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Karl Friedrich Burdach (* 12. Juni 1776 in Leipzig; † 16. Juli 1847 in Königsberg) war ein bedeutender deutscher Physiologe und Anatom, insbesondere Neuroanatom. Seine Autobiographie ist eine bedeutende Quelle für die Wissenschafts- und Medizingeschichte des frühen 19. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis |
Burdach, Sohn des früh verstorbenen Arztes Daniel Christian Burdach in Leipzig, studierte 1793 bis 1798 Medizin und Philosophie in Leipzig, hörte 1798 ein Jahr bei Johann Peter Frank in Wien, promovierte 1799 und arbeitete anschließend als praktischer Arzt und Medizin-Schriftsteller. Er behandelte vorwiegend ärmere Patienten und war auf seine medizinschriftstellerische Tätigkeit angewiesen (Übersetzungen).
1807 wurde Burdach außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig. 1811 erhielt er den Lehrstuhl für Anatomie, Physiologie und Gerichtliche Medizin an der deutschsprachigen Universität Dorpat (heute Tartu, Estland) im Russischen Reich. In Dorpat eilte Burdach der Ruf eines Vertreters der romantischen Naturphilosophie voraus. Er war dabei der Kritik durch das universitäre Establishment ausgesetzt und zugleich für die Studenten interessant, weil das als "modern" galt. Zu Burdachs bekanntesten Schülern in Dorpat gehören Karl Ernst von Baer aus Estland, der 1827 die menschliche Eizelle entdecken sollte, und der Embryologe und Paläontologe Christian Heinrich Pander aus Riga, der 1817 erstmals das wegweisende Keimblattmodell beschrieb.
1814 wechselte Burdach an die Universität Königsberg. Hier baute er die 1817 gegründete Königliche Anatomische Anstalt auf. Baer, sein ehemaliger Student, wurde sein Prosektor und leitete ab 1826 die Anstalt, Burdach widmete sich fast ausschließlich der Physiologie.
Der von Schelling beeinflusste Burdach versuchte einen Mittelweg zwischen Empirie und Naturphilosophie zu gehen. Ein ewiges, "ideelles Princip im Weltganzen" schafft alles Einzelne der Natur. [1] Den "wissenschaftlichen Materialismus" lehnte er als "plump" ab, galt den romantischen Naturphilosophen aber als zu sehr an der Empirie orientiert, musste sich aber zugleich den Vorwurf gefallen lassen, den "Schwindelgeist der Naturphilosophie" in Königsberg einführen zu wollen.
Burdach war verheiratet, seine Ehefrau starb 1838, worauf er sich vom wissenschaftlichen Leben zurückzog. Die letzten Jahre arbeitete er an allgemeinen, naturphilosophischen und psychologischen Fragestellungen, zuletzt an seiner Autobiographie, die er aber nicht mehr abschließen konnte. Er starb im Sommer 1847 in Königsberg. Sein Sohn Ernst Burdach (1801-1876) war ebenfalls Mediziner.
Burdach sah die Physiologie als wichtigste aller Wissenschaften an, da sie sich mit den Lebensvorgängen und -prinzipien insbesondere des Menschen beschäftigte. Sein sechsbändiges Opus magnum Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft (Leipzig 1826–1840) umfasst mit über 3500 Seiten und bekannten Mitarbeitern, neben Baer und Pander auch Martin Heinrich Rathke, Johannes Peter Müller und Rudolf Wagner, das gesamte physiologische Wissen seiner Zeit. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf embryonalen und entwicklungsbiologischen Vorgängen.
Seine anatomisch-morphologischen Vorstellungen entwickelte Burdach in einer Grundsatzrede zur Eröffnung der Anatomischen Anstalt in Königsberg: Ueber die Aufgabe der Morphologie (1817). Die Anatomie sollte sowohl zweckfreie Wissenschaft sein und zugleich dem Nutzen der Patienten dienen. Burdach war ein "master of neuroanatomy" [2], seine bedeutendsten anatomischen Leistungen liegen auf dem Gebiete der Anatomie des Gehirns, sein wichtigstes Werk dabei ist das dreibändige Vom Baue und Leben des Gehirns (Leipzig 1819–1826). Mit der Erforschung des Gehirns suchte Burdach auch Anatomische Strukturen des Zentralnervensystems, die seinen Namen tragen, sind der Burdach-Kern und der Burdach-Strang.
Burdach gehörte außerdem neben Gottfried Reinhold Treviranus und Jean-Baptiste de Lamarck zu den Ersten, die den Begriff Biologie in einem modernen Sinn verwendeten.[3] Außerdem spielte er eine Rolle in der Prägung des Begriffs der Morphologie. Johann Wolfgang von Goethe verwendete ihn erstmals 1796, Burdach publizierte ihn erstmals 1800.
Burdach ist 1808 in den Bund der Freimaurer aufgenommen worden. Er war Mitglied der Loge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig und später der Loge Zu den drei Kronen in Königsberg, deren Meister vom Stuhl er zwischen 1834 und 1841 war.
Allgemein-medizinische und pharmazeutische Schriften und Sammelwerke
Neuroanatomische Schriften
Anthropologische und autobiographische Schriften
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Burdach, Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Burdach, Karl Friedrich (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Anatom und Physiologe |
| GEBURTSDATUM | 12. Juni 1776 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 16. Juli 1847 |
| STERBEORT | Königsberg |