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Als genetisch verwandt nennt man in der Linguistik Sprachen, die sich aus einer gemeinsamen Ur- oder Protosprache herleiten lassen. Darüber hinaus bezeichnet der Begriff genetisch allgemein in der Linguistik eine Klasse von Fragestellungen und Problemen, welche bestimmte Aspekte der Entstehung oder Herkunft einer Sprache betreffen[1]. Genetisch verwandte Sprachen fasst man zu einer Sprachfamilie oder allgemeiner zu einer genetischen Einheit zusammen. Diese werden über das Merkmal der gemeinsamen Neuerungen (z. B. in der Phonologie, Wortbildung, Morphologie) definiert.
Inhaltsverzeichnis |
Der Nachweis, ob zwei oder mehrere Sprachen genetisch miteinander verwandt sind, gilt als erbracht, wenn die Sprachen hinreichend viele gemeinsame Züge aufweisen und die beiden folgenden möglichen Ursachen für die Gemeinsamkeiten ausreichend ausgeschlossen werden können:
Die Frage, wann die alternativen Ursachen hinreichend ausgeschlossen sind, ist ein Gegenstand der linguistischen Diskussion.
Es gibt darüber hinaus keine Möglichkeit nachzuweisen, dass zwei Sprachen nicht genetisch verwandt sind.
Abgegrenzt werden muss der Begriff der genetischen Verwandtschaft in der Linguistik von dem Begriff der genetischen Verwandtschaft in der Biologie, im speziellen Fall in der Anthropologie bzw. Ethnologie: Die Sprecher von genetisch verwandten Sprachen müssen nicht auch ethnologisch (biologisch-genetisch) verwandt sein. Als Beispiel dafür kann das Englische dienen: Nicht jeder englische Muttersprachler stammt aus direkter Linie von den Angelsachsen ab.
Die Kreolsprachen lassen sich ebenfalls nicht mit den Begriffen der genetischen Verwandtschaft erfassen. Sie werden von einer eigenen Unterabteilung der Linguistik, der Kreolistik, untersucht.
Ähnlich wie die Kreolsprachen lassen sich auch die meisten Plansprachen nicht oder nur schwer genetisch klassifizieren, obwohl man deren Ursprung meist genau kennt.