|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Gesundheitswirtschaft kann als ein Sammelbegriff für alle Wirtschaftszweige verstanden werden, die etwas mit Gesundheit zu tun haben[1], wobei diese Interpretation aus dem Jahr 2002 allerdings wegen der Überschneidungen mit anderen Branchen sehr großzügig bemessen sei[2]. Eine anschauliche Gliederung der Gesundheitswirtschaft in drei Bereiche bietet ein „Zwiebelmodell der Gesundheitswirtschaft“ vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen: Kernbereich sei die stationäre sowie ambulante Akutversorgung und Altenhilfe sowie die Gesundheitsverwaltung. Darum gruppiere sich der Vorleistungs- und Zuliefererbereich mit Pharmaindustrie, Medizintechnik, Gesundheitshandel, Großhandel mit medizinischen Produkten. Als gesundheitsrelevante Randbereiche folgten etwa der Fitness- und Wellnessbereich, das betreute Wohnen oder der Gesundheitstourismus[3].
Inhaltsverzeichnis |
Ein fast völlig regulierter Gesundheitsmarkt wie in Großbritannien sei nach diesen Grundgedanken genauso wenig zielführend, wie ein weitgehend deregulierter Markt wie in den U.S.A.. Beide würden zu Lücken in der nachhaltigen und flächendeckenden Patientenversorgung führen. Nur eine Mischform aus sozial ausgewogenen aber auch marktwirtschaftlichen bzw. wettbewerbsorientierten Rahmenbedingungen schaffe ein diesbezügliches Optimum[4]. Bei der 1. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft wurde daher 2005 formuliert, Gesundheitswirtschaft umfasse die Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienen[5]. Während der Begriff Gesundheitswesen eher als Beschreibung des äußerst komplexen Gesundheitssystems unserer Krankenversorgung dient, umfasst die Gesundheitswirtschaft als Ganzes also nicht nur die überwiegend öffentlich finanzierte und staatlich reglementierte stationäre und ambulante Versorgung Kranker, die wirtschaftlich betrachtet weniger als die Hälfte des gesamten Gesundheitsmarktes dieser Branche ausmacht[6]. Dazu gehören neben Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen auch die medizinische Versorgung in Haus- und Facharztpraxen, die pharmazeutische Industrie, Medizintechnik, Gesundheitstourismus, Wellness sowie die Fitnessbranche.
Die Gesundheitswirtschaft ist einer der größten Teilbereiche der deutschen Volkswirtschaft. Insgesamt 4,4 Millionen Menschen arbeiten hierin[7]. Damit ist beim Stand von 2007/2008 mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in Deutschland in diesem Bereich angesiedelt. Diese Zahl ist im Zunehmen begriffen. Die Kräfte des Gesundheitsmarktes unterliegen jedoch einer betont staatlichen Regulierung mit einer Vielzahl von Novellierungen bzw. Gesundheitsreformen auf gesetzgeberischer Ebene v. a. im Sozialgesetzbuch in den letzten 30 Jahren.
Im Jahr 2009 wurden 278 Milliarden Euro für Gesundheit, medizinische Vorsorge und Heilung ausgegeben, was einem Anteil von 11,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahres entspricht[8]. Somit ist in dieser Hinsicht der Gesundheitssektor bedeutender als beispielsweise die Automobilindustrie mit 1,1 Millionen Arbeitsplätzen (inklusive der Zulieferer) und einem Anteil von 9,7 Prozent des BIP[9]. Aufgrund der wachsenden Bedeutung in Deutschland möchte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) die Gesundheitswirtschaft in einem eigenen „Gesundheitssatellitenkonto“ (GSK) innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sichtbar in allen gesundheitsbezogenen Bereichen darstellen[10][11].
Die privaten und öffentlichen Ausgaben für Gesundheit betragen in Österreich etwas mehr als zehn Prozent (2007: 10,1 Prozent) des Bruttoinlandsproduktes.[12] Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung prognostiziert dem Gesundheitswesen einen Beschäftigungszuwachs von 2,4 Prozent pro Jahr. Für 2010 werden 324.000 unselbstständig Beschäftigte im Gesundheitswesen erwartet.[13] Bis 2020 wird eine Steigerung des Marktvolumens auf 67,8 Milliarden Euro vorausgesagt.[14]