|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Die Frauenfriedenskirche ist eine katholische Kirche im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Erbaut wurde sie zwischen 1927 und 1929 von Hans Herkommer auf der Ginnheimer Höhe. Neben der Kirche befindet sich die gleichnamige Straßenbahnhaltestelle der Linie 16.
Inhaltsverzeichnis |
Der Plan zum Bau der Kirche wurde 1916 von Hedwig Dransfeld entwickelt, der damaligen Vorsitzenden des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Ursprünglich wollte sie das Gotteshaus in Marburg als letzter Wirkungsstätte der heiligen Elisabeth errichten. Ihr Name sollte Cruzifixus-Friedenskirche lauten. Auf Wunsch des Bischofs entschied man sich jedoch für Frankfurt-Bockenheim.[1] Mit dem Bau der Friedenskirche verknüpfte Hedwig Dransfeld folgende drei Intentionen:
„1. sie soll ein ‚Gedächtnismal für die Gefallenen des Weltkrieges‘ sein und noch späteren Jahrhunderten verkünden, wie die deutschen Katholikinnen mitten im Weltkrieg ihre auf dem Felde der Ehre gebliebenen Brüder zu ehren bereit waren;</br> 2. sie soll als ein ‚Ausdruck des Dankes‘ zum Himmel ragen, daß die deutsche Heimat von den Verheerungen des Weltkrieges im wesentlichen verschont blieb;</br> 3. sie soll ein ‚Votivmal der Friedensgesinnung‘ sein: gleichsam ein steingewordenes Friedensgebet, das einen starken, dauernden Frieden für unser deutsches Vaterland erfleht und das feierliche Gelöbnis der deutschen Katholikinnen darstellt, am geistigen Friedensbau in Europa für sich selbst und ihre Kinder mitzuwirken.“[2]
Für den Bau der Kirche wurde ein Stiftungsvermögen gesammelt, das jedoch durch die Inflation wieder verlorenging. Nachdem 1927 die erforderlichen Mittel durch Bemühungen der Pfarrgemeinde wieder beisammen waren, konnte ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Der Wettbewerb machte beispielsweise zur Auflage, dass die Kirche 750 Sitzplätze im Hauptschiff enthalten sollte. Die Konstruktion und die Wahl des Baumaterials war den Architekten überlassen. Außerdem waren ein Pfarrhaus mit Wohnungen und ein Gemeindehaus mit Sälen und Küsterwohnung zu planen.
Für den ausgeschriebenen Wettbewerb gingen 157 Entwürfe ein. Viele bedeutende Kirchenarchitekten der damaligen Zeit, darunter Dominikus Böhm (Offenbach) und Rudolf Schwarz, nahmen am Wettbewerb teil. Dem Preisgericht gehörten u.a. Peter Behrens, Ernst May und Paul Bonatz an. Mit dem ersten Preis wurde die Arbeit Opfergang von Dominikus Böhm ausgezeichnet. Der Arbeitsausschuss für den Bau der Kirche entschloss sich aber entgegen der Bewertung des Schiedsgerichts für den Entwurf von Hans Herkommer.[1]
Am 16. November 1927 wurde der Grundstein zum Gotteshaus gelegt, das nach 17monatiger Bauzeit am 5. Mai 1929 von Bischof Joseph Damian Schmitt eingeweiht wurde, Abt Adalbert von Neipperg hielt die Festpredigt. Die der Mater dolorosa geweihte Kirche wurde am Nachmittag der St. Elisabeth-Gemeinde übergeben. In ihrer Ansprache zum Festakt sagte Maria Heßberger als Vertreterin des Katholischen Deutschen Frauenbundes:
„Wir katholischen Frauen haben diese Kirche erbaut als Ausdruck unseres großen, gewaltigen Schmerzes... Die Frauenfriedenskirche soll aber auch ein Ausdruck unserer großen dankbaren Liebe sein für diejenigen, die ihr Leben hingaben, um unser Leben zu schützen.“[3]
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt und mit Spendenmitteln wiederaufgebaut. In der Gedenkstätte wurden gegen eine Spende die Namen im ersten und zweiten Weltkrieg gefallener oder vermisster Soldaten aus ganz Deutschland aufgenommen.
Die Kirche, das zugehörige Pfarrhaus und die Gemeindesäle bilden zusammen mit dem 18 auf 30 Meter messenden Gedächtnishof eine architektonische Einheit. Der 20 Meter hohe Portalhochbau ist durch drei Rundbogennischen gegliedert, in deren mittlerer sich eine Mosaikstatue der Friedenskönigin, zu der Hedwig Dransfeld Ideengeberin war, befindet. Die Statue stammt von dem Bildhauer Emil Sutor. Das Mosaik des linken Rundbogens zeigt die Motive Nacht, Trauer und Schwert und symbolisiert den Krieg; das rechte Mosaik symbolisiert den Frieden mit der Darstellung von Sonne, Freude und Blumen. Die Mosaiken sind ein Werk des Malers Friedrich Stichs, ausgeführt von der Firma Puhl & Wagner aus Berlin-Neukölln.
Unter dem dreischiffigen, 18 Meter hohen Kirchenraum liegt eine Krypta, in der eine Pietà von Ruth Schaumann steht. Das monumentale Mosaik über dem Hochaltar, der zwei Meter über dem Niveau des Kirchenschiffs liegt, wurde von Josef Eberz geschaffen.[4] Es zeigt Jesus den Gekreuzigten, darunter die von sieben Schwertern durchbohrte Gottesmutter. Die um das Kreuz gruppierten 18 heiligen bzw. seligen Frauen repräsentieren verschiedene Formen christlichen Frauenlebens: Maria Magdalena und Veronika als Zeuginnen von Auferstehung und Passion; die Märtyrerinnen Barbara und Agnes; die Missionarin Thekla; die Klosterfrauen Hildegard von Bingen, Teresa von Avila sowie Therese von Lisieux; die Ehefrauen, Mütter und Witwen Monika von Tagaste, Kunigunde von Luxemburg und Anna Maria Taigi; die Landgräfin und Wohltäterin Elisabeth von Thüringen; die Mystikerin Katharina von Siena und schließlich die schlesische Herzogin und Schutzpatronin der Stadt Görlitz Hedwig von Andechs.
Der Chorraum wird gerahmt durch einen Triumphbogen und beidseitig flankiert von den Abgängen zur Krypta, über denen Kanzel und Bischofsthron angeordnet sind. Die Glocken befinden sich im Portalbau.
Der Bau wurde im Wesentlichen mit Beton ausgeführt, der außen mit Kunststeinplatten (Muschelkalk und Zement mit Quarzbeimischung) verkleidet wurde.[1]
Die Orgel der Frauenfriedenskirche wurde 1996 von der Firma Siegfried Sauer in Höxter gebaut. Die Orgel hat 45 Register mit einer elektrischen Traktur, verteilt auf drei Manuale und Pedal.
Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß die Kirche ein sechsstimmiges Geläut in der Schlagtonfolge as0–c1–es1–f1–as1–c2 der Glockengießerei Schilling (Apolda) aus dem Jahre 1929. Die fünf großen Glocken mussten zu Kriegszwecken abgeliefert werden; die kleine Glocke wurde für das neue Geläut 1957 eingeschmolzen. Gießer war Hermann Hamm aus Frankenthal. Das sechsstimmige Geläut zählt zu seinen besten Gussleistungen. Dank idealer Turmstubenakustik und der daher rührenden weichen, volltönigen Klangentfaltung zählt es mit dem Frankfurter Domgeläut zu den klanglich repräsentativen Geläuten der Stadt.[5]
| Nr. |
Name |
Gussjahr |
Gießer |
Ø (mm) |
Gewicht (kg) |
Nominal (HT-1/16) |
Inschrift |
| 1 | Christus Rex | 1957 | Hermann Hamm | 1858 | 3450 | a0 ±0 | „O Rex Gloriæ veni cum pace“ |
| 2 | Mater Dolorosa | 1957 | Hermann Hamm | 1550 | 2040 | c1 +3 | „Christe cum sit hinc exire / da per matrem me venire / ad palmam victoriæ“ |
| 3 | Bonifatius | 1957 | Hermann Hamm | 1385 | 1430 | d1 +3 | „Bonifati[sic!] confirma patriam nostram in vera et firma fide“ |
| 4 | Elisabeth | 1956 | Hermann Hamm | 1236 | 1050 | e1 +3 | „S. Elisabeth mater pauperum inflamma nos amore quo tu ardebas“ |
| 5 | Hedwig | 1956 | Hermann Hamm | 1039 | 610 | g1 ±0 | „S. Hedwigis imperta defunctis ac nobis pacem et tranquillitatem“ |
| 6 | Margarita | 1957 | Hermann Hamm | 912 | 440 | a1 +3 | „S. Margarita fac mulieres ecclesiæ Margaritas“ |
50.12833333338.64555555556Koordinaten: 50° 7′ 42″ N, 8° 38′ 44″ O