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Die Friedrich-Wilhelm-Stadt ist ein historisches Stadtquartier im Berliner Ortsteil Mitte, das vor allem durch die Charité und drei Theater von Max Reinhardt bekannt wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Die Friedrich-Wilhelm-Stadt wird begrenzt vom Verlauf der alten Zollmauer entlang der Hannoverschen Straße im Norden, von der Friedrichstraße im Osten, von der Spree im Süden und vom Humboldthafen im Westen.
Das Gebiet der Friedrich-Wilhelm-Stadt gehörte seit 1737 zum – von der Zollmauer umschlossenen – Berliner Stadtgebiet und war ursprünglich ein Teil der Spandauer Vorstadt. Im äußersten Nordwesten dieses Gebiets stand seit 1710 ein von König Friedrich. I. errichtetes Pesthaus, aus dem die Charité entstand. Weiter im Süden lagen der Park des Bankiers Ephraim am Unterbaum und verschiedene Garten- und Wirtschaftsgelände, Lager für Baumaterial sowie Brachflächen der ehemaligen Schiffbauplätze an der Spree.
1820 kaufte der Grundstücksspekulant Johann Friedrich Ferdinand Schumann den Ephraim'schen Park und die angrenzenden Grundstücke auf; daraufhin erfolgte die Parzellierung des Geländes und die Anlage der Straßen. Schumann (1780–1835) war unehelicher Sohn eines Bäckergesellen und Seifensieders. In den Befreiungskriegen 1813 legte er mit Lebensmittellieferungen an die preußische Armee den Grundstock zu einem erheblichen Vermögen. Anschließend betrieb er eine Landkutschenroute zwischen Berlin und Potsdam sowie einen Gasthof mit dem Gewinn. 1832 gründete er noch eine Porzellanmanufaktur in der Straße Alt-Moabit 104/105. Der Sohn Schumanns, Adolph, führte die Geschäfte weiter. Er erbte die Porzellanmanufaktur, in deren Gebäudeteilen später die Meierei Bolle entstand. 1834 kaufte er die Brauerei an der Strom- Ecke Turmstraße hinzu.
1826 begann die Bebauung der von Schumann gekauften Flächen – überwiegend mit Häusern für die besseren Kreise, wie sie schon in der Dorotheenstadt und an der Friedrichstraße wohnten. 1828 wurde das Gebiet westlich der Friedrichstraße von der Spandauer Vorstadt abgetrennt und war seitdem ein eigener Berliner Stadtteil mit dem amtlichen Namen Friedrich-Wilhelm-Stadt. Eine einheitliche Neubebauung des gesamten Geländes der Charité wurde 1897 begonnen und 1917 abgeschlossen. 1890 hatte die Friedrich-Wilhelm-Stadt 20.643 Einwohner.[1]
1920 wurde die Friedrich-Wilhelm-Stadt Teil des neugebildeten Stadtbezirks Mitte. Sie hat sich, trotz teilweise starker Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs, in ihrem Stadtgrundriss und zu beträchtlichen Teilen auch in ihrer Bebauung bis heute unverändert erhalten. Seit 1996 ist die Friedrich-Wilhelm-Stadt durch eine städtebauliche Erhaltungsverordnung geschützt.
Das Areal galt als abgelegen. Es konnte mit Pferd oder Wagen nur auf dem Umweg über die Friedrichstraße erreicht werden. In Richtung der Straße Unter den Linden führte lediglich ein Holzsteg für Fußgänger, auf dem Bankier Ephraim seinen Park erreicht hatte. 1821 wurde auf Initiative Schumanns die Marschallbrücke vom südlichen Spreeufer zur Luisenstraße gebaut.
Von 1877 bis 1879 wurde die Kronprinzenbrücke erbaut, die ihren Namen dem damaligen deutschen Kronprinzen Friedrich III. verdankte und die Friedrich-Wilhelm-Stadt mit dem Spreebogen verband. Ihr Vorläufer war die Unterbaumbrücke, eine im Jahr 1709 unterhalb des Schönhauser Grabens errichtete hölzerne Klappbrücke.
Die Straße Unter den Linden hatte an der Nordseite eine durchgehende Bebauung. Der Besitzer des Hauses Nummer 76 wollte sich auch nicht von seinem Haus trennen. Er bekam jedoch als Ersatz ein höheres und größeres, in dessen Erdgeschoss Schinkel einen von Kolonnaden gesäumten Durchgang gestaltete. Es bestand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Im rückwärtigen Garten dieses Grundstücks wurde 1822 unter Mitwirkung Schumanns die Neue Wilhelmstraße angelegt, die in einer Linie mit der Wilhelmstraße vom „Haus über der Straße“ zur Marschallbrücke führte. Auf dem Rest des Gartens (der bis an die Spree reichte) wurden Wohnhäuser gebaut, wie auch ein auf der Ostseite angrenzendes Militärgelände aufgegeben und privat bebaut wurde. In einem unmittelbar benachbarten Haus Unter den Linden 78 wohnte Schumann später bis zu seinem Tod.
Die Luisenstraße erhielt 1836 durch das zusätzliche Neue Tor in der Zollmauer eine Direktverbindung zur Invalidenstraße und damit eine bessere Anbindung nach Nordwesten.
Der etwas pompöse Name für das ziemlich kleine Viertel knüpft an die historischen Vorbilder Friedrichswerder, Dorotheenstadt, Friedrichstadt und Königsstadt an.
Das Viertel wurde 1823 von Schumann nach dem regierenden preußischen König Friedrich Wilhelm III. mit dessen Erlaubnis benannt. Die Straßen erhielten 1827 ihre Namen nach lebenden Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses:
Karlplatz und Karlstraße (heute Reinhardtstraße, nach Max Reinhardt)
Luisenstraße und 1838 Luisenplatz (heute Robert-Koch-Platz)
Die Schumannstraße benannte der Projektentwickler nach sich selbst und wohnte hier zunächst im Haus Nummer 19.
Die Namensgebung der Marschallbrücke erfolgte wahrscheinlich durch Schumann nach dem populären, kürzlich verstorbenen und in unmittelbarer Nähe wohnenden Marschall Blücher.
Nicht nur die patriotische Namensgebung verschaffte dem Immobilienvermarkter Schumann beste Kontakte zu hohen preußischen Regierungsstellen. Unter den Zeitgenossen verstummte nie das Gerücht, die auffallend wohlwollende Förderung des Vorhabens hinge mit persönlicher Bereicherung zusammen. Besonderen Verdacht erregte der Bau der Marschallbrücke auf Staatskosten im Jahr 1821, die den Wert der bereits von Schumann aufgekauften Grundstücke erheblich steigerte. Zur Zeit der Restauration gab es jedoch keine Untersuchungsausschüsse. Da der König von der Angelegenheit vermutlich nie erfuhr, wurden die näheren Umstände nicht geklärt.
Das Woltersdorff-Theater, zeitweilig auch Neues Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater genannt, liegt nicht in der Friedrich-Wilhelm-Stadt, sondern wurde 1860 in der Chausseestraße in der Oranienburger Vorstadt eröffnet.
Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins:
52.524166666713.3802777778Koordinaten: 52° 31′ 27″ N, 13° 22′ 49″ O