schiffbau prĂŒfen. Von den Batak soll er nicht nur ĂŒber ihre politische Einstellung, Sprache und Schrift, Sitten und GebrĂ€uche, sondern vor allem ĂŒber ihren berĂŒchtigten Kannibalismus Erkundungen einholen. Alle drei Monate soll er Bericht erstatten.
Als Assistent wurde ihm der Naturwissenschaftler Hermann von Rosenberg zugeteilt.
Der direkte Zugang durch das Hinterland von Padang war den beiden Forschern wegen eines zuvor unterdrĂŒckten Aufstands verwehrt.[20] Daraufhin fuhren sie entlang der WestkĂŒste Sumatras auf einem britischen Kauffahrersegler nach Norden. Am 3. Oktober 1840 lief das Schiff in die Bucht von Tapanuli ein und ankerte vor einem hollĂ€ndischen AuĂenposten, der aus strategischen GrĂŒnden auf einer vorgelagerten Insel errichtet worden war. Hier trafen sie ihre letzten Vorbereitungen.[21]
Wenige Tage nach ihrem Aufbruch in das urwaldĂŒberzogene Westsumatra, am 14. Oktober, verirrte sich Hermann von Rosenberg bei einem Jagdausflug, konnte jedoch von Junghuhn gerettet werden. Als Folge dieses fĂŒr ihn schockierenden Ereignisses bekam von Rosenberg einen so heftigen Fieberanfall, dass er die Begleitung und Assistierung Junghuhns quittieren musste.[22]
Ohne seinen Assistenten als Entdecker und Wissenschaftler ganz auf sich allein gestellt, setzte Junghuhn seine Forschungen in den sĂŒdlichen BattalĂ€ndern fort. Die Durchdringung und Vermessung dieser unerschlossenen Gebiete stellte höchste Anforderungen an seine physische und psychische LeistungsfĂ€higkeit. Bedrohungen durch misstrauische Einheimische, die wenige Jahre vor seiner Ankunft von kriegerischen Malaien heimgesucht worden waren, behinderten Junghuhn bei seinen Arbeiten erheblich und vereitelten ein weiteres Vordringen nach Norden.
Welche Hindernisse sich Junghuhn auf seinen Reisen entgegenstellten, geht aus seinen folgenden Worten hervor:
âIn Tobah, wo es weite, völlig flache RĂ€ume gibt, wurde mir das Abmessen von Standlinien unter Drohungen verweigert, weil man dies fĂŒr eine Landesaufnahme fĂŒr anzulegende Festungen hielt ! â Aus Ă€hnlichen GrĂŒnden konnte ich in Hurung meine Beobachtungen nur aus dem GebĂŒsch, versteckt und heimlich machen, â in Silindong wurde mir das Messen von Sonnenhöhen in einem kĂŒnstlichen Horizont bestimmt untersagt, weil dies pure Zauberei sei; ich wurde dringend gebeten, meinen Sextanten einâ und mich selbst aus dem Lande zu packen. â Dazu kommt die gebirgige Unwegsamkeit des Landes; man kann keinen Schritt weit anders, als zu Fuss kommen; â in einem Tage muss man zuweilen 30 bis 40 BĂ€che, wovon einige (in der Thalsohle ausgetretene) sehr warm, und andere gleich darauf (dicht am Bergfusse fliessend) eiskalt sind, durchwaten und, wenn man bis an die Achseln im Wasser steht, seine Instrumente ĂŒber dem Kopf emporhalten. â In den WĂ€ldern ist man ĂŒber Tag von kleinen Springblutegeln geplagt, die sich zu 20â30 an alle Theile des Körpers zugleich ansaugen und durch die Fusskleider hindurchstechend schmerzhafte GeschwĂŒre erregen, und des Nachts von Moskiten. Endlich muss man bei allem diesen noch stets Sorge auf persönliche Sicherheit verwenden, und selbst des Nachts in HĂŒtten, wo man ein hartes Lager mit etwas Mais und Bataten findet, wenigstens sechs Gewehre geladen und mit seinen Bedienten abwechselnd Wache halten, um die Eingebornen durch Furcht zu verscheuchen âŠâ
â Junghuhn, 1847[23]
Dies blieb nicht lange ohne Folgen: Von den 18 Monaten, die Junghuhn auf Sumatra verbrachte, lag er 10 Monate lang krank ohne Ă€rztliche Versorgung in seinem Standlager Tobing auf einem sĂŒdlichen AuslĂ€ufer des Vulkans Lubu Radja. Seine Beine hatten sich durch unzĂ€hlige Blutegelbisse entzĂŒndet. Hinzu kam eine Dysenterie.
Um so erstaunlicher ist das, was er bei halbwegs gesunder Verfassung in den restlichen acht Monaten auf Sumatra erzielen konnte. Trotz des Misstrauens der Batak und den daraus entstandenen Schwierigkeiten gelang es ihm, alle Aspekte ihrer Kultur und ihres Alltagslebens zu erkunden.
Seine bedeutendste Leistung in diesen acht Monaten war jedoch die Vermessung und Kartierung der BataklĂ€nder. Unmittelbar nach seiner Ankunft in der Bucht von Tapanuli wĂ€hlte Junghuhn zwei markante Hauptpunkte fĂŒr eine geodĂ€tische Basislinie, ermittelte deren geografische Koordinaten durch astronomische Breiten- und Azimutbestimmungen und errechnete ihren Abstand, auf das heutige MaĂsystem umgerechnet, auf 14,3 Kilometer. Auf dieser Basis schuf er durch Winkelmessungen und Polhöhenbestimmungen ein geodĂ€tisches Vermessungsnetz. Mit dieser Leistung, die nach Montigel zu âden gröĂten Taten menschlicher Willenskraftâ gerechnet werden muss,[24] hat Junghuhn sich das Verdienst erworben, die erste Triangulation in NiederlĂ€ndisch-Indien ausgefĂŒhrt zu haben. Der Wert dieser Pioniertat wird noch dadurch erhöht, dass sie nicht auf der wesentlich besser erschlossenen Insel Java geschah, sondern unter ungleich schwierigeren Bedingungen in den urwaldĂŒberzogenen Gebirgen Westsumatras. Erst 50 Jahre spĂ€ter gelang es der NiederlĂ€ndischen Kolonialregierung, dieses schwer zugĂ€ngliche Gebiet zu unterwerfen.
Die nachfolgenden Kartenausschnitte, die annÀhernd das gleiche Gebiet umfassen, sollen die geografisch-topografischen Fortschritte veranschaulichen, die von Junghuhn in den BattalÀndern erzielt worden sind. Zum Vergleich dient eine Karte nach Satellitenaufnahmen.
Eine der besten Karten von Sumatra vor Junghuhns Erkundungen ist diejenige des englischen Historikers und Orientalisten William Marsden, der als SekretĂ€r im seinerzeit britischen Bencoolen, dem heutigen Bengkulu, an der WestkĂŒste stationiert war. Acht Jahre lang sammelte Marsden alle mĂŒndlichen und schriftlichen Nachrichten ĂŒber Sumatra und fasste sie zusammen in seiner Monografie âThe History of Sumatraâ. Der hier abgebildete Ausschnitt wurde von jener Karte abgelichtet, die sich in der 1811 erschienenen maĂgeblichen dritten Auflage dieses Werkes befindet. Auf dieser Karte sind die Bergketten so dargestellt, wie sie vom Schiff aus beim Passieren der WestkĂŒste gesehen werden konnten; die dahinter eingezeichneten Ketten entstammen der Phantasie. Eine 1837 von Heinrich Berghaus gezeichnete Karte von Sumatra enthielt fĂŒr die BattalĂ€nder keine besseren Informationen.[25]
DemgegenĂŒber enthĂ€lt die âGeneral-Karte vom mittleren Sumatraâ in Junghuhns Werk âDie BattalĂ€nderâ eine FĂŒlle von neuen Erkenntnissen. âEs war ein mĂŒhseliges Werk, mit primitiven Hilfsmitteln dieselbe herzustellen; sie ist fĂŒr die damalige Zeit eine wesentliche Verbesserung des Bekannten und gibt zum ersten Mal ĂŒber breite Strecken unbekannten Landes ein zutreffendes Bildâ (Wilhelm Volz).[26] Wegbereitend fĂŒr spĂ€tere Reisende, sowohl fĂŒr die Wienerin Ida Pfeiffer als auch fĂŒr die ersten Missionare, von denen einige ihr Vordringen mit dem Leben bezahlen mussten, war die Darstellung des Paralleltals âMandahelingâ, dessen nördliche Fortsetzung âNieder-Ankolaâ vom erloschenen Vulkan âLubu Rajaâ abgeschlossen wird.[27] DarĂŒber hinaus enthĂ€lt diese Karte die frĂŒheste Darstellung des Tobasees, wenn auch nur andeutungsweise nach Berichten von Einheimischen, von Junghuhn âEik Dahoâ beziehungsweise âLaut Sinkaraâ genannt. Erst 1853 wurde dieser See von dem niederlĂ€ndischen Sprachgelehrten Herman Neubronner van der Tuuk entdeckt.[28]
Auf dem gleichen Seeweg, den Junghuhn fĂŒr die Hinreise gewĂ€hlt hatte, verlieĂ er am 10. MĂ€rz 1842 an Bord eines Kauffahrerseglers die Bucht von Tapanuli. Hinter ihm lagen die gefĂ€hrlichsten, mĂŒhevollsten und entbehrungsreichsten Monate, die er in NiederlĂ€ndisch-Indien bis dahin zugebracht hatte. Am 18. MĂ€rz 1842 kehrte er nach Padang zurĂŒck. Bis zum 10. Juni wurde er beurlaubt, um sich von den ĂŒberstandenen Strapazen zu erholen. Am 11. Juni begab er sich an Bord des Dampfschiffes âNulaâ, das fĂŒnf Tage darauf die Reede von Batavia erreichte. Krankheit und Erschöpfung haben ihn daran gehindert, die von Merkus erhaltenen Instruktionen in vollem Umfang zu erledigen.
Der Zusammenbruch der Vereinigten Ostindischen Kompanie im Jahre 1799 lenkte die Aufmerksamkeit der Briten auf NiederlĂ€ndisch-Indien, und nachdem bereits 1800 eine britische Flotte drei Monate lang den Hafen von Batavia blockierte und 1807 die hollĂ€ndische Seemacht bei Surabaja vernichtet wurde, befahl im Jahre 1808 der niederlĂ€ndische Marschall Herman Willem Daendels aus strategischen GrĂŒnden die schnellstmögliche Anfertigung einer Ăbersichtskarte von Java. Erst 1812, nachdem diese Insel fĂŒr kurze Zeit in den Besitz der East India Company ĂŒberging, wurde diese Karte von Thomas Stamford Raffles zu Ende gefĂŒhrt und 1817 in seinem Werk âThe History of Javaâ veröffentlicht. Sie beruht hauptsĂ€chlich auf den Angaben des amerikanischen Forschers Thomas Horsfield. Raffles lieĂ jedoch dazu noch zahlreiche Kartenskizzen anderer Reisender und Kolonialbeamten mit unterschiedlichen QualitĂ€ten einarbeiten. Fehler und Ungenauigkeiten bei deren ZusammenfĂŒgung waren trotz aller BemĂŒhungen unvermeidlich. Hinzu kam das Fehlen einer trigonometrischen Grundlage.
Diesem strategisch-politischen Hintergrund ist es zu verdanken, dass Junghuhn, trotz seiner Anstellung als Gesundheitsoffizier, im Auftrag der niederlĂ€ndisch-indischen Regierung bis August 1844 mit der topografischen Aufnahme Westjavas, danach mit derjenigen Ostjavas tĂ€tig war. Als Grundlage fĂŒr seine Landesaufnahme benutzte er zwei durch astronomische Ortsbestimmungen festgelegte Punkte an der NordkĂŒste Javas. AusgerĂŒstet mit einer Bussole und einem Sextanten, den er spĂ€ter durch einen Bussolentheodolit[29]ersetzte, peilte er insbesondere von den Gipfeln der Vulkane alle erkennbaren Punkte an.[30]
Junghuhns Ergebnisse können als bahnbrechend bezeichnet werden. Durch seine Aufnahmen wurden die topografisch-orografischen Kenntnisse Javas auf eine neue Grundlage gestellt. Die nachfolgend wiedergegebene Darstellung des Diëng-Plateaus zeigt, mit welcher Sorgfalt er seine Resultate in Karte gebracht hat.
Hinzu kamen die seinerzeit fĂŒr tropische Gebiete ungewöhnlich prĂ€zisen Detailaufnahmen von Vulkangipfeln und Bergmassiven. Die nachfolgenden Kartenausschnitte zeigen zwei Beispiele: Das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Vulkan Bromo und das Vulkanmassiv GedeâPangrango mit dem ebenfalls aktiven GedĂ©. Zum Vergleich wurden Reliefkarten nach Satellitenaufnahmen hinzugefĂŒgt.
Vulkanmassiv Pangrango-Gedé. Aufgenommen im Jahr 1839. Nebenkarte auf dem zweiten Blatt der Kaart van het eiland Java (1855). - Die Nordausrichtung dieser Karte hat schrÀge RÀnder verursacht. Eine Verzerrung der Karte ist nicht entstanden.[32]
Getrieben von seinem Wunsch, seine medizinisch-militĂ€rische Laufbahn zu beenden und seinen Neigungen entsprechend als Naturforscher angestellt zu werden, veröffentlichte Junghuhn in den Jahren 1843 und 1844 in rascher Folge zahlreiche Monografien javanischer Vulkane. Diese Abhandlungen, die eine FĂŒlle von neuen Erkenntnissen enthielten, trugen entscheidend dazu bei, dass binnen kurzer Zeit seine FĂ€higkeiten als Naturbeobachter bis in die höchsten Regierungsstellen bekannt geworden sind. Als einer der ersten trat Pieter Merkus auf den Plan, der Junghuhn im Jahre 1840 mit der Erforschung der BattalĂ€nder auf Sumatra beauftragt hatte. 1843 zum Generalgouverneur ernannt, bewilligte er mit Erlass vom 17. Januar 1844 eine Summe von 6000 Gulden fĂŒr die Veröffentlichung der Resultate der von ihm beauftragten Forschungen. Unerwartet verstarb jedoch Merkus am 2. August, worauf von seinem Nachfolger dieser Posten wieder eingezogen wurde.[33] DarĂŒber hinaus erinnerte man sich voller Anerkennung einer bereits 1841 erschienenen Arbeit, in welcher Junghuhn die höher gelegenen Landstriche Javas mit ihrem gemĂ€Ăigten Klima als Erholungsorte fĂŒr unter tropischer Hitze leidende EuropĂ€er empfohlen hatte.
Kurze Zeit spĂ€ter ging Junghuhns Wunsch in ErfĂŒllung. Am 2. November 1844 ermĂ€chtigte Jean ChrĂ©tien Baud, Minister der Kolonien in Den Haag, den niederlĂ€ndisch-indischen Generalgouverneur, ihn als Mitglied in die Naturkundliche Kommission aufzunehmen. Am 5. Mai 1845 wurde er ehrenvoll aus dem MilitĂ€rdienst entlassen und als Wissenschaftler bei der Naturkundlichen Kommission angestellt. Damit war Junghuhn, inzwischen 36 Jahre alt, die ihm vom Vater einst aufgezwungene medizinische Laufbahn los.
Schroff im persönlichen Umgang und polemisch in seinen Veröffentlichungen, soweit sie personenbezogene Themen betrafen, schuf sich Junghuhn viele Feinde. Obgleich ĂŒberzeugter AnhĂ€nger des Kolonialsystems, kritisierte er dessen MissstĂ€nde mit oft beiĂendem Spott. Einen Höhepunkt in der daraus entstandenen Kette von Konflikten, die fast ohne Unterbrechung bis zum Ende seines Lebens verlief, war ein ZerwĂŒrfnis mit der Kolonialregierung im Jahre 1845: In einem Augenzeugenbericht ĂŒber SchaukĂ€mpfe von Tigern gegen BĂŒffel und ĂŒber das grausame Erstechen von wehrlosen Tigern im Volksschauspiel âRampokâ erlaubte sich Junghuhn unziemliche Bemerkungen ĂŒber den Susuhunan von Solo,[34] mit dem man, um AufstĂ€nde zu verhindern, einen diplomatischen Umgang pflegen musste.[35] Junghuhn wurde eine ernsthafte RĂŒge erteilt: Sollte er sich noch einmal in Ă€hnlicher Weise Ă€uĂern, wĂŒrde er entlassen und des Landes verwiesen werden.
Nicht stattgefunden hat die von vielen Biografen geschilderte Audienz beim Generalgouverneur Rochussen, zu der Junghuhn aus diesem Anlass geladen worden sein soll. Die Hauptpersonen dieses Konflikts waren vielmehr Wolter Robert van HoĂ«vell als Herausgeber, Cornelis Visscher als niederlĂ€ndisch-indischer GeneralsekretĂ€r und der kommissarisch als Generalgouverneur amtierende Jan Cornelis Reijnst. Van HoĂ«vell kam 1836 nach Java und stellte mit Bedauern fest, dass auf literarischem Gebiet in 200-jĂ€hriger Kolonialherrschaft so gut wie nichts geleistet worden war. Noch immer gab es keinen Buchhandel, und die einzig vorhandene Zeitschrift, die jedoch sehr unregelmĂ€Ăig und in manchen Jahren ĂŒberhaupt nicht erschien, waren die âVerhandelingen van het Bataviaasch Genootschapâ.[36] Auch gab es nur zwei Tageszeitungen, der âJavasche Courantâ und der âSoerabaja Courantâ, wissenschaftlich anspruchslose offizielle Organe der Kolonialregierung.[37] Ăberzeugt, dass in der Kolonie bei den europĂ€ischen Bewohnern ein BildungsrĂŒckstand eingetreten war, ersuchte van HoĂ«vell die Regierung um Genehmigung, eine naturwissenschaftliche Zeitschrift herauszugeben. Die Erlaubnis mit der Auflage, keinerlei Kritik an der Regierung zu ĂŒben, war die Geburtsstunde der 1838 gegrĂŒndeten âTijdschrift voor NeĂȘrlands IndiĂ«â.
Im August 1844 trat Junghuhn eine Forschungsreise nach Ostjava an. Seine Beobachtungen und Resultate schrieb er in zwölf Fortsetzungen unter dem Titel âSchetsen, ontworpen op eene nieuwe reis over Java, voor topografische en natuurkundige navorschingenâ nieder. Im Jahr darauf begann van HoĂ«vell, diese âSkizzenâ in der âTijdschrift voor NeĂȘrlands IndiĂ«â zu veröffentlichen. Bereits mit seiner zweiten Skizze lieferte Junghuhn einen Konfliktstoff, der zu Auseinandersetzungen des Herausgebers mit der Kolonialregierung fĂŒhrte: Seine scharfe Kritik an den verschwenderischen Ausschweifungen des einheimischen Regenten von Bandung hielt van HoĂ«vell fĂŒr so bedenklich, dass er diese âSkizzeâ zur PrĂŒfung und Beurteilung an Visscher sandte. Dieser konfiszierte unverzĂŒglich Junghuhns Kritik und stellte van HoĂ«vells Eignung als Herausgeber in Frage.[38]
Mit dem Ziel, die âTijdschrift voor NeĂȘrlands IndiĂ«â verbieten zu lassen, studierte Visscher aufmerksam die Fortsetzungen Junghuhns. In der zehnten Skizze fand er endlich dasjenige Material, das ihm fĂŒr ein Verbot dieser Zeitschrift als geeignet erschien: Junghuhns Beschreibung des Hofstaats von Solo, mit sarkastischen Bemerkungen ĂŒber das Töten der Tiger und ĂŒber die damit verbundenen höfischen Zeremonien. Am 20. Juni 1845, drei Wochen nach Junghuhns Aufnahme in die Naturkundliche Kommission, legte er diese Beschreibung dem kommissarisch amtierenden Generalgouverneur vor. Daraufhin wurde mit Erlass vom 4. Juli 1845 van HoĂ«vell unter Kuratel gestellt und Junghuhn eine schriftliche Verwarnung erteilt.[39]
Am 30. September 1845 trat Jan Jacob Rochussen sein Amt als Generalgouverneur an. Auf Ersuchen van HoĂ«vells veranlasste Rochussen die RĂŒcknahme des Erlasses vom 4. Juli. Junghuhn selbst blieb von diesen Ereignissen weitgehend unberĂŒhrt: Erst im Dezember 1845 kehrte er von seinen Reisen in Ostjava zurĂŒck. Kurz darauf erhielt er von Rochussen den Auftrag, auf Java nach abbauwĂŒrdigen Kohlenfeldern zu suchen. Damit wurde er in die Lage versetzt, mit bestmöglicher UnterstĂŒtzung Java in geologischer, botanischer und palĂ€ontologischer Hinsicht zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Erkundungen hielt er im dritten Band seines Java-Werks fest.
Gesundheitlich geschwĂ€cht durch seine strapazenreichen Exkursionen, reiste Junghuhn im August 1848 mit der sogenannten âEnglischen Ăberlandpostâ[40] zu einem Genesungsurlaub nach Europa. Aus seinen handschriftlichen Notizen ĂŒber den Verlauf dieser Reise geht hervor, dass er zunĂ€chst in seine Heimatstadt Mansfeld fuhr. Von seinen Eltern war nur noch seine Mutter am Leben; sein Vater war 1844 verstorben.
Seinen Wohnsitz nahm Junghuhn zunĂ€chst in Den Haag, zog aber wenig spĂ€ter nach Leiden um, das mit seiner UniversitĂ€t nebst reichhaltiger Bibliothek, seinem Botanischen Garten und seiner Pflanzensammlung âRijksherbariumâ fĂŒr ihn die besten Arbeitsmöglichkeiten bot. Seine botanischen, geologischen und palĂ€ontologischen Sammlungen verkaufte er an die dortige UniversitĂ€t, jedoch unter der Bedingung, dass sie nicht in das Reichsherbarium ĂŒbergeben werden dĂŒrfen, mit dessen Direktor Carl Ludwig Blume er in nicht endenwollenden Streitigkeiten verwickelt war. Seine Pflanzen wurden deshalb von Botanikern untersucht, die nicht im Auftrag des Reichsmuseums tĂ€tig waren. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen wurden ab 1851 unter dem Titel âPlantae Junghuhnianaeâ und ab 1908 unter dem Titel âPlantae Junghuhnianae Ineditaeâ veröffentlicht.
Junghuhn selbst wertete seine eigenen Aufzeichnungen ĂŒber Java aus. Das Resultat ist sein Hauptwerk, âdas eigentliche Werk seines Lebensâ[41]: âJava, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauartâ. Den Druck des zweiten Abschnittes im ersten Band dieses Werkes, der den Landschaftsâ und Vegetationscharakter Javas beschreibt, schob Junghuhn bis zuletzt hinaus, um die bis dahin erfolgten Pflanzenbestimmungen der Leidener Botaniker einarbeiten zu können.
Am 23. Januar 1850 heiratete Junghuhn die in Leiden wohnhafte 22-jÀhrige Offizierstochter Johanna Louisa Frederica Koch. Noch im gleichen Jahr reiste er mit ihr zu seiner Mutter, die nach dem Verkauf des Elternhauses in Mansfeld nach Fischbach in Schlesien gezogen war. In Koblenz stellte er seine Gattin seinem alten WeggefÀhrten Wirtgen vor und zeigte ihr den Ort seiner Gefangenschaft, den Kerker in der Festung Ehrenbreitstein.
Zu Beginn des Jahres 1852 wurde Junghuhn vom niederlĂ€ndischen Kolonialminister Charles Ferdinand Pahud beauftragt, Samen und Setzlinge des Chinarindenbaumes aus den sĂŒdamerikanischen Anden nach Java zu ĂŒberfĂŒhren.[42] Junghuhn lehnte wegen ArbeitsĂŒberlastung ab und schlug dem Kolonialminister vor, den deutschen Botaniker Justus Karl HaĂkarl dorthin zu entsenden. Eine unerhörte Dreistigkeit gegenĂŒber der niederlĂ€ndischen Obrigkeit! Mit der Bitte, sein Java-Werk vollenden zu dĂŒrfen und mit einer zuverlĂ€ssigen Karte zu ergĂ€nzen, erreichte er Pahud's EinverstĂ€ndnis, seine Arbeit in den Niederlanden zum Abschluss zu bringen. Zur Wahrung seiner Rechte und Pflichten nahm er am 30. September 1852 die niederlĂ€ndische StaatsbĂŒrgerschaft an.
Trotz der Arbeiten am Werk und an der Karte fand Junghuhn nebenher noch Zeit, Studienreisen in fast alle LĂ€nder Nordâ und Mitteleuropas zu unternehmen, in die PyrenĂ€en, in die Alpen, nach Schweden und in den Kaukasus, nach einigen Biografen sogar bis in den zentralasiatischen Altai, was aber in Anbetracht der damaligen Verkehrsbedingungen zweifelhaft erscheint. Veröffentlichungen ĂŒber diese Reisen existieren nicht. Ebenfalls in dieser Zeit brachte er seine Lebens- und Weltanschauungen und seine freisinnigen Gedanken ĂŒber Kirche und Religion zu Papier: Anonym erschien 1854 die erste Lieferung der âLicht- en schaduwbeelden uit de Binnenlanden van Java ...â (âLicht- und Schattenbilder aus dem Innern von Java âŠâ).
Im letzten Absatz seines Java-Werks kĂŒndigte Junghuhn eine topographische Karte an, âvom Verfasser dieses Werkes; im Maassstabe von 1 zu 350.000, vertheilt in 4 BlĂ€tter, wovon der Stich binnen Jahresfrist vollendet sein wird.â[43] Junghuhn hielt dieses Versprechen ein: 1855 erschien dasjenige Werk, welches seinen Ruhm als Erforscher Java's endgĂŒltig festgeschrieben hat: Die âKaart van het Eiland Javaâ. Dieses Meisterwerk hat entscheidend dazu beigetragen, dass Junghuhn auf Empfehlung von Alexander von Humboldt am 21. August 1855 zu einem Dinner im Schloss Sanssouci beim preuĂischen König Friedrich Wilhelm IV. eingeladen wurde.
Von ursprĂŒnglich drei Jahren auf fast sieben Jahre verlĂ€ngert, ging Junghuhns Genesungsurlaub in den Niederlanden zu Ende. Zum âInspektor fĂŒr naturkundliche Untersuchungenâ ernannt, begab er sich mit seiner Gattin am 30. August 1855 an Bord des Schiffes âMinister Pahudâ. Nach dreimonatiger Ăberfahrt wurde Batavia erreicht.
Anfang 1856 bezog das Ehepaar ein Haus in Cianjur, in gesunder Höhenlage von 470 Metern östlich des Vulkans Gunung GĂ©de in Westjava. Nur selten war Junghuhn in seinem neuen Domizil zuhause: FĂŒr die naturkundliche Erforschung Java's im Auftrag der Kolonialregierung waren monatelange Studienreisen erforderlich. Dabei beschrĂ€nkte sich Junghuhn nicht nur auf naturwissenschaftliche Untersuchungen, sondern sammelte und archivierte auch pflanzliche und tierische Fossilien. Mit besten Instrumenten fertigte Junghuhn neue GelĂ€ndeaufnahmen, um seine âKaart van het eiland Javaâ zu ĂŒberarbeiten, konnte aber, nachdem er mit der Aufzucht von Chinarindenbaum-Kulturen beauftragt worden war, dieses Vorhaben nicht mehr verwirklichen.
Im Juli 1857 bekam Junghuhn ein gerĂ€umiges Haus in Lembang zugewiesen, nördlich von Bandung in 1300 Meter Höhe am SĂŒdhang des Vulkans Tangkuban Perahu. Hier wurde am 24. August 1857 sein Sohn geboren, der als hollĂ€ndischer StaatsbĂŒrger die Vornamen Frans Lodewyk Christiaan erhielt.
Seit 1854 betrieb die hollĂ€ndische Kolonialregierung auf Java den Anbau von ChinarindenbĂ€umen, deren Rinde das gegen Malaria wirksame Chinin enthĂ€lt. Der deutsche Botaniker Justus Karl HaĂkarl hatte im Regierungsauftrag auf nicht ganz legale Weise die ersten Pflanzen aus ihrer Heimat SĂŒdamerika nach Java gebracht und im Berggarten Cibodas am Osthang des Vulkans GedĂ© in 1250 Meter Meereshöhe eine Versuchsplantage eingerichtet. Sie verkĂŒmmerten, und HaĂkarl gab 1856, gesundheitlich geschwĂ€cht, auf.
An seine Stelle als Direktor der Chinarindenbaum-Plantagen trat Junghuhn. Auch ihm blieb der Erfolg zunĂ€chst versagt. Die Rinde der von ihm favorisierten Art Cinchona pahudiana war nicht chininhaltiger als die von HaĂkarl eingefĂŒhrte Cinchona calisaya. Dennoch sind Junghuhns Verdienste um die Chiningewinnung bahnbrechend. Sofort nach seiner AmtsĂŒbernahme hatte er HaĂkarls Pflanzungen an die höher gelegenen schattigen BerghĂ€nge des Malabar sĂŒdlich und des Tangkuban Perahu nördlich von Bandung verlegt. Dieser Standortwechsel trug entscheidend dazu bei, dass NiederlĂ€ndisch-Indien zum gröĂten Chininproduzenten der Welt aufstieg.[44] Der Durchbruch kam 1865, ein Jahr nach Junghuhns Tod, mit der von Charles Ledger eingefĂŒhrten Art Cinchona ledgeriana.
Als Leiter der Chinarindenbaum-Plantagen kam Junghuhn mit Personen in Kontakt, die ihm kritisch und neidvoll bis zur Ablehnung gegenĂŒber gestanden waren. Sein heftigster Gegner war der ObergĂ€rtner des Botanischen Gartens zu Buitenzorg, dem heutigen Bogor, Johannes Elias Teysmann, der als Inspektor der Kulturen einen gleich hohen Rang wie er selbst besaĂ. Obwohl Junghuhn bereits in den Niederlanden, vor Antritt seiner RĂŒckreise nach Java, mit UnterstĂŒtzung des Kolonialministers Pahud erwirkte, dass HaĂkarl am SĂŒdhang des Vulkans Malabar den Versuchsgarten Cinjiruan anlegen lieĂ, fĂŒhrte die Verlegung der Pflanzungen aus Cibodas zu nicht enden wollenden Streitigkeiten. Diese Konflikte verschĂ€rften sich von Jahr zu Jahr: Junghuhn duldete keinerlei Kritik. Die Bevorzugung von minderwertigen ChinarindenbĂ€umen und unnötig komplizierte und kostspielige Anbaumethoden waren die gravierendsten VorwĂŒrfe seiner Widersacher. Vergeblich bat Junghuhn die Kolonialregierung, fĂŒr seine Plantagen einen dringend benötigten Aufseher einzustellen.[45] Am tiefsten wurde Junghuhn getroffen, als die Redaktion der âTijdschrift van de Natuurkundige Vereenigingâ, der er selbst als korrespondierendes Mitglied angehörte, sich auf die Seite von Teysmann stellte. In einem offenen Brief, der vom 6. bis 10. September 1862 in der Tageszeitung âJava-Bodeâ erschien, wehrte sich Junghuhn mit so heftigen Gegenangriffen, dass er lebhafte Diskussionen in wissenschaftlichen Kreisen auslöste, die wegen seiner oftmals provozierenden Ausdrucksweise nicht immer zu seinen Gunsten ausgegangen sind. Mit welch beiĂendem Spott er beispielsweise den hoch angesehenen Teysmann angriff, geht aus seinen folgenden Worten hervor: âIch glaube wohl, dass jemand ein guter GĂ€rtner sein kann und in allen Verrichtungen, die mechanisch gelernt werden können, sehr nĂŒtzliche und brauchbare Arbeiten liefern wird, ohne dass er eine höhere Veranlagung oder eine höhere innere Berufung besitzt. Aber dann muss er auch GĂ€rtner bleiben und sich nicht auf ein Gebiet wagen, auf dem positive Gelehrsamkeit erwartet wird und, vor allem, wo sein eigenes Urteil zu gebrauchen ist. Macht er es doch, dann schaut, er kann es nicht verhindern, Till Eulenspiegel aus dem Ărmel.â[46]
Ein weiterer Widersacher war der Leidener Professor Willem Hendrik de Vriese, der von der Kolonialregierung den Auftrag erhielt, gegen Erlass einer Schuldensumme von 12.000 Gulden eine Inspizierung der Chinchonaplantagen vorzunehmen. Junghuhn geriet ĂŒber diesen Handel in gröĂte Erregung und drohte de Vriese niederzuschieĂen, falls er es wagen wĂŒrde, seine Pflanzungen zu betreten.[47]
FĂŒr eine nutzbringende Kultivierung der Chinchonaplantagen wurde die wissenschaftliche Mitarbeit eines Chemikers notwendig. Aus frĂŒheren Publikationen ĂŒber die Alkaloide der Chinchonen war Junghuhn der in Rotterdam als Lehrer tĂ€tige Pharmakologe Johan Eliza de Vrij bekannt. Im April 1857, auf Junghuhns Empfehlung, erhielt de Vrij vom Minister der Kolonien den Antrag, sich als Wissenschaftler der NiederlĂ€ndisch-Indischen Regierung zur VerfĂŒgung zu stellen. Kurze Zeit spĂ€ter erklĂ€rte er sich hierzu bereit, betrachtete er doch die Chininforschung als seine Lebensaufgabe.
Ende Januar 1858 lieĂ sich de Vrij in Bandung nieder. Ein groĂes Haus mit Namen âGedong Papakâ wurde fĂŒr ihn zum Laboratorium umgebaut. UnverzĂŒglich begann de Vrij die verschiedenen Arten der Chinarinden zu analysieren, und am 16. MĂ€rz 1859 konnte er voller Stolz dem zum Generalgouverneur ernannten Pahud Kristalle von Chininoxalat vorlegen, die er aus javanischer Rinde dargestellt hatte. Es gelang ihm jedoch nicht, Junghuhn zu ĂŒberzeugen, dass die Cinchona pahudiana zu den minderwertigeren Arten gehört, und nachdem mit RegierungsbeschluĂ vom 11. September 1862 die weitere Vermehrung dieser Art untersagt worden war, drohte seine Freundschaft mit Junghuhn in Feindschaft umzuschlagen.
In dieser angespannten Situation versuchte der in Bandung praktizierende Arzt IsaĂ€c Groneman zu vermitteln. Groneman verstand es, Junghuhn fĂŒr sich zu gewinnen: In kurzer Zeit verband ihn mit Junghuhn eine so innige Freundschaft, dass dieser ihn nicht nur zu seinem Hausarzt ernannte, sondern â unter Umgehung des wesentlich besser qualifizierten de Vrij â der Kolonialregierung als seinen Nachfolger fĂŒr die Leitung der Chinchonaplantagen vorschlug.
FĂŒr de Vrij kam dies einer Ohrfeige gleich, war es doch eine völlige Missachtung seiner fachlichen Kompetenz. So verbittert war er ĂŒber diese fĂŒr ihn unverstĂ€ndliche Handlung, dass er sich von Junghuhn vollstĂ€ndig zurĂŒckzog. Daraufhin wurde ihm ein amtliches Zertifikat zugestellt, in dem zu lesen stand, dass er âseine Konstitution durch eigenes Verschulden untergrabenâ habe und schleunigst nach Europa zurĂŒckgesandt werden mĂŒsse.[48] 1863 erhielt de Vrij einen zweijĂ€hrigen Genesungsurlaub, nach dessen Ablauf er seinen NiederlĂ€ndischâIndischen Dienst quittierte.
Nur die Urne mit seiner Asche wurde nach Java ĂŒberfĂŒhrt und gegen seinen letzten Willen von einem ĂŒbereifrigen Kontrolleur in Junghuhns Grabmal beigesetzt. Die RĂŒckseite des Sockels bekam eine Gedenktafel fĂŒr de Vrij, worauf Junghuhns letzte RuhestĂ€tte die offizielle Bezeichnung âMonument Junghuhn en Dr. de Vrijâ erhielt. Erst spĂ€ter, am Ostrand des Taman Junghuhn (âJunghuhn-Gartenâ), wurde fĂŒr de Vrij ein eigenes Grabmal errichtet.
Vom 5. bis 29. Mai 1858 ankerte die österreichische Fregatte âNovaraâ auf der Reede von Batavia. Der Kurs ihrer berĂŒhmt gewordenen Weltumsegelung war im Wesentlichen von Alexander von Humboldts âPhysikalischen und geognostischen Erinnerungenâ bestimmt. Zwei Wissenschaftler dieser Expedition, der geografisch-statistische Schriftsteller Karl von Scherzer und der Mineraloge und Geologe Ferdinand von Hochstetter, wurden am 17. Mai 1858 von Junghuhn in seinem Wohnsitz in Lembang empfangen.
Ein Brief von Ferdinand von Hochstetter an Alexander von Humboldt enthĂ€lt aufschlussreiche Einzelheiten ĂŒber diese Begegnung.[49] Widerlegt wird die von vielen Biografen verbreitete Darstellung, wonach Junghuhn sich zu dieser Zeit nur noch mit der Kultivierung der ChinarindenbĂ€ume beschĂ€ftigt haben soll. Fast druckfertig legte Junghuhn den Forschern der Novara-Expedition geologische, meteorologische und physikalische Manuskripte und Spezialkarten zur VervollstĂ€ndigung der groĂen Java-Karte vor. Von geologischem Material war von besonderem Interesse eine Sammlung von fossilen Knochen und ZĂ€hnen, ausgegraben am FuĂe des Gunung Murjo in einer auf Java bis dahin noch unbekannten Diluvialformation. Am SĂŒdostfuĂ des Gunung Galunggung untersuchte Junghuhn zum wiederholten Mal die â10.000 HĂŒgelâ, wie er sie nannte; die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse hielt er in Ansichts- und Profilskizzen und in einer detaillierten Karte fest.[50]
Als weitere Zeugnisse seiner ForschertÀtigkeit wurden von Junghuhn Fotos von Landschaften und Pflanzenformationen vorgelegt. Zu seinen hÀufigsten Motiven zÀhlten die Krater des Tangkuban Perahu und die Chinarindenplantagen in seiner Umgebung.
Junghuhn war einer der ersten Naturwissenschaftler, die gezielt mit den Mitteln der Fotografie arbeiteten. Wie wenig zu dieser Zeit dieses neue Medium bekannt war, geht aus Hochstetters Mitteilungen an Alexander von Humboldt hervor: âViel versprechend sind die photographischen Versuche Junghuhn's, ein neues Feld, auf das er sich geworfen hat. Ich musste staunen ĂŒber die neuen Resultate, welche Junghuhn ohne alle Anleitung, fast ohne alle nothwendigen Hilfsmittel zur Zeit meines Besuches bereits erzielt hatte, und wĂŒrde mich glĂŒcklich schĂ€tzen durch die Mittheilung einiger Kunstgriffe, so wie einer Anzahl erprobter Vorschriften und Recepte âŠâ[51]
In seinen letzten Lebensjahren fertigte Junghuhn auch Fotografien aus entfernteren Gebieten an, wie beispielsweise vom Candi DĂ„rĂ„wati, einem Hindutempel auf dem DiĂ«ng-Plateau, und vom Gunung Gamping, einem Kalkmassiv in Zentraljava. Viele dieser Aufnahmen haben historischen Wert: Der Hindutempel ist lĂ€ngst eingestĂŒrzt, das Kalkmassiv fast vollstĂ€ndig durch Erosion abgetragen.
Das Fotoarchiv des Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde in Leiden bewahrt eine Sammlung von Junghuhns Fotografien. Darunter befinden sich stereoskopische Bilder und Aufnahmen, die mit einem selbst konstruierten Fernauslöser gemacht worden sind. Einige dieser Aufnahmen befinden sich im âGedenkboek Franz Junghuhnâ und in Nieuwenhuys und Jaquets Buch âJavaâs onuitputtelijke natuur.â
Am 17. Juni 1858 wurde der Berliner Völkerkundler Fedor Jagor von Junghuhn in seinem Wohnsitz empfangen. Ein Empfehlungsschreiben Alexander von Humboldtâs verschaffte ihm eine ĂŒberaus herzliche Aufnahme.[52] Bei diesem Anlass erneuerte Jagor seine Bekanntschaft mit de Vrij.
FĂŒr die Weiterreise Jagors arbeitete Junghuhn einen exakten Routenplan aus, der die bemerkenswertesten geologischen Erscheinungen, malerische Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische Vegetationsbilder sowie RastplĂ€tze und Unterkunftsmöglichkeiten enthielt. Jedem Tag hatte Junghuhn ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die entsprechende Seite seines groĂen, von Jagor mitgenommenen Java-Werkes. Begeistert Ă€uĂerte sich hierzu Jagor wie folgt: âWer nicht an Ort und Stelle, sein Buch in der Hand, das Geschriebene geprĂŒft, wird sich keine Vorstellung machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit der die VerhĂ€ltnisse aufgefasst sind.â[53] Gegen Ende seiner groĂen Java-Reise kehrte er noch einmal nach Lembang zurĂŒck, von wo aus er, von Junghuhn begleitet, den Gipfel des Tangkuban Perahu-Vulkans erstieg.
Von September bis Oktober 1861 besuchte Ferdinand Freiherr von Richthofen Java. Einen Monat lang fĂŒhrte Junghuhn diesen erst spĂ€ter durch seine China-Reisen berĂŒhmt gewordenen Forscher auf einer sorgfĂ€ltig gewĂ€hlten Route durch den Westen der Insel. WĂ€hrend dieser Exkursion lehrte er den noch jungen Geologen die vielseitigen Möglichkeiten der Beobachtung im GelĂ€nde; er legte damit in von Richthofen âden Grund zu dessen kommendem Ăbergang von der reinen Geologie zur vielseitigen Geografieâ (Banse).[54] Dankbar bekannte sich von Richthofen als Junghuhns bleibenden Schuldner. Das groĂe Java-Werk fand er so trefflich, dass er zur Erweiterung der Kenntnis nichts hinzuzufĂŒgen vermochte. âWelch unendlicher Reichthum an Material, welche FĂŒlle an mĂŒhsam errungenen Beobachtungen in diesem Meisterwerk enthalten sind, das wird erst klar, wenn man selbst einen Theil des Landes sieht und auf jedem Schritt bis in die entlegensten Gegenden nur ein Abbild jener genauen Beschreibungen erblicktâ.[55]
Besuche wie diejenigen Richthofens, des Völkerkundlers Fedor Jagor, der Naturforscher der Novara-Expedition und des Schriftstellers Friedrich GerstĂ€cker bildeten Glanzpunkte in Junghuhns letzten Lebensjahren, die im ĂŒbrigen â des Chinchona-Anbaus wegen â von Auseinandersetzungen mit Botanikern und Regierungsstellen getrĂŒbt waren. ĂuĂerlich ging es Junghuhn glĂ€nzend: Als leitender Kolonialbeamter verfĂŒgte er ĂŒber ein gutes Gehalt, was ihm einen relativ luxuriösen Lebensstil ermöglichte.
Auf seiner Reise durch Westjava mit Ferdinand von Richthofen zog sich Junghuhn eine Amöbenruhr zu, von deren Folgen er sich nie wieder vollstĂ€ndig erholte. Zu Beginn des Jahres 1864 wurde ihm ein Genesungsurlaub in Europa bewilligt, den er wegen eines Leberabszesses jedoch nicht mehr antreten konnte. Am 20. April 1864 verschlimmerte sich sein Zustand, und am 24. April, gegen 3 Uhr morgens, starb er im Alter von 54 Jahren im Studierzimmer seines Hauses in Lembang. Unmittelbar vor seinem Tod bat er seinen am Bett sitzenden Hausarzt IsaĂ€c Groneman: âKannst du das Fenster öffnen? Ich will meinen geliebten Bergen Lebewohl sagen. Ich will zum letzten Mal den Urwald sehen. Ich will die reine Bergluft noch einmal einatmen.â.[56]
Sein Grab, 1993 restauriert und vom Goethe-Institut in Bandung gepflegt, wird von einem stattlichen Obelisk ĂŒberragt, den seine Witwe auf eigene Kosten errichten lieĂ. Die Lage seiner letzten RuhestĂ€tte, im Angesicht seines âHausbergesâ Tangkuban Perahu, hat Junghuhn zu seinen Lebzeiten selbst festgelegt. WĂ€hrend sein Sohn bereits 1888 auf einer Tabakplantage in Nordsumatra verstarb, kehrte seine Witwe nach Europa zurĂŒck und ĂŒberlebte ihn um fĂŒnf Jahrzehnte.
Bis heute blieb Junghuhn in ehrenvoller Erinnerung, nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in seiner Heimatstadt. In Mansfeld wurde die StraĂe hinter der Sankt-GeorgâKirche, an der sein Geburtshaus einstmals stand, im Herbst 1907 in âJunghuhnstraĂeâ umbenannt.[57] Am 10. Juli 1910, anlĂ€sslich einer Festveranstaltung zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags, wurde auf Beschluss der Koninklijk Nederlands Aardrijkskundig Genootschap (Königlich NiederlĂ€ndische Gesellschaft fĂŒr Erdkunde) ĂŒber der EingangstĂŒr des Geburtshauses eine Gedenktafel enthĂŒllt, in die eine Danksagung in niederlĂ€ndischer Sprache eingemeiĂelt ist. Das Geburtshaus wurde 1979 wegen BaufĂ€lligkeit abgerissen. Die Gedenktafel wurde aufbewahrt und drei Jahre spĂ€ter in einen am StraĂenrand errichteten Steinsockel eingemauert.
Im Oktober 2009, anlĂ€sslich der zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtstags, fand ein Symposion mit einer Ausstellung im âInstitut Teknologi Bandungâ (Technologische UniversitĂ€t in Bandung) statt. Initiator und Veranstalter war das Goethe-Institut Jakarta, die Organisation und die Durchfuhrung ĂŒbernahm dessen AuĂenstelle in Bandung. Im Dezember 2009 wurde diese Ausstellung in das niederlĂ€ndische Kulturzentrum "Erasmus Huis" in Jakarta verlegt.
Eine weitere Gedenkveranstaltung, ebenfalls verbunden mit einem Symposion und einer Ausstellung, fand im November 2009 in seiner Geburtsstadt Mansfeld und im "Blauen Saal" des Mansfelder Schlosses statt. Organisiert und durchgefĂŒhrt wurde sie vom Mansfelder Heimatverein.
Die nachfolgenden Angaben wurden aus einer chronologischen Zusammenstellung von Junghuhns Lebensdaten von Max C. P. Schmidt zusammengestellt.[58]
(M = Mitglied, E = Ehrung)
| Beitritte / Ehrungen am |
Gesellschaften und Vereine, Auszeichnungen | |
|---|---|---|
| 11. Januar 1837 | M | Königliche Botanische Gesellschaft zu Regensburg |
| 29. MĂ€rz 1837 | M | Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen (Bataviasche Gesellschaft der KĂŒnste und Wissenschaften) in Batavia |
| 3. August 1839 | M | Leopoldina (Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher), Breslau |
| 10. Juli 1843 | M | Genootschap van Kunsten en Wetenschappen (Gesellschaft der KĂŒnste und Wissenschaften) zu Utrecht |
| 5. Mai 1845 | M | Natuurkundige Commissie (Naturkundliche Kommission) in Batavia |
| 8. Juni 1848 | M | Naturforschende Gesellschaft zu Halle |
| 22. MÀrz 1849 | M | Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften in Marburg |
| 19. Juli 1851 | M | (korrespondierend): Vereeniging voor de Flora van Nederland en deszelfs Overzeesche Bezittingen (Verein fĂŒr die Flora der Niederlande und dessen ĂŒberseeischen Besitzungen) |
| 17. Februar 1852 | M | (korrespondierend): Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië (Königlicher naturkundlicher Verein in NiederlÀndisch-Indien) zu Batavia |
| 19. MĂ€rz 1853 | M | Kaiserliche Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau |
| 12. November 1854 | E | Ernennung zum âRidder in de Orde van de Nederlandse Leeuwâ (Ritter im Orden vom NiederlĂ€ndischen Löwen) |
| 14. Februar 1855 | E | Ăberreichung einer goldenen Schnupftabaksdose mit dem PortrĂ€t des Prinzen Frederik der Niederlande |
| 5. MĂ€rz 1855 | E | Verleihung des PreuĂischen Roten Adlerordens 3. Klasse |
| 20. Februar 1856 | M | (korrespondierend): Bataafsch Genootschap voor Experimentele Wetenschappen (Batavische Gesellschaft fĂŒr experimentelle Wissenschaften) in Rotterdam |
| 28. Februar 1856 | M | Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië (Königlicher naturkundlicher Verein in NiederlÀndisch-Indien) zu Batavia |
| 13. Oktober 1857 | M | K. k. Geographische Gesellschaft zu Wien |
| 26. Dezember 1858 | M | (korrespondierend): K. k. Geologische Reichsanstalt in Wien |
| 8. April 1861 | E | Verleihung des Goldenen VerdienstâKreuzes mit der Krone durch den Kaiser von Oesterreich |
| 16. MĂ€rz 1864 | E | Ăbersendung der Medaille I. Klasse der SociĂ©tĂ© ImpĂ©riale Zoologique dâacclimatation zu Paris. |
Junghuhn stand, wie viele seiner zeitgenössischen Kollegen, im Schatten von Alexander von Humboldt und Charles Darwin, und geriet dadurch unverdient in Vergessenheit. Mit seinem groĂen Java-Werk unternahm er noch einmal einen Versuch, als Einzelner etwas Ganzes zu erfassen, wie Humboldt ein âNaturgemĂ€ldeâ in Wort und Bild zu entwerfen, zu einer Zeit, in der in den immer vielseitiger gewordenen Naturwissenschaften die Spezialisten an die Stelle der Generalisten traten. Viele seiner Beobachtungen waren zwar nach kurzer Zeit ĂŒberholt, lieferten aber ĂŒber Jahrzehnte hinweg richtungsweisende Anregungen fĂŒr weiterfĂŒhrende Forschungen. Manche seiner Beobachtungen waren seiner Zeit voraus, wie zum Beispiel seine Warnung vor einer ökologischen Katastrophe durch die Abholzung der WĂ€lder und den daraus sich ergebenden klimatischen VerĂ€nderungen. Andere seiner Beobachtungen sind noch heute aktuell: Seine vertikale Gliederung der Insel Java in eine heiĂe, gemĂ€Ăigte, kĂŒhle und kalte Region wird in den Schulen Indonesiens in der SekundĂ€rstufe 2 gelehrt. Eine groĂe neue Theorie zu formulieren, gelang Junghuhn nicht, das tat Darwin, dessen Schriften er in seinen letzten Jahren mit Interesse verfolgte.
| Personendaten | |
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| NAME | Junghuhn, Franz Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Arzt und Naturforscher |
| GEBURTSDATUM | 26. Oktober 1809 |
| GEBURTSORT | Mansfeld |
| STERBEDATUM | 24. April 1864 |
| STERBEORT | Lembang |
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