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Galileo (Satellitennavigation)

Galileo-Logo

Galileo ist der Name des europäischen Satellitennavigationssystems. Es soll weltweit Daten zur genauen Positionsbestimmung liefern und ähnelt im Aufbau dem US-amerikanischen NAVSTAR-GPS und dem russischen GLONASS-System.

Galileo wurde ursprünglich nur für zivile Zwecke konzipiert und unterliegt, anders als NAVSTAR-GPS und GLONASS, nicht einer nationalen militärischen Kontrolle.[1] Galileo wird aber, durch die vom Europäischen Parlament im Juli 2008 verabschiedete Entschließung zu den Themen Weltraum und Sicherheit, für Operationen im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) „zur Verfügung stehen“.[2] Hauptsitz des Systems ist die tschechische Hauptstadt Prag.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Brief von Paul Wolfowitz an die Minister der EU-Mitgliedsstaaten vom Dezember 2001, Teil der US-Lobbyingkampagne gegen Galileo

Galileo ist das erste von der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gemeinsam durchgeführte Projekt und Teil des TEN-Verkehrsprojektes. Die Finanzierung der Entwicklungsphase wird von beiden Organisationen zu gleichen Teilen übernommen. Am 27. Mai 2003 einigten sich die Mitgliedsstaaten der ESA nach langen Differenzen über die Finanzierung. Im Mai 2007 wurde bekannt, dass die EU-Kommission den privaten Betreibergesellschaften den Auftrag entziehen und das Projekt neu ausschreiben will.[4]

Folgende Staaten außerhalb der Europäischen Union beteiligen sich ebenfalls:

  • China ist mit 280 Mio. Euro am Projekt beteiligt; ein gemeinsames Trainingszentrum fĂĽr Satellitennavigation wurde an der Pekinger Universität eröffnet.[5]
  • Indien konnte im Januar 2004 Verhandlungen aufnehmen, und im September 2005 wurde eine Ăśbereinkunft ĂĽber Zusammenarbeit unterzeichnet.[6] Im Oktober 2006 hatte Indien allerdings die Zusammenarbeit und die angebotene Mitfinanzierung von 300 Mio. Euro[7] aufgrund sicherheitsrelevanter Aspekte wieder in Frage gestellt.[8] (Siehe auch IRNSS.)
  • Israel[9]
  • Marokko[10]
  • Saudi-Arabien[11]
  • Schweiz (Mitglied der ESA) mit 30 Mio. Euro und liefert die extrem genauen Rb- (Abweichung von einer Sekunde in 760.000 Jahren) und H-Maser-Atomuhren (Abweichung von einer Sekunde in drei Millionen Jahren)[12]
  • Norwegen (Mitglied der ESA)
  • SĂĽdkorea[13]
  • Ukraine[14]

Folgende Staaten verhandeln ĂĽber eine Teilnahme:

Die Vereinigten Staaten standen und stehen Galileo skeptisch gegenüber, vor allem im Hinblick auf die Gefahren einer unkontrollierten militärischen Nutzung. Bedenken bezüglich einer technischen Beeinflussung des NAVSTAR-GPS-Systems konnten inzwischen ausgeräumt werden.

Grundlagen

→ Hauptartikel: Global Navigation Satellite System

Galileo basiert auf 30 Satelliten (27 plus drei Ersatz), die die Erde in einer Höhe von etwa 23.260 km mit 3,6 km/s umkreisen, und einem Netz von Bodenstationen, die die Satelliten kontrollieren. Empfänger in der Größe einer Computer-Maus können aus den Funksignalen der Satelliten die eigene Position mit einer Genauigkeit von ungefähr vier Metern bestimmen. Bei Verwendung von Zusatzinformationen und/oder -diensten lässt sich ähnlich wie bei anderen satellitengestĂĽtzten Navigationssystemen (GNSS) die Positionsgenauigkeit in den Zentimeterbereich steigern.

Satellitenbahn

Konstellation der Galileo-Satelliten ohne Reserve-Satelliten

30 Satelliten umkreisen die Erde auf drei Bahnebenen mit einer Inklination von 56° in einer Walker-Konstellation (27/3/1). Pro Bahnebene sind neun Satelliten vorgesehen plus zusätzlich ein Reservesatellit. Sie haben einen Abstand von 40° mit einer Abweichung von maximal 2°, entsprechend 1000 km. Bei einer Höhe von 23.222 km ĂĽber der Erdoberfläche benötigen die Satelliten etwa 14 Stunden fĂĽr einen Umlauf.[16] Nach 17 Umläufen oder 10 Tagen wiederholt sich das Muster der Bodenspur.

Finanzierung und Kosten

Die Finanzierung von Galileo wurde am 24. November 2007 geklärt. Das Geld soll hauptsächlich aus den Einsparungen im EU-Agrarsektor kommen.[17]

Bis 2007 wurden 1,5 Mrd. Euro in die Entwicklung investiert. FĂĽr den Endausbau bis 2013 waren ursprĂĽnglich 3,4 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt geplant.[18] Laut der HalbzeitĂĽberprĂĽfung der EU-Kommission im Januar 2011 werden die Kosten mit vermutlich 5,3 Milliarden Euro bis 2020 deutlich höher sein.[19]

Projektphasen

Erste und zweite Phase: Planung

Die erste Projektphase zur Definition der Aufgaben finanziert die ESA mit ca. 100 Mio. Euro. Die Planungs- und Definitionsphase schloss mit dem Start und der Inbetriebnahme zweier Testsatelliten und der zugehörigen Bodenstationen im Januar 2006 ab. Der Test der Sendefrequenzen musste vor dem 10. Juni 2006 erfolgen, weil sonst die Reservierung fĂĽr die Galileo-Frequenzbänder bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) verfallen wäre. Mit der Entwicklung, Start und Test von vier Galileo-Satelliten (In Orbit Validation, IOV) endet die zweite Phase 2011. Anfang 2003 vereinbarten die Raumfahrtagenturen Europas und Russlands, die GLONASS-Satelliten zum Test ausgewählter Teile des Galileo-Systems zu nutzen. Hierbei soll auch die Kompatibilität beider Systeme geprĂĽft werden.

Die Kosten der zweiten Phase (Entwicklungsphase) von voraussichtlich 1,5 Mrd. Euro tragen die Europäische Union und ESA gemeinsam.

Innerhalb der ESA ĂĽbernehmen Deutschland, Italien, Frankreich und GroĂźbritannien jeweils 17,5 Prozent. Spanien trägt zehn Prozent der Kosten. Belgien zahlt 26,5 Mio. Euro, der Rest wird unter den ĂĽbrigen 15 ESA-Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Die ĂĽbrigen 750 Mio. Euro kommen aus dem Haushalt fĂĽr transeuropäische Netze der Europäischen Union (TEN). An TEN ist Deutschland ĂĽber seine EU-Beitragszahlungen mit zirka 25 Prozent beteiligt und ist damit der größte Geldgeber fĂĽr das Projekt. Die Phase C/D umfasst den Betrieb von drei bis vier funktionstĂĽchtigen Satelliten, dem Raumsegment, und der Boden-Betriebseinrichtungen, dem Bodensegment. Das Bodensegment besteht aus untereinander vernetzten Empfangs- und Sendestationen (siehe dritte Phase).

Der erste Testsatellit GIOVE-A1 (Galileo In-Orbit Validation Element) wurde am 28. Dezember 2005 um 5:19 UTC vom Raumfahrtzentrum in Baikonur (Kasachstan) gestartet und hat in 23.222 km Höhe seinen planmäßigen Betrieb aufgenommen. Das erste Navigationssignal ĂĽbertrug GIOVE-A zu Testzwecken am 2. Mai 2007.[20]

GIOVE-B, der zweite Testsatellit, wurde am 26. April 2008 um 22:16 UTC ebenfalls vom Kosmodrom Baikonur gestartet. Als neue Nutzlast verfĂĽgt er ĂĽber Laser-Retroreflektoren fĂĽr die exakte Bahnvermessung und eine hochgenaue passive Wasserstoff-Maser-Atomuhr.[21] Anfängliche Probleme von GIOVE-B bei der Ausrichtung auf die Sonne wegen eines Softwareproblems konnten schnell behoben werden.[22] Am 7. Mai 2008 sendete er die ersten hochgenauen Navigationssignale.[23]

Am 4. Februar 2011 begann die erste große Testphase. Der deutsche Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nahm in Berchtesgaden die erste europäische Testregion in Betrieb. Das Projekt Gate ermöglicht den Test von Galileo-Empfängern. Es betreibt im Raum Berchtesgaden terrestrische Funkanlagen, die Signale aussenden, wie sie später von Galileo erwartet werden. Entwickler führten ab da Praxistests unter realen Einsatz- und Umgebungsbedingungen durch.

Testsatelliten

GIOVE-A1 – Erster Testsatellit

Bezeichnung: GIOVE-A (ital. fĂĽr Jupiter bzw. Galileo In-Orbit Validation Element); Bezeichnung vor dem Start: GSTB-v2 A (Galileo System Test Bed)
Nutzlast: Signalgenerator, Rubidium-Atomuhr, Strahlungsmonitor, Navigationsempfänger
Hersteller: Surrey Satellite Technology
Startmasse: 600 kg
Leistung: 700 W
Größe: 1,3 m Ă— 1,8 m Ă— 1,65 m
Start: 28. Dezember 2005, 5:19 UTC
ID: COSPAR/WWAS Int Id: 2005-051A
ID: USStratCom Cat #: 28922
Träger: Sojus-FG/Fregat
Betriebsdauer: 3 Jahre

GIOVE-B – Zweiter Testsatellit[24]

Bezeichnung: GIOVE-B; bisherige Bezeichnung: GSTB-v2 B
Nutzlast: Signalgenerator, Rubidium-Atomuhr, Strahlungsmonitor, zwei passive Wasserstoff-Maser-Atomuhren, Laser-Retroreflektor
Hersteller: Galileo Industries Konsortium
Startmasse: 523 kg
Leistung: 943 W
Größe: 0,955 m Ă— 0,955 m Ă— 2,4 m
Start: 26. April 2008, 22:16 UTC
ID: COSPAR/WWAS Int Id: 2008-020A
ID: USStratCom Cat #: 32781
Träger: Sojus-Fregat
Lebensdauer: 5 Jahre

GIOVE-A2 – Dritter Testsatellit[25]

Hersteller: Surrey Satellite Technology
Betriebsdauer: 27 Monate
Wert: 25-30 Mio Euro
Konstruktionsgleich zu GIOVE-A1, erweiterter Signalgenerator. Da der Start von GIOVE-B erfolgreich war, ist GIOVE-A2 gestrichen worden.[26]

Test-Bodenstationen

Bezeichnung: GSTB-V1 – Sensor Stations Network
Anzahl: 30

Dritte Phase: Fertigstellung

Start der Sojus-Rakete mit den ersten zwei Satelliten am 21. Oktober 2011

In der dritten Phase, der Errichtungsphase, wird das System fertiggestellt. Die ersten zwei Satelliten (In Orbit Validation IOV) wurden am 21. Oktober 2011 mit dem ersten Start einer Sojus-ST-Rakete vom europäischen Weltraumzentrum in Französisch-Guayana unter der Startnummer 2011-060 ins All gebracht.[27] Dies war gleichzeitig der erste Start einer russischen Trägerrakete vom Hoheitsgebiet eines westeuropäischen Staats. Nach Planungsstand Januar 2012 sollen die nächsten beiden Satelliten wiederum mit einer Sojus-Rakete von Kourou aus im August 2012 folgen.[28]

Auf der Pariser Air Show 2011 wurden seitens der EU-Kommission die Verträge für die Fertigstellung der Arbeitspakete 2 (Ground Mission Segment) und 3 (Ground Control Segment) abgeschlossen.[29]

Erste Dienste basierend auf einer Konstellation von 18 Satelliten sollen voraussichtlich ab 2014 angeboten werden, während die vollständige Konstellation mit 30 Satelliten mit allen Diensten nicht vor 2020 betriebsbereit sein wird.

Bodensegment

  • Zwei gleichberechtigte Kontrollzentren (GCC) in Oberpfaffenhofen (Deutschland) und Fucino (Italien)
  • Zwei Performance-Center, die die Signalqualität evaluieren. Voraussichtlich werden sie an den Standorten der GCC eingerichtet.
  • Vier Satelliten-Kontrollstationen (TTC) fĂĽr die Satellitenkommunikation mit 13-Meter-Antennen im S-Band (2 GHz).
  • 30 Signalkontroll-Empfangsstationen (GSS) zur Erfassung der Galileo-Signale im L-Band. Verrechnung der Daten alle zehn Minuten.
  • Neun Up-link-Stationen (ULS) zur Aktualisierung der ausgestrahlten Galileo-Navigationssignale, Kommunikation mit 3-Meter-Antennen im C-Band (5 GHz). Ausstrahlung von Satellitenpositions- und Zeitkorrekturen alle 100 Minuten.

Galileo-Satelliten

Die EU-Kommission hat am 7. Januar 2010 beim deutschen Raumfahrtkonzern OHB Technology, Bremen, die nächsten 14 Satelliten für das Galileo-System für rund 566 Mio. Euro bestellt.[30] Am 21. Oktober 2011 wurden die ersten beiden Satelliten, IOV-1 und -2, erfolgreich in ihrer Umlaufbahn in 23.222 km Höhe ausgesetzt. Es war der erste Start einer russischen Sojus-Rakete von der ELS-Startrampe bei Kourou.[31] Am 2. Februar 2012 gab die EU-Kommission durch die ESA acht weitere Satelliten bei OHB in Auftrag. Außerdem wurde Astrium beauftragt die Ariane 5 für den Start von jeweils 4 Galileo Satelliten vorzubereiten[32].

Hersteller: EADS Astrium
Startmasse: 640 kg
Leistung: ca. 1,4 kW
Größe: 3,02 m x 1,58 m x 1,59 m
Starttermin: 21. Oktober 2011
Träger: Sojus-Fregat
Lebensdauer: mehr als 12 Jahre
Spannweite
Solarpanels:
14,5 m
  • Galileo 1 - 22 Satelliten
Hersteller: OHB System AG, Nutzlast: Surrey Satellite Technology[35]
Startmasse: 680 kg
Leistung: 1,5 kW (nach 12 Jahren)
Größe: 2,7 m Ă— 1,2 m Ă— 1,1 m
Starttermin: 2012 - ?
Träger: Sojus-Fregat, Ariane 5
Lebensdauer: ĂĽber 12 Jahre
Spannweite
Solarpanels:
14,8 m

Vierte Phase: Betrieb

Die vierte Phase umfasst den Betrieb und die Wartung des Systems. Die Dienste Offener Dienst, Ă–ffentlich-staatlicher Dienst (PRS) und Such- und Rettungsdienst werden 2014 mit einer Konstellation von 18 Satelliten in Betrieb gehen. Im Januar 2011 wurde fĂĽr Galileo und EGNOS zusammen mit jährlichen Betriebskosten von 800 Mio. Euro gerechnet.[19]

Aufsichtsorganisationen und Betreiber

Am 25. Mai 2003 gründeten die EU und ESA das gemeinsame Unternehmen Galileo Joint Undertaking (GJU). Es koordinierte die Entwicklung des Galileo-Systems. Dazu gehören die ersten beiden Testsatelliten GSTB-V2 (GIOVE-A und B), die Inbetriebnahme der ersten vier Satelliten der Konstellation in der IOV-Phase (In Orbit Validation) und die Integration von EGNOS in Galileo.

Das GJU sollte den Konzessionär für die Aufbau- und Betriebsphase von Galileo in einem offenen, mehrstufigen Ausschreibungsverfahren für die Dauer von 20 Jahren auswählen. Als Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens schlug es die Zusammenarbeit der konkurrierenden Konsortien Eurely und iNavSat vor. Das Konzessionskonsortium Anfang 2007 umfasste folgende Unternehmen:

  1. AENA (öffentliche spanische Einrichtung, die u. a. fĂĽr Flugsicherung und Flughafenmanagement zuständig ist)
  2. Alcatel
  3. EADS Astrium
  4. Finmeccanica
  5. Hispasat
  6. Inmarsat
  7. Thales
  8. TeleOp
  9. sowie dutzende weiterer assoziierter Unternehmen.

Zum Ende des Jahres 2006 wurde die Liquidation der GJU eingeleitet. Ihr Ziel, einen Konzessionär für Galileo auszuwählen, hat sie nicht erreicht. Die Europäische GNSS-Aufsichtsbehörde (GSA) der Europäischen Kommission übernahm zum 1. Januar 2007 die Aufgaben des GJU. An ihr ist die ESA unmittelbar nicht mehr beteiligt. Nach der Einigung im Rat für Wirtschaft und Finanzen der EU über die Finanzierung von Galileo ist die Rolle der GSA ungewiss.

Der Sitz der am 26. März 2007 gegründete Betreibergesellschaft GOC (Galileo Operating Company) wurde nach langem Ringen auf Frankreich (Toulouse) und Großbritannien (London) aufgeteilt. Das Zentrum in Toulouse ist für die Verwaltung und Geschäftsentwicklung zuständig, während in London die Betriebsverantwortung wahrgenommen wird. Während der Entwicklungsphase ist das Unternehmen European Satellite Navigation Industries Hauptauftragnehmer der ESA, die die System-Anforderungen und -Spezifikationen erstellt hat. Es baut unter anderem den Testsatelliten GIOVE-B.

Dienste

Folgende Dienste sind geplant:

Name Beschreibung 1164–1214 MHz 1260–1300 MHz 1563–1591 MHz
Offener Dienst
Open Service, OS
steht in direkter Konkurrenz oder als Ergänzung zum GPS-System. Er soll ebenfalls frei und kostenlos empfangbar sein. Allerdings mĂĽssen Hersteller entsprechender Empfänger LizenzgebĂĽhren entrichten. Der Offene Dienst ermöglicht die Ermittlung der eigenen Position auf wenige Meter genau. Zudem liefert er die Uhrzeit entsprechend einer Atomuhr (besser als 10-13). Auch kann dadurch die Geschwindigkeit, mit der sich der Empfänger (z. B. in einem Kfz) fortbewegt, errechnet werden.

Er soll zwei Sendefrequenzen zur VerfĂĽgung stellen. Damit wird es mit Zweifrequenzempfängern möglich sein, Ionosphärenstörungen korrigieren zu können und die Position auf ca. 4 Meter genau zu bestimmen. GPS benutzt aus dem gleichen Grund ebenfalls zwei Sendefrequenzen (1227,60 MHz und 1575,42 MHz). Die höhere Anzahl der Satelliten, 27 gegenĂĽber 24 bei GPS, soll die Empfangsabdeckung in Städten von 50 Prozent auf 95 Prozent steigern. Durch die Kombination beider Satellitensysteme dĂĽrfte jedoch noch eine deutlich bessere Abdeckung von jederzeit 15 Satelliten erreicht werden können. Es soll keine Garantien fĂĽr die ständige VerfĂĽgbarkeit dieses Dienstes geben.

Kommerzieller Dienst
Commercial Service, CS
kostenpflichtig und soll verschlĂĽsselt zusätzliche Sendefrequenzen und damit höhere Ăśbertragungsraten von ca. 500 bit/s zur VerfĂĽgung stellen. So sind dann beispielsweise Korrekturdaten zur Steigerung der Positionsgenauigkeit um ein bis zwei Größenordnungen empfangbar. Er ist unter anderem auch fĂĽr sicherheitskritische Anwendungen ausgelegt (z. B. Flugsicherung). Auch sind Garantien zur ständigen VerfĂĽgbarkeit dieses Dienstes geplant.
Sicherer Dienst
Safety-of-Life, SoL
steht sicherheitskritischen Bereichen zur VerfĂĽgung, z. B. dem Luft- und dem Schienenverkehr. Er ist das Korrektiv zu den Risiken, die sich aus den kommerziellen Anwendungen (oben) ergeben können. Er bietet eine Warnung (wenige Sekunden im Voraus), bevor das System, z. B. wegen ausgefallener Satelliten oder bei Positionierungsfehlern nicht mehr genutzt werden sollte. Auch fĂĽr diesen Dienst sind Garantien fĂĽr die ständige VerfĂĽgbarkeit geplant.
Regulierter Dienst oder Staatlicher Dienst
Public Regulated Service, PRS
steht ausschließlich hoheitlichen Diensten zur Verfügung, also Polizei, Küstenwache oder Geheimdienst. Als Dual-Use-System wird es auch für militärische Anwendungen zur Verfügung stehen. Das ebenfalls verschlüsselte Signal ist weitgehend gegen Störungen und Verfälschungen gesichert und soll eine hohe Genauigkeit und Zuverlässigkeit bieten.
Such- und Rettungsdienst
Search And Rescue, SAR
arbeitet mit COSPAS-SARSAT und MEOSAR zusammen und erlaubt eine schnelle und weltweite Ortung von Notsendern von Schiffen oder Flugzeugen. Auch soll eine Rückantwort von der Rettungsstelle an den Notrufsender erstmalig möglich sein. MEOSAR-Uplink:
406,0 – 406,1 MHz

Signal

GIOVE-A L1-Signal, gesendet im Januar 2006

Galileo benutzt gemeinsam mit GPS das Frequenzband L1 bei 1575,42 MHz und L5 bei 1176,45 MHz. Das Band L2 bei 1227,6 MHz steht GPS allein zur VerfĂĽgung, fĂĽr Galileo ist es das Band E6 bei 1278,75 MHz. Das Spektrum zeigt das erste Testsignal von GIOVE-A, das eine Hochgewinn-Antenne im Januar 2006 empfangen hat.

Galileo-Satelliten werden mit 50 Watt senden. Die Sendeleistung der Satelliten in 20.000 km Entfernung ist so gering, dass ein Navigationsempfänger, ausgestattet mit einer einfachen Stabantenne, fast nur Rauschen sieht. Er empfängt nicht nur das Signal eines Satelliten, sondern von mindestens vier, deren Signale dopplerverschoben sind. Hinzu kommen die Ausstrahlungen von GPS-Satelliten auf den gleichen Frequenzen.

Die RĂĽckgewinnung der Navigationsdaten gelingt, da jeder Satellit z. B. auf der L1-Frequenz ein charakteristisches Rauschsignal mit einer Bandbreite von 1 MHz sendet, das mit einer Bitrate von 50 bit/s moduliert ist. Durch Korrelation mit dem charakteristischen Rauschsignal werden im Empfänger die Signale der einzelnen Satelliten wieder herausgefiltert.

Die Tabelle listet die Frequenzbänder, Frequenzen und Modulationsverfahren auf, die Galileo zur Verfügung stehen. Die beiden Spitzen des L1-Signals sind im Spektrum beschriftet, genauso die Seitenmaxima der Frequenzen E1 und E2. Die blauen Pfeile markieren die Lage der GPS-Signale im L1-Band. Dank der unterschiedlichen Modulation (BOC, BPSK) ist das Übersprechen der Signale gering.


Dienste und Frequenzen

Galileo

Band Frequenzname Modulation Mittenfrequenz/Maxima(1) Frequenzbreite Einsatz
L1 1575,42
L1B, L1C BOC(1,1) +-1,023 1 OS, CS, SOL
E1, E2 BOC(15,2.5) +-15,345 2,5 PRS
L5 1191,795
E5a, E5b altBOC(15,10) +-15,345 10 OS, CS, SOL(E5b)
E6 1278,75
E6b BPSK(5) 0 5 CS
E6a BOC(10,5) 10,23 5 PRS

GPS zum Vergleich

Band Frequenzname Modulation Mittenfrequenz/Maxima(1) Frequenzbreite Einsatz
L1 C/A BPSK(1) 1575,42 civil
P(y) BPSK(10) military (encrypted)
M-Code BOC(10,5) new military
L2 C/A BPSK(1) new civil
P(y) BPSK(10) military (encrypted)
M-Code BOC(10,5) new military
L5 new Civil BPSK(10) very new civil

(1) Mittenfrequenz des Frequenzbandes, Lage der Maxima bezogen auf Mittenfrequenz (in MHz).

Galileo und andere Navigationssysteme

GPS (USA)

Nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichneten am 26. Juni 2004 während des USA-EU-Gipfels in Newmarket-on-Fergus (Irland) der damalige US-AuĂźenminister Colin Powell und der damalige Vorsitzende der EU-AuĂźenminister Brian Cowen einen Vertrag ĂĽber die Gleichberechtigung der Satellitennavigationssysteme GPS, GLONASS und Galileo. Darin wird vereinbart, dass Galileo zu GPS III kompatibel sein wird.[36] Dies hat den Vorteil, dass durch die Kombination der GPS- und Galileo-Signale eine deutlich verbesserte Abdeckung, mit einer VerfĂĽgbarkeit von jederzeit 15 Satelliten, erreicht werden sollte. Nach Abschluss des Aufbaus von Galileo werden durch die Kombinationsmöglichkeit beider Systeme insgesamt etwa 60 Navigationssatelliten zur VerfĂĽgung stehen. Bereits heute gibt es GPS-Empfänger (mit u-blox5- oder AsteRx-Chipsatz), die nach einer Aktualisierung der Firmware auch fĂĽr GALILEO genutzt werden können.

Voraussetzung fĂĽr den Abschluss des Vertrages war, dass die EU auf die mit einer stärkeren Bandspreizung ausgestatteten Kanalkodierung BOC(1, 5) (Binary Offset Carrier) verzichtet und stattdessen auch fĂĽr die zukĂĽnftigen GPS-Satelliten vorgesehene BOC(1, 1) verwendet. Durch BOC(1, 1) und die deutlich geringere Frequenzspreizung im Gegensatz zu BOC(1, 5) wird sichergestellt, dass es bei einer breitbandigen Störung des Galileo-Signals im AusmaĂź der zivilen Bandbreite nicht gleichzeitig zu einer Störung des um rund Faktor 10 stärker bandgespreizten militärischen Signals von GPS kommt. Denn es werden sowohl fĂĽr die zivile als auch militärische Nutzung vorgesehene Codefolgen (Unterscheidung mittels Codemultiplex) die gleichen HF-Mittenträgerfrequenzen verwendet – die Unterscheidung erfolgt nur durch unterschiedliche Codierungsverfahren. Die dadurch bedingte spektrale Ăśberdeckung zwischen BOC(1, 1) und dem militärischen GPS P/Y-Code bzw. M-Code beträgt nur rund 8 %, während BOC(1, 5) zu einer ĂĽber 50 % spektralen Ăśberdeckung gefĂĽhrt hätte. Rund 50 % Decoderverlust sind allerdings fĂĽr den sicheren Empfang des militärisch genutzten breitbandigen GPS-Codes mit zu vielen Empfangsfehlern verbunden, während bei Störungen des schmalbandigen zivilen Navigationssignals ein Ausfall von nur rund 10 % im militärischen Code unter anderem durch Fehlerkorrekturverfahren kompensiert werden kann.

Diese Anpassung in der Kanalcodierung von Galileo ermöglicht es, neben dem C/A-Code des GPS auch das zivile Galileo-Navigationssignal bei Bedarf in lokal begrenzten Gebieten durch spezielle GPS-Jammer zu stören, ohne dass dabei gleichzeitig das militärisch genutzte breitbandige GPS-Signal wesentlich beeinträchtigt wird. Allerdings widerspricht das der ursprünglichen Idee von Galileo, anders als das GPS für sicherheitskritische Anwendungen ein jam-sicheres Signal zur Verfügung zu stellen. Kritiker monieren, die USA hätten aus militärischen, aber auch wirtschaftlichen Gründen Druck ausgeübt, um das Galileosignal störbar zu machen.

Auf die erzielbare Positionsgenauigkeit hat die Verwendung von BOC(1, 1) bei Galileo keinen Einfluss.

Wie schon das NAVSTAR-GPS-System wird auch Galileo nicht völlig frei nutzbar sein. Bei NAVSTAR-GPS wurde das frei empfangbare Signal bis 2000 absichtlich gestört (Selective Availability), während genaue Positionsdaten dem amerikanischen Militär vorbehalten waren, bei Galileo soll gegen Bezahlung ein qualitativ besserer Dienst zur Positionsbestimmung bereitgestellt werden, der eine Genauigkeit von unterhalb einem Meter bieten soll. Der Empfang des Offenen Dienstes, der eine Ungenauigkeit von weniger als vier Metern horizontal und weniger als acht Metern vertikal bieten soll, wird kostenfrei möglich sein. Das bestehende GPS bietet eine Genauigkeit von zehn Metern horizontal und 35 Metern vertikal.

GLONASS (Russland)

Russland plante die kommerzielle Nutzung des GLONASS-Satellitensystems ab 2010.[37][38][39] Entsprechend konstruierte Empfangsgeräte können Daten künftig sowohl von den Galileo- als auch den GPS- und GLONASS-Satelliten empfangen und durch Kombination aller drei Signale eine sehr hohe Genauigkeit erzielen.

Compass (China)

Am 16. Januar 2010 brachte China einen weiteren Satelliten für das Navigationssystem Compass ins All. Compass steht wegen der Nutzung der gleichen Frequenzen in direkter Konkurrenz zu Galileo.[40] Wer zuerst die Frequenzen belegt, darf sein Navigationssystem nutzen. Da China zwei Jahre vor den Europäern sein Navigationssystem betriebsbereit haben möchte und Europa mit Galileo bereits in der Vergangenheit immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen hatte, besteht die Gefahr, dass Galileo nicht in vollem Umfang mit den geplanten Frequenzen eingesetzt werden kann.

Störsender

Sogenannte GPS-Jammer (engl. jammer: Störsender) werden, ähnlich wie beim GPS-System, wohl auch zum Stören der Galileo-Signale eingesetzt werden können. Diese überlagern auf gleicher Frequenz die Signale der Satelliten. Idealerweise werden dabei die gleichen Codefolgen, welche für das Codemultiplexverfahren verwendet werden, mit einem ungültigen Nutzdatenstrom übermittelt. Damit kann der Empfänger die eigentlichen Navigationsdaten vom Satelliten nicht mehr empfangen. Durch die Störung des Codemultiplexverfahrens durch nachgebildete Codefolgen kann mit wesentlich geringerer Sendeleistung seitens des Störsenders in den betreffenden Frequenzbereichen ein Ausfall der Übertragung erreicht werden als mit zu der Codefolge unkorreliertem Rauschen oder anderen unkorrelierten Störsignalen.

Auch können Varianten von Störsendern falsche Positionsdaten zur Verfälschung des Satellitensignals aussenden. Diese werden in Anlehnung an GPS auch als GPS-Spoofer bezeichnet. Gültige und plausible, aber falsche Positionsdaten zu erzeugen ist allerdings wesentlich aufwendiger als das einfache Stören mittels GPS-Jammer. Denn dies erfordert unter anderem eine sehr genaue Zeitbasis am Störsender – im Regelfall ist dafür eine eigene Atomuhr nötig.

Galileo soll, zumindest in den kommerziellen Bereichen, eine Authentifizierung zur Erkennung gefälschter Positionsdaten anbieten.

AbkĂĽrzungen

Am Projekt Galileo sind Dutzende verschiedene Institutionen beteiligt. Dementsprechend gibt es viele Bezeichnungen für die Teilprojekte, Projektphasen, Geschäftsfelder und Infrastrukturen. Die wichtigsten Abkürzungen sind:

  • GCC (Galileo Control Center): Hauptkontrollzentren des Bodensegments
  • GCS (Ground Control Segment): Einheit der Bodenstation, die zuständig ist fĂĽr den Betrieb der Satelliten
  • GJU (Galileo Joint Undertaking): ESA/EU-Kontrollorgan zur Vorbereitung von Galileo
  • GMS (Ground Mission Segment): Einheit der Bodenstation, die fĂĽr die Bereitstellung der Navigationssignale zuständig ist
  • GRR (Ground Reference Receiver): Bezugsgrößen fĂĽr die empfangenen Navigationssignale, um daraus Korrektursignale abzuleiten.
  • GSS (Galileo Sensor station): Kontroll-Empfangsstationen fĂĽr Navigationssignale, welche ihre Messdaten (ĂĽber Kabel oder VSAT per geostationäre Satelliten]) an die GCC senden
  • GSTB-v2 A + B (Galileo System Test Bed v2): Zwei Testsatelliten zur Vorbereitung der Galileo-Frequenzbereiche
  • GSTB-V1 (Galileo System Test Bed v1): Test-Infrastruktur fĂĽr das Galileo-System
  • GSA (Galileo Supervisory Authority): Galileo-Kontrollbehörde
  • IPF (Integrity Processing Facility): Kontrolle der Galileo-Navigationsdatenintegrität
  • OSPF: Orbit and Synchronisation Processing Facility: Element, das die Bahnparameter und die Uhrsynchronisationsparameter fĂĽr die einzelnen Satellitennavigationssignale vorhersagt
  • TTC (telemetry, tracking, and command): Satellitenbahnverfolgung und Satellitensteuerung
  • ULS (Up-Link Stations): Bodenstationen, die die Galileo-Satelliten mit aktuellen Navigationsdaten versorgen

Weitere AbkĂĽrzungen:

  • SCF: Satellite Control Facility:
  • SPF: Service Products Facility
  • MUCF: Mission Control & Uplink Control Facility
  • MSF: Mission Support Facility
  • MGF: Message Generation Facility: Element, das aus den Ausgaben der IPF und OSPF die Navigationsnachrichten generiert, die ĂĽber die ULS an die Satelliten gesendet werden.
  • PTF: Precision Timing Facility: Element, das die Galileo-Systemzeitskala erzeugt.
  • GACF: Ground Assets Control Facility
  • KMF: Key Management Facility

Siehe auch

Literatur

  • A Positioning System. Galileo – Strategic, Scientific, and Technical Stakes. AcadĂ©mie de Marine, Bureau des Longitudes, AcadĂ©mie Nationale de l’Air et de l’Espace, Toulouse 2005.
  • François Barlier: Galileo. Un Enjeu StratĂ©gique, Scientifique et Technique. L'Harmattan, Paris 2008, ISBN 978-2-296-05139-3.
  • Scott W. Beidleman: GPS versus Galileo. Balancing for Position in Space. In: Astropolitics 3, July 2005, 2, ISSN 1477-7622, S. 117–161.
  • Gustav Lindström, Giovanni Gasparini: The Galileo Satellite System and its Security Implications. In: European Union Institute for Security Studies – Occasional Paper 44, ISSN 1608-5000, (PDF, 400 kB).
  • RenĂ© Oosterlinck: Tracking by Satellite: GALILEO. In: The Security Economy. Papers from a forum meeting held on December 8, 2003 in the Paris Headquarters of the OECD. OECD, Paris 2004, ISBN 92-64-10772-X, S. 77–90, (PDF, 1,4 MB).
  • Jean-Marc PiĂ©plu, Olivier Salvatori: GPS et Galileo: Systèmes de navigation par satellites. Eyrolles, Paris 2006, ISBN 2-212-11947-X.
  • Torben SchĂĽler, Stefan Wallner, Bernd Eissfeller: Entwicklungsstand GALILEO mit einem Ausblick auf die Kombination mit GPS fĂĽr die schnelle RTK-Positionierung. In: zfv – Zeitschrift fĂĽr Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement 134, 2009, 6, ISSN 1618-8950, S. 363–371.

Weblinks

 Commons: Galileo (Satellitennavigation) â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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