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Fritz Beck

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fritz Beck (Begriffsklärung) aufgeführt.

Friedrich „Fritz“ Beck (* 14. Juli 1889 in Landsberg am Lech; † am 30. Juni/1. Juli 1934 im Gündinger Wald beim KZ Dachau) war ein deutscher politischer Aktivist. Beck wurde vor allem bekannt als Schöpfer des Internationalen Studentenhilfswerks in München sowie als einer der Getöteten des sogenannten Röhm-Putsches.

Fritz Beck (um 1932).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Jugend und Studienzeit bis zum Ersten Weltkrieg (1889 bis 1914)

Fritz Beck wurde 1889 als ältester Sohn eines katholischen Kaufmanns in Landsberg am Lech geboren und wuchs zusammen mit dreizehn Geschwistern auf. Beck besuchte erst das Gymnasium Schäftlarn, später wechselte er an das humanistische Gymnasium in Neuburg an der Donau, das fast 100 Kilometer von seinem Wohnort entfernt lag. 1909 legte er in Neuburg das Abitur ab.

Im Wintersemester 1909/1910 begann Beck mit dem Studium der klassischen Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, an der er insgesamt 22 Semester lang eingeschrieben blieb (8 davon als „beurlaubt“). Da die Eintragung Becks in der Studentenkartei der Universität im Wintersemester 1920/1921 endet, ohne dass ein Abschluss erwähnt wird, ist anzunehmen, dass er die Universität ohne Abschluss verließ.

Sein eigentliches Studium vernachlässigte Beck schon früh, um sich in immer stärker werdenden Maße ehrenamtlich zu engagieren. Das Studium betrieb er zuletzt nur noch als eine Nebentätigkeit zu seinen sonstigen Aktivitäten, auf die er den Großteil seiner Zeit verwandte.

Bereits 1910 gründete er mit einigen Kommilitonen die Landsberger Studentenschaft. Ab dem Wintersemester 1910/1911 belegte Beck neben seinen philologischen Veranstaltungen auch historische, insbesondere neuzeitliche, und kunstgeschichtliche Lehrveranstaltungen. Maßgebliche Einflüsse erfuhr Beck zu dieser Zeit durch seine Professoren Aloys Fischer, Carl Sonnenschein und vor allem Friedrich Wilhelm Foerster, die sein soziales Bewusstsein schärften. 1912 übernahm Beck der Vorsitz der Studentischen Arbeiter-Fortbildungskurse München und Pasing, den er bis 1915 ausüben sollte. Angeregt durch seinen Mentor Foerster übernahm Beck in dieser Eigenschaft die Organisation studentischer Arbeiterunterrichtskurse, von denen rund 2000 Arbeiter aller Altersklassen und Berufsschichten, die von rund 150 Studenten unterrichtet wurden, profitierten.[1]

Aufgrund seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Fortbildungskurse scheint Beck ab dem Sommersemester 1912 nur sehr wenig Zeit an der Universität zugebracht zu haben, was aus dem Umstand hervorgeht, dass er zwar eingeschrieben war, aber nur ein sehr geringes Hörgeld bezahlte.[2] Im Sommersemester 1913 schrieb Beck auf Philosophie um und nahm insbesondere an pädagogischen Lehrveranstaltungen teil. Im Wintersemester 1913/1914 beteiligte er sich an der Gründung des Akademischen Sozialausschusses. Während dieser Zeit nahm er nur noch psychologische und pädagogische Lehrangebote wahr, die seiner sozialen Tätigkeit zugutekamen. Im Sommersemester 1914 besuchte Beck schließlich nur noch die Veranstaltungen Friedrich Wilhelm Foersters.

Tätigkeit während des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918/1919)

Am Ersten Weltkrieg nahm Beck nicht als Soldat teil. Er wurde vom Waffendienst zurückgestellt. Im Oktober 1914 rief er mit anderen den Akademischen Hilfsbund München ins Leben, der sich der Unterstützung von Akademikern widmete, die an der Front standen, im Lazarett lagen oder in Gefangenschaft waren. Nach eigener Aussage gab er zu dieser Zeit Kurse für Kriegsblinde im Lazarett des amerikanischen Arztes Dr. Jung. Im Wintersemester 1915/1916 ließ Beck sich beurlauben. Später rief ihn die Kriegs-Wohlfahrtsorganisation des Deutschen Studentendienstes nach Berlin. Dort übernahm er die Spitze der Abteilung Versorgung der kriegsgefangenen deutsche Akademiker in Russland und England mit Büchern. Ab November 1916 arbeitete er zusammen mit Reinhold Schairers in Kopenhagen für den Deutschen Ausschuss für Kriegsgefangenenhilfe.

1918 wurde Beck von der Kriegsgefangenenfürsorge von Kopenhagen nach Bern versetzt. Nach dem Ende des Krieges fungierte Beck einige Monate lang als Sekretär Friedrich Wilhelm Foersters, der nun in der Schweiz lebte und nach Ernennung durch Kurt Eisner als bayerischer Botschafter fungierte. Fritz Beck wurde in den Akten als Botschaftspersonal geführt.

Im Mai 1919 wurde Beck durch einstimmigen Beschluss der Münchener Studentenschaft als erster Studentensekretär an einer deutschen Hochschule nach München gerufen.

Beck als StudentenfĂĽhrer (1919/1920 bis 1934)

Nach seiner Rückkehr nach München gründete Beck den Verein Studentenhaus e.V., der sich die „Linderung der Not der studentischen Jugend“ zum Ziel setzte und sich für die Anliegen des Weltstudentenwerks einsetzte. Besondere Aufmerksamkeit ließ Beck dabei den Kriegsheimkehrern zuteilwerden. In den folgenden Jahren war er in Personalunion der Leiter und Geschäftsführer des Deutschen Studentenhilfswerks und der Deutschen Akademischen Austauschstelle (AKA), die ebenfalls in den Räumen des Vereins Studentenhaus untergebracht war.

1926 gründete Beck den Deutsch-Ausländischen Studentenclub in München, der als Ortsgruppe des Weltstudentenwerkes anerkannt wurde. Nach eigenem Bekunden erwies er hiermit seine Dankbarkeit für die großzügige Hilfe des Auslandes während der Zeiten der Inflation und materiellen Not der deutschen Studierenden in den ersten Nachkriegsjahren.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Frühjahr 1933 traf Beck bewusst die Entscheidung, die Möglichkeit, das Land zu verlassen und für das Weltstudentenwerk zu arbeiten, ungenutzt zu lassen. Um sein Werk vor der Gleichschaltung durch die neuen Machthaber zu bewahren, trug Beck im Sommer 1933 den Ehrenvorsitz des Münchener Studentenwerkes dem mächtigen Stabschef der SA Ernst Röhm an, der diesen auch akzeptierte. Zur selben Zeit gelang es Beck, eine Tagung des Weltstudentenwerkes in Ettal in Anwesenheit Röhms und Heinrich Himmlers zu veranstalten. Die Nationalsozialisten nutzten diese Tagung, um sich gegenüber dem Ausland zu profilieren.[3]

Von Anfang April bis Ende Mai 1934 hielt Beck sich zur Kur in Agra in der Schweiz auf. Obwohl er sich bedroht fühlte, kehrte Beck Anfang Juni 1934 nach München zurück. Becks Neffe Hermann Huber erklärte später dazu, Becks Verbundenheit mit seinem Werk sei zu stark gewesen, als dass er es „habe im Stich lassen können“.

Der Mordfall Fritz Beck

Am 30. Juni 1934 wurde Beck nach dem Augenzeugenbericht seines Neffen Hermann Huber von drei SS-Männern verhaftet. Anschließend wurde er ins Konzentrationslager Dachau bei München verschleppt, wo man ihn im Rahmen der unter dem Propagandanamen „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungsaktion der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 erschoss. Becks Erschießung fand in einem Waldstück außerhalb des KZs statt. Während einige Quellen den 30. Juni 1934 als Todesdatum angeben,[4] gibt Richardi an, Beck sei um Mitternacht (vom 30. Juni auf den 1. Juli) erschossen worden.[5] Die Leiche wurde am 1. Juli 1934 bei Allach gefunden und ins Leichenschauhaus der Stadt gebracht. Becks Neffe, der die Leiche im Beisein des Oberstaatsanwalts Jänicke identifizierte, berichtete später, dass die Leiche Spuren von Gewaltanwendung aufgewiesen habe und fünf Schusswunden zu sehen gewesen seien.

Die Urheber und Täter des Mordes an Beck sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Becks Stiefbruder Martin Beck und die Ehefrau des Journalisten Giselher Wirsing gaben später an, dass Beck, Wirsing und Richard Mayer mit Ernst Röhm in Verbindung gestanden und in dessen angebliche Putschabsichten eingebunden gewesen seien. Martin Beck wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sein Bruder ihm gegenüber kurz vor seinem Tod Andeutungen über eine bevorstehende Aktion Röhms gemacht habe und ihm ein Paket mit Schriftstücken übergeben habe, mit der Anweisung, dieses ungeöffnet zu vernichten, falls ihm etwas zustoßen sollte, was er dann auch getan habe. Mayer habe nach der Ermordung von Fritz Beck ihm, Martin Beck, gegenüber eingeräumt, dass Fritz Beck in die Pläne Röhms für einen Putsch, der auf den 1. Juli 1934 angesetzt worden war, eingeweiht gewesen sei. Er, Mayer, habe ferner Beck im Auftrag Röhms ersucht, in der Schweiz mit maßgebenden anderen Regierungen Kontakt aufzunehmen, wie man sich dort zu einem Regierungswechsel mit Röhm stellen würde. Dabei sollte ein völlig veränderter Kurs gefahren werden, nämlich Sozialismus, Toleranz gegenüber den Kirchen und Einstellung des Rassenkampfes. Becks Neffe Huber meinte demgegenüber, dass die Täter in nationalsozialistischen Münchener Studentenkreisen gewesen seien: Diese hätten Beck nicht aufgrund einer Verwicklung in irgendwelche Staatsstreichpläne umgebracht, sondern nur die „günstige“ Gelegenheit der staatlich orchestrierten Mordwelle vom 30. Juni bis 2. Juli genutzt hätten, um einen langjährigen unliebsamen Gegner im „Windschatten“ der Aktion aus dem Weg zu räumen.[6]

Heute erinnern die Fritz-Beck-Hauptschule in Landsberg am Lech sowie das Fritz-Beck-Studentenhaus (bis 1961 Sitz der Akademischen Austauschstelle) Fritz-Beck-Studentenwohnheim des Bayerischen Lehrervereins in MĂĽnchen an Becks Wirken.[7]

Literatur

  • Veronika Diem: Fritz Beck (1889–1934) und die GrĂĽndungsgeschichte des MĂĽnchener Studentwerks, in: Elisabeth Kraus [Hrsg.]: Die Universität MĂĽnchen im Dritten Reich. Aufsätze, 2006, S. 43–71.
  • Josef Hirschbeck: Fritz Beck 1889–1934, in: Festschrift 70 Jahre Landsberger Studentenschaft (LSt), 1910–1980, Landsberg am Lech 1980, S. 27–36.
  • Max Rieder: Fritz Beck - sein Leben, seine Ideen und sein Werk, Herausgegeben von der Stadt Landsberg mit UnterstĂĽtzung der Landsberger Studentenschaft, Landsberg am Lech 1995. (BroschĂĽre)
  • Franz Xaver Rößle: Fritz Beck 1889–1934, Der StudentenwerksgrĂĽnder aus Landsberg, in Landsberger Geschichtsblätter, Jahrgang 110, 2011/2012, S. 157–184.

Einzelnachweise

  1. ↑ Staatsanwaltschaft München, Staatsanwaltschaften 21981, Lebenslauf von Fritz Beck, im März 1931 verfasst.
  2. ↑ Die Universität München im Dritten Reich, S. 46.
  3. ↑ Unterlagen des Studentenwerkes München, Ordner Nr. 17.
  4. ↑ Jahrbuch der Hochschülerschaft Österreichs, 1934, S. 45.
  5. ↑ Hans-Günter Richardi: Schule der Gewalt. Die Anfänge des Konzentrationalagers Dachau 1933-1934, 1983, S. 313.
  6. ↑ Elisabeth Kraus: Die Universität München im Dritten Reich, S. 67.
  7. ↑ Deutscher Hochschulführer, 1955, S. 178.
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