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Gerhart Rudolf Baum (* 28. Oktober 1932 in Dresden) ist ein deutscher Politiker der FDP und Rechtsanwalt. Er war von 1972 bis 1978 Parlamentarischer StaatssekretÀr beim Bundesminister des Innern und von 1978 bis 1982 Bundesminister des Innern.
Inhaltsverzeichnis |
Baum entstammt einer groĂbĂŒrgerlichen Familie, sein Vater war Rechtsanwalt. Nach der Bombardierung Dresdens in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 floh seine Mutter mit den Kindern zunĂ€chst an den Tegernsee. Die Familie zog 1950 nach Köln um. Der Vater war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Nach dem Abitur 1954 absolvierte Baum ein Studium der Rechtswissenschaft in Köln, welches er 1957 mit dem ersten Staatsexamen beendete. Nach dem juristischen Vorbereitungsdienst folgte 1961 das zweite Staatsexamen. Er arbeitete danach als Rechtsanwalt in Köln und war dann von 1962 bis 1972 Mitglied der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde (BDA). Seit 1994 ist er wieder als Rechtsanwalt tĂ€tig und seit 2007 ist Gerhart Baum Senior-Partner der Kanzlei Baum, Reiter & Collegen, die sich auf Anleger- und Verbraucherschutz spezialisiert hat. So hat Baum die Opfer des Ramstein-UnglĂŒcks, die Angehörigen des Concorde-UnglĂŒcks und die sowjetischen Zwangsarbeiter gegen die Bundesregierung vertreten. Gemeinsam mit Herta DĂ€ubler-Gmelin (SPD) leitet Baum seit 2008 die Ermittlungen zu den Datenskandalen bei Telekom und zu der DatenschutzaffĂ€re der Deutschen Bahn AG. Dabei kam unter anderem zu Tage, dass die Bahndirektion jahrelang 150.000 Mails pro Tag gefiltert haben soll.[1] Die Ermittlungen fĂŒhrten zu einem RĂŒcktritt des Bahnvorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn, der jedoch eine âpolitische Kampagneâ gegen ihn als BegrĂŒndung anfĂŒhrte.
Gerhart Baum ist in zweiter Ehe mit Renate Liesmann-Baum verheiratet, hat drei Kinder aus erster Ehe und lebt in Köln. Neben politischen Publikationen veröffentlicht er gelegentlich auch in der Presse BeitrÀge.
Seit 1954 ist er Mitglied der FDP. Hier engagierte er sich zunĂ€chst bei den Jungdemokraten, deren Bundesvorsitzender er von 1966 bis 1968 war. Von 1966 bis 1998 war er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Von 1970 bis 1990 gehörte er auĂerdem dem FDP-Landesvorstand von Nordrhein-Westfalen an. Von 1978 bis 1991 war er Mitglied im PrĂ€sidium der FDP und von 1982 bis 1991 Stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender.
Gerhart Rudolf Baum gehört innerhalb der FDP zum linksliberalen Freiburger Kreis.
Von 1969 bis 1973 war er Mitglied im Rat der Stadt Köln und hier Vorsitzender der FDP-Fraktion. Von 1972 bis 1994 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Baum ist stets ĂŒber die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen.
Am 15. Dezember 1972 wurde er als Parlamentarischer StaatssekretĂ€r beim Bundesminister des Innern in die von Willy Brandt gefĂŒhrte Bundesregierung berufen. Dieses Amt behielt er zunĂ€chst auch unter Bundeskanzler Helmut Schmidt. Nach dem RĂŒcktritt von Werner Maihofer wurde er dann am 8. Juni 1978 zum Bundesminister des Innern ernannt. WĂ€hrend seiner Amtszeit als Innenminister fĂŒhrte Baum eine Liberalisierung des von der SPD eingefĂŒhrten Radikalenerlasses herbei, indem er einen âVerzicht auf die Regelanfrageâ durchsetzte.
Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition trat er am 17. September 1982 gemeinsam mit den ĂŒbrigen FDP-Bundesministern zurĂŒck.
Im Anschluss an seine deutsche Politik-Karriere war Gerhart Baum fĂŒr die UNO tĂ€tig, unter anderem als UNO-Beauftragter fĂŒr die Menschenrechte im Sudan.
Am 3. MĂ€rz 2004 entschied das Bundesverfassungsgericht nach Verfassungsbeschwerde unter anderem von Gerhart Baum â neben Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Burkhard Hirsch â in 1 BvR 1084/99, dass groĂe Teile des Gesetzes zur BekĂ€mpfung der organisierten KriminalitĂ€t (GroĂer Lauschangriff) gegen die MenschenwĂŒrde verstoĂen und deshalb verfassungswidrig sind.[2] Baum erhofft sich durch das BVerfG-Urteil auch eine EinschrĂ€nkung der TelefonĂŒberwachung, insbesondere bei Journalisten.
Baum hatte auch mit einer weiteren Verfassungsbeschwerde erneut mit Burkhard Hirsch und weiteren vier KlĂ€gern Erfolg. Das Luftsicherheitsgesetz wurde am 15. Februar 2006 vom Ersten Senat des BVerfG im zentralen Punkt fĂŒr verfassungswidrig und nichtig erklĂ€rt. Ein Abschuss von Passagiermaschinen im EntfĂŒhrungsfall verstoĂe gegen das Grundgesetz, da dies weder mit dem Grundrecht auf Leben noch mit der Garantie der MenschenwĂŒrde vereinbar sei. (Az.: 1 BvR 357/05) [3]
Eine Verfassungsbeschwerde gegen die durch das nordrhein-westfĂ€lische Verfassungsschutzgesetz legalisierte Online-Durchsuchung hatte ebenfalls Erfolg. Am 27. Februar 2008 wurde die betreffende Regelung fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt[4].
Eine Verfassungsbeschwerde gegen die im November 2007 beschlossene Vorratsdatenspeicherung[5] (Az.: 1 BvR 263/08), bei der Baum einer der vielen BeschwerdefĂŒhrer war, hatte ebenfalls Erfolg. Das Bundesverfassungsgericht entschied am 2. MĂ€rz 2010, dass die Vorratsdatenspeicherung zwar nicht grundsĂ€tzlich mit dem Grundgesetz unvereinbar sei, die aktuelle gesetzliche Regelung jedoch nicht verhĂ€ltnismĂ€Ăig und somit verfassungswidrig ist. Die betreffenden Paragraphen des Telekommunikationsgesetzes sowie der Strafprozessordnung wurden fĂŒr nichtig erklĂ€rt und die bereits erhobenen Daten sollen, sofern sie nicht durch die Telekommunikationsanbieter fĂŒr interne Abrechnungen benötigt werden, gelöscht werden[6].
Baum ist ein Förderer der Neuen Musik und auĂerdem ein engagierter Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.[7] So wandte sich Baum gegen den geplanten Entzug der Förderung des SWR der Donaueschinger Musiktage, dem wichtigsten Musikfestival fĂŒr Neue Musik, durch den Intendanten Peter VoĂ.[8] Ebenso setzte er sich 2004 fĂŒr das weitere Bestehen des SWR Vokalensembles ein,[9] das in der Fachwelt zu den besten Chören der Welt gezĂ€hlt wird.[10] Baum ist Mitglied im Kuratorium der âDonaueschinger Musiktageâ, im Vorstand der Kölner Ausstellungshalle âFuhrwerkswaageâ und unterstĂŒtzte auch maĂgeblich die umstrittene RAF-Ausstellung in den Kunst-Werken Berlin.[11] Am 1. Juli 2005 wurde er zum neuen Sprecher des Kulturrates NRW in Köln gewĂ€hlt.[12] Er ist des Weiteren Beiratsvorsitzender der Akademie fĂŒr Sozialethik und Ăffentliche Kultur.
Gerhart Baum wurde 2008 âwegen seines unermĂŒdlichen Engagements zur StĂ€rkung und Sicherung der BĂŒrger- und Freiheitsrechteâ mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet.[13] 2006 wurde er von der Verlagsgruppe markt intern und kooperierenden VerbĂ€nden zum Kustos des mittelstĂ€ndischen Unternehmertums [14] ernannt. 2009 erhielt er den Erich-Fromm-Preis wegen seines Eintretens fĂŒr die Menschenrechte und die im Grundgesetz verbĂŒrgten Grund- und Freiheitsrechte sowie in Anerkennung fĂŒr sein âmutiges Vorgehen gegen ein unverhĂ€ltnismĂ€Ăiges Sicherheitsstreben [âŠ] das in Wirklichkeit die âFurcht vor der Freiheitâ (Erich Fromm) verstĂ€rkt und das Vertrauen in die Freiheitsrechte zerstört.â[15]
2010 erhielt Baum den Giesberts-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft fĂŒr Christlich-JĂŒdische Zusammenarbeit, weil er sein ganzes Leben hindurch als Jurist, als Politiker und Publizist fĂŒr die universelle Geltung der Menschenrechte, fĂŒr die Bedeutung individueller Freiheitsrechte und fĂŒr aktive Toleranz im Zusammenleben der Völker zum Beispiel bei den Vereinten Nationen, erfolgreich gearbeitet hat.
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siehe auch: Amtsinhaber seit 1879
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baum, Gerhart |
| ALTERNATIVNAMEN | Baum, Gerhart Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Politiker (FDP), MdB |
| GEBURTSDATUM | 28. Oktober 1932 |
| GEBURTSORT | Dresden |