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George Washington [ËwÉÊÉȘĆtÉn] (* 22. Februar 1732[1] auf dem Gutshof Wakefield (auch âPopeâs Plantationâ genannt) im Westmoreland County, Virginia; â 14. Dezember 1799 auf seinem Gut Mount Vernon, Virginia) war von 1789 bis 1797 der erste PrĂ€sident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg von 1775 bis 1783 war er einer der GrĂŒndervĂ€ter der USA und leitete als Vorsitzender die verfassungsgebende Philadelphia Convention im Jahr 1787. WĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft traf Washington wegweisende Entscheidungen, die die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika als republikanische Demokratie bis heute prĂ€gen. Er wirkte vor allem auf eine gegenĂŒber den Einzelstaaten und dem Kongress handlungsfĂ€hige Zentralgewalt hin und bildete das neu geschaffene Amt bewusst aus, indem er PrĂ€zedenzfĂ€lle schuf.
Schon durch seine Herkunft war Washington Teil der ökonomischen und kulturellen Elite der sklavenhaltenden Plantagenbesitzer des Staates Virginia. Seine Eltern Augustine Washington (* 1693; â April 1743) und Mary Ball (* 1708; â 1789) waren beide englischer Abstammung. Die erste Ehefrau des Vaters war 1729 gestorben. Bereits mit elf Jahren verlor George seinen Vater und unterstand nun der Vormundschaft seines 14 Jahre Ă€lteren Halbbruders Lawrence. Augustine hinterlieĂ seiner Witwe und den sieben Kindern 4.000 Hektar Land und 49 Sklaven.[2]
Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte Washington die Schule in Williamsburg, wo er zwar nur eine einfache Schulbildung genoss, sich aber verstĂ€rkt im Eigenstudium mit der Mathematik beschĂ€ftigte. Dennoch betonten sowohl seine Zeitgenossen als auch seine spĂ€teren Kritiker, dass Washingtons Bildung zunĂ€chst einen rudimentĂ€ren Charakter gehabt habe, der kaum ĂŒber die einer Grundschule hinausgegangen sei. So meinte der spĂ€tere PrĂ€sident John Adams: âEs ist gewiss, dass Washington kein Gelehrter war, dass er fĂŒr seinen Rang und Namen zu ungebildet, zu wenig belesen und zu unwissend war. Diese Debatte ist gleichwohl vorbei.â[3]
In einem zweistöckigen BacksteingebĂ€ude namens Belvoir in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnte William Fairfax, ein kultivierter, vermögender und einflussreicher Edelmann, der auch ĂŒber groĂe Besitzungen in der englischen Heimat verfĂŒgte und seinen Haushalt so luxuriös eingerichtet hatte, dass Mount Vernon damit verglichen ziemlich altmodisch und bescheiden aussah. Allein die Mahagonimöbel im Esszimmer kosteten mehr als die gesamte Einrichtung der Familie Washington. Mit 16 Jahren lernte George Washington hier die Schwiegertochter des Hausherren, Sally Fairfax (geb. Cary) kennen, die nicht nur seine Allgemeinbildung verbessern, sondern zu der er auch bis zu seinem Lebensende mehr als nur freundschaftliche GefĂŒhle entwickeln sollte. Zu diesem Zeitpunkt war er âein bescheidener, bisweilen schĂŒchterner junger Mann, dem der nachbarschaftliche Besitz namens Belvoir Ehrfurcht einflöĂte.â[4]
1748 begleitete Washington George William Fairfax, den Gatten von Sally, auf einer Vermessungsexpedition durch die im Shenandoah-Tal gelegenen Besitzungen der Familie Fairfax. In den folgenden drei Jahren blieb er in dieser Grenzregion Virginias vor allem als Geometer und fĂŒhrte 190 Messungen durch. Gerade diese TĂ€tigkeit öffnete ihm die Augen fĂŒr den Wert von Landbesitz, den er eigenen Worten zufolge als das Wichtigste im Leben eines Mannes betrachtete. So kaufte er in diesen Jahren auch sein erstes, 585 Hektar groĂes GrundstĂŒck am Bullskin Creek am unteren Shenandoah.[5] AuĂerdem gelang es ihm, sich bei dieser TĂ€tigkeit wichtige Grundkenntnisse in der MenschenfĂŒhrung und Organisation anzueignen. Auch spĂ€ter lieĂ es sich Washington nicht nehmen, die ihn selbst interessierenden GrundstĂŒcke oder diejenigen, die sich bereits in seinem Besitz befanden, selbst zu kartographieren.
Als sein Halbbruder Lawrence Washington die Tochter von Fairfax, Anne, heiratete, gehörte auch George zur Familie. Nach dem frĂŒhen Tod seines Halbbruders im Juni 1752 â er starb nach einem gemeinschaftlichen Urlaub mit Washington auf Barbados, der keine Besserung brachte und bei dem George an Pocken erkrankte, an Tuberkulose â ĂŒbernahm George den schon ausgedehnten Familienbesitz von Mount Vernon am Potomac River mit einer FlĂ€che von 2126 Acres (8.6 kmÂČ). Im selben Monat bewarb er sich erfolgreich fĂŒr einen Generaladjutantenposten in der virginischen Miliz.[6]
George wurde auch nach dem Tod seines Bruders von der Familie Fairfax als Familienmitglied behandelt. Er freundete sich mit George William Fairfax an, der mit seiner jungen Frau Sally in Belvoir wohnte. Sally war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, âschön, gebildet und wohlerzogen.â Einer von Sallys Nachkommen beurteilte Georges GefĂŒhle zu ihr als âLiebe auf den ersten Blickâ. Lange Zeit war es eher eine platonische Liebe, die sich zunĂ€chst auf die informelle Ausbildung Georges beschrĂ€nkte: ideologische Theorien, TheaterstĂŒcke und BĂŒcher las man in Belvoir unter der Leitung des Ă€lteren Fairfax und Sallys. Ganz besonders habe man George fĂŒr die Literatur römischer Philosophen interessieren können. âDer Unterricht in Belvoir vermittelte George die Erkenntnis, die gröĂte menschliche Leistung darin zu sehen, durch ehrenvolle Handlungen den Respekt der eigenen Landsleute zu gewinnen.â[7]
Der stellvertretende Gouverneur von Virginia, Robert Dinwiddie, betraute George Washington im Herbst 1753 mit einer diplomatischen Mission. Er sollte den Franzosen, die laut Washingtons Aufzeichnungen westlich der Allegheny Mountains vom Eriesee aus mit Fort Presque (in der NĂ€he des heutigen Erie, Pennsylvania) beginnend und am French Creek und Allegheny bis zum Ohio vorstoĂend sowie aus Richtung SĂŒden vom Mississippi kommend mehrere Forts aufgebaut hatten,[8] als EmissĂ€r einen Brief ĂŒbermitteln. Darin wurden sie im Namen der britischen Krone von Dinwiddie und anderen Vertretern Virginias zur Aufgabe ihrer Vorposten in diesem zwischen Frankreich und England umstrittenen Gebiet aufgefordert. An der Ohio Company, die sich die britische Besiedelung dieses Landstrichs zum Ziel gesetzt hatte, hielt Dinwiddie Anteile.
Laut seinem Tagebuch machte sich Washington am 31. Oktober auf den Weg und verlieĂ Williamsburg in Richtung Fredericksburg.[9] Als er die Indianersiedlung Logstown erreichte, traf er erstmals auf Tanaghrisson, den Vertreter der dritten politischen Macht im Ohiotal, der Irokesen. Sie ĂŒbten ihre Herrschaft ĂŒber die StĂ€mme des Ohiotals ĂŒber irokesische Dorfvorsteher, sogenannte âHalbkönigeâ (half-kings) aus, deren AutoritĂ€t jedoch seit den 1730er Jahren zunehmend infrage gestellt wurde. Es zeichnete sich ab, dass dieser Konflikt eskalieren wĂŒrde und die Shawnee und Delawaren versuchen wĂŒrden, sich von der irokesischen Herrschaft zu befreien. Vor allem fĂŒr die Onondaga war klar, dass etwa die Mingo kein Ratsfeuer besaĂen, und damit auch keinen designierten Sprecher, der in der Sprache der Zeit als âkingâ bezeichnet wurde. Daher behalfen sich die Amerikaner mit der Bezeichnung âhalf-kingâ. Als der örtliche Halbkönig Geschenke der Siedler annahm, etablierte sich damit ein Ratsfeuer, also ein anerkannter Versammlungsort bei Logstown (Ambridge, Pennsylvania, auch ChininguĂ©). Im Dezember 1753 brach Washington aus Logstown auf und wurde dabei von Tanaghrisson, der seit 1748 Halbkönig war, und zwei weiteren HĂ€uptlingen zu den Franzosen begleitet.
Bei den Franzosen wurden Washington und seine Begleiter höflich und zuvorkommend behandelt, in dem Antwortschreiben an Dinwiddie drĂŒckte ihr Verhandlungspartner, der Kommandeur des Fort Le Boeuf (in der NĂ€he des heutigen Waterford, Pennsylvania), aber lediglich als diplomatische Floskel seine Hochachtung aus und war zu keinen ZugestĂ€ndnissen bereit.[10] Durch seinen auf DrĂ€ngen Dinwiddies verfassten Bericht ĂŒber diese Mission, der unter dem Titel The Journal of Major Washington in mehreren Zeitungen, auch in England und Schottland, veröffentlicht wurde, erlangte er erstmals öffentliche Aufmerksamkeit.[11]
Nachdem die Mission gescheitert war, vertraute ihm Dinwiddie nach Zustimmung des Abgeordnetenhaus Virginias im FrĂŒhjahr 1754 das Kommando ĂŒber eine kleine Miliztruppe von 160 Mann an, die in den westlichen Territorien französische Vorposten und SpĂ€htrupps beobachten sowie die strategisch wichtige Stelle am Zusammenfluss von Allegheny und Monongahela, wo das heutige Pittsburgh liegt, sichern sollte. Nach Ăberquerung der Alleghenies erfuhr Washington, dass die Ohio Company von den Franzosen aus dem halbfertig gebauten Fort vertrieben worden war und diese, insgesamt 1.000 Mann stark, es in Fort Duquesne umbenannt hatten.[12] Washington sammelte daraufhin die indianischen VerbĂŒndeten um sich und lieĂ behelfsmĂ€Ăige Forts, zuletzt das Fort Necessity, errichten, um sich so besser gegen einen möglichen Angriff der ĂŒberlegenen französischen KrĂ€fte verteidigen zu können. Im Mai 1754 kam es zwischen Washingtons Miliz und einem französischen Trupp zum Gefecht von Jumonville Glen, aus dem die Briten siegreich hervorgingen. Lange blieb umstritten, ob der französischen Kommandant Joseph de Jumonville im Gefecht fiel oder erst nach erfolgter Kapitulation umgebracht wurde. Die Funktion Jumonvilles, also ob er als EmissĂ€r oder Spion unterwegs war, der einen Angriff auf die Briten vorbereitete, wird bis heute kontrovers diskutiert. Kaum einen Monat nach dem Gefecht wurde Washingtons Miliz von ĂŒberlegenen französischen KrĂ€ften in Fort Necessity eingeschlossen. Nachdem seine Miliz bei der Verteidigung hundert Mann verloren hatte, die angreifenden Franzosen dagegen nur fĂŒnf, brach Panik aus und Washington war zur Kapitulation gezwungen. In dem entsprechenden Dokument, welches Washington unterschreiben musste, um freien Abzug zu erhalten, wurde der Tod Joseph de Jumonvilles als "Ermordung" bezeichnet und somit der britischen Seite die Schuld an diesem Vorfall gegeben. Washington behauptete spĂ€ter, aufgrund der schlechten Ăbersetzung aus dem französischen Original sei ihm dies nicht aufgefallen, als er unterschrieben hatte, andernfalls hĂ€tte er es unterlassen. Am 4. Juli 1754 verlieĂ er mit seiner Miliz das verlorene Fort.[13] Mit diesen ZwischenfĂ€llen begann der Krieg, den die Amerikaner seither als Franzosen- und Indianerkrieg (1754â1763) bezeichnen, ein Teilkonflikt des SiebenjĂ€hrigen Krieges.
WĂ€hrend der Kampagne schrieb Washington in einem Brief an Sally Fairfax: âIch kann Dir versichern, ich hörte die Kugeln pfeifen, und glaub' mir, es ist etwas VerfĂŒhrerisches in diesem GerĂ€usch.â[14] Durch eine Indiskretion gelangte dieser Ausspruch an die Ăffentlichkeit, wo er bald zu einem beliebten Zitat wurde. Selbst der britische König Georg II. erfuhr von dieser verbalen Entgleisung des jungen Mannes und meinte dazu, dass Washington wohl noch nicht allzu viele Gewehrkugeln gehört habe, wenn er diesem GerĂ€usch eine derartige Emotion abgewinnen könne.[15]
Washington verschwieg nach seiner RĂŒckkehr, dass er nach dem ScharmĂŒtzel zusah (oder zusehen musste), wie âseineâ Indianer zehn Franzosen, unter ihnen ihren Kommandanten Jumonville, umbrachten und er so seine moralischen Pflichten als Kommandeur verletzte. Der ehrgeizige Washington fĂŒrchtete um seine militĂ€rische Reputation: In seiner Version ging er als Sieger aus seinem ersten Gefecht unter seinem Kommando hervor. In diesem Zusammenhang ist auch seine Bitte an Dinwiddie zu verstehen, Aussagen der französischen Gefangenen keinen Glauben zu schenken.[16] Bei der Ăbernahme von Fort Necessity hatten die Franzosen das Tagebuch Washingtons beschlagnahmt, in dem die irrefĂŒhrende Darstellung des Gefechts von Glumonville Glen enthalten war, und stellten ihn in der Folge in der Ăffentlichkeit als die Unehrenhaftigkeit in Person hin. In die gleiche Richtung geht auch eine epische Dichtung aus dieser Zeit, in der Washington als idealer Schurke die Böshaftigkeit des Gegners verkörpert.[17]
Zudem erscheint der Irokese Tanaghrisson als entscheidender Akteur des Konflikts, der sich auf die Seite der Briten gestellt hatte, und der mit der Ermordung des Franzosen Jumonville die Briten zu einem militĂ€rischen Eingreifen bewegen wollte. Hingegen wollten die StĂ€mme des Ohiotals Frankreich zum Eingreifen gegen die Briten und Irokesen bewegen. [18] Sie brachen nun mit der irokesischen Herrschaft und stellten sich auf französische Seite, Tanaghrisson starb 1754. Die Hilfstruppen der Franzosen bestanden nun nicht mehr nur aus den traditionell mit ihnen verbĂŒndeten StĂ€mmen, wie den Ottawa, sondern aus Shawnee, Delawaren und Mingo.[19]
Offenbar ging George Washingtons BewĂ€ltigungsstrategie auf. Bereits im folgenden Jahr begleitete er ab Anfang Mai die Braddock-Expedition der britischen Armee. WĂ€hrend dieser Unternehmung diente er nur als Hauptmann, nachdem er in der virginischen Miliz zuvor bereits Oberst gewesen war. Allerdings milderte die Zusicherung, ihn als Adjutant im FĂŒhrungsstab einzusetzen, Washingtons empfindliche Natur bezĂŒglich Rangfragen.[20] Der schwerfĂ€llige, fĂŒr europĂ€ische Gegebenheiten ausgerĂŒstete Tross von zehn Kilometer LĂ€nge musste sich 160 km weit durch kaum passierbare Wildnis bewegen, um die geplante Belagerung von Fort Duquesne durchzufĂŒhren. Dieser strategische Fehler fĂŒhrte unter anderem am 9. Juli 1755 zur Schlacht am Monongahela. Eine 950 Mann umfassende AufklĂ€rungsabteilung aus Duquesne, zwei Drittel davon Indianer, gelang es, die Vorhut von Braddock einzukreisen. Dabei gerieten die virginischen Soldaten in ein Kreuzfeuer zwischen Briten und Indianern und erlitten hohe Verluste. Washington wurden drei Pferde unter ihm erschossen, was seinem Nimbus zustatten kam. Zudem zeigte er groĂe Besonnenheit, als er wĂ€hrend des Debakels den RĂŒckzug organisierte, nachdem Braddock und alle anderen Adjutanten auĂer ihm gefallen waren. Am Ende hatte die Expedition 900 von 1.300 MĂ€nnern verloren.[21] FĂŒr Washington war diese Katastrophe lehrreich, da er erkannte, dass eine derart groĂe und dadurch schwerfĂ€llige Streitmacht, die in ihrem Tross unter anderem Kanonen mitfĂŒhrt, in der Wildnis der Ohio-Region der WaldkĂ€mpfertaktik der Indianer entscheidend unterlegen war. Solange die Mehrheit der IndianerstĂ€mme dort mit den Franzosen verbĂŒndet blieb, sah Washington keine Erfolgschance in einer weiteren Expedition dieser Art.[22]
Im Anschluss organisierte Washington als Oberst das erste regulĂ€re Regiment Virginias, das zeitweise ĂŒber 1.000 Mann zĂ€hlen sollte und am Krieg teilnahm. [23] Nach der Farbe der von Washington entworfenen Uniform wurde das virginische Regiment die Blauen genannt.[24] Ferner bekam Washington offiziell den Oberbefehl ĂŒber alle Truppen des Staates Virginia. Es gelang ihm, die Grenze Virginias gegen die französischen Truppen zu verteidigen, wobei sich der eigentliche Krieg in den nordwĂ€rtigen Nachbarkolonien, also in Kanada, an den GroĂen Seen und in Neuengland, abspielte. Als Problem stellte sich eher heraus, dass vor allem die Shawnee und Deleware die britische Niederlage am Monongahela ausgenutzt hatten, alle englischen Siedlungen westlich der Blue Ridge zu ĂŒberfallen. Da er mit seinem Regiment gegen die WaldkĂ€mpfertaktik der Indianer keinen Vorteil in Form einer entscheidenden Schlacht erzwingen konnte, forderte Washington von Dinwiddie mehr indianische VerbĂŒndete, da es die einzigen seien, die es mit Indianern aufnehmen könnten. Besonders unterstĂŒtzte er die Anwerbungsversuche der Catawbas und Cherokee aus den beiden Carolinas. Die Indianer der Region blieben meist franzosenfreundlich gesinnt, so dass Washington in den nĂ€chsten Jahren vor allem in einer defensiven, durch Forts unterstĂŒtzten Blockadehaltung an der Westseite der Blue Ridge verblieb.[25] FĂŒr Washington ging es in der Frage der Indianer spĂ€ter vor allem um die vollstĂ€ndige Vernichtung ihrer Existenzgrundlagen: âUnmittelbare Ziele sind die völlige Zerstörung und VerwĂŒstung ihrer Siedlungen. Besonders wichtig wird es sein, ihre FeldfrĂŒchte in der Erde zu vernichten und die Felder unbestellbar zu machen.â[26] Diese ĂuĂerung stand in groĂem Widerspruch zu jener idealisierenden Haltung, die dem Virginier nach seinem Tod als Inbegriff des âGroĂen WeiĂen Vatersâ von manchen indianischen Delegationen entgegengebracht wurde.
Washington fĂŒhrte das Regiment, das zum groĂen Teil aus gerade eingewanderten Rekruten aus England, Irland und Schottland bestand, mit strenger Hand und exakt und detailliert formulierten Befehlen. Er legte groĂen Wert auf PrĂ€zision im Exerzieren und auf mobile Gefechtstaktiken im Waldkampf. Bald gelangte er zur Ăberzeugung, sein Regiment sei auch durch die regelmĂ€Ăigen Erfahrungen im Grenzkampf allen anderen amerikanischen und britischen Truppen im Guerillakrieg ĂŒberlegen. Es Ă€rgerte ihn sehr, dass er und sein Regiment nicht nach den Tarifen britischer Berufssoldaten bezahlt wurden. Im FrĂŒhjahr 1756 reiste er nach Boston, um dort ohne Erfolg beim amtierenden Befehlshaber fĂŒr Nordamerika, dem britischen Kolonialgouverneur William Shirley, entsprechende WĂŒrdigung fĂŒr ihn und sein Regiment in Form gleicher Besoldung einzufordern.[27] Auch dessen Nachfolger im selben Jahr, John Cambell, Lord Loudon, bat er in mehreren Briefen in angemessener Ehrerbietung um ein regulĂ€res Offizierspatent. Wiederum fand er kein Gehör, im Gegenteil wurde sein Regiment kurzfristig von Lord Loudon aufgelöst, um kompanieweise den Kampf in SĂŒd-Carolina zu verstĂ€rken. [28]
Obwohl Washington der Ăberzeugung war, niemand wisse besser als er wie das strategisch wichtige französischen Forts Duquesne (heute Pittsburgh) und somit das Ohio-Gebiet einzunehmen sei, und er britische PlĂ€ne dazu seit Braddock stets fĂŒr untauglich hielt, bot er seine UnterstĂŒtzung an, als 1758 der britische General John Forbes eine weitere Expedition diesbezĂŒglich vorbereitete, deren TruppenstĂ€rke doppelt so groĂ war wie die der Braddock-Expedition. Auf Washingtons Rat hin wurden von Forbes Cherokees als SpĂ€her angeworben und die britischen Soldaten trugen im GelĂ€nde nicht ihre traditionellen Rotröcke sondern die Ranger-Uniformen von Angeworbenen der virginischen Miliz. Zudem wurden die Soldaten in Waldkampftaktik ausgebildet, die unter anderem darin bestand, bei einem Hinterhalt mit zwei Flanken sofort auf die angreifende Waldlinie vorzurĂŒcken und mit den indianischen SpĂ€hern im RĂŒcken des Feindes anzugreifen.[29] In einen Konflikt, der fast bis zur Gehorsamsverweigerung reichte, sah sich Washington Forbes gegenĂŒber, was den Weg nach Fort Duquesne betraf. WĂ€hrend er sich fĂŒr den bereits durch Braddock gebahnten Weg durch das nördliche Virginia aussprach, lieĂ Forbes von Carlisle, Pennsylvania aus durch Ingenieure eine um 50km kĂŒrzere Route in Form einer StraĂe bauen. Washington machte in Virginia, unter anderem bei dessen neuem Gouverneur, Francis Fauquier, Stimmung gegen die Pennsylvania-Route und sagte das Scheitern der Forbes-Expedition voraus.[30] Trotz seiner Bedenken gegen die Entscheidung Forbes stieĂ er am 12. November 1758 mit seinem Regiment auf eine Erkundungspatrouille aus Fort Duquesne. Nach einem verlustreichen ScharmĂŒtzel, in dem Washington unter Einsatz seines Lebens ein Kreuzfeuer unterbrach, erreichten sie siegreich Fort Duquesne und fanden es verlassen und lichterloh brennend vor, da es die Franzosen angesichts der nahenden Ăbermacht aufgegeben hatten.[31] Im Dezember 1758 verlieĂ Washington das Regiment im Range eines Oberst, um danach einen Sitz im Abgeordnetenhaus Virginias einzunehmen und am 6. Januar 1759 zu heiraten.
Selbst wÀhrend des Krieges hatte Washington das VerhÀltnis zu Sally Fairfax fortgesetzt. Die meisten Briefe Sallys vernichtete Washington spÀter aus Angst vor möglichen Indiskretionen. Fast vollstÀndig erhalten sind lediglich seine Briefe aus diesem Briefwechsel, die sich im Nachlass Sallys befanden. Die Korrespondenz erstreckt sich von jenem Tag, an dem er ihr kurz vor der Hochzeit mit seiner spÀteren Frau Martha schrieb, bis zum letzten Brief, 25 Jahre nach ihrer letzten Begegnung.
Von Sally existiert nur ein Postskriptum innerhalb eines Briefes ihres Schwiegervaters:
Somit entschloss sich Washington zur Vernunft- bzw. Geldheirat: Nach zwei ungeschickten und erfolglosen Brautwerbungen machte er schlieĂlich Martha Dandridge Custis einen Heiratsantrag, einer freundlichen, wenn auch wenig anziehenden 26-jĂ€hrigen Witwe des Pflanzers Daniel Parke Custis, die dank ihres Erbes eine der reichsten Frauen Virginias war. In US-Dollar, der damals noch nicht existierte und dessen Wert im Lauf der Geschichte schwankte, wurde der Wert des Erbes spĂ€ter auf rund $100.000[33] geschĂ€tzt. Ausgerechnet Sally ĂŒberwachte die Renovierungsarbeiten, die Washington in Mount Vernon in Auftrag gegeben hatte, damit das Haus zum Empfang gerĂŒstet war. Dennoch fanden weitere Treffen mit Sally statt und auch die Korrespondenz aus Fort Cumberland legte ein deutliches Zeugnis darĂŒber ab, dass Washington sich seiner Sache nicht sicher war:
George Washington vernichtete die Antwort, die 13 Tage spĂ€ter eintraf. Er war wohl enttĂ€uscht und sprach in einem weiteren Brief davon, dass beide die Absichten des anderen missverstehen wĂŒrden. Letztlich ermutigte Sally Fairfax ihn sogar zu der Heirat.[35]
Nach der Trauung am 6. Januar 1759 verlegte das neuvermĂ€hlte Paar seinen Wohnsitz auf die Plantage in Mount Vernon, wo Washington das Leben eines vermögenden Plantagenbesitzers aufnahm. Aus der Ehe mit Martha gingen keine Kinder hervor. George Washington adoptierte jedoch die beiden Kinder seiner Frau aus erster Ehe, John und Martha. Trotz inniger GefĂŒhle zu Sally schuf er seiner Frau und den Stiefkindern ein glĂŒckliches Zuhause. âWashington verfĂŒgte ĂŒber eine ungeheure Selbstbeherrschung, gemÀà seinem Grundsatz, eher nach âVernunft als nach Leidenschaft zu strebenâ âŠâ, da er die Ruhe der Ehe mehr schĂ€tzte als die Aufregung.
Im Laufe der fĂŒnfziger Jahre des 18. Jahrhunderts sollte er durch Erbschaft, die oben erwĂ€hnte Heirat und Landspekulationen zu einem der reichsten MĂ€nner von Virginia werden.
Neben der bereits erwÀhnten DeputiertentÀtigkeit war er seit 1752 auch Friedensrichter in Fredericksburg, wo seine Familie bereits seit 1738 im direkten Umfeld der Stadt die Ferry Farm erworben hatte und auch seine Mutter Mary ihre letzten Lebensjahre verbringen sollte.
1773 sah Washington Sally zum letzten Mal, als sie und ihr Ehemann nach England abreisten. Es sollte kein Abschied fĂŒr immer sein, aber sowohl die Verpflichtungen der Familie Fairfax als auch die politischen Wirren der folgenden Jahre erlaubten ihnen keine RĂŒckkehr.[36] Fairfax vertraute die Verantwortung fĂŒr Belvoir ausgerechnet George Washington an. Entsprechend der Vereinbarung lieĂ Washington, bevor er zur Teilnahme am ersten Kontinentalkongress nach Philadelphia abreiste, die Einrichtung versteigern. Dabei ersteigerte ausgerechnet er fĂŒr 169 Pfund bezeichnende GegenstĂ€nde: Die Polster und Kissen aus Sallys Schlafzimmer.[37]
1774 zog er als Delegierter Virginias in den Kontinentalkongress ein.
Auf Vorschlag von John Adams aus Neuengland nominierte Thomas Johnson, Gouverneur von Maryland, am 15. Juni 1775 George Washington als Mitglied des Kongresses aus Virginia fĂŒr die wichtige Funktion des Kommandeurs der Kontinentalarmee (âContinental Armyâ) im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg, woraufhin dieser einstimmig gewĂ€hlt wurde. Als am nĂ€chsten Morgen der PrĂ€sident des Kontinentalkongresses John Hancock Washington dieses Amt offiziell anbot, erhob dieser sich von seinem Platz und nahm die Funktion offiziell an.
In seiner Rede zu dieser Gelegenheit sagte er, nachdem er seine Zweifel darĂŒber ausgedrĂŒckt hatte, dass er in der Lage wĂ€re, seine Pflichten zu aller Zufriedenheit zu erfĂŒllen:
Ohne seine Familie in Virginia wiederzusehen, brach Washington nach Boston auf, wo er am 3. Juli 1775 das Kommando ĂŒber 16 000 Milizsoldaten ĂŒbernahm,[38] die die in der Stadt befindliche britische Armee seit den Gefechten von Lexington und Concord, den ersten KĂ€mpfen des UnabhĂ€ngigkeitskrieges, belagerten. In einem Brief teilte er seiner Frau Martha seine durchaus selbstzweiflerischen Bedenken mit:
Washington war als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee nicht der geniale Stratege, der Schlachten nach sorgfĂ€ltigen PlĂ€nen gewann, sondern der sorgfĂ€ltige Organisator der amerikanischen StreitkrĂ€fte. Er war sich vollkommen seiner vergleichsweise bescheidenen Mittel bewusst. Den regelrecht knauserigen Kongress musste er daher regelmĂ€Ăig in ausfĂŒhrlichen und genau belegten Berichten um die personelle und finanzielle Aufstockung seiner Armee angehen. Dabei schien er sich um jedes noch so kleine Detail zu kĂŒmmern, um zumindest die Ausstattung der Truppe mit Bekleidung, Verpflegung, Brennmaterial, UnterkĂŒnften und Munition garantieren zu können.
Bei der Auswahl seiner Befehlshaber und Stabsoffiziere legte er besonderen Wert auf eben diese OrganisationsfĂ€higkeiten, scheute sich jedoch nicht, in derartigen Fragen an MĂ€nner wie Friedrich Wilhelm von Steuben, Richard Gridley, Horatio Gates oder Artemas Ward zu delegieren, und förderte jene jungen Offiziere wie Henry Dearborn, Henry Lee oder Anthony Wayne, die er fĂŒr kurzfristige taktische Operationen benötigte. ZahlenmĂ€Ăig stets unterlegen, lieĂ er die Armee nur dann ins Feld fĂŒhren, wenn die offene Feldschlacht unvermeidlich bzw. von den Voraussetzungen gĂŒnstig fĂŒr die amerikanischen Truppen war. In stetigen Guerilla-Ă€hnlichen Raids gegen die britischen Nachschublinien schafften seine Truppen somit die ersten Voraussetzungen fĂŒr den eigenen Erfolg.
Nachdem Washington, der im Longfellow House in Cambridge sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, die Briten nach neunmonatiger Belagerung am 17. MĂ€rz 1776 erfolgreich aus Boston vertrieben hatte, zog er mit einem GroĂteil der Kontinentalarmee nach New York City und befestigte die Stadt, wobei er unter anderem die Morris-Jumel Mansion im heutigen Washington Heights als Hauptquartier bezog. Am 27. August 1776 verlor er die Schlacht von Long Island auf dem Areal des heutigen Prospect Park. Nach der Landung der britisch-hessischen Armee bei Kips Bay kam es am 16. September 1776 zur Schlacht von Harlem Heights, die den ersten Sieg der Amerikaner im UnabhĂ€ngigkeitskrieg ergab. Nach ihrem Erfolg in der Schlacht von White Plains und der Schlacht von Fort Washington erlangten die britischen Truppen im Oktober 1776 Kontrolle ĂŒber die Insel Manhattan. Um nicht eingeschlossen zu werden zog sich Washington daraufhin nach Valley Forge in Pennsylvania zurĂŒck, wo sich die Kontinentalarmee erholen konnte.
Am 26. Dezember 1776 lieĂ Washington die Truppen den Delaware River ĂŒberqueren, um die hessischen Truppen der Briten in Trenton, New Jersey, anzugreifen. Dieser erfolgreiche Angriff baute die Moral der unabhĂ€ngigkeitswilligen Kolonialisten wieder auf. Bevor sie sich in ihr Winterlager zurĂŒckbegaben, lieĂ Washington in Erwartung eines britischen Gegenangriffs eine Verteidigungslinie bei Trenton errichten. Hier kam es am 2. Januar 1777 zur Zweiten Schlacht von Trenton, der sich Washington in der Nacht entzog und mit einem ĂŒberraschenden Manöver am nĂ€chsten Tag die britischen Truppen in Princeton schlug. Diese zogen sich nach den drei verlorenen Gefechten aus New Jersey nach New York zurĂŒck.
Washington befehligte im Verlauf der Revolution weiterhin eine Armee, um britische KrĂ€fte im Zentrum des Landes zu binden, wĂ€hrend General Gates und der MilizenfĂŒhrer Benedict Arnold die Schlacht von Saratoga 1777 gewannen, was indirekt zur französischen Anerkennung der Vereinigten Staaten fĂŒhrte. Am 11. September 1777 stellte sich Washington in der Schlacht von Brandywine ohne Erfolg dem britischen Unternehmen entgegen, Philadelphia einzunehmen, in welches diese kurz darauf ungehindert einmarschierten, wogegen der Kontinentalkongress nach York (Pennsylvania) fliehen musste. Washington scheiterte mit der verlorenen Schlacht von Germantown am 4. Oktober 1777 die britischen Truppen aus der Hauptstadt der Dreizehn Kolonien zurĂŒckzudrĂ€ngen. Im Dezember 1777 erreichte die Kontinentalarmee das Winterquartier in Valley Forge. Die Soldaten litten dort unter den feuchtkalten Witterungsbedingungen, unzureichender Winterkleidung und schlechter Versorgungslage. Mehrere tausend starben an Krankheiten wie Typhus, Dysenterie und LungenentzĂŒndung oder erfroren. Im Februar 1778 trat Friedrich Wilhelm von Steuben als Generalmajor den Dienst unter Washington an und begann sogleich mit dem taktischen und operativen Aufbau der Armee, die sich durch Verluste auf 5000 Mann verringert hatte.
Die nun gedrillten und besser disziplinierten Soldaten konnten sich in der Schlacht von Monmouth beweisen, als sie die Nachhut der aus Philadelphia zurĂŒck nach New York beorderten britischen Armee angriffen. Das Gefecht endete auch wegen des eigenmĂ€chtigen RĂŒckzugbefehls von Charles Lee, der spĂ€ter deswegen von einem Kriegsgericht verurteilt wurde, in einem taktischen Sieg der Briten, die ihren RĂŒckzug aus Pennsylvania abschlieĂen konnten. Strategisch hatte die Schlacht einen ausgeglichenen Ausgang, da die Kontinentalarmee in Besitz der Staaten sĂŒdlich New Yorks verblieb. Im Sommer 1779 ordnete Washington die Sullivan-Expedition zur BekĂ€mpfung von Loyalisten und einigen StĂ€mmen der Irokesen an. Er gab dabei ausdrĂŒcklich Befehl die Taktik der verbrannten Erde anzuwenden.
1780 entsendete Frankreich, das im Februar 1778 die UnabhĂ€ngigkeit der Dreizehn Kolonien anerkannt hatte und sich seitdem im Kriegszustand mit dem britischen Königreich befand, 6000 Soldaten unter dem Kommando von Generalleutnant Jean-Baptiste-Donatien de Vimeur, comte de Rochambeau nach Rhode Island. Im August 1781 vereinigten sie sich mit der Kontinentalarmee unter der FĂŒhrung Washingtons. Nach einer entsprechenden Meldung durch General Marquis de La Fayette die britischen Truppen beabsichtigten Yorktown zu evakuieren, bewegte sich die mit französischen Truppen verstĂ€rkte Kontinentalarmee nach Yorktown. Dort gelang es in Abstimmung mit der von Admiral François Joseph Paul de Grasse befehligten Flotte, General Charles Cornwallis in der Schlacht von Yorktown einzuschlieĂen und entscheidend zu schlagen. Diese Kapitulation der Briten war das eigentliche Ende der englischen Versuche, die Revolution zu unterdrĂŒcken.
Da zu diesem Zeitpunkt noch britische Truppen in New York City, Savannah und Charleston stationiert waren, musste Washington von weiteren Gefechten ausgehen und blieb wachsam. Das Ausbleiben eines entscheidenden Gefechts, der RĂŒckzug der französischen Truppen und lange nicht ausbezahlter Sold verschlechterte die Stimmung bishin zur Gefahr einer Meuterei, in deren Planung Major John Armstrong junior verwickelt gewesen sein soll. Durch eine Ansprache am 15. MĂ€rz 1783 an seine Offiziere, in der er an die LoyalitĂ€t zum Kongress der seit 1781 bestehenden amerikanischen Konföderation appellierte, konnte Washington die Newburgh-Krise lösen.
Im Vertrag von Paris im September 1783 erkannte das englische Königreich die UnabhĂ€ngigkeit der Vereinigten Staaten an. Washington entlieĂ darauf hin die Soldaten der Kontinentalarmee und verabschiedete sich von seinen Offizieren am 4. Dezember 1783 in Fraunces Tavern. Am 23. Dezember trat er als Kommandeur der Kontinentalarmee vor dem Kontinentalkongress zurĂŒck. Kurz vor seinem Abschied als Oberbefehlshaber rief Washington die Bundesstaaten auf, eine starke Zentralregierung zu bilden. Wie sehr er den RĂŒckzug ins Privatleben vorzog, lĂ€sst sich daran ersehen, dass er ihn in einem Brief als âRĂŒckkehr zu sich selbstâ bezeichnete.
Es sollte immerhin noch vier Jahre dauern, bis die anerkannten FĂŒhrer der Amerikanischen Revolution an die Ăberarbeitung der ineffektiven ersten Verfassung der USA, der Konföderationsartikel von 1777 beziehungsweise an die Verabschiedung einer neuen Verfassung herangingen.
Der Verfassungskonvent tagte in Philadelphia vom Mai bis zum September 1787. George Washington nahm fĂŒr Virginia teil. Er wurde von den 54 Delegierte teilnehmenden zwölf Staaten der Konföderation einstimmig zum PrĂ€sident der Versammlung gewĂ€hlt. Obwohl er stets bedacht war, ĂŒber den Parteimeinungen zu âschwebenâ, sprach er sich ausdrĂŒcklich fĂŒr eine starke Exekutivgewalt aus.
Bei den Verfassungsdiskussionen und Ratifizierungsdebatten kristallisierten sich erstmals klare politische Parteimeinungen heraus, die frĂŒhe Kennzeichen eines Zweiparteiensystems beinhalteten.
In den Beratungen behielten die Vertreter Virginias die Initiative, indem sie alsbald einen Verfassungsentwurf zur Diskussion stellten, der ĂŒber einfache ZusĂ€tze zu den Konföderationsartikeln weit hinausging. Anstelle der dort favorisierten AusschĂŒsse sollte eine Bundesregierung stehen, deren Gewalten Ă€hnlich denen der Bundesstaaten in Legislative, Exekutive und Judikative dreigeteilt war. Zudem sollte die Legislative aus zwei Kammern bestehen. Die Bedenken der Delegierten New Jerseys wurden von der Mehrheit beiseitegeschoben. Allerdings kollidierten bei der Frage der Sitzverteilung der zukĂŒnftigen ReprĂ€sentantenversammlung erwartungsgemÀà die Interessen der kleinen und groĂen Staaten. Erstere wollten nach dem Prinzip âein Staat â eine Stimmeâ verfahren, wĂ€hrend letztere das Bevölkerungsgewicht berĂŒcksichtigt sehen wollten. Da New York mit den kleineren Bundesstaaten stimmte, einigte man sich auf den Kompromiss, dass eine direkte Wahl des ReprĂ€sentantenhauses nach Einwohnerzahl möglich wurde, und die groĂen Staaten der Wahl der Senatoren durch die Einzelstaatslegislativen zustimmten.
In dem so genannten âGroĂen Kompromissâ (16. Juli 1787) trafen die Delegierten vier grundlegende Entscheidungen:
Ein weiterer wichtiger Kompromiss betraf die Sklavenfrage. Denn die MÀnner, die ab 1776 unablÀssig am Grundsatz der gleichgeborenen Gesellschaft festhielten, waren meist Sklavenhalter: 1787 besaà George Mason 118, Thomas Jefferson 149 und George Washington sogar 390 Sklaven.
Berechtigterweise fragten die Vertreter der Nordstaaten, warum die Sklaven im SĂŒden gleichzeitig als Besitz betrachtet und bei der Berechnung der Abgeordnetensitze als Menschen mitgezĂ€hlt werden sollten. Nach einer erbittert gefĂŒhrten Debatte, in deren Verlauf die SĂŒdstaaten mit Sezession drohten, gab der Norden nach. Demnach sollten fĂŒnf Sklaven bei der Berechnung der Sitzverteilung so viel gelten wie drei freie BĂŒrger. In einer weiteren sehr ambivalenten VerfĂŒgung, in der das Wort âSklaveâ tunlichst vermieden wurde, regelte die Verfassung auĂerdem den Sklavenimport bis 1808. Die bestehende RealitĂ€t wurde somit in der beschriebenen Weisung des Verfassungstextes âaufgefangenâ:
Dieser âGeburtsfehlerâ der amerikanischen Verfassung sicherte zwar die wirtschaftlichen Grundlagen und politischen AnsprĂŒche der SĂŒdstaaten, legt aber auch gleichsam einen der Keime fĂŒr den spĂ€teren BĂŒrgerkrieg. Dessen ungeachtet profitierte auch Washington von dieser Regelung.
Bei der Konstruktion des PrĂ€sidentenamtes kollidierten im Verfassungskonvent die BefĂŒrworter einer schwachen und starken Exekutive. So forderten letztere, dass der PrĂ€sident möglichst unabhĂ€ngig sein mĂŒsse, um das Konzept der Gewaltenteilung verwirklichen und ein Gegengewicht zur Legislative bilden zu können. Als abschreckendes Beispiel beschwor man dafĂŒr die Entwicklung in den Einzelstaaten hervor, wo eine allmĂ€chtige Legislative die Ăngste der wohlhabenden Eliten vor den âDemokratenâ schĂŒrte.
Somit war das WahlmĂ€nnerkollegium ein Kompromiss, da es jedem Bundesstaat ĂŒberlassen blieb, es nach allgemeiner Wahl oder von der Legislative bestimmen zu lassen. Indem der Verfassungskonvent die Wahl des PrĂ€sidenten durch Senat und ReprĂ€sentantenhaus verwarf, verabschiedete man sich auch von der Entwicklung eines parlamentarischen Regierungssystem und wendete sich endgĂŒltig dem prĂ€sidentiellen Modell zu.
Das PrĂ€sidentenamt erhielt im Vergleich stĂ€rkere Vollmachten als die jeweiligen Gouverneure der Einzelstaaten: Dank eines aufschiebenden Vetos wirkt er bei der Gesetzgebung mit, die Nominierung der Richter des Obersten Gerichts bringt ihm entscheidenden Einfluss auf die Judikative und als Oberbefehlshaber von Heer und Marine, als Distributor dotierter Verwaltungsstellen sowie als âExekutorâ von AuĂen- und Innenpolitik hat er die politische Initiative an den maĂgeblichen Stellen unter Kontrolle. Die zum damaligen Zeitpunkt postulierte lebenslĂ€ngliche Amtszeit (âduring good behaviorâ) erinnert stark an einen Monarchen.
Nach der Ratifizierung der Verfassung durch neun der dreizehn Einzelstaaten gab das WahlmĂ€nnerkollegium, das die Wahl des PrĂ€sidenten vorzunehmen hatte, am 4. Februar 1789 die einhellige Wahl George Washingtons zum PrĂ€sidenten bekannt. Dabei sollte er der einzige PrĂ€sident bleiben, der einstimmig vom Wahlkollegium gewĂ€hlt wurde. Bei seiner BestĂ€tigung 1792 zĂ€hlte man lediglich drei Enthaltungen, aber keine Gegenstimmen. Ausschlaggebend fĂŒr seine Wahl war neben seinen politischen und militĂ€rischen Verdiensten seine auf Ausgleich zwischen den Parteien bedachte Haltung.
Nach der WahlprĂŒfung durch den Senat und der Annahme durch ihn selbst reiste Washington in acht Tagen nach New York, wo die AmtseinfĂŒhrung in der Federal Hall geplant war.
Washingtons Tagebuchnotiz anlĂ€sslich seiner Abreise illustriert trefflich seine Haltung zu seiner neuen Position: âUm zehn Uhr sagte ich Mount Vernon, dem Privatleben und dem hĂ€uslichen GlĂŒck Lebewohl und machte mich mit den Ă€ngstlichen und schmerzlichsten GefĂŒhlen auf den Weg nach New York.â[41]
Am 30. April 1789 vereidigte man George Washington in einer feierlichen Zeremonie auf dem Balkon der Federal Hall von New York als ersten PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, wobei die lokale Presse betonte, dass man besonders stolz darauf sei, dass der PrĂ€sident bei der AmtseinfĂŒhrung ausschlieĂlich in der Heimat gefertigte Kleidung getragen habe, die dennoch jedem Vergleich mit der europĂ€ischen Mode standgehalten hĂ€tte.
In seiner bedachtsamen Art war es Washington klar, dass er mit jedem Schritt politisches Neuland betreten wĂŒrde. Jede eingeschlagene Richtung wĂŒrde einen PrĂ€zedenzfall bedeuten. Somit war seine Amtszeit sowohl fĂŒr den Stil als auch fĂŒr die AmtsfĂŒhrung aller weiteren PrĂ€sidenten prĂ€gend.
Ein erstes Beispiel dafĂŒr stellte bereits seine von lĂ€ngerer Hand[42] bewusst vorgeplante Inaugurationsrede am Tag seiner Vereidigung am 30. April 1789 dar, die verfassungsmĂ€Ăig ĂŒberhaupt nicht vorgesehen war, sich aber seitdem als âInszenierung des Neuanfangsâ fĂŒr alle folgenden PrĂ€sidenten durchgesetzt hat.[43]
Seine Wahl zum PrĂ€sidenten war zunĂ€chst eine EnttĂ€uschung fĂŒr seine Frau, Martha Washington, die erste âFirst Ladyâ, die eigentlich nach dem Krieg das ruhige Privatleben fortsetzen wollte. Doch schnell akzeptierte sie ihre Rolle als Gastgeberin, öffnete ihre âgute Stubeâ und organisierte wöchentliche Dinner-Partys fĂŒr etliche WĂŒrdentrĂ€ger, die am Tisch des PrĂ€sidenten Platz nahmen.
Washington hielt das erste Kabinettstreffen eines amerikanischen PrĂ€sidenten am 25. Februar 1793 ab. Der PrĂ€sident leitete ein Regierungskabinett, das sich um innenpolitischen Ausgleich bemĂŒhte, da in ihm die spĂ€teren groĂen Parteien der âFederalistsâ und der âDemocratic-Republicansâ zu gleichen Teilen vertreten waren.
âKraftvolles Ausgleichen und UnerschĂŒtterlichkeit des Beharrens waren die unentbehrliche Mitgift George Washingtons, wĂ€hrend die Initiativen aus dem Kreis der engsten Mitarbeiter, die er sich wĂ€hlte, aus dem "Kabinett" seiner StaatssekretĂ€re stammten und sich alsbald in dramatischen GegensĂ€tzen entluden.â[44]
Diese Politik begleitete er durch einen Kurs der inneren Absicherung im verwaltungs- und finanzpolitischen Bereich, wobei seine Grunderwerbspolitik deutlich die wirtschaftliche Elite bevorzugte und absicherte. Dies war aufgrund seiner Herkunft nicht verwunderlich.
In der AuĂenpolitik trug der NeutralitĂ€tskurs auch zur StĂ€rkung und Anerkennung des jungen amerikanischen Bundesstaates bei. Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution von 1789 kritisierte man jedoch Washington fĂŒr seine passive Haltung wĂ€hrend der französisch-britischen Auseinandersetzung. Das provokative Verhalten des französischen Botschafters Edmond-Charles GenĂȘt, fĂŒhrte 1793 zu einem offenen Konflikt mit diesem, der so genannten âCitizen GenĂȘt-AffĂ€reâ. In dieser setzte Washington die NeutralitĂ€t der USA gegen eine starke profranzösische Strömung in der amerikanischen Ăffentlichkeit durch. GenĂȘt hatte Amerikaner als Freibeuter zu Angriffen gegen britische Handelsschiffe angeworben und eine Freiwilligenarmee fĂŒr einen Angriff auf das damals noch Spanien gehörende Florida aufgestellt.[45]
Dennoch bestĂ€tigte man Washington bei den PrĂ€sidentschaftswahlen von 1792 fĂŒr eine weitere Legislaturperiode von vier Jahren in seinem Amt.
1791 fĂŒhrte die Bundesregierung eine Verbrauchssteuer auf Whiskey ein. Diese Steuer war im amerikanischen Grenzgebiet sehr unpopulĂ€r, so dass im Juli 1794 im Allegheny County, Pennsylvania, ein Bundesmarschall durch den Pöbel angegriffen und das Haus eines regionalen Steuerbeamten niedergebrannt wurde.
Am 7. August 1794 setzte Washington Soldaten mehrerer Bundesstaaten in Bewegung, um mit ca. 13.000 Mann die Unruhen, die als âWhiskey-Rebellionâ in die Geschichte eingehen sollten, zu unterdrĂŒcken.[46] Weitere Probleme entstanden fĂŒr den PrĂ€sidenten, als er die Annahme des im Land sehr unpopulĂ€ren Jay-Vertrags durchsetzte, mit dem ein drohender Krieg mit GroĂbritannien vermieden wurde. Erstmals wurde er daraufhin öffentlich angegriffen und kritisiert; es kam zu zahlreichen Protestkundgebungen und teilweise zu gewalttĂ€tigen Ăbergriffen, weil man weithin der Meinung war, dass man den Briten mit dem Vertrag zu weit entgegenkĂ€me.
Am 19. September 1796 erschien die spĂ€ter vom Courier of New Hampshire so genannte Washingtons Abschiedsrede[47] zunĂ€chst auf den Innenseiten des American Daily Advertiser, der auflagenstĂ€rksten Zeitung Philadelphias, in der George Washington in schlichten und wohlkalkulierten Worten verkĂŒndete, fĂŒr eine erneute Wahl nicht mehr bereit zu stehen: âFreunde und MitbĂŒrger: Die Zeit fĂŒr die Neuwahl eines BĂŒrgers, der die vollziehende Gewalt der Vereinigten Staaten ausĂŒben soll ist nicht mehr fern [...] Darum erscheint es mir angemessen, insbesondere da es vielleicht zu einer deutlicheren ĂuĂerung der öffentlichen Meinung fĂŒhren wird, daĂ ich Sie jetzt von dem EntschluĂ in Kenntnis setze, den ich gefaĂt habe: daĂ ich es ablehne, zum Kreise derer gezĂ€hlt zu werden, unter denen die Wahl zu treffen ist.â[48]
Auf lange Sicht gesehen erhielt die Farewell Address âtranszendentalen Status, sie rangierte neben der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung und der Ansprache von Gettysburg als zukunftsweisende Formulierung der bleibenden GrundsĂ€tze Amerikasâ.[49] In der damaligen Ăffentlichkeit verstand man sogleich die Tragweite dieser Bekanntmachung, da die freiwillige Aufgabe des PrĂ€sidentenamtes durch George Washington nach zwei Amtsperioden somit jenen PrĂ€zedenzfall kreierte, der erst von Franklin D. Roosevelt 1940 durchbrochen werden sollte. Die politische und psychologische Tragweite hatte noch eine andere Dimension: hatten sich die BĂŒrger der Vereinigten Staaten ihren Staat zuvor ohne Washington seit dem Revolutionskrieg nicht vorstellen können, so waren sie in der Folge des Briefes nun auf sich gestellt.
AuĂerdem war die Farewell-Address aufschlussreich fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der AuĂenpolitik George Washingtons. Denn hier verteidigte er auch seine bisherige Politik gegen den kriegfĂŒhrenden europĂ€ischen GroĂmĂ€chten. Dabei vertrat er hingegen keine Konzeption des sich selbst genĂŒgenden Isolationismus. Durch die Entwicklung des AuĂenhandels sollte die Wirtschaft und somit das auĂenpolitische Gewicht der Vereinigten Staaten gestĂ€rkt werden. Um jedoch den AuĂenhandel wirksam in alle Richtungen betreiben zu können, war die NeutralitĂ€t oberstes Gebot. In NotfĂ€llen seien âtemporary alliancesâ möglich, âpermanent alliancesâ jedoch unbedingt zu vermeiden, da man in Europa âprimĂ€re Interessenâ verfolge, die die Amerikaner unmöglich teilen könnten.
Erst nach einer politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung seien die Vereinigten Staaten in der Lage, âin der wir die Haltung einnehmen können, die bewirkt, daĂ die NeutralitĂ€t, zu der wir uns jederzeit entschlieĂen können, sorgfĂ€ltig respektiert wird, (...) in der wir Frieden oder Krieg wĂ€hlen können, wie unser von Gerechtigkeit gelenktes Interesse es ratsam erscheinen lĂ€Ătâ.[50]
Neben seiner nachlassenden Gesundheit konnte man die immer schĂ€rfere Kritik gegen ihn in der Presse, wie z.B. durch Thomas Paine, der in einem offenen Brief Washingtons bevorstehenden Abgang pries und sogar fĂŒr seinen âbaldigen Tod beteteâ, als BegrĂŒndung ausmachen.[51] Die Wiederwahl wĂ€re im Gegensatz zu heute noch möglich gewesen, da der 22. Verfassungszusatz erst 1951 ratifiziert wurde. Bei der Schaffung des 22. Amendments, durch welches der PrĂ€sident nur einmal wiedergewĂ€hlt werden kann, beriefen sich einige Kongressmitglieder auch auf die âTradition Washingtonsâ, der auf eine weitere und damit dritte Amtszeit freiwillig verzichtete.
Im Folgejahr ĂŒbertrug der amtierende PrĂ€sident John Adams Washington angesichts der Gefahr eines bevorstehenden Krieges mit Frankreich nochmals als Abschreckung gegen den einstigen VerbĂŒndeten den Oberbefehl als Generalleutnant ĂŒber die StreitkrĂ€fte, den er allerdings nur nominell wahrnahm.
In Amerika bezeichnet man ihn oft als âVater der Nationâ (Father of the Nation), wobei man âkulturhybridâ ĂŒber dessen âHeroisierung und Mystifizierungâ hinwegsah, um dessen âpersonal-integrative Funktionâ[52] als GrĂŒndervater dieser âersten neuen Nationâ zu nutzen.[53] Die frĂŒheste Identifikation mit diesem âBildâ wurde in einem deutschsprachigen Almanach des Staates Pennsylvania als âLandesvaterâ bereits 1778 vorgenommen.
Unter Washington traten fĂŒnf Staaten der Union bei: North Carolina, Rhode Island, Vermont, Kentucky und Tennessee.
George Washingtons gesundheitliche Konstitution wĂ€hrend seiner Amtszeit und vor allen Dingen wĂ€hrend seines RĂŒckzugs ins Privatleben ist zum einen ein Paradebeispiel fĂŒr die Gesundheitssituation der herrschenden Elite des ausgehenden 18. Jahrhunderts, zum anderen bevorzugter Untersuchungsgegenstand amerikanischer Medizinhistoriker: Seit seinem 17. Lebensjahr litt Washington an Malaria.[54]
DarĂŒber hinaus plagten ihn der schlechte Zustand seiner ZĂ€hne. Seit seinem 24. Lebensjahr verlor er jedes Jahr einen weiteren Zahn, was vermutlich eine Folge des im 18. Jahrhundert extrem hohen Zuckerkonsums bei den reichen Eliten war. Auch litt er sehr wahrscheinlich an Diabetes.
In seinen spĂ€teren Jahren konsultierte Washington eine groĂe Anzahl von ZahnĂ€rzten und besaĂ eine ebenso groĂe Anzahl kĂŒnstlicher Gebisse. Allerdings nicht aus Holz, wie gerne kolportiert wird. Die meisten wurden damals aus Wal- oder Walrossbein gefertigt, waren nach heutigen Begriffen extrem grobschlĂ€chtig und wurden mehr aus reprĂ€sentativen GrĂŒnden als zur Nahrungsaufnahme eingesetzt.[55]
Washington war fĂŒr die damalige Zeit mit mindestens 1,88 m sehr groĂ.[6] John Adams kolportierte den Witz, dass Washington von beratenden Körperschaften immer zum FĂŒhrer ausersehen wurde, ganz gleich, warum es ging, weil er stets der gröĂte Mann im Raum war.[56]
SpĂ€ter in seinem Leben kamen Diphtherie, Tuberkulose und Pocken hinzu. WĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft schwĂ€chte ihn eine schwere LungenentzĂŒndung. All diese Krankheiten illustrieren die gesundheitlichen GefĂ€hrdungen seiner Zeit, die er nur aufgrund seiner bevorzugten Stellung ĂŒberleben konnte.
George Washington selbst hĂ€tte gerne von der PrĂ€sidentschaft Abstand genommen, empfand es aber als seine Pflicht seiner Nation gegenĂŒber, diese Position auszufĂŒllen. Anders als Thomas Jefferson war er kein regelrechter âMann des Volkesâ, der nach PopularitĂ€t zu streben suchte, sondern zog eine ihm naheliegende Introvertiertheit und die Distanz zu den Massen vor.
Zum Ende seines Lebens schrieb er 1798 einen letzten bezeichnenden Brief an seine groĂe Liebe Sally Fairfax:
Er bot ihr an, ihren Lebensabend in seiner Nachbarschaft zu verbringen, doch Sally, die viele Jahre in England verbracht hatte, lehnte ab. Sie starb 1811 im Alter von 81 Jahren.
Von seinem Vater erbte George Washington Land und 10 Sklaven. Diese vermehrte er wĂ€hrend seines Lebens auf 390 Sklaven. In Bezug auf die Sklaverei fĂŒhrte Washington nach Ansicht seines Biografen Ron Chernow "ein schizoides Leben. Theoretisch und auf dem Papier lehnte er die Sklaverei ab, aber trotzdem verfolgte er seine entflohenen Sklaven und versuchte, sie wiederzubekommen."[58] Bekanntheit erlangte Oney Judge, eine seiner Sklavinnen, die entflohen war und in den 1840er Jahren zweimal von abolutionistischen Zeitungen interviewt wurde.
Viele ehemalige Sklaven nahmen nach ihrer Freilassung den Namen "Washington" an. In den USA gilt dieser Nachname heute als "schwĂ€rzester Name" ĂŒberhaupt. [59]
1752 initiierte man Washington als Freimaurer in der âFredericksburg Lodge No. 1â in Virginia. Auf einem Konvent der Logen von Virginia schlug man Washington als GroĂmeister einer unabhĂ€ngigen GroĂloge vor, was dieser jedoch ablehnte. In Morristown (New Jersey) trafen sich am 7. Februar 1780 Delegierte von Feldlogen und schlugen mehreren GroĂlogen vor, eine alle Staaten umfassende âGroĂloge von Amerikaâ zu grĂŒnden und wĂ€hlten dafĂŒr Washington zum âGroĂmeister der Freimaurer ĂŒberall in den Vereinigten Staatenâ. Protokolle der Wahl wurden an die verschiedenen GroĂlogen geschickt. Als aber Massachusetts zu keiner endgĂŒltigen Entscheidung kam, lieĂ man das Vorhaben fallen.[60]
1788 wurde er zum âMeister vom Stuhlâ der Freimaurerloge âAlexandria No. 39â (Virginia) ernannt und blieb in seinem Amt, als er PrĂ€sident der Vereinigten Staaten geworden war.
Weil die vorgesehene Bibel zur AmtseinfĂŒhrung 1789 nicht eingetroffen war, lieĂ man die Logenbibel der âSt. John's Lodge No. 1â des Staates New York holen, und Washington leistete den PrĂ€sidenten-Eid darauf, so wie es seitdem viele amerikanischen PrĂ€sidenten (ob Freimaurer oder nicht) taten. Ausnahmen waren zum Beispiel John F. Kennedy, der auf seine katholische Familienbibel bestand, und George W. Bush, dessen AmtseinfĂŒhrung im Regen im Freien stattfand, weshalb man beschloss, die Bibel nicht der NĂ€sse auszusetzen.
Den Eid zu Washingtons EinfĂŒhrung nahm der GroĂkanzler der GroĂloge von New York und Staatskanzler Robert R. Livingston ab.
Die Grundsteinlegung des Kapitols in Washington D.C. vollzog Washington am 18. September 1793 nach freimaurerischem Ritus. Dabei wurde ihm der fĂŒr ihn angefertigte Freimaurerschurz der GroĂloge von Maryland durch den Marquis de La Fayette feierlich ĂŒberreicht.
Im November 1798, nur 13 Monate vor seinem Tod schrieb er der GroĂloge von Maryland: âSo weit ich mit den Lehren und Prinzipien der Freimaurerei vertraut bin, verstehe ich sie in der WohltĂ€tigkeit begrĂŒndet und sind nur zum Wohle der Menschheit auszuĂŒben. Dem kann ich daher, aus diesem Grunde, nicht meine Zustimmung entziehen.â [60]
Bei der Beisetzung des PrÀsidenten (1799) trugen sechs Obersten der Armee, alle Freimaurer, den Sarg.[61]
Ende 1799 erkrankte Washington an einer KehlkopfentzĂŒndung. Mediziner glauben heute, dass entweder eine Infektion der Epiglottis, also des Kehldeckels, durch Streptokokken zum Tod fĂŒhrte oder eine Kombination aus Blutverlust, Erstickung und Austrocknung, infolge der Behandlung durch einen Aderlass und starke AbfĂŒhrmittel. Er wies an, seinen Leichnam nicht vor Ablauf von zwei Tagen in die Gruft zu ĂŒberfĂŒhren, da er an Scheintote glaubte und Angst davor hatte, lebendig begraben zu werden. George Washington starb zwischen 10 und 11 Uhr am Abend des 14. Dezember 1799 auf seinem Gut Mount Vernon in Virginia ohne geistlichen Beistand und wurde dort vier Tage spĂ€ter in der Familiengruft beerdigt. Seine letzten Worte, die er an seinen bei ihm sitzenden Leibsklaven Christopher Sheels richtete, waren: âEs ist gutâ[62] 1831 wurde die neue Familiengruft fertiggestellt und die sterblichen Ăberreste Washingtons sowie die seiner Ehefrau Martha und anderer Familienmitglieder dort beigesetzt. Die GrabstĂ€tte ist der Ăffentlichkeit im Rahmen eines Besuches des heutigen Museums Mount Vernon zugĂ€nglich.
Washington verfĂŒgte in seinem Testament die Freilassung aller 124 ihm unmittelbar gehörenden Sklaven, sowie die Versorgung und Pflege der Alten und Gebrechlichen unter ihnen und die Unterrichtung und Ausbildung aller JĂŒngeren bis zu ihrem 25. Lebensjahr.[63] Die anderen, knapp 200 in Mount Vernon lebenden Sklaven blieben davon unberĂŒhrt, da sie als sogenanntes Witwengut Teil des Custis-Vermögens waren, welches an Marthas Nachkommen weitergegeben werden musste.[64] Des Weiteren bestimmte er die Aufteilung seiner Erbschaft zu gleichen Teilen an 23 Erben, um so der Entstehung einer Dynastie vorzubeugen, weil er als GrĂŒndervater einer Nation und nicht einer prominenten amerikanischen Familie im GedĂ€chtnis des Volkes fortbestehen wollte.[65]
In einer Gedenkrede vor dem amerikanischen Kongress fand dessen Freund General Henry Lee folgende lobende Worte fĂŒr Washington: âDer Erste im Krieg, der Erste im Frieden und der Erste im Herzen seiner Landsleute.â (âFirst in war, first in peace and first in the hearts of his countrymen (âŠ) second to none in the humble and endearing scenes of private life.â)[66]
Neben dieser sehr verkĂŒrzenden, wenn auch einprĂ€gsamen Formel mögen die Worte Thomas Jeffersons stehen, dem es mehr um die WĂŒrdigung des Staatsmannes ging: âSeine IntegritĂ€t war die reinste, seine Rechtsauffassung die unbedingteste, die ich je erlebt habe. Keine Motive des Interesses oder der Blutsverwandtschaft, von Freundschaft oder Hass waren fĂ€hig, seine Entscheidung zu beeinflussen. Er war in der Tat, in jeder Hinsicht der Worte, ein weiser, ein guter und ein groĂer Mann.â[67]
Bei den amerikanischen Historikern ist es seit den Ăberlegungen Arthur M. Schlesingers im Jahre 1948 ĂŒblich, in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden darĂŒber zu diskutieren, welche US-PrĂ€sidenten ihr Land am besten regiert bzw. ihr Amt am gerechtesten zum Wohl des Landes ausgefĂŒllt hĂ€tten. Neben Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt befand sich George Washington dabei stets in der âSpitzengruppeâ derjenigen PrĂ€sidenten, die von den meisten Historikern lobend beurteilt wurden.[68]
Noch zu seinen Lebzeiten wurde die Hauptstadt Washington D.C. nach George Washington benannt.
FĂŒr einen kurzen Zeitraum war New York Regierungssitz. 1790 zog die Regierung erneut nach Philadelphia. Bereits wĂ€hrend des Verfassungskonvents war man ĂŒbereingekommen, dass die Frage des Hauptstadtsitzes zusĂ€tzliches Konfliktpotenzial zwischen den Einzelstaaten anhĂ€ufen wĂŒrde. So lehnte man beispielsweise das schmucke, aber kleine Alexandria als zu lĂ€ndlich ab, wĂ€hrend New York als Hafenmetropole und Anlaufstelle der meisten Einwanderer als politisch zu unsicher galt, obwohl die AmtsgeschĂ€fte auch in beiden StĂ€dten stattgefunden hatten.
Hatte der Kongress seit seinem Bestehen in acht verschiedenen StĂ€dten an der OstkĂŒste getagt, so beschloss er nun, dass die neue Bundeshauptstadt âso nahe wie möglich dem Zentrum des Wohlstandes, der Bevölkerung und des Territoriumsâ liegen solle und mit dem âZugang zum Atlantik und den westlichen Gebietenâ ausgestattet sein mĂŒsse. Daher grĂŒndete man in einer salomonischen Lösung gleichermaĂen durch ein Kongress-Gesetz (Residence Act) von 1790 den District of Columbia als auĂerhalb der US-Bundesstaaten befindliches Kunstgebilde auf zuvor brachliegendem Sumpf- und Marschland am linken Ufer des Potomac River. Dort entstand die Stadt ab 1791 nach PlĂ€nen des französischen Architekten und StĂ€dtebauers Pierre Charles LâEnfant, den George Washington persönlich beauftragt hatte. Als Ăbergangslösung beschloss man, Philadelphia 1791 fĂŒr zehn Jahre zur Hauptstadt zu machen. Insbesondere das Marschland prĂ€gte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein das Bild der Hauptstadt, die man erst ab 1800 als âfunktionierendâ bezeichnen konnte.
Die NeugrĂŒndung platzierte man mehr im SĂŒden, also sĂŒdlich der Mason-Dixon-Linie, um fĂŒr andere Kompromisse notwendige Stimmen der SĂŒdstaaten zu erhalten. MilitĂ€rstrategisch war die Lage jedoch zu exponiert, wie die Bombardierung und Besetzung durch die Briten 1814 sowie der rasche Vormarsch des SĂŒdens auf die Stadt in der FrĂŒhphase des Sezessionskrieges belegen sollten. Im Verlauf seiner PrĂ€sidentschaft wĂ€hlte George Washington West Point, New York, das von ihm bereits als Fort gegrĂŒndet worden war, als Sitz der MilitĂ€rakademie des Heeres der Vereinigten Staaten aus. BestĂ€tigt wurde diese Auswahl durch einen Beschluss Thomas Jeffersons im Jahre 1802.
Das Washington-Territorium, das 1853 aus dem nördlichen Teil des Oregon-Territoriums gebildet wurde, ist ihm zu Ehren benannt worden. Nach kleineren Umbildungen wurde es 1889 offiziell als 42. Bundesstaat in die Union aufgenommen. Der Bundesstaat Washington ist der einzige Bundesstaat, der nach einem ehemaligen PrÀsidenten benannt wurde. StÀdte sind hingegen nach Ex-PrÀsidenten benannt worden.
Die George-Washington-UniversitĂ€t in Washington D.C. ist ebenfalls nach ihm benannt worden, was seinen ursprĂŒnglichen Absichten, mit Teilen aus verschiedenen Fonds und seinem VermĂ€chtnis eine derartige Institution in der Hauptstadt zu grĂŒnden, entgegenkam.
Eine Vielzahl von StraĂen, PlĂ€tzen und BrĂŒcken wurden insbesondere in den USA nach Washington benannt. Bekannte Beispiele sind die George-Washington-BrĂŒcke und die Washington Bridge in New York City.
Das erste Monument zu Ehren Washingtons wurde 1827 im Washington Monument State Park im US-Bundesstaat Maryland errichtet.
Nach PlĂ€nen von Robert Mills wurde von 1848 bis 1885 das so genannte Washington Monument, ein weiĂer Marmor-Obelisk, gebaut. Dieser befindet sich exakt auf der Verbindungsgeraden zwischen dem Capitol State Building und Lincoln Memorial in Washington D.C. und war mit einer Höhe von 169 m zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung kurzfristig das höchste GebĂ€ude der Welt. Durch den Bau des Eiffelturms verlor dieses Denkmal bereits 1889 seinen Rekord.
Am Mount Rushmore National Memorial wurde der 18,3 m hohe PortrÀtkopf Washingtons, neben drei anderen seiner Nachfolger in der PrÀsidentschaft der Vereinigten Staaten, in den Fels gehauen.
Ein Teil der Plantage, auf der Washington geboren wurde, wurde 1930 als George Washington Birthplace National Monument zur GedenkstÀtte im Rang eines National Monuments erklÀrt und ein typisches GebÀude der Zeit anstelle des bereits 1779 abgebrannten Haupthauses errichtet, in dem ein Museum zur Kolonialzeit untergebracht ist.
Das PortrĂ€t des âVaters der Nationâ findet man seit 1935 sowohl auf dem 1-Dollar-Schein (nach einem GemĂ€lde von Gilbert Stuart) als auch der VierteldollarmĂŒnze sowie verschiedenen Briefmarken der US-Post.
Die Marine der Vereinigten Staaten verfolgt eine Tradition, in der diverse Kriegsschiffe nach berĂŒhmten Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte benennt und hat dies im Falle des ersten PrĂ€sidenten bereits bei mehreren Schiffen unterschiedlicher Klassen umgesetzt (siehe USS George Washington). Unter anderem wurde das erste nuklear-angetriebene Raketen-U-Boot der Welt, die SSBN-589, das Typschiff der gleichnamigen George-Washington-Klasse, und ein FlugzeugtrĂ€ger der Nimitz-Klasse mit der Kennung CVN-73 nach ihm benannt.
Am 11. Oktober 1976 ernannte ihn der Kongress der Vereinigten Staaten im Beschluss Public Law 94-479 posthum zum General of the Armies, ein Titel, der bis dahin nur John J. Pershing verliehen worden war. Das Parlament setzte die Beförderung rĂŒckwirkend zum 4. Juli 1976, dem 200. Jahrestag der VerkĂŒndung der UnabhĂ€ngigkeit der Vereinigten Staaten in Kraft.
Das Atoll Teraina trug den Namen Washington-Insel, ehe es vom Britischen Empire annektiert wurde.
Washington | J. Adams | Jefferson | Madison | Monroe | J.Q. Adams | Jackson | Van Buren | W. Harrison | Tyler | Polk | Taylor | Fillmore | Pierce | Buchanan | Lincoln | A. Johnson | Grant | Hayes | Garfield | Arthur | Cleveland | B. Harrison | Cleveland | McKinley | T. Roosevelt | Taft | Wilson | Harding | Coolidge | Hoover | F. Roosevelt | Truman | Eisenhower | Kennedy | L. Johnson | Nixon | Ford | Carter | Reagan | G. Bush | Clinton | G.W. Bush | Obama
Baldwin | Bassett | Bedford | Blair | Blount | Brearley | Broom | Butler | Carroll | Clymer | Dayton | Dickinson | Few | Fitzsimons | Franklin | Gilman | Gorham | Hamilton | Ingersoll | Jackson | Jenifer | Johnson | King | Langdon | Livingston | Madison | McHenry | Mifflin | G. Morris | R. Morris | Paterson | C. C. Pinckney | C. Pinckney | Read | Rutledge | Sherman | Spaight | Washington | Williamson | Wilson
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Washington, George |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Politiker, 1. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten (1789â1797) |
| GEBURTSDATUM | 22. Februar 1732 |
| GEBURTSORT | Wakefield, Westmoreland County, Virginia |
| STERBEDATUM | 14. Dezember 1799 |
| STERBEORT | Mount Vernon, Virginia |