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Fritz von Kraußer

Fritz von Kraußer (1931).

Friedrich Wilhelm Ritter von Kraußer,[1] genannt Fritz von Kraußer, (* 29. April 1888 in Nürnberg; † 30. Juni 1934 in Berlin-Lichterfelde) war ein deutscher Offizier, Politiker (NSDAP) und SA-Führer. Kraußer war Reichstagsabgeordneter der NSDAP und SA-Obergruppenführer und eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Erster Weltkrieg (1888 bis 1918)

Fritz von Kraußer

Fritz Kraußer wurde als Sohn eines Kaufmannes aus Nürnberg geboren. In seiner Jugend besuchte er das Progymnasium in Rothenburg ob der Tauber, bevor er in das Bayerische Kadettenkorps in München eintrat. Im Juli 1908 trat er als Fähnrich in das 4. Bayerischen Infanterie-Regiment in Metz ein. Im Oktober 1910 wurde er Leutnant im gleichen Regiment. Ab 1914 nahm Kraußer am Ersten Weltkrieg teil. Bereits am 24. August 1914, knapp drei Wochen nach Kriegsbeginn, wurde er als Zugführer einer Maschinengewehr-Kompanie schwer verwundet. Im Januar 1915 wechselte er als Flugzeugbeobachter zur Fliegertruppe. Im März 1915 kehrte er mit der Bayerischen Feld-Flieger-Abteilung 7b ins Feld zurück. Später wurde er Führer der Bayerischen Schutzstaffel der späteren Schlachtstaffel 23b. Am 4. November 1917 wurde Kraußer in Flandern zum zweiten Mal schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde er zum Führer der Bayerischen Fliegerabteilung 45 ernannt und im September 1918 zur Schlachtstaffel Gruppe 2 kommandiert, bei der bis Kriegsende verblieb. Für seine Verdienste als Kampfflieger wurde er vom bayerischen König mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet und durfte sich aufgrund der damit verbundenen Erhebung in den persönlichen Adel ab diesem Zeitpunkt Ritter von Kraußer nennen.

Weimarer Republik (1919 bis 1933)

Nach Kriegsende nahm Ritter von Kraußer 1919 als Angehöriger des Freikorps Epp an der – so seine eigene Darstellung – „Befreiung Münchens“,[2] der Niederschlagung der Münchner Räterepublik, teil. In Gotha stellte er die erste Flieger-Abteilung dieses Freikorps auf.

1920 wurde Kraußer von der Reichswehr als Hauptmann übernommen. In dieser gehörte er zunächst dem Infanterie-Regiment 20 in Nürnberg an; 1923 wechselte er in den Stab der 7. Division in München. 1922 wurde Kraußer in Nürnberg zudem Mitglied der „Reichsflagge“, einem militärischen Wehrverbandes mit regionalem Schwerpunkt in Franken.[3] Die „Reichsflagge“ gründete Ende 1921 eine Ortsgruppe in München, deren Leitung Ernst Röhm übernahm. Nach internen Auseinandersetzungen spaltete die Reichsfallge sich im Oktober 1923, wobei eine besonders radikale Gruppe unter Röhm sich als „Reichskriegsflagge“ selbständig machte; Kraußer schloss sich der Reichskriegsfalle im März 1923 an. Kraußers Haltung zum Hitler-Putsch im November 1923 – an dem die „Reichskriegsflagge“ auf Seite der Putschisten beteiligt war – führte 1924 zu seinem Abschied aus der Reichswehr.

Im Zivilleben war Kraußer als Kaufmann tätig und war gleichzeitig Mitglied in weiteren Wehrverbänden: Von August 1924 bis 1925 gehörte er dem Stab des Oberkommandos des Frontbanns an; einer Auffangorganisation der nach dem Hitler-Putsch verbotenen SA und befehligte das Frontbannkommando in München. Im September 1924 wurde Kraußer auf Anordnung des bayerischen Innenministers Stützel verhaftet und wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz unter Anklage gestellt, aber bereits nach sechs Wochen in Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Von 1924 bis 1928 führte er den völkischen Wehrverband „Altreichsflagge“ in München an. Dieser Verband hatte sich 1923 von der „Reichsflagge“ abgespalten und wurde von Willy Liebel, geleitet. Nebenbei gehörte der dem Deutsch-Völkischen Offiziersbund und dem Tannenberg-Bund an.

Der NSDAP trat Kraußer 1928 bei, der SA 1931 im Rang eines Oberführers. Vom 3. November 1931 bis zum 14. April 1932 führte er die SA-Gruppe „Hochland“ in München. Am 15. März 1932 zum SA-Gruppenführer befördert, war Kraußer ab dem 1. Juli 1932 Chef der Abteilung I (Organisation) der Obersten SA-Führung (OSAF) und gleichzeitig Stellvertreter des Stabschefs der SA, Ernst Röhm. Am 30. September 1932 wurde Kraußer „Chef des Flugwesens der SA und SS“ und war damit verantwortlich für die Fliegerstürme dieser Parteiorganisationen, die 1933 Teil des Deutschen Luftsportverbandes wurden.[4]

NS-Zeit und Tod

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten amtierte Kraußer vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 1933 als Vertreter des Kommandeurs der Sicherheitshilfspolizei in Bayern, die auch aus SA-Mitgliedern gebildet wurde. Seine Zuständigkeit für das Flugwesen gab er am 15. Mai 1933 mit der Bildung des Deutscher Luftsportverbandes (DLV) ab. Am 27. Juni 1933 zum SA-Obergruppenführer befördert, erhielt er im November 1933 ein Mandat im Reichstag.

Am 30. Juni 1934 wurde Kraußer im Zuge der als „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 verhaftet und ins Gefängnis Stadelheim gebracht. Erich Kempka zufolge soll Hitler zunächst erklärt haben, dass er Kraußer aufgrund seiner Orden begnadigt hätte und ihn anders als andere SA-Führer nicht erschießen zu lassen gedachte. Tatsächlich wurde Kraußer am 1. Juli kurzzeitig aus der Haft entlassen, dann jedoch erneut verhaftet, nach Berlin überführt und dort in der Nacht zum 2. Juli von einem SS-Kommando auf dem Gelände der Kadettenanstalt Lichterfelde erschossen. Kraußers Reichstagsmandat wurde ab dem Juli 1934 von dem SS-Offizier Ludwig Oldach weitergeführt.

Beförderungen

Beförderungen in der SA:

  • 15. November 1931: SA-Oberführer
  • 1. Juli 1932: SA-Gruppenführer
  • 1. Juli 1933: SA-Obergruppenführer

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Persönlicher, nicht erblicher Adelstitel durch den im Ersten Weltkrieges verliehenen Bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden.
  2. Angabe im Reichstagshandbuch von 1933
  3. Zu den Wehrverbänden „Reichsflagge“, „Reichskriegsflagge“ und „Altreichsflagge“ siehe Christoph Hübner: Reichsflagge, 1919-1927. In: Historisches Lexikon Bayerns (Version vom 3. Mai 2007) und Christoph Hübner: Reichskriegsflagge, 1923-1925. In: Historisches Lexikon Bayerns (Version vom 3. Mai 2007)
  4. Georg Cordts: Junge Adler. Vom Luftsport zum Flugdienst. Bechtle Verlag, Esslingen 1988, ISBN 3-7628-0477-X, S. 43, 77. Bei Lilla, Statisten, die Angabe, dass Kraußer vom 21. November 1932 bis zu seiner Ermordung „Chef des Flugwesens der SA“ gewesen sei.

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