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Gedankenfreiheit

Die Gedankenfreiheit ist die Freiheit des Denkens, insbesondere in weltanschaulichen und politischen Dingen. Der Begriff findet sich auch in anderen Sprachen (englisch: freedom of thought, französisch: liberté de penser oder liberté de la pensée etc).

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Ursprünglich war die Gedankenfreiheit im Sinne der Meinungsfreiheit, also der Freiheit, seine Gedanken laut und öffentlich auszusprechen, ein Privileg der Herrschenden, das sie nur in Ausnahmefällen auch ihren Untertanen verliehen. Im ausgehenden Mittelalter beginnt sich hier und dort die Idee durchzusetzen, dass die Untertanen oder deren Fürsprecher das Recht auf Gedankenfreiheit wenn nötig selbständig einfordern sollten. Verkörpert finden wir diese Idee z.B. in Friedrich Schillers Theaterstück Don Karlos, wo der Marquis von Posa vom allmächtigen König verlangt: Geben Sie Gedankenfreiheit.

Posas Konzept widerspricht allerdings der Auffassung, wonach die Meinungsfreiheit sich aus dem Naturrecht ableiten lasse, also vom Staat nicht gnädig „gegeben“ bzw. „gewährt“ werde, sondern „gewährleistet“ werden müsse. Immanuel Kant behauptet in seiner Schrift Was ist Aufklärung?, dass die Meinungsfreiheit (und damit die Gedankenfreiheit) im Zeitalter des Aufgeklärten Absolutismus nicht mehr erkämpft werden müsse, da sie von „guten, aufgeklärten Fürsten“ wie Friedrich dem Großen längst gewährleistet werde. Eine „ungnädige“ Rücknahme dieser Freiheit, wie sie u.a. von Friedrichs Nachfolgern im Amt des preußischen Königs praktiziert wurde, ist allerdings entgegen Kants Behauptung nur in einem entwickelten, stabilen Rechtsstaat ausgeschlossen.

Das Ideal

Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Entwicklung im deutschen Sprachraum abgeschlossen. Das Ideal findet in Hoffmann von Fallerslebens Bearbeitung des Volkslieds Die Gedanken sind frei sein Sinnbild. All seine Aspekte finden darin ihren adäquaten Ausdruck. Die Gedanken sind nicht nur frei, sie sind auch unergründlich (wer kann sie erraten) und der Erkenntnis verschlossen (kein Mensch kann sie wissen). Dem machtvollen Ich denke, was ich will und was mich beglücket lässt der Dichter sogleich die sittliche Begrenzung folgen: Doch alles in der Still' und wie es sich schicket. Denn wahre Stärke liegt, wie schon die Philosophen der Antike wussten, nur in der Beherrschung seiner selbst. Ebenfalls nicht vernachlässigt wird in diesem Bild der Humor, der überall, wo um die Verwirklichung des Ideals gerungen wird, eine maßgebende Rolle spielt: Man kann ja im Herzen stets lachen und scherzen. Damit kommt auch ein weiterer wichtiger Aspekt der Gedankenfreiheit zum Zuge: die Individualität.

Die Bedeutung dieses Texts für die Idee der Gedankenfreiheit ersieht sich daraus, dass das Lied im deutschen Sprachraum verschiedenen Widerstandsbewegungen als Inspiration gedient hat und von Wander- und Studentenbewegungen aller Arten als Hymne benutzt wurde.

Die Situation heute

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO hält fest, dass jedermann Anspruch auf Gedankenfreiheit hat. Der gleiche Anspruch wird für alle Mitgliedstaaten des Europarats in ähnlich lautenden Erklärungen der EMRK zusätzlich gewährleistet.

Siehe auch

Quellen

  • Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO, zitiert in Religionsfreiheit
  • EMRK des Europarats, zitiert in Religionsfreiheit
  • Johann Nestroy: Freiheit in Krähwinkel, in Sämtliche Werke, ed. John R.P. McKenzie, Jugend und Volk, Wien 1995
  • Karl Kraus: Nestroy und die Nachwelt, in Untergang der Welt durch Schwarze Magie, Verlag Die Fackel, Wien 1925
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