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Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Hegel (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
portrÀtiert von Jakob Schlesinger, 1831
Hegels Unterschrift 1802

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (* 27. August 1770 in Stuttgart; † 14. November 1831 in Berlin) war ein deutscher Philosoph, der als wichtigster Vertreter des Deutschen Idealismus gilt.

Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhĂ€ngend, systematisch und definitiv zu deuten. Sein philosophisches Werk zĂ€hlt zu den wirkmĂ€chtigsten der neueren Philosophiegeschichte.

Hegels Werk gliedert sich in „Logik“, „Naturphilosophie“ und „Philosophie des Geistes“, die unter anderem auch eine Geschichtsphilosophie umfasst.

Nach Hegels Tod kam es zu einer Aufspaltung seiner AnhĂ€nger in eine „rechte” und eine „linke” Gruppierung. Die Rechts- oder Althegelianer wie Eduard Gans und Karl Rosenkranz folgten der hegelschen Philosophie, wĂ€hrend die Links- oder Junghegelianer wie Ludwig Feuerbach oder Karl Marx das Staatstragende in Hegels Philosophie kritisierten.

Insbesondere Karl Marx wurde von Hegel nachhaltig geprĂ€gt. Seine Philosophie gilt als einer der zentralen Ausgangspunkte fĂŒr den Marxismus. Die Werke Hegels wurden außerdem zum Ausgangspunkt zahlreicher anderer Strömungen im gesamten Bereich der Kultur, wie der Wissenschaftstheorie, aber auch in der Kunst (z. B. Richard Wagner[1]) und Kunsttheorie,[2] Soziologie, Historie, Theologie, Politik und Jurisprudenz. Hegels Werke ĂŒbten entscheidenden Einfluss auf die im 19. Jahrhundert entstehende Existenzphilosophie (SĂžren Kierkegaard) aus. Aber auch auf den französischen Existentialismus, vor allem Jean-Paul Sartre, hat Hegel stark eingewirkt. Die Methode Hegels, den Gegenstand dadurch zu begreifen, dass alle seine Ansichten zur Darstellung gebracht werden, erlaubte es, dass sich die gegensĂ€tzlichsten Vertreter auf Hegel berufen haben und noch heute berufen.[3]

Im Hegelhaus Stuttgart befindet sich eine Dauerausstellung ĂŒber den Lebensweg Hegels. Ihm zu Ehren verleiht die Stadt Stuttgart alle drei Jahre den internationalen Hegel-Preis. Die Ă€lteste und bedeutendste Vereinigung, die sich der hegelschen Philosophie widmet, ist die Internationale Hegel-Gesellschaft.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Inhaltsverzeichnis

Leben

FrĂŒhe Zeit (1770–1800)

Schul- und Studienzeit

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (seine Familie nannte ihn Wilhelm) wurde am 27. August 1770 in Stuttgart geboren und wuchs in einem pietistischen Elternhaus auf. Der Vater Georg Ludwig (1733–1799), geboren in TĂŒbingen, war RentkammersekretĂ€r in Stuttgart und entstammte einer Familie von Beamten und Pfarrern. Hegels Mutter, Maria Magdalena Louisa Hegel (geborene Fromm, 1741–1783), stammte aus einer wohlhabenden Stuttgarter Familie.

Vermutlich seit 1776 besuchte Hegel ein Gymnasium Stuttgarts, seit 1784 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Seine Interessen waren breit gestreut. Besonderes Augenmerk widmete er der Geschichte, insbesondere der Antike und den alten Sprachen. Ein weiteres frĂŒhes Interesse bildete die Mathematik. Er besaß Kenntnisse der damals vorherrschenden wolffschen Philosophie. Die ĂŒberlieferten Texte aus dieser Zeit weisen den Einfluss der SpĂ€taufklĂ€rung auf.[4]

1788 nahm Hegel in TĂŒbingen an der Eberhard Karls UniversitĂ€t das Studium der Theologie auf. Er wurde in das TĂŒbinger Stift aufgenommen, wo die zukĂŒnftigen Theologen neben der wissenschaftlichen Ausbildung eine auch zu Hegels Zeit als bedrĂŒckend empfundene Erziehung erhielten.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Nach nur zwei Jahren erhielt Hegel im September 1790 den Grad eines Magisters der Philosophie, 1793 wurde ihm das theologische Lizenziat verliehen. Hegels Abschlussbescheinigung besagt, dass er gute FÀhigkeiten und vielfÀltige Kenntnisse gehabt habe.

Hegel profitierte viel von dem intellektuellen Austausch mit seinen spĂ€ter berĂŒhmten (zeitweiligen) Zimmergenossen Hölderlin und Schelling. Durch Hölderlin begeisterte er sich fĂŒr Schiller und die alten Griechen, wĂ€hrend die pseudo-kantianische Theologie seiner Lehrer ihn mehr und mehr abstieß. Schelling teilte diese Ideen. Sie alle protestierten gegen die politischen und kirchlichen inneren ZustĂ€nde in ihrem Heimatstaat und formulierten neue Prinzipien von Vernunft und Freiheit.

Im Sommer 1792 nahm Hegel an den Versammlungen eines revolutionĂ€r-patriotischen Studentenclubs teil, der Ideen aus Frankreich nach TĂŒbingen brachte. Seine Mitglieder lasen mit großem Interesse französische Zeitungen; Hegel und Hölderlin wurden als Jakobiner bezeichnet. Hegel soll dabei „der enthusiastische FĂŒrsprecher von Freiheit und Gleichheit“ gewesen sein.[5]

„Hofmeister“ in Bern 


Nachdem Hegel die Hochschule verlassen hatte, erhielt er 1793 eine Anstellung als Hauslehrer in Bern, wo er den Kindern des KapitĂ€ns Karl Friedrich von Steiger Privatunterricht geben sollte. Die vergleichsweise liberalen Ideen der Steigers fielen bei Hegel auf fruchtbaren Boden. Die Steigers fĂŒhrten Hegel auch in die damalige soziale und politische Situation in Bern ein.

Hegel verbrachte die Sommer mit den Steigers auf ihrem Weingut in Tschugg bei Erlach, wo ihm die Privatbibliothek der Steigers zur VerfĂŒgung stand. Er studierte dort die Werke von Montesquieu (Esprit des Lois), Grotius, Hobbes, Hume, Leibniz, Locke, Machiavelli, Rousseau, Shaftesbury, Spinoza, Thukydides und Voltaire. Hegel legte so in seiner Berner Periode die Grundlage fĂŒr sein breites Wissen in Philosophie, Sozialwissenschaften, Politik, Volkswirtschaft und politischer Ökonomie.

In Bern hielt Hegel sein Interesse fĂŒr die revolutionĂ€ren politischen Ereignisse in Frankreich aufrecht. Seine Sympathie galt bald der „Girondisten“-Fraktion, weil er zunehmend ernĂŒchtert wurde durch die ĂŒbermĂ€ĂŸige BrutalitĂ€t der jakobinischen Schreckensherrschaft. Er gab allerdings nie sein frĂŒheres positives Urteil ĂŒber die Ergebnisse der französischen Revolution auf.

Ein anderer Faktor in seiner philosophischen Entwicklung kam aus seinem Studium des Christentums. Unter dem Einfluss von Lessing und Kant bemĂŒhte er sich, aus den Berichten des Neuen Testamentes die wirkliche Bedeutung von Christus zu analysieren und das spezifisch Neue des Christentums zu erfassen. Die AufsĂ€tze, die er nur fĂŒr sich selbst schrieb, wurden erst postum 1907 von dem Dilthey-SchĂŒler Nohl unter dem Titel ‚Hegels theologische Jugendschriften‘ veröffentlicht (und lösten damit ein erneuertes Interesse an Hegel aus).


 und in Frankfurt

Zum Ende seines Vertrags in Bern erwirkte Hölderlin, jetzt in Frankfurt, eine Hauslehrerstellung fĂŒr seinen Freund Hegel in der Familie von Herrn Johann Noe Gogel, einem Wein-GroßhĂ€ndler im Zentrum Frankfurts.

Hegel setzte in Frankfurt seine Studien der Volkswirtschaft und Politik kontinuierlich fort; so befasste er sich mit Edward Gibbons Untergang des Römischen Reiches, mit Schriften von Hume und Montesquieus Der Geist der Gesetze. Hegel begann sich fĂŒr Fragen der Wirtschaft und der tĂ€glichen Politik zu interessieren. Dabei waren es hauptsĂ€chlich die Entwicklungen in England, die er durch regelmĂ€ĂŸige LektĂŒre der englischen Zeitungen verfolgte. Er folgte mit geschĂ€rftem Interesse den parlamentarischen Debatten ĂŒber den „Bill von 1796“, die so genannten Armenrechte ĂŒber die öffentliche SozialfĂŒrsorge, wie auch den Nachrichten ĂŒber die Reform des preußischen Zivilrechts („Landrecht“).

Jena: Beginn der UniversitĂ€tskarriere (1801–1807)

Als im Januar 1799 sein Vater starb, empfing Hegel ein bescheidenes Erbe, das es ihm aber ermöglichte, wieder an eine akademische Karriere zu denken. Im Januar 1801 erreichte Hegel Jena, das zu dieser Zeit stark durch die Philosophie Schellings geprĂ€gt war. In der ersten Veröffentlichung Hegels, einem Aufsatz ĂŒber den Unterschied der Philosophischen Systeme Fichtes und Schellings (1801), stellte sich Hegel, bei allen sich schon andeutenden Differenzen, in der Hauptsache hinter Schelling und gegen Fichte.

Zusammen mit Schelling gab Hegel 1802–1803 das Kritische Journal der Philosophie heraus. Die Artikel, die Hegel in dieser Zeitschrift schrieb, umfassen so wichtige wie „Glauben und Wissen“ (Juli 1802, eine Kritik von Kant, Jacobi und Fichte) oder „Über die wissenschaftliche Behandlungsarten des Naturrechtes“ (November 1802).[6]

Das Thema der Doktorarbeit, durch die sich Hegel fĂŒr die Stellung als Privatdozent qualifizierte (De orbitis planetarum, 1801), war unter dem Einfluss der Naturphilosophie Schellings gewĂ€hlt. Die Arbeit beschĂ€ftigt sich hauptsĂ€chlich mit der Himmelsmechanik Keplers und Newtons. Im letzten Abschnitt diskutiert sie kritisch das Titius-Bode-„Gesetz“ der PlanetenabstĂ€nde (welches a priori einen Planeten zwischen Mars und Jupiter deduziert) und konstruiert dann (unter Umformung einer platonischen Zahlenreihe) eine andere Zahlenfolge, welche die LĂŒcke in den AbstĂ€nden zwischen Mars und Jupiter besser abbildet.

Hegel (rechts) und Napoleon in Jena 1806, Illustration aus Harper's Magazine, 1895

Hegels erste Jenaer Vorlesung ĂŒber „Logik und Metaphysik“ im Winter 1801/1802 wurde von elf Studenten besucht. Nachdem Schelling Mitte 1803 Jena in Richtung WĂŒrzburg verlassen hatte, arbeitete Hegel nun seine eigenen Ansichten aus. Außer philosophischen Studien von Platon und Aristoteles las er Homer und griechische Tragödien, machte Exzerpte aus BĂŒchern, besuchte Vorlesungen ĂŒber Physiologie und befasste sich mit Mineralogie und anderen Naturwissenschaften.

Ab 1804 hielt Hegel Vorlesungen ĂŒber seine theoretischen Vorstellungen vor einer Klasse von ungefĂ€hr dreißig SchĂŒlern. DarĂŒber hinaus hielt er Vorlesungen ĂŒber Mathematik. WĂ€hrend er unterrichtete, verbesserte er stĂ€ndig sein ursprĂŒngliches System. Jedes Jahr versprach er seinen Studenten aufs Neue ein eigenes Lehrbuch der Philosophie – das immer wieder verschoben wurde.

Nach Empfehlung durch Goethe und Schelling wurde Hegel im Februar 1805 zum a.o. Professor ernannt.

1806 entstand in Jena die PhĂ€nomenologie des Geistes. Wegen der Besetzung Jenas im Jahre 1806 durch französische Truppen unter Napoleon war Hegel gezwungen, die Stadt zu verlassen. Hegel erlebte jedoch den Einzug Napoleons in die Stadt mit und war, als AnhĂ€nger der Französischen Revolution, begeistert davon, diesen „Weltgeist zu Pferde” gesehen zu haben. Er wechselte nach Bamberg und wurde dort Redakteur der Bamberger Zeitung.

Zeit in Bamberg (1807–1808)

Hegel fand in Bamberg 1807 einen Verleger fĂŒr sein Werk PhĂ€nomenologie des Geistes. Er wurde Chefredakteur der Bamberger Zeitung, geriet dort jedoch bald in Konflikt mit dem bayerischen Pressegesetz. Schließlich verließ Hegel 1808 ernĂŒchtert die Stadt in Richtung NĂŒrnberg. Sein journalistisches Engagement sollte eine Episode in seiner Biografie bleiben. Im Jahr 1810 ĂŒbernahm einer seiner Nachfolger, Karl Friedrich Gottlob Wetzel (1779–1819), die Rolle des Chefredakteurs der in FrĂ€nkischer Merkur umbenannten Zeitung.

Den zu dieser Zeit verstĂ€rkt auftretenden Massenmedien blieb er jedoch treu: „Die regelmĂ€ĂŸige LektĂŒre der Morgenzeitung bezeichnete er als realistischen Morgensegen.“[7]

NĂŒrnberg (1808–1816)

Im November 1808 wurde Hegel auf Vermittlung seines Freundes Friedrich Immanuel Niethammer zum Professor der Vorbereitungswissenschaften und Rektor des Egidiengymnasiums NĂŒrnberg ernannt. Hegel unterrichtete dort Philosophie, Germanistik, Griechisch und höhere Mathematik. Er gliederte den Unterricht in diktierte Paragraphen; einen großen Teil der Unterrichtszeit nahmen die von Hegel erwĂŒnschten Zwischenfragen und die anschließenden ErklĂ€rungen in Anspruch. Das so in die Hefte gebrachte philosophische Wissen wurde spĂ€ter von Karl Rosenkranz aus den SchĂŒlermitschriften kompiliert und als Philosophische PropĂ€deutik herausgegeben.

Die erhoffte Ordnung der finanziellen VerhĂ€ltnisse stellte sich allerdings nicht ein. Monatelange GehaltsrĂŒckstĂ€nde brachten Hegel erneut in finanzielle Schwierigkeiten.

Im September 1811 heiratete Hegel die gerade zwanzigjĂ€hrige Marie von Tucher. Der Ehe entsprang eine Tochter, die allerdings kurz nach der Geburt starb. Der nachfolgende Sohn wurde nach Hegels Großvater Karl benannt und spĂ€ter als Professor fĂŒr Geschichte bekannt. Der nachfolgende (zweite) Sohn Hegels erhielt nach seinem Paten Niethammer den Namen Immanuel und brachte es zum KonsistorialprĂ€sidenten der Provinz Brandenburg.

Kurz nach der Eheschließung begann Hegel an seiner Wissenschaft der Logik zu schreiben. 1813 wurde er dann zum Schulrat ernannt, womit sich seine materielle Situation etwas verbesserte.

Heidelberg (1816–1818)

1816 nahm Hegel eine Professur fĂŒr Philosophie an der UniversitĂ€t Heidelberg an. Am 28. Oktober hielt er seine Antrittsvorlesung. Als Vorlesungsleitfaden erschien im Mai 1817 die erste Auflage der EnzyklopĂ€die der philosophischen Wissenschaften.

Er arbeitete in der Redaktion der Heidelberger JahrbĂŒcher fĂŒr Literatur mit. Dort erschien seine Schrift ĂŒber die Verhandlungen der LandstĂ€nde des Königreiches WĂŒrttemberg.

Am 26. Dezember 1817 erhielt Hegel das Angebot von zum Altenstein, dem ersten preußischen Kultusminister, an die Berliner UniversitĂ€t zu kommen.

Berlin (1818–1831)

Hegel mit Berliner Studenten
Lithographie F. Kugler
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Am Kupfergraben, Berlin-Mitte. Spender: Dr. Silvio Bianchi
Grab von Georg Wilhelm Friedrich Hegel

1818 folgte Hegel dem Ruf an die UniversitĂ€t von Berlin, deren Rektor zu dieser Zeit der Theologe Philipp Konrad Marheineke war.[8] Hier wurde er Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Johann Gottlieb Fichte. Am 22. Oktober 1818 hielt Hegel seine Antrittsvorlesung. Von da an las er in der Regel wöchentlich zehn Stunden. Seine Vorlesungen wurden schnell populĂ€r und ihre Hörerschaft vergrĂ¶ĂŸerte sich weit ĂŒber das universitĂ€re Umfeld, denn auch Kollegen und Staatsbeamte suchten nun seine Lehrveranstaltungen auf. 1821 erschien sein letztes von ihm persönlich gefertigtes Werk Grundlinien der Philosophie des Rechts. Hegel wurde 1829 selbst Rektor der UniversitĂ€t. Er starb 1831. Es werden zwei Todesursachen genannt. Mehrheitlich heißt es, er sei an der in Berlin wĂŒtenden Cholera-Epidemie gestorben. JĂŒngere Forschungen vertreten jedoch auch die Ansicht Hegel "starb [...] wahrscheinlich an einem chronischen Magenleiden und nicht an Cholera, wie die offizielle Diagnose lautete".[9][10] Er wurde auf dem DorotheenstĂ€dtischen Friedhof begraben. Die GrabstĂ€tte, als Ehrengrab der Stadt Berlin, befindet sich in der Abteilung CH, G1.

Hegel war in den Berliner Jahren ein AnhĂ€nger der konstitutionellen Monarchie Preußens. Nach seiner Begeisterung fĂŒr den revolutionĂ€ren Aufbruch 1789, dem Erschrecken ĂŒber den Menschen „in seinem Wahn“ (Schiller) und dem Scheitern Napoleons hatte bei Hegel eine politische Neuorientierung stattgefunden. Er söhnte sich mit den politischen Gegebenheiten aus und galt als ein bĂŒrgerlicher Philosoph und trat der Gesetzlosen Gesellschaft zu Berlin bei. Durch Minister Altenstein wurde Hegels Philosophie in Preußen begĂŒnstigt.[11]

Hegels PopularitĂ€t und Wirkung weit ĂŒber seinen Tod hinaus ist vor allem auf die Berliner Zeit zurĂŒckzufĂŒhren. Die UniversitĂ€t war ein wissenschaftliches Zentrum jener Zeit und wurde nach Hegels Tod ĂŒber Jahrzehnte von den Hegelianern dominiert. Konnte Hegels Lehre den Geisteswissenschaften wertvolle Impulse geben, erschien sie den Naturwissenschaften lange Zeit als Hemmschuh oder wurde bestenfalls ignoriert. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der natĂŒrlichen und geistigen PhĂ€nomene macht Hegels Naturphilosophie jedoch wieder zunehmend populĂ€r. Seine SchĂŒler stellten nach dem Tod Hegels aus seinem Nachlass und aus den Mitschriften einzelner Hörer Texte zusammen, die sie als BĂŒcher veröffentlichten.

Im europĂ€ischen Ausland wurde man erst nach seinem Tod auf Hegel aufmerksam. So erwĂ€hnte ihn die Londoner Times erstmals 1838 in einer Rezension russischer Zeitschriften, wovon sich eine in „metaphysischen Spekulationen“ „deutscher Ideen“ aale, allen voran denen von Kant, Fichte und Schelling und „nicht zuletzt Hegel, dessen Ideen ĂŒberall in Europa auf Zustimmung zu stoßen beginnen.“[12]

Einteilung des Werks

Die hegelschen Schriften werden in der Hegelforschung in vierzehn Sektoren eingeteilt, die teils chronologischen, teils systematischen Kriterien entsprechen:[13]

  1. FrĂŒhe Schriften (Jugendschriften)
  2. Jenaer kritische Schriften
  3. Jenaer SystementwĂŒrfe
  4. PhÀnomenologie des Geistes
  5. Logik (kleine und große)
  6. Naturphilosophie
  7. Subjektiver Geist
  8. Objektiver Geist (Grundlinien der Philosophie des Rechts)
  9. Philosophie der Geschichte
  10. Tagespolitische Schriften
  11. Philosophie der Kunst
  12. Religionsphilosophie
  13. Philosophie und Geschichte der Philosophie
  14. EnzyklopÀdie der philosophischen Wissenschaften

Die Texte lassen sich weiterhin in drei Gruppen einteilen:

  1. Texte, die von Hegel verfasst und zu seinen Lebzeiten zur Veröffentlichung gebracht worden sind
  2. Texte, die zwar von ihm verfasst, aber zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht worden sind
  3. Texte, die weder von ihm verfasst, noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden

Zur ersten Textgruppe gehören die Schriften aus dem Anfang der Jenaer Zeit Hegels sowie seine Arbeiten in der gemeinsam mit Schelling herausgegebenen Zeitschrift Kritisches Journal der Philosophie. Weiterhin zĂ€hlen dazu seine Hauptwerke PhĂ€nomenologie des Geistes, die Wissenschaft der Logik, die EnzyklopĂ€die der philosophischen Wissenschaften und die Grundlinien der Philosophie des Rechts. Weiterhin veröffentlichte Hegel nur noch einige kleinere Arbeiten aus aktuellen AnlĂ€ssen und fĂŒr die JahrbĂŒcher fĂŒr wissenschaftliche Kritik.

Fast alle Schriften der zweiten Textgruppe wurden erst im 20. Jahrhundert in einer authentischen Fassung herausgegeben. Sie umfassen die in TĂŒbingen und Jena erstellten Manuskripte Hegels, die Jenaer SystementwĂŒrfe, die Arbeiten aus der NĂŒrnberger Zeit und die Manuskripte und Notizen aus der Heidelberger und Berliner VorlesungstĂ€tigkeit.

Die Gruppe der von Hegel weder verfassten, noch publizierten Texte macht fast die HĂ€lfte der Hegel zugeschriebenen Texte aus. Zu ihnen gehören die fĂŒr die Wirkung Hegels sehr wichtigen Vorlesungen ĂŒber Ästhetik, Geschichtsphilosophie, Religionsphilosophie und Geschichte der Philosophie. Diese Texte sind SchĂŒlerprodukte, die zum grĂ¶ĂŸten Teil das Ergebnis der Kompilation von Nachschriften hegelscher Vorlesungen darstellen.[14]

GrundzĂŒge der hegelschen Philosophie

Historischer Ausgangspunkt

Der Ausgangspunkt der hegelschen Philosophie wie des Deutschen Idealismus ĂŒberhaupt ist das von Kant aufgeworfenene Problem der synthetischen Urteile a priori. Diese sind fĂŒr Kant nur fĂŒr die Mathematik und die Naturwissenschaften möglich. Deren SĂ€tze beruhen auf den Anschauungsformen Raum und Zeit, die die Wahrnehmung erst strukturieren, und den Kategorien, die sie zu einer synthetischen Einheit verbinden.

FĂŒr den Bereich der theoretischen Philosophie verwirft Kant die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, da deren SĂ€tze und SchlĂŒsse die SphĂ€re möglicher Erfahrung ĂŒberstiegen. Dies fĂŒhrt ihn zu einer Ablehnung klassischer philosophischer Disziplinen wie der rationalen Psychologie, Kosmologie und Theologie.

Eine besondere Stellung nimmt dabei das denkende Ich („Ich denke“) ein. Zwar garantiert erst dieses die Einheit der Wahrnehmung, doch können wir fĂŒr Kant davon „niemals den geringsten Begriff haben“ (KrV, Immanuel Kant: AA III, 265[15]). Die Frage nach der Fundierung der Einheit der Wahrnehmung durch das Ich und nach dessen Bewusstsein seiner selbst ist eins der zentralen philosophischen Probleme bzw. Motive des Deutschen Idealismus, wobei Hegel die Kant-Rezeptionen von Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schelling verarbeitet.

„Das Wahre ist das Ganze“: Idee, Natur und Geist

Hegels Anspruch ist es, die Bewegung des Begriffes selbst – die Selbstentfaltung der logischen und realen Kategorien – in systematischer, wissenschaftlicher Form darzustellen. Sein System resultiert dabei aus dem Grundsatz:

Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein. (PG 24)

Dieses Ganze ist in sich unterschieden und kann als eine Einheit von drei SphÀren begriffen werden:

  • Idee,
  • Natur und
  • Geist.

Die Idee ist der Begriff (Logos) schlechthin, aus dem sich die objektiven, ewigen Grundstrukturen der Wirklichkeit[16] ableiten lassen. Damit nimmt er indirekt Bezug auf einen Idee-Begriff wie Platon ihn verstand.[17] Die Logik bestimmt den Inhalt dieses prinzipiellen Begriffes in der Form des Gedankens. Der Versuch, mit einem Schlag unmittelbar zu beantworten, was die Idee sei, muss notwendigerweise scheitern, da der erste Schritt einer jeden Definition nur das reine Sein des betreffenden, noch unbestimmten Begriffes aussagen kann: "Die Idee ist." Die Bestimmung ist also am Anfang noch völlig inhaltslos, abstrakt und leer, und daher gleichbedeutend mit dem Satz: "Die Idee ist Nichts." Hegel folgert daraus, dass nichts so genommen werden kann, wie es unmittelbar als Moment ist, sondern immer in seiner Vermittlung zu betrachten ist: in seiner Abgrenzung (Negation) von anderem, in seiner steten VerĂ€nderung und in seinem VerhĂ€ltnis zum Ganzen, sowie im Unterscheiden von Schein und Wesen. Alles Konkrete ist im Werden begriffen. Ebenso durchlĂ€uft die Idee in der Logik als dem „Reich des reinen Gedankens“ (L I 44) einen Prozess der Selbstbestimmung, der den Inhalt und Umfang durch sich scheinbar ausschließende, einander entgegengesetzte Begriffe stĂ€ndig erweitert. Durch eine Reihe von ÜbergĂ€ngen, deren „hĂ€rtester“ von der Notwendigkeit zur Freiheit fĂŒhrt, bringt diese Selbstbewegung die Idee schließlich zu dem Begriff als Begriff, in dessen „Reich der Freiheit“ (L II 240) sie ihre Ă€ußerste Vollendung in der absoluten Idee erreicht. Ihre absolute Freiheit realisiert diese, indem sie sich „entschließt“, sich selbst zu entĂ€ußern (E I 393) – diese EntĂ€ußerung ist die geschaffene Natur, die Idee „in der Form des Andersseins“.

In der Natur ist die Idee „außer sich gekommen“ und hat ihre absolute Einheit verloren – die Natur ist zersplittert in die Äußerlichkeit der Materie in Raum und Zeit (E II 24). Dennoch wirkt die Idee in der Natur weiter und versucht, ihr eigenes Produkt „wieder in sich zurĂŒckzunehmen“ (E II 24) – die NaturkrĂ€fte, wie die Gravitation, versetzen die Materie in Bewegung, um ihre ideelle Einheit wiederherzustellen. Dies bleibt jedoch innerhalb der Natur selbst letztendlich zum Scheitern verurteilt, da diese als „das Verharren im Anderssein“ (E II 25) bestimmt ist. Die höchste Gestalt in der Natur ist der tierische Organismus, in dem zwar die lebendige Einheit der Idee objektiv angeschaut werden kann, dem aber das subjektive Bewusstsein seiner selbst fehlt.

Was dem Tier versagt bleibt, offenbart sich jedoch dem Geist: der endliche Geist wird sich im einzelnen Menschen seiner Freiheit bewusst (E III 29). Die Idee kann nun durch den Geist zu sich selbst zurĂŒckkehren, indem dieser die Natur (durch Arbeit) wie sich selbst (in Staat, Kunst, Religion und Philosophie) nach der Idee formt bzw. bildet. Im Staat wird die Freiheit zum allgemeinen Gut aller Individuen. Deren BeschrĂ€nktheit hindert aber diese daran, die unendliche, absolute Freiheit zu erlangen. Damit das Ganze vollkommen wird, schafft sich also der unendliche, absolute Geist im Endlichen sein Reich, in dem die Schranken des Begrenzten ĂŒberwunden werden: die Kunst stellt die Wahrheit der Idee fĂŒr die sinnliche Anschauung dar. Die Religion offenbart dem endlichen Geist in der Vorstellung den Begriff von Gott. In der Philosophie schließlich entsteht das GebĂ€ude der Vernunft-geleiteten Wissenschaft, in dem das selbstbewusste Denken die ewige Wahrheit der Idee (in der Logik) begreift und in allem wiedererkennt. Das Absolute wird sich dadurch seiner selbst bewusst als der ewigen, unzerstörbaren Idee, als des Schöpfers der Natur und aller endlichen Geister (E III 394). Außerhalb seiner TotalitĂ€t kann es nichts weiter geben – im Begriff des absoluten Geistes sind auch die extremsten GegensĂ€tze und alle WidersprĂŒche aufgehoben – sie sind alle miteinander versöhnt.

Die Dialektik

Das treibende Moment in der Bewegung des Begriffs[18] stellt die Dialektik dar. Sie ist sowohl Methode als auch das Prinzip der Dinge selbst. Die Dialektik umfasst dabei wesentlich drei Momente, die nicht voneinander abgesondert betrachtet werden können (E I §79):

  1. die abstrakte oder verstÀndige Seite
    Der endliche Verstand bestimmt etwas als seiend: „Das Denken als Verstand bleibt bei der festen Bestimmtheit und der Unterschiedenheit derselben gegen andere stehen; ein solches beschrĂ€nktes Abstraktes gilt ihm als fĂŒr sich bestehend und seiend.“ (E I §80)
  2. die dialektische oder negativ-vernĂŒnftige Seite
    Die unendliche (negative) Vernunft erkennt die Einseitigkeit dieser Bestimmung und verneint sie. Es entsteht so ein Widerspruch. Die begrifflichen GegensĂ€tze negieren einander, d.h. sie heben sich gegenseitig auf: „Das dialektische Moment ist das eigene Sichaufheben solcher endlichen Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzten.“ (E I §81)
  3. die spekulative oder positiv-vernĂŒnftige Seite
    Die positive Vernunft erkennt in sich selbst die Einheit der widersprĂŒchlichen Bestimmungen und fĂŒhrt alle vorherigen Momente zu einem positiven Resultat zusammen, die dadurch in ihr aufgehoben (aufbewahrt) werden: „Das Spekulative oder Positiv-VernĂŒnftige fasst die Einheit der Bestimmungen in ihrer Entgegensetzung auf, das Affirmative, das in ihrer Auflösung und ihrem Übergehen enthalten ist.“ (E I §82)
Dialektik als Bewegung der Dinge selbst

Dialektik ist nicht nur die Darstellung der Vereinigung der GegensÀtze, sondern ist die konstitutive Bewegung der Dinge selbst. Die unendliche Vernunft entzweit sich, so Hegel, permanent neu. Das Bestehende nimmt sie in einem unendlichen Prozess in sich auf und bringt es erneut aus sich heraus. Im Grunde vereint sie sich dabei mit sich selbst (GP 20). Hegel verdeutlicht diese Entwicklung (hier die der Idee des Geistes) anhand einer Samenkornmetapher:

"Die Pflanze verliert sich nicht in der bloßen VerĂ€nderung. So im Keim der Pflanze. Es ist dem Keim nichts anzusehen. Er hat den Trieb, sich zu entwickeln; er kann es nicht aushalten nur an sich zu sein. Der Trieb ist der Widerspruch, dass er nur an sich ist und es doch nicht sein soll. Der Trieb setzt in die Existenz heraus. Es kommt vielfaches hervor; das ist aber alles im Keime schon enthalten, freilich nicht entwickelt, sondern eingehĂŒllt und ideell. Die Vollendung dieses Heraussetzens tritt ein, es setzt sich ein Ziel. Das höchste Außersichkommen ist die Frucht, d.h. die Hervorbringung des Keims, die RĂŒckkehr zum ersten Zustande." (GP I 41)

Existenz ist immer auch VerĂ€nderung. Der Zustand eines Dinges, sein "Sein" ist nur ein Moment seines ganzen Begriffs. Um ihn völlig zu erfassen, muss der Begriff zu sich selbst zurĂŒckkehren, so wie das Samenkorn wieder zu seinem "ersten Zustand" zurĂŒckkehrt. Die "Aufhebung" eines Moments kommt hier doppelt zum Tragen. Einmal zerstört die Aufhebung die alte Form (das Samenkorn) und zum anderen bewahrt sie sie in ihrer Entwicklung auf. Der Entwicklungsgedanke in dieser Konzeption vollzieht sich als Fortschritt, als ein Überschreiten zu einer neuen Form. In der Natur fĂ€llt der Begriff allerdings wieder in sich zurĂŒck (die RĂŒckkehr zum Samenkorn), so dass fĂŒr Hegel die Natur nur ein ewiger Kreislauf desselben ist. Eine echte Entwicklung gibt es erst, wenn die Aufhebung nicht nur RĂŒckkehr in sich selbst bedeutet, sondern auch der Aufhebungsprozess – in seiner Doppelfunktion – zu sich selbst gelangt. Ein wahrer Fortschritt ist daher nur im Reiche des Geistes möglich, d. h. wenn der Begriff von sich selbst weiß, wenn er sich selbst bewusst ist.

Der Begriff

Der Begriff ist bei Hegel der Unterschied der Dinge selbst. Der Begriff ist Negation und Hegel drĂŒckt es auch noch plastischer aus: der Begriff ist die Zeit. In der Philosophie der Natur kommen daher keine neuen Bestimmungen hinzu. Erst in der Philosophie des Geistes kann es einen Fortschritt, ein Über-Sich-Selbst-Hinausgehen geben. Das endliche Moment wird aufgehoben; es geht zugrunde, wird negiert, aber findet in der Einheit seines Begriffs seine Bestimmung. So stirbt der einzelne Mensch, sein Tod erhĂ€lt aber im Erhalt der Gattung seine Bestimmung. Im Reiche des Geistes löst eine Figur des Geistes die vorige ab, z. B. folgt der Gotik die Renaissance. Die Grenze setzt der neue Stil, der einen Bruch im alten Stil darstellt. Hegel nennt diese BrĂŒche auch qualitative SprĂŒnge. In der Natur gibt es fĂŒr Hegel allerdings keine solchen SprĂŒnge; sie kehrt nur ewig in sich selbst zurĂŒck.

Die abstrakte Bewegung der doppelten Negation, der Negation der Negation, lĂ€sst sich als Auflösung des Negativen bestimmen: das Negative wendet sich gegen sich selbst, die Negation setzt sich selbst als Unterschied. Die Bestimmung dieser Selbstauflösung ist ihre höhere Einheit – es ist der affirmative Charakter des Negativen. In der Natur kommt das Negative nicht ĂŒber sich selbst hinaus, sondern bleibt im Endlichen gefangen. Das Samenkorn geht auf, wĂ€chst zu einem Baum, der Baum stirbt und hinterlĂ€sst das Samenkorn; Anfang und Ende fallen zusammen. In der Philosophie des Geistes gibt es eine Entwicklung des Begriffs – die Geschichte. Der Begriff kommt zu sich selbst. Die Negation ist hier nicht zirkulĂ€r, sondern treibt den Fortschritt spiralförmig in eine Richtung hin. Die Negation ist der Motor und das Prinzip der Geschichte, aber sie enthĂ€lt nicht das Ziel ihrer Entwicklung. Die Negation erhĂ€lt in der Philosophie des Geistes einen radikal dynamischen Aspekt. In der Philosophie des Geistes fallen Anfang und Resultat auseinander. Die Aufhebung ist ein zentraler Terminus bei Hegel. Er enthĂ€lt drei Momente: Aufhebung im Sinne von negare (verneinen), conservare (bewahren) und elevare (emporheben). Das Geistige stellt – von seinem Ergebnis aus betrachtet und indem es sich auf seinen Ausgangspunkt bezieht – eine Bewegung dar, die einheitlich als Figur erfasst wird.

FĂŒr Hegel ist wahres Denken das Erkennen von GegensĂ€tzen und die Notwendigkeit, diese in ihrer Einheit zusammenzufassen. Der Begriff ist der Ausdruck fĂŒr diese Bewegung. Diese Art der Philosophie bezeichnet Hegel als spekulative (Rel I 30).

Aufgabe und Charakter der Philosophie

Hegel wendet sich gegen die „Erbauungsphilosophie“ seiner Zeit, die „sich zu gut fĂŒr den Begriff und durch dessen Mangel fĂŒr ein anschauendes und poetisches Denken hĂ€lt“ (PG 64). Der Gegenstand der Philosophie ist fĂŒr ihn zwar das Erhabenste ĂŒberhaupt; sie muss sich aber „hĂŒten, erbaulich sein zu wollen“ (PG 17). Um „Wissenschaft“ zu werden, muss sie bereit sein, die „Anstrengung des Begriffs“ (PG 56) auf sich zu nehmen. Die Philosophie realisiert sich im „System“, denn nur das Ganze ist das Wahre (PG 24). Sie betrachtet in einem dialektischen Prozess den „Begriff des Geistes in seiner immanenten, notwendigen Entwicklung“.[19]

FĂŒr den gesunden Menschenverstand ist die Philosophie eine „verkehrte Welt“ (JS 182), da sie auf „die Idee oder das Absolute“ (E I 60) als den Grund aller Dinge zielt. Sie hat somit „mit Kunst und Religion denselben Inhalt“, aber eben in der Weise des Begriffs.

Logik, Naturphilosophie und die Philosophie des Geistes sind nicht nur die Grunddisziplinen der Philosophie; in ihnen drĂŒckt sich auch „die ungeheure Arbeit der Weltgeschichte“ (PG 34) aus, die vom „Weltgeist“ verrichtet wurde. Das Ziel der Philosophie kann daher nur erreicht werden, wenn sie die Weltgeschichte und die Geschichte der Philosophie begreift und damit auch „ihre Zeit in Gedanken erfaßt“ (R 26).

Die Aufgabe der Philosophie ist es, das „was ist zu begreifen [
], denn das was ist, ist die Vernunft“ (R 26). Ihre Aufgabe ist es nicht, die Welt darĂŒber zu belehren, wie sie sein soll; denn dazu kommt sie „ohnehin [
] immer zu spĂ€t“: „Als der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat. [
] die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden DĂ€mmerung ihren Flug“ (R 27–28).

Das hegelsche System

Grundlegung der Philosophie

In der PhĂ€nomenologie des Geistes, dem ersten typischen Werk des reifen Hegel, formuliert Hegel als Voraussetzung fĂŒr alles wahrhafte Philosophieren, den „wissenschaftlichen Standpunkt“ zu gewinnen. Er bezeichnet diesen auch als das „absolute Wissen“. Um diesen zu erreichen, muss ein Weg gegangen werden, der fĂŒr den dann gewonnenen Standpunkt nicht gleichgĂŒltig ist: nicht „das Resultat [ist] das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden“ (PG 13).

Der Weg zum „absoluten Wissen“ ist dabei fĂŒr Hegel das Begreifen des Absoluten selbst. Auch fĂŒr das Absolute ist die Zugangsweise zu ihm nicht gleichgĂŒltig. Es umschließt auch den Prozess seiner Erkenntnis. Der Zugang zum Absoluten ist zugleich dessen SelbstĂ€ußerung. Wahre Wissenschaft ist letztlich nur in dieser Perspektive des Absoluten möglich.

Der Weg zum wissenschaftlichen Standpunkt

Stufen des Wissens

Sinnliche Gewissheit

↓

Wahrnehmung

↓

Selbstbewusstsein

↓

Vernunft

↓

Geist

↓

absolutes Wissen

Hegel beginnt mit einer Analyse des „natĂŒrlichen Bewusstseins“. Die eigentliche Wirklichkeit (die „Substanz“) ist fĂŒr das natĂŒrliche Bewusstsein in seiner elementarsten Stufe das, was es unmittelbar vorfindet: die „sinnliche Gewissheit“. Dies entspreche philosophisch der Position des Empirismus. Hegel zeigt auf, dass der empirische Wirklichkeitsbegriff notwendig ein Selbstbewusstsein voraussetzt, das das sinnlich Wahrgenommene als solches interpretiert.

Aber auch das Selbstbewusstsein ist nicht das eigentlich Wirkliche. Es kann sein eigenes Bei-sich-sein nur im Unterschied zu einer natĂŒrlichen Wirklichkeit bestimmen; seine SubstantialitĂ€t ist daher notwendig von dieser natĂŒrlichen Wirklichkeit abhĂ€ngig.

In der dritten Form des natĂŒrlichen Bewusstseins, der Vernunft, kommt die Bestimmung der Substanz des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins zu einer Synthese. Das zur Vernunft entwickelte Selbstbewusstsein beharrt auf seiner eigenen SubstantialitĂ€t, erkennt aber zugleich, dass es sich zu einer natĂŒrlichen Wirklichkeit verhĂ€lt, die ebenfalls substantiell ist. Dies lĂ€sst sich nur miteinander versöhnen, wenn das Selbstbewusstsein seine SubstantialitĂ€t in der SubstantialitĂ€t der natĂŒrlichen Wirklichkeit wiedererkennt. Nur dann lĂ€sst sich der Widerspruch, den zwei Substanzen mit sich bringen, vermeiden.

Hegel bestimmt im weiteren Verlauf der PhĂ€nomenologie die Vernunft als „sittliche Vernunft“. Als solche ist sie nicht nur Produkt des Selbstbewusstseins, sondern bezieht sich immer schon auf eine Ă€ußere Wirklichkeit, die ihr vorausgeht. Die Vernunft kann nur als die sittliche Substanz einer wirklichen Gesellschaft existieren; in dieser Form ist sie (objektiver) Geist.

Der Geist ist seinerseits wiederum vom Selbstbewusstsein abhĂ€ngig. Dieses hat die Freiheit, sich dem herrschenden Gesetz nicht zu fĂŒgen, was sich historisch z. B. in der Französischen Revolution zeigt. Seine Freiheit grĂŒndet letztlich auf dem absoluten Geist.

Der absolute Geist zeigt sich zunĂ€chst in der Religion. In der „Naturreligion“ deutet das Selbstbewusstsein noch die natĂŒrliche Wirklichkeit als Selbstausdruck eines absoluten Wesens, wĂ€hrend in der „offenbaren Religion“ die menschliche Freiheit die zentrale Rolle spielt. Der Begriff des absoluten Geistes lĂ€sst sich als der Begriff der Wirklichkeit selbst verstehen, so dass die Religion in das absolute Wissen ĂŒbergeht. Damit ist der Standpunkt gewonnen, von dem aus erst Wissenschaft im eigentlichen Sinn betrieben werden kann. Der ganze Inhalt der Erfahrung des Bewusstseins ist neu zu entfalten, aber nicht mehr aus der Perspektive des sich zu sich selbst und seinem Gegenstand erst durchringenden Bewusstseins, sondern systematisch, d. h. aus der Perspektive des „Begriffs“.

Logik

Hegel setzt in der Logik den in der PhĂ€nomenologie gewonnenen „wissenschaftlichen Standpunkt“ voraus. Dieser hatte gezeigt, dass die logischen Bestimmungen (Kategorien) weder als bloße Bestimmungen einer subjektunabhĂ€ngigen Wirklichkeit aufgefasst werden können wie in der klassischen Metaphysik, noch als bloße Bestimmungen des Subjektes wie in der Philosophie Kants. Sie mĂŒssen vielmehr aus der Einheit von Subjekt und Objekt begriffen werden.

Die Aufgabe der Logik ist es, das reine Denken in seiner spezifischen Bedeutung darzustellen. Sie soll die klassischen Disziplinen der Philosophie, Logik und Metaphysik, ersetzen, indem sie die beiden Programme, die Darstellung des reinen Denkens und der Idee des Absoluten, miteinander vereint.

Die logischen Bestimmungen haben Hegel zufolge zugleich ontologischen Charakter. Sie sind nicht lediglich als Bewusstseinsinhalte, sondern zugleich als „das Innere der Welt“ zu verstehen (E I 81, Z 1).

Hegels Anliegen ist es, eine systematische Herleitung der Kategorien durchzufĂŒhren und ihre Notwendigkeit darzulegen. Das entscheidende Mittel dafĂŒr stellt das Prinzip der Dialektik dar, das Hegel zufolge in der Natur logischen Bestimmens selbst grĂŒndet. Daher ist er der Überzeugung, dass auf diese Weise sĂ€mtliche Kategorien „als ein System der TotalitĂ€t“ (L I 569) vollstĂ€ndig herleitbar sind.

Die Logik gliedert sich in eine „objektive Logik“ – die Lehren von Sein und Wesen – und eine „subjektive Logik“ – die Lehre vom Begriff.

Lehre vom Sein

QualitÀt
Begriffe der QualitÀt

(Sein ↔ Nichts) → Werden →
Dasein →

Den Anfang der Logik muss fĂŒr Hegel ein Begriff machen, der sich durch „reine Unmittelbarkeit“ auszeichnet. Dies wird im Begriff des Seins ausgedrĂŒckt, der keinerlei Bestimmungen aufweist. Doch der Verzicht auf jede weitere Differenzierung macht die Bestimmung „Sein“ völlig inhaltsleer. Somit ergibt sich fĂŒr das Sein immerhin die Bestimmung des „Nichts und nicht mehr noch weniger als Nichts“ (L I 83). Nicht „weniger als Nichts“ heißt, dass dieses „Nichts“ immerhin eine Denkbestimmung, ein Gedachtes ist.

Die reine Unmittelbarkeit des Anfangs lĂ€sst sich so nur in den zwei gegensĂ€tzlichen Bestimmungen „Sein“ und „Nichts“ zum Ausdruck bringen. Die beiden Begriffe „gehen“ ineinander â€žĂŒber“. Dieses „Übergehen“ beider ineinander stellt selbst eine neue Kategorie dar, das „Werden“ (L I 83f.). Im „Werden“ sind beide Bestimmungen, „Sein“ und „Nichts“, enthalten und zwar in ihrem wechselseitigen ineinander Übergehen.

Wird nun ein durch diese Einheit des Werdens vermitteltes Sein gedacht, dann ergibt sich die Bestimmung des gewordenen Seins, des „Daseins“ (L I 113ff.). Seine Genese verlangt aber, dass auch das „Nichts“ an ihm erkennbar ist. Nach dieser Seite hin zeigt sich das „Dasein“ als ein „Etwas“, das dem „Anderen“ gegenĂŒbersteht. Ein Etwas kann nur erfasst werden, wenn es von Anderem unterschieden wird – gemĂ€ĂŸ dem von Hegel zitierten Satz des Spinoza: „Omnis determinatio est negatio“ (Jede Bestimmung ist eine Verneinung) (L I 121).

Jede Bestimmung ist eine Grenzziehung, wobei zu jeder Grenze auch etwas gehört, was jenseits von ihr vorhanden ist (vgl. L I 145). Eine Grenze als solche zu denken heißt auch, das Grenzenlose zu denken. Ebenso ist mit dem Gedanken des „ Endlichen“ der des „Unendlichen“ gegeben (L I 139ff.). Das Unendliche ist das „Andere“ des Endlichen, wie auch umgekehrt das Endliche das „Andere“ des Unendlichen ist.

Doch fĂŒr Hegel kann das Unendliche dem Endlichen nicht einfach gegenĂŒbergestellt werden. Das Unendliche wĂŒrde sonst an das Endliche „grenzen“ und wĂ€re damit begrenzt und endlich. Das „wahrhaft Unendliche“ muss vielmehr so gedacht werden, dass es das Endliche mit umgreift, als die „Einheit des Endlichen und Unendlichen, die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und die Endlichkeit in sich begreift“ (L I 158).

Hegel will diese Einheit nicht pantheistisch verstanden wissen, da es sich bei ihr um keine differenzlose Einheit handelt, sondern um eine solche, in der das Unendliche das Endliche durchaus bestehen lĂ€sst. Er nennt diese die „wahrhafte“ oder „affirmative Unendlichkeit“ (L I 156). Sie unterscheidet sich von der „schlechten Unendlichkeit“ (L I 149), die nur durch ein bloßes Weiterschreiten von Grenze zu Grenze in einem unendlichen Progress zustande kommt und der der RĂŒckbezug durch das Jenseits der Grenze fehlt.

Dieser RĂŒckbezug charakterisiert auch das Endliche; er ist das Ergebnis seiner Vermittlung mit dem Unendlichen und macht das „FĂŒrsichsein“ des Endlichen aus (L I 166). Aus der Kategorie des „FĂŒrsichseins“ entwickelt Hegel im weiteren Verlauf des Abschnitts ĂŒber die „QualitĂ€t“ noch andere Bestimmungen. Wenn etwas „fĂŒr sich“ ist, ist es „Eines“. Ist dieses „Eine“ vermittelt durch „Andere“, so sind diese ebenfalls jeweils als „Eines“ zu betrachten. Aus dem „Eins“ ergibt sich so die PluralitĂ€t von „Eins“. Sie unterscheiden sich voneinander, sind aber ebenso aufeinander bezogen, was Hegel als „Repulsion“ und „Attraktion“ (L I 190ff.) bezeichnet. Ihre gleichförmige PluralitĂ€t fĂŒhrt zum Begriff der „QuantitĂ€t“.

QuantitÀt
Begriffe der QuantitÀt

Trennung ↔ KontinuitĂ€t
Intensive GrĂ¶ĂŸe ↔ Extensive GrĂ¶ĂŸe

Der entscheidende Unterschied der QuantitĂ€t zur QualitĂ€t besteht darin, dass durch die VerĂ€nderung der QuantitĂ€t die IdentitĂ€t dessen, was verĂ€ndert wird, bestehen bleibt. Ein Ding bleibt, was es ist, egal ob es grĂ¶ĂŸer oder kleiner gemacht wird.

Hegel unterscheidet zwischen der reinen, unbestimmten QuantitÀt und der bestimmten QuantitÀt (dem Quantum). So ist der Raum als solcher eine Instanz der reinen QuantitÀt. Spricht man dagegen von einem bestimmten Raum, so ist er eine Instanz der bestimmten QuantitÀt.

Die beiden Begriffe „Anziehung“ und „Abstoßung“, die in der Kategorie der QuantitĂ€t aufgehoben sind, werden hier zu den Momenten der KontinuitĂ€t und Trennung (Diskretion). Auch diese beiden Begriffe setzen einander voraus. KontinuitĂ€t bedeutet, dass ein kontinuierlich fortsetzendes „Etwas“ da ist. Dieses „Etwas“ ist notwendigerweise ein von einem „Anderen“ getrenntes „Etwas“. Umgekehrt setzt auch der Begriff der Trennung den der KontinuitĂ€t voraus; man kann nur trennen unter der Voraussetzung, dass etwas da ist, was nicht getrennt ist und wovon das Getrennte getrennt ist.

Ein Quantum ist von einer bestimmten GrĂ¶ĂŸe, die sich immer durch eine Zahl ausdrĂŒcken lĂ€sst. Der Begriff der Zahl gehört darum unter die Kategorie des Quantums. Eine Zahl hat zwei Momente: sie ist als Anzahl und als Einheit bestimmt. Der Begriff der Anzahl als eine Summe von Einheiten schließt den Begriff der Trennung, der Begriff der Einheit dagegen schließt KontinuitĂ€t ein.

Ein Quantum kann eine „intensive“ oder „extensive“ GrĂ¶ĂŸe sein. Eine intensive GrĂ¶ĂŸe (z. B. Farbempfindung, WĂ€rmegefĂŒhl) lĂ€sst sich mit Hilfe des Begriffs Grad charakterisieren – eines Grades, der je nach GrĂ¶ĂŸe mehr oder weniger IntensitĂ€t hat. Extensive GrĂ¶ĂŸen (z. B. LĂ€nge oder Volumen) haben weder Grad noch IntensitĂ€t. Über extensive GrĂ¶ĂŸe wird vermittels eines angelegten Maßstabs entschieden. Intensive GrĂ¶ĂŸen dagegen können durch keinen außerhalb von ihnen liegenden Maßstab bestimmt werden. Die physikalistische Theorie, jede intensive GrĂ¶ĂŸe lasse sich auf eine extensive GrĂ¶ĂŸe reduzieren, wird von Hegel verworfen.[20]

Maß

Der Lehre vom „Maß“ handelt von der Einheit von „QualitĂ€t“ und „QuantitĂ€t“. An anschaulichen Beispielen erlĂ€utert Hegel den Charakter dieser Einheit. So fĂŒhrt etwa die quantitative VerĂ€nderung der Temperatur des Wassers zu einer qualitativen Änderung seines Zustandes. Es gefriert oder wird zu Dampf (L I 440). Damit entsteht die Bestimmung eines zugrundeliegenden, indifferent bleibenden „Substrates“, dessen „ZustĂ€nde“ sich entsprechend den MaßverhĂ€ltnissen Ă€ndern. Der Gedanke eines Etwas, das in dieser Weise nach „Substrat“ und „ZustĂ€nden“ in sich unterschieden ist, fĂŒhrt zum zweiten Teil der Logik, der „Lehre vom Wesen“.

Lehre vom Wesen

Die Lehre vom Wesen gilt als der schwierigste Teil der Logik und wurde von Hegel mehrfach modifiziert. Hegel konnte sich hier nicht in gleichem Maße wie in den anderen beiden BĂŒchern (Lehre vom Sein, Lehre vom Begriff) an die philosophische Tradition anlehnen. Den grĂ¶ĂŸten Einfluss ĂŒbte die „transzendentale Logik“ Kants aus, deren Theorieelemente (Modal- und Relationskategorien, Reflexionsbegriffe und Antinomien) Hegel in einem neuen Zusammenhang begrifflich konsistent abzuleiten versuchte.

Der Begriff des Wesens

Hegel umschreibt den Begriff des Wesens durch den der „Erinnerung“, den er im wörtlichen Sinne versteht als „Innerlichwerden“ und „Insichgehen“.[21] Er bezeichnet eine SphĂ€re, die tiefer liegt als die Ă€ußerliche Unmittelbarkeit des Seins, dessen OberflĂ€che erst „durchstoßen“ werden muss, um zum Wesen zu gelangen. Die logischen Bestimmungen des Wesens sind von der des Seins unterschieden. Im Unterschied zu den seinslogischen Kategorien treten sie vorzugsweise paarweise auf und erhalten ihre Bestimmtheit aus dem Bezug auf ihr jeweils Anderes: Wesentliches und Unwesentliches, IdentitĂ€t und Unterschied, Positives und Negatives, Grund und BegrĂŒndetes, Form und Materie, Form und Inhalt, Bedingtes und Unbedingtes usw.

Der Widerspruch

Hegel beginnt mit der Abhandlung der „Reflexionsbestimmungen“, „IdentitĂ€t“, „Unterschied“, „Widerspruch“ und „Grund“. Er analysiert die Reflexionsbestimmungen in ihrem VerhĂ€ltnis zueinander und zeigt auf, dass ihnen in ihrer Isolierung gegeneinander keine Wahrheit zukommt. Die bedeutendste Reflexionsbestimmung ist die des „Widerspruchs“. Hegel legt großen Wert darauf, dass der Widerspruch nicht wie bei Kant „in die subjektive Reflexion geschoben“ werden dĂŒrfe (L II 75). Dies wĂŒrde eine „zu große ZĂ€rtlichkeit“ (L I 276) zu den Dingen bedeuten. Vielmehr kommt der Widerspruch den Dingen selbst zu. Er ist „das Prinzip aller Selbstbewegung“ (L II 76) und deshalb auch in aller Bewegung vorhanden.

Das Prinzip des Widerspruchs gilt nicht allein fĂŒr die Ă€ußerliche Bewegung, sondern ist das Grundprinzip alles Lebendigen: „Etwas ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthĂ€lt, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten“ – anderenfalls geht es „in dem Widerspruch zu Grunde“. In ganz besonderem Maße gilt dieses Prinzip fĂŒr die SphĂ€re des Denkens: „Das spekulative Denken besteht nur darin, daß das Denken den Widerspruch und in ihm sich selbst festhĂ€lt“ (L II 76). Der Widerspruch ist so fĂŒr Hegel die Struktur von logischer, natĂŒrlicher und geistiger Wirklichkeit ĂŒberhaupt.

Die Erscheinung

Im zweiten Abschnitt der Wesenslogik, „Die Erscheinung“, setzt sich Hegel explizit mit Kant und dem Problem des „Ding an sich“ auseinander. Seine Absicht ist es nicht nur, die Differenz von „Ding an sich“ und „Erscheinung“ zu eliminieren, sondern darĂŒber hinaus die „Erscheinung“ zur Wahrheit des „Ding an sich“ zu erklĂ€ren: „Die Erscheinung ist das, was das Ding an sich ist, oder seine Wahrheit“ (L II 124–125).

Was etwas an sich ist, zeigt sich fĂŒr Hegel nirgends als in seiner Erscheinung und es ist daher sinnlos, „dahinter“ noch ein Reich des „Ansich“ aufzubauen. Die „Erscheinung“ ist die „höhere Wahrheit“ sowohl gegen das „Ding an sich“ als auch gegen die unmittelbare Existenz, da sie die „wesentliche, dahingegen die [unmittelbare] Existenz die noch wesenlose Erscheinung ist“ (L II 148).

Die Wirklichkeit

Im dritten Abschnitt, „Die Wirklichkeit“, erörtert Hegel zentrale LehrstĂŒcke der logischen und metaphysischen Tradition. Ein zentrales Thema ist dabei die Auseinandersetzung mit Spinozas Begriff des Absoluten.

Hegel sieht im Absoluten einerseits „alle Bestimmtheit des Wesens und der Existenz oder des Seins ĂŒberhaupt sowohl als der Reflexion aufgelöst“ (L II 187), da es sonst nicht als das schlechthin Unbedingte verstanden werden könnte. WĂŒrde es aber bloß als die Negation aller PrĂ€dikate gedacht, so wĂ€re es lediglich das Leere – obschon es doch als dessen Gegenteil, nĂ€mlich als die FĂŒlle schlechthin gedacht sein soll. Diesem Absoluten kann nun aber nicht das Denken als Ă€ußere Reflexion gegenĂŒberstehen, denn hierdurch wĂŒrde der Begriff des Absoluten aufgehoben. Die Auslegung des Absoluten kann daher nicht in eine ihm Ă€ußere Reflexion fallen, sondern muss vielmehr seine eigene Auslegung sein: „In der Tat aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Tun, und das bei sich anfĂ€ngt, wie es bei sich ankommt“ (L II 190).

Lehre vom Begriff

Das dritte Buch der Wissenschaft der Logik entwickelt eine Logik des „Begriffs“, die sich in die drei Abschnitte „SubjektivitĂ€t“, „ObjektivitĂ€t“ und „Idee“ unterteilt.

Die SubjektivitÀt

Im Abschnitt „SubjektivitĂ€t“ handelt Hegel die klassische Lehre von Begriff, Urteil und Schluss ab.

Zur ErlĂ€uterung des „Begriffs des Begriffs“ erinnert Hegel an die „Natur des Ich“. Zwischen dem Begriff und dem Ich besteht eine Strukturanalogie: Wie der Begriff, so ist auch das Ich „sich auf sich beziehende Einheit, und dies nicht unmittelbar, sondern indem es von aller Bestimmtheit und Inhalt abstrahiert und in die Freiheit der schrankenlosen Gleichheit mit sich selbst zurĂŒckgeht“ (L II 253).

Hegels Verwendung des Terminus „Begriff“ unterscheidet sich von dem, was man gewöhnlich unter einem Begriff versteht. FĂŒr ihn ist der Begriff keine vom empirischen lnhalt absehende Abstraktion, sondern das Konkrete. Ein wesentliches Moment des Begriffs stellt seine „NegativitĂ€t“ dar. Hegel lehnt das dem gewöhnlichen BegriffsverstĂ€ndnis zugrundeliegende Konzept einer absoluten IdentitĂ€t ab, da der Begriff der IdentitĂ€t fĂŒr ihn notwendigerweise den Begriff des Unterschieds mit einschließt.

Hegels „Begriff“ hat drei Momente: Allgemeinheit, Besonderheit (Getrenntsein) und Einzelheit (IndividualitĂ€t). Negieren heißt zu bestimmen und zu begrenzen. Das Ergebnis der Negation des Allgemeinen ist das Getrennte (Besonderheit), das als Ergebnis der Negation dieser Negation (also der Negation der Besonderheit) mit dem Allgemeinen identisch ist, da die Besonderheit zu der ursprĂŒnglichen Einheit zurĂŒckkehrt und zur IndividualitĂ€t wird.

Der Begriff ist fĂŒr Hegel die Einheit von Allgemeinem und Individuellem. Diese Einheit wird im Urteil „S ist P“ expliziert, wo „S“ das Subjekt, das Individuelle, und „P“ das PrĂ€dikat, das Allgemeine ist.

Ein Satz kann dabei nach Hegel sehr wohl die grammatische Form eines Urteils haben, ohne ein Urteil zu sein. So ist der Satz „Aristoteles ist im 73. Jahre seines Alters, in dem 4. Jahr der 115. Olympiade gestorben“ (L II 305) kein Urteil. Er zeigt zwar die Syntax des Urteils, verbindet aber keinen Allgemeinbegriff mit dem Individuellen und erfĂŒllt somit nicht die logischen Forderungen des Urteils. Dennoch kann der obige Satz ein Urteil sein, nĂ€mlich dann, wenn der Satz in einer Situation benutzt wird, in der man bezweifelte, in welchem Jahr Aristoteles starb oder wie alt er war, und das Beenden des Zweifels in dem hier behandelten Satz ausgedrĂŒckt wird.

FĂŒr Justus Hartnack bedeutet dies, dass Hegel damit faktisch – „ohne es so zu formulieren – die analytische Unterscheidung zwischen einem Satz und seinem Gebrauch einfĂŒhrt. Ein und derselbe Satz kann als Imperativ verwandt werden, als Warnung oder Drohung, als ein Ersuchen usw.“.[22]

Im Schluss findet eine Einheit von Urteil und Begriff statt. Hegel betrachtet folgendes Beispiel (aus L II 383):

  1. Alle Menschen sind sterblich
  2. Nun ist Cajus ein Mensch
  3. Ergo ist Cajus sterblich

Der besondere Begriff (das Besondere) sind hier „Menschen“, das Individuelle (das Einzelne) ist Cajus, und der Begriff „sterblich“ ist das Allgemeine. Das Resultat ist eine Einheit des individuellen Subjekts und des allgemeinen oder universalen PrĂ€dikats, also des PrĂ€dikats in dem Urteil „Cajus ist sterblich“.

Die ObjektivitÀt

Der Begriff des Objekts lĂ€sst sich fĂŒr Hegel nur insofern verstehen, als er eine notwendige Verbindung zum Begriff des Subjekts hat. Insofern ist er auch Gegenstand der „Wissenschaft der Logik“. Hegels philosophische Analyse fĂŒhrt schrittweise von einer „mechanischen“ ĂŒber eine „chemische“ zu einer „teleologischen“ Betrachtungsweise des Objekts. Im teleologischen Objekt können die Prozesse, die zum Zweck fĂŒhren, und der Zweck selbst nicht mehr voneinander verschieden werden. In ihm objektiviert sich die SubjektivitĂ€t selbst. Diese Einheit von SubjektivitĂ€t und ObjektivitĂ€t nennt Hegel die Idee.

Die Idee

Im Begriff der Idee sind alle Bestimmungen der Seins- und Wesenslogik wie die der Logik des Begriffs „aufgehoben“. Die Idee ist das Wahre (L II 367); sie ist damit identisch mit allem, was die Wissenschaft der Logik in Bezug auf die logische Struktur des Seins darlegt. Alle Kategorien sind in der Idee integriert; mit ihr endet die sogenannte Bewegung des Begriffs.

Hegel unterscheidet drei Aspekte der Idee: Leben, Erkenntnis und die absolute Idee.

Im Leben kann die Idee als Einheit von Seele und Körper verstanden werden. Die Seele macht einen Organismus erst zu einem solchen. Die verschiedenen Teile eines Organismus sind, was sie sind, ausschließlich aufgrund ihres VerhĂ€ltnisses zur Einheit des Organismus.

In der Erkenntnis (des Wahren und des Guten) strebt das erkennende Subjekt nach Wissen ĂŒber ein gegebenes Objekt. Das Objekt der Erkenntnis ist dabei vom Subjekt zugleich unterschieden und mit ihm identisch.

In der absoluten Idee schließlich – als der Kulmination des philosophischen Denkens – sieht das Bewusstsein die IdentitĂ€t von Subjektivem und Objektivem – von Ansich und FĂŒrsich – ein. Das Subjekt erkennt sich selbst als Objekt und das Objekt ist darum das Subjekt.

Naturphilosophie

Natur und Philosophie der Natur

Der Übergang von der Idee zur Natur

Der Übergang von der Idee zur Natur gehört nach Wandschneider zu den dunkelsten Passagen in Hegels Werk.[23] Es geht an dieser Stelle um das „notorische Problem der Metaphysik [
] welchen Grund ein göttliches Absolutes wohl haben könnte, sich in der Schöpfung einer unvollkommenen Welt zu verendlichen“.[24]

Hegel bemerkt am Ende der Logik, dass die absolute Idee als letzte „logische“ Bestimmung noch „in den reinen Gedanken eingeschlossen, die Wissenschaft nur des göttlichen Begriffs“ ist. Indem sie solchermaßen noch „in die SubjektivitĂ€t eingeschlossen ist, ist sie Trieb, diese aufzuheben“ (L II 572) und „entschließt“ sich darum, „sich als Natur frei aus sich zu entlassen“ (E I 393).

Das Logische muss aufgrund des ihm eigenen dialektischen Charakters aus sich heraustreten und sich sein Anderes, die Natur, entgegensetzen, die sich durch Begriffslosigkeit und Vereinzelung auszeichnet. Diese EntĂ€ußerung des Logischen geschieht letztlich zu seiner eigenen Vollendung.

Der Begriff der Natur

Hegel definiert die Natur als „die Idee in der Form des Andersseins“ (E II 24). Die Natur als das Nicht-Logische bleibt bei Hegel dialektisch an das Logische zurĂŒckgebunden. Als das Andere des Logischen ist sie im Grunde selbst noch von diesem her bestimmt, d. h. die Natur ist nur ihrer Ă€ußeren Erscheinung nach ein Nichtlogisches; ihrem Wesen nach ist sie „an sich die Vernunft“. Das an sich logische Wesen der Natur drĂŒckt sich in den Naturgesetzen aus. Diese liegen den „Naturdingen“ zugrunde und bestimmen ihr Verhalten, ohne jedoch selbst ein „Naturding“ zu sein. Naturgesetze sind nicht sinnlich wahrnehmbar, sondern haben ihrerseits eine logische Existenz; sie existieren im Denken des die Natur erkennenden Geistes.

Im Unterschied zur frĂŒhen Naturphilosophie Schellings sieht Hegel das VerhĂ€ltnis zwischen Idee und Natur nicht als gleichgewichtig an; vielmehr steht fĂŒr ihn die Natur unter dem Primat der Idee. Die Natur ist nicht schlechthin „Idee“ oder „Geist“, sondern das „Andere“. In der Natur ist die Idee „sich Ă€ußerlich“, jedoch nicht etwa umgekehrt die Natur sich Ă€ußerlich in der Idee.

Da das Geistige fĂŒr Hegel insgesamt einer höheren Stufe angehört als das bloß NatĂŒrliche ist fĂŒr ihn selbst das Böse noch höher einzustufen als die Natur. Der Mangel der Natur zeigt sich gleichsam darin, dass sie nicht einmal böse sein kann: „Wenn aber die geistige ZufĂ€lligkeit, die WillkĂŒr, bis zum Bösen fortgeht, so ist dies selbst noch ein unendlich Höheres als das gesetzmĂ€ĂŸige Wandeln der Gestirne oder als die Unschuld der Pflanze; denn was sich so verirrt, ist noch Geist“ (E II 29).

Ganz im Sinne der Transzendentalphilosophie Kants versteht auch Hegel die Natur nicht als etwas bloß „Objektives“ und „Unmittelbares“. Sie ist dem Bewusstsein nicht einfach nur von außen her gegeben, sondern ein immer schon geistig Erfasstes. Gleichwohl spielt Hegel nie diese gewusste, immer auch durch Leistungen der SubjektivitĂ€t konstituierte Natur gegen eine „Natur an sich“ aus. Es ist fĂŒr Hegel sinnlos, der Natur ein ĂŒber das Bewusstsein hinaus bestehendes, „wahres“, jedoch nicht erkennbares Sein zuzusprechen.

Hegel betrachtet die Natur „als ein System von Stufen [
], deren eine aus der andern notwendig hervorgeht und die nĂ€chste Wahrheit derjenigen ist, aus welcher sie resultiert“ (E II 31). Die NaturphĂ€nomene zeigen dabei „eine Tendenz zunehmender KohĂ€renz und IdealitĂ€t [.] – vom elementaren Außereinandersein bis zur IdealitĂ€t des Psychischen“.[25]

Das hegelsche Stufenkonzept der Natur ist allerdings nicht als Evolutionstheorie misszuverstehen.[26] Die Aufeinanderfolge der Stufen ergibt sich fĂŒr Hegel „nicht so, daß die eine aus der andern natĂŒrlich erzeugt wĂŒrde, sondern in der inneren, den Grund der Natur ausmachenden Idee. Die Metamorphose kommt nur dem Begriffe als solchem zu, da dessen VerĂ€nderung allein Entwicklung ist“ (E II 31).

Naturphilosophie

Hegel versteht die Naturphilosophie als eine „materiale“ Disziplin, nicht als bloße Wissenschaftstheorie. Wie die Naturwissenschaft thematisiert sie die Natur, hat jedoch eine von ihr unterschiedene Fragestellung. Es geht nicht um ein bloß theoretisches VerstĂ€ndnis irgendeines Gegenstands oder PhĂ€nomens der „Natur“, sondern um ihre Stellung auf dem Weg des Geistes zu sich selbst. „Natur“ ist fĂŒr Hegel nichts bloß „Objektives“. Sie zu begreifen schließt immer ein Sichselbstbegreifen des Geistes ein.

Hegel unterscheidet in seiner Naturphilosophie – wie in der Mitte des 19.Jahrhunderts ĂŒblich – die drei Disziplinen, Mechanik, Physik und Organische Physik. Als Mechanik wird dabei der mathematisierbare Teil der Physik – insbesondere die OrtsverĂ€nderungen – betrachtet, der sich seit dem 18. Jh. aus der traditionellen aristotelischen Physik abgetrennt und zunehmend verselbstĂ€ndigt hatte. Die Physik dagegen beschreibt alle anderen PhĂ€nomene, die der VerĂ€nderung unterworfen sind: die Umwandlungsprozesse der Materie und des Organischen. Die Organische Physik betrachtet ihre GegenstĂ€nde, Erde, Pflanzen und Tiere, als einen Organismus.

Kategorien der Mechanik und Physik

Raum → Zeit →
Bewegung → Masse

Mechanik und Physik

Raum und Zeit

Im Unterschied zu Kant versteht Hegel Raum und Zeit nicht als bloße der subjektiven Erkenntnis angehörende Formen der Anschauung. Sie haben vielmehr auch RealitĂ€t, da sie durch die absolute Idee konstituiert sind.

Raum und Zeit sind fĂŒr Hegel nichts völlig Verschiedenes, sondern eng miteinander verzahnt: „Der Raum ist sich selbst widersprechend und macht sich zur Zeit“. „Das eine ist das Erzeugen des Anderen“. Nur „in unserer Vorstellung lassen wir dies auseinander fallen“.[27] In seiner frĂŒhen, noch stark von Schelling beeinflussten Naturphilosophie (Jenaer Periode) hatte Hegel den Raumbegriff selbst aus einem noch ursprĂŒnglicheren Konzept des Äthers abgeleitet; erst seine nach-Jenaer Naturphilosophie hat Hegel dann gleich mit dem Raumbegriff beginnen lassen.[28]

FĂŒr Hegel ist die DreidimensionalitĂ€t des Raumes apriori herleitbar. Die Kategorie des Raumes muss zunĂ€chst einmal als das „abstrakte Außereinander“ (E II 41) bestimmt werden. Dieses ist in seiner Abstraktheit mit völliger Unterschiedslosigkeit gleichbedeutend. Als solches ist es aber gar kein „Auseinander“ mehr, denn auseinander kann nur sein, was unterscheidbar ist. Die Kategorie reinen Auseinanders schlĂ€gt damit dialektisch in die des Punktes um, der als „Nicht-Auseinander“ bestimmt ist. Gleichwohl bleibt der Punkt, seiner „Herkunft“ aus dem reinen Auseinander entsprechend, auf dieses bezogen. Das heißt, der Punkt ist bezogen auf andere Punkte, die ihrerseits auf Punkte bezogen sind. Dieses wechselseitige Bezogensein von Punkten ist die Linie, die sich so zugleich als Synthese von Auseinander und Nicht-Auseinander darstellt. Dieser noch „punktartige“ Charakter der Linie hat analog die Aufhebung dieser Form von Nicht-Auseinander zur Folge und damit die „Dehnung“ der Linie zur FlĂ€che. Die zweidimensionale FlĂ€che, als vollendete Form des Nicht-Auseinanders, stellt die Grenze des dreidimensionalen Raums dar, der somit als die eigentliche Form des Auseinanders gelten muss.

Hegels Zeitbegriff knĂŒpft unmittelbar an den zuvor entwickelten Raumbegriff an. Der Raum ist wesentlich dadurch bestimmt, dass er gegen einen anderen Raum abgegrenzt ist, in den er â€žĂŒbergeht“. Diese NegativitĂ€t, die im Raumbegriff schon enthalten, aber noch nicht explizit ist, reprĂ€sentiert einen „Mangel des Raums“ (E II 47 Z), der nun die EinfĂŒhrung des Zeitbegriffs motiviert.

Zeit ist fĂŒr Hegel ĂŒberhaupt nur dadurch feststellbar, dass etwas Dauer haben kann, d. h. im Wechsel zugleich auch erhalten bleibt und so das „Jetzt als seiend fixiert“ (E II 51). Eine solche Fixierung ist aber nur in rĂ€umlicher Form möglich. Insofern bleibt der Zeitbegriff essentiell auf den Raumbegriff zurĂŒckbezogen.

Die Dauer schließt andererseits VerĂ€nderung ein: „Dauern Dinge auch, so vergeht die Zeit doch und ruht nicht; hier erscheint die Zeit als unabhĂ€ngig und unterschieden von den Dingen“ (E II 49 Z). Indem sich aber unterdessen andere Dinge verĂ€ndern, lassen sie die Zeit sichtbar werden, der letztlich alles anheimfallen muss: Weil nĂ€mlich „die Dinge endlich sind, darum sind sie in der Zeit; nicht, weil sie in der Zeit sind, darum gehen sie unter, sondern die Dinge selbst sind das Zeitliche; so zu sein ist ihre objektive Bestimmung. Der Prozeß der wirklichen Dinge selbst macht also die Zeit“.

Die drei Zeitmodi, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, nennt Hegel „Dimensionen der Zeit“ (E II 50). Im eigentlichen Sinne seiend ist davon nur das Jetzt der Gegenwart, das allerdings stĂ€ndig zum Nichtsein wird. Vergangenheit und Zukunft haben dagegen ĂŒberhaupt kein Bestehen. Sie sind nur in der subjektiven Erinnerung bzw. in Furcht und Hoffnung (E II 51).

Von der Zeit als TotalitĂ€t von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft muss die Ewigkeit unterschieden werden. Hegel fasst die Ewigkeit nicht als etwas Jenseitiges auf, das nach der Zeit kommen mĂŒsste; denn auf diese Weise „wĂŒrde die Ewigkeit zur Zukunft, einem Momente der Zeit, gemacht“ (E II 49): „Die Ewigkeit ist nicht vor oder nach der Zeit, nicht vor der Erschaffung der Welt, noch wenn sie untergeht; sondern die Ewigkeit ist absolute Gegenwart, das Jetzt ohne Vor und Nach“ (E II 25).

Materie und Bewegung

Mit den Kategorien des Raums und der Zeit ist nach Hegel zunĂ€chst weiter die Kategorie der Bewegung involviert. Nun hat Bewegung aber nur Sinn relativ zu einem Nicht-Bewegten, d. h. mit der Kategorie der Bewegung ist so immer auch die der Ruhe impliziert. Ruhend kann aber nur etwas sein, das in der Bewegung identisch erhalten ist und dadurch einen bestimmten, einzelnen Ort als Bezugsinstanz von Bewegung definiert. Ein solches in der Bewegung identisch erhaltenes Einzelnes ist nun nach Hegel die Masse. Die „Logik“ des Bewegungsbegriffs fordert so auch die Kategorie der Masse.

Relativ zu einer anderen Masse kann eine Masse selbst auch bewegt sein. In diesem Fall ist die Bewegungsrelation symmetrisch: Jede der beiden Massen kann gleichermaßen als ruhend oder bewegt betrachtet werden, womit das RelativitĂ€tsprinzip der Bewegung formuliert ist.

Entsprechend dem RelativitĂ€tsprinzip der Bewegung kann eine Masse entweder als ruhend, nĂ€mlich in Bezug auf sich selbst, oder als bewegt, nĂ€mlich in Bezug auf eine andere (relativ zu ihr bewegte) Masse betrachtet werden. Die Masse kann somit prinzipiell beides sein, ruhend oder bewegt. Sie sei darum, so Hegel, „gleichgĂŒltig gegen beides“ und in diesem Sinn trĂ€ge: „Insofern sie ruht, ruht sie und geht nicht durch sich selbst in Bewegung ĂŒber; ist sie in Bewegung, so ist sie eben in Bewegung und geht nicht fĂŒr sich selbst in Ruhe ĂŒber“ (E II 65 Z). Das Dynamische ist eine in der Materie selbst liegende Möglichkeit; es ist das „eigene Wesen der Materie, das selbst zugleich ihrer Innerlichkeit angehört“ (E II 68 Z).

Organik

Die „Organik“ beinhaltet Hegels Theorie des Lebens. Das Leben hat nach Hegel die chemischen Prozesse zur Voraussetzung und ist zugleich deren „Wahrheit“. In den chemischen Prozessen fallen Vereinigung und Trennung der Stoffe noch auseinander, in den organischen Prozessen sind beide Seiten untrennbar verbunden. Die einzelnen anorganischen Prozesse sind voneinander unabhĂ€ngig – im Organismus folgt ein Prozess auf den anderen. DarĂŒber hinaus ist der Organismus grundsĂ€tzlich reflexiv strukturiert, wĂ€hrend in den chemischen Reaktionen eine bloße Wechselwirkung stattfindet. Hegel hĂ€lt diese reflexive Struktur fĂŒr das entscheidende Kriterium des Lebens: „Wenn die Produkte des chemischen Prozesses selbst wieder die TĂ€tigkeit anfingen, so wĂ€ren sie das Leben“ (E II 333 Z).

Die „vegetabilische Natur“

Das Charakteristikum der Pflanze ist fĂŒr Hegel ihre nur „formelle SubjektivitĂ€t“ (E II 337). Sie ist nicht in sich zentriert, ihre Glieder sind daher relativ selbstĂ€ndig: „der Teil – die Knospe, Zweig usf. – Ist auch die ganze Pflanze“ (E II 371). Dieser Mangel an konkreter SubjektivitĂ€t ist nach Hegel der Grund fĂŒr die unmittelbare Einheit der Pflanze mit ihrer Umwelt, die sich in der ununterbrochenen Aufnahme nicht individualisierter Nahrung, im Fehlen von Ortsbewegung, animalischer WĂ€rme und GefĂŒhl zeigt (E II 373 f.). Die Pflanze ist zudem auf das Licht angewiesen, das Hegel als „ihr Ă€ußerliches Selbst“ bezeichnet (E II 412).

Der „tierische Organismus“

Das Tier oder der animalische Organismus stellt die höchste Realisationsstufe des Organischen dar. Es ist der „wahrhafte Organismus“ (E II 429). Sein Hauptcharakteristikum besteht darin, dass seine Glieder ihre SelbstĂ€ndigkeit verlieren und es damit zum konkreten Subjekt wird (E II 337).

Das VerhĂ€ltnis des Tieres gegenĂŒber seiner Umwelt ist im Vergleich zur Pflanze durch eine grĂ¶ĂŸere SelbststĂ€ndigkeit geprĂ€gt, was sich in seiner FĂ€higkeit zur OrtsverĂ€nderung und zur Unterbrechung der Nahrungsaufnahme ausdrĂŒckt. Das Tier hat ferner eine Stimme, mit der es seine Innerlichkeit ausdrĂŒcken kann, WĂ€rme und Empfindung (E II 431 Z).

Mit der Fortpflanzung der Individuen „ist die Gattung als solche fĂŒr sich in die RealitĂ€t getreten, und ein Höheres, als die Natur, geworden“.[29] Das Allgemeine erweist sich als die Wahrheit der Einzelheit. Allerdings ist dieses Allgemeine mit dem Tode des einzelnen Organismus verbunden. Auch der neue Organismus ist ein einzelner, der daher ebenfalls sterben muss. Nur im Geiste wird das Allgemeine mit dem Einzelnen positiv vereint und d. h. von ihm als solches gewusst: „Im Tiere existiert die Gattung aber nicht, sondern ist nur an sich; erst im Geiste ist sie an und fĂŒr sich in seiner Ewigkeit“ (E II 520).

Das Tier erreicht in der Fortpflanzung seinen höchsten Punkt – gerade deswegen muss es sterben: „Niedrige tierische Organismen, z. B. Schmetterlinge, sterben daher unmittelbar nach der Begattung, denn sie haben ihre Einzelheit in der Gattung aufgehoben, und ihre Einzelheit ist ihr Leben“ (E II 518 f. Z).

FĂŒr den einzelnen Organismus ist „seine Unangemessenheit zur Allgemeinheit [..] seine ursprĂŒngliche Krankheit und (der) angeborene Keim des Todes“ (E II 535). Im Tod wird der höchste Punkt der Natur, und damit diese als Ganze, negiert – freilich nur auf abstrakte Weise. „Der Tod ist nur die abstrakte Negation des an sich Negativen; er ist selbst ein Nichtiges, die offenbare Nichtigkeit. Aber die gesetzte Nichtigkeit ist zugleich die aufgehobene und die RĂŒckkehr zum Positiven“ (Rel I 175f.). Ebendiese zugleich affirmative Negation der Natur, die auch als Organismus keine Wahrheit hat, ist nach Hegel der Geist: „das letzte Außersichsein der Natur ist aufgehoben, und der in ihr nur an sich seiende Begriff ist damit fĂŒr sich geworden“ (E II 537).

Philosophie des Geistes

Der Begriff des Geistes

Der Geist ist fĂŒr Hegel die Wahrheit und das „absolut Erste“ der Natur (E III 16). In ihm wird die EntĂ€ußerung des Begriffs wieder aufgehoben, die Idee gelangt „zu ihrem FĂŒrsichsein“ (E III 16).

WĂ€hrend die Natur auch als denkend durchdrungene immer etwas vom Geiste Unterschiedenes, Unmittelbares bleibt, auf das „der Begriff“ gerichtet ist, fallen im Geist Gegenstand und Begriff in eins. „Geist“ ist das Begreifende und das Begriffene; er hat „den Begriff zu seinem Dasein“ (E II 537).

Der Geist, der auf Geistiges gerichtet ist, ist bei sich und somit frei. Alle Gestalten des Geistes weisen eine grundlegend selbstbezĂŒgliche Struktur auf. Sie tritt bereits bei den Formen des subjektiven Geistes auf, findet ihre charakteristische Gestalt jedoch erst dort, wo sich der Geist „objektiviert“ und zum „objektiven Geist“ wird. In der Gestalt des „absoluten Geistes“ schließlich fallen Wissen und Gegenstand des Geistes zur „an und fĂŒr sich seienden [
] Einheit der ObjektivitĂ€t des Geistes“ (E III 32) zusammen.

Subjektiver Geist

Stufen der seelischen Entwicklung

natĂŒrliche Seele → fĂŒhlende Seele → wirkliche Seele

Seele

Den systematisch gesehen ersten Teil der Philosophie des subjektiven Geistes stellt die von Hegel so genannte „Anthropologie“ dar. Ihr Thema ist nicht der Mensch schlechthin, sondern die Seele, welche Hegel von Bewusstsein und Geist unterscheidet. Der subjektive Geist ist hier „an sich oder unmittelbar“, wohingegen er im Bewusstsein als „fĂŒr sich vermittelt“ und im Geist als „sich in sich bestimmend“ erscheint (E III 38).

Hegel wendet sich dezidiert gegen den neuzeitlichen Dualismus von Leib und Seele. FĂŒr ihn ist die Seele zwar immateriell, steht aber nicht im Gegensatz zur Natur. Sie ist vielmehr „die allgemeine ImmaterialitĂ€t der Natur, deren einfaches ideelles Leben“ (E III 43). Als solche ist sie stets auf „Natur“ bezogen. Die Seele ist nur dort, wo Leiblichkeit ist; sie stellt das Prinzip der Bewegung dar, die Leiblichkeit in Richtung auf das Bewusstsein zu transzendieren.

Die Entwicklung der Seele durchlĂ€uft dabei die drei Stufen einer „natĂŒrlichen“, einer „fĂŒhlenden“ und einer „wirklichen Seele“ (E III 49).

Die „natĂŒrliche Seele“ ist noch völlig mit der Natur verwoben und noch nicht einmal in unmittelbarer Weise in sich reflektiert. Die Welt, die noch nicht durch eine Tat der Abstraktion zu sich gekommen ist, ist von ihr nicht ablösbar, sondern bildet einen Teil von ihr.

Die „fĂŒhlende Seele“ unterscheidet sich von der „natĂŒrlichen“ durch das stĂ€rkere Moment der ReflexivitĂ€t. Hegel behandelt in diesem Zusammenhang im Wesentlichen parapsychologische PhĂ€nomene, psychische Krankheiten und das PhĂ€nomen der Gewohnheit.

Hegel hĂ€lt PhĂ€nomene wie den „animalischen Magnetismus“(Mesmer) und den „kĂŒnstlichen Somnambulismus“(PuysĂ©gur) fĂŒr einen Beweis der ideellen Natur der Seele. Im Gegensatz zu Mesmer deutet Hegel diese PhĂ€nomene wie PuysĂ©gur und spĂ€ter auch James Braid bereits psychologisch.[30][31] Ihre Verbindung des NatĂŒrlichen mit dem Geistigen bildet fĂŒr ihn die allgemeine Grundlage der Geisteskrankheiten. Der „reine Geist“ kann nicht krank sein; nur durch das Beharren in der Besonderheit seines SelbstgefĂŒhls, durch seine „partikulĂ€re Verleiblichung“ ist das „zum verstĂ€ndigen Bewußtsein gebildete Subjekt noch der Krankheit fĂ€hig“ (E III 161). Der Wahnsinn enthĂ€lt „wesentlich den Widerspruch eines leiblich, seiend gewordenen GefĂŒhls gegen die TotalitĂ€t der Vermittlungen, welche das konkrete Bewußtsein ist“ (E III 162 A). Geisteskrankheiten sind insofern fĂŒr Hegel immer psychosomatischer Natur. Zu ihrer Heilung empfiehlt Hegel, der Arzt solle auf die Wahnvorstellungen seines Patienten eingehen und diese dann durch Hinweis auf ihre unmöglichen Konsequenzen ad absurdum fĂŒhren (E III 181f. Z).

Durch die Gewohnheit werden die verschiedenen GefĂŒhle zu einer „zweiten Natur“, d. h. zu einer „von der Seele gesetzten Unmittelbarkeit“ (E III 184 A). Das Moment ihrer NatĂŒrlichkeit bedeutet zwar eine Unfreiheit; gleichzeitig entlastet sie jedoch von unmittelbaren Empfindungen öffnet die Seele „fĂŒr die weitere TĂ€tigkeit und BeschĂ€ftigung – der Empfindung sowie des Bewußtseins des Geistes ĂŒberhaupt“ (E III 184).

Die „wirkliche Seele“ entsteht im Prozess der Befreiung des Geistes von der NatĂŒrlichkeit. In ihm wird die Leiblichkeit schließlich zur bloßen „Äußerlichkeit [..], in welchem das Subjekt sich nur auf sich bezieht“ (E III 192). Das Geistige steht dabei fĂŒr Hegel nicht abstrakt neben der Leiblichkeit, sondern es durchdringt sie. Hegel spricht in diesem Zusammenhang von einem â€žĂŒber das Ganze ausgegossenen geistigen Ton, welcher den Körper unmittelbar als Äußerlichkeit einer höheren Natur kundgibt“ (E III 192).

Bewusstsein

Der mittlere Abschnitt der Philosophie des subjektiven Geistes hat das Bewusstsein bzw. dessen „Subjekt“ (E III 202), das Ich, zum Gegenstand. Die Seele wird zum Ich, indem sie in sich reflektiert und eine Grenze zwischen sich und dem Gegenstand zieht. WĂ€hrend die Seele noch nicht in der Lage ist, sich aus ihren Inhalten, den Empfindungen, herauszureflektieren, ist das Ich gerade durch das „Sich-von-sich-Unterscheiden“ (E III 199 Z) definiert.

Aufgrund dieser AbstraktionsfĂ€higkeit ist das Ich leer und einsam – denn jeder objektive Inhalt ist außerhalb seiner. Doch das Ich bezieht sich zugleich auf das, was es ausschließt, indem der Verstand „die Unterschiede als selbstĂ€ndig annimmt und zugleich auch ihre RelativitĂ€t setzt“, aber „diese Gedanken nicht zusammenbringt, sie nicht zum Begriffe vereint“ (E I 236 A). Das Bewusstsein ist daher „der Widerspruch der SelbstĂ€ndigkeit beider Seiten und ihrer IdentitĂ€t, in welcher sie aufgehoben sind“ (E III 201).

Die Angewiesenheit des Ich auf sein Objekt beruht gerade darauf, dass es das Objekt von sich „abstoßen“ muss, um Ich zu sein. Dies zeigt sich in der Entwicklung des Bewusstseins darin, dass einer Änderung seines Objekts eine Änderung seiner selbst – und umgekehrt – entspricht (E III 202). Das Ziel der Entwicklung ist, dass das Ich den an sich immer schon mit ihm identischen Gegenstand auch ausdrĂŒcklich als solchen erkennt – dass es auch in dem Inhalt des Gegenstandes, der ihm zunĂ€chst fremd ist, sich selbst begreift.

Die abschließende Stufe des Bewusstseins, in der eine „IdentitĂ€t der SubjektivitĂ€t des Begriffs und seiner ObjektivitĂ€t“ (E III 228) erreicht ist, ist die Vernunft – der „Begriff des Geistes“ (E III 204), der zur Psychologie ĂŒberleitet.

Geist
Formen des (subjektiven) Geistes
subjektiver Geist
│
├── theoretischer Geist
│  ├── Anschauung
│  │  ├── GefĂŒhl
│  │  ├── Aufmerksamkeit
│  │  └── eigentliche Anschauung
│  ├── Vorstellung
│  └── Denken
│
├── praktischer Geist
│  ├── praktisches GefĂŒhl
│  ├── Triebe und WillkĂŒr
│  └── GlĂŒckseligkeit
│
└── freier Geist

Das Thema von Hegels „Psychologie“ ist der Geist im eigentlichen Sinne. WĂ€hrend die Seele noch an die Natur, das Bewusstsein an ein ihm Ă€ußerliches Objekt gebunden war, unterliegt der Geist keinen ihm fremden Bindungen mehr. Es geht ab jetzt in Hegels System nicht mehr um das Wissen eines „Gegenstandes“, sondern um das Wissen des Geistes von sich selbst: „Der Geist fĂ€ngt daher nur von seinem eigenen Sein an und verhĂ€lt sich nur zu seinen eigenen Bestimmungen“ (E III 229). Er wird zunĂ€chst zum theoretischen, praktischen und freien Geist, spĂ€ter schließlich zum objektiven und absoluten Geist.

Theoretischer und praktischer Geist

Hegels Bestimmung des VerhĂ€ltnisses von theoretischem und praktischem Geist ist ambivalent. Zum einen sieht er eine PrioritĂ€t des theoretischen Geistes, da der „Wille“ (praktischer Geist) gegenĂŒber der „Intelligenz“ (theoretischer Geist) das BeschrĂ€nktere sei. WĂ€hrend der Wille „sich mit der Ă€ußerlichen, widerstandleistenden Materie, mit der ausschließenden Einzelheit des Wirklichen, in Kampf einlĂ€ĂŸt und zugleich anderen menschlichen Willen sich gegenĂŒber hat“, geht die Intelligenz „in ihrer Äußerung nur bis zum Worte – dieser flĂŒchtigen, verschwindenden, in einem widerstandslosen Element erfolgenden, ganz ideellen Realisation“, bleibt also „in ihrer Äußerung vollkommen bei sich“ und „in sich selber befriedigt“ (E III 239 Z). Die Auseinandersetzung mit der materiellen RealitĂ€t wird von Hegel als anstrengend und mĂŒhsam beschrieben – der praktische Geist gegenĂŒber dem theoretischen daher abgewertet. Der theoretische Geist ist dagegen bei sich bleibender Selbstzweck.

Andererseits bewertet Hegel den praktischen Geist als Fortschritt gegenĂŒber dem theoretischen und macht ihn sogar zum realphilosophischen Pendant seiner höchsten logischen Kategorie, der Idee: „Der praktische Geist hat nicht nur Ideen, sondern ist die lebendige Idee selbst. Er ist der sich aus sich selbst bestimmende und seinen Bestimmungen Ă€ußerliche RealitĂ€t gebende Geist. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Ich, wie es nur theoretisch oder ideell und wie es praktisch oder reell sich zum Gegenstande, zur ObjektivitĂ€t macht“ (NS 57).

Die Sprache

Ein wesentliches Element des theoretischen Geistes stellt die Sprache dar. Sie ist die TĂ€tigkeit der „Zeichen machenden Phantasie“ (E III 268). Die Sprache hat fĂŒr Hegel im Wesentlichen eine Bezeichnungsfunktion. Mit ihr gibt der Geist den aus den Bildern der Anschauung gebildeten Vorstellungen „ein zweites, höheres [
] Dasein“ (E III 271). Die Sprache ist fĂŒr das Denken unerlĂ€sslich. Das GedĂ€chtnis ist nach Hegel sprachliche Erinnerung; in ihm werden nicht Bilder, sondern Namen aufbewahrt, in denen Bedeutung und Zeichen zusammenfallen (E III 277f.). Das reproduzierende GedĂ€chtnis erkennt ohne Anschauung und Bild, allein anhand der Namen und ermöglicht somit das Denken: „Bei dem Namen Löwe bedĂŒrfen wir weder der Anschauung eines solches Tieres noch auch selbst des Bildes, sondern der Name, indem wir ihn verstehen, ist die bildlose einfache Vorstellung. Es ist in Namen, daß wir denken“ (E III 278).

Hegel betont immer wieder, dass es unmöglich ist, in der Sprache die Einzelheit eines Dinges zu fixieren. Die Sprache verwandelt – gegen die innere Intention des Sprechers – alle sinnlichen Bestimmungen unweigerlich in ein Allgemeines und ist insofern klĂŒger als unsere eigene Meinung (PG 85). DarĂŒber hinaus ĂŒberschreitet die Sprache auch die Vereinzelung des Ichs, indem sie meine bloß subjektive Meinung von der Einzelheit aufhebt: „Indem die Sprache das Werk des Gedankens ist, so kann auch in ihr nichts gesagt werden, was nicht allgemein ist. Was ich nur meine, ist mein, gehört mir als diesem besonderen Individuum an; wenn aber die Sprache nur Allgemeines ausdrĂŒckt, so kann ich nicht sagen, was ich nur meine“ (E I 74).

Obwohl Hegel die Sprachlichkeit des Denkens anerkennt, hat fĂŒr ihn das Denken dennoch eine der Sprache gegenĂŒber primĂ€re Existenz. Nicht das Denken hĂ€ngt von der Sprache, sondern umgekehrt die Sprache vom Denken ab (E III 272). Die in der Sprache geronnene Vernunft gilt es – analog zur Vernunft im Mythos – zu entdecken. Die Philosophie hat fĂŒr Hegel dabei eine sprachnormierende Funktion (L II 407).

Trieb, Neigung, Leidenschaft

Hegel betont die „vernĂŒnftige Natur“ der Triebe, Neigungen und Leidenschaften, die er als eine Form des praktischen Geistes betrachtet. Sie haben „die vernĂŒnftige Natur des Geistes einerseits zu ihrer Grundlage“, sind aber andererseits „mit ZufĂ€lligkeit behaftet“. Sie beschrĂ€nken den Willen auf eine Bestimmung unter vielen, in die das „Subjekt das ganze lebendige Interesse seines Geistes, Talentes, Charakters, Genusses“ legt. Doch ist fĂŒr Hegel „nichts Großes ohne Leidenschaft vollbracht worden, noch kann es ohne solche vollbracht werden. Es ist nur eine tote, ja zu oft heuchlerische MoralitĂ€t, welche gegen die Form der Leidenschaft als solche loszieht“ (E III 296).

Hegel wehrt sich gegen jegliche moralische Bewertung von Leidenschaft und Neigungen. FĂŒr ihn kommt generell keine TĂ€tigkeit „ohne Interesse zustande“. Hegel spricht daher den Leidenschaften eine „ formelle VernĂŒnftigkeit“ zu; sie haben die Tendenz, „durch die TĂ€tigkeit des Subjekts selbst die SubjektivitĂ€t aufzuheben“ und somit „realisiert zu werden“ (E III 297).

Objektiver Geist

Das bekannteste Gebiet der hegelschen Philosophie stellt seine Philosophie des objektiven Geistes dar. Im „objektiven Geist“ wird der „subjektive Geist“ sich gegenstĂ€ndlich. Hegel betrachtet hier „Recht“, „MoralitĂ€t“ und „Sittlichkeit“ als Formen gesellschaftlichen Lebens .

Recht
Naturrecht und positives Recht

Hegel steht der naturrechtlichen Tradition nahe. Der Begriff „Naturrecht“ ist fĂŒr ihn allerdings verfehlt, da er die Zweideutigkeit enthĂ€lt, „daß darunter 1) das Wesen und der Begriff von etwas verstanden wird und 2) die bewußtlose unmittelbare Natur als solche“. [32] Der Geltungsgrund von Normen kann fĂŒr Hegel nicht die Natur, sondern nur die Vernunft sein.

Naturrecht und positives Recht sind fĂŒr Hegel komplementĂ€r. Das positive Recht ist konkreter als das Naturrecht, da es in Beziehung gebracht werden muss zu empirischen Rahmenbedingungen. Die Fundierung des positiven Rechts kann aber nur mittels des Naturrechts erfolgen.

Freiheit und Recht

Das konstituierende Prinzip naturrechtlicher Normen ist der freie Wille (R 46). Der Wille kann nur dann frei sein, wenn er sich selbst zum Inhalt hat: Erst „der freie Wille, der den freien Willen will“ (R 79), ist wahrhaft autonom, da in ihm der Inhalt durch das Denken gesetzt ist. Dieser Wille bezieht sich auf nichts Fremdes mehr; er ist zugleich subjektiv und objektiv (R 76f.). Das Recht ist nach Hegel identisch mit dem freien Willen. Es ist daher keine Schranke der Freiheit, sondern deren Vollendung. Die Negation der WillkĂŒr durch das Recht ist in Wahrheit eine Befreiung. Hegel kritisiert in diesem Zusammenhang die Rechtsauffassung Rousseaus und Kants, die das Recht als etwas SekundĂ€res gedeutet hatten und macht diese „Seichtigkeit der Gedanken“ fĂŒr die Schrecken der Französischen Revolution mit verantwortlich (vgl. R 80f.).

Die Person

Der Grundbegriff des abstrakten Rechts ist die Person. In der Person ist von aller Besonderheit abstrahiert; sie ist allgemeiner, formeller Selbstbezug. Diese Abstraktheit ist einerseits Voraussetzung fĂŒr die Gleichheit unter den Menschen, andererseits der Grund, dass der Geist als Person „seine Besonderheit und ErfĂŒllung noch nicht an ihm selbst, sondern an einer Ă€ußerlichen Sache hat“ (E III 306).

Eigentum und Vertrag

Hegel rechtfertigt die Notwendigkeit des Eigentums damit, dass die Person, „um als Idee zu sein“ (R 102) ein Ă€ußerliches Dasein haben mĂŒsse. Die Natur ist fĂŒr Hegel kein direktes Rechtssubjekt. Alles NatĂŒrliche kann Eigentum des Menschen werden – gegenĂŒber seinem Willen ist die Natur rechtlos: Die Tiere „haben kein Recht auf ihr Leben, weil sie es nicht wollen“ (R 11 Z). Das Eigentum ist nicht bloß Mittel zur BedĂŒrfnisbefriedigung, sondern Selbstzweck, da es eine Form der Freiheit darstellt.

Die EntĂ€ußerung des Eigentums geschieht im Vertrag. VerĂ€ußert werden können auch Arbeitsleistungen und geistige Produkte. UnverĂ€ußerlich sind fĂŒr Hegel GĂŒter, „welche meine eigenste Person und das allgemeine Wesen meines Selbstbewußtseins ausmachen, wie meine Persönlichkeit ĂŒberhaupt, meine allgemeine Willensfreiheit, Sittlichkeit, Religion“ (R 141); ebenso „das Recht zu leben“ (R 144 Z).

Der Vertrag ist die Wahrheit des Eigentums; in ihm drĂŒckt sich der intersubjektive Bezug des Eigentums aus. Das Wesen des Vertrages besteht in der Übereinkunft zweier Personen zur Bildung eines gemeinsamen Willens. In ihm wird der Widerspruch „vermittelt“, „daß Ich fĂŒr mich seiender, den anderen Willen ausschließender EigentĂŒmer insofern bin und bleibe, als Ich in einem mit dem anderen identischen Willen aufhöre, EigentĂŒmer zu sein“ (R 155).

Unrecht

Im Anschluss an Kant vertritt Hegel eine „absolute“ Straftheorie: Gestraft wird, weil ein Unrecht geschehen ist („quia peccatum est“) und nicht – wie in der zeitgenössischen relativen Straftheorie ĂŒblich –, damit nicht weiteres Unrecht geschehe („ne peccetur“). Hegel begrĂŒndet seinen Ansatz mit der Notwendigkeit der Restitution des verletzten Rechts. Verletztes Recht muss wiederhergestellt werden, denn sonst wĂ€re das Recht aufgehoben und statt seiner wĂŒrde das Verbrechen gelten (R 187 f.) Die erforderliche Wiederherstellung des verletzten Rechts kann nur durch Negation seiner Verletzung, die Strafe, erfolgen.

Die Wiederherstellung des Rechts durch die Strafe ist nichts, das bloß gegen den Willen des Verbrechers geschehen wĂŒrde. Der vom Verbrecher verletzte an sich seiende Wille ist auch sein eigener, vernĂŒnftiger Wille: „Die Verletzung, die dem Verbrecher widerfĂ€hrt, ist nicht nur an sich gerecht – als gerecht ist sie zugleich sein an sich seiender Wille, ein Dasein seiner Freiheit, sein Recht“ (R 190).

MoralitÀt

Hegel hat keine eigene Ethik entwickelt. Seine AusfĂŒhrungen ĂŒber die „MoralitĂ€t“ beinhalten kritische Überlegungen zur ethischen Tradition und Elemente einer Handlungstheorie.

Hegel unterscheidet zwischen einem an sich seienden, allgemeinen Rechtswillen und dem fĂŒr sich seienden, subjektiven Willen. Diese beiden Willen können in einem Gegensatz zueinander stehen, was einen Bruch des Rechts zur Folge hat. Zur Vermittlung ihres Gegensatzes ist ein „moralischer Wille“ erforderlich, der beide Willensformen miteinander vermittelt.

Da der (subjektive) Wille stets auf einen Inhalt oder Zweck gerichtet ist, kann er nicht fĂŒr sich alleine betrachtet werden. Die Beziehung auf seinen Ă€ußeren Inhalt ermöglicht erst die Selbstbeziehung des Willens. Durch den Ă€ußeren Inhalt ist der Wille „fĂŒr mich als der meinige so bestimmt, daß er in seiner IdentitĂ€t nicht nur als mein innerer Zweck, sondern auch, insofern er die Ă€ußerliche ObjektivitĂ€t erhalten hat, meine SubjektivitĂ€t fĂŒr mich enthalte“ ( R 208).

Vorsatz und Schuld

In der Analyse von „Vorsatz“ und „Schuld“ behandelt Hegel die unterschiedlichen Dimensionen des Problems der Zurechnung. Hegel vertritt einen weiten Verschuldensbegriff, der sich auch auf solche FĂ€lle erstreckt, die nicht durch meine „Tat“, sondern etwa durch mein Eigentum verursacht sind. Hegel nimmt damit die Konzeption der GefĂ€hrdungshaftung vorweg, die erst Ende des 19. Jhd. entwickelt wurde und im heutigen Zivilrecht eine bedeutende Rolle spielt.[33]

Das Moment des Vorsatzes trennt den Handlungsbegriff von dem der Tat. Dennoch fasst Hegel den Begriff des Vorsatzes nicht bloß subjektiv. Er schließt in ihn auch die Folgen ein, die mit dem Zweck der Handlung unmittelbar zusammenhĂ€ngen. FĂŒr den Bereich des Strafrechts fordert Hegel daher, dass der Erfolg einer vorsĂ€tzlichen Handlung bei der Strafzumessung mit zu berĂŒcksichtigen sei (R 218f. A).

Absicht und Wohl

Hegel wendet sich gegen die Tendenz seiner Zeit, einen Bruch zwischen dem „Objektiven der Handlungen“ und dem „Subjektiven der BeweggrĂŒnde, des Inneren“ vorauszusetzen.[34] An und fĂŒr sich geltende Zwecke und subjektive Befriedigung sind fĂŒr ihn nicht zu trennen. Es gibt ein Recht des Individuums, die BedĂŒrfnisse, die es als organisches Wesen hat, zu befriedigen: „Es ist nichts HerabwĂŒrdigendes darin, daß jemand lebt, und ihm steht keine höhere Geistigkeit gegenĂŒber, in der man existieren könnte“ (R 232 Z).

Das Gute und das Gewissen

Hegel kritisiert den kategorischen Imperativ Kants als inhaltslos. Es lasse sich mit ihm alles und nichts begrĂŒnden – alles, wenn man bestimmte Voraussetzungen mache, nichts, wenn man diese nicht mache. So sei es selbstverstĂ€ndlich ein Widerspruch, zu stehlen, wenn Eigentum bestehen solle; werde diese Voraussetzung nicht gemacht, so sei Stehlen nicht widersprĂŒchlich: „Daß kein Eigentum stattfindet, enthĂ€lt fĂŒr sich ebensowenig einen Widerspruch, als daß dieses oder jenes einzelne Volk, Familie usf. nicht existiere oder daß ĂŒberhaupt keine Menschen leben.“ (R 252 A).

Die Entscheidung ĂŒber das, was konkret gelten solle, fĂ€llt in das subjektive Gewissen. Dieses hat jedoch keine festen Bestimmungen, da diese erst auf dem Standpunkt der Sittlichkeit gegeben werden können. Nur das wahre Gewissen, als Einheit von subjektivem Wissen und objektiver Norm, achtet Hegel als „Heiligtum, welches anzutasten Frevel wĂ€re“. Das Gewissen muss dem Urteil unterworfen werden, „ob es wahrhaft ist oder nicht“. Der Staat „kann deswegen das Gewissen in seiner eigentĂŒmlichen Form, d. i. als subjektives Wissen nicht anerkennen, sowenig als in der Wissenschaft die subjektive Meinung, die Versicherung und Berufung auf eine subjektive Meinung, eine GĂŒltigkeit hat“ (R 254 A).

Das Böse ist fĂŒr Hegel das rein subjektive Gewissen, in dem sich der eigene, partikulare Wille zum Prinzip des Handelns macht. Es stellt eine Zwischenform zwischen NatĂŒrlichkeit und Geistigkeit dar. Einerseits ist das Böse nicht mehr Natur; denn der bloß natĂŒrliche Wille ist „nicht gut noch böse“ (R 262 A), da er noch nicht in sich reflektiert ist. Andererseits ist das Böse auch kein Akt wahrer Geistigkeit, da der böse Wille die natĂŒrlichen Triebe und Neigungen mit aller Kraft der SubjektivitĂ€t festhĂ€lt: „Der Mensch ist daher zugleich sowohl an sich oder von Natur als durch seine Reflexion in sich böse, so daß weder die Natur als solche, d. i. wenn sie nicht NatĂŒrlichkeit des in ihrem besonderen Inhalte bleibenden Willens wĂ€re, noch die in sich gehende Reflexion, das Erkennen ĂŒberhaupt, wenn es sich nicht in jenem Gegensatz hielte, fĂŒr sich das Böse ist“ (R 260 f. A).

Sittlichkeit

Den dritten und gewichtigsten Teil der Philosophie des objektiven Geistes macht bei Hegel die „Sittlichkeit“ aus. Sie ist der „zur vorhandenen Welt und zur Natur des Selbstbewußtseins gewordene Begriff der Freiheit“ (R 292). Ihre Institutionen sind die Familie, die bĂŒrgerliche Gesellschaft und der Staat.

Die Sittlichkeit hat eine widersprĂŒchliche Struktur. Ihre „Gesetze und Gewalten“ haben fĂŒr das einzelne Subjekt zunĂ€chst nicht den Charakter von Freiheit, sondern sind „eine absolute, unendlich festere AutoritĂ€t und Macht als das Sein der Natur“ (R 295). Andererseits sind sie das ureigene Produkt des Willens selbst. Die Formen des Willens (Familie, Gesellschaft, Staat) unterliegen dabei zwar einer geschichtlichen Entwicklung; sie sind aber fĂŒr Hegel nicht willkĂŒrlich entstanden, sondern machen die „Substanz“ des Willens aus. Hegel ist somit ein Gegner der seit der frĂŒhen Neuzeit ĂŒblichen vertragstheoretischen Gesellschaftsmodelle.

Die Familie

Die Grundlage der Familie ist die Empfindung der Liebe (R 307). Hegel hebt den widersprĂŒchlichen Charakter der Liebe hervor: sie ist der der „ungeheuerste Widerspruch, den der Verstand nicht lösen kann, indem es nichts HĂ€rteres gibt als diese PunktualitĂ€t des Selbstbewußtseins, die negiert wird und die ich doch als affirmativ haben soll“ (R 307 Z). In der Familie hat man Rechte nur hinsichtlich ihrer Ă€ußerlichen Seite (Vermögen) oder wenn sie sie aufgelöst wird (R 308); die Liebe selbst kann nicht Gegenstand des Rechts sein (vgl. R 366 Z).

Die Ehe hat ihren Ausgangspunkt in der SexualitĂ€t, den sie aber zu einer geistigen Einheit umzugestalten hat (R 309f.). Hegel wendet sich sowohl gegen eine vertragstheoretische als auch gegen eine naturalistische Reduktion der Ehe. Beide Deutungen verkennen den Zwischencharakter der Ehe, einerseits durch einen Willensakt konstituiert zu werden und doch kein beliebiges VertragsverhĂ€ltnis zu sein, andererseits nicht bloße Natur zu sein, aber doch ein natĂŒrliches Moment in sich zu haben.

Die Liebe als Beziehung zwischen den Ehegatten objektiviert sich in den Kindern und wird selbst zur Person (R 325). Erst mit ihnen vollendet sich die Ehe und wird zur Familie im eigentlichen Sinne. Die Kinder sind nach Hegel Rechtssubjekte; sie haben das Recht „ernĂ€hrt und erzogen zu werden“ (R 326). Sie sind „an sich Freie“ und „gehören daher weder anderen noch den Eltern als Sachen an“ (R 327).

Der Bezug des Kindes zur Welt ist immer schon durch die Traditionen der Eltern vermittelt: „Die Welt kommt nicht an dies Bewußtsein als ein Werdendes wie bisher in der absoluten Form eines Äußern, sondern durchgegangen durch die Form des Bewußtseins; seine unorganische Natur ist das Wissen der Eltern, die Welt ist eine schon zubereitete; und die Form der IdealitĂ€t ist es, was an das Kind kommt“.[35] FĂŒr Hösle nimmt Hegel hiermit schon „den Grundgedanken der (transzendentalen) Hermeneutik eines Peirce und Royce“ vorweg: „Es gibt keine unmittelbare Subjekt-Objekt-Relation; diese Relation ist vielmehr verwoben und durchsetzt durch den Subjekt-Subjekt-Bezug der Tradition“.[36]

Hegel hĂ€lt zwar die Ehe nicht fĂŒr unauflöslich (R 313); dennoch dĂŒrfe sie nur durch eine sittliche AutoritĂ€t – wie dem Staat oder der Kirche – geschieden werden. Wenn die Ehescheidung allzu leicht sei, sei ein Moment der „Auflösung des Staates“ gegeben (R 321). Hegel geht daher von einem Recht der Institutionen aus, auch dann noch an der Ehe festzuhalten, wenn die Ehegatten dies nicht mehr wollen: das Recht gegen ihre Auflösung sei ein „Recht der Ehe selbst, nicht der individuellen Person als solcher“ (R 308).

Die bĂŒrgerliche Gesellschaft

Hegel gilt als derjenige, der den Begriff der bĂŒrgerlichen Gesellschaft „erstmals prinzipiell thematisiert und zum begrifflichen Bewußtsein ihrer selbst“ erhoben hat.[37] Er thematisiert die Gesellschaft als einen Bereich des Sozialen, der gegenĂŒber Familie und Staat eine eigene RealitĂ€t darstellt. Die bĂŒrgerliche Gesellschaft wird bei Hegel zum „Boden der Vermittlung“[38] zwischen Individuum und Staat. Diese Vermittlung wird in erster Linie vom sog. „System der BedĂŒrfnisse“ (R 346) geleistet, worunter Hegel das System der bĂŒrgerlichen Ökonomie versteht.

  • Das „System der BedĂŒrfnisse“

Hegel stellt den entfremdeten Charakter der modernen Produktion und des modernen Konsums heraus. Er fĂŒhrt dies auf die zunehmende Bildung in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft zurĂŒck, in der die natĂŒrlichen GrundbedĂŒrfnisse des Menschen und damit die Mittel zu ihrer Befriedigung immer weiter differenziert und verfeinert werden (R 347 ff.). Als Folge davon erfolgt eine immer weitere Partikularisierung der Arbeit (R 351), die eine immer stĂ€rkere Arbeitsteilung notwendig macht und schließlich den Menschen durch die Maschine ersetzt (R 352 f.). Diese Ablösung der menschlichen Arbeit durch die Maschine stellt zwar einerseits eine Erleichterung dar, bedeutet aber andererseits, dass der Mensch, indem er die Natur unterwirft auch sich selbst erniedrigt: „Aber jeder Betrug, den er gegen die Natur ausĂŒbt, und mit dem er innerhalb ihrer Einzelnheit stehen bleibt, rĂ€cht sich gegen ihn selbst; was er ihr abgewinnt, je mehr er sie unterjocht, desto niedriger wird er selbst“ (GW 6, 321).

Mit der zunehmenden Arbeitsteilung wird die Arbeit „immer mehr mechanisch“ (R. 353); sie richtet sich nicht mehr auf die lebendige Natur; Arbeit und Produkt haben nichts mehr miteinander zu tun. Die AbhĂ€ngigkeit der Menschen voneinander erhöht sich (R 352); denn der „Mensch erarbeitet sich nicht mehr das was er braucht, oder braucht nicht mehr, was er sich erarbeitet hat“ (GW 6, 321 f.).

Trotz dieser Entfremdungskritik kann fĂŒr Hegel erst im System der modernen Ökonomie der Geist zu sich selbst kommen. Durch die Arbeit kann er sich von seiner unmittelbaren AbhĂ€ngigkeit von der Natur befreien (vgl. R 344 f. A). Auch der Autonomieverlust der Menschen durch ihre wechselseitige AbhĂ€ngigkeit voneinander hat die positive Seite, dass damit „die subjektive Selbstsucht in den Beitrag zur Befriedigung der BedĂŒrfnisse aller anderen“ umschlĂ€gt, indem „jeder fĂŒr sich erwirbt, produziert und genießt, er eben damit fĂŒr den Genuß der Übrigen produziert und erwirbt“ (R 353).

  • Prozess- und Polizeirecht

Hegel vertritt die allgemeine Rechtsgleichheit aller BĂŒrger (R 360 A). Das Recht muss in Form von Gesetzen gefasst sein, weil nur so Allgemeinheit und Bestimmtheit zu erreichen ist (R 361 f.). Hegel lehnt das englische Gewohnheitsrecht mit dem Argument ab, dass auf diese Weise die Richter zu Gesetzgebern wĂŒrden (R 363).

Das Recht ist nur dann etwas Wirkliches, wenn es vor Gericht einklagbar ist. Es ist daher Pflicht und Recht des Staates und der BĂŒrger, Gerichte einzufĂŒhren und sich vor ihnen zu verantworten.

Hegel erkennt die große Bedeutung des Prozessrechtes, das fĂŒr ihn den gleichen Stellenwert hat wie die materialen Gesetze (GW 8, 248). Er tritt fĂŒr den zivilrechtlichen Prozessvergleich (R 375 f.), die Öffentlichkeit der Rechtspflege (R 376) und die Einrichtung von Geschworenengerichten (R 380 f.) ein.

Die Polizei hat innerhalb des Rechts das Wohl des Einzelnen zu befördern. (R 381 Z). Sie hat sicherheits-, ordnungs-, sozial-, wirtschafts- und gesundheitspolitische Aufgaben wahrzunehmen (R 385 Z). Die Polizei hat auch das Recht, Handlungen zu verbieten, die nur möglicherweise schĂ€dlich sind und die Hegel klar von Verbrechen unterscheidet (R 383). GrundsĂ€tzlich fordert Hegel jedoch einen liberalen Staat, der darauf vertraut, dass der BĂŒrger „nicht erst durch einen Begriff und vermöge eines Gesetzes beschrĂ€nkt werden mĂŒsse, des Anderen modifikable Materie nicht zu modifizieren“ (JS 86).

  • Der Wirtschaftsliberalismus und der „Pöbel“

Trotz aller polizeilicher Regelungen bleibt die bĂŒrgerliche Gesellschaft und die Teilhabe an ihr „ZufĂ€lligkeiten unterworfen“, umso stĂ€rker, je mehr sie die „Bedingungen der Geschicklichkeit, Gesundheit, Kapital usw. voraussetzt“ (R 386). Hegel konstatiert, dass die bĂŒrgerliche Gesellschaft zwar auf der einen Seite den Reichtum vermehrt, aber andererseits „die Vereinzelung und BeschrĂ€nktheit der besonderen Arbeit und damit die AbhĂ€ngigkeit und Not der an diese Arbeit gebundenen Klasse“ vergrĂ¶ĂŸert (R 389). Die bĂŒrgerliche Gesellschaft reißt die Einzelnen aus ihren familiĂ€ren Bindungen (R 386). Die zunehmende Arbeitsteilung und die stĂ€ndige Überproduktion zieht Arbeitslosigkeit und eine weitere Steigerung der Armut nach sich. Dies fĂŒhrt zur Bildung des „Pöbels“, einer desintegrierten Gesellschaftsklasse, die durch „die innere Empörung gegen die Reichen, gegen die Gesellschaft, die Regierung“ gekennzeichnet ist, „leichtsinnig und arbeitsscheu“ wird: „Somit entsteht im Pöbel das Böse, daß er die Ehre nicht hat, seine Subsistenz durch seine Arbeit zu finden, und doch seine Subsistenz zu finden als sein Recht anspricht“ (R 389f. Z). Es sei daher „eine vorzĂŒglich die modernen Gesellschaften bewegende und quĂ€lende“ Frage, „wie der Armut abzuhelfen sei“ (R 389f. Z).

Zur Lösung der von ihm aufgeworfenen sozialen Frage deutet Hegel nur zwei Lösungswege an: die Ausweitung der bĂŒrgerlichen Gesellschaft durch die Erschließung neuer AbsatzmĂ€rkte (R 391) und die Einrichtung von Korporationen, d.h. berufsstĂ€ndischen, genossenschaftlichen Organisationen. Als letztes Mittel empfiehlt Hegel, „die Armen ihrem Schicksal zu ĂŒberlassen und sie auf den öffentlichen Bettel anzuweisen“ (R 390 Z).

Der Staat

Hegel schreibt dem Staat einen gottgleichen Charakter zu: „es ist der Gang Gottes in der Welt, daß der Staat ist, sein Grund ist die Gewalt der sich als Wille verwirklichenden Vernunft“ (R 403 Z). Hegel geht es dabei primĂ€r um die Idee des Staates, nicht um real existierende Staaten.

Der Staat stellt die Wirklichkeit des Rechts dar. In ihm realisiert und vollendet sich die Freiheit. Eben deswegen ist es fĂŒr die Einzelnen „höchste Pflicht [
], Mitglieder des Staats zu sein“ (R 399), weswegen es „nicht von der WillkĂŒr der Einzelnen abhĂ€ngig“ sein darf, den Staat wieder zu verlassen (R 159 Z).

Recht und Staat stehen dabei in einem doppelten VerhĂ€ltnis: einerseits stellt das Recht die Grundlage des Staates dar, andererseits kann das Recht erst im Staat zu einer RealitĂ€t werden und so ein Wandel von bloßer MoralitĂ€t zur Sittlichkeit stattfinden.

Der Staat hat fĂŒr Hegel einen Selbstzweck. Es muss eine Institution geben, in der „das Interesse der Einzelnen als solcher“ nicht der „letzte Zweck“ ist (R 399 A). In ihm durchdringen sich objektive und subjektive Freiheit. Das oberste Prinzip des Staates soll ein objektiver Wille sein, dessen Geltungsanspruch nicht davon abhĂ€ngt, ob das VernĂŒnftige „ von Einzelnen erkannt und von ihrem Belieben gewollt werde oder nicht“ (R 401).

Der wohlgeordnete Staat bringt das Interesse des Einzelnen und das Allgemeininteresse in Einklang. In ihm verwirklicht sich die konkrete Freiheit, in der „weder das Allgemeine ohne das besondere Interesse, Wissen und Wollen gelte und vollbracht werde, noch die Individuen bloß fĂŒr das letztere als Privatpersonen leben und nicht zugleich in und fĂŒr das Allgemeine wollen“ (R 407).

  • Die Staatsgewalten

Hegel legt großen Wert darauf, dass zu den Voraussetzungen eines guten Staates neben einer entsprechenden Gesinnung der BĂŒrger v.a. die Einrichtung effizienter Institutionen gehört. So zeige etwa das Beispiel des Mark Aurel, dass durch einen moralisch vorbildlichen Herrscher („Philosoph auf dem Throne“, GP II 35) der schlechte Zustand des Römischen Reichs nicht verĂ€ndert werden konnte (GP II 295).

Die ideale Staatsform stellt fĂŒr Hegel die konstitutionelle Monarchie dar. In ihr soll es eine gesetzgebende, eine Regierungs- und eine „fĂŒrstliche Gewalt“ geben (R 435).

Der FĂŒrst reprĂ€sentiert die Einheit des Staates. Er muss mit seiner Unterschrift letztlich alle Entscheidungen der gesetzgebenden Gewalt bekrĂ€ftigen. Hegel tritt fĂŒr eine Erbmonarchie ein, weil dadurch einerseits zum Ausdruck komme, dass es gleichgĂŒltig ist, wer zum Monarchen wird, und andererseits seine Ernennung der menschlichen WillkĂŒr entzogen ist (R 451 f.).

Die Regierungsgewalt steht zwischen der fĂŒrstlichen und der gesetzgebenden Gewalt. Sie hat die fĂŒrstlichen Einzelentscheidungen auszufĂŒhren und anzuwenden. Hegel ordnet darĂŒber hinaus auch die „richterlichen und polizeilichen Gewalten“ (R 457) unmittelbar der Regierungsgewalt unter. Hegel plĂ€diert fĂŒr ein Berufsbeamtentum, das aber nicht aufgrund der Geburt, sondern ausschließlich aufgrund der BefĂ€higung rekrutiert werden dĂŒrfe (R 460f.).

Die gesetzgebende Gewalt soll nach Hegel im Rahmen einer stĂ€ndischen ReprĂ€sentation ausgeĂŒbt werden. Hegel befĂŒrwortet ein Zweikammersystem. Die erste Kammer soll durch den „Stand der natĂŒrlichen Sittlichkeit“ (R 474f.), also adlige Gutsbesitzer, gebildet werden, die durch die Geburt zu ihrer Aufgabe berufen werden. Die zweite Kammer setzt sich aus der „beweglichen Seite der bĂŒrgerlichen Gesellschaft“ (R 476) zusammen. Ihre Mitglieder sind ReprĂ€sentanten bestimmter „SphĂ€ren“ der bĂŒrgerlichen Gesellschaft, die von ihren Korporationen ernannt werden.

  • Das Ă€ußere Staatsrecht

Zu den am heftigsten kritisierten Teilen in Hegels Werk gehören seine Reflexionen zum „Àußeren Staatsrecht“.[39] Hegel geht davon aus, dass es aus ontologischen GrĂŒnden notwendig mehrere Staaten geben mĂŒsse. Der Staat ist ein fĂŒr sich seiender „Organismus“ und steht als solcher in einem VerhĂ€ltnis zu anderen Staaten (R 490f.). Es ergibt sich so notwendig eine Vielheit von Staaten; ihr VerhĂ€ltnis zueinander kann nach Hegel am besten durch den Begriff des Naturzustands gekennzeichnet werden. Es gibt keine die Staaten ĂŒbergreifende machthabende und rechtsetzende Instanz. Sie stehen daher auch in keinem RechtsverhĂ€ltnis zueinander und können einander auch nicht Unrecht tun. Ihre Streitigkeiten können daher „nur durch Krieg entschieden werden“; die kantische Idee einer vorausgehenden Schlichtung durch einen Staatenbund hĂ€lt Hegel fĂŒr absurd (R 500).

Hegel hĂ€lt darĂŒber hinaus den Krieg nicht fĂŒr ein „absolutes Übel“, sondern erkennt darin ein „sittliches Moment“ (R 492). Er gibt den Regierungen den Ratschlag, von Zeit zu Zeit Kriege zu entfachen: Um die isolierten Gemeinwesen innerhalb des Staates nicht „festwerden, hier durch das Ganze auseinanderfallen und den Geist verfliegen zu lassen, hat die Regierung sie in ihrem Innern von Zeit zu Zeit durch die Kriege zu erschĂŒttern, ihre sich zurechtgemachte Ordnung und Recht der SelbstĂ€ndigkeit dadurch zu verletzen und zu verwirren, den Individuen aber, die sich darin vertiefend vom Ganzen losreißen und dem unverletzbaren FĂŒrsichsein und der Sicherheit der Person zustreben, in jener auferlegten Arbeit ihren Herrn, den Tod, zu fĂŒhlen zu geben“ ( PG 335).

Die Weltgeschichte

Die höchste Stufe des objektiven Geistes stellt die Weltgeschichte dar. Sie ist „die geistige Wirklichkeit in ihrem ganzen Umfange von Innerlichkeit und Äußerlichkeit“ (R 503).

In der Weltgeschichte und dem Aufkommen und Untergehen einzelner Staaten wird der objektive Geist zum allgemeinen „Weltgeist“ (R 508). Er benutzt dazu die endlichen Gestalten des subjektiven und objektiven Geistes als Werkzeuge seiner eigenen Verwirklichung. Diesen Prozess bezeichnet Hegel als das „Weltgericht“ (R 503), das das höchste und absolute Recht darstellt.

Der Endzweck der Weltgeschichte ist die endgĂŒltige Versöhnung von Natur und Geist (VPhW 12, 56).[40] Damit verbunden ist die Herstellung eines „ewigen Friedens“, in dem alle Völker als besondere Staaten ihre ErfĂŒllung finden können. In diesem Frieden ist das Gericht der Geschichte vorbei; „denn nur das geht ins Gericht, das dem Begriff nicht gemĂ€ĂŸ ist" (VPhW 12, 56).

"Das Prinzip der Entwicklung beginnt mit der Geschichte Persiens, und darum macht diese den eigentlichen Anfang der Weltgeschichte."[41]

Die großen Ereignisse und Entwicklungslinien der Weltgeschichte können nur im Lichte der Idee der Freiheit verstanden werden, deren Entwicklung notwendig fĂŒr die Erreichung des ewigen Friedens ist. Die wesentlichen Merkmale des Geistes einer bestimmten geschichtlichen Epoche offenbaren sich in den großen Ereignissen, die wichtige Fortschritte hinsichtlich der grĂ¶ĂŸeren Freiheitsentfaltung der Völker darstellen.

Hegel unterscheidet "vier Reiche" oder Welten, welche aufeinander folgen wie die Lebensperioden eines Menschen. Die orientalische Welt wird verglichen mit dem Kindes- und Knabenalter, die griechische mit der JĂŒnglingszeit, die römische mit dem Mannes- und die germanische – womit Westeuropa gemeint ist – mit dem Greisenalter.

Europa selbst hat wiederum drei Teile: das Gebiet um das Mittelmeer, das seine Jugend darstellt; das Herz (Westeuropa) mit Frankreich, England und Deutschland als die wichtigsten weltgeschichtlichen Staaten und das nordöstliche Europa, das sich erst spÀt entwickelt hat und noch stark mit dem prÀhistorischen Asien verbunden ist.

Die Geschichte der Völker lĂ€uft ĂŒblicherweise in drei verschiedenen Perioden ab:

  1. die Periode des „Hervorbringens“. In ihr lebt „ein Volk fĂŒr sein Werk“ und bringt das hervor, „was sein inneres Prinzip ist“ (VPhW 12, 45). Es ist eine Periode von großer TĂ€tigkeit, ohne Zwiespalt, in der die Individuen ganz im gemeinschaftlichen Werk aufgehen.
  2. die Periode, wo „der Geist hat, was er will“ und „seine TĂ€tigkeit nicht mehr braucht“ (VPhW 12, 46). Das Volk lebt hier „im Übergang des Mannesalters zu seinem Greisenalter, im Genusse des Erreichten [
] in der Gewohnheit seines Seins" (VPhW 12, 46). Das unverĂ€nderte Weiterleben eines Volkes in dieser Periode der bedĂŒrfnislosen Fortsetzung der Gewohnheit kommt einem „natĂŒrlichen Tod“ gleich.
  3. die Periode der „Reflexion“ und „SubjektivitĂ€t“ (VPhW 12, 50f.). Sie wird von Völkern mit einer weltgeschichtlichen Rolle durchlebt. Die bestehenden Tugend- und Moralvorstellungen werden in Frage gestellt; es wird nach allgemein gĂŒltigen BegrĂŒndungen fĂŒr sie gesucht. Es ist die Zeit des AufblĂŒhens von Wissenschaft und Philosophie. Diese Suche nach ideeller Befriedigung ist „der Weg, auf welchem aus dem Tiefsten heraus der Volksgeist sich den Untergang bereitet" (VPhW 12, 51).

Ein Volk kann nur einmal eine weltgeschichtliche Rolle einnehmen, weil es nur einmal diese dritte Periode durchlaufen kann. Die höhere Stufe, welche danach folgt, ist „wieder ein NatĂŒrliches, erscheint so als ein neues Volk" (VPhW 12, 55).

Absoluter Geist

Hegels Philosophie des „absoluten Geistes“ umfasst seine Theorie der Kunst, der Religion und der Philosophie. Sie wurde in den von ihm selbst publizierten Werken kaum ausgearbeitet und findet sich ĂŒberwiegend in den Vorlesungsmitschriften.

Der Geist wird sich erst als absoluter Geist des Prinzips der Welt, d.h. der absoluten Idee, bewusst (E III 366). Der absolute Geist ist dabei in Kunst, Religion und Philosophie prĂ€sent – allerdings in jeweils anderer Form. WĂ€hrend in der Kunst das Absolute angeschaut wird, wird es in der Religion vorgestellt und in der Philosophie gedacht.

In der Kunst fallen Subjekt und Objekt auseinander. Das Kunstwerk ist ein „ganz gemein Ă€ußerlicher Gegenstand, der sich nicht selbst empfindet und sich nicht selbst weiß“; das Bewusstsein seiner Schönheit fĂ€llt in das anschauende Subjekt (Rel I 137). Das Absolute erscheint außerdem in der Kunst nur in der Gestalt seiner Schönheit und kann daher nur „angeschaut“ werden.

Der Gegenstand der Religion hat dagegen nichts NatĂŒrliches mehr an sich. Das Absolute ist in ihr nicht mehr als Ă€ußeres Objekt, sondern als Vorstellung im religiösen Subjekt prĂ€sent; es wird „aus der GegenstĂ€ndlichkeit der Kunst in die Innerlichkeit des Subjekts hineinverlegt“ (Ä I 142). Die religiöse Vorstellung nimmt allerdings noch eine Zwischenstellung zwischen Sinnlichkeit und Begriff ein, zu denen sie „in bestĂ€ndiger Unruhe“ steht. Diese Zwischenstellung zeigt sich fĂŒr Hegel u.a. darin, dass fĂŒr die Religion Geschichten, z.B. „die Geschichte Jesu Christi“, von großer Bedeutung sind, obgleich in ihnen ein „zeitloses Geschehen“ gemeint ist (Rel I 141f.).

In der Philosophie dagegen wird das Absolute als das erkannt, was es eigentlich ist. Sie begreift die innere Einheit der mannigfachen religiösen Vorstellungen auf rein begriffliche Weise und eignet sich „durch systematisches Denken“ dasjenige an, „was sonst nur Inhalt subjektiver Empfindung oder Vorstellung ist“. Die Philosophie stellt insofern auch die Synthese von Kunst und Religion dar; in ihr sind „die beiden Seiten der Kunst und Religion vereinigt: die ObjektivitĂ€t der Kunst, welche hier zwar die Ă€ußere Sinnlichkeit verloren, aber deshalb mit der höchsten Form des Objektiven, mit der Form des Gedankens vertauscht hat, und die SubjektivitĂ€t der Religion, welche zur SubjektivitĂ€t des Denkens gereinigt ist“ (Ä I 143f.).

Kunst

Der spezifische Gegenstand der Kunst ist die Schönheit. Das Schöne ist „das sinnliche Scheinen der Idee“ (Ä I 151). Die Kunst hat insofern ebenso wie Religion und Philosophie einen Bezug zur Wahrheit – der Idee. Schönheit und Wahrheit sind fĂŒr Hegel „einerseits dasselbe“, da das Schöne „wahr an sich selbst“ sein muss. Allerdings wird im Schönen die Idee nicht so gedacht, wie sie in „ihrem Ansich und allgemeinen Prinzip nach ist“. Vielmehr soll sich im Schönen die Idee „Àußerlich realisieren“ und „natĂŒrliche und geistige ObjektivitĂ€t gewinnen“ (Ä I 51).

Hegel lehnt die aufklĂ€rerische Auffassung ab, dass die Ästhetik primĂ€r die Natur nachzuahmen habe: „Die Wahrheit der Kunst darf also keine bloße Richtigkeit sein, worauf sich die sogenannte Nachahmung der Natur beschrĂ€nkt, sondern das Äußere muß mit einem Inneren zusammenstimmen, das in sich selbst zusammenstimmt und eben dadurch sich als sich selbst im Äußeren offenbaren kann“ (Ä I 205). Aufgabe der Kunst sei es vielmehr, das Wesen der Wirklichkeit zur Erscheinung zu bringen.

Im Unterschied zur Auffassung Platons sei die Kunst keine bloße TĂ€uschung. GegenĂŒber der empirischen Wirklichkeit hat sie vielmehr „die höhere RealitĂ€t und das wahrhaftigere Dasein“. Indem sie ihr „den Schein und die TĂ€uschung“ nimmt, enthĂŒllt sie den „wahrhaften Gehalt der Erscheinungen“ und gibt ihnen so „eine höhere, geistgeborene Wirklichkeit“ (Ä I 22).

Kunstformenlehre

Hegel unterscheidet drei verschiedene Weisen, in denen in der Kunst die Idee zur Darstellung kommt: die symbolische, klassische und romantische „Kunstform“. Diese entsprechen den drei Grundepochen der orientalischen, der griechisch-römischen und der christlichen Kunst.

Die Kunstformen unterscheiden sich dabei in der Weise der Darstellung der „verschiedenen VerhĂ€ltnisse von Inhalt und Gestalt“ (Ä I 107). Hegel geht davon aus, dass sie sich mit einer inneren Notwendigkeit entwickelt haben und sich ihnen jeweils spezifische Charakteristika zuordnen lassen.

In der symbolischen Kunst, der eine Naturreligion zugrunde liegt, wird das Absolute noch nicht als konkrete Gestalt, sondern nur als vage Abstraktion vorgestellt. Sie ist daher „mehr ein bloßes Suchen der Verbildlichung als ein Vermögen wahrhafter Darstellung. Die Idee hat die Form noch in sich selber nicht gefunden und bleibt somit nur das Ringen und Streben danach“ (Ä I 107).

In der klassischen Kunstform dagegen kommt die Idee zu „ihrem Begriff nach zugehörigen Gestalt“. In ihr drĂŒckt sich die Idee nicht in etwas Fremdem aus, sondern ist vielmehr „das sich selbst Bedeutende und damit auch sich selber Deutende“ (Ä II 13). Die klassische Kunstform stellt die „Vollendung“ der Kunst dar (NS 364). Wenn an ihr „etwas mangelhaft ist, so ist es nur die Kunst selber und die BeschrĂ€nktheit der KunstsphĂ€re“ (Ä I 111). Ihre Endlichkeit besteht darin, dass der Geist in seinem notwendig besonderen und natĂŒrlichem Leib aufgeht und nicht zugleich ĂŒber ihm steht (Ä I 391f.).

In der romantischen Kunstform fallen Inhalt und Gestalt, die in der klassischen Kunst zu einer Einheit gelangt waren, wieder auseinander – allerdings auf einer höheren Ebene. Die romantische Kunstform betreibt „das Hinausgehen der Kunst ĂŒber sich selbst“, jedoch paradoxerweise „innerhalb ihres eigenen Gebiets in Fom der Kunst selber“ (Ä I 113).

Das System der KĂŒnste

Hegel unterscheidet fĂŒnf KĂŒnste: Architektur, Plastik, Malerei, Musik und Poesie. Sie lassen sich den drei Kunstformen zuordnen und unterscheiden sich nach dem Maß der Verfeinerung der Sinnlichkeit und ihrer Befreiung von ihrem zugrunde liegenden Material.

In der Architektur, die Hegel der symbolischen Kunstform zuordnet, wird die Idee nur „als Äußeres“ dargestellt und bleibt somit „undurchdrungen“ (Ä I 117). Das Material der Architektur ist „die schwere und nur nach den Gesetzen der Schwere gestaltbare Materie“ (Ä II 259). Sie hat unter den KĂŒnsten noch am ehesten mit einem praktischen BedĂŒrfnis zu tun (Ä II 268).

Die Plastik, die zur klassischen Kunstform gehört, teilt zwar mit der Architektur das Material, nicht aber die Form und den Gegenstand, der in der Mehrzahl der FĂ€lle der Mensch ist. Insofern spielt in ihr das Geistige eine grĂ¶ĂŸere Rolle. Sie zieht sich aus dem „Unorganischen“ in das „Innere zurĂŒck, das nun in seiner höheren Wahrheit, unvermischt mit dem Unorganischen, fĂŒr sich auftritt“ (Ä II 351). Allerdings bleibt sie auf die Architektur bezogen, in der sie allein ihren Platz hat (Ä II 352f.)

In Malerei, Musik und Poesie schließlich, den romantischen Kunstformen, ĂŒberwiegt das Subjektive und Individuelle „auf Kosten der objektiven Allgemeinheit des Gehaltes wie der Verschmelzung mit dem unmittelbar Sinnlichen“ (Ä I 120).

Die Malerei entfernt sich von den Materialien von Architektur und Skulptur. Sie reduziert die „Dreiheit der Raumdimensionen“ auf die „FlĂ€che“ und „stellt die rĂ€umlichen Entfernungen und Gestalten durch das Scheinen der Farbe dar“ (Ä II 260).

In der Musik ist der Bezug auf eine ObjektivitĂ€t vollstĂ€ndig aufgehoben. Sie ist die subjektivste der KĂŒnste; wie keine andere Kunst vermag sie auf den Einzelnen einzuwirken. Sie hebt selbst die flĂ€chenhaft RĂ€umlichkeit der Malerei auf (Ä III 133) und bearbeitet den in der Zeit sich erstreckenden Klang (Ä III 134).

Die Poesie weist einerseits insofern einen noch geistigeren Charakter als die Musik auf, als sie noch schwĂ€cher an das Material gebunden ist, in dem sie sich ausdrĂŒckt: es hat fĂŒr sie „nur noch den Wert eines wenn auch kĂŒnstlerisch behandelten Mittels fĂŒr die Äußerung des Geistes an den Geist“ ( Ä II 261); es sind die geistigen Formen des inneren Vorstellens und Anschauens selbst, die „sich an die Stelle des Sinnlichen setzen und das zu gestaltende Material [
] abgeben“ (Ä III 229). Andererseits kehrt die Poesie, was ihren Inhalt anbelangt, zu einer höheren ObjektivitĂ€t zurĂŒck. Sie breitet sich „im Felde des inneren Vorstellens, Anschauens und Empfindens selber zu einer objektiven Welt aus“, weil sie „die TotalitĂ€t einer Begebenheit, eine Reihenfolge, einen Wechsel von GemĂŒtsbewegungen, Leidenschaften, Vorstellungen und den abgeschlossenen Verlauf einer Handlung vollstĂ€ndiger als irgendeine andere Kunst zu entfalten befĂ€higt ist“ (Ä III 224).

Religion

Die vielgestaltige Auseinandersetzung mit dem Thema Religion und besonders mit dem Christentum begleitet Hegels gesamtes philosophisches Denken. Die Aufgabe der ganzen Philosophie ist nach ihm keine andere als Gott zu begreifen: „der Gegenstand der Religion wie der Philosophie ist die ewige Wahrheit in ihrer ObjektivitĂ€t selbst, Gott und nichts als Gott und die Explikation Gottes“ (Rel I 28). Insofern ist fĂŒr Hegel die ganze Philosophie selbst Theologie: „In der Philosophie, welche Theologie ist, ist es einzig nur darum zu tun, die Vernunft der Religion zu zeigen“ (Rel II 341).

Grundbestimmungen der Religion

Die Religion ist „das Selbstbewußtsein des absoluten Geistes“ (Rel I 197f.). Gott wirkt im religiösen Glauben selbst, der Glaubende hat umgekehrt im Glauben an Gott teil. Gott ist nicht nur als Objekt des Glaubens, sondern v.a. in dessen Vollzug prĂ€sent. Das Wissen von Gott muss zu einem Sich-Wissen in Gott werden. Der „Mensch weiß nur von Gott, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß“ (Rel I 480). Ebenso ist aber auch umgekehrt Gott „nur Gott, insofern er sich selber weiß“. Sein Sichwissen ist „sein Selbstbewußtsein im Menschen und das Wissen des Menschen von Gott, das fortgeht zum Sichwissen des Menschen in Gott“ (E III 374 A).

Erscheinungsformen der Religionen und das Christentum

Der Entwicklungsgang der Religion in ihren verschiedenen geschichtlichen Gestaltungen wird bestimmt durch die verschiedene Vorstellung des Absoluten, die ihr jeweils zugrunde liegt. Die Geschichte der Religionen stellt fĂŒr Hegel eine Lerngeschichte dar, an deren Abschluss das Christentum steht. Er unterscheidet drei Grundformen von Religion: Naturreligionen, „Religionen der geistigen IndividualitĂ€t“ und die „vollendete Religion“.

In den Naturreligionen wird Gott in unmittelbarer Einheit mit der Natur gedacht. Es stehen zunĂ€chst Zauberei, Geister- und Totenkulte im Vordergrund (Naturvölker, China). Eine weitere Entwicklungsstufe stellen die „Religion der Phantasie“ (Indien) und die „Religion des Lichts“ (parsische Religion) dar.

In den „Religionen der geistigen IndividualitĂ€t“ wird Gott als primĂ€r geistiges Wesen aufgefasst, das nicht Natur ist, sondern ĂŒber die Natur herrscht und sie bestimmt. Diesen Religionen ordnet Hegel die jĂŒdische, griechische und römische Religion zu.

Das Christentum schließlich ist fĂŒr Hegel die „vollendete Religion“. In ihm wird Gott als trinitarische Einheit von Vater, Sohn und Geist vorgestellt. Das Christentum ist sich der in Gott selbst immanenten Differenzierung bewusst, weshalb es fĂŒr Hegel den entscheidenden Schritt ĂŒber die anderen Religionen hinaus leistet.

In der Person des „Vaters“ betrachten die Christen Gott „sozusagen vor oder außer Erschaffung der Welt“ (Rel II 218), d.h. als reinen Gedanken und göttliches Prinzip. Gott wird als Allgemeines verstanden, das auch die Unterscheidung, das Setzen seines Anderen, des „Sohnes“ und die Aufhebung der Differenz beinhaltet (vgl. Rel II 223).

Die Menschwerdung ist fĂŒr Hegel notwendiger Teil des Göttlichen. Wesentlicher Teil der menschlichen Erscheinung Gottes ist dabei der Tod Jesu, fĂŒr Hegel der „höchste Beweis der Menschlichkeit“ (Rel II 289) des Gottessohnes. Dieser erscheint fĂŒr ihn wiederum nicht denkbar ohne die „Auferstehung“. Mit der Überwindung der Endlichkeit erfolgt die Negation der Negation Gottes. Am auferstandenen Christus zeigt sich, „daß Gott es ist, der den Tod getötet hat“ (R II 292), einen Tod, der Ausdruck seines radikal Anderen, des Endlichen ist.

Die spezifisch Lutherisch-protestantischen Elemente der TrinitÀtslehre Hegels, durch welche sich Hegels dialektische Lehre von Àlteren TrinitÀtslehren der Patristik und Scholastik unterscheidet, hat Erwin Schadel in einem neueren Aufsatz beschrieben und diskutiert.[42]

Philosophie
Philosophie als „Begriff“ des absoluten Geistes

Die Philosophie ist die letzte Gestalt des absoluten Geistes. Hegel nennt sie den „denkend erkannten Begriff der Kunst und Religion“ (E III 378). Philosophie ist das in die Begriffsform erhobene Wissen von Kunst und Religion. Im Unterschied zu deren Erkenntnisformen, Anschauung und Vorstellung, ist die Philosophie als begriffliches Erkennen ein Erkennen der Notwendigkeit des absoluten Inhalts selbst. Das Denken produziert nicht erst diesen Inhalt; es ist „selbst nur das Formelle des absoluten Inhalts“ (E III 378). Es produziert im Begriff „zwar die Wahrheit“, aber es „erkennt diese Wahrheit als ein zugleich nicht Produziertes, als an und fĂŒr sich seiendes Wahres an“.[43]

Geschichte der Philosophie

Die Geschichte der Philosophie ist fĂŒr Hegel „etwas VernĂŒnftiges“ und „muß selbst philosophisch sein“.[44] Sie kann keine „Sammlung zufĂ€lliger Meinungen“ (GP I 15) sein, weil der Begriff „philosophische Meinung“ selbstwidersprĂŒchlich ist: „Die Philosophie aber enthĂ€lt keine Meinungen; es gibt keine philosophischen Meinungen." (GP I 30). Eine bloß philologische Philosophiehistorie ist fĂŒr Hegel sinnlos (GP I 33). Die Philosophiehistorie setzt immer schon die Erkenntnis der Wahrheit durch die Philosophie voraus, um irgendeine Bedeutung beanspruchen zu können. Außerdem ist die Forderung, „die Tatsachen ohne Parteilichkeit, ohne ein besonderes Interesse und Zweck“ zu erzĂ€hlen, illusorisch. ErzĂ€hlen kann man nur das, was man verstanden hat; die Geschichte der Philosophie kann daher nur der verstehen, der verstanden hat, was Philosophie ist: Ohne einen Begriff von Philosophie wird „notwendig die Geschichte selbst ĂŒberhaupt etwas Schwankendes sein" (GP I 16f.).

Die Geschichte der Philosophie durchschreitet die entgegengesetztesten Positionen, stellt aber zugleich eine Einheit dar. Insofern ist die Geschichte der Philosophie „nicht eine VerĂ€nderung, ein Werden zu einem Anderen, sondern ebenso ein Insichhineingehen, ein Sichinsichvertiefen“ (GP I 47). Der tiefere Grund fĂŒr die Geschichtlichkeit der Philosophie liegt darin, dass der Geist selbst eine Geschichte hat. Als Formen des Geistes können sich die einzelnen Philosophien daher auch nicht grundsĂ€tzlich widersprechen, sondern integrieren sich „zur ganzen Form" (GP I 53f.). Daraus folgt, dass „das Ganze der Geschichte der Philosophie ein in sich notwendiger, konsequenter Fortgang ist; er ist in sich vernĂŒnftig, durch seine Idee bestimmt. Die ZufĂ€lligkeit muß man mit dem Eintritt in die Philosophie aufgeben. Wie die Entwicklung der Begriffe in der Philosophie notwendig ist, so ist es auch ihre Geschichte“ (GP I 55f.).

Übersicht des philosophischen Systems

Logik die Idee an und fĂŒr sich
Sein Begriff an sich
Bestimmtheit (QualitÀt) innere Bestimmtheit
GrĂ¶ĂŸe (QuantitĂ€t) Ă€ußerliche Bestimmtheit
Maß (qualitative QuantitĂ€t) grĂ¶ĂŸenabhĂ€ngiges Sein
Wesen Begriff fĂŒr sich
Reflexion in sich
Erscheinung
Wirklichkeit
Begriff Begriff an und fĂŒr sich
SubjektivitÀt
ObjektivitÀt
Idee
Natur die Idee in ihrem Anderssein
Mechanik Materie ĂŒberhaupt
Raum und Zeit
Materie und Bewegung
Absolute Mechanik
Physik spezifische Materie
Physik der allgemeinen IndividualitÀt
Physik der besonderen IndividualitÀt
Physik der totalen IndividualitÀt
Organik lebendige Materie
geologische Natur „der Grund und Boden des Lebens“ (E II 340)
vegetabilische Natur Individuen, die mit ihren Organen auf ein gemeinsames Ă€ußeres Zentrum bezogen sind (Pflanzen)
tierischer Organismus Individuen, die mit ihren Organen auf ein gemeinsames Zentrum in ihnen selbst bezogen sind (Tiere)
Geist die Idee, die aus ihrem Anderssein in sich zurĂŒckkehrt
Subjektiver Geist  
Seele die einfache geistige Substanz; der Geist in seiner Unmittelbarkeit
Bewusstsein der erscheinende Geist im Fremd- und Selbstbezug
Geist der Geist in seiner Wahrheit
Objektiver Geist  
Recht
MoralitÀt
Sittlichkeit  
Familie
'BĂŒrgerliche Gesellschaft
Staat
Absoluter Geist  
Kunst das unmittelbare, sinnliche Wissen des absoluten Geistes
Religion das vorstellende Wissen des absoluten Geistes
Philosophie das freie Denken des absoluten Geistes
Übersicht ĂŒber Hegels philosophisches System

Rezeption

Briefmarke 1970

Soziologie

„Die Theorie der bĂŒrgerlichen Gesellschaft und Hegel, das sind die beiden Hauptwurzeln der deutschen Soziologie; was an Ă€lteren sozialwissenschaftlichen BemĂŒhungen in den Staatswissenschaften, der Kameralistik, der Naturrechtslehre usw. auf sie eingewirkt hat, ist durch diese beiden Filter erst hindurchgegangen.“ (Helmut Schelsky)[45]

In seiner Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsre Tage (Leipz. 1850, 3 Bde.) hat Lorenz von Stein Hegels Dialektik fĂŒr die Soziologie fruchtbar gemacht. Doch schon 1852 hat er den Versuch, die Gesellschaftstheorie auf ökonomische WidersprĂŒche zu grĂŒnden, widerrufen.[46]

Eine auf Hegels und Marx' Lehre grĂŒndende dialektische Gesellschaftstheorie entwarf vor allem der Philosoph Theodor W. Adorno.

Die deutsche Kultursoziologie von Georg Simmel, Ernst Troeltsch, Alfred Weber bis Karl Mannheim integrierte Hegels Volksgeist in eine Lebensphilosophie. Zwar verstand sie sich als empirisch basiert, in polemischer Abgrenzung zu Hegels Verwirklichung der Vernunft in der Geschichte, begriff indessen als das „Gegebene“ eine Metaphysik, die Gedanken Schopenhauers, Nietzsches und des Historismus verwertete.[47]

Kunstgeschichte

Wir können uns ĂŒber die Absichten eines KĂŒnstlers nicht sicher sein, noch können wir mehr als ein TeilverstĂ€ndnis seines Werks gewinnen, wenn wir nicht beider historischen Kontext untersuchen. Derlei historische Studien erhielten einen gewaltigen Auftrieb durch Hegel, der eine Generation deutscher Gelehrter in der historischen Betrachtungsweise von Philosophie und Literatur, Religion und Kunst unterwies; und seine SchĂŒler wurden die Lehrer nicht nur Deutschlands, sondern der westlichen Welt.[48]

„Hegels VerstĂ€ndnis der griechischen Tragödie ĂŒbertraf das der meisten seiner Verleumder bei weitem. Er erkannte, dass im Zentrum der grĂ¶ĂŸten Tragödien von Aischylos und Sophokles wir nicht einen tragischen Helden, sondern eine tragische Kollision finden und dass der Konflikt nicht zwischen Gut und Böse besteht, sondern zwischen einseitigen Positionen, von denen jede etwas Gutes enthĂ€lt.“[49]

Hegelianer außerhalb Deutschlands

Die politische Philosophie der englischen Idealisten (Thomas Hill Green, Bernard Bosanquet) griff vor allem die antiliberalen Tendenzen der hegelschen Rechtsphilosophie auf: das unabhÀngige Prinzip des Staates, die Vorherrschaft des Allgemeinen).[50]

In Italien (Benedetto Croce, Giovanni Gentile, Sergio Panuncio) wurde Hegels organische Staatsauffassung benutzt, um den im Lande recht schwach entwickelten Liberalismus niederzuhalten; das begĂŒnstigte die AnnĂ€herung an den Faschismus.[51] Von den geistigen Vertretern des Nationalsozialismus in Deutschland indessen wurde Hegel wegen des Waltens der Vernunft in der Politik und des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit schĂ€rfstens bekĂ€mpft und waren rechtshegelianische AnnĂ€herungsversuche insofern wenig von Erfolg gekrönt.[52]

Marxismus

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Hegels Philosophie ist (neben dem französischen Materialismus und Sozialismus und der englischen Nationalökonomie) eine der drei Hauptquellen der von Karl Marx entwickelten politischen Ökonomie und des Historischen Materialismus.[53]

„Ohne Vorausgang der deutschen Philosophie, namentlich Hegels, wĂ€re der deutsche wissenschaftliche Sozialismus – der einzige wissenschaftliche Sozialismus, der je existiert hat – nie zustande gekommen.“[54]

Vor allem die Auseinandersetzung mit Hegels Dialektik hat Marx' Denken geprĂ€gt (Dialektik bei Marx und Engels). Besondere Bedeutung fĂŒr Marx hat das Thema Herrschaft und Knechtschaft in der PhĂ€nomenologie des Geistes und das System der BedĂŒrfnisse. Daran anknĂŒpfend entwickelte Marx in UmstĂŒlpung des Idealismus Hegels seine materialistische Weltanschauung, wobei er jedoch an der von Hegel entwickelten dialektischen Methode festhielt. Fasziniert durch Ludwig Feuerbach ist Marx von der idealistischen Dialektik Hegels zum Materialismus ĂŒbergegangen, der im Gegensatz zum Idealismus alle Ideen, Vorstellungen, Gedanken, Empfindungen usw. auf Entwicklungsweisen der Materie und auf materielle Praxis zurĂŒckfĂŒhrt.

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verĂ€ndern.“[55]

Marx stellt die hegelsche Dialektik „vom Kopf auf die FĂŒĂŸe“: Denn er nimmt zum Ausgangspunkt, dass sich die objektive Wirklichkeit aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklĂ€ren lĂ€sst, nicht etwa als Verwirklichung einer absoluten Idee oder als Produkt menschlichen Denkens. So richtet er seine Aufmerksamkeit nicht auf die Entfaltung der Idee, sondern auf die sogenannten „materiellen VerhĂ€ltnisse“, die es in Form ökonomischer Gesetze zu erkennen, also bewusst zu machen gilt. Diese bestimmen die Gesellschaftsformationen in ihren wesentlichen Funktionen.

„Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“[56]

Daraus wird eine umfassende Kritik an Religion, Recht und Moral abgeleitet. Letztere begreift Marx als Produkte der jeweiligen materiellen VerhĂ€ltnisse, deren Wandel sie untergeordnet sind. Religion, Recht und Moral haben demnach nicht die universelle GĂŒltigkeit, welchen Anspruch sie stets geltend machen. Marx versteht die im Idealismus bloß geistigen GegensĂ€tze als Abbild und Ausdruck realer, materieller GegensĂ€tze: Auch diese hĂ€ngen gegenseitig voneinander ab und befinden sich in stĂ€ndiger wechselseitiger Bewegung.

Eine Weiterentwicklung des Marxismus im 20. Jahrhundert stellen die Philosophien von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer dar.

Kritik

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Zeitgenössische Kritik, Schopenhauer

Ab Beginn seiner Berliner Jahre gab es vehemente Kritik an Hegels Philosophie. Diese Kritik hat sich teils aus verschiedenen Motiven akademischer, schulmĂ€ĂŸiger und ideologischer RivalitĂ€t (vor allem im Fall Schopenhauers) gespeist. Sie brachte Hegel den despektierlichen Titel des „preußischen Staatsphilosophen“ ein. Als politischer Philosoph wurde er fĂŒr seinen Staat, und als vernĂŒnftig-optimistischer Geschichtsphilosoph fĂŒr die Geschichte dieses Staates, im Nachhinein haftbar gemacht[57]; d. h. die persönliche EnttĂ€uschung ĂŒber die politische Entwicklung Preußens und darauf Deutschlands wurden mit Vorliebe Hegels Philosophie angelastet. Hiergegen wird eingewandt, dass „die blinde Formel vom 'preußischen Staatsphilosophen' [
] die selbst stets umstrittene Politik des Ministeriums Altenstein mit dem 'preußischem Staat'“ identifiziert und so „die unterschiedlichen, ja gegensĂ€tzlichen politischen Gruppierungen und Bestrebungen dieser Jahre“ ignoriert.[58] Eine vergleichbare Kritik kommt 1946 von Reinhold Schneider, der eine deutliche Verbindung zwischen Hegels Konzeptionen in seiner 'Philosophie der Weltgeschichte' und dem wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus beschworenen "Volksgeist" sieht: "Dieses Reich der Germanen wĂ€re nichts anderes als die diesseitige Vollendung der Geschichte, das Gottesreich auf Erden — eine Konzeption, der, sofern wir die Sprache des seither abgelaufenen Jahrhunderts verstehen, die Geschichte mit einem entsetzlichen Hohne geantwortet hat."[59] Schneider nennt Friedrich Nietzsche einen "armen Knecht des Hegelschen Weltgeistes".

Bei den materialistisch eingestellten Naturwissenschaftlern angefangen bis hin zu einzelnen Vertretern des Neukantianismus[60] geriet Hegel in Verruf, weil er bestimmte Ergebnisse, die dem Stand der Wissenschaft entsprachen, ignoriert hatte.[61] Oder es wird ihm auf dem Gebiet der formalen Logik und der Mathematik vorgeworfen, dass er bestimmte Verfahren nie richtig verstanden hĂ€tte, vor allem durch seine Ansicht, dass es die Mathematik nur mit QuantitĂ€ten zu tun habe.[62] WĂ€hrend Hegel unter „spekulativ“ noch die vorzĂŒglichste Methode philosophischen Erkennens und Beweisens verstand, wurde daraus im GemeinverstĂ€ndnis schnell ein empirisch haltloses, abstraktes Begriffsdenken, ĂŒber Gott und die Welt.

Popper

FĂŒr Karl Popper ist fĂŒr die Wahrheit einer Aussage ihre Herkunft, also wer sie behauptet, nicht ausschlaggebend; im Falle von Hegel machte er von dieser Regel jedoch eine Ausnahme.[63] Hegel verstoße mit seiner Dialektik in systematischer Absicht gegen den Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch; durch diesen „doppelt verschanzten Dogmatismus“ sei eine rationale Auseinandersetzung mit seinen einzelnen Argumenten unmöglich.[64] Popper kritisiert derartige Regeln wie: Contra principia negantem disputari non potest als „Mythos des Rahmenwerks“; denn eine Argumentation zwischen unterschiedlichen Auffassungen sei grundsĂ€tzlich immer und ĂŒber alles möglich. Doch das Aufwachsen in einer Tradition des Hegelianismus zerstöre Intelligenz und kritisches Denken.[65] Popper beruft sich sogar auf Marx, der mit den Mystifikationen der Hegelei scharf ins Gericht gegangen war. Hegel ist nach Popper sowohl Absolutist als auch Relativist; den Relativismus habe er auf die Wissenssoziologie vererbt. Poppers Kritik selbst war heftigen Angriffen ausgesetzt. So wurde ihm „ungenaues lesen“,[66] „Totalitarismus“[67] und „Aussage die an Verleumdung grenzen“[68] vorgeworfen. Popper betonte zwar in seinem SpĂ€twerk, dass seine Theorie der Drei-Welten-Lehre viel mit Hegels Objektivem Geist "gemeinsam" hĂ€tte, sich die Theorien aber "in einigen entscheidenden Punkten" unterscheiden wĂŒrden. Hegel lehnte laut Popper die bewusstseinsunabhĂ€ngige platonische "Welt 3" ab: "Er vermengte Denkprozesse und GegenstĂ€nde des Denkens. So schrieb er - was verheerende Folgen hatte - dem objektiven Geist Bewußtsein zu und vergöttlichte ihn."[69] Popper Ă€ußerte spĂ€ter zwar so etwas wie Bedauern darĂŒber, Hegel so hart beurteilt zu haben[70] blieb allerdings auch in seinem SpĂ€twerk bei seiner "negativen Einstellung" gegenĂŒber Hegel [71] und hielt bis zu seinem Tode an seiner Fundamentalkritik an Hegel fest, die er vor allem im zweiten Band von Die offene Gesellschaft und ihre Feinde zum Ausdruck brachte.

Russell

Bertrand Russell[72] bezeichnete Hegels Philosophie als „absurd“, seine AnhĂ€nger wĂŒrden das jedoch nicht erkennen, weil Hegel sich so dunkel und verschwommen ausdrĂŒcke, dass man sie fĂŒr tiefgrĂŒndig halten mĂŒsse. Hegels Definition der „absoluten Idee“ fasst Russell zusammen als: „Die absolute Idee ist reines Denken ĂŒber reines Denken.“

Weiter kritisiert Russell, Hegel habe nicht begrĂŒndet, warum die menschliche Geschichte dem rein logischen „dialektischen“ Prozess folge und warum dieser Prozess auf unseren Planeten und die ĂŒberlieferte Geschichte beschrĂ€nkt sei. Sowohl Marx als auch die Nationalsozialisten hĂ€tten von Hegel den Glauben ĂŒbernommen, die Geschichte sei ein logischer Prozess, der in ihrem Sinne wirke, und da man mit kosmischen KrĂ€ften im Bunde sei, sei gegen Gegner jedes Zwangsmittel recht. Eine starke Regierung könne laut Hegel, im Gegensatz zur Demokratie, die Menschen zwingen, fĂŒr das Allgemeinwohl zu handeln.

Weiterhin spottete Russell, Hegel sei ĂŒberzeugt gewesen, der Philosoph in der Studierstube könne mehr von der wirklichen Welt wissen als der Politiker oder Naturwissenschaftler. Angeblich habe Hegel einen Beweis, dass es genau sieben Planeten geben mĂŒsse, eine Woche vor der Entdeckung des achten veröffentlicht.

Literatur

PrimÀrtexte

Werke

Das zusammenfassende Werk des gesamten Systems Hegels ist:

Aus diesem Werk ergibt sich folgendes Bild seines systematischen Gesamtwerkes:

I. Wissenschaft der Logik (1812–16, ĂŒberarb. 1831)

II. Naturphilosophie

III. Philosophie des Geistes

Weitere, nicht in sein System gehörige Werke und kleinere Schriften sind:

  • Die PositivitĂ€t der christlichen Religion (1795/96)
  • Das Ă€lteste Systemprogramm des deutschen Idealismus (1796/97, fragm.)
  • Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1799/1800)
  • Die Verfassung Deutschlands (1800–02)
  • Mancherlei Formen die beim jetzigen Philosophieren vorkommen (1801)
  • Die Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie (1801)
  • Über das Wesen der philosophischen Kritik (1802)
  • Wie der gemeine Menschenverstand die Philosophie nehme (1802)
  • VerhĂ€ltnis des Skeptizismus zur Philosophie (1802)
  • Glauben und Wissen oder Reflexionsphilosophie der SubjektivitĂ€t in der VollstĂ€ndigkeit ihrer Formen als Kantische, Jacobische und Fichtesche Philosophie (1803)
  • Über die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrechts (1803)
  • Wer denkt abstrakt? (1807)
  • Friedrich Heinrich Jacobis Werke (1817)
  • Verhandlungen in der Versammlung der LandstĂ€nde des Königreichs WĂŒrttemberg im Jahr 1815 und 1816 (1817)
  • Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel (1828)
  • Hamanns Schriften (1828)
  • Über Grundlage, Gliederung und Zeitenfolge der Weltgeschichte. Von J. Görres (1830)
  • Über die englische Reformbill (1831)
Werkausgaben
  • Werke. VollstĂ€ndige Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten. 18 Bde. Berlin 1832–1845.
  • SĂ€mtliche Werke. JubilĂ€umsausgabe in zwanzig BĂ€nden. Neu hg. von H. Glockner. Stuttgart 1927—1940
  • SĂ€mtliche Werke. Hg. von Georg Lasson, spĂ€ter J. Hoffmeister. Leipzig 1911 ff. (unvollstĂ€ndig geblieben)
  • Werke in 20 BĂ€nden. Auf der Grundlage der Werke von 1832 bis 1845 neu ediert. Red. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Frankfurt/M. 1969–1971 (Suhrkamp, stw 601–620)
  • Gesammelte Werke (Akademieausgabe). In Verbindung mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft hg. von der Rheinisch-WestfĂ€lischen Akademie der Wissenschaften Hamburg 1968 (Meiner) (Abk.: GW)

Einzelausgaben siehe bei den jeweiligen Werkartikeln.

SekundÀrliteratur

Philosophiebibliographie: G. W. F. Hegel – ZusĂ€tzliche Literaturhinweise zum Thema

Zum Gesamtwerk und zur Person

EinfĂŒhrungen und HandbĂŒcher
WeiterfĂŒhrendes
  • Vittorio Hösle: Hegels System. Der Idealismus der SubjektivitĂ€t und das Problem der IntersubjektivitĂ€t. Meiner, Hamburg 1998, ISBN 3-7873-1336-2
  • Herbert SchnĂ€delbach (Hg.): Hegels Philosophie. Kommentare zu den Hauptwerken. 3 BĂ€nde,[73] Suhrkamp (stw 1475–77), Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-06587-4
  • Pirmin Stekeler-Weithofer: Philosophie des Selbstbewußtseins. Hegels System als Formanalyse von Wissen und Autonomie. Suhrkamp (stw 1749), Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-29349-4
Biographien
  • Karl Rosenkranz: Georg Wilhelm Friedrich Hegels Leben. WBG, Darmstadt 1977 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1844)
  • Kuno Fischer: Hegels Leben, Werke und Lehre. Kraus, Nendeln 1973 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1911)
  • Franz Wiedmann: Hegel. Rowohlt (rm 110), Reinbek 1965; 20. A. 2003, ISBN 3-499-50110-4
  • Arseni Gulyga: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Reclam (UB 570), Leipzig 1974
  • Christoph Helferich: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Metzler, Stuttgart 1979
  • Mechthild Lemcke, Christa Hackenesch (Hgg.): Hegel in TĂŒbingen. Konkursbuch, TĂŒbingen 1986, ISBN 3-88769-021-4
Rezeption

Zu Einzelaspekten der hegelschen Philosophie

Logik
  • Pirmin Stekeler-Weithofer: Hegels Analytische Philosophie. Ein Kommentar zu Hegels „Logik der Wissenschaft“. Mentis, Paderborn 1992, ISBN 3-89785-025-7
  • Frank-Peter Hansen: G.W.F. Hegel: „Wissenschaft der Logik“. Ein Kommentar. Schöningh, Paderborn 1994
  • Justus Hartnack: Hegels Logik. Eine EinfĂŒhrung. Lang, Frankfurt am Main 1995
  • Klaus Hartmann: Hegels Logik. De Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-013763-1
  • Rainer SchĂ€fer: Die Dialektik und ihre besonderen Formen in Hegels Logik. Meiner, Hamburg, 2001, ISBN 3-7873-1585-3
  • Anton Friedrich Koch, Friedrike Schick (Hg.) G.W.F. Hegel. Wissenschaft der Logik. Akademie Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003711-3
  • Andreas Roser: Ordnung und Chaos in Hegels Logik , Teil 1 und 2 Reihe: Wiener Arbeiten zur Philosophie - Band 19, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2009. XVIII, 1010 S., 2 Graf. - ISBN 978-3-631-58109-4 br., 2 TeilbĂ€nde
Naturphilosophie
Dialektik
  • Thomas Collmer: Hegels Dialektik der NegativitĂ€t – Untersuchungen fĂŒr eine selbst-kritische Theorie der Dialektik: „selbst“ als 'absoluter' Formausdruck, IdentitĂ€tskritik, Negationslehre, Zeichen und ‚Ansichsein’ , Focus Verlag, Gießen 2002; ISBN 3-88349-501-8
  • Tilman Wegerhoff: Hegels Dialektik. Eine Theorie der positionalen Differenz. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 3-525-30161-8
Ästhetik
Praktische Philosophie
Religionsphilosophie
  • Walter Jaeschke: Die Religionsphilosophie Hegels. WBG, Darmstadt 1983
Geschichte der Philosophie
  • Klaus DĂŒsing: Hegel und die Geschichte der Philosophie. Ontologie und Dialektik in Antike und Neuzeit. WBG (EdF 206), Darmstadt 1983
  • Dietmar H. Heidemann, Christian Krijnen (Hgg.): Hegel und die Geschichte der Philosophie. WBG, Darmstadt 2007, ISBN 3-534-18560-9
  • Thomas Sören Hoffmann: Die absolute Form: ModalitĂ€t, IndividualitĂ€t und das Prinzip der Philosophie nach Kant und Hegel. James Bennett Pty Ltd; 1991, ISBN 978-3-11-012875-8

Zeitschriften

  • Hegel-Archiv, 1912–1916
  • Hegel-Jahrbuch, seit 1961
  • Hegel-Studien, seit 1965
  • Jahrbuch fĂŒr Hegelforschung, seit 1995

Weblinks

 Commons: Georg Wilhelm Friedrich Hegel â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Georg Wilhelm Friedrich Hegel â€“ Quellen und Volltexte
PrimÀrtexte
SekundÀrtexte
Foren und Gesellschaften
Literaturverzeichnisse
Audios und Videos

Einzelnachweise

Hegel wird zitiert – sofern nicht anders angegeben – auf Grundlage der Theorie-Werkausgabe von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979. Die ErgĂ€nzungen „A“ bzw. „Z“ beziehen sich auf den Anmerkungs- bzw. Zusatzteil der entsprechenden Textstelle.

AbkĂŒrzung Band Werk
FS 1 FrĂŒhe Schriften
JS 2 Jenaer Schriften
PG 3 PhÀnomenologie des Geistes
NS 4 NĂŒrnberger und Heidelberger Schriften
L I 5 Wissenschaft der Logik I
L II 6 Wissenschaft der Logik II
R 7 Grundlinien der Philosophie des Rechts
E I 8 EnzyklopÀdie der philosophischen Wissenschaften I
E II 9 EnzyklopÀdie der philosophischen Wissenschaften II
E III 10 EnzyklopÀdie der philosophischen Wissenschaften III
BS 11 Berliner Schriften 1818–1831
PGh 12 Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Geschichte
Ä I 13 Vorlesungen ĂŒber die Ästhetik I
Ä II 14 Vorlesungen ĂŒber die Ästhetik II
Ä III 15 Vorlesungen ĂŒber die Ästhetik III
Rel I 16 Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Religion I
Rel II 17 Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Religion II
GP I 18 Vorlesungen ĂŒber die Geschichte der Philosophie I
GP II 19 Vorlesungen ĂŒber die Geschichte der Philosophie II
GP III 20 Vorlesungen ĂŒber die Geschichte der Philosophie III
  1. ↑ Vgl. Friedrich Nietzsche: Der Fall Wagner. Werke in zwei BĂ€nden, Bd. 2. 5. Aufl., Carl Hanser Verlag, MĂŒnchen Wien 1981. S. 309.
  2. ↑ Vgl. Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerks, Ditzingen: Reclam Verlag 2001. S. 84.
  3. ↑ Vgl. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Band 2, S. 798. In: Bertram, M. (Hrsg). Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie. Directmedia, Berlin 2000. S. 10521.
  4. ↑ Walter Jaeschke: Hegel-Handbuch, Stuttgart 2003, S. 1 f.
  5. ↑ RĂŒckblick seines ehemaligen Mitstudenten Christian Philipp Friedrich Leutwein.
  6. ↑ Vgl. Ferdinand Tönnies, Hegels Naturrecht, [1932], in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Band 22, Berlin/New York 1998, S. 247–265.
  7. ↑ Anton HĂŒgli und Poul LĂŒbcke (Hsg.): Philosophie-Lexikon, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 4. Aufl. 2001 Hamburg, S. 259
  8. ↑ http://www.hu-berlin.de/ueberblick/geschichte/rektoren_html
  9. ↑ So das "Philosophie-Lexikon" (herausgegeben von Anton HĂŒgli und Poul LĂŒbcke, 4. Aufl. 2001, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, Seite 259
  10. ↑ Eine Ă€hnliche Meinung vertitt z.B. Holger Althaus, 'Hegel und Die heroischen Jahre der Philosophie'. MĂŒnchen: Carl Hanser Verlag, ISBN 3-446-16556-8,S. 579-581. Demzufolge starb Hegel an einem akuten Ausbruch einer chronischen Magenerkrankung.
  11. ↑ Friedrich Engels: „Schelling und die Offenbarung“. MEW, EB2, S. 177.
  12. ↑ The Times vom 24. Dezember 1838, S. 4. Die erwĂ€hnte Zeitschrift wird hier Son of the Country genannt und war möglicherweise in englischer Sprache verfasst.
  13. ↑ Zur Gliederung vgl. Paul Cobben (Hg.): Hegel-Lexikon, S. 7f.
  14. ↑ Vgl. Dina Emundts, Rolf-Peter Horstmann: G.W.F. Hegel. Eine EinfĂŒhrung, S. 16–19.
  15. ↑ Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, AA III, 265.
  16. ↑ Herbert SchnĂ€delbach: Hegel zur EinfĂŒhrung. Junius Verlag, Hamburg, 1. Aufl. 1999, S. 85.
  17. ↑ Taylor, Charles: Hegel. Suhrkamp 1978, S. 156.
  18. ↑ B. Greuter: Hegels Philosophie als Denken des Begriffs in seiner Entwicklung
  19. ↑ Historisches Wörterbuch der Philosophie, Philosophie. Bd. 7, S. 718
  20. ↑ Vgl. Hartnack: Hegels Logik, S. 31f.
  21. ↑ Zum folgenden vgl. Jaeschke: Hegel-Handbuch, S. 238ff.
  22. ↑ Hartnack: Hegels Logik. Eine EinfĂŒhrung , S. 86
  23. ↑ Zum folgenden vgl. Dieter Wandschneider: Die Stellung der Natur im Gesamtentwurf der hegelschen Philosophie, in Michael John Petry (Hg.): Hegel und die Naturwissenschaften, frommann-holzboog 1987, S. 33-64
  24. ↑ Wandschneider: Die Stellung der Natur im Gesamtentwurf der hegelschen Philosophie, S. 43
  25. ↑ Wandschneider: Hegels naturontologischer Entwurf – heute, Hegel Studien 36 (2001), S. 160
  26. ↑ Vgl. Jaeschke: Hegel-Handbuch, S. 336
  27. ↑ Hegel: Vorlesungen: AusgewĂ€hlte Nachschriften und Manuskripte, Bd. 16, S. 205.
  28. ↑ Stefan Gruner: Hegels Ätherlehre. VDM Verlag, SaarbrĂŒcken 2010, ISBN 978-3-639-28451-5.
  29. ↑ EnzyklopĂ€die der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817) § 291
  30. ↑ „Das kranke Subjekt kommt daher und steht nach diesem Zustande unter der Macht eines anderen, des Magnetiseurs, so daß in diesem psychischen Zusammenhange beider das selbstlose, nicht als persönlich wirkliche Individuum zu seinem subjektiven Bewußtsein das Bewußtsein jenes besonnenen Individuums hat, daß dies andere dessen gegenwĂ€rtige subjektive Seele, dessen Genius ist, der es auch mit Inhalt erfĂŒllen kann.“(E III 136)
  31. ↑ Dirk Stederoth: Hegels Philosophie des subjektiven Geistes, Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 252 (google books)
  32. ↑ Hegel: Vorlesungen: AusgewĂ€hlte Nachschriften und Manuskripte, Bd. 1, S. 6
  33. ↑ Vgl. Hösle, Hegels System, S. 513
  34. ↑ Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Rechtsphilosophie, Bd. 3, S. 378
  35. ↑ Hegel: Jenaer Schriften, S. 304
  36. ↑ Hösle: Hegels System, S. 536
  37. ↑ Manfred Riedel: BĂŒrgerliche Gesellschaft und Staat, Neuwied/Berlin 1970, S. 67. Ähnlich argumentieren Herbert Marcuse (Vernunft und Revolution. Hegel und die Entstehung der Gesellschaftstheorie, Darmstadt/Neuwied 1976) und George LukĂĄcs (Der junge Hegel und die Probleme der kapitalistischen Gesellschaft, Berlin 1986 [1948])
  38. ↑ Hegel: Vorlesungen ĂŒber Rechtsphilosophie (hg. von K.-H. Ilting), Bd. 3. Stuttgart-Bad Cannstatt 1974, S. 567
  39. ↑ Vgl. z.B. Hubert Kieswetter: Von Hegel zu Hitler, Hamburg 1974; eine kurze Zusammenfassung der Gedanken des Buches findet sich im Vortrag des Autors vor der Regionalgruppe der Gesellschaft fĂŒr Analytische Philosophie in Erlangen-NĂŒrnberg vom 2. Juni 2004.
  40. ↑ Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Weltgeschichte, Ausgabe Felix Meiner (blaue Reihe)
  41. ↑ Hegel G.W.F.; Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Weltgeschichte, Band II, Meiner 1919, S.416
  42. ↑ Erwin Schadel: Hegel - Ein protestantischer TrinitĂ€tsphilosoph? Kapitel 2 (pp. 69-115) in Erwin Schadel: TrinitĂ€t als Archetyp? - ErlĂ€uterungen zu C.G.Jung, Hegel und Augustinus. Verlag Peter Lang - Internationaler Verlag der Wissenschaften, Reihe: Schriften zur Triadik und Ontodynamik, Band 26, 2008. ISBN 978-3-631-57927-5
  43. ↑ Hegel: Vorlesungen. AusgewĂ€hlte Manuskripte und Nachschriften, hg. v. Walter Jaeschke, Bd. 5: Über die Philosophie der Religion, S. 268
  44. ↑ Hegel: Vorlesungen: AusgewĂ€hlte Nachschriften und Manuskripte, Bd. 6, S. 14.
  45. ↑ Helmut Schelsky: Ortsbestimmung der deutschen Soziologie. Köln 3. Aufl. 1967 (zuerst 1959), S. 12
  46. ↑ Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Schriften, Bd. 4. Suhrkamp Frankfurt/M. 1. Aufl. 1989, S. 330 ff.
  47. ↑ Kurt Lenk: Marx in der Wissenssoziologie. Studien zur Rezeption der Marxschen Ideologiekritik. Neuwied Berlin 1972
  48. ↑ Walter Arnold Kaufmann: Tragödie und Philosophie. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) TĂŒbingen 1980, S. 100. ISBN 3-16-942682-6 (zuerst New York 1969)
  49. ↑ Walter Kaufmann: Tragödie und Philosophie. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) TĂŒbingen 1980, S. 223. ISBN 3-16-942682-6 (zuerst New York 1969)
  50. ↑ Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Schriften, Bd. 4. Suhrkamp Frankfurt/M. 1. Aufl. 1989, S. 344 ff.
  51. ↑ Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Schriften, Bd. 4. Suhrkamp Frankfurt/M. 1. Aufl. 1989, S. 354 ff.
  52. ↑ Ein anderes Geschichtsbild und eine andere Abstammungslinie werden aufgestellt von Hubert Kiesewetter: Von Hegel zu Hitler. Eine Analyse der hegelschen Machtstaatsideologie und der politischen Wirkungsgeschichte des Rechtshegelianismus. Mit einem Vorwort von Ernst Topitsch, Hamburg 1974.
  53. ↑ Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus., MĂ€rz 1913
  54. ↑ Lenin: Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung., Berlin 1962, S. 57
  55. ↑ Karl Marx: Thesen ĂŒber Feuerbach, in: "MEW Band 3, Dietz Verlag, Berlin 1969, S. 533 ff.
  56. ↑ Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie (Vorwort), in: "MEW Band 13, Dietz Verlag, Berlin 1961, S. 9ff.
  57. ↑ So von Rudolf Haym: Hegel und seine Zeit. Vorlesungen ĂŒber Entstehung und Entwicklung, Wesen und Werth der Hegel’schen Philosophie. Berlin 1857; zu Rosenzweigs Abkehr vom Hegelianismus nach dem 1. Weltkrieg-Erleben vgl. Paul-Laurent Assoun: Vorwort zu Franz Rosenzweig: Hegel et l'État. Presses Universitaires de France, Paris 1991, ISBN 2-13-043504-1; zuerst: MĂŒnchen 1920)
  58. ↑ Walter Jaeschke: Hegel-Handbuch, Stuttgart 2003, S. 46.
  59. ↑ Reinhold Schneider: Die Heimkehr des deutschen Geistes. Über das Bild Christi in der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts, Verlag Hans BĂŒhler jr., Baden-Baden 1946
  60. ↑ Manfred Pascher: EinfĂŒhrung in den Neukantianismus. MĂŒnchen 1997. UTB 1962
  61. ↑ Renate Wahsner: Zur Kritik der Hegelschen Naturphilosophie. Über ihren Sinn im Lichte der heutigen Naturerkenntnis. Frankfurt 1996; Horst-Heino v. Borzeszkowski, Renate Wahsner: Physikalischer Dualismus und dialektischer Widerspruch. Studien zum physikalischen Bewegungsbegriff. Darmstadt 1989; D. Lamb (ed.): Hegel and Modern Science. Manchester 1987
  62. ↑ Georg Klaus: RationalitĂ€t – Integration – Information. VEB Dt. Verlag der Wissenschaften, Berlin 1974, S. 42
  63. ↑ „Nun glaube ich nicht, dass die Klassifikation eines Werkes als einer bestimmten Schule zugehörig schon seine Erledigung bedeutet; im Falle des hegelschen Historizismus scheint mir aber dieses Vorgehen erlaubt zu sein; die GrĂŒnde dafĂŒr werden im zweiten Band dieses Werkes diskutiert werden.“ (Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Bd1: Der Zauber Platons. MĂŒnchen 6. Aufl. 1980, zuerst: 1944, S. 285)
  64. ↑ Karl Popper: Was ist Dialektik?(PDF), in: Ernst Topitsch (Hsg.): Logik der Sozialwissenschaften, Band 5, 1958, S. 262-290
  65. ↑ Karl Popper: The Myth of the Framework. London New York 1994, S. 70
  66. ↑ Edna Kryger: Das System der Dialektik bei Hegel (laut Kojeve und Popper)(PDF), in: Hegel-Jahrbuch, 1972, S. 162
  67. ↑ Reinhart Maurer: Popper und die totaliĂ€re Demokratie(PDF), in: Der Staat, Berlin 1964, S. 477
  68. ↑ Walter Kaufmann: Hegel – Legende und Wirklichkeit (PDF). in: Zeitschrift fĂŒr philosophische Forschung 10, 1956, S. 191
  69. ↑ Karl R. Popper: Objektive Erkenntnis (1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1993. Original 1973), S. 110 und S. 159
  70. ↑ Joseph Agassi: A Philosopher’s Apprentice (1993), S. 185
  71. ↑ Karl R. Popper: Objektive Erkenntnis (1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1993. Original 1973), S. 109
  72. ↑ Bertrand Russell: Unpopular Essays. George Allen & Unwin, London, 1950. Kapitel 1: Philosophy and Politics und Kapitel 4: Philosophy's Ulterior Motives
  73. ↑ Der zweite Band ist im Urteil von JĂŒrgen Habermas eines der wichtigsten Werke seit 1950 [1].
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