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Die Gemäldegalerie Düsseldorf war eine weltberühmte[1] Gemäldesammlung mit Schwerpunkt auf der italienischen, flämischen und niederländischen Malerei der Renaissance und des Barock, bereichert durch niederländisch-deutsche und italienisch-venezianische Werke. Sie galt als „eine für damalige Verhältnisse an Umfang und Qualität erlesene Kollektion [und als] grandioser Bilderschatz.“[2] Die über 1000 Exponate umfassende Kollektion ist heute in aller Welt zerstreut. Weniger als 40 Gemälde befinden sich noch in Düsseldorf; viele Bilder bilden heute den Grundstock der Münchner Pinakothek.
Die Gemälde waren in einem dreiflügeligen Galerieanbau beheimatet, der von 1709 bis 1712 neben dem Residenzschloss nach dem Entwurf des Hofarchitekten Jacob du Bois, einem Halbbruder Gabriel de Grupellos,[3] errichtet worden war. Das Gebäude zählte zu den „frühesten selbständigen Museumsbauten Europas“.[2] Der barocke Backsteinbau, in dessen Erdgeschoss Abgüsse nach Antiken und große Statuen ausgestellt wurden, war auf der Nordseite mit dem Schloss verbunden, so dass der Kurfürst die Galerie von seinen Gemächern aus betreten konnte.[4] Denis Diderot,[5] Aurelio de' Giorgi Bertola, Goethe, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, Thomas Jefferson und Clemens Brentano[6] sowie die späteren französischen Könige Ludwig XVIII. und Karl X.[7] haben die Galerie besucht. Thomas Rowlandson beschrieb sie als „einer der besten Gemäldegalerien ganz Europas“.[1]
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Die Wurzeln des ersten Sammlungsbereiches liegen in der Kurfürstlichen Sammlung von Johann Wilhelm, der die kleine Sammlung, die er in Düsseldorf vorfand, mit seiner zweiten Frau, der Prinzessin Anna Maria Luisa de’ Medici, erweiterte und ein eigenes Ausstellungsgebäude für sie anlegen ließ. Das 18. Jahrhundert hindurch war die Gemäldegalerie eine vielgerühmte Sehenswürdigkeit, die Menschen von weit her anzog. 1776/1777 feierte der Schriftsteller Wilhelm Heinse seinen literarischen Durchbruch, nachdem er im Teutschen Merkur Über einige Gemälde der Düsseldorfer Galerie geschrieben hatte. An Johann Wilhelm Ludwig Gleim schrieb er:
„Wir haben hier eine Sammlung von Gemählden, dergleichen sich kein Ort in Teutschland rühmen kann, selbst Dresden nicht ausgenommen; und wenn in Griechenland eine Stadt schon wegen einer Bildsäule, oder eines Gemähldes von einem ihrer großen Meister, berühmt war: was sollte Düsseldorf nicht seyn durch ganz Europa, wenn die Kunst noch so geschätzt würde, und noch so in Ehren stünde? Auch reisen die Engelländer, noch die ersten Menschen ohngeachtet aller ihrer Unarten, in Menge hieher, bloß um sie zu betrachten. (…) Die Sammlung ist nicht so zahlreich, wie andre, enthält aber dafür destomehr Meisterstücke; (…) Pfalz ist ein glückliches Land, und die Ufer des Rheins bieten den in vielen andern Gegenden in die Irre gehenden Musen einen reizenden und sichern Aufenthalt an.“
– Wilhelm Heinse, Brief vom 27. Februar 1778[8]
1795, während des Ersten Koalitionskriegs, wurden die Kunstschätze wegen der herannahenden französischen Revolutionsarmee nach Mannheim gebracht. Nach dem Friedensschluss von Lunéville veranlassten die Stände des Herzogtums Berg die Rückführung der Gemäldegalerie. Nach dem Vertrag von Brünn, dem Frieden von Pressburg und dem Vertrag von Schönbrunn kam es 1805/1806 zu einem Ländertausch zwischen dem Königreich Preußen, Kurpfalz-Bayern und Frankreich, in dessen Folge Kurpfalz-Bayern die Souveränität über das Herzogtum Berg, das durch den Rheinbund wenige Monate später zum Großherzogtum Berg erhoben werden sollte, Napoléon Bonaparte überließ. Zuvor wies Kurpfalz-Bayern, das durch die Diplomatie Maximilian Josephs zum Königreich Bayern aufstieg, allerdings seine Behörden an, die Sammlung der Düsseldorfer Galerie nach Kirchheim-Bolanden zu bringen. Später wurde die Sammlung von dort nach München gebracht.
In verschiedenen Ansätzen bemühten sich Kräfte in Düsseldorf, die Sammlung zurückzuholen. Nach dem Deutschen Krieg, den das Königreich Bayern auf der Seite des Kaisertums Österreich gegen Preußen und seine Bündnispartner 1866 verloren hatte, drängten die Stadt und der rheinische Provinziallandtag auf die Rückgabe der Gemäldegalerie als Bedingung für einen Friedensschluss. Die Sache zog sich jedoch hin. Aufgrund des Staatsvertrages zwischen Preußen und Bayern im Jahre 1870, in dem Preußen es vorzog, andere Zugeständnisse von Bayern zu erhalten, musste Düsseldorf schließlich auf die Rückgabe der überführten kurfürstlichen Gemäldesammlung endgültig verzichten.[9] Die in Bayern somit verbliebene Sammlung bildet heute das Kernstück der Münchner Pinakothek. Der Wert der Sammlung wurde damals auf 2.100.000 Taler geschätzt. Düsseldorf reichte daraufhin im Jahre 1872 eine Petition bei dem Kaiser Wilhelm I. ein, um eine Entschädigung für die verlorenen Galeriebestände zu erhalten. Der Kaiser gab dem Gesuch statt und gewährte eine relativ bescheidene Summe von 150.000 Talern zur Errichtung einer neuen Kunsthalle. In der Folge gehörte diese Kunsthalle zu den ersten Museen in Deutschland, die ausschließlich der Sammlung und Ausstellung der Gegenwartskunst gewidmet waren.[10]
Ohne die Galerie wäre die für Düsseldorf so wichtige Kunstakademie nicht entstanden. Der als Beamtensohn geborene, in Rom zum Maler ausgebildete Wilhem Lambert Krahe war 1756 auf Empfehlung des kunstsinnigen Kardinals Alessandro Albani Direktor der Düsseldorfer Galerie geworden. Um 1762 gründete Krahe eine Zeichenschule, möglicherweise nach dem Vorbild der 1758 von Peter Anton von Verschaffelt in Mannheim gegründeten Zeichenschule sowie im Zusammenhang mit der Krahe übertragenen Aufgabe der Schaffung von Deckenbildern im Schloss Benrath.[11] Aus der Zeichenschule Krahes ging später die Kunstakademie Düsseldorf hervor.
Die Galerie war in vier Klassen eingeteilt. Die erste zeigte 50 Gemälde von Peter Paul Rubens, darunter auch das „Jüngste Gericht“. Die zweite zeigte Werke der bekanntesten flämischen Maler wie Anthonis van Dyck. Die dritte zeigte Werke des holländischen Malers Adriaen van der Werff, die vierte und größte präsentierte Werke von Raffael, Giulio Romano, Guido Reni, Tizian, „Paul Veronese“, Antonio da Correggio, „Franz Albano“, Rubens, van Dyck, Rembrandt. Die Galerie war mit Marmor- und Bronzestatuen ausgestattet, genommen nach italienischen Modellen.[1]
Allein 46 Gemälde von Peter Paul Rubens waren in der Gemäldegalerie. Dazu 21 Werke von Anthonis van Dyck, von Jan Brueghel d.Ä. sowie italienischer Maler wie Annibale Carracci, Michelangelo und Leonardo da Vinci. Zu der Gemäldegalerie gehörten auch das Werk „Huldigung der Künste“ von Adriaen van der Werff, das als eines von vier Gemälden aus München nach Düsseldorf zurückkehren konnte, Stillleben von Rachel Ruysch und Eglon Hendrik van der Neer, Werke holländischer Maler aus der Zeit um 1700 wie Herman van der Mijn, Coenraet Roepel, Gerard Hoet und Gerard de Lairesse, weiter Werke von Paul Bril, Hans Rottenhammer und Adam Elsheimer sowie Werke venezianischer Maler wie Antonio Bellucci, Giovanni Antonio Pellegrini, Domenico Zanetti.[2]
Rund 30 Gemälde aus der kurfürstlichen Gemäldegalerie sind heute in Düsseldorf zu bewundern, darunter drei der Werke aus der Alten Pinakothek, die ursprünglich zur Düsseldorfer Gemäldegalerie gehörten und als Dauerleihgaben zum Museumsbestand zählen: Himmelfahrt Mariae und Venus und Adonis von Peter Paul Rubens, sowie Samson und Delila von Jodocus van Winghe.[12]
Nicolas de Pigage (Erbauer des Schlosses Benrath) präsentierte im Jahre 1778 in einem Prachtkatalog die Gemälde der Galerie. Diese wurden durch Kupferstiche, gefertigt von Christian von Mechel aus Basel dargestellt. Geordnet wurden die Gemälde nach Sälen und Wände.
Wandaufriss des Rubenssaales mit dem „Jüngsten Gericht“
Samson und Delila von Jodocus van Winghe
Minerva, Merkur und Plutus huldigen der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici, vermutlich von Antonio Bellucci
Doppelbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de’ Medici
Herzog Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg mit Anna Maria Luisa de’ Medici