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Der 9. Aw (hebr. tisch'a beAv oder Tisha B'Av, תשעה באב) ist der neunte Tag des Monats Av (vergleiche: Jüdischer Kalender). Er ist ein jüdischer Fast- und Trauertag, an welchem der Zerstörung des Jerusalemer Tempels gedacht wird.
Inhaltsverzeichnis |
Die rabbinische Überlieferung (m Taan 4,6) verlegte die Zerstörung des 1. und des 2. Tempels sowie die Zerstörung Betars im Bar-Kochba-Aufstand (132–135 n. Chr.) auf den „tish‘a beAv“. Ebenso fällte angeblich Gott am 9. Av das Urteil über die jüdischen Vorfahren nach der Sünde des Goldenen Kalbs. Am 9. Av geschah auch das "Umpflügen" der Stadt Jerusalem durch die Römer.
Der 9. Av ist neben Jom Kippur der einzige öffentliche Fasttag. Er dauert ganze 25 Stunden(von Sonnenuntergang am Vorabend bis zum Erscheinen der Sterne am nächsten Tag).
Im synagogalen Gottesdienst werden unter anderem die Klagelieder und besondere Qinot gelesen. Zum Verständnis für die Hintergründe der Zerstörung des Zweiten Tempels dient unter anderem die talmudische Erzählung von Kamza und Bar-Kamza.
Eine chassidische Sage besagt, dass der Maschiach (hebräisch Messias) ebenfalls am 9. Av geboren werden wird. Dies solle ein Zeichen dafür sein, dass Gott den Juden und der gesamten Welt ihre Vergehen verziehen hat.
Nach der Mischna (Trakat Taanit, 4:6), haben sich fünf Unglücke am neunten Av ereignet, die das Fasten rechtfertigen:
Der Talmud (Traktat Taanit) sagt, dass die Zerstörung am 9. Av begann und am 10. Av endete.
(Jüdische Zeitrechnung / gregorianische Zeitrechnung)
Am 9. Av fängt man schon am Abend vorher zu fasten an. Für den 9. Av gelten die gleichen Vorschriften wie für den Versöhnungstag: Es darf weder gegessen noch getrunken werden, man darf sich weder baden noch den Körper einsalben, keine Lederschuhe tragen und keinen Geschlechtsverkehr ausüben.
Man grüsst sich auch nicht am 9. Av. Bei der "letzten Mahlzeit vor dem Fasten" (Se´uda Mafseket) isst man im allgemeinen ein hartgekochtes Ei - das als Zeichen der Trauer gilt -, das in Asche getunkt wurde, die an die Asche erinnert, die vom Tempel übrig blieb. Diese "letzte Mahlzeit vor dem Fasten" isst man auch für sich allein, ohne die sonst übliche Tischgemeinschaft - ein starkes Symbol der Trauer, weil ja das gemeinschaftliche Zeremoniell im jüdischen Leben im allgemeinen stark betont wird.
Man geht in der Nacht in die Synagoge, setzt sich nach dem Abendgebet auf den Boden oder einen niedrigen Hocker. Und in einem schwachen Licht - Vorhang und Decken fehlen bei Toraschrein und Pult - werden die Klagelieder vorgelesen, als deren Verfasser Jeremia gilt, der Prophet der Zerstörung. Danach folgen weitere Trauergesänge, die Kinoth, die verschiedene Dichter im Mittelalter verfasst haben. Die Gemeinde hört diesen Vorträgen stumm zu; der Gottesdienst endet mit einigen tröstlichen Versen aus den Propheten (Sach. 1).
Dann steht man auf und verlässt grusslos das Gotteshaus. Nach dem Tagesausgang am 9. Av unterbricht man das Fasten mit einer Milchspeise. Bis in die Nachmittagsstunden des 10. Av sieht man davon ab, sich die Haare schneiden zu lassen, sich zu rasieren, Fleisch zu essen und Wein zu trinken wie auch zu heiraten.
Fällt der 9. Av auf einen Schabbat, wird das Fasten um einen Tag verschoben. Es beginnt dann am Sabbatausgang. In solch einem Fall darf man schon am Ende des nächsten Tages, d.h. am 10. Av, Fleisch essen und Wein trinken, und es darf auch geheiratet werden.
Zur liturgischen Entwicklung siehe: Ismar Elbogen: Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung. 3. verbesserte Auflage. Kauffmann, Frankfurt am Main, 1931 (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. 21, ZDB-ID 846656-7).
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