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Georg Leyh (* 6. Juni 1877 in Ansbach; † 19. Juni 1968 in Tübingen) war ein deutscher Bibliothekar und Bibliothekswissenschaftler.
Inhaltsverzeichnis |
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Ansbach studierte Leyh ab 1896 in München, Straßburg und Tübingen Philologie und Geschichte. Er wurde 1903 in Tübingen mit einer Arbeit zu den Novellen Gottfried Kellers promoviert. 1904 trat er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek Posen in den Bibliotheksdienst ein. Er war in den folgenden Jahren an den Universitätsbibliotheken in Göttingen (1906–1907), Königsberg (1907), Berlin (1907–1909) und wiederum Göttingen (1909–1913) tätig. Von 1908 bis 1910 war er kommissarischer Leiter der Bibliothek des Preußischen Historischen Instituts in Rom. 1913 ging Leyh an die Königliche Bibliothek nach Berlin, 1915 als Oberbibliothekar an die Universitätsbibliothek Breslau. Von 1914 bis 1917 leistete er Militärdienst im Ersten Weltkrieg. 1920 wurde Leyh Direktor der Universitätsbibliothek Halle, 1921 der Universitätsbibliothek Tübingen, wo er bis zu seiner Pensionierung 1947 blieb. Eine Rückkehr an die Berliner Staatsbibliothek als Erster Direktor scheiterte 1934 vermutlich aus politischen Gründen.
Leyh gilt als eine der bestimmenden Personen des deutschen Bibliothekswesens in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. 1912 plädierte er in einem grundlegenden Aufsatz (Das Dogma von der systematischen Aufstellung) aus Gründen der Raumersparnis für die „mechanische“, nicht nach Themen geordnete Aufstellung von Büchern in Bibliotheksmagazinen, die in den folgenden Jahrzehnten von den meisten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland übernommen wurde. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten zu weiteren Fragen des Bibliothekswesens (etwa Bibliotheksorganisation oder Bibliotheksbau), gestützt auch auf seine Erfahrungen in der Universitätsbibliothek Tübingen.
Daneben war Leyh vor allem auf dem Gebiet der Bibliotheksgeschichte publizistisch tätig. Er war Herausgeber der 2. Auflage des Handbuchs der Bibliothekswissenschaft, nachdem er bei der 1. Auflage bereits Mitherausgeber von Fritz Milkau gewesen war. Von 1922 bis 1944 gab er das Zentralblatt für Bibliothekswesen heraus. An der Universität Tübingen war er seit 1928 Honorarprofessor für Bibliothekswissenschaft. Leyh vertrat das klassische Berufsbild des (geistes-)wissenschaftlich gebildeten Bibliothekars und lehnte eine Konzentration auf eine reine Verwaltungsarbeit im Bibliothekswesen ab.
Leyh war von 1935 bis 1937 Vorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB). Er versuchte die Eigenständigkeit des nationalsozialistisch gleichgeschalteten Berufsverbandes zu bewahren, musste aber 1937 zurücktreten. 1951 wurde er Ehrenmitglied des VDB. Er war ferner seit 1920 Mitglied des Bibliotheksausschusses der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft/Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Nach 1945 trat Leyh trotz der zunehmenden politischen Spaltung für die Einheit des deutschen Bibliothekswesens ein und lehnte etwa die Gründung der Deutschen Bibliothek und eine westdeutsche Konkurrenz zum Zentralblatt für Bibliothekswesen ab. 1954 nahm er den Nationalpreis der DDR an. Später kritisierte er allerdings politisch beeinflusste Entwicklungen im Bibliothekswesen der DDR.[1]
Bibliographie in: Viktor Burr (Hrsg.): Georg Leyh: Verzeichnis seiner Schriften. Wiesbaden 1957.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leyh, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bibliothekar |
| GEBURTSDATUM | 6. Juni 1877 |
| GEBURTSORT | Ansbach |
| STERBEDATUM | 19. Juni 1968 |
| STERBEORT | Tübingen |