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Fritz von Kraußer

Fritz von Kraußer (1931)
Fritz von Kraußer

Friedrich Wilhelm Kraußer, seit 1917 Ritter von Kraußer, genannt Fritz von Kraußer, (* 29. April 1888 in NĂŒrnberg; † 30. Juni 1934 in Berlin-Lichterfelde) war ein deutscher Offizier, Politiker (NSDAP) und SA-FĂŒhrer. Kraußer war Reichstagsabgeordneter der NSDAP und SA-ObergruppenfĂŒhrer und eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie

Er war der Sohn des Kaufmanns Max Kraußer und dessen Ehefrau Pauline, geborene Spitzer. Kraußer verheiratete sich 1923 mit Gertrud Roth.

Bayerische Armee

In seiner Jugend besuchte Kraußer das Progymnasium in Rothenburg ob der Tauber, bevor er in das Kadettenkorps in MĂŒnchen eintrat. Im Juli 1908 wurde er als FĂ€hnrich dem 4. Infanterie-Regiment Infanterie-Regiment „König Wilhelm von WĂŒrttemberg“ der Bayerischen Armee in Metz ĂŒberwiesen. Nachdem er die Kriegsschule erfolgreich absolviert hatte, wurde er im Anschluss am 23. Oktober 1910 zum Leutnant befördert.

Mit seinem Regiment nahm Kraußer zu Beginn des Ersten Weltkrieg an der Schlacht in Lothringen sowie den KĂ€mpfen bei Étain teil. Bereits am 24. August 1914, knapp drei Wochen nach Kriegsbeginn, wurde er als ZugfĂŒhrer der MG-Kompanie schwer verwundet. Im Januar 1915 wechselte er als Flugzeugbeobachter zur Fliegertruppe. Im MĂ€rz 1915 kehrte er mit der Bayerischen Feld-Flieger-Abteilung 7b ins Feld zurĂŒck. SpĂ€ter wurde er FĂŒhrer der Bayerischen Schutzstaffel, der spĂ€teren Schlachtstaffel 23b. Mit der Staffel war Kraußer von August bis November 1917 bei der Schlacht in Flandern im Einsatz. FĂŒr seine FĂŒhrungsleistung bei der UnterstĂŒtzung der deutschen Infanterie und 55 selbst durchgefĂŒhrten FeindflĂŒgen wĂ€hrend dieser KĂ€mpfe, wurde er am 20. September 1917 durch König Ludwig III. mit dem Ritterkreuz des MilitĂ€r-Max-Joseph-Ordens beliehen. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adel und er durfte sich nach Eintragung in die Adelsmatrikel Ritter von Kraußer nennen.

Am 4. November 1917 wurde Kraußer in Flandern zum zweiten Mal schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde er zum FĂŒhrer der Bayerischen Fliegerabteilung 45 ernannt und im September 1918 zur Schlachtstaffel Gruppe 2 kommandiert, bei der bis Kriegsende verblieb.

Weimarer Republik

Nach Kriegsende nahm Ritter von Kraußer 1919 als Angehöriger des Freikorps Epp an der – so seine eigene Darstellung – „Befreiung MĂŒnchens“,[1] der Niederschlagung der MĂŒnchner RĂ€terepublik, teil. In Gotha stellte er die erste Flieger-Abteilung dieses Freikorps auf.

1920 wurde Kraußer in die VorlĂ€ufige Reichswehr als Hauptmann ĂŒbernommen. ZunĂ€chst dem Reichswehr-Infanterie-Regiment 46 zugeteilt, versah er bald darauf seinen Dienst in der Kraftfahr-Abteilung 21 der Reichswehr-SchĂŒtzen-Brigade 21 und wurde dann noch vor der Bildung der Reichswehr in das Infanterie-Regiment 21 nach NĂŒrnberg versetzt. Am 1. MĂ€rz 1923 wechselte er in den Stab der 7. (Bayerische) Division in MĂŒnchen. 1922 wurde Kraußer in NĂŒrnberg zudem Mitglied der „Reichsflagge“, einem militĂ€rischen Wehrverbandes mit regionalem Schwerpunkt in Franken.[2] Die „Reichsflagge“ grĂŒndete Ende 1921 eine Ortsgruppe in MĂŒnchen, deren Leitung Ernst Röhm ĂŒbernahm. Nach internen Auseinandersetzungen spaltete die Reichsflagge sich im Oktober 1923, wobei eine besonders radikale Gruppe unter Röhm sich als „Reichskriegsflagge“ selbstĂ€ndig machte; Kraußer schloss sich der Reichskriegsflagge im MĂ€rz 1923 an. Kraußers Haltung zum Hitler-Putsch im November 1923 – an dem die „Reichskriegsflagge“ auf Seite der Putschisten beteiligt war – fĂŒhrte am 14. Februar 1924 zu seinem Abschied aus der Reichswehr.

Im Zivilleben war Kraußer als Kaufmann tĂ€tig und war gleichzeitig Mitglied in weiteren WehrverbĂ€nden: Von August 1924 bis 1925 gehörte er dem Stab des Oberkommandos des Frontbanns an; einer Auffangorganisation der nach dem Hitler-Putsch verbotenen SA und befehligte das Frontbannkommando in MĂŒnchen. Im September 1924 wurde Kraußer auf Anordnung des bayerischen Innenministers StĂŒtzel verhaftet und wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz unter Anklage gestellt, aber bereits nach sechs Wochen in Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Von 1924 bis 1928 fĂŒhrte er den völkischen Wehrverband „Altreichsflagge“ in MĂŒnchen an. Dieser Verband hatte sich 1923 von der „Reichsflagge“ abgespalten und wurde von Willy Liebel, geleitet. Nebenbei gehörte der dem Deutsch-Völkischen Offiziersbund und dem Tannenberg-Bund an.

Der NSDAP trat Kraußer 1928 bei, der SA 1931 im Rang eines OberfĂŒhrers. Vom 3. November 1931 bis zum 14. April 1932 fĂŒhrte er die SA-Gruppe „Hochland“ in MĂŒnchen. Am 15. MĂ€rz 1932 zum SA-GruppenfĂŒhrer befördert, war Kraußer ab dem 1. Juli 1932 Chef der Abteilung I (Organisation) der Obersten SA-FĂŒhrung (OSAF) und gleichzeitig Stellvertreter des Stabschefs der SA, Ernst Röhm. Am 30. September 1932 wurde Kraußer „Chef des Flugwesens der SA und SS“ und war damit verantwortlich fĂŒr die FliegerstĂŒrme dieser Parteiorganisationen, die 1933 Teil des Deutschen Luftsportverbandes wurden.[3]

NS-Zeit und Tod

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten amtierte Kraußer vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 1933 als Vertreter des Kommandeurs der Sicherheitshilfspolizei in Bayern, die auch aus SA-Mitgliedern gebildet wurde. Seine ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das Flugwesen gab er am 15. Mai 1933 mit der Bildung des Deutscher Luftsportverbandes (DLV) ab. Am 27. Juni 1933 zum SA-ObergruppenfĂŒhrer befördert, erhielt er im November 1933 ein Mandat im Reichstag.

Am 30. Juni 1934 wurde Kraußer im Zuge der als „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen SĂ€uberungswelle der Nationalsozialisten vom FrĂŒhsommer 1934 verhaftet und ins GefĂ€ngnis Stadelheim gebracht. Erich Kempka zufolge soll Hitler zunĂ€chst erklĂ€rt haben, dass er Kraußer aufgrund seiner Orden begnadigt hĂ€tte und ihn anders als andere SA-FĂŒhrer nicht erschießen zu lassen gedachte. TatsĂ€chlich wurde Kraußer am 1. Juli kurzzeitig aus der Haft entlassen, dann jedoch erneut verhaftet, nach Berlin ĂŒberfĂŒhrt und dort in der Nacht zum 2. Juli von einem SS-Kommando auf dem GelĂ€nde der Kadettenanstalt Lichterfelde erschossen. Kraußers Reichstagsmandat wurde ab dem Juli 1934 von dem SS-Offizier Ludwig Oldach weitergefĂŒhrt.

Beförderungen

Beförderungen in der SA:

  • 15. November 1931: SA-OberfĂŒhrer
  • 1. Juli 1932: SA-GruppenfĂŒhrer
  • 1. Juli 1933: SA-ObergruppenfĂŒhrer

Literatur

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Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Angabe im Reichstagshandbuch von 1933
  2. ↑ Zu den WehrverbĂ€nden „Reichsflagge“, „Reichskriegsflagge“ und „Altreichsflagge“ siehe Christoph HĂŒbner: Reichsflagge, 1919-1927. In: Historisches Lexikon Bayerns (Version vom 3. Mai 2007) und Christoph HĂŒbner: Reichskriegsflagge, 1923-1925. In: Historisches Lexikon Bayerns (Version vom 3. Mai 2007)
  3. ↑ Georg Cordts: Junge Adler. Vom Luftsport zum Flugdienst. Bechtle Verlag, Esslingen 1988, ISBN 3-7628-0477-X, S. 43, 77. Bei Lilla, Statisten, die Angabe, dass Kraußer vom 21. November 1932 bis zu seiner Ermordung „Chef des Flugwesens der SA“ gewesen sei.
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