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Friedrich II. (* 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona, Italien; â 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera, Italien) aus dem Geschlecht der Staufer war ab 1198 König von Sizilien, ab 1211/12 deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tode Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach einem erfolgreichen Kreuzzug trug er 1229 auĂerdem die Krone des Königreichs Jerusalem.
Friedrich war der Sohn Kaiser Heinrichs VI. und dessen Gemahlin Konstanze von Sizilien. Auf Wunsch des Vaters und im Sinne von dessen Erbreichsplan war er bereits am Weihnachtstag des Jahres 1196, einen Tag vor seinem zweiten Geburtstag, erstmals zum ârex Romanorumâ gewĂ€hlt worden. Nach Heinrichs Tod 1197 setzte im Reich jedoch Otto IV. aus dem Geschlecht der Welfen seinen Thronanspruch gegen den damals erst vierjĂ€hrigen Friedrich durch. Erst die ungewöhnliche zweite Wahl zum König im Jahre 1211 ebnete Friedrich den Weg zu den Königskrönungen von 1212 und 1215 in Mainz und Aachen. Seit dem Tode Ottos IV. im Jahre 1218 war er unangefochten als König anerkannt, seit 1219 auch von den Welfen, die ihm die Reichsinsignien ĂŒbergaben. 1220 folgte die Kaiserkrönung in Rom.
Der Kaiser, von Zeitgenossen âstupor mundiâ (deutsch: âStaunen der Weltâ) genannt, war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen: Neben seiner Muttersprache Italienisch beherrschte er das Lateinische sowie das Deutsche und verfĂŒgte womöglich auch ĂŒber Grundkenntnisse des Arabischen. DarĂŒber hinaus verstand er Französisch und vielleicht etwas Griechisch.[1] Er war vielseitig interessiert â an naturwissenschaftlichen, kĂŒnstlerischen, philosophischen und theologischen Fragen â und verfasste ein wissenschaftliches Werk ĂŒber die Falkenjagd.
Friedrich II. gilt allgemein als eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Herrschern des Mittelalters. Der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt bezeichnete ihn als den âersten modernen Menschen auf dem Thronâ. Diese EinschĂ€tzung beruht auf Friedrichs geistigem Format sowie auf der Tatsache, dass er zum Teil mit modern anmutenden Mitteln versuchte, das universelle Kaisertum zu behaupten. Mit seinem Tod beginnt aus Sicht der Geschichtswissenschaft das sogenannte Interregnum, die âkaiserlose Zeitâ im Heiligen Römischen Reich, die bis 1273 andauerte.
Friedrich II. wurde einen Tag nach der Krönung seines Vaters Heinrichs VI. zum König von Sizilien geboren. Da seine Mutter bereits fast 40 Jahre alt und zuvor neun Jahre kinderlos geblieben war, wurden erhebliche Zweifel an ihrer Schwangerschaft laut, zumal der Sohn Heinrichs VI. als einziger legitimer mĂ€nnlicher Enkel Friedrich Barbarossas die Fortsetzung der sich genealogisch verengenden staufischen Hauptlinie darstellte. Es ist unwahrscheinlich, dass Friedrich tatsĂ€chlich, wie spĂ€ter behauptet wurde, in aller Ăffentlichkeit â auf dem Marktplatz in einem Zelt vor der Kirche von Jesi â zur Welt kam. Angeblich sollen 19 Bischöfe und KardinĂ€le Zeugen dieses Ereignisses gewesen sein. Es wurden bald GerĂŒchte laut, das Kind sei untergeschoben und stamme in Wirklichkeit von einem Metzger.[2] Auch ist es fraglich, ob die Kaiserin ihren Sohn zunĂ€chst Konstantin nannte, wie einige Chronisten behaupteten. Bei seiner Taufe (Ende 1196 oder Anfang 1197) in der Kathedrale von Assisi erhielt er die Namen seiner GroĂvĂ€ter Friedrich Roger (Fridericus/F[r]edericus Rogerius).[3]
Auf dem Hoftag in Worms im Dezember 1195 lehnten es die FĂŒrsten ab, Heinrichs Sohn im Rahmen der Kreuzzugsvorbereitungen zum deutschen König zu wĂ€hlen.[4] Im Februar 1196 schlug Heinrich auf dem Mainzer Hoftag den FĂŒrsten seinen Erbreichsplan vor, nach dem sie ihr Wahlrecht verlieren sollten und das Königsamt erblich werden sollte. Als Gegenleistung sollten auch die Reichslehen der FĂŒrsten erblich werden und fĂŒr den Episkopat die Spolien abgeschafft werden. Die FĂŒrsten widersprachen diesem Plan zunĂ€chst, akzeptierten ihn aber nach massiven Drohungen Heinrichs im April auf dem Reichstag in WĂŒrzburg. Gleichzeitig verhandelte Heinrich mit Papst Coelestin III., um dessen Verzicht auf das Recht zur Kaiserkrönung zu erlangen. Der Papst lieĂ sich darauf nicht ein, und wĂ€hrend dieser Verhandlungen widerriefen auch die FĂŒrsten in Erfurt ihre Zustimmung, um am Weihnachtsfest 1196 doch noch endgĂŒltig einzuwilligen. Am 25. Dezember 1196, einen Tag vor seinem zweiten Geburtstag, erreichte es der Kaiser allerdings, dass die deutschen FĂŒrsten den zweijĂ€hrigen Friedrich zum römisch-deutschen König wĂ€hlten.
Als Heinrich im darauf folgenden Jahr wĂ€hrend der Vorbereitungen eines Kreuzzuges starb, wurde Friedrich II. aufgrund seines Kindesalters innerhalb des Reiches nicht anerkannt. Lediglich einige bereits im Heiligen Land befindliche FĂŒrsten erneuerten ihren Treueeid auf ihn. Heinrichs VI. Bruder Philipp von Schwaben weigerte sich zunĂ€chst, fĂŒr sich selbst um die deutsche Königskrone zu kĂ€mpfen, und wollte den Thron fĂŒr seinen Neffen frei halten. Zuvor hatte Philipp versucht, Friedrich nach Deutschland zu holen (er befand sich in Foligno in der Obhut der Herzogin von Spoleto), was misslungen war. Als jedoch die welfische Seite Otto IV. von Braunschweig als Nachfolger fĂŒr Heinrich ins Spiel brachte und so zahlreiche AnhĂ€nger sammelte, lieĂ sich Philipp im MĂ€rz 1198 zum König wĂ€hlen. Kurz darauf wurde auch Otto zum König gewĂ€hlt, so dass es zwei konkurrierende Amtsinhaber in Deutschland gab, von denen sich zunĂ€chst keiner durchsetzte.
In Sizilien ĂŒbernahm Friedrichs Mutter Konstanze von Sizilien die Regentschaft, leistete den Lehnseid auf den Papst und verzichtete damit auch fĂŒr ihren Sohn auf das deutsche Königtum. Damit waren Sizilien und das Reich wieder zwei getrennte Territorien. Am 17. Mai 1198 wurde Friedrich in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Im selben Jahr, am 28. November, starb seine Mutter. Testamentarisch hatte sie den neu gewĂ€hlten Papst Innozenz III. zu seinem Vormund bestimmt. Innozenz nutzte diese Position, die er bis zu Friedrichs 14. Geburtstag 1208 innehatte, um kaiserliche Rechte in Italien abzubauen und die pĂ€pstliche Macht zu stĂ€rken.
Der Legende zufolge wuchs er in Palermo, wohin der DreijĂ€hrige nach dem Tod seiner Mutter gebracht worden war, recht freizĂŒgig auf, fast wie ein Gassenjunge â was jedoch eher unwahrscheinlich ist und deshalb heute auch stark bezweifelt wird. Das Klima der weltoffenen Hafenstadt mit ihren vielfĂ€ltigen griechischen und arabischen EinflĂŒssen soll die besondere Persönlichkeit des spĂ€teren Kaisers mitgeformt haben. In den folgenden Jahren stritten verschiedene Parteien um die Einflussnahme in Sizilien: die von Konstanze entmachteten staufischen Beamten und WĂŒrdentrĂ€ger, HeerfĂŒhrer und pĂ€pstliche Legaten. 1201 wurde Palermo von Reichstruchsess Markward von Annweiler besetzt, der im Auftrag Philipps im SĂŒden operierte. Friedrich wurde bis zum Tod Markwards 1202 von diesem âerzogenâ, nachdem dieser ihn 1201 hatte entfĂŒhren lassen. Markward legte diese EntfĂŒhrung seinerseits als âBefreiungâ aus. Friedrich befand sich daher eher in einer Art Sicherungsverwahrung als in einer vormundschaftlichen Beziehung. Nach dem Tod Markwards wurde Friedrich von Wilhelm Capparone bevormundet, der schlieĂlich von Walter von Pagliara abgelöst wurde; es war offenbar eine recht chaotische, fast anarchisch anmutende Zeit fĂŒr den jungen König.[5]
Papst Innozenz III. vermittelte dem 14-jĂ€hrigen Staufer 1208 eine Ehe mit der 25-jĂ€hrigen Konstanze, einer Schwester von König Peter II. von AragĂłn und Witwe des ungarischen Königs Emmerich. Friedrich musste allerdings zusichern, dass Sizilien an Aragon fallen wĂŒrde, falls er ohne mĂ€nnlichen Erben sterben sollte. Die am 5./15. August 1209 in Messina geschlossene Ehe schien zu beiderseitigem Gefallen zu sein; zudem brachte Konstanze ein Kontingent aragonesischer Ritter mit, die eine nicht unerhebliche VerstĂ€rkung darstellten. Konstanze gebar schon bald (1211) Friedrichs ersten Sohn Heinrich.
Der inzwischen volljĂ€hrige Friedrich (sog. pubertate superveniente) war im Dezember 1208 aus der Vormundschaft des Papstes entlassen worden und er versuchte nun mit Hilfe der katalanischen Ritter, die als Konstanzes Mitgift nach Sizilien gekommen waren, KönigsgĂŒter wieder unter seine Kontrolle zu bekommen, die sich die Adligen Siziliens angeeignet hatten. Dies löste einen umfassenden Aufstand des sizilianischen Adels aus. Als Reaktion auf die HerrschaftsĂŒbernahme Friedrichs II. zog Otto IV., der seit dem Tod Philipps 1208 schlieĂlich uneingeschrĂ€nkt geherrscht hatte, nach SĂŒden. Innozenz schwankte zu diesem Zeitpunkt zwischen einer UnterstĂŒtzung fĂŒr Friedrich und einer fĂŒr Otto. Sein Ziel war es, Sizilien auf Dauer vom deutschen Reichsteil loszulösen. Als Otto nach seiner Kaiserkrönung 1209 jedoch eine entsprechende Zusage, die er dem Papst gegeben hatte, brach und eine Invasion des sizilianischen Königreiches vorbereitete, bannte Innozenz ihn und schlug sich, auch auf den entsprechenden Rat des französischen Königs Philipp August, auf die Seite Friedrichs.
Nachdem Philipp von Schwaben tot und Otto IV. gebannt war, wurde Friedrich II. im Sommer 1211 auf Betreiben des Papstes von einem anti-welfisch gesinnten Kreis sĂŒd- und mitteldeutscher FĂŒrsten in NĂŒrnberg zum Kaiser gewĂ€hlt. Die ungewöhnliche Verwendung dieses Titels bei der sonst ĂŒblichen Wahl des Königs durch deutsche FĂŒrsten geht wohl direkt auf Innozenz III. zurĂŒck.[6]
Friedrich nahm die Wahl an, obwohl viele VerbĂŒndete in Sizilien ihm davon abrieten. Vermutlich wollte der junge König durch diesen Schritt in erster Linie die drohende Invasion Siziliens durch Otto abwenden. Obwohl der Papst Friedrichs Erfolgsaussichten gering eingeschĂ€tzt haben dĂŒrfte, da er ja im Erfolgsfall die Umklammerung des Patrimonium Petri durch die Verbindung zwischen Kaisermacht und Königreich Sizilien erneut heraufbeschwor, verlangte er trotzdem, dass Friedrichs Sohn Heinrich â wohl Anfang MĂ€rz 1212 [7] â zum König von Sizilien gekrönt wurde, bevor Friedrich II. nach Deutschland aufbrach, und betonte so die UnabhĂ€ngigkeit des Königreichs Sizilien.
In Rom wurde Friedrich von der Bevölkerung mit Begeisterung empfangen. Mit geliehenem Geld aus französischen Quellen und ohne groĂe Gefolgschaft reiste Friedrich weiter. Erst ab Chur hatte er eine militĂ€rische Eskorte. Nachdem Friedrich mit groĂer MĂŒhe die Alpen ĂŒberwunden hatte â der Brennerpass war von feindlichen Truppen besetzt â kam er in Konstanz an. Die Stadt bereitete sich gerade auf den Empfang Ottos IV. vor und wollte den jungen Staufer nicht einlassen. Nach feierlichem Verlesen der Bannbulle des Papstes durch Legat Erzbischof Berard von Bari wurden ihm jedoch die Tore der Bischofsstadt geöffnet. Otto, der inzwischen in Ăberlingen auf die FĂ€hre gewartet hatte, kam drei Stunden spĂ€ter vor die Stadttore und wurde zurĂŒckgewiesen. In Konstanz begann der Siegeszug Friedrichs durch das Oberrheintal. Mit groĂzĂŒgigen Versprechungen und Schenkungen gewann er den SĂŒden des Reiches, der ohnehin traditionell staufisch gesinnt war. Zahlreiche FĂŒrsten wechselten auf seine Seite. Im August 1212 starb Ottos Frau, Friedrichs Cousine Beatrix, die der Welfe erst drei Wochen zuvor geheiratet hatte und die seinen Anspruch auf das Staufer-Erbe gestĂŒtzt hatte. Daraufhin zog sich Otto nach Köln zurĂŒck, um sich fĂŒr einen neuen Anlauf vorzubereiten.
Am 5. Dezember 1212 lieĂ sich Friedrich II. in einer Nachwahl in Frankfurt am Main von einer gröĂeren Anzahl FĂŒrsten als König bestĂ€tigen. Am 9. Dezember wurde er im Mainzer Dom durch den Mainzer Erzbischof Siegfried II. von Eppstein gekrönt â allerdings mit nachgebildeten Insignien. In der Folgezeit wurde Friedrich, dem chint aus Pulle (Kind aus Apulien), vorgeworfen, er sei bloĂ ein Pfaffenkönig, also ein vom Papst abhĂ€ngiger Monarch, zumal er dem Papst die Wiederherstellung und den Erhalt der Rechte der Kirche zugesichert hatte. Wichtigstes Dokument dieser ZugestĂ€ndnisse war 1213 die Goldbulle von Eger. Als Gegenleistung sagte der Papst zu, Friedrichs Herrschaftsanspruch auch in den Gebieten durchzusetzen, die noch auf der welfischen Seite standen.
Der Machtkampf zwischen dem Staufer und dem Welfen wurde 1214 durch die Schlacht bei Bouvines entschieden, in der ein welfisch-englisches Heer den Franzosen unterlag. Grund fĂŒr die Einbeziehung der EnglĂ€nder und der Franzosen war ein Streit zwischen Innozenz III. und dem englischen König Johann Ohneland. Innozenz hatte den französischen König beauftragt, England zu erobern, worauf sich Johann mit den Welfen verbĂŒndete, um Friedrich, den VerbĂŒndeten des Papstes und der Franzosen, militĂ€risch zu schlagen. Philipp II. August von Frankreich schickte Friedrich die erbeutete goldene Kaiserstandarte. Nach der Ausschaltung Ottos ging Friedrich II. verstĂ€rkt gegen die StĂ€dte am Niederrhein vor, die ihn zum Teil nicht anerkannten. Am 23. Juli 1215 wurde er in Aachen, wiederum durch den Mainzer Erzbischof, zum römisch-deutschen König gekrönt. Gleichzeitig lieĂ er die Gebeine Karls des GroĂen umbetten und gab gegenĂŒber Hugo von Ostia ein Kreuzzugsversprechen fĂŒr Anfang 1219 ab.
Otto IV. hatte nicht nur eine militĂ€rische Niederlage erlitten, sondern nach der UnterstĂŒtzung vieler ReichsfĂŒrsten auch die der EnglĂ€nder verloren. Auf dem Vierten Laterankonzil bestĂ€tigte Innozenz die Wahl Friedrichs zum Kaiser. Friedrich selbst holte seine Frau und seinen Sohn nach Deutschland nach, entzog ihnen den sizilianischen Königstitel und nahm ihn selbst an. Der fĂŒnfjĂ€hrige Heinrich (VII.) erhielt das Herzogtum Schwaben und das Rektorat ĂŒber Burgund.
Mitte 1219 begann der neue Papst Honorius III. mit Friedrich ĂŒber den Beginn des verschobenen Kreuzzugs zu verhandeln. Der Termin wurde schlieĂlich auf den 21. MĂ€rz 1220 festgesetzt. Doch Friedrich hielt diesen Zeitplan nicht ein, zumal es weitere langwierige Verhandlungen zwischen ihm und dem Papst ĂŒber den Status Siziliens gab. Ende April 1220 lieĂ Friedrich seinen Sohn Heinrich in Frankfurt gegen den Willen einer starken Adelsopposition zum König der Römer wĂ€hlen. Im Gegenzug musste er den deutschen Bischöfen eine Reihe von Regalien zugestehen; diese wurden in der Confoederatio cum principibus ecclesiasticis festgelegt. Honorius erkannte diese Wahl nicht an und sprach Heinrich auch den sizilianischen Königstitel ab. Friedrich brach im August nach Italien auf. Seine Kaiserkrönung erreichte er gegen das Versprechen, zwar Sizilien und das Reich zu regieren, Sizilien aber lediglich mit der Legitimation durch das Erbe seiner Mutter und nicht durch den Kaisertitel.
Am 22. November 1220 wurde Friedrich II. schlieĂlich in Rom von Honorius zum Kaiser gekrönt. Ob dabei der sogenannte Krönungsmantel verwendet wurde, ist nicht geklĂ€rt, da dieser vor 1246 nie in Quellen erwĂ€hnt wurde.[8] Die neuere Forschung geht davon aus, dass Friedrich bei dieser Gelegenheit den in der Kathedrale von Metz aufbewahrten Mantel mit vier nimbierten Adlern trug.[9]
Heinrich (VII.), seine VormĂŒnder sowie Reichsministerialen ĂŒbernahmen wĂ€hrend Friedrichs langer Aufenthalte in Italien die Verwaltung Deutschlands. Als Reichsverweser wurde Ende 1220 Erzbischof Engelbert I. von Köln eingesetzt, der dadurch eine zentrale Rolle einnahm. Weitere wichtige Vertreter Friedrichs waren die Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie Bischof Konrad von Metz und Otto von WĂŒrzburg, spĂ€ter auch Leopold VI. von Ăsterreich, der Schwiegervater Heinrichs (VII.).
Bereits wĂ€hrend seines ersten Aufenthalts in Deutschland bemĂŒhte sich Friedrich II., das Reichsgut wieder herzustellen, das wĂ€hrend des Thronstreits stark geschrumpft war. Diese Politik setzte er auch spĂ€ter fort. GroĂe Territorialgewinne machte er durch das Erbe der ausgestorbenen ZĂ€hringer, das unter anderem die AlpenĂŒbergĂ€nge in SĂŒddeutschland in königliche Hand brachte. DarĂŒber hinaus grĂŒndete Friedrich 39 StĂ€dte, vor allem im SĂŒdwesten Deutschlands. Durch mehrere StadtgrĂŒndungen auf kirchlichem Territorium versuchte Friedrich auĂerdem, die Macht des jeweiligen klerikalen Landesherren auszuhöhlen.
Trotz seiner Titel als Rex Romanorum und als römisch-deutscher Kaiser hielt sich Friedrich die meiste Zeit seines Lebens in Apulien und Sizilien auf, so von 1221 bis 1235 und von 1237 bis 1250. WÀhrend dieser Zeit lieà er sich in Deutschland durch seine Söhne vertreten. In Sizilien und Apulien organisierte er den ersten modernen Beamtenstaat und zentralisierte die Verwaltung nach byzantinischem Vorbild.
Unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung zog Friedrich II. 1220 mit nur kleinem Gefolge nach Sizilien. Durch BeschrĂ€nkung der Anzahl seiner Begleiter hielt er so sein Versprechen, in Sizilien keine landesfremden Gefolgsleute einzusetzen. In Capua erlieĂ er Assisen, Gesetze, die die Adelsfehden beenden und den Landfrieden wieder herstellen sollten. DarĂŒber hinaus erklĂ€rte er alle Schenkungen und Privilegien fĂŒr ungĂŒltig, die seit 1189 erteilt worden waren. Alle ĂŒbrigen Privilegien mussten durch die königliche Kanzlei neu bestĂ€tigt werden. SĂ€mtliche in den zurĂŒckliegenden 20 Jahren erbauten Burgen zog der König ein. Dadurch erhielt Friedrich eine Reihe befestigter StĂŒtzpunkte in seinem Königreich und seine Verwaltung einen Ăberblick ĂŒber die Kronrechte in Sizilien. Insgesamt wurden die Entscheidungsmöglichkeiten der Barone stark eingeschrĂ€nkt, vor allem was das Heirats- und Erbrecht sowie die Vergabe von Afterlehen betraf. Den daraus erwachsenden Widerstand der Adligen zerschlug Friedrich II. im Verlauf der folgenden zwei Jahre mit der UnterstĂŒtzung kleinerer Landadliger, die er danach in einem zweiten Schritt ebenfalls in ihren Rechten einschrĂ€nkte. Honorius III., der sich als Lehnsherr Siziliens sah, protestierte gegen dieses Vorgehen Friedrichs, konnte sich aber nicht durchsetzen.
Im Mai 1221 erlieĂ Friedrich in Messina eine weitere Assise, die die Bevorzugung auswĂ€rtiger HĂ€ndler verbot, was vor allem die SeemĂ€chte Genua und Pisa traf. Zugleich startete er ein Flottenbauprogramm und weitete die königliche Kontrolle ĂŒber den sizilianischen Handel aus. 1222 bis 1224 besiegte er die letzten Sarazenen in den zentralen Gebieten der Insel. Sie wurden nach Nordapulien umgesiedelt, wo sie als ArbeitskrĂ€fte auf den KrongĂŒtern und als KĂ€mpfer in den Auseinandersetzungen mit dem Papst eingesetzt wurden und in Lucera bis 1300 ein Zentrum des Islam in Italien bildeten.
Friedrich lieĂ in SĂŒditalien mehrere Schlösser bauen, darunter das berĂŒhmte Castel del Monte bei Andria in Apulien. Er grĂŒndete 1224 die UniversitĂ€t Neapel, die heutige UniversitĂ Federico II, die die Aufgabe hatte, Beamte fĂŒr den Staat auszubilden. Einwohner seines Königreichs wurden verpflichtet, nur in Neapel zu studieren. 1226 erfolgte die GrĂŒndung der UniversitĂ€t fĂŒr Apotheker (Pharmacognosia) in Salerno, die zusĂ€tzlich die Aufsicht ĂŒber das Medizin- und Arzneiwesen ĂŒbernahm. 1246 schrieb er das Buch Ăber die Kunst mit Vögeln zu jagen, eine Unterweisung in die Falkenjagd; auĂerdem fĂŒhrte er das Rechnen mit der Null ein.
Friedrichs Versuche, auch die Kirche in Sizilien unter seine Kontrolle zu bringen, blieben weitgehend erfolglos. Mit einer weiteren Assise wollte er das Ansammeln von Landbesitz in der âtoten Handâ zurĂŒckdrĂ€ngen. Auf massiven Widerstand, nicht nur aus der Kirche, stieĂ sein Vorhaben, auch das Recht der Besetzung der 150 BistĂŒmer im Königreich an sich zu ziehen. Die darauf folgenden Auseinandersetzungen wurden immer schĂ€rfer und fielen mit dem Streit ĂŒber den Kreuzzug zusammen, der schlieĂlich zur Exkommunikation Friedrichs fĂŒhrte.
Ein Schwerpunkt von Friedrichs II. Politik in Deutschland war der Norden. Nachdem Heinrich der Löwe seine Macht verloren hatte, war es Knut VI. von DĂ€nemark gelungen, seinen Einflussbereich vor allem in Richtung Baltikum zu vergröĂern. 1223 setzte Heinrich von Schwerin den dĂ€nischen König Waldemar II. gefangen. Das nutzte Friedrich II. aus, um gegen DĂ€nemark vorzugehen: Er verbĂŒndete sich mit Bremen und Adligen aus dem Hinterland der Stadt. DarĂŒber hinaus stellte er 1224 die gerade erst christianisierten Balten unter seinen Schutz. Dieser Schritt stieĂ auf Widerstand Honorius' III., der die Schutzherrschaft ĂŒber die Balten fĂŒr sich beanspruchte.
Als Reaktion auf den Protest des Papstes ermĂ€chtigte Friedrich 1226 den Deutschen Orden unter dessen Hochmeister und seinem Vertrauten, Hermann von Salza, mit der Goldenen Bulle von Rimini, im Baltikum aktiv zu werden und dort die vordringenden Pruzzen zu bekĂ€mpfen. Dieses Vorhaben unterstĂŒtzte der polnische Herzog Konrad von Masowien, indem er dem Orden das Kulmer Land als Basis zur VerfĂŒgung stellte. Damit durchkreuzte der Kaiser erneut die Absichten des Papstes in der Region.
Friedrich hatte sich selbst gegenĂŒber dem Papst zum Kreuzzug in das Heilige Land verpflichtet. Am 9. November 1225 hatte er in Brindisi die Königin von Jerusalem, Isabella II. (Jolande), geheiratet und sich selbst am gleichen Tag zum König von Jerusalem erklĂ€rt. Isabella starb bereits 1228 bei der Geburt des spĂ€teren Konrad IV., hatte aber damit den Anspruch auf Jerusalem an die staufische Dynastie weitergegeben. Als Friedrich II. den Kreuzzug wegen einer Seuche im August 1227 abermals verschob, wurde er in Berufung auf den ersten Vertrag von San Germano (Cassino (Latium)), in dem er sich 1225 dazu verpflichtet hatte, die Kreuzfahrt bis August 1227 anzutreten, von Papst Gregor IX. gebannt. Allerdings waren der verzögerte Kreuzzug und sein Vorgehen im Baltikum nicht die ausschlieĂlichen GrĂŒnde fĂŒr den Bruch zwischen Papst und Kaiser. Mindestens ebenso bedeutsam waren Friedrichs Versuche, in die Kirchenstruktur Siziliens einzugreifen, und der Versuch, einen Reichstag zu Ostern 1226 nach Cremona einzuberufen â der auch nie stattfand. Im Vorfeld dieses Reichstages hatte Friedrich mehrere pĂ€pstliche Territorien zu Reichslehen erklĂ€rt und war mit sizilianischen Truppen in Oberitalien aktiv geworden.
Ungeachtet des Bannes brach er 1228 zum FĂŒnften Kreuzzug auf, was ihm als Gebanntem eigentlich verboten gewesen wĂ€re.[10] Der Papst verschĂ€rfte daraufhin den Bann, indem er den Adel in Sizilien und im Reich von seinem Treueeid entband. Im Sommer 1228 stellte Friedrich die Reichslehenschaft ĂŒber Zypern wieder her. Im Heiligen Land fand Friedrich nur wenig UnterstĂŒtzung, gleichzeitig bereitete der Papst einen Einmarsch in Reichsgebiet in Oberitalien vor. Damit waren militĂ€rische Operationen fĂŒr Friedrich unmöglich und seine RĂŒckkehr nach Italien dringend nötig. Allerdings scheint er KĂ€mpfe gegen die Muslime auch gar nicht angestrebt, sondern frĂŒhzeitig mit Sultan al-Kamil von Kairo diplomatischen Kontakt aufgenommen zu haben. Statt durch Waffengewalt erreichte Friedrich in fĂŒnfmonatigen Verhandlungen mit dem Sultan einen Friedensvertrag, den Frieden von Jaffa, und damit die christliche Hoheit ĂŒber weite Teile der Stadt. WĂ€hrend der Verhandlungen lud ihn der Sultan nach Jerusalem ein. Als der Muezzin aus RĂŒcksicht auf Friedrich II. seinen morgendlichen Ruf zum Gebet nicht erschallen lieĂ, stellte ihn der Kaiser angeblich mit den Worten zur Rede: âIch habe in Jerusalem ĂŒbernachtet, um dem Gebetsruf der Muslime und ihrem Lob Gottes zu lauschen.â[11] Die Stadt wurde mit Ausnahme des alten Tempelbezirks, aber unter Einschluss von Betlehem und Nazaret per Vertrag den Christen ĂŒbergeben, die auĂerdem einen Korridor zur KĂŒste erhielten. DarĂŒber hinaus wurde ein zehnjĂ€hriger Waffenstillstand vereinbart. Sowohl auf christlicher als auch auf muslimischer Seite stieĂ das Abkommen auf breite Ablehnung. Der lateinische Patriarch Gerold verhĂ€ngte das Interdikt ĂŒber ganz Jerusalem, fĂŒr den Fall, dass Friedrich II. die Stadt betreten wĂŒrde.
Davon lieĂ der Kaiser sich nicht abhalten: Obwohl gebannt, setzte er sich am 18. MĂ€rz 1229 in der Grabeskirche die Krone des Königreichs Jerusalem auf das Haupt. Der rechtliche Charakter dieser Selbstkrönung ist nicht zweifelsfrei geklĂ€rt und war auch unter den Zeitgenossen umstritten. Die sonst erforderliche Mitwirkung von Geistlichen war wegen des Interdikts unmöglich, so dass es sich bei dem Akt kaum um eine ĂŒbliche Krönung als Herrschaftsbeginn gehandelt haben kann.[12] Es spricht dagegen einiges dafĂŒr, dass Friedrich dieses Gehen unter der Krone eher als symbolische BestĂ€tigung seiner Herrschaft ĂŒber das Königreich Jerusalem verstand. Die Krönung wurde von den einheimischen Baronen nicht anerkannt, da Friedrich aus ihrer Sicht höchstens als Regent fĂŒr seinen Sohn Konrad hĂ€tte tĂ€tig werden dĂŒrfen. Es dauerte allerdings bis zum 17. Juli 1245, bis der Papst Friedrich fĂŒr abgesetzt erklĂ€rte. Der Kaiser selbst verlieĂ nach der Krönung schleunigst das Heilige Land, wo er zu diesem Zeitpunkt keinerlei RĂŒckhalt mehr hatte. In Akkon brachte er den Kreuzfahrer-Adel nach zĂ€hen Verhandlungen dazu, Konrad als König anzuerkennen, bevor er eilig nach Brindisi aufbrach.
Nach seiner RĂŒckkehr aus PalĂ€stina bekĂ€mpfte er die pĂ€pstlichen Truppen, die in das sizilianische Regnum eingefallen waren, und sicherte sein Territorium vergleichsweise schnell wieder ab. Noch wĂ€hrend der KĂ€mpfe nahm Hermann von Salza VermittlungsgesprĂ€che mit dem Papst auf, um die Lösung des Banns zu erreichen. Im zweiten Vertrag von San Germano vom Juli 1230 machte Friedrich dem Papst eine Reihe von ZugestĂ€ndnissen, unter anderem die Freiheit kirchlicher Wahlen, die Wiedereinsetzung von kirchlichen AmtstrĂ€gern, die Friedrich gebannt hatte, die Unantastbarkeit von Klerikern durch die weltliche Rechtsprechung, die Steuerbefreiung der Kirche und einen Verzicht auf alle AnsprĂŒche im Kirchenstaat. DafĂŒr sagte Gregor IX. die Aufhebung des Banns zu, was er im Folgejahr auch ausfĂŒhrte. Friedrich missachtete allerdings weitgehend die Vertragsvereinbarungen, was neues Konfliktpotential mit dem Papst barg.
Zu Friedrichs AnhĂ€ngern in Deutschland zĂ€hlten auch die Bischöfe Ekbert von Bamberg und spĂ€ter dessen Neffe Poppo von Bamberg, in deren Dom wohl kurz vor oder um 1237 der waffenlose Bamberger Reiter aufgestellt wurde. In diesem Reiterstandbild vermuten Forscher ein Krypto-PortrĂ€t Friedrichs II., wobei der Reiter wohl hauptsĂ€chlich den wiederkehrenden Messias nach der Offenbarung des Johannes 19,10â16 darstellen sollte, der allein mit dem Hauch seines Mundes, also mit Gottes Wort, die Feinde des Christentums vernichtet. Mehrere Theologen hatten sich bereits gegen bewaffnete KreuzzĂŒge gewandt.[13]
1231 ĂŒberwarf sich Friedrich endgĂŒltig mit seinem Sohn Heinrich (VII.). Grund war das Vorgehen Heinrichs gegen die FĂŒrsten. Es Ă€hnelte zwar in weiten Teilen dem seines Vaters wĂ€hrend des ersten Aufenthalts in Deutschland und danach in Sizilien, zu diesem Zeitpunkt und angesichts der Auseinandersetzung mit dem Papst stand es aber im Widerspruch zu Friedrichs Versuchen, das Einvernehmen der FĂŒrsten zu gewinnen. Heinrich hatte ihnen auf Druck von Gregor IX. 1231 weitreichende Rechte verbriefen mĂŒssen, die Friedrich notgedrungen im Rahmen der Verhandlungen um den Frieden von San Germano bestĂ€tigte (so genanntes Statutum in favorem principum).
Heinrich betrieb jedoch weiter eine harte Politik den FĂŒrsten gegenĂŒber, auf die Friedrich reagierte, indem er mehrmals Erlasse seines Sohnes fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rte. Doch auch der Kaiser selbst schuf sich in dieser Zeit neue Feinde unter den Adligen, vor allem, als er 1232 das Reichskloster Lorsch dem Mainzer Erzbistum schenkte und so den Lorscher Vogt Otto II. und mit ihm die Familie der Wittelsbacher gegen sich aufbrachte. Heinrich verbĂŒndete sich schlieĂlich mit den lombardischen StĂ€dten und mehreren kaiserfeindlichen deutschen Adligen, unter anderem den Bischöfen von Augsburg, WĂŒrzburg, Worms, Speyer und StraĂburg sowie mit dem Abt des Klosters Fulda. Wie zuvor fĂŒr den Fall des Ungehorsams vereinbart, bannte Gregor IX. den Kaisersohn, und Friedrich zog von Italien zurĂŒck nach Deutschland. Der Aufstand brach in sich zusammen, sobald Friedrich im Land war. Fast ohne KĂ€mpfe strömten dem populĂ€ren Kaiser UnterstĂŒtzer zu. Ăber Heinrich saĂ Friedrich 1235 in Worms zu Gericht. Seine VerbĂŒndeten wurden begnadigt, der Kaisersohn selbst aber abgesetzt und in Sizilien eingekerkert. Zudem heiratete Friedrich im Wormser Dom seine vierte Ehefrau Isabella Plantagenet, genannt Isabella von England oder Elisabeth.
Im August des gleichen Jahres verkĂŒndete Friedrich auf dem Reichstag von Mainz einen Landfrieden. Der Reichstag sollte dazu dienen, die ZerrĂŒttung durch den Aufstand Heinrichs (VII.) zu beheben. Zentraler Punkt aller BeschlĂŒsse war die Betonung der königlichen Hoheit ĂŒber alle Regalien, um der fĂŒrstlichen Aneignung dieser Rechte einen Riegel vorzuschieben. AuĂerdem betonte Friedrich seine Position als oberster Gerichtsherr und richtete das Amt eines Reichshofrichters ein. Vorbild fĂŒr die Reorganisation im Reich waren Friedrichs Neuerungen in Sizilien. Allerdings konnte er seine Vorstellungen gegen die machtbewussten deutschen FĂŒrsten nur zum Teil durchsetzen. Zumindest beeideten sie ihre Teilnahme an einem geplanten Italienzug. Die im folgenden Jahr entworfene zentrale Finanzverwaltung wurde nie real umgesetzt. Neben dem Landfrieden und seinen Regelungen fĂŒr die Reichsstruktur war die Aussöhnung mit den Welfen die wichtigste Konsequenz des Reichstags. Friedrich nahm Otto von LĂŒneburg in den ReichsfĂŒrstenstand auf und rief damit das Herzogtum Braunschweig-LĂŒneburg ins Leben.
Friedrich II. lieĂ schlieĂlich seinen Sohn Konrad IV., 1237 in Wien zum neuen römisch-deutschen König und zum zukĂŒnftigen Kaiser wĂ€hlen, nachdem ein erster Versuch dazu auf dem Mainzer Hoftag gescheitert war. WĂ€hrend Friedrich in Deutschland mit dem Einvernehmen des Papstes gegen Heinrich (VII.) vorging, gerieten beider Interessen in den sizilianischen Angelegenheiten wieder in Konflikt. Gregor IX. plante, eine Gesetzessammlung fĂŒr Sizilien erstellen zu lassen. Dem wollte Friedrich zuvorkommen, um die eigene Macht ĂŒber Sizilien zu stĂŒtzen und sich als Gesetzgeber zu profilieren. Deshalb lieĂ er hastig ein Gesetzeswerk erstellen, das 1231 als die Konstitutionen von Melfi verkĂŒndet wurde, wegen der kurzen Vorbereitungszeit aber in den beiden Folgejahren jeweils einmal ergĂ€nzt wurde. Als Gesetzgeber stellte Friedrich sich in die Tradition antiker römischer Herrscher.
Der Anspruch Friedrichs auf die Lombardei und Mailand lĂ€utete die letzte heiĂe Phase im Konflikt zwischen dem Kaiser und der Kurie ein, die stark eschatologische ZĂŒge trug. 1236 erklĂ€rte Friedrich II. den Reichskrieg gegen die Kommunen. Die Lombarden wollten ihren Bund nicht, wie vom Kaiser gefordert, auflösen. Bis in den Herbst 1237 erreichte keine der beiden Kriegsparteien eine militĂ€rische Entscheidung. Am 27. November kam es dann zu einer groĂen Feldschlacht bei Cortenuova, die der Kaiser fĂŒr sich entschied. Von Mailand, der wichtigsten Stadt im Lombardenbund, verlangte Friedrich die bedingungslose Unterwerfung, was verweigert wurde. Obwohl sein Heer nach dem Schlachtensieg durch zahlreiche hinzuströmende Söldner verstĂ€rkt worden war, konnte Friedrich Mailand und die ĂŒbrigen StĂ€dte nicht abschlieĂend bezwingen.
In dieser Phase verschĂ€rfte sich der Konflikt mit dem Papst weiter: Enzio, der Ă€lteste, uneheliche Sohn Friedrichs, heiratete im Oktober 1238 die Erbin des gröĂten Teils Sardiniens und nahm den Königstitel ĂŒber die Insel an. Der Heilige Stuhl, der die Lehnshoheit ĂŒber Sardinien beanspruchte, erkannte Enzio in dieser Funktion nicht an. Weit schwerer wog aber der Interessenkonflikt in der Byzanz-Politik. Zur UnterstĂŒtzung des lateinischen Kaisers Balduin II. in seinem Kampf gegen die Griechen warb der Papst ab 1237 fĂŒr einen Kreuzzug. Friedrich verhandelte gleichzeitig mit dem byzantinischen Kaiser Johannes III., dem Gegner Balduins. Nachdem Friedrich fĂŒr seine FeldzĂŒge in Italien byzantinische Söldner gestellt bekommen hatte, sperrte er im Gegenzug mehrere HĂ€fen und lieĂ eine Kreuzzugs-Vorhut gefangensetzen, was den Aufbruch des Heeres deutlich verzögerte. Der Papst ging dagegen vor. Er unterstĂŒtzte eine Propagandakampagne, die Friedrich als den Antichristen darstellte, vermittelte ein BĂŒndnis zwischen Genua und Venedig, wodurch eine Flotte entstand, die Sizilien hĂ€tte bedrohen können, und besiegte die kaisertreue ghibellinische Adelspartei in Rom.
In dieser angespannten Situation starben Anfang 1239 kurz hintereinander Hermann von Salza und Kardinal Thomas von Capua, die bis dahin als Vermittler zwischen Kaiser und Papst gedient hatten. Weiter verschĂ€rft wurde die Auseinandersetzung durch einen Brief Friedrichs vom 10. MĂ€rz 1239 an das Kardinalskollegium, in dem er Gregor IX. offen des BĂŒndnisses mit den aufstĂ€ndischen Lombarden beschuldigte. Der Papst veröffentlichte darauf eine erneute Bannbulle. Diese wurde, wohl um ein gegenteiliges Urteil der KardinĂ€le zu verhindern, schon kurz nach dem Eintreffen des Briefes des Kaisers bereits am Palmsonntag, dem 20. MĂ€rz 1239, und nicht, wie ĂŒblich, erst am GrĂŒndonnerstag veröffentlicht. Das Anathema listet unter vielen VorwĂŒrfen auch den besonders schweren der Ketzerei auf, aber auch die angebliche Zugrunderichtung des pĂ€pstlich beanspruchten Sizilien durch Friedrich.
Friedrich reagierte auf den Bann, indem er jegliche RĂŒcksicht auf den pĂ€pstlichen Anspruch auf Sizilien fallen lieĂ, eine groĂe Streitmacht aufstellte und die Verwaltung grundlegend umstrukturieren lieĂ: Die Insel Sizilien erhielt einen GeneralkapitĂ€n und der festlĂ€ndische Teil einen Hofjustiziar als oberste zivile und militĂ€rische Beamte. Friedrich baute ein umfangreiches Spitzelsystem auf, lieĂ die Grenzen sperren und die dem Papst ergebenen Bettelorden ausweisen. Den einheimischen Geistlichen wurde untersagt, dem Interdikt Folge zu leisten, darĂŒber hinaus besetzte Friedrich die BischofsstĂŒhle komplett in eigener Entscheidung. Nach dem sizilianischen Vorbild organisierte der Kaiser auch Reichsitalien um. Es wurde in zehn Generalvikariate aufgeteilt und Enzio als Stellvertreter eingesetzt. Die Verwaltung ĂŒbernahmen gröĂtenteils Beamte aus SĂŒditalien.
Die kaiserliche Kanzlei entwickelte in dieser Situation eine auĂergewöhnliche AktivitĂ€t. Nicht nur an die KardinĂ€le, sondern auch an die BĂŒrger Roms und vor allem die FĂŒrsten der Christenheit gingen pathetische Aufrufe in groĂer Zahl hinaus. Friedrich betonte dabei immer wieder deutlich, dass er der eigentlich Friedliebende sei. Nach einer auf verschiedene Stellen des Alten Testaments Bezug nehmenden Einleitung und einer sehr ausfĂŒhrlichen und tatsachenbezogenen Darstellung der Dinge aus Friedrichs II. Sicht heiĂt es in einem Brief an die Hohen des Reiches vom 20. April 1239:
Hierauf antwortete der Papst mit einem Rundschreiben an alle Könige, FĂŒrsten und Bischöfe der Christenheit. Dieser Brief vom 21. Mai 1239 bedient sich farbiger Bilder der Apokalypse des Johannes und bezeichnet Friedrich als den wahrhaftigen Antichristen:
ErklĂ€ren kann man den Einfluss solcher Briefe nur durch die damaligen chiliastischen Vorstellungen. Joachim von Floris (Joachim von Fiore), sagte fĂŒr die Jahre vor 1260 VorlĂ€ufer des Antichristen und schlieĂlich diesen selbst voraus. Von der einen Seite wurde Friedrich als der Messiaskaiser, der Papst hingegen als die groĂe âHure Babylonâ dargestellt. Die andere Seite meinte, den Kampf zwischen Antichrist und Engelpapst mitzuerleben.
Nach der Niederlage des Lombardenbundes 1237 bei Cortenuova hatte sich die Lage in Oberitalien keineswegs entspannt. Die neue Verwaltungsstruktur mit den Beamten aus dem sizilianischen Reichsteil sahen die Lombarden als Tyrannei des Kaisers und als Verletzung der stĂ€dtischen Autonomie an, wĂ€hrend Friedrich in Mittelitalien auf eine positivere Stimmung stieĂ. 1238 scheiterte Friedrich vor Brescia, im September 1239 vor den Mauern Mailands. Er versuchte daraufhin, die mittelitalienischen StĂ€dte, besonders im Herzogtum Spoleto und in den Marken Ancona, fĂŒr sich zu gewinnen. Seit Sommer 1239 marschierte Friedrichs II. Sohn Enzio in seinem Auftrag in die beiden Provinzen ein. Die Eroberung Jesis, des Geburtsortes des Kaisers in den Marken, war nicht nur von symbolischer Bedeutung, sondern auch deswegen, weil es im strategisch wichtigen Raum an der nördlichen Grenze des Königreichs Sizilien lag. Bald darauf erschien Friedrich II. selbst, aber nicht als Eroberer, sondern als Befreier. Weihnachten 1239 predigte er in der Kathedrale von Pisa. Es folgten die Eroberung Viteas 1240 und ein gescheiterter Versuch, Rom einzunehmen.
1241 vereitelte Friedrich durch die Gefangennahme mehrerer Bischöfe in der Seeschlacht von Giglio ein von Papst Gregor IX. fĂŒr Ostern nach Rom einberufenes Konzil. Dadurch verhinderte er, dass sich eine Versammlung von KirchenfĂŒrsten gegen ihn aussprach und nicht nur, wie bisher, lediglich der Papst. Der Tod Gregors Ende August 1241 unterbrach zunĂ€chst den Konflikt, da Friedrich die Wahl eines neuen Papstes abwartete, die sich allerdings bis Juni 1243 hinzog. Der aus einer ghibellinischen Familie stammende neue Papst, Innozenz IV., galt als kaiserfreundlich, wurde aber, als er im Amt war, zu einem entschiedenen Verfechter des pĂ€pstlichen Machtanspruchs. Friedensverhandlungen wurden auf DrĂ€ngen deutscher FĂŒrsten und Ludwigs IX. von Frankreich aufgenommen und fĂŒhrten auch im MĂ€rz 1244 zu einem Vorvertrag. Darin verpflichtet Friedrich sich zum RĂŒckzug aus dem Kirchenstaat, wĂ€hrend der Papst den Bann aufheben sollte. Der wirkliche Friedensschluss scheiterte jedoch am Streit um die Lehnshoheit ĂŒber Sizilien und die Lombardei sowie an der Frage, ob die lombardischen StĂ€dte in den Frieden mit einbezogen werden sollten. Innozenz IV. erneuerte daraufhin zu Ostern 1245 den Bann. Dennoch ergab sich noch einmal eine kurzfristige AnnĂ€herung: Als die Nachricht von der Eroberung Jerusalems durch den Ă€gyptischen Sultan As-Salih in Europa eintraf, bot Friedrich dem Papst an, sofort zum Kreuzzug aufzubrechen, mindestens drei Jahre auf dieser Mission zu verbringen, den Kirchenstaat zu rĂ€umen und dem Papst die Regelung der Lage in der Lombardei zu ĂŒberlassen. Die Frage, ob diese Angebote ernst gemeint waren, ist offen. Innozenz IV. stellte am 6. Mai 1245 Friedrich die Absolution in Aussicht, widerrief dies jedoch sofort wieder, als ihn Berichte von Ăbergriffen kaiserlicher Truppen auf den Kirchenstaat erreichten. Darauf floh der Papst von Genua nach Lyon, wohin er ein Konzil einberief und am 17. Juli 1245 den Kaiser und Enzio fĂŒr abgesetzt erklĂ€rte. Als GrĂŒnde gab er Friedrichs Untreue als Lehnsmann, Friedensbruch, GotteslĂ€sterung und HĂ€resie an. Friedrich erkannte seinerseits die Absetzung nicht an.
In Deutschland versuchte der Kaiser unterdessen, das seit 1232 gespannte VerhÀltnis zu den Wittelsbachern zu verbessern. Dabei verletzte er aber territoriale Interessen des Mainzer Erzbischofs Siegfried III. Der bis dahin kaisertreue Erzbischof wechselte auf die pÀpstliche Seite. Zusammen mit dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden wurde Siegfried so der wichtigste Vertreter pÀpstlicher Interessen in Deutschland.
Einerseits wurde nach der Absetzung des Kaisers in Deutschland 1246 Heinrich Raspe auf Betreiben Siegfrieds von Mainz zum Gegenkönig gewĂ€hlt. Siegfried selbst hoffte, dadurch die an Heinrich Raspe vergebene Grafschaft Hessen wieder zurĂŒckzubekommen. Nachdem Heinrich Raspe schon im folgenden Jahr gestorben war, setzte Herzog Heinrich II. von Brabant 1247 die Königserhebung seines Neffens Wilhelm von Holland durch. Dadurch wechselten die FĂŒrsten am Unterrhein einheitlich in das stauferfeindliche Lager. Andererseits verheiratete Otto II. von Bayern seine Tochter mit Konrad IV. und wurde so der mĂ€chtigste VerbĂŒndete der Staufer.
In Italien ging Friedrich II. gegen die aufstĂ€ndischen StĂ€dte militĂ€risch vor, betrieb aber gleichzeitig Verhandlungen mit dem Papst. Als er sich 1247 bereits auf dem Weg zu einem Treffen befand, fiel die strategisch wichtige Stadt Parma von ihm ab. Die Belagerung Parmas endete 1248 mit einer Niederlage fĂŒr den Kaiser. Kurz darauf verbuchte er jedoch wieder militĂ€rische Erfolge. Eines wurde immer deutlicher: MilitĂ€risch war der Kaiser, anders als sein GroĂvater Barbarossa, nicht zu schlagen, zumal er noch immer auf die EinkĂŒnfte seines zentralisierten Königreiches Sizilien zĂ€hlen konnte und es in den Kommunen zur Spaltung in kaisertreue (Ghibellinen) und kaiserfeindliche (Guelfen) Fraktionen kam. In dieser Lage versuchten seine Gegner 1246 ein Attentat, das aber scheiterte. Mehrere Vertraute des Kaisers, darunter auch der Kanzler Petrus de Vinea, wurden nach einem Anschlagsversuch 1249 eingekerkert und geblendet; er ist kurz darauf verstorben. Im Mai 1249 wurde Enzio von den Bolognesern nach der unglĂŒcklichen Schlacht von Fossalta gefangen genommen und dann 23 Jahre in Haft gesetzt, in der er 1272 46-jĂ€hrig verstarb.
In dieser Phase schien alles auf eine Niederlage Friedrichs hinzudeuten, doch Anfang 1250 wendete sich das Blatt: In Deutschland hielt Konrad den Feldzug des Gegenkönigs Wilhelm auf, mehrere oberitalienische StĂ€dte wechselten auf die kaiserliche Seite. Der Papst geriet in eine bedrĂ€ngte Lage und bot auf Anraten Ludwigs IX. Verhandlungen an. Friedrich war auf dem Weg zur Residenz von Innozenz IV. in Lyon, als er erkrankte und auf Castel Fiorentino (Gargano / Apulien), in einer Zisterzienserkutte gekleidet, am 13. Dezember 1250 â im Alter von 55 Jahren â verstarb. An welcher Krankheit er starb, ist nicht gesichert. Die Quellen sprechen von Fieber und Durchfall, was auf eine Ruhrerkrankung hinweisen könnte. Doch diese Krankheit passt nicht recht in die winterliche Jahreszeit hinein. Deshalb starb Friedrich wohl eher an Typhus, Paratyphus oder einer Blutvergiftung. Friedrichs Sarkophag aus rotem Porphyr steht im Dom von Palermo. Dort ruht er neben seinen Eltern Heinrich VI. und Konstanze sowie seinem GroĂvater mĂŒtterlicherseits, dem Normannenkönig Roger II., König von Sizilien.
In Sizilien und SĂŒditalien konnte Friedrich II. zwar bis zu seinem Tode 1250 unangefochten seine Position verteidigen, in Deutschland gelang dies seinem Sohn Konrad gegen die genannten Gegenkönige jedoch immer weniger, obwohl noch bis zu Friedrichs Tod SĂŒddeutschland von den Staufern gehalten wurde. Mit dem Tod Konrads vier Jahre spĂ€ter in SĂŒditalien war die Zeit der Staufer in Deutschland endgĂŒltig vorbei. In Sizilien hingegen hielten sich seine Enkel noch bis 1268. Mit dem Tod Kaiser Friedrichs II. begann das so genannte Interregnum, in dem das Königtum noch mehr an Macht einbĂŒĂte. Die folgenden MachtkĂ€mpfe in SĂŒditalien bis ins frĂŒhe 14. Jahrhundert fĂŒhrten letztendlich zum Zerfall des Königreichs Sizilien.
Das Rechtssystem erhielt durch Friedrich II. entscheidende reformerische Impulse, die in die neuzeitliche Zukunft verwiesen, aber ganz der Idee des mittelalterlichen Universalherrschers verpflichtet waren: Die Assisen von Capua von 1220, aufbauend auf der unter seinem GroĂvater Roger II. begonnenen Rechtsreform (Assisen von Ariano 1140), und die Konstitutionen von Melfi aus dem Jahr 1231 trugen entscheidend zur normativen Positivierung von Recht und Staatsordnung bei und wirkten im europĂ€ischen Vergleich beispielgebend. In Sizilien hatten ihre Vorschriften mit zeitbedingten Modifikationen bis 1819 Geltung. Ihre volle Wirkung entfalteten diese Neuerungen jedoch nur auf sizilianischem Territorium: Nur dort stand dem Kaiser nach der Schaffung eines eigenen Beamtenstandes die Möglichkeit offen, seine Reformen ohne RĂŒcksichtnahme auf die Interessen einer alteingesessenen Aristokratie umzusetzen.
Insgesamt spielte das römische Recht in der Politik Friedrichs II. eine ĂŒberragende Rolle: Friedrich fĂŒgte neue Gesetze in das spĂ€tantike Corpus iuris civilis ein und machte so deutlich, dass sich seine Vorstellungen vom Kaisertum den als vollkommen empfundenen antiken Traditionen verpflichtet sahen, aber auch, dass sich die Herrschaft auf dem Recht grĂŒnden muss. Friedrich II. erlieĂ darĂŒber hinaus strenge Gesetze zur Erhaltung der Natur und zum Schutz von Frauen und Minderheiten.
Obwohl die Fortsetzung der Herrschaft ĂŒber das gesamte Reich seines Vaters unwahrscheinlich erschien, wurde bereits der junge Friedrich nicht nur als zukĂŒnftiger König Siziliens, sondern in der KontinuitĂ€t seines kaiserlichen Vaters und GroĂvaters erzogen.
Nicht zuletzt wegen seiner Jugend in Sizilien nahmen die Stadt Rom und die Anerkennung durch ihre Bevölkerung in seinem VerstĂ€ndnis des Kaisertums einen hohen Stellenwert ein. DarĂŒber hinaus war dafĂŒr die Taktik des Ausspielens der Stadtrömer und des Papstes gegeneinander der Grund. Allerdings spielte auch der Papst eine wichtige Rolle fĂŒr die kaiserliche Legitimation Friedrichs II. SchlieĂlich hatte Innozenz III. ihn zumindest inoffiziell als Kaiser anerkannt, bevor er von den ReichsfĂŒrsten gewĂ€hlt worden war. Damit war die Bedeutung des Wahlakts deutlich zurĂŒckgegangen, allerdings wohl auch, weil die ReichsfĂŒrsten ebenso wie Friedrich selbst davon ausgingen, dass die Krone mangels ernstzunehmender Konkurrenten von nun an im Haus der Staufer bleiben wĂŒrde. Insgesamt war die Hochachtung des Kaisertums im deutschen Reichsteil durch die Thronstreitigkeiten nach dem Tod Heinrichs VI. gesunken. Die hĂ€ufige Abwesenheit Friedrichs II. und die krisenhafte Regentschaft Heinrichs (VII.) trugen nicht dazu bei, das Ansehen des Kaisertums zu steigern.
Analog zur Entwicklung in Territorien auĂerhalb des Reichs und in einzelnen FĂŒrstentĂŒmern nahmen auch unter Friedrich II. die Rechtsprechung und ĂŒberhaupt das Vorhandensein eines kodifizierten Rechtskanons eine wichtigere Stellung ein. Dies galt auch fĂŒr seine Rechte als Herrscher. So wurde das Regalienrecht zum wichtigsten Machtinstrument des Kaisers. Mit dieser Rechtsgrundlage grĂŒndete Friedrich StĂ€dte oder verlegte Handelswege, um angrenzende fĂŒrstliche Territorien zu entvölkern oder FĂŒrsten Zolleinnahmen zu entziehen. Zudem vermehrte er die staufische Hausmacht, um diese ebenfalls fĂŒr seine Ziele einzusetzen. 1231 dĂ€mmten die FĂŒrsten dieses kaiserliche Vorgehen mit dem Statutum in favorem principum ein. Um Einfluss auf kirchliche Territorien zu erlangen, berief Friedrich sich auf seine Stellung als Vogt fĂŒr die gesamte Kirche. Das StĂ€dtegrĂŒndungsrecht auf kirchlichem Land wurde 1220 durch die Confoederatio cum principibus ecclesiasticis festgeschrieben, wobei den kirchlichen Herren der Besitz verschiedener Regalien zugesichert wurde. Einen Höhepunkt erreichte die Regalienpolitik Friedrichs 1235 mit dem Mainzer Landfriedensgesetz, in dem im Prinzip alle fĂŒrstlichen Rechte als lediglich vom Kaiser ausgegebene Regalien dargestellt wurden.
Unter seiner Regentschaft entstanden auf Sizilien und im SĂŒden der italienischen Halbinsel zahlreiche Festungsbauten wie das Castello Ursino in Catania, Castel del Monte, Castel Maniace, Castello di Termoli, Castello di Lucera und weitere Kastelle.[16]
GegenĂŒber dem Papst bestand Friedrich auf Gleichberechtigung (Sonne-Mond-Gleichnis). Seine Kaiseridee war zudem universal ausgelegt und stand ganz in der staufischen Tradition, wobei auch das spĂ€tantike Kaiserbild eine wichtige Rolle spielte. So lieĂ Friedrich II. Gold-Augustalen nach dem Vorbild römischer Kaiser prĂ€gen. Auf diesen war er mit Tunika und Lorbeerkranz, ganz den römischen Kaisern nachgebildet, dargestellt. Des Weiteren setzte er biblische Elemente ein: Seit seinem Kreuzzug umgab er sich mit dem Hauch eines messianischen Kaisertums, wobei auch die ĂuĂerungen des Nikolaus von Bari eine Rolle spielten; demnach sei das Haus Staufen das Endkaisergeschlecht.
Insgesamt flossen in Friedrichs Kaiseridee, die Ă€uĂerst vielgestaltig war und teils Ă€uĂerst ĂŒbersteigert wirkte, mehrere Elemente ein: staufische, römisch-spĂ€tantike, byzantinische, biblische und normannische, verbunden mit einem bis dahin noch nicht da gewesenen, intensiven Einsatz kodifizierten Rechts.[17]
Friedrich II. ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Geschichte. Seine Zeitgenossen nannten ihn stupor mundi, worin insbesondere die VerblĂŒffung â nicht selten auch das Befremden â der im gottbezogenen Universalismus des Mittelalters verankerten Beobachter ĂŒber das hoch entwickelte IndividualitĂ€tsbewusstsein des Staufers, seinen temperamentvollen Eigensinn und seine unorthodoxe, schier nicht zu bremsende Wissbegierde zum Ausdruck kam.
Ein Beispiel dafĂŒr, wie sehr sich Friedrich von seinen Zeitgenossen unterschied, war der Kreuzzug in das Heilige Land. Als intimer Kenner der arabischen MentalitĂ€t âeroberteâ er Jerusalem durch langwierige Verhandlungen und einen Vertragsschluss. Seither betonten Friedrich und seine zahlreichen AnhĂ€nger, darunter auch Theologen, den messianischen Charakter seines Kaisertums, was im Kampf mit dem Papsttum dahingehend umgedeutet wurde, Friedrich sei der Kaiser der Endzeit, der Friedenskaiser.
Den Ăberlieferungen zufolge war Friedrich II. von Wissensdrang und unbĂ€ndiger Neugier erfĂŒllt. Dinge, die sich nicht mit Vernunft erklĂ€ren lieĂen, glaubte er zum Entsetzen seiner Zeitgenossen nicht. So verbot er z. B. die so genannten Gottesurteile, da er der Meinung war, dass in einem Zweikampf immer der StĂ€rkere, nicht zwangslĂ€ufig der Unschuldige gewinnen werde.
Am Hof des Kaisers wirkten zahlreiche Dichter, Wissenschaftler und KĂŒnstler, so dass von einem Musenhof gesprochen wurde. Friedrich II. schrieb auch ein wissenschaftliches Werk ĂŒber Vögel und Falknerei (sog. âFalkenbuchâ eigtl. De arte venandi cum avibus, Ăber die Kunst der Jagd mit Vögeln), das bis weit in die heutige Zeit als Standardwerk zum Thema galt. Das bedeutende, in seiner naturwissenschaftlichen Ausrichtung höchst bemerkenswerte Werk enthĂ€lt neben einer EinfĂŒhrung in die allgemeine Vogelkunde auch Anleitungen zu Aufzucht, Dressur und Verwendung der Jagdfalken. Die ĂŒber 900 Vogelbilder stellen zu der Zeit ein Novum dar. In ihnen werden in bis dahin ungekannter Detailtreue die spezifischen Haltungen der einzelnen Vogelarten dargestellt. Die Flugbilder können nur nach der Natur gezeichnet worden sein. Die originale Prachthandschrift ging zwar verloren, eine von Manfred, seinem Sohn 1258 veranlasste Abschrift des Werkes aus der Bibliotheca Palatina ist in der vatikanischen Bibliothek erhalten geblieben.
Seine Gegner nutzten das allgemeine Wissen ĂŒber seine wissenschaftliche Neugier, um eine fĂŒr die Zeit plausible Propaganda zu entwickeln, die ihn diskreditieren sollte. Sie behaupteten, er litte unter Wahnideen. So schreibt ihm zum Beispiel Salimbene von Parma, ein Franziskanermönch, in seiner Chronik derer sieben zu. Eine der hier beschriebenen behandelt die sogenannte Suche nach der Ursprache, die, schon seit der Antike nachweisbar, vor Friedrich II. bereits verschiedenen anderen Herrschern zugeschrieben worden war. Salimbene schreibt, Friedrich habe zum Zwecke dieser Suche mehrere SĂ€uglinge von der AuĂenwelt isoliert und ihren Ammen befohlen, die Kinder zwar zu sĂ€ugen und sauberzuhalten, aber weder mit ihnen zu sprechen noch sie zu liebkosen, oder ihnen sonstige Zuwendung zuteil werden zu lassen. Auf diese Weise habe er â so Salimbene â herausfinden wollen, in welcher Sprache Kinder ihre ersten Worte von sich geben. Die Kinder hĂ€tten dann aber gar nicht gesprochen, sondern seien aufgrund der mangelnden menschlichen Zuwendung frĂŒhzeitig gestorben.
Gerade das Falkenbuch zeigt ein in dieser Zeit neuartiges, so vorher nicht dagewesenes Interesse an der diesseitigen Wirklichkeit, an Mathematik, Medizin und NaturphĂ€nomenen aller Art und AnsĂ€tze zu empirischem Denken und Naturerforschung, auch mit Hilfe von Experimenten. Selbstgesetztes Ziel Friedrichs im Falkenbuch, einer umfassenden Ornithologie, war es, âsichtbar zu machen die Dinge, die sind, so wie sie sindâ (manifestare ea, quae sunt, sicut sunt). BloĂ durch das Ohr erlange man keine Gewissheit. So wird selbst die ZuverlĂ€ssigkeit einer bisher so unumstrittenen AutoritĂ€t wie des Aristoteles unter Berufung auf die eigene langjĂ€hrige Erfahrung mit der Falknerei mit dem Argument relativiert, Aristoteles beziehe sein Wissen auf diesem Gebiet wohl kaum aus eigener Erfahrung, sondern von unzuverlĂ€ssigen GewĂ€hrsleuten. Auch wenn dieses neue Denken in seinem Umfeld und seiner Zeit nicht ohne Voraussetzungen ist (Nominalismus, Schule von Salerno, Jordanus Ruffus, Michael Scotus, Petrus de Ebulo), so kann Friedrich II., zumal wegen seiner Förderung wissenschaftlicher Einrichtungen und Gelehrter, ein bedeutender Platz am Beginn der Entwicklung zugewiesen werden, die ĂŒber Renaissance und Rationalismus in die Moderne fĂŒhren sollte.
Die zahlreichen Propagandaberichte trugen mit zur Verzerrung der Persönlichkeit Friedrichs in der Nachwelt bei. Friedrich II. gilt als Wunderwesen unter den europĂ€isch-christlichen Monarchen des Mittelalters. Bereits seine Zeitgenossen sahen dies so. Allerdings erblickten viele in ihm auch den Hammer der Christenheit und sahen in seinem Interesse am Islam, mit dem er sein Leben lang in Verbindung stand, einen Verrat am Christentum. So fĂŒhrte seine teils tolerante Einstellung gegenĂŒber der Religion spĂ€ter zu der Behauptung, Friedrich habe die ReligionsgrĂŒnder Jesus, Moses und Mohammed als âdrei BetrĂŒgerâ bezeichnet. Dies ist, so weit ist sich die moderne MediĂ€vistik einig, nicht glaubwĂŒrdig und der pĂ€pstlichen Propaganda zuzuschreiben. Friedrich selbst wies diese Beschuldigung ebenfalls von sich.[18] Ob dieses Motiv bereits vorher zur Verdammung antikirchlicher Ideen verwendet wurde, ist nicht geklĂ€rt, allerdings ist dies nicht auszuschlieĂen, wurde dieselbe Aussage spĂ€ter doch auch Petrus de Vinea, Arnaldus de Villanova, Boccaccio, Petrus Aretinus, Machiavelli, Pietro Pomponazzi, Gerolamo Cardano, Tommaso Campanella, Giordano Bruno, Baruch de Spinoza und schlieĂlich sogar noch Thomas Hobbes angedichtet.
Am Kaiserhof selbst wirkte jedoch kein einziger muslimischer Gelehrter, zumal Friedrich den Islam auf Sizilien faktisch zurĂŒckgedrĂ€ngt hatte und in mehreren Schreiben seine christliche Einstellung betonte. Die neuere Forschung (Hans Martin Schaller) hat daher auch viele Urteile bzgl. einer vollkommen toleranten oder gar islamfreundlichen Einstellung des Kaisers revidiert. Die Kaiseridee Friedrichs II. verrĂ€t vielmehr eine tief verwurzelte christliche Ideologie.
Friedrich verstand sich als christlicher Monarch, allerdings im Sinne eines byzantinischen Kaisers, also als Gottes Stellvertreter auf Erden. Eine Unterordnung unter den Papst kam fĂŒr ihn nicht in Frage. Dabei fĂ€llt auf, dass er, anders als sein GroĂvater Barbarossa, nie einen Gegenpapst aufstellen lieĂ. Denn Friedrich verstand sich weiterhin auch als mittelalterlicher Universalherrscher und keineswegs als ein RenaissancefĂŒrst, wie ihn manche spĂ€tere Historiker sehen wollten. Es ging ihm nicht um eine völlige politische Entmachtung des Papsttums, sondern vielmehr um einen weitgehenden Ausgleich, wobei er freilich, nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Vorstellungen vom Kaisertum, den politischen Ambitionen der PĂ€pste, das Kaisertum dem Papsttum nachzuordnen, entgegentrat.
Mit dem Machtverlust des Königtums im Interregnum nach Friedrichs Tod entstand in Deutschland die Legende vom Kaiser Friedrich, der im KyffhĂ€user-Gebirge schlafe (in Sizilien schlief er allerdings im Ătna) und nach seinem Aufwachen das Reich zur GröĂe zurĂŒckfĂŒhren werde. Erst im 16. Jahrhundert wurde diese Legende auf seinen GroĂvater, Friedrich I. Barbarossa, ĂŒbertragen. Diesen Volksglauben nutzten mehrere Menschen aus und gaben sich fĂŒr den zurĂŒckgekehrten Kaiser aus, so z. B. Tile Kolup (auch Dietrich Holzschuh genannt) 1284 zunĂ€chst in Köln, spĂ€ter in Neuss und Wetzlar.[19]
FĂŒr die fortbestehenden guelfischen Gruppen in Italien blieb Friedrich II. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts eine immer wieder verwendete Feindfigur. Dieses negative Bild Friedrichs wurde zur Grundlage fĂŒr die Geschichtsschreibung ĂŒber ihn, die sich in der Renaissance entwickelte. Doch bereits im 15. Jahrhundert begannen erste italienische Historiografen mit dem Relativieren dieser EinschĂ€tzung, indem sie auch auf die tyrannischen Eigenschaften der PĂ€pste hinwiesen.
In Deutschland zeichneten vor allem die Herrscher und ThronanwĂ€rter aus dem Haus Wittelsbach frĂŒh ein positives Bild Friedrichs II., auf den sie ihre AnsprĂŒche zurĂŒckfĂŒhrten. Zudem wurde Friedrich in Deutschland zunehmend als KĂ€mpfer gegen den Papst verstanden und als Vorbild der vor-reformatorischen und reformatorischen Kirchenkritik. Die kirchliche und kirchennahe Geschichtsschreibung lastete Friedrich allerdings auch in Deutschland mehr oder minder heftiges Vorgehen gegen die Kirche an. Dietrich von Nieheim entwarf im frĂŒhen 15. Jahrhundert erstmals ein fest umrissenes Bild des edlen und glĂ€ubigen Friedrich, das er in Kontrast zu den als herrschsĂŒchtig und verschlagen dargestellten PĂ€psten setzte. Bis ins 17. Jahrhundert teilten sĂ€mtliche deutschen Geschichtsschreiber prinzipiell diese Auffassung.
Mit dem erwachenden Nationalbewusstsein in Deutschland rĂŒckte Friedrich II. wegen seiner kosmopolitisch-italienischen Eigenschaften in den Hintergrund. Friedrich Barbarossa wurde dagegen zum am meisten beachteten Staufer. Friedrich II. spielte noch eine Rolle, wenn es um die Bewertung des Engagements deutscher Könige in Italien oder um Auseinandersetzungen zwischen katholischer und anti-katholischer Geschichtswissenschaft ging. Man warf ihm vor, die KrĂ€fte des Reiches im Zuge seiner weit in den Mittelmeerraum ausgreifenden Politik vergeudet und das Kaisertum durch die ZugestĂ€ndnisse geschwĂ€cht zu haben, die er den Interessen der ReichsfĂŒrsten wegen seiner langen Abwesenheit machte (Statutum in favorem principum). Darin sahen diese Kritiker die Voraussetzung fĂŒr die Herausbildung landesfĂŒrstlicher SouverĂ€nitĂ€t, auf Kosten eines starken monarchischen Einheitsstaates. Vollends als mögliches Leitbild und Identifikationsfigur ausgedient hatte er nach dem Scheitern des demokratischen Reichseinigungsversuches von 1848/49. Die nationale Einheit Deutschlands wurde jetzt, und erst recht nach der erfolgreichen ReichsgrĂŒndung von 1871 durch das im Kampf mit dem napoleonischen Frankreich siegreiche PreuĂen, mehr und mehr unter dem Vorzeichen des monarchischen Machtstaates gesehen, und daher wurden dessen mittelalterliche Grundlagen zu einem der wichtigsten Themen der Historiker. Die Italien- und Kaiserpolitik galt nunmehr als âGrab der Nationalwohlfahrtâ (Heinrich von Sybel), weil eben sie diese Grundlagen nachhaltig erschĂŒttert habe. Heinrich der Löwe, nicht die Stauferkaiser, schien mit seiner Entscheidung fĂŒr eine nach Osteuropa gerichtete Expansionspolitik in dieser Sicht die wahre geschichtliche Mission des deutschen Volkes erkannt zu haben. VerstĂ€rkt wurde die Kritik, als unter dem Eindruck der gescheiterten Kolonialpolitik nach dem Ersten Weltkrieg und wĂ€hrend des Nationalsozialismus das Thema Ostsiedlung gröĂere Konjunktur hatte und man Friedrich II. wie auch anderen Kaisern vorwarf, die KrĂ€fte des deutschen Volkstums in die falsche Richtung gelenkt zu haben.[20]
Eine völlig andere Sicht auf Friedrich II. findet sich bei dem elitĂ€ren Kreis um den Dichter Stefan George. Vom Materialismus der modernen technisierten Massengesellschaft angewidert, entdeckte man hier auf der Suche nach geschichtlichen Persönlichkeiten, die durch die Verbindung von Tatkraft, Geist und tiefem Empfinden zu Vorbildern fĂŒr ein erneuertes deutsches Geistesleben werden sollten, auch Friedrich II. Ernst Kantorowicz verfasste eine ĂŒberhöhte Darstellung Friedrichs II. von groĂer pathetischer Sprachgewalt und EindrĂŒcklichkeit, die trotz unmittelbar nach der Veröffentlichung einsetzender Kritik der Fachwissenschaft (Albert Brackmann)[21] einen breiten Leserkreis erreichte. In spĂ€teren Jahren distanzierte er sich von diesem Jugendwerk. Eine wesentliche Rolle bei der weiteren Forschung zu Friedrich II. spielte in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg der Bonner Historiker Carl Arnold Willemsen. Er verfasste in dieser Zeit nicht unwichtige historische und baugeschichtliche ForschungsbeitrĂ€ge, bei denen er unter anderem ĂŒber die Ausgrabungen in den friderizianischen Kastellen Apuliens und Siziliens berichtete. Mit seinem populĂ€ren Apulien-ReisefĂŒhrer sorgte er fĂŒr eine weitere Verbreitung des Friedrich-Mythos.[22] Insgesamt schrieb Willemsen jedoch relativ unkritisch am Mythos fort und brachte damit die historische Einordnung Friedrichs II. nicht wesentlich voran.
Nach Ăberwindung solch anachronistischer BewertungsmaĂstĂ€be hat die moderne Forschung Friedrich II. in den genauer erschlossenen historischen Kontext eingeordnet und betrachtet ihn nĂŒchterner im Rahmen seiner Epoche. Wichtige Forschungsarbeiten stammen unter anderem von Hans Martin Schaller, der neben einer knappen populĂ€ren Biografie auch mehrere FachaufsĂ€tze ĂŒber Friedrich II. verfasste. Das derzeitige maĂgebliche Standardwerk stammt von Wolfgang StĂŒrner, der sich eingehend mit den Quellen und der modernen Forschungsliteratur auseinandergesetzt hat und zu einer ausgewogenen Beurteilung gelangt ist.
Im Sommer 2005 wurden in der UniversitĂ€tsbibliothek Innsbruck rund 200 Abschriften von Briefen und Mandaten Friedrichs II. und Konrads IV. entdeckt, von denen etwa 130 der Forschung bisher unbekannt waren; eine kritische Edition im Rahmen der MGH soll folgen.[23] In seiner 2010 erschienenen Biographie ĂŒber Friedrich II. deutet der Berliner Historiker Olaf B. Rader den Staufer âaus einer sĂŒdlich-mediterranen Blickrichtungâ.[24] Rader vergleicht Friedrichs Regierungsstil mit der eines Tyrannen, denn eine âechte Mitwirkung von groĂen Baronen oder anderen MachttrĂ€gern ist selten zu spĂŒrenâ.[25]
Insgesamt herrscht Einigkeit ĂŒber die besondere Bedeutung Friedrichs II. als römisch-deutscher Kaiser. Strittig ist unter anderem, inwieweit Friedrichs Regierung als eine RĂŒckbesinnung auf antike Traditionen zu interpretieren sei.[26]
| Friedrich II. der EinĂ€ugige (1090â1147) Herzog von Schwaben |
Judith von Bayern (um 1100ânach 1130) |
Rainald III. (â 1148), Graf von Burgund (Freigrafschaft) |
Agnes von Lothringen (um 1110ânach 1140), Erbin der Freigrafschaft Burgund |
Roger I. (1031â1101), Graf von Sizilien |
Adelheid von Savona (â 1118), |
Withier de Vitri (â nach 1158), Graf von Rethel |
Beatrix von Namur (â 1160) |
| Friedrich I. Barbarossa (1122â1190), Römischer Kaiser |
Beatrix von Burgund (1143/4â1184) |
Roger II. (1095â1154), König von Sizilien |
Beatrix von Rethel (1130/5â1185) | ||||
| Heinrich VI. (1165â1197), Römischer Kaiser |
Konstanze (1154â1198), Erbin Siziliens | ||||||
| Friedrich II. (1194â1250), Römischer Kaiser und König von Sizilien | |||||||
Von Friedrich sind aus vier Ehen und zahlreichen auĂerehelichen Beziehungen 19 Kinder bekannt.[27]
Wichtigste Nachkommen:
Im Einzelnen (nur Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten):
Aus seiner ersten Ehe (Messina 5./15. August 1209) mit Konstanze von Aragon (* wohl 1179, â 23. Juni 1222 in Catania):
Aus seiner zweiten Ehe (Brindisi 9. November 1225) mit Isabella II. (Jolande):
Aus seiner dritten Ehe mit Bianca Lancia der JĂŒngeren (â 1233/1234):
Aus seiner vierten Ehe (Worms 15. Juli 1235, vielleicht auch 20. Juli) mit Isabella von England (* 1214, â 1. Dezember 1241):
Aus der Verbindung mit der Tochter eines sizilianischen Grafen:
Aus der Verbindung mit Adelheid:
Aus der Verbindung mit einer unbekannten Frau:
Aus der Verbindung mit Maria genannt Mathilde von Antiochia:
Aus den Verbindungen mit weiteren unbekannten Frauen:
Es sind heute rund 2.800 QuellenstĂŒcke erhalten, was fĂŒr einen mittelalterlichen Herrscher verhĂ€ltnismĂ€Ăig viel ist. Allerdings hat sich kein Chronist im Auftrag Friedrichs mit einer Darstellung seines Lebens beschĂ€ftigt.
| VorgÀnger | Amt | Nachfolger |
| Otto IV. | Römisch-deutscher König ab 1220 Kaiser 1212â1250 |
Konrad IV. |
| Heinrich VI. | König von Sizilien 1198â1250 | |
| Walter III. von Brienne | FĂŒrst von Tarent 1205â1250 |
Manfred |
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Friedrich II. |
| ALTERNATIVNAMEN | Friedrich Roger (Taufname) |
| KURZBESCHREIBUNG | Kaiser des Heiligen Römischen Reiches |
| GEBURTSDATUM | 26. Dezember 1194 |
| GEBURTSORT | Iesi bei Ancona |
| STERBEDATUM | 13. Dezember 1250 |
| STERBEORT | Fiorentino bei Lucera |