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| OAO Gazprom | |
|---|---|
| Rechtsform | OAO (Offene Aktiengesellschaft) |
| ISIN | RU0007661625 |
| Gründung | 5. November 1992 |
| Sitz | Moskau, Russland |
| Leitung | Alexei Miller |
| Mitarbeiter | 445.000 (2007) |
| Umsatz | 3,661 Billionen Rubel (2010, entspricht 132 Mrd. USD)[1] |
| Gewinn | 0,775 Billionen Rubel (2010, entspricht 28 Mrd. USD)[2] |
| Branche | Öl und Gas |
| Produkte | Erdgas |
| Website | www.gazprom.com |
Die OAO Gazprom (russisch Газпром, wiss. Transliteration und engl. Transkription Gazprom, deutsche Transkription Gasprom) ist das weltweit größte Erdgasförderunternehmen und mit 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Unternehmen Europas. Der ehemalige russische Staatskonzern, der 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, ist heutzutage mit rund 445.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber des Landes. Gazprom ist im RTS-Index gelistet. Der Unternehmenssitz befindet sich in Moskau.
Gazprom ist eigentlich eine Abkürzung für Gasindustrie (russisch газовая промышленность, gasowaja promyschlennost) und war früher ein Geschäftsbereich des Ministeriums für Gasförder- und Gastransportindustrie der UdSSR (Mingazprom), einem so genannten Branchenministerium. Im Zuge der Perestrojka wurde im Jahr 1989 Gazprom in den russischen Staatskonzern Gazprom umgewandelt. Der bisherige Minister für Erdöl- und Gaswirtschaft, Wiktor Tschernomyrdin, wurde zum ersten geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden gewählt. Als Tschernomyrdin 1992 Ministerpräsident wurde, folgte ihm sein Stellvertreter Rem Wjachirew als Gazprom-Vorstandsvorsitzender.
Seit Mai 2001 ist Alexei Miller Vorstandsvorsitzender. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Juni 2008 der ehemalige russische Regierungschef Wiktor Subkow. Beide sind enge Vertraute des russischen Ministerpräsidenten Putin, die dieser bereits aus seiner Tätigkeit in der Stadtverwaltung in Sankt Petersburg kennt. Bis zur Ernennung Subkows als Aufsichtsratsvorsitzender bekleidete der heutige russische Präsident Dmitri Medwedew diesen Posten.
Am 2. März 2005 wurde die von der Staatsführung gewollte Fusion des Gasproduzenten mit dem staatlichen Ölunternehmen Rosneft genehmigt. Das Sträuben des Rosneft-Managements dagegen war vergebens. Durch Aktientausch erlangte Russland die Anteilsmehrheit an der Gazprom.[3] Am 14. Juli 2011 verkündeten Gasprom und RWE eine strategische Kooperation auf dem Deutschen Strommarkt[4]
Gazprom kontrolliert die Gaswirtschaft Russlands weitgehend. Es gibt nur wenige andere Förder- und Handelsgesellschaften im Erdgasbereich. Auf Gazprom entfallen rund 85 Prozent der russischen Erdgasförderung, rund ein Fünftel der weltweiten Förderung. Für den Erdgasexport aus Russland hat Gazprom ein Monopol. Russland – und damit Gazprom – ist mit Abstand weltweit größter Gasexporteur.
Im Jahre 2005 erfolgte eine Vereinbarung zwischen den deutschen Unternehmen E.ON und BASF und der russischen Gazprom, eine Erdgasleitung durch die Ostsee zu verlegen. Nach dem Ausscheiden als Bundeskanzler nahm Gerhard Schröder ein Angebot von Gazprom zur Mitarbeit im Aufsichtsrat der NEGP an.
Gazprom ist aber nicht nur im Erdgasbereich tätig. Weitere Geschäftsbereiche sind in Russland – abgesehen vom Erdölbereich – insbesondere die Stromwirtschaft, der Medienbereich und das Bankwesen. Kritiker der Unternehmenspolitik fordern von der Gazprom-Führung hingegen eine Konzentration auf die Energiewirtschaft. Sie sehen eine Verzettelung, die das Unternehmen unüberschaubar macht. Gazprom wird in Presseberichten auch immer wieder eine besonders ausgeprägte Anfälligkeit für Korruption vorgeworfen, obwohl die Gazprom-Mitarbeiter im innerrussischen Vergleich als privilegiert gelten.
Erklärtes Ziel der Gazprom-Führung ist, das Unternehmen zum weltweit führenden Energiekonzern auszubauen. In den letzten Jahren hat sie bedeutende Beteiligungen im Ölbereich (Sibneft) und Strombereich erworben. Dabei will sich Gazprom nicht auf Russland und den Export von Energie aus Russland beschränken, sondern über ihre Exportgesellschaft Gazprom Export auch ihre Aktivitäten im Ausland, einschließlich des Vertriebs von Energie an Endverbraucher, verstärken.
Gazprom äußerte sich auf einer Hauptversammlung am 29. Juni 2007 zu seiner weiteren zukünftigen Strategie. Das Unternehmen möchte auch in Zukunft der wichtigste Gaslieferant in Russland bleiben, jedoch den Hauptabsatzmarkt Europa durch den Bau von neuen Pipelines sichern. Wichtig dafür ist die geplante Inbetriebnahme der Gasförderung auf der Jamal-Halbinsel in Sibirien im Jahr 2011. Gazprom denkt des Weiteren aktiv über Partnerschaften mit europäischen Partnern nach.[5]
Am 25. Januar 2008 wurde in Moskau in Anwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des serbischen Präsidenten Boris Tadić ohne vorhergehende Ausschreibung ein Kaufvertrag über die Mehrheitsbeteiligung am staatlichen serbischen Energiekonzern Naftna industrija Srbije (NIS) für 400 Millionen Euro unterzeichnet. Zudem einigten sich die russische und serbische Seite bezüglich des Baus der Gaspipeline South Stream über serbisches Territorium, um damit die Gasversorgung Südosteuropas abzusichern.[6]
| Milliarden Kubikmeter | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erdgas | 552,5 | 555,0 | 556,0 | 548,6 | 549,7 | 461.5 | 508.6 |
| Quellen: Gazprom in Zahlen 2004–2008[8]; Gazprom Annual Report 2010 [9] | |||||||
Die Gesamtzahl der Aktionäre beträgt rund 470.000 juristische und natürliche Personen. Der russische Staat kontrolliert über eine Mehrheit im Aufsichtsrat das Management.[10]
Der Anteilsbesitz verteilt sich wie folgt: (Stand: 2006)
Die Begrenzung des Aktienanteils von Ausländern auf höchstens 20 Prozent wurde Ende 2005 aufgehoben.
Gazprom hat 61 hundertprozentige Tochtergesellschaften und hält bei 45 Firmen die Aktienmehrheit. Beteiligt ist Gazprom an 69 Unternehmen, darunter auch bekannte wie die Horizon Investment Company. Die Gazprom-Tochter Gazprom Germania GmbH (Berlin) hält 50 Prozent minus eine Aktie an der deutschen Wingas (mehrheitlich im Besitz der BASF).
Im Inland fordert der Staatskonzern Gazprom Gaspreise, die deutlich niedriger sind als die Preise für Lieferungen ins Ausland, da im eigenen Land die Maximierung der gesellschaftlichen Gesamtwohlfahrt im Vordergrund steht. So erklärt sich, dass Gazprom zwar mengenmäßig knapp zwei Drittel seines Gases im Inland absetzt, damit aber nur rund ein Drittel der Umsatzerlöse erzielt. Manche Experten halten die Inlandspreise für einzelne Verbrauchergruppen für nicht kostendeckend.
Im Exportgeschäft berechnet Gazprom Pressemeldungen zufolge sehr unterschiedliche Preise und plant für 2008 erneut zum Teil erhebliche Preissteigerungen. Die angegebenen Preise beziehen sich jeweils auf 1000 Norm-Kubikmeter Erdgas. (Hinweis: 100 US-$ pro 1000 m³ entspricht rund 1 ct/kWh):
| Land | Gaspreis 2005 in US-$ | Gaspreis 2006 in US-$ | Gaspreis 2007 in US-$ | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Armenien | 56 [11] | 110 [11] | 110 [11] | Preis bleibt bis 2009 konstant für die Abtretung der Gasnetze |
| Aserbaidschan | 60 [11] | 110 [11] | 235 [11] | |
| Baltikum | 90 [11] | 123 [11] | 240 [11] | |
| Deutschland | 200 [11] | 250 [11] | k. A. | |
| Georgien | 68 [11] | 110 [11] | 235 [11] | |
| Moldawien | 80 [11] | 160 [11] | 170 [11] | |
| Polen | 120 [11] | 260 [12] | 290 [13] | |
| Russland | k. A. | 42,6 | 49 | |
| Ukraine | 50 [11] | 95 [11] | 130 [11] | |
| Westeuropa | 174 [11] | 250 [11] | 260 [11] | |
| Weißrussland | 47 [11] | 47 [11] | 110 [11] | schrittweise Erhöhung auf Westeuropa-Niveau bis 2011 vereinbart, Kaufoption für Gasnetz |
→ Hauptartikel: Russisch-ukrainischer Gasstreit
Ende 2005 lief der Vertrag über Gaslieferungen der Gazprom an die Ukraine aus. Verhandlungen über einen neuen Vertrag führten zu keiner Einigung. Gazprom forderte eine drastische Erhöhung des sehr niedrigen Preises (50 US-Dollar je 1000 Kubikmeter) auf das Niveau der Lieferungen an westeuropäische Abnehmerländer (230 US-Dollar). Eine Anhebung des Gaspreises entsprach nicht nur den Gewinninteressen der Gazprom-Gesellschafter, sondern auch Forderungen der Welthandelsorganisation (WTO), die wettbewerbsverzerrende Energiepreissubventionen ablehnt. Die Ukraine war lediglich zu einer schwächeren Erhöhung des Preises bereit. In der Folge kamen am 1. Januar 2006 nur noch 120 Millionen Kubikmeter Gas in der Ukraine an. Bereits einen Tag später betraf der Konflikt weitere Staaten, für deren Gasbezug per Pipeline die Ukraine lediglich ein Transferland ist.
Im weiteren Verlauf des Streits beschuldigte Gazprom den ukrainischen Gasversorger Naftohas, illegal Pipelines anzuzapfen, die durch die Ukraine führen und Erdgas nach Westeuropa transportieren. Der ungarische Gasversorger MOL stellte laut eigenen Angaben einen Rückgang der Gasmenge um ein Viertel fest.
Wenige Tage nach Einstellung der Lieferungen an die Ukraine kam es zu einer Einigung. Gazprom nahm die Lieferungen an die Ukraine wieder auf.
Im Laufe des Jahres 2006 wich die neue Regierung der Ukraine unter dem prorussischen Ministerpräsidenten Wiktor Janukowytsch einem neuerlichen Streit aus und einigte sich diesmal schon früh mit Gazprom über den Preis für 2007: 130 Dollar (100 Euro) für 1000 KubikmeterGas sind zwar 40 Prozent mehr als 2006, aber nur die Hälfte des Gaspreises, den Russland von anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verlangt.
Im Dezember 2006 kulminierte der aus erhöhten Preisforderungen hervorgegangene Streit Gazproms mit Weißrussland, von dem statt bisher etwa 50 US-Dollar pro 1000 m³ (relativ günstig) nun 105 US-Dollar gefordert wurden. Gleichzeitig sollte Russlands westlicher Nachbarstaat 50 Prozent der Anteile am Erdgas-Verteilersystem an den Energiekonzern abtreten.
Zu Preisstreitigkeiten Gazproms in geringerem Maß als der mit der Ukraine und mit Weißrussland kommt es auch mit zwei anderen Erdöl-Lieferanten der ehemaligen Sowjetunion – mit den zentralasiatischen Staaten Usbekistan und Turkmenistan. Ende 2006 musste das kleine Tadschikistan bzw. seine Versorgerfirma Tajikgaz einem fast verdoppelten Preis für Erdgas aus Usbekistan zustimmen; das diesbezügliche Marktvolumen betrug 2007 insgesamt 700 Millionen Kubikmeter Gas für 70 Millionen US-Dollar (100 US-$ pro 1000 m³). Usbekistan ist nach Russland und Turkmenistan der drittgrößte Erdgaslieferant der früheren Sowjetunion.
Gazprom-Manager sehen den direkten Zugang zu jeder Gasheizung in Deutschland und Europa als ihr Ziel. Dies bedeute, dass sie pro tausend Kubikmeter Gas 400 bis 500 US-Dollar einnehmen könnten, statt wie bisher 290 Dollar, so berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant im März 2007. Wenn Gazprom die Anteile an lokalen Gasversorgern in Deutschland erwerben könne, und sich gleichzeitig mit anderen Gasproduzenten wie Algerien, Iran, Katar und Venezuela zu einer Organisation wie der OPEC zusammenschließen könne, welche die Preise bestimmt, würde das die westlichen Energieunternehmen effektiv aus dem Spiel bringen. In diesem Szenario – direkter Zugang zu den Endverbrauchern bei Bildung eines Gaskartells – könne Russland Europa die Preise diktieren. Die EU würde politisch völlig von Moskau abhängig und habe so gut wie kein Mittel, um Gegendruck auszuüben. Europa versuche diese Expansion von Gazprom zu verhindern, doch das Unternehmen halte unbeirrt an seinen Zielen fest.[14] Seit 2001 ist das Forum Gas exportierender Länder (GECF) der Ansatz zur Entwicklung eines Äquivalents zur OPEC im Erdgassektor.
Am 15. April 2007 kündigte Gazprom den Bau eines geplanten Gasturbinenkraftwerks in Kooperation mit dem luxemburgischen Energieversorgungsunternehmen Soteg in Deutschland an. Als Standort des 400 Millionen Euro teuren Projektes ist das brandenburgische Eisenhüttenstadt geplant.
Die Expansionspläne von Gazprom stoßen seit neuestem auf politischen Widerstand. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch wandte sich Anfang Juli 2007 in einem Interview mit der Zeitung Bild am Sonntag gegen die Expansionspläne von Gazprom in Deutschland: „Wenn der russische Konzern Gazprom plötzlich von der Rohstoffgewinnung bis zum deutschen Energiekonzern alles in der Hand halten würde, dann wäre etwas falsch gelaufen. Das fände ich eine gefährliche Abhängigkeit“, erklärte Koch. „Es kann nicht sein, dass zum Beispiel von uns in Deutschland privatisierte Unternehmen, beispielsweise in der Energiewirtschaft, auf einmal ausländischen Regierungen gehören.“ Koch forderte in diesem Zusammenhang einen gesetzlichen Schutz vor unerwünschten Investoren aus dem Ausland.[15]
Im Juli 2008 wurde bekannt, dass Gazprom die gesamten Erdgas- und Erdölexporte Libyens zu aktuellen Marktpreisen aufkaufen wolle. Auch die Energieexporte weiterer Staaten sollen aufgekauft werden.[16]
Der deutsche Publizist Jürgen Roth behauptete im Dezember 2005 in einem Spiegel-Interview, Gazprom stehe „für Korruption, für eine gigantische Selbstbereicherung der früheren sowjetischen Nomenklatura, der neuen russischen Business-Elite und kriminellen Strukturen.“[17]
Stern-Redakteur Hans-Martin Tillack bezeichnete die Betätigung Gazproms in Europa als „Invasion“ und sprach von „Briefkastenfirmen, die nicht einmal einen Briefkasten haben“, ferner von „ineinander verschachtelte[n] Firmen und Unterfirmen, die vor allem eins bewirken: Sie verbergen Geldflüsse“.[18]
Russland weigerte sich bisher, die Europäische Energiecharta zu ratifizieren. Eine Umsetzung der Charta-Bestimmungen würde ausländischen Unternehmen größere Spielräume für unternehmerische Aktivitäten in Russland eröffnen und so Wettbewerb mit Gazprom ermöglichen. Im Jahr 2004 hatte Gazprom einen Anteil von 87 Prozent an der russischen Erdgasproduktion.[10]
Gazprom ist seit 1. Januar 2007 Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.
Um seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland zu steigern, schloss Gazprom einen über fünfeinhalb Spielzeiten laufenden Sponsoringvertrag mit Schalke 04 ab. Gazprom zahlt dem Verein einen Sockelbetrag von rund 12 Millionen Euro pro Jahr. Abhängig vom sportlichen Erfolg gibt es Zulagen, so dass das Sponsoring über die Gesamtvertragslaufzeit ein Volumen von bis zu 125 Millionen Euro erreichen kann.[19] Im Mai 2011 wurde der Vertrag zwischen Schalke und Gazprom bis Ende Juni 2017 verlängert.[20]
Darüber hinaus ist Gazprom Eigentümer des russischen Fußballvereins Zenit St. Petersburg, Hauptsponsor des serbischen Superligisten FK Roter Stern Belgrad und des russischen Tischtennisvereins Fackel Gazprom Orenburg.
Gazprom unterstützte 2002 und 2003 außerdem das italienische Formel-1-Team Minardi.
Gazprom ist Sponsor des 2009 gegründeten russischen Profi-Radsportteams Katjuscha.
Seit Oktober 2009 ist Gazprom Sponsor für den Blue Fire Megacoaster im Europa-Park in Rust.
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