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Das Funkkolleg ist ein Weiterbildungsangebot im Medienverbund von Hörfunksendungen und gedruckten Arbeitsunterlagen für alle Interessierten, unabhängig von ihrem Schulabschluss. Ins Leben gerufen wurde dieses seinerzeit neuartige Bildungsangebot 1966 vom Hessischen Rundfunk (hr) aufgrund eines „Hilferufs“ des damaligen hessischen Kultusministers Ernst Schütte (SPD): Hessischen Lehrern sollte durch ein Fernstudium eine ergänzende Qualifizierung für Sozialkunde ermöglicht werden. Bereits drei Jahre später wurde das Funkkolleg für alle Berufsgruppen geöffnet. Zwischen 1969 und 1998 wurde rund 750.000 angemeldete, zahlende Teilnehmer („Kollegiaten“) registriert.[1]
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Das Ende der 1960er-Jahre viel beachtete Projekt Funkkolleg war Teil jener vielseitigen Anstrengungen, die damals von Georg Picht diagnostizierte deutsche „Bildungskatastrophe“ zu beheben – ein Schlagwort, das im Jahr 2003 durch die PISA-Studien wiederauferstanden ist. „Bildung ist Bürgerrecht“ hatte beispielsweise 1965 Ralf Dahrendorf unter Verweis auf die seinerzeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Deutschland extrem niedrige Abiturienten- und Studentenzahlen postuliert. Parallel zu dieser Forderung nach „Bildung für alle“ kam in Hessen der Gedanke auf, bereits im Beruf befindliche Lehrer zusätzlich für das Fach Sozial- bzw. Gemeinschaftskunde auszubilden. Politische Themen sollten verstärkt in den Unterricht einbezogen werden, wofür u.a. das erstmalige Erstarken der rechtsextremen NPD einen aktuellen Anlass gab. Damals erfand der Wissenschaftsrat ebenfalls den Ausdruck Kontaktstudium – die Universitäten sollten angehalten werden, sich auch für bereits Berufstätige zu öffnen, sie sollten also neben der akademischen Ausbildung zusätzliche Weiterbildungsangebote entwickeln. Darüber hinaus sollte aber auch für Menschen ohne Abitur ein neuartiger Zugang zur Universität ermöglicht werden.
Der Frankfurter Universitätsrektor Walter Rüegg hatte wiederholt die öffentliche Verantwortung der Universitäten betont und hielt, obwohl politisch liberal-konservativ orientiert, nichts von einem „Elfenbeinturm“ der Wissenschaften – und hatte auch keine Berührungsscheu zu den Massenmedien; vielmehr hatte er schon seit 1964 mit dem Leiter der Hauptabteilung Bildung und Erziehung des hr-Hörfunks, Gerd Kadelbach, über den Gedanken „einer Art Funk-Universität“ diskutiert.
Vor diesem Hintergrund begann am 5. Mai 1966 im Hörfunk-Programm hr2 das erste „Funk-Kolleg zum Verständnis der modernen Gesellschaft“. Die Sendereihe war auf drei Jahre (sechs Semester) ausgelegt und startete mit einer Vorlesungsreihe Frankfurter Professoren aus den Gebieten Politikwissenschaft, Geschichte, Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie. Nach dieser Einführungsphase stand jedes dieser Fächer ein Semester lang (jeweils 20x 45 Minuten) im Mittelpunkt einer Vorlesungsreihe, die immer donnerstags in hr2 übertragen wurde. Jeweils am folgenden Freitag wurde zusätzlich ein Kolloquium des Hochschullehrers mit einigen seiner Mitarbeiter übertragen.
Die erfolgreiche Teilnahme an diesem Funkkolleg wurde semesterweise mit einem Zertifikat bescheinigt. Ein solches Zertifikat wurde alsbald auch anerkannt als einer von zwei „Befähigungsnachweisen“, mit denen Nicht-Abiturienten die Zulassung zu einer speziellen Prüfung eröffnet wurde, nach deren erfolgreichem Bestehen ihnen als „besonders begabten Berufstätigen“ ein Studium gestattet wurde. Die Texte der Vorlesungen erschienen mit kurzem zeitlichem Verzug (auf Initiative des Verlags) als Fischer-Taschenbücher: In den folgenden 20 Jahren wurden insgesamt 1,5 Millionen Bücher zu den diversen Funkkollegs verkauft, etliche Bände erreichten Auflagen von mehr als 100.000 Exemplaren. Die dreibändige Textausgabe zum Funkkolleg Erziehungswissenschaft (1969/70) erreichte eine Verkaufszahl von über 400 000.[2]
1967 schlossen sich drei weitere Rundfunkanstalten dem hr-Projekt an: SR, SDR und SWF, das daher ab 1969 unter dem Label „Quadriga“-Funkkolleg in den Ländern Hessen, Saarland, Baden Württemberg und Rheinland Pfalz seine Teilnehmer fand. Anfangs noch eine sehr akademische Veranstaltung (aufgezeichnete Vorlesungen und Kolloquien), wurden die Hörfunksendungen in den Folgejahren immer professioneller produziert, u.a. durch den Einsatz von professionellen Sprechern. Gleichwohl gab es bereits 1969 im Sendegebiet 50 Volkshochschulen, die Begleitzirkel zu den Radiosendungen des Funkkollegs anboten.
Das Funkkolleg bestand von Beginn an aus diversen, frei kombinierbaren „Bausteinen“, hierzu gehörten alsbald regelmäßig:
Von Beginn an strebte nur ca. ein Drittel der registrierten Teilnehmer das Zertifikat an. Absolute Spitzenreiter bei der Zahl der erteilten Zertifikate waren 1975/76 das Funkkolleg Beratung in der Erziehung (20.001 Zertifikate) und 1972/73 das Funkkolleg Pädagogische Psychologie (14.688 Zertifikate) sowie 1984/85 das Funkkolleg Kunst (8415 Zertifikate).
Veranstaltet wurden Funkkollegs zu den Themen:
Obwohl das Funkkolleg seit den 1980er-Jahren fast im gesamten damaligen Bundesgebiet empfangen werden konnte (zu hr, SR, SWF und SDR hatten sich auch die nördlichen Sender von Radio Bremen, WDR sowie NDR gesellt) und seit 1994 dank DeutschlandRadio Berlin auch die neuen Bundesländer „versorgt“ wurden, erreichten seit Anfang der 1990er-Jahre nur noch Themen aus dem Gebiet der Erziehungswissenschaften und der Kunst genügend hohe Teilnehmerzahlen, um zumindest die Studienbegleitbriefe halbwegs kostendeckend aus den Teilnehmergebühren finanzieren zu können: Die persönliche Weiterbildung im Medienverbund kam offenbar allmählich aus der Mode.
SDR und SWF sind 1994 aus dem Funkkolleg-Verbund ausgeschieden und haben eine „Radio Akademie“ gestartet, eine neue Form wissenschaftlich fundierter Erwachsenenbildung. Die verbliebenen Veranstalter führten das Funkkolleg gleichwohl noch einige Jahre gemeinsam fort, entschieden sich schließlich aber, getrennte Wege zu gehen: Das Funkkolleg „Deutschland im Umbruch“ (1997/98), von dem die Veranstalter – vergeblich – hofften, speziell auch in den neuen Bundesländern auf Widerhall zu stoßen, markierte den vorläufigen Endpunkt von über 30 Jahren letztlich äußerst erfolgreicher „Weiterbildung im Medienverbund“.
Seit 1998 ist der Hessische Rundfunk wieder alleiniger Veranstalter des Funkkollegs. Zugleich wurde das Konzept grundlegend reformiert und deshalb bis zur Staffel 2007/08 der Name Das Neue Funkkolleg verwendet. Hervorstechendes Merkmal des Funkkollegs ist heute seine starke Ausrichtung auf direkte Hör-Erlebnisse. Durch das Zusammenspiel von dokumentarischen Original-Tönen, Texten, Gesprächen, Diskussionen, Reportagen oder Hörspielszenen entsteht für die Teilnehmer ein sinnliches Hörbild, das die diversen Facetten eines bestimmten Themas differenziert beleuchtet.
Da alle Sendungen von hr2 auch als Audiostream am PC live gehört werden können und die Funkkolleg-Beiträge zeitversetzt von hr-info ausgestrahlt sowie im Internet zum Download bereitgestellt werden, ist das Funkkolleg heute auch außerhalb Hessens wieder zugänglich.
Im Funkkolleg werden heute latent aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen aufbereitet, und zwar mit Hilfe folgender Bausteine:
Hinzugekommen ist seit Herbst 2006 in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Unterrichtsforschung (ZFL) der Goethe-Universität die Möglichkeit, mit Hilfe einer Online-Plattform ausgewählte Themen des Funkkollegs für den Einsatz im Unterricht nutzbar zu machen. Da die hier vorgehaltenen Materialien sowie die Audios der Sendungen mehrere Jahre lang online stehen, können sie auch dann noch genutzt werden, wenn die Ausstrahlung der Sendungen in hr2 abgeschlossen ist. Zudem sind die Hörfunksendungen des Funkkollegs in ihrer Gesamtheit beim Hessischen Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) akkreditiert, so dass insbesondere hessische Lehrerinnen und Lehrer so genannte Leistungspunkte erwerben können. Der Nachweis aktiver Mitarbeit erfolgt – für alle Teilnehmer, die an einem Zertifikat interessiert sind – durch zwei Multiple Choice-Tests, denen die Inhalte der Sendungen zugrunde liegen. Seit Herbst 2010 wird für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe ein spezielles Zertifikat angeboten, das im Zeugnis erwähnt werden kann. Das Funkkolleg Psychologie (2008/09) war von der Landesärztekammer Hessen als Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und von der Hessischen Psychotherapeutenkammer als Fortbildung für Psychotherapeuten und Kinderpsychotherapeuten anerkannt.
Seit dem Funkkolleg 2009/10 gibt es auch eine Facebook-Seite mit ergänzenden Informationen und der Möglichkeit zur direkten Ansprache der Funkkolleg-Redaktion und ihrer Autoren.
Im Funkkolleg wurden seit 1998 folgende Themen behandelt:
Zu jedem der seit 1998 veranstalteten Funkkollegs erschien zunächst ein Reader und zum Abschluss ein Sammelband mit den für die Buchfassung überarbeiteten Sendetexten.
Im Herbst/Winter 2011/2012 sendet hr2-kultur im Nachgang zum Funkkolleg Religion erstmals ein „Kinder-Funkkolleg“, das aus einer Zusammenarbeit mit der Herbert-Quandt-Stiftung zu deren Projekt zum „Trialog“ der drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam hervorgeht. Die jeweils rund 10 Minuten langen Sendungen unter dem Motto „Was glaubst Du denn?“ richten sich an acht- bis 13jährige Kinder. Sie werden in unregelmäßiger Folge samstagnachmittags innerhalb der Kinderfunk-Sendereihe „Domino Lauschinsel“ ausgestrahlt und stehen als Podcast bereit.[3][4]