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Normalverteilung

Dichtefunktionen der Normalverteilungen
<math>\scriptstyle\mathcal N(0,1)</math> (blau), <math>\scriptstyle\mathcal N(0,2)</math> (grĂŒn) und <math>\scriptstyle\mathcal N(-1,2)</math> (rot)

Die Normal- oder Gauß-Verteilung (nach Carl Friedrich Gauß) ist ein wichtiger Typ stetiger Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Ihre Wahrscheinlichkeitsdichte wird auch Gauß-Funktion, Gauß-Kurve, Gauß-Glocke, Gaußsche Glockenkurve oder schlicht Glockenkurve genannt.

Die besondere Bedeutung der Normalverteilung beruht unter anderem auf dem zentralen Grenzwertsatz, der besagt, dass eine Summe von <math> n </math> unabhĂ€ngigen, identisch verteilten Zufallsvariablen mit endlicher Varianz (s. die Cauchy-Verteilung als GegenstĂŒck) im Grenzwert <math>n\rightarrow\infty</math> normalverteilt ist. Das bedeutet, dass man Zufallsvariablen dann als normalverteilt ansehen kann, wenn sie durch Überlagerung einer großen Zahl von unabhĂ€ngigen EinflĂŒssen entstehen, wobei jede einzelne EinflussgrĂ¶ĂŸe einen im VerhĂ€ltnis zur Gesamtsumme unbedeutenden Beitrag liefert.

Die Abweichungen der (Mess)Werte vieler natur-, wirtschafts- und ingenieurswissenschaftlicher VorgÀnge vom Mittelwert lassen sich durch die Normalverteilung (bei biologischen Prozessen oft logarithmische Normalverteilung) entweder exakt oder wenigstens in sehr guter NÀherung beschreiben (vor allem Prozesse, die in mehreren Faktoren unabhÀngig voneinander in verschiedene Richtungen wirken).

ZufallsgrĂ¶ĂŸen mit Normalverteilung benutzt man zur Beschreibung zufĂ€lliger VorgĂ€nge wie:

In der Versicherungsmathematik ist die Normalverteilung geeignet zur Modellierung von Schadensdaten im Bereich mittlerer Schadenshöhen.

In der Messtechnik wird hÀufig eine Normalverteilung angesetzt, die die Streuung der Messfehler beschreibt. Hierbei ist von Bedeutung, wie viele Messpunkte innerhalb einer gewissen Streubreite liegen. Die Standardabweichung <math>\sigma</math> beschreibt die Breite der Normalverteilung und hÀngt mit der Halbwertsbreite zusammen. Es gilt nÀherungsweise:

  • Im Intervall der Abweichung <math>\pm \sigma</math> vom Mittelwert sind 68,27 % aller Messwerte zu finden,
  • Im Intervall der Abweichung <math>\pm 2\sigma</math> vom Mittelwert sind 95,45 % aller Messwerte zu finden,
  • Im Intervall der Abweichung <math>\pm 3\sigma</math> vom Mittelwert sind 99,73 % aller Messwerte zu finden.

Und ebenso lassen sich umgekehrt fĂŒr gegebene Wahrscheinlichkeiten die maximalen Abweichungen vom Mittelwert finden:

  • 50 % aller Messwerte haben eine Abweichung von höchstens <math>0{,}675\sigma</math> vom Mittelwert,
  • 90 % aller Messwerte haben eine Abweichung von höchstens <math>1{,}645\sigma</math> vom Mittelwert,
  • 95 % aller Messwerte haben eine Abweichung von höchstens <math>1{,}960\sigma</math> vom Mittelwert,
  • 99 % aller Messwerte haben eine Abweichung von höchstens <math>2{,}576\sigma</math> vom Mittelwert.

Somit kann neben dem Mittelwert auch der Standardabweichung eine einfache Bedeutung zugeordnet werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gaußsche Glockenkurve auf einem Zehn-Mark-Schein.

Im Jahre 1733 zeigte Abraham de Moivre in seiner Schrift „The Doctrine of Chances“ im Zusammenhang mit seinen Arbeiten am Grenzwertsatz fĂŒr Binomialverteilungen eine AbschĂ€tzung des Binomialkoeffizienten, welche als Vorform der Normalverteilung gedeutet werden kann. Die fĂŒr die Normierung der Normalverteilungsdichte zur Wahrscheinlichkeitsdichte notwendige Berechnung des nicht elementaren Integrals

<math>\int_{-\infty}^\infty e^{-\frac 12 t^2}\mathrm dt = \sqrt{2\pi}</math>

gelang Pierre-Simon Laplace im Jahr 1782 (nach anderen Quellen Poisson). Im Jahr 1809 publizierte Gauß sein Werk „Theoria motus corporum coelestium in sectionibus conicis solem ambientium“ (dt.: Theorie der Bewegung der in Kegelschnitten sich um die Sonne bewegenden Himmelskörper), welches neben den eng zusammenhĂ€ngenden Methoden der kleinsten Quadrate und der Maximum-Likelihood-SchĂ€tzung die Normalverteilung definiert. Ebenfalls Laplace war es, der 1810 den Satz vom zentralen Grenzwert bewies, der die Grundlage der theoretischen Bedeutung der Normalverteilung darstellt und de Moivres Arbeit am Grenzwertsatz fĂŒr Binomialverteilungen abschloss. Adolphe QuĂ©telet erkannte schließlich bei Untersuchungen des Brustumfangs von mehreren tausend Soldaten im Jahr 1844 eine verblĂŒffende Übereinstimmung mit der Normalverteilung und brachte die Normalverteilung in die angewandte Statistik. Er hat vermutlich die Bezeichnung Normalverteilung geprĂ€gt.

Definition

Dichtefunktion der Standardnormalverteilung <math>\varphi(x)=\tfrac {1}{\sqrt{2\pi}} e^{-\frac {1}{2} x^2}</math>

Eine stetige Zufallsvariable <math>X</math> mit der Wahrscheinlichkeitsdichte <math>f\colon\R\to\R</math>, gegeben durch:

<math>f(x) = \frac {1}{\sigma\sqrt{2\pi}} e^{-\frac {1}{2} \left(\frac{x-\mu}{\sigma}\right)^2}</math> [1]

heißt <math>\mu</math>-<math>\sigma^2</math>-normalverteilt, auch geschrieben als <math>X \sim \mathcal N\left(\mu, \sigma^2\right)</math> oder <math>(\mu,\sigma^2)</math>-normalverteilt, wobei <math>\mu</math> der Erwartungswert und <math>\sigma^2</math> die Varianz sind.

Die Verteilungsfunktion der Normalverteilung ist gegeben durch

<math>F(x) = \frac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}} \int_{-\infty}^x e^{-\frac{1}{2} \left(\frac{t-\mu}{\sigma}\right)^2} \mathrm dt</math>
<math> = \frac{1}{\sqrt{2\pi}} \int\limits_{-\infty}^{(x-\mu)/\sigma} e^{-\frac 12 z^2} \mathrm dz = \Phi (\tfrac{x-\mu}{\sigma})</math>

Darin ist <math>\Phi</math> die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung

<math>\Phi(x) = \frac{1}{\sqrt{2\pi}} \int_{-\infty}^x e^{-\frac{1}{2} t^2} \mathrm dt</math>

Die Dichtefunktion der Standardnormalverteilung ist

<math>\varphi(x)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}} e^{-\frac{1}{2} x^2}</math>,

welche nebenstehend dargestellt ist.

Die mehrdimensionale Verallgemeinerung findet man im Artikel mehrdimensionale Normalverteilung.

Eigenschaften

Symmetrie

Der Graph der Wahrscheinlichkeitsdichte <math>f\colon\R\to\R</math> ist eine gaußsche Glockenkurve, deren Höhe und Breite von <math> \sigma </math> abhĂ€ngt. Sie ist achsensymmetrisch zur Achse <math> x = \mu </math>. Ihre Stammfunktion <math>F</math> ist punktsymmetrisch relativ zum Punkt <math>(\mu ; 0{,}5)</math>.

Maximalwert und Wendepunkte der Dichtefunktion

Mit Hilfe der ersten und zweiten Ableitung lassen sich der Maximalwert und die Wendepunkte bestimmen. Die erste Ableitung ist

<math>f'(x) = -\frac{x-\mu}{\sigma^2} f(x).</math>

Das Maximum der Dichtefunktion der Normalverteilung liegt demnach bei <math>x_\mathrm{max} = \mu</math> und betrÀgt dort <math>f_\mathrm{max} = \tfrac 1{\sigma\sqrt{2\pi}}.</math>

Die zweite Ableitung lautet

<math>f(x) = \frac 1{\sigma^2}\left(\frac 1{\sigma^2}(x-\mu)^2-1\right) f(x).</math>

Somit liegen die Wendestellen der Dichtefunktion bei <math>x=\mu\pm\sigma</math>. Die Dichtefunktion hat an den Wendestellen den Wert <math>\tfrac 1{\sigma\sqrt{2\pi e}}</math>.

Normierung

Wichtig ist, dass die gesamte FlĂ€che unter der Kurve gleich 1 ist, also der Wahrscheinlichkeit eines sicheren Ereignisses entspricht. Somit folgt, dass, wenn zwei gaußsche Glockenkurven dasselbe <math>\mu</math>, aber unterschiedliche <math>\sigma</math>-Werte haben, jene Kurve mit dem grĂ¶ĂŸeren <math>\sigma</math> breiter und niedriger ist (da ja beide zugehörigen FlĂ€chen jeweils den Wert von 1 haben und nur die Standardabweichung (oder „Streuung“) höher ist). Zwei Glockenkurven mit dem gleichen <math>\sigma</math>, aber unterschiedlichen <math>\mu</math> haben gleich aussehende Graphen, die jedoch auf der <math>x</math>-Achse um die Differenz der <math>\mu</math>-Werte zueinander verschoben sind.

Jede Normalverteilung ist tatsÀchlich normiert, denn mit Hilfe der linearen Substitution

<math>z= \frac{t-\mu}\sigma</math>

erhalten wir:

<math> \int_{-\infty}^\infty \frac 1{\sigma \sqrt{2\pi}} e^{-\frac 12 \left(\frac{t-\mu}\sigma\right)^2} \mathrm dt= \frac 1{\sqrt{2\pi}} \int_{-\infty}^\infty e^{-\frac 12 z^2} \mathrm dz=1.</math>

FĂŒr die Normiertheit des letzteren Integrals siehe den Artikel Fehlerintegral.

Berechnung

Da sich <math>\Phi(z)</math> nicht auf eine elementare Stammfunktion zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst, wurde fĂŒr die Berechnung frĂŒher meist auf Tabellen zurĂŒckgegriffen (siehe Tabelle der Standardnormalverteilung). Heutzutage sind in ĂŒblichen Tabellenkalkulationsprogrammen Zellenfunktionen verfĂŒgbar, die einem auch die Transformation auf beliebige <math> \mu </math> und <math> \sigma </math> abnehmen. Die dahinter liegenden NĂ€herungen sind transformierte Polynome.[2]

Erwartungswert

Der Erwartungswert der Standardnormalverteilung ist 0. Es sei <math>X \sim \mathcal N\left(0,1\right)</math>, so gilt

<math> \operatorname{E}(X) =\frac{1}{\sqrt{2\pi}}\int\limits_{-\infty}^{+\infty}x\ e^{-\frac 12 x^2}\mathrm dx = 0,</math>

da der Integrand integrierbar ist und punktsymmetrisch.


Ist nun <math>Y \sim \mathcal N\left(\mu, \sigma^2\right)</math>, so gilt <math>X=(Y-\mu)/\sigma</math> sei standardnormalverteilt, und somit

<math> \operatorname{E}(Y)=\operatorname{E}(\sigma X + \mu)=\sigma \underbrace{\operatorname{E}(X)}_{=0} + \mu=\mu.</math>

Varianz und weitere Streumaße

Die Varianz der <math>\mu</math>-<math>\sigma^2</math>-normalverteilten ZufallsgrĂ¶ĂŸe ist tatsĂ€chlich <math>\sigma^2</math>, ein elementarer Beweis wird Poisson zugeschrieben.

Die mittlere absolute Abweichung ist <math> \sqrt{2/\pi}\sigma \approx 0{,}80\sigma</math> und der Interquartilsabstand <math>\approx 1{,}349\sigma</math>.

Variationskoeffizient

Aus Erwartungswert <math>\mu</math> und Standardabweichung <math>\sigma</math> der <math>\mathcal N(\mu,\sigma^2)</math>-Verteilung erhÀlt man unmittelbar den Variationskoeffizienten

<math>\operatorname{VarK} = \frac{\sigma}{\mu}.</math>

Schiefe

Die Schiefe besitzt unabhÀngig von den Parametern <math>\mu</math> und <math>\sigma</math> immer den Wert 0.

Charakteristische Funktion

Die charakteristische Funktion fĂŒr eine standardnormalverteilte Zufallsvariable <math>Z</math> berechnet sich gemĂ€ĂŸ

<math>\begin{align}

\varphi_Z(s) &= \operatorname E(e^{isZ})\\

         &= \frac 1{\sqrt{2\pi}}\int\limits_{-\infty}^\infty e^{isz} e^{-\frac 12 z^2} \mathrm dz\\
         &= \frac 1{\sqrt{2\pi}}\int\limits_{-\infty}^\infty e^{-\frac 12 (z-is)^2} e^{-\frac 12 s^2} \mathrm dz\\
         &= \frac 1{\sqrt{2\pi}}e^{-\frac 12 s^2} \int\limits_{-\infty}^\infty e^{-\frac 12 z^2} \mathrm dz\\
         &= e^{-\frac 12 s^2}.

\end{align} </math> Den Übergang von der dritten zur vierten Zeile erhĂ€lt man dabei durch Anwendung des Cauchyschen Integralsatzes.

FĂŒr eine Zufallsvariable <math>X \sim \mathcal N(\mu, \sigma^2)</math> erhĂ€lt man nun

<math>\begin{align}
 \varphi_X(s) &= \operatorname E(e^{is(\sigma Z + \mu)})\\
              &= \operatorname E(e^{is\sigma Z}e^{is\mu})\\
              &= e^{is\mu}\operatorname E(e^{is\sigma Z})\\
              &= e^{is\mu}\varphi_Z(\sigma s)\\
              &= \exp\left(is\mu-\tfrac  12 \sigma^2 s^2\right),

\end{align}</math> wobei <math>Z \sim \mathcal N(0,1)</math>.

Momenterzeugende Funktion

Die momenterzeugende Funktion der Normalverteilung ist

<math>m_X(s) = \exp\left(\mu s+\frac{\sigma^2 s^2}2\right).</math>

Momente

Sei <math>X</math> <math>N(\mu,\sigma^2)</math>-verteilt. Dann sind die ersten Momente wie folgt:

Nummer, <math>k</math> Moment, <math>\operatorname E(X^k)</math> zentriertes Moment Kumulante
0 1 1
1 <math>\mu</math> 0 <math>\mu</math>
2 <math>\mu^2 + \sigma^2</math> <math>\sigma^2</math> <math>\sigma^2</math>
3 <math>\mu^3 + 3\mu\sigma^2</math> 0 0
4 <math>\mu^4 + 6 \mu^2 \sigma^2 + 3 \sigma^4</math> <math>3 \sigma^4</math> 0
5 <math>\mu^5 + 10 \mu^3 \sigma^2 + 15 \mu \sigma^4</math> 0 0
6 <math>\mu^6 + 15 \mu^4 \sigma^2 + 45 \mu^2 \sigma^4 + 15 \sigma^6 </math> <math> 15 \sigma^6 </math> 0
7 <math>\mu^7 + 21 \mu^5 \sigma^2 + 105 \mu^3 \sigma^4 + 105 \mu \sigma^6 </math> 0 0
8 <math>\mu^8 + 28 \mu^6 \sigma^2 + 210 \mu^4 \sigma^4 + 420 \mu^2 \sigma^6 + 105 \sigma^8 </math> <math> 105 \sigma^8 </math> 0

Alle zentralen Momente <math>\mu_n</math> lassen sich durch die Standardabweichung <math>\sigma</math> darstellen:

<math>\mu_{n}=\begin{cases}

0 & \text{wenn }n\text{ ungerade}\\ \sigma^{n}\,(n-1)!! & \text{wenn }n\text{ gerade}\end{cases}</math>

dabei wurde die DoppelfakultÀt verwendet:

<math>(n-1)!!=(n-1)\cdot(n-3)\dotsm 3\cdot 1\quad\mathrm{f\ddot{u}r}\ n\ \mathrm{gerade}.</math>

Invarianz gegenĂŒber Faltung

Die Normalverteilung ist invariant gegenĂŒber der Faltung, d. h. die Summe unabhĂ€ngiger normalverteilter ZufallsgrĂ¶ĂŸen ist wieder normalverteilt. Eine veranschaulichende Formulierung dieses Sachverhaltes lautet: Die Faltung einer Gaußkurve der Halbwertsbreite <math>\Gamma_a</math> mit einer Gaußkurve der Halbwertsbreite <math>\Gamma_b</math> ergibt wieder eine Gaußkurve mit der Halbwertsbreite

<math>\Gamma_c = \sqrt{\Gamma_a^2 + \Gamma_b^2}.</math>

Sind also <math>X, Y</math> zwei unabhÀngige Zufallsvariable mit

<math>X \sim \mathcal N(\mu_X,\sigma_X^2),\ Y \sim \mathcal N(\mu_Y,\sigma_Y^2),</math>

so ist deren Summe ebenfalls normalverteilt:

<math>X+Y \sim \mathcal N(\mu_X+\mu_Y,\sigma_X^2+\sigma_Y^2).</math>

Das lÀsst sich dadurch beweisen, dass die charakteristische Funktion der Summe das Produkt der charakteristischen Funktionen der Summanden ist.

Speziell ist das arithmetische Mittel <math>n</math> unabhĂ€ngiger und normalverteilter ZufallsgrĂ¶ĂŸen <math>X_i \sim \mathcal N(\mu_i, \sigma_i^2)</math> wieder eine normalverteilte ZufallsgrĂ¶ĂŸe mit

<math>Z \sim \mathcal N\left(\frac 1n \sum_{i=1}^n \mu_i, \frac 1{n^2} \sum_{i=1}^n \sigma_i^2 \right).</math>

Nach dem Satz von CramĂ©r gilt sogar die Umkehrung: Ist eine normalverteilte ZufallsgrĂ¶ĂŸe die Summe von unabhĂ€ngigen ZufallsgrĂ¶ĂŸen, dann sind die Summanden ebenfalls normalverteilt.

Die Dichtefunktion der Normalverteilung ist ein Fixpunkt der Fourier-Transformation, d. h. die Fourier-Transformierte einer Gaußkurve ist wieder eine Gaußkurve. Das Produkt der Standardabweichungen dieser korrespondierenden Gaußkurven ist konstant; es gilt die heisenbergsche UnschĂ€rferelation.

Entropie

Die Normalverteilung hat die Entropie: <math>\log\left(\sigma\sqrt{2\,\pi\,e}\right)</math>.

Da sie fĂŒr gegebenen Mittelwert und gegebene Varianz die grĂ¶ĂŸte Entropie unter allen Verteilungen hat, wird sie in der Maximum-Entropie-Methode oft als A-priori-Wahrscheinlichkeit verwendet.

Beziehungen zu anderen Verteilungsfunktionen

Transformation zur Standardnormalverteilung

Eine Normalverteilung mit beliebigen <math> \mu </math> und <math> \sigma </math> und der Verteilungsfunktion F hat, wie oben erwÀhnt, die nachfolgende Beziehung zur <math>\mathcal{N}(0,1)</math>-Verteilung:

<math>

F(x) = \Phi \left(\tfrac{x-\mu}{\sigma}\right). </math>

Darin ist <math>\Phi</math> die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung.


Wenn <math>X\sim \mathcal{N}(\mu,\sigma^2)</math>, dann fĂŒhrt die Transformation

<math>Z=\frac{X-\mu}{\sigma}</math>

zu einer standardnormalverteilten Zufallsvariablen Z, denn

<math>P(Z\le z)=P(\tfrac{X-\mu}{\sigma}\le z)=P(X\le \sigma z+\mu)=F(\sigma z+\mu)=\Phi(z).</math>


Geometrisch betrachtet entspricht die durchgefĂŒhrte Substitution einer flĂ€chentreuen Transformation der Glockenkurve von <math> \mathcal{N}(\mu;\sigma^2) </math> zur Glockenkurve von <math> \mathcal{N}(0;1) </math>.

Approximation der Binomialverteilung durch die Normalverteilung

Die Normalverteilung kann zur Approximation der Binomialverteilung verwendet werden, wenn der Stichprobenumfang <math>n</math> hinreichend groß und in der Grundgesamtheit der Anteil <math>p</math> der gesuchten Eigenschaft nicht zu klein ist. Als Faustregeln dafĂŒr gelten: <math>np(1-p)\geq 9</math>, was fĂŒr die Standardabweichung bedeutet: <math>\sigma\geq 3</math>

Falls diese Bedingung nicht erfĂŒllt sein sollte, ist die NĂ€herung immer noch vertretbar genau, wenn gilt: <math>np\geq 4</math> und zugleich <math>n(1-p)\geq 4</math>.

Ist eine Binomialverteilung (Bernoulli-Versuch) mit <math> n </math> voneinander unabhĂ€ngigen Stufen (bzw. Zufallsversuchen) mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit <math> p </math> gegeben, so lĂ€sst sich die Wahrscheinlichkeit fĂŒr <math>k</math> Erfolge allgemein durch <math> P(X=k)= \tbinom{n}{k} \cdot p^k\cdot (1-p)^{n-k} </math> fĂŒr <math> k=0,1,\dots,n </math> berechnen.

FĂŒr sehr große Werte von <math> n </math> kann diese Binomialverteilung durch eine Normalverteilung approximiert werden (Satz von Moivre-Laplace, zentraler Grenzwertsatz). Dabei ist

  • der Erwartungswert <math> \mu=n\cdot p </math>
  • und die Standardabweichung <math> \sigma=\sqrt{n \cdot p \cdot (1-p) } </math>

Ist nun <math>\sigma > 3</math>, dann ist folgende NĂ€herung brauchbar:

<math>\begin{align}
P(x_1 \leq X \leq x_2) &= \underbrace{\sum_{k=x_1}^{x_2} {n \choose k} \cdot p^k\cdot (1-p)^{n-k}}_{\mathrm{BV}}\\
&\approx \underbrace{\Phi\left(\frac{x_2+0,5-\mu}{\sigma}\right) -\Phi\left(\frac{x_1-0,5-\mu}{\sigma}\right)}_{\mathrm{NV}}.

\end{align}</math>

Bei der Normalverteilung wird die untere Grenze um 0,5 verkleinert und die obere Grenze um 0,5 vergrĂ¶ĂŸert, um eine bessere Approximation bei einer geringen Standardabweichung <math> \sigma </math> gewĂ€hrleisten zu können. Dies nennt man auch Stetigkeitskorrektur. Nur wenn <math> \sigma </math> einen sehr hohen Wert besitzt, kann auf sie verzichtet werden.

Da die Binomialverteilung diskret ist, muss auf einige Punkte geachtet werden:

  • <math> < </math> oder <math> \leq </math> (und auch grĂ¶ĂŸer und grĂ¶ĂŸer gleich) mĂŒssen beachtet werden (was ja bei der Normalverteilung nicht der Fall ist). Deshalb muss bei <math> P(X_{BV}<x) </math> die nĂ€chstkleinere natĂŒrliche Zahl gewĂ€hlt werden, d. h.
<math> P(X_{BV}<x)=P(X_{BV}\leq x-1) </math> bzw. <math> P(X_{BV}>x)=P(X_{BV}\geq x+1) </math>
damit mit der Normalverteilung weitergerechnet werden kann.
z. B. <math> P(X_{BV}<70)=P(X_{BV}\leq 69) </math>
  • Außerdem ist
<math> P(X_{BV} \leq x) = P(0 \leq X_{BV} \leq x) </math>
<math> P(X_{BV} \geq x) = P(x \leq X_{BV} \leq n) </math>
<math> P(X_{BV} = x) = P(x \leq X_{BV} \leq x) </math> (unbedingt mit Stetigkeitskorrektur)
und lÀsst sich somit durch die oben angegebene Formel berechnen.

Der große Vorteil der Approximation liegt darin, dass sehr viele Stufen einer Binomialverteilung sehr schnell und einfach bestimmt werden können.

Beziehung zur Cauchy-Verteilung

Der Quotient von zwei unabhÀngigen <math>\mathcal{N}(0,1)</math> standardnormalverteilten Zufallsvariablen ist Cauchy-verteilt.

Beziehung zur Chi-Quadrat-Verteilung

  • Die Summe <math>X_n=Z_1^2 + \cdots + Z_n^2</math> von <math>n</math> unabhĂ€ngigen quadrierten standardnormalverteilten Zufallsvariablen <math>Z_i\sim \mathcal{N}(0,1) (i=1,\ldots,n)</math> genĂŒgt einer Chi-Quadrat-Verteilung <math>X_n\sim\chi^2_n</math> mit <math>n</math> Freiheitsgraden.
  • Die Summe <math> X_{n-1}=\frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n} (Z_{i}-\overline Z)^{2}</math> mit <math>\overline Z:=\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n} Z_i</math> und <math>n</math> unabhĂ€ngigen normalverteilten Zufallsvariablen <math>Z_i\sim \mathcal{N}(\mu,\sigma^{2}) (i=1,\ldots,n)</math> genĂŒgt einer Chi-Quadrat-Verteilung <math>X_{n-1}\sim\chi^2_{n-1}</math> mit <math>n-1</math> Freiheitsgraden.
  • Mit steigender Zahl an Freiheitsgraden (df >> 100) nĂ€hert sich die Chi-Quadrat-Verteilung der Normalverteilung an.

Beziehung zur Rayleigh-Verteilung

Der Betrag <math> Z = \sqrt{X^2 + Y^2} </math> zweier normalverteilter Zufallsvariablen <math>X, Y </math> ist Rayleigh-verteilt.

Beziehung zur logarithmischen Normalverteilung

Ist die Zufallsvariable <math>X</math> normalverteilt mit <math>\mathcal{N}(\mu,\sigma^{2})</math>, dann ist die Zufallsvariable <math>Y=e^{X}</math> logarithmisch-normalverteilt mit <math>\mathcal{LN}(\mu,\sigma^{2})</math>.

Die Entstehung einer logarithmischen Normalverteilung ist auf multiplikatives, die einer Normalverteilung auf additives Zusammenwirken vieler ZufallsgrĂ¶ĂŸen zurĂŒckfĂŒhren.

Beziehung zur F-Verteilung

Wenn die identischen normalverteilten Zufallsvariablen <math>X_1^{(1)}, X_2^{(1)}, \dots , X_n^{(1)}</math> und <math>X_1^{(2)}, X_2^{(2)}, \dots , X_n^{(2)}</math> die Parameter

<math>\operatorname E(X_{i}^{(1)})=\mu_{1}, \sqrt{\operatorname{Var}(X_{i}^{(1)})}=\sigma_{1}</math>
<math>\operatorname E(X_{i}^{(2)})=\mu_{2}, \sqrt{\operatorname{Var}(X_{i}^{(2)})}=\sigma_{2}</math>

mit <math>\sigma_{1}=\sigma_{2}=\sigma</math> besitzen, dann unterliegt die Zufallsvariable

<math>Y_{n_{1}-1,n_{2}-1}:=\frac{(n_{2}-1)\sum\limits_{i=1}^{n_{1}}(X_{i}^{(1)}-\barRed x.svg^{(1)})^{2}}
                             {(n_{1}-1)\sum\limits_{j=1}^{n_{2}}(X_{i}^{(2)}-\barRed x.svg^{(2)})^{2}}</math>

einer F-Verteilung mit <math>((n_{1}-1,n_{2}-1))</math> Freiheitsgraden. Dabei sind

<math>\bar{X}^{(1)}=\frac{1}{n_{1}}\sum_{i=1}^{n_{1}}X_{i}^{(1)},\quad

\bar{X}^{(2)}=\frac{1}{n_{2}}\sum_{i=1}^{n_{2}}X_{i}^{(2)}.</math>

Beziehung zur Studentschen t-Verteilung

Wenn die unabhĂ€ngigen Zufallsvariablen <math>X_1, X_2, \dots , X_n</math> identisch normalverteilt sind mit den Parametern <math>\mu</math> und <math>\sigma</math>, dann unterliegt die stetige ZufallsgrĂ¶ĂŸe

<math>Y_{n-1}=\frac{\bar{X}-\mu}{\displaystyle\sqrt{\frac{\sum_{i=1}^{n}(X_{i}-\bar{X})^{2}}{n-1}}}\sqrt{n}</math>

einer Studentschen t-Verteilung mit <math>(n-1)</math> Freiheitsgraden.

FĂŒr eine steigende Anzahl an Freiheitsgraden nĂ€hert sich die Student-t-Verteilung der Normalverteilung immer nĂ€her an. Als Faustregel gilt, dass man ab ca. <math>df > 30</math> die Student-t-Verteilung bei Bedarf durch die Normalverteilung approximieren kann.

Die Student-t-Verteilung wird zur KonfidenzschĂ€tzung fĂŒr den Erwartungswert einer normalverteilten Zufallsvariable bei unbekannter Varianz verwendet.

Rechnen mit der Standardnormalverteilung

Bei Aufgabenstellungen, bei denen die Wahrscheinlichkeit fĂŒr <math> {\mu}-{\sigma^2}</math>-normalverteilte Zufallsvariablen durch die Standardnormalverteilung ermittelt werden soll, ist es nicht nötig, die oben angegebene Transformation jedes Mal durchzurechnen. Stattdessen wird einfach die Transformation

<math> Z = \frac {X-\mu}{\sigma}</math>

verwendet, um eine <math> \mathcal{N}(0;1) </math>-Verteilte Zufallsvariable Z zu erzeugen.

Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das Ereignis, dass z. B. X im Interval <math> [x,y]</math> liegt, ist durch folgende Umrechnung gleich einer Wahrscheinlichkeit der Standardnormalverteilung:

<math>

\begin{align}

P(x \leq X \leq y) &= P\left(\frac {x-\mu}{\sigma} \leq \frac {X-\mu}{\sigma} \leq \frac {y-\mu}{\sigma}\right)\\
&=P\left(\frac {x-\mu}{\sigma} \leq Z \leq \frac {y-\mu}{\sigma}\right)\\
&=\Phi\left(\frac {y-\mu}{\sigma}\right)-\Phi\left(\frac {x-\mu}{\sigma}\right)

\end{align} </math>

Grundlegende Fragestellungen

Allgemein gibt die Verteilungsfunktion die FlĂ€che unter der Glockenkurve bis zum Wert <math>x</math> an, d. h. es wird das bestimmte Integral von <math>-\infty</math> bis <math>x</math> berechnet.

Dies entspricht in Aufgabenstellungen einer gesuchten Wahrscheinlichkeit, bei der die Zufallsvariable <math>X</math> kleiner oder kleiner gleich einer bestimmten Zahl <math>x</math> ist. Durch die Verwendung der reellen Zahlen und der Stetigkeit der Normalverteilung macht es keinen Unterschied, ob nun <math> < </math> oder <math>\leq</math> verlangt ist,

weil <math>P(X = 3) = \int_3^3 f(x)\mathrm dx = 0</math> und somit <math>P(X<3) = P(X \leq 3)</math>.

Dasselbe gilt fĂŒr grĂ¶ĂŸer und grĂ¶ĂŸer gleich.

Dadurch, dass <math>X</math> nur kleiner oder grĂ¶ĂŸer einer Grenze (oder innerhalb oder außerhalb zweier Grenzen) liegen kann, ergeben sich fĂŒr Aufgaben bei normalverteilten Wahrscheinlichkeitsberechnungen folgende zwei grundlegende Fragestellungen:

  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Zufallsversuch die normalverteilte Zufallsvariable <math>Z</math> höchstens den Wert <math>z</math> annimmt?
    <math> P(Z \leq z)=\Phi(z).</math>
In der Schulmathematik wird fĂŒr diese Aussage auch die Bezeichnung Linker Spitz verwendet, da die FlĂ€che unter der Gaußkurve von links bis zur Grenze verlĂ€uft. FĂŒr <math> z </math> sind auch negative Werte erlaubt, trotzdem haben viele Tabellen der Standardnormalverteilung nur positive EintrĂ€ge. Durch die Symmetrie der Kurve und der NegativitĂ€tsregel des linken Spitz stellt dies aber keine EinschrĂ€nkung dar:
<math>\Phi(-z)\ =\ 1-\Phi(z).</math>
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Zufallsversuch die normalverteilte Zufallsvariable <math> Z </math> mindestens den Wert <math> z </math> annimmt?
<math> P(Z \geq z) = 1 - \Phi(z).</math>
Analog wird hier oft die Bezeichnung Rechter Spitz verwendet. Ebenso gibt es eine NegativitÀtsregel:
<math> P(Z \geq -z)= 1- \Phi(-z)= 1-(1-\Phi(z)) = \Phi(z).</math>

(Da jede Zufallsvariable <math> X </math> der allgemeinen Normalverteilung sich in die ZufallsgrĂ¶ĂŸe <math> Z </math> der Standardnormalverteilung umwandeln lĂ€sst, gelten die Fragestellungen fĂŒr beide GrĂ¶ĂŸen gleichbedeutend.)

Streubereich und Antistreubereich

Der Streubereich gibt die Wahrscheinlichkeit wieder, dass die normalverteilte Zufallsvariable <math>Z</math> Werte zwischen <math>z_1</math> und <math>z_2</math> annimmt:

<math>P(z_1 \le Z \le z_2) = \Phi(z_2) - \Phi(z_1)</math>

Beim Sonderfall des symmetrischen Streubereiches (<math>z_1=-z_2</math>, mit <math>z_2>0</math>) gilt

<math>\begin{align}
 P(-z\le Z\le z ) &= P (|Z|\le z)\\
                  &= \Phi(z)-\Phi(-z)\\
                  &= \Phi(z)-(1-\Phi(z))\\
                  &= 2\Phi(z)-1.

\end{align}</math>

Hingegen gibt der Antistreubereich die Höhe der Wahrscheinlichkeit an, dass die normalverteilte Zufallsvariable <math>Z</math> Werte außerhalb des Bereichs zwischen <math>z_1</math> und <math>z_2</math> annimmt:

<math>P(Z\le z_1\text{ oder }Z\ge z_2) = \Phi(z_1) + (1-\Phi(z_2)).</math>

Somit folgt bei einem symmetrischen Antistreubereich

<math>\begin{align}
 P(Z\le -z\text{ oder }Z\ge z) &= P(|Z|\ge z)\\
                               &=\Phi(-z)+1-\Phi(z)\\
                               &= 1-\Phi(z)+1-\Phi(z)\\
                               &=2-2 \Phi(z).

\end{align}</math>

Streubereiche am Beispiel der QualitÀtssicherung

Besondere Bedeutung haben beide Streubereiche z. B. bei der QualitĂ€tssicherung von technischen oder wirtschaftlichen Produktionsprozessen. Hier gibt es einzuhaltende Toleranzgrenzen <math> x_1 </math> und <math> x_2 </math> , wobei es meist einen grĂ¶ĂŸten noch akzeptablen Abstand <math> \epsilon </math> vom Erwartungswert <math> \mu </math> (= dem optimalen Sollwert) gibt. <math> \sigma </math> kann hingegen empirisch aus dem Produktionsprozess gewonnen werden.

Wurde <math> [x_1;x_2]=[\mu-\epsilon;\mu+\epsilon] </math> als einzuhaltendes Toleranzintervall angegeben, so liegt (je nach Fragestellung) ein symmetrischer Streu- oder Antistreubereich vor.

Im Falle des Streubereiches gilt:

<math>\begin{align}
P(x_1 \leq X \leq x_2) &= P(|X-\mu|\leq\epsilon)\\
&= P(\mu-\epsilon \leq X \leq \mu+\epsilon)\\
&= P\left(\frac{-\epsilon}{\sigma} \leq Z \leq \frac{\epsilon}{\sigma}\right)\\
&= \Phi\left(\frac{\epsilon}{\sigma}\right)-\Phi\left(\frac{-\epsilon}{\sigma}\right)\\
&= 2 \Phi\left(\frac{\epsilon}{\sigma}\right)-1\\
&= \gamma.

\end{align}</math>

Der Antistreubereich ergibt sich dann aus

<math>P(|X-\mu|\geq \epsilon )= 1-\gamma</math>

oder wenn kein Streubereich berechnet wurde durch

<math>P(|X-\mu|\geq \epsilon )=2\cdot\left(1-\Phi\left(\frac{\epsilon} {\sigma}\right)\right)=\alpha.</math>

Das Ergebnis <math> \gamma </math> ist also die Wahrscheinlichkeit fĂŒr verkaufbare Produkte, wĂ€hrend <math> \alpha </math> die Wahrscheinlichkeit fĂŒr Ausschuss bedeutet, wobei beides von den Vorgaben von <math> \mu </math>, <math> \sigma </math> und <math> \epsilon </math> abhĂ€ngig ist.

Ist bekannt, dass die maximale Abweichung <math> \epsilon </math> symmetrisch um den Erwartungswert liegt, so sind auch Fragestellungen möglich, bei denen die Wahrscheinlichkeit vorgegeben und eine der anderen GrĂ¶ĂŸen zu berechnen ist.

Testen auf Normalverteilung

Quantile einer Normalverteilung und einer Chi-Quadrat-Verteilung

Um zu ĂŒberprĂŒfen, ob vorliegende Daten normalverteilt sind, können folgende Methoden angewandt werden:

Die Tests haben unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich der Art der Abweichungen von der Normalverteilung, die sie erkennen. So erkennt der Kolmogorov-Smirnov-Test Abweichungen in der Mitte der Verteilung eher als Abweichungen an den RĂ€ndern, wĂ€hrend der Jarque-Bera-Test ziemlich sensibel auf stark abweichende Einzelwerte an den RĂ€ndern („heavy tails“) reagiert.

Beim Lilliefors-Test muss im Gegensatz zum Kolomogorov-Smirnov-Test nicht standardisiert werden, d. h. <math>\mu</math> und <math>\sigma</math> der angenommenen Normalverteilung dĂŒrfen unbekannt sein.

Mit Hilfe von Quantil-Quantil-Plots (auch Normal-Quantil-Plots oder kurz Q-Q-Plot) ist eine einfache grafische ÜberprĂŒfung auf Normalverteilung möglich.
Mit der Maximum-Likelihood-Methode können die Parameter <math>\mu</math> und <math>\sigma</math> der Normalverteilung geschÀtzt und die empirischen Daten mit der angepassten Normalverteilung grafisch verglichen werden.

ParameterschÀtzung

Oft sind die Parameter einer Normalverteilung nicht bekannt und mĂŒssen geschĂ€tzt werden. Beispielsweise ist dies der Fall, wenn eine Reihe von Messwerten <math>x_1, \dots, x_n</math> vorliegt, bei welcher man Grund zur Annahme hat, dass sie unabhĂ€ngige Realisierungen einer normalverteilen ZufallsgrĂ¶ĂŸe mit unbekannten Parametern <math>\mu</math> und <math>\sigma^2</math> sind.

Erwartungstreue SchÀtzer

Der Erwartungswert <math>\mu</math> kann durch das arithmetische Mittel

<math>\hat{\mu} = \bar{x} = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n x_i</math>

geschĂ€tzt werden (siehe SchĂ€tzwert fĂŒr den Erwartungswert).

Die Varianz <math>\sigma^2</math> kann ĂŒber die (korrigierte) Stichprobenvarianz

<math>\hat{\sigma}^2 = s^2 = \frac{1}{n-1} \sum_{i=1}^n {(x_i - \bar{x})^2}</math>

geschÀtzt werden.

Beide SchÀtzer sind erwartungstreu.

Maximum-Likelihood-SchÀtzung der Verteilungsparameter

Die Seiten VarianzschĂ€tzung#VarianzschĂ€tzung einer normal-verteilten Grundgesamtheit, Normalverteilung#Maximum-Likelihood-SchĂ€tzung der Verteilungsparameter und Maximum-Likelihood-SchĂ€tzung#Stetige Verteilung, kontinuierlicher Parameterraum ĂŒberschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion ĂŒber diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollstĂ€ndiger Abarbeitung der Redundanz. Plankton314 14:06, 30. Dez. 2011 (CET)

Um die Parameter einer Normalverteilung zu schĂ€tzen, kann man auch die Maximum-Likelihood-SchĂ€tzung verwenden. SchĂ€tzer <math>\hat\mu_{ML}</math> fĂŒr den Erwartungswert und <math>\hat\sigma^2_{ML}</math> fĂŒr die Varianz erhĂ€lt man, indem die Log-Likelihood-Funktion fĂŒr die Normalverteilung maximiert wird[3].

Als Maximum-Likelihood-SchĂ€tzer fĂŒr <math>\mu</math> ergibt damit ebenfalls <math>\hat\mu_{ML} = \bar{x}</math>, also das arithmetische Mittel der Messwerte.

FĂŒr die Varianz erhĂ€lt man dagegen die unkorrigierte Stichprobenvarianz

<math>

\hat{\sigma}^2_{ML} = \frac{n-1}{n}s^2 = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n {(x_i - \bar{x})^2} </math>

und fĂŒr die Standardabweichung

<math>

\hat{\sigma}_{ML} = \sqrt{\hat{\sigma}^2_{ML}} = \sqrt{ \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n {(x_i - \bar{x})^2} }. </math>

Diese SchĂ€tzer fĂŒr Varianz bzw. Standardabweichung sind jedoch nicht bzw. nur asymptotisch erwartungstreu. Selbst wenn man einen erwartungstreuen Varianz-SchĂ€tzer verwendet, ist dessen Quadratwurzel – d. h. die Standardabweichung – im Allgemeinen nicht ebenfalls erwartungstreu.[4]

Simulation normalverteilter Zufallsvariablen

Box-Muller-Methode

Nach der Box-Muller-Methode lassen sich zwei unabhÀngige, standardnormalverteilte Zufallsvariablen <math>X</math> und <math>Y</math> aus zwei unabhÀngigen, gleichverteilten Zufallsvariablen <math>U_1,U_2 \sim U(0,1)</math>, sogenannten Standardzufallszahlen, simulieren:

<math>X= \cos( 2 \pi U_1) \sqrt{-2\ln U_2}</math>

und

<math>Y = \sin ( 2 \pi U_1 ) \sqrt{-2 \ln U_2}.</math>

Polar-Methode

Die Polar-Methode von Marsaglia ist auf einem Computer noch schneller, da sie nur einen Logarithmus benutzt:

  1. Erzeuge zwei voneinander unabhÀngige, im Intervall <math> [-1, 1] </math> gleichverteilte Zufallszahlen <math>u_1</math> und <math>u_2</math>
  2. Berechne <math>q=u_1^2+u_2^2</math>. Falls <math>q = 0</math> oder <math>q > 1</math>, gehe zurĂŒck zu Schritt 1.
  3. Berechne <math>p = \sqrt {\frac{-2 \cdot \ln q}{q}}</math>.
  4. <math>x_{1,2}=u_{1,2} \cdot p</math> liefert zwei voneinander unabhÀngige, standardnormalverteilte Zufallszahlen <math>x_1</math> und <math>x_2</math>.

Durch lineare Transformation lassen sich hieraus beliebige normalverteilte Zufallszahlen erzeugen: Ist die Zufallsvariable <math>x \sim \mathcal{N}(0,1)</math>-verteilt, so ist <math>a \cdot x + b</math> schließlich <math>\mathcal{N}(b,a^2)</math>-verteilt.

Zwölferregel

Der zentrale Grenzwertsatz besagt, dass sich unter bestimmten Voraussetzungen die Verteilung der Summe unabhÀngiger, identisch verteilter Zufallszahlen einer Normalverteilung nÀhert.

Ein Spezialfall ist die Zwölferregel, die sich auf die Summe von zwölf Zufallszahlen aus einer Gleichverteilung auf dem Intervall [0,1] beschrĂ€nkt und bereits zu passablen Verteilungen fĂŒhrt.

Stark ins Gewicht fĂ€llt die Forderung der UnabhĂ€ngigkeit der zwölf Zufallsvariablen <math>X_i</math>, die bei immer noch hĂ€ufig verwendeten (Linearen Kongruenzgeneratoren (LKG)) nicht garantiert ist. Im Gegenteil wird vom Spektraltest fĂŒr LKG meist nur die UnabhĂ€ngigkeit von maximal vier bis sieben der <math>X_i</math> garantiert. FĂŒr numerische Simulationen ist die Zwölferregel daher sehr bedenklich und sollte, wenn ĂŒberhaupt, dann ausschließlich mit aufwĂ€ndigeren, aber besseren Pseudo-Zufallsgeneratoren wie z. B. dem Mersenne Twister (Standard in Python, GNU R) oder WELL durchgefĂŒhrt werden. Andere, sogar leichter zu programmierende Verfahren, sind daher i. d. R. der Zwölferregel vorzuziehen.

Verwerfungsmethode

Normalverteilungen lassen sich mit der Verwerfungsmethode (s. dort) simulieren.

Inversionsmethode

Die Normalverteilung lĂ€sst sich auch mit der Inversionsmethode berechnen. Da das Fehlerintegral leider nicht explizit mit elementaren Funktionen integrierbar ist, muss man auf Reihenentwicklungen der inversen Funktion fĂŒr einen Startwert (<math>a_1 ... a_{14}</math> weiter unten) und anschließende Korrektur mit dem Newtonverfahren zurĂŒckgreifen. Dazu werden erf(x) und erfc(x) benötigt, die ihrerseits mit Reihenentwicklungen und Kettenbruchentwicklungen berechnet werden können – insgesamt ein relativ hoher Aufwand. Die notwendigen Entwicklungen sind in der Literatur zu finden.[5]

Entwicklung des inversen Fehlerintegrals (wegen des Pols nur als Startwert fĂŒr das Newtonverfahren verwendbar):

<math>\operatorname{erf}^{-1} \left(\frac{\sqrt\pi}2 x\right) = x\Bigl(a_1 + x^2 \bigl(a_2 + x^2 (\dots)\bigr)\Bigr)</math>

mit den Koeffizienten

<math>\begin{align}
a_i &=  1,
 \tfrac 13,
 \tfrac 7{30},
 \tfrac {127}{630},
 \tfrac {4369}{22680},
 \tfrac {34807}{178200},
 \tfrac {20036983}{97297200},
 \tfrac {2280356863}{10216206000},
 \tfrac {49020204823}{198486288000},\\
&\\
& \tfrac {65967241200001}{237588086736000},
 \tfrac {15773461423793767}{49893498214560000},
 \tfrac {655889589032992201}{1803293578326240000},\\

&\\

& \tfrac {94020690191035873697}{222759794969712000000},
 \tfrac {655782249799531714375489}{1329207696584271504000000},\ldots

\end{align}</math>

Anwendungen außerhalb der Wahrscheinlichkeitsrechnung

Die Normalverteilung lĂ€sst sich auch zur Beschreibung nicht direkt stochastischer Sachverhalte verwenden, etwa in der Physik fĂŒr das Amplitudenprofil der Gauß-Strahlen und andere Verteilungsprofile.

Zudem findet sie Verwendung in der Gabor-Transformation.

Siehe auch

Literatur

  • Stephen M. Stigler: The history of statistics: the measurement of uncertainty before 1900. Belknap Series. Harvard University Press, 1986. ISBN 9780674403413.

Fußnoten und Einzelnachweise

  1. ↑ Bei der Funktion <math>\exp(x)</math> handelt es sich um die Exponentialfunktion mit der Basis <math>e</math>, auch als <math>e^x</math> bekannt.
  2. ↑ Espen Gaarder Haug: The complete guide to option pricing formulas, Band 1, McGraw-Hill, 1998, ISBN 0-7863-1240-8, eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche.
  3. ↑ Wolfram MathWorld: Maximum Likelihood
  4. ↑ Wolfram MathWorld: Sample Variance
  5. ↑ William B. Jones, W. J. Thron; Continued Fractions: Analytic Theory and Applications; Addison Wesley, 1980

Weblinks

 Commons: Normalverteilung â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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