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Frauenstudium

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Frauenstudium bezeichnet die Möglichkeit fĂŒr Frauen einer universitĂ€ren Ausbildung zu folgen und wird als Teil der allgemeinen höheren Bildung, genauer der Frauenbildung, betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

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In der Antike und im frĂŒhen Mittelalter war es fĂŒr Frauen zwar nicht ĂŒblich, aber dennoch möglich, an Akademien zu studieren und zu lehren. Berichte ĂŒber prominente Ärztinnen, Architektinnen, Philosophinnen und andere weibliche Gelehrte aus dem Alten Ägypten, dem Antiken Griechenland oder dem Römischen Reich sind ĂŒberliefert.

Nachdem in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft Schulen und UniversitĂ€ten zunehmend kirchlichen Vorgaben folgten, bekamen MĂ€dchen jahrhundertelang fast nur dann Zugang zu Bildung, wenn ihre Familie einem Kloster eine Mitgift ĂŒbereignete.[1] Medizinische Studien und Lehre waren fĂŒr Frauen eine der letzten Möglichkeiten, sich akademisch zu betĂ€tigen. Eine berĂŒhmte Ärztin des Mittelalters war Trotula di Ruggiero, die vermutlich im 11. Jahrhundert als praktische Ärztin an der Medizinschule in Salerno wirkte. Sie schrieb mehrere Abhandlungen ĂŒber die medizinische Praxis und arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen an der medizinischen EnzyklopĂ€die Practica Brevis. Im Haupttext der Schule von Salerno, De Aegritudinum Curatione aus dem 12. Jahrhundert, sind Texte der sieben Großmeister der Schule enthalten, darunter auch Trotulas Lehren.

FrĂŒhester Wegbereiter des Umschwungs zugunsten der Schulbildung von MĂ€dchen und Frauen war der Bischof der böhmisch-mĂ€hrischen BrĂŒdergemeine, Jan Amos Comenius, mit seiner Formel darĂŒber, wie Wissen weitergegeben werden solle: „Omnes, omnia, omnino“ (Alle sollen alles allumfassend lernen dĂŒrfen).

Als mit der AufklĂ€rung die Ideen staatlicher Schulen und einer allgemeinen Schulpflicht aufkamen, dauerte es nicht lange, bis auch ĂŒber den Einbezug von MĂ€dchen in diese Schulpflicht diskutiert wurde. Zu dem Zeitpunkt bestand fĂŒr MĂ€dchen und junge Frauen die einzige Möglichkeit fĂŒr einen höheren Schulabschluss im Besuch einer höheren Töchterschule. In dieser wurden MĂ€dchen auf ihre spĂ€tere Rolle als Ehefrau und Hausverwalterin vorbereitet. Im Lehrplan standen neben den schönen KĂŒnsten auch Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht. Mehr brauchten MĂ€dchen, nach damaligem gesellschaftlichen Konsens, nicht zu lernen.

Hand in Hand mit den Forderungen der ersten Frauenbewegung nach den BĂŒrgerrechten fĂŒr Frauen ging auch die Forderung nach dem Zugang zum institutionellen Bildungssystem sowie der Berufsausbildung fĂŒr Frauen, welche bisher den MĂ€nnern vorbehalten waren. Insbesondere der Zugang von Frauen zu den UniversitĂ€ten war ĂŒber ein Jahrhundert lang heiß diskutiert und umstritten. Bevor sie zugelassen wurden, hatte man darĂŒber gestritten, ob Frauen von ihrer geistigen LeistungsfĂ€higkeit und körperlichen Verfassung her ĂŒberhaupt fĂŒr ein Studium geeignet wĂ€ren.

An der UniversitĂ€t ZĂŒrich konnten bereits 1840 erste Hörerinnen die Hochschule besuchen, seit 1863 inskribieren, so die Schriftstellerin Ricarda Huch, die 1892 in ZĂŒrich mit einer historischen Arbeit promoviert wurde. 1849 wurde das erste Frauencollege der UniversitĂ€t London gegrĂŒndet, und zwischen 1870 und 1894 in fast ganz Europa das Frauenstudium eingefĂŒhrt. Nur Preußen und Österreich-Ungarn bildeten die NachzĂŒgler.[2]

"In Holland werden die Frauen zum UniversitĂ€tsstudium in allen FakultĂ€ten zugelassen; besondere Gesetze sind dafĂŒr nicht vorhanden."[K 1]

"In Italien sind den Frauen durch ein UniversitÀts-Reglement vom 8. Oktober 1876 alle UniversitÀten eröffnet."[K 2]

"Seit dem Jahre 1894 werden auch in der TĂŒrkei die Frauen zum Studium zugelassen. Diese Zulassung beschrĂ€nkt sich jedoch vorlĂ€ufig nur auf die medizinische FakultĂ€t.[K 2]

"Infolge eines seinerzeit vielbesprochenen königlichen Dekrets wurde auch in Ungarn, und zwar erst im Jahre 1895, den Frauen die medizinische und philosophische FakultĂ€t eröffnet. [...] Übrigens ist in jedem Falle noch die besondere Erlaubnis des Unterrichtsministers einzuholen."[K 2]

Frauenstudium in Deutschland

Dorothea Erxleben aus Quedlinburg war 1754 die erste promovierte Frau in den deutschen Staaten. Von ihrem Vater, einem Arzt, war sie privat in theoretischer und praktischer Medizin unterrichtet worden und wurde gemĂ€ĂŸ einem Befehl des preußischen Königs an der UniversitĂ€t Halle zur Promotion zugelassen. Im Januar 1754 reichte sie ihre Dissertation mit dem Titel „Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsicheren Heilung der Krankheiten“ ein. Am 6. Mai desselben Jahres trat sie in Halle zum Promotionsexamen an, das sie mit großem Erfolg ablegte.

Im MĂ€rz 1817 erhielt Marianne Theodore Charlotte v. Siebold Heidenreich, geb. Heiland (1788-1859), in Gießen die DoktorwĂŒrde in der Entbindungskunst mit der Arbeit "Über Schwangerschaft außerhalb der GebĂ€rmutter und ĂŒber Bauchhöhlenschwangerschaft insbesondere". Ihre Mutter Josepha von Siebold wurde 1815 im gleichen Fachgebiet bereits ehrenhalber von der Gießener UniversitĂ€t promoviert. Die UniversitĂ€t Marburg verlieh 1827 eine philosophische EhrendoktorwĂŒrde an die Schriftstellerin Daniel Jeanne (Johanna) Wyttenbach geb. Gallien (1773-1830) aus einer französisch-schweizerischen Familie.

Dorothea Schlözer (Philosophie, 1787 [ohne Anfertigung einer Dissertation]), Sofja Kowalewskaja (Mathematik, 1874), Julia Lermontowa (Chemie, 1874), Margaret Maltby (Physikalische Chemie, 1895), alle in Göttingen, sowie Katharina Windscheid (Philosophie, 1895 in Heidelberg), Elsa Neumann (Physik, 1899 in Berlin) und Clara Immerwahr (Chemie, 1900 in Breslau) waren weitere Frauen, die frĂŒh in Deutschland einen Doktorgrad erhielten.

1897 gab Arthur Kirchhoff das Buch "Die akademische Frau. Gutachten herausragender UniversitĂ€tsprofessoren, Fachlehrer und Schriftsteller ĂŒber die BefĂ€higung zum wissenschaftlichen Studium und Beruf" heraus.[K 1] Von den 100 Stellungnahmen sprach sich knapp die HĂ€lfte positiv aus; ein Drittel (zum Beispiel Max Planck) lehnte das Frauenstudium - teils kategorisch - ab. Kirchhoff selbst plĂ€dierte in seinem Vorwort dafĂŒr.[L 1][L 2] Kirchhoffs Buch enthĂ€lt ein Kapitel "Berichte aus dem Ausland"; in diesem wird die Situation in "Amerika, Belgien, DĂ€nemark, England, Frankreich, Holland, Italien, Rußland, Schweiz, TĂŒrkei, Ungarn" geschildert.[K 3]

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde an deutschen UniversitĂ€ten allmĂ€hlich die Immatrikulation von Frauen erlaubt. Jahrhundertelang waren die Hochschulen eine (fast) ausschließlich mĂ€nnliche DomĂ€ne gewesen. Das zentrale Anliegen der Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich war die Verbesserung der Frauenbildung und der Zugang zu MĂ€nnern vorbehaltenen Berufen und Bildungswegen. 1888 reichte der Allgemeine Deutsche Frauenverein eine Petition beim preußischen Abgeordnetenhaus ein, die um die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium und zur wissenschaftlichen Lehrerinnenausbildung bat. Im selben Jahr forderte der Frauenverein Reform die Zulassung zu allen FĂ€chern. Unmittelbare Erfolge konnten diese Initiativen jedoch nicht verbuchen.

Erfolgreich war hingegen das pragmatische Vorgehen von einzelnen Frauen, die Ausnahmegenehmigungen erwirkten. Diese Ausnahmegenehmigungen erwiesen sich bald als die HintertĂŒr, durch die Frauen der Zugang zu den UniversitĂ€ten gelang: was als Ausnahme begann, wurde schließlich schnell zur Regel. Der erste Schritt dazu war die Zulassung von Frauen als Gasthörerinnen, so in Preußen ab 1896. Hope Bridges Adams Lehmann war die erste Frau in Deutschland, die ihr Medizinstudium als Gasthörerin mit einem Staatsexamen abschloss. Ihr Abschluss in Leipzig 1880 wurde jedoch offiziell nicht anerkannt. Daraufhin wurde sie in Bern promoviert und erhielt 1881 in Dublin die britische Approbation.

Die weitaus meisten Gasthörerinnen besuchten die Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Berlin. JĂŒdische Frauen, besonders solche aus dem Russischen Reich, waren unter den ersten JahrgĂ€ngen besonders stark vertreten. An der Medizinischen FakultĂ€t stellten sie sogar die Mehrheit der Studentinnen. Viele dieser Frauen hatten zuvor in der Schweiz studiert, konnten also schon Studienleistungen vorweisen. Die guten Erfahrungen, die Schweizer UniversitĂ€ten mit studierenden Frauen gemacht hatten, waren auch ein wichtiges Argument fĂŒr die Öffnung der deutschen Hochschulen fĂŒr Studentinnen. So betrachtet ist die EinfĂŒhrung des Frauenstudiums in Deutschland auch den vielen russisch-jĂŒdischen Frauen zu verdanken, die an Schweizer UniversitĂ€ten studierten. Die bekannteste unter ihnen war Rosa Luxemburg, die in den 1890er Jahren an der UniversitĂ€t ZĂŒrich Volkswirtschaft studierte. Ein anderes Beispiel ist die Philosophin Anna Tumarkin, die erste Professorin der UniversitĂ€t Bern.[3]

Dr. phil. Barbara Renz soll die erste Frau gewesen sein, deren Doktorgrad, den sie sich in Rom erworben hatte, 1902 im Königreich Bayern anerkannt wurde. Die Arbeit an einer UniversitÀt blieb ihr jedoch weiterhin untersagt.

Nachdem Frauen an der Philosophischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Heidelberg seit 1895 widerruflich studieren konnten, wurde ihnen im Großherzogtum Baden als erstem deutschen Land per Erlass vom 28. Februar 1900 der volle Zugang zu UniversitĂ€tsstudien ermöglicht. Ab dem Sommersemester 1900 waren Frauen an beiden LandesuniversitĂ€ten, in Freiburg im Breisgau und Heidelberg, als ordentliche Studierende zugelassen.[4] Unter ihnen war die jĂŒdische Medizinstudentin und spĂ€tere Ärztin Rahel Straus, die darĂŒber in ihren Memoiren berichtet (Wir lebten in Deutschland. Stuttgart: DVA 1961).

Am 16. Mai 1904 genehmigte der wĂŒrttembergische König in einem Erlass, dass „reichsangehörige weibliche Personen unter den gleichen Voraussetzungen und in der gleichen Weise wie mĂ€nnliche Personen an der UniversitĂ€t TĂŒbingen“ als Studierende immatrikuliert werden. In Preußen wurde das Frauenstudium erst 1908 allgemein erlaubt. Im Jahre 1913 waren etwa 8 % aller Studierenden weiblichen Geschlechts; bis 1930 stieg dieser Anteil auf etwa 16 %.

An der UniversitÀt Freiburg wurde 1916 Edith Stein "summa cum laude" promoviert und erste deutsche UniversitÀtsassistentin in Philosophie bei Edmund Husserl; er sprach ihr zwar die FÀhigkeit zur Habilitation zu (in ihrer Habilitationsschrift "Endliches und ewiges Sein" setzte sie sich u.a. mit seinem Werk und mit ihrem Nachfolger Heidegger auseinander), verbaute ihr als Frau den Weg dazu aber "aus grundsÀtzlichen ErwÀgungen".

Die Nationalsozialisten kĂŒndigten nach ihrer RegierungsĂŒbernahme an, den Anteil der Studentinnen auf unter 10 % zu senken. Diese Maßnahme wurde aber nur ansatzweise umgesetzt und spĂ€ter stillschweigend wieder aufgehoben. TatsĂ€chlich nahm seit 1936 die Zahl studierender Frauen wieder zu (Vgl. dazu auch die Studie von Claudia Huerkamp BildungsbĂŒrgerinnen: Frauen im Studium und akademischen Berufen 1900–1945, s. Literaturangaben).

In der DDR wurde das Frauenstudium besonders seit Mitte der 1960er Jahre stark gefördert, da der anhaltende FachkrĂ€ftemangel sich immer negativer auf die Volkswirtschaft auszuwirken drohte. Im Jahre 1986 erreichte der Anteil der weiblichen Studierenden den historischen Höchststand von 50,3 %.

1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1989
Weibliche Studierende 19,2 % 25,5 % 25,2 % 26,1 % 35,4 % 48,2 % 48,7 % 50,1 % 48,6 %

Deutsche Demokratische Republik: Anteil der weiblichen Studierenden an den Studierenden im Hochschulstudium (ohne Forschungsstudium).
Quelle: Statistisches Jahrbuch der DDR 1990.

Im Jahre 2003 haben mehr Frauen als jemals zuvor ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beendeten in dem Jahr 105.600 Studentinnen ihr Studium erfolgreich. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das eine Steigerung von 7,6 Prozent. Und 20 Jahre zuvor waren es gar nur die HÀlfte gewesen. Unter den deutschen Hochschulabsolventen haben die Frauen mittlerweile einen Anteil von fast 50 Prozent erreicht, wobei der Anteil der Professorinnen nur etwa ein gutes Sechstel betrÀgt.

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2006[5] 2007[5] 2008[5]
Studentinnen 39,7 % 40,2 % 40,8 % 41,7 % 42,6 % 43,6 % 44,5 % 45,3 % 46,1 % 46,7 % 47,4 % 48,4 % 49,4 % 49,8 % 49,7 %
Promotionen 28,9 % 30,6 % 31,2 % 31,5 % 31,1 % 32,1 % 33,1 % 33,4 % 34,3 % 35,3 % 36,4 % 37,9 % 41,1 % 42,2 % 41,9 %
Professorinnen 6,5 % 6,9 % 7,5 % 8,2 % 8,5 % 9,0 % 9,5 % 9,8 % 10,5 % 11,2 % 11,9 % 12,8 % 15,2 % 16,2 % 17,4 %

Deutschland: Ost- und Westdeutschland, Professorinnen: alle Besoldungsstufen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11: Bildung und Kultur, Reihe 4.4: Personal an Hochschulen, verschiedene JahrgĂ€nge; zitiert nach BLK Heft 109: „„Siebte Fortschreibung des Datenmaterials von ‚Frauen in FĂŒhrungspositionen an Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen‘“, 2003, Statistisches Bundesamt 2004.

Frauenstudium in Österreich

Historische Entwicklung

Im k.k. Österreich wurde 1878 eingefĂŒhrt, dass Frauen Vorlesungen als Gasthörerinnen besuchen durften, obwohl andererseits 1877 die bisher am k.k. Polytechnischen Institut (heute TU Wien) gehaltenen „Damen-Vorlesungen“ abgeschafft wurden.[6]

1896 wurden im Ausland erworbene Doktordiplome anerkannt, unter der Bedingung der Nostrifikation (Wiederholung sĂ€mtlicher Rigorosen), und auch die Zulassung zur Matura gesetzlich verankert. Ab 1897 ließen die UniversitĂ€ten Wien sowie Prag, Graz und Innsbruck Studentinnen zur philosophischen FakultĂ€t zu, ab 1900 auch zum Medizinstudium, aber erst nach Ende des Ersten Weltkrieges erhielten sie 1919 Zutritt zur juridischen FakultĂ€t, 1928 an der evangelisch-theologischen und ab 1945 an der katholisch-theologischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Wien.[2]

Gabriele Possanner promovierte am 2. April 1897 im Fach Medizin in Wien, als erste Frau in Österreich. Die erste Habilitation, ebenfalls in Wien, war die der Elise Richter 1907 fĂŒr Romanistik. Elise Richter wurde 1921 auch zur ersten außerordentlichen Professorin Österreichs berufen.[2]

Margarete SchĂŒtte-Lihotzky war die erste Österreicherin, die ein Architekturstudium absolvierte. SchĂŒtte-Lihotzky ist die Erfinderin der Frankfurter KĂŒche, der Grundlage der modernen KĂŒche.

Der Wiener StadtschulratsprĂ€sident Otto Glöckel setzte sich besonders fĂŒr die Zulassung der Frauen an den UniversitĂ€ten ein. Glöckels Erlass vom 7./22. April 1919 sicherte den Frauen den freien Zugang zu den technischen Hochschulen und der Hochschule fĂŒr Bodenkultur.

1934 fand eine Wende statt, es wurde ein Numerus clausus von 10 % eingefĂŒhrt, und diverse ZugangsbeschrĂ€nkungen und Studienerschwernisse kamen zum Tragen. Zwar erhöhte sich der Frauenanteil ab 1939 kriegsbedingt wieder deutlich, aber erst nach 1945 werden in Österreich neue, gleichbehandelnde Lehrgesetze und Studienordnungen eingefĂŒhrt.[6]

Heutige Regelungen

Das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GlBG) behandelt insbesondere Sonderbestimmungen fĂŒr Angehörige von UniversitĂ€ten (III. Teil, 2. Abschnitt), wonach Studienwerberinnen und weiblichen Studierenden keine Benachteiligung in Bezug auf „Zulassung zum Studium, Zugang zu Lehrveranstaltungen mit einer beschrĂ€nkten Teilnehmerzahl, bei der Anmeldung und DurchfĂŒhrung von PrĂŒfungen, Beurteilung des Studienerfolges, Festlegung des Themas und der Betreuung der Bakkalaureats-, (kĂŒnstlerischen) Magister- oder Diplomarbeit oder Dissertation“ wie auch „der EinrĂ€umung der Möglichkeit zur BenĂŒtzung der facheinschlĂ€gigen Einrichtungen der UniversitĂ€t“ (§ 42(1) B-GlBG Diskriminierungsverbot) erwachsen darf.

Eine Frauenquote ist dabei aber nicht gefordert und auch nicht nötig: Im Jahr 2006 betrug der Frauenanteil unter den Studierenden an österreichischen UniversitĂ€ten und Fachhochschulen 52,3 %, Tendenz steigend (im Jahr 2000 waren es noch 50,4 %). Unter den Neuinskribierten an Österreichs UniversitĂ€ten im Jahr 2006 belief sich der Anteil auf 55,3 % Frauen. (Quelle: Statistisches Taschenbuch 2007 [1])

GemĂ€ĂŸ § 42 des UniversitĂ€tsgesetzes 2002 ist an jeder österreichischen UniversitĂ€t neben den Kontaktfrauen ein Arbeitskreis fĂŒr Gleichbehandlungsfragen einzurichten (§ 41(1) B-GlBG), der einen Frauenförderungsplan erstellt und Gutachten an den Senat I der Gleichbehandlungskommission des Bundes am Bundeskanzleramt richtet, der sich mit Belangen der Gleichbehandlung von Frauen und MĂ€nnern befasst.

Der Titel Professorin ist im Bundes-Verfassungsgesetz verankert, und fĂŒr Ausschreibungen von Professuren fordert das B-GlBG im § 7 das Erreichen der Frauenquote. Diese Maßnahme ist weniger erfolgreich, so betrug der Anteil der weiblich besetzten Professuren an der UniversitĂ€t Wien 1997 nur 7 %[2].

Siehe auch

Literatur

  • Anja Burchardt: Blaustrumpf – Modestudentin – Anarchistin? Deutsche und russische Medizinstudentinnen in Berlin 1896–1918. Stuttgart: Metzler 1997
  • Marianne Koerner: Auf fremden Terrain. Studien- und Alltagserfahrungen von Studentinnen 1900–1918. Bonn: Didot-Verlag 1997
  • Dr. Dorothea Christiana Erxleben. Erste deutsche promovierte Ärztin. Halle an der Saale 1999 (Schriftenreihe des Klopstockhauses [Quedlinburg]; 3).
  • Eva Schöck-Quinteros und Elisabeth Dickmann (Hrsg.): Barrieren und Karrieren. Die AnfĂ€nge des Frauenstudiums in Deutschland. Berlin: Trafo-Verlag 2000
  • Bickert, Hans GĂŒnther; Nail, Norbert: Daniel Jeanne Wyttenbach: Marburgs erste Ehrendoktorin (1827). Marburg 2000 (Schriften der UniversitĂ€tsbibliothek Marburg; 98). ISBN 3-8185-0300-1
  • Johanna Bleker (Hrsg.): Der Eintritt der Frauen in die Gelehrtenrepublik. Zur Geschlechterfrage im akademischen SelbstverstĂ€ndnis und in der wissenschaftlichen Praxis am Anfang des 20. Jahrhunderts. Husum: Matthiesen 1998
  • Bernhard Dietrich Haage: Die heilkundige Frau in Dichtung und RealitĂ€t des deutschen Mittelalters, WĂŒrzburger medizinhistorische Mitteilungen 11 (1993), S. 107-132
  • Anne SchlĂŒter (Hrsg.): Pionierinnen – Feministinnen – Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland. Pfaffenweiler: Centaurus 1992
  • Hiltrud HĂ€ntzschel und Hadumod Bußmann: Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern. MĂŒnchen: Beck 1997
  • Claudia Huerkamp: BildungsbĂŒrgerinnen. Frauen im Studium und akademischen Berufen 1900–1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1996
  • Luise Hirsch: Vom Schtetl in den Hörsaal: JĂŒdische Frauen und Kulturtransfer. Berlin: Metropol 2010
  • Elisabeth Boedeker: 25 Jahre Frauenstudium in Deutschland. Verzeichnis der Doktorarbeiten von Frauen 1908–1933. Bd. 1–4, Hannover 1939/1936/1937/1935 (Band 1 mit einem umfangreichen dokumentarischen Teil ĂŒber die VorlĂ€ufer und AnfĂ€nge. Trotz des Erscheinungsdatums keinerlei nationalsozialistische EinflĂŒsse zu erkennen.)

Weblinks

* http://www.frauengeschichte.uni-bonn.de/ausstell/ausstell.htm Hundert Jahre Frauenstudium (virtuelle Ausstellung Bonn 1996)

* http://www.frauenkommission.ch/pdf/d_4_3_bildung.pdf Geschichte der Frauen an den Schweizer Hochschulen (PDF; 60 kB)

Einzelnachweise

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