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Freiheit (Zeitschrift)

Freiheit
Freiheit.png
Beschreibung Internationales Organ der Anarchisten deutscher Sprache
Fachgebiet Anarchismus, Sozialismus
Sprache Deutsch
Erstausgabe 4. Januar 1879
Einstellung 13. August 1910
Verkaufte Auflage wechselnd, durchschnittlich ca. 5.000 Exemplare
Herausgeber Johann Most

Die Freiheit war eine international verbreitete deutschsprachige, zunÀchst radikal-sozialdemokratische, im weiteren Erscheinungsverlauf sozialrevolutionÀre und anarchistische Zeitschrift, die vom Ende des 19. bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts aufgelegt wurde. Sie wurde hauptsÀchlich von Johann Most herausgegeben. Von der ersten Ausgabe im Januar 1879 bis zur letzten im August 1910 wurde sie mit verschiedenen Unter- und Tarntiteln unter anderem in Wien, in der Schweiz, in London und New York City gedruckt. In den ersten Jahren wurde die Freiheit aufgrund des repressiven Sozialistengesetzes zeitweilig illegal in Deutschland in Umlauf gebracht.

Geschichte

Die erste Nummer der Zeitschrift erschien am 4. Januar 1879. Bereits nach den ersten Ausgaben der Freiheit wurde sie im Deutschen Kaiserreich aufgrund des dort seit knapp 2 1/2 Monaten (22. Oktober 1878) geltenden Sozialistengesetzes (Originaltitel: „Gesetz gegen die gemeingefĂ€hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“) verboten. Das Verbot bezog sich lediglich auf den Titel. Das Fortbestehen der Zeitschrift wurde durch hĂ€ufige Änderungen des Titelnamens gewĂ€hrleistet. Tarntitel waren unter anderem: Der RevolutionĂ€r, Freie Presse, Mahnruf, Der Soldatenfreund, Der Anker, Der Rebell, Gerechtigkeit. Auch die Untertitel wechselten: Social-demokratisches Organ, Organ der SozialrevolutionĂ€re deutscher Sprache, Internationales Organ der Anarchisten deutscher Sprache, seit 1908 Organ der deutschen Anarchisten in Amerika.

Johann Most, der Herausgeber der Freiheit, war ein Kritiker der deutschen sozialdemokratischen FĂŒhrung und wurde 1880 aus der SAP ausgeschlossen.

ZunĂ€chst galt die Freiheit noch vor der zehn Monate spĂ€ter ebenfalls 1879 in der Schweiz gegrĂŒndeten Zeitschrift Der Sozialdemokrat als Organ der deutschen Sozialdemokratie im Exil. Nachdem die Freiheit mit dem Parteiausschluss Mosts aus der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) 1880 ihren Status als Organ der Sozialdemokratie verloren und sich inhaltlich in eine auch offen anarchistisch agitierende Publikation verĂ€ndert hatte, wurde sie in ihrer Funktion als publizistisches Sprachrohr der parteipolitischen Sozialdemokratie zunehmend abgelöst durch die Zeitung Der Sozialdemokrat, die sich zum Hauptorgan der deutschen Sozialdemokratie wĂ€hrend des Sozialistengesetzes auf ĂŒbernationaler Ebene entwickelte, und ebenfalls illegal im Deutschen Reich verbreitet wurde. Die Freiheit erschien jedoch weiterhin, und galt fortan als sozialrevolutionĂ€r-anarchistische Veröffentlichung, die auch gegen die zurĂŒckhaltend-gemĂ€ĂŸigte Haltung der fĂŒhrenden sozialdemokratischen Parlamentarier in Deutschland polemisierte. Most selbst hielt sich bereits seit dem Inkrafttreten des Sozialistengesetzes vor allem im britischen Exil auf, wo er von den Behörden allerdings ebenfalls ĂŒberwacht wurde.

Ein Artikel in der Freiheit vom 19. MĂ€rz 1881 unter der Überschrift „Endlich“ hatte die Verhaftung von Johann Most in London zur Folge. Der Grund fĂŒr die Festnahme bestand im Inhalt des Artikels, der das nach mehreren vorangegangenen Versuchen schließlich tödliche Attentat russischer SozialrevolutionĂ€re auf Zar Alexander II. (am 13. MĂ€rz 1881) positiv beurteilte. Most wurde als Herausgeber zu 16 Monaten GefĂ€ngnis verurteilt. Das Satzmaterial fĂŒr die Zeitschrift wurde beschlagnahmt. Weitere Konfiszierungen folgten. Der am 13. Mai 1882 publizierte Artikel „Der Rebellen Antwort“ ĂŒber die Phoenix-Park-Morde, ein Attentat radikaler irischer Republikaner auf Lord Frederick Cavendish und den UnterstaatssekretĂ€r Burke in Dublin fĂŒhrte erneut dazu, dass Satzmaterial beschlagnahmt und die Setzer der Zeitschrift verhaftet wurden. Durch diese Repressalien wagte es in England schließlich niemand mehr, die Zeitschrift zu drucken. In der Konsequenz wurde die Freiheit - im Überblick ihrer Geschichte - an verschiedenen Erscheinungsorten herausgegeben: von Januar 1879 bis Juni 1882 in London; nach Johann Mosts Haftentlassung und seiner darauf folgenden Auswanderung in die USA erschien sie (mit Nr. 41) ab Dezember 1882 in New York; 1886 in New Jersey; möglicherweise auch in ZĂŒrich, BrĂŒssel und Paris. Durch die Beschlagnahmungen und Verhaftungen sind die wechselnden Erscheinungsorte nicht genau zu rekonstruieren. Zur Tarnung und eigenen Sicherheit wurden auch keine Druckereien mehr erwĂ€hnt, lediglich der Hinweis Unser neuer Drucker [1]. FĂŒr die Ausgaben Nr. 34 bis Nr. 39 wurde Exeter in England angegeben, publiziert wurde jedoch aus SicherheitsgrĂŒnden in der Schweiz. Die Auflagenhöhe unterschied sich je nach Bestimmungsland. Mit 400 Abonnenten in den Jahren 1880/1881 lag die Anzahl der geschmuggelten Exemplare nach Deutschland zwischen 1.100 und 1.800. Im Herbst 1884 gingen wöchentlich 1.200 Exemplare nach Europa; 1885 wurden 5.000 gedruckt, wovon 4.500 fĂŒr Deutschland bestimmt waren. Als Wochenbeilage erschien die Freiheit in der Buffaloer Arbeiterzeitung von September 1897 bis Juli 1899.

In Deutschland schlossen sich interessierte Leser in geheimen Lesevereinen zusammen. Das Blatt galt als wichtiges Organ der deutschsprachigen Exil-Anarchisten. Besonders im Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, Berlin, SĂŒddeutschland, Bremen, und darĂŒber hinaus in Aachen, Augsburg, Dresden, DĂŒsseldorf, Köln, Stuttgart u.a. StĂ€dten fand die Zeitschrift in den Lesezirkeln ein grĂ¶ĂŸeres Publikum. In den 1880er Jahren war die Freiheit ebenfalls in Böhmen, Österreich und Ungarn bei den deutschsprachigen Arbeitern verbreitet.

WĂ€hrend der GefĂ€ngnisaufenthalte Johann Mosts wurde die Zeitschrift auch von anderen Personen herausgegeben, darunter Johann Neve, Justus Schwab (New York) und der Communistische Arbeiterbildungsverein in London. Nach Mosts Tod 1906 wurde die Zeitschrift von seiner Frau Helene Most und spĂ€ter von der Freiheit Publishing Association bis 1910 herausgegeben. Infolge der verschiedenen ErscheinungslĂ€nder und -orte wechselten auch die Redaktionen. Redakteure waren neben Johann Most auch Karl Schneidt (Schweiz), Hermann Stellmacher, Karl Schrödter (auch: Karl Schrödter-Brennwald. Wird als deutscher Polizeispion bezeichnet) u.a. Nach Berichten der politischen Polizei in Berlin wurde die Freiheit ĂŒber Belgien, Frankreich, die Schweiz und die Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt. Dies geschah in Konservendosen, durch MittelsmĂ€nner im ReisegepĂ€ck, in Briefen und als Anlage bei anderen Zeitschriften. Auch auf dem Schiffswege und durch die Post erreichte die Publikation ihre Leser im Deutschen Reich. Londoner Flugschriften wurden in Gipsfiguren, in Bambusrohren oder Sardinendosen geschmuggelt. Die FlugblĂ€tter wurden in einer Auflage von zwischen 10.000 und 30.000 Exemplaren gedruckt [2] und enthielten besondere Artikel aus der Freiheit.

Nach 1886 erschien in London die Zeitschrift Die Autonomie und nach dem Ende des Sozialistengesetzes erschienen in Deutschland mehrere anarchistische Zeitschriften wodurch der Einfluss der Freiheit eingeschrÀnkt wurde; doch behielt die Publikation als internationales Blatt der deutschsprachigen Anarchisten im Ausland bis 1919 eine wichtige Funktion als Bindeglied.

Gleichnamige anarchistische Zeitschriften

  • Freiheit, Organ der deutschen Föderation revolutionĂ€rer Arbeiter. Hrsg.: Wilhelm Klink. Berlin, Stuttgart, Amsterdam (1900 – 1903)
  • Die Freiheit, Politische Wochenschrift. Anarchosyndikalistisch (1928 – 1933)

Englischsprachige Zeitschriften

  • Freedom, London (1886 bis heute)
  • Freedom, A Journal of Anarchist News and Opinion, New York (1933 - ?)

Literatur

  • Heiner Becker, Max Nettlau (Hrsg.) Geschichte der Anarchie. Seitenzahlen beziehen sich auf die HintergrĂŒnde der Zeitschrift Freiheit und Johann Most als Herausgeber:
    • Band 1: Max Nettlau, Bibliothek ThĂ©lĂšme , MĂŒnster 1993. Neudruck, mit einer neuen Einleitung von Heiner Becker (Hrsg.); Der VorfrĂŒhling der Anarchie. Seite 117, 118, 207, 234.
    • Band 2: Max Nettlau, Bibliothek ThĂ©lĂšme, MĂŒnster 1993, 1. Auflage, Neudruck der Ausgabe Berlin, Verlag Der Syndikalist 1925, Der Anarchismus von Proudhon zu Kropotkin. Seite 307
    • Band 3: Max Nettlau, Bibliothek ThĂ©lĂšme, MĂŒnster 1993, 1. Auflage, Neudruck der Ausgabe Berlin, Verlag Der Syndikalist, 1927. Seite: 22, 94, 173, 222, 250, 340, 385, 399, 402, 404.
    • Band 4: Max Nettlau, Anarchisten und SozialrevolutionĂ€re. Bibliothek ThĂ©lĂšme, MĂŒnster 1996. Neudruck der Ausg. Berlin 1931.Seite: 6, 9, 164, 202, 274, 290, 299, 307, 399, 438, 445. ISBN 3-930819-00-7 und ISBN 3-930819-01-5
    • Band 5: Max Nettlau, Die erste BlĂŒtezeit der Anarchie. Seite: 127, 203, 212, 229, 280, 300, 301, 385, 392, 472, 497.
  • Heiner Becker (Hrsg.), Marxereien, Eseleien und Der sanfte Heinrich. Artikel aus der Freiheit; John Most. AusgewĂ€hlt und mit einer Einleitung vom Hrsg. Verlag BĂŒchse der Pandora, Wetzlar 1985. ISBN 3-88178-105-6
  • Hans Manfred Bock, Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918-1923. Seite 40-43. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Abtl. Verlag), Darmstadt 1993. Aktualisierte Ausgabe von 1969. ISBN 3-534-12005-1

Einzelnachweise

  1. ↑ In den „Dirk Hoerders Papers“ des Internationalen Institut fĂŒr Sozialgeschichte (Amsterdam) sind im Archiv aufgefĂŒhrt fĂŒr die Periode von 1848 – 1929: "Die in London und spĂ€ter in New York erscheinende Freiheit' (5 BĂ€nde; es fehlen Band 1-3). 1881–1891. 3 Mikrofilme. 40 14392, 14395, 14675. 41 14676-14677. 42 14678-14679. 43-50 Nr. 610 a spez. (14680-14688) ‘Die Verbreitung der in London und spĂ€ter in New York erscheinenden Freiheit' (9 BĂ€nde). 1879–1901. Nr. 1. (15593-15595) ‘Die anarchistische Bewegung in Amerika' (3 BĂ€nde). 1910–1918. Nr. 1 a adh. (15596-15600) ‘Die anarchistische Bewegung in Amerika. EnthĂ€lt englischsprachige Agentenberichte. (5 BĂ€nde). 1910–1917. Nr. 15. (15634-15635) ‘Agenten von Pinkerton in Amerika' (2 BĂ€nde). 1901–1917. Nr. 1. (15791)
  2. ↑ Information ĂŒber die Historischen HintergrĂŒnde der Zeitschrift Alarm (London) in der Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus (Stand: 14. Juli 2001). Abgerufen am 8. Mai 2009
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