Gevelsberg
Gevelsberg ist eine Stadt im Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört dem Ennepe-Ruhr-Kreis an.
GeografieGeografische LageDie geographische Lage ist 7° 20' östliche Länge und 51° 18' nördliche Breite. Die größte Höhendifferenz beträgt etwa 200 Meter von der Ennepe bei Vogelsang mit 131,5 m ü. NN bis zum Hageböllinger Kopf mit 336,4 m ü. NN. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 7,1 km und die größte West-Ost-Ausdehnung 7,15 km. Die Fläche misst 26,27 km². EingemeindungenIm Rahmen der Gemeindereform wurden im Jahre 1970 folgende Gemeinden mit Ausnahme geringer Randgebiete nach Gevelsberg eingegliedert:
Vor der Gemeindereform besaß Gevelsberg nur eine Fläche von 11,26 km².[2] Ausdehnung des StadtgebietsDas Stadtgebiet erstreckt sich von den südlichen bewaldeten sieben Steilhängen über das schmale Tal der Ennepe mit der Bundesstraße 7 bis weit in das nördliche flache Hügelland. Die kulturgeographische Übergangslage zwischen Sauerland im Süden und Ruhrgebiet im Norden vereint Nähe zu den Erholungsgebieten und gute Verkehrsanbindungen zu den benachbarten Großstädten Düsseldorf, Dortmund, Wuppertal und Hagen. Das Stadtbild wird unter anderem geprägt von viel Grünvegetation entlang der Flussaue der Ennepe und überall in den Wohngebieten. Die direkten Nachbarstädte von Gevelsberg sind Schwelm, Sprockhövel, Wetter (Ruhr), Ennepetal (alle Ennepe-Ruhr-Kreis) sowie Hagen. Datei:Staedte.Gevelsberg.Panorama.jpg Panorama-Aufnahme von Gevelsberg im Sommer GeschichteErste Spuren menschlichen Lebens auf dem heutigen Gevelsberger Stadtgebiet stammen aus der Steinzeit. Gevelsberg ist aus der früheren Bauernschaft Mylinghausen hervorgegangen. Urkundlich erwähnt wurde „Milinchusen“ erstmals am 13. Dezember 1096. In dieser Urkunde überließ der Erzbischof von Köln dem Kloster von Siegburg u. a. einen Hof in Mylinghausen. Aufgrund der Endung des Namens auf -inghausen wird angenommen, dass der Name Mylinghausen und damit die Besiedlung aus dem 9. Jahrhundert stammt.
Das Aufblühen der kleinindustriellen Wirtschaft (Wasserkraft nutzende Hammerwerke, Kleineisenprodukte) ließ die Bevölkerungsanzahl im 19. Jahrhundert stark ansteigen. Zahlreiche Wohnhäuser, Fabrikantenvillen und Fabrikanlagen entstanden in dieser Zeit, die das Stadtbild noch heute prägen. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurden die jüdischen Bürger in der folgenden Zeit verschleppt. Fedor und Johanna Rosenthal, die ein großes Textilkaufhaus in Gevelsberg betrieben, kamen im KZ Sachsenhausen und Ghetto Theresienstadt um.
BergbauAuch in Gevelsberg gab es schon früh Bergbau. Im Norden war es der Ortsteil Silschede. Wie in den Nachbargemeinden Wetter und Sprockhövel streichen die ältesten Flöze der Steinkohle an der Erdoberfläche aus. Erster Abbau ist für 1641 urkundlich belegt. Um diese Zeit gibt es bereits einen alten Stollen in einem vor langer Zeit verlassenen Kohlenbergwerk. In dieser Gegend bauten die Zechen Dachsloch, Fuchsloch und Grevelsloch auf den Flözen Breite Bank, Schmale Bank und Striepen. Aus diesen Zechen entwickelte sich die Zeche Dachs & Grevelsloch. Der Hauptförderschacht war der Schacht Rudolph. 1871 wird die Zeche Dachs & Grevelsloch von der Zeche Deutschland übernommen. Im Jahre 1849 erbaute die Zeche Trappe, in Silschede Ihren neuen Tiefbauschacht Voerster. 1925 wurde dieses Bergwerk geschlossen. Nach dem Krieg gab es noch einzelne Zechen, die aber auch nach wenigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurden. So wurden z. B. auf der Kleinzeche „Wilhelmsfreude“ in den alten Kohlenfeldern Restbestände abgebaut. Im Süden Gevelsbergs gab es unbedeutende Eisenerzvorkommen. Bevölkerung und PolitikBürgermeister
StadtdirektorenVon 1946 bis zur Zusammenlegung der Funktion des Stadtdirektors mit der des Bürgermeisters im Jahre 1996 standen an Spitze der Stadtverwaltung folgende Stadtdirektoren:
Gemeinderat
WappenDas historische Gevelsberger Stadtwappen war der Stadt durch Erlass des Preußischen Innenministeriums vom 9. März 1903 verliehen worden. Auf einem goldfarben grundierten, rechteckigen Schild mit unten abgerundeten Ecken erhebt sich über einem grünen Hügel ein roter, von drei Rundbogenfenstern durchbrochener Backsteingiebel. Im Zentrum des Wappens befindet sich auf einem goldenen Herzschild ein schwarzes Kammrad. Aus diesem ursprünglichen Stadtwappen wurde Mitte der 1950er-Jahre das aktuelle Gevelsberger Stadtwappen entwickelt, das seither bei allen offiziellen Anlässen verwendet wird. Am oberen Rand angebracht ist hier zusätzlich eine dreitürmige, sandsteingrauen Mauerkrone mit einem geschlossenen Stadttor unter dem Mittelturm, das Abzeichen der Stadtrechte. Das zentrale Herzschild mit dem Rad als Zeichen der Industrie ist hier farbig in das Rot des Gebäudes aufgenommen. Städtepartnerschaften
KulturAn der zentralen Hauptstraße der Stadt Gevelsberg, Mittelstraße 86/88, liegt das „Bürgerzentrum“, der Sitz des Volkshochschul-Zweckverbandes Ennepe-Ruhr Süd. Durch zahlreiche Seminare und Veranstaltungen trägt die Volkshochschule zur Weiterbildung der heimischen Bevölkerung bei. Außerdem haben im Bürgerzentrum noch zahlreiche Vereine eigene Räumlichkeiten. Gevelsberg zeichnet sich darüber hinaus durch ein reges Kulturleben aus, das indes von den Bewohnern der Stadt im Wesentlichen selber organisiert wird. Das Kulturerleben der jüngeren Einwohner wurde in den letzten Jahren insbesondere vom NGK - Neuen Gevelsberger Kulturverein geprägt. Anspruchsvolles Programm-Kino bietet regelmäßig „Filmriss“. Neben dem Programm in klassischer Musik der „Konzertgesellschaft Gevelsberg“ ist außerdem das „Internationale Gitarrenfestival“ in der Woche vor Ostern zu nennen. Einen traditionellen Höhepunkt im Stadtleben stellt die alljährlich am letzten Juni-Wochenende seit 1934 stattfindende Gevelsberger Kirmes mit dem sonntäglichen Kirmeszug dar, die Gevelsbergs Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Ebenfalls traditionsgebunden sind Veranstaltungen in der Fußgängerzone wie das „Quellenfest“ im Mai (erstmalig 1988 zuletzt 2008) und der Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende. Das Quellenfest wurde 2009 aufgrund der neugestalteten Mittelstraße, sie ist jetzt verkehrsberuhigte Zone, in "boulevard Gevelsberg" umgenannt. Es gibt in der Stadt eine Vielzahl aktiver Vereine. Die Stadtbücherei Gevelsberg ist in der Wittener Straße 13 zu finden. SehenswürdigkeitenIm Jahre 1805, also kurz vor Aufhebung des Klosters durch Napoleonisches Dekret, wurde noch das repräsentative Schieferhaus Im Stift 6 im Stil des Klassizismus für die Äbtissin fertiggestellt. Zahlreiche noch erhaltene ältere Häuser des alten Klosterbereiches wurden 1989 im Rahmen einer Denkmalbereichssatzung „Elberfelder Straße/Altes Dorf“ unter Denkmalschutz gestellt. Das „Gevelsberger Stadtzeichen“ wurde 1989 von dem Künstler Janusz Hajduk-Gubalke geschaffen. Die Realisierung des Projektes war u. a. durch die großzügige Spende des Mäzens Wasyl Seniw, der in Gevelsberg eine neue Heimat gefunden hatte, möglich. Auf dem Stadtzeichen ist eine Bronzetafel mit dem Sator-Quadrat eingelassen. Zielsetzung war es, zeitgenössische Kunst ins Stadtbild einzubringen. Neben diesem auf der zentralen „Ennepe Brücke“ gehören auch die „Zeitschichten“ des Japaners Yoshiaki Watanabe am „Lusebrink“ zum Gesamtprojekt. Das Schwimm-in-Gevelsberg ist ein modernes Sport- und Freizeitbad, das im Jahre 2000 umgebaut wurde. Es verfügt über ein Erlebnisbecken, vier Riesenrutschen und eine großzügige Saunalandschaft. Das Stadion Stefansbachtal wurde im Rahmen der vergeblichen Bewerbung als Trainingsstandort für die Fußball-WM 2006 in den Jahren 2004–2006 modernisiert. Es verfügt über einen Echtrasen- und einen Kunstrasenplatz und das FSV-Gevelsberg Vereinsheim. Der Erlebnispark Gevelsberg ist eine kommerzielle Freizeitanlage für Kinder, die aus dem ehemaligen Kruiner Gußstahlwerk am Kruiner Tunnel an der B 7 entstanden ist. Nach einjähriger Planungs- und Bauzeit wurde der Erlebnispark 2005 mit ca. 5000 m2 Hallenfläche zu einem der größten Hallenspielplätze im Ruhrgebiet. Im Ortsteil Silschede sind noch Überreste der Trasse der ehemaligen von Friedrich Harkort gegründeten Harkortschen Kohlenbahn, die auch als Silscheder Kohlenbahn oder Hasper Kohlenbahn bezeichnet wird, zu sehen. Die Trasse führte von Schlehbusch zur Hasper Hütte. Bauwerke
Der 540 Meter lange Engelberttunnel wurde am 3. Dezember 2007 für den Verkehr freigegeben. Regelmäßige Veranstaltungen
Die Gevelsberger Kirmes ist ein großes Volksfest, das am letzten Wochenende im Juni im Stadtzentrum stattfindet. Entlang der Mittel- und Elberfelderstraße sind zahlreiche Fahrgeschäfte, aber auch Getränkestände der heimischen Vereine aufgebaut. Höhepunkt der Kirmes ist der Kirmeszug am Kirmessonntag mit einem großen Kirmeszug. Die Kirmes wird vom Kirmesverein und den 13 Kirmesgruppen organisiert. Es besteht eine Partnerschaft zwischen dem Gevelsberger Kirmesverein und der Mühlhäuser Kirmes.
Wirtschaft und InfrastrukturDie mittelständisch geprägte Industrie Gevelsbergs (Metallindustrie, Maschinenbau, Zulieferer) hat sich bis in die Gegenwart durch alle Krisenzeiten als sehr anpassungsfähig erwiesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der hier nur vergleichsweise geringe Schäden anrichtete, zeigte sich, dass die Stilllegung großer, inzwischen konzernabhängiger Betriebsstätten und der Rückgang der Industriebeschäftigten auch Gevelsberg nicht verschonte. Unternehmen
Ehemalige Unternehmen:
Bildung und Forschung
Einkaufsmöglichkeiten
GewerbeflächenNachdem die Gewerbegebiete Wiensiepen und Silschede-Süd komplett vermarktet wurden, stehen zurzeit für Gewerbeansiedlungen nur noch wenige Grundstücke zur Verfügung. Mit dem Bau des neuen Gewerbegebietes „Im Winkel“ ist begonnen worden. VerkehrGevelsberg liegt an der Bundesautobahn 1 und den Bundesstraßen 7 und 234 und den Landesstraßen 527 (Elberfelder Straße + Wittener Straße + Eichholzstraße), 666 (Haßlinghauser Straße – Mittelstraße), 702 (Asbecker Straße), 891 (Rosendahler Straße).Ein Eisenbahnanschluss besteht über die S-Bahn S8 nach Hagen und über Wuppertal und Düsseldorf nach Mönchengladbach. Es bestehen die 4 Haltepunkte Berge-Knapp, Hauptbahnhof, Kipp und West. Der Gevelsberger Hauptbahnhof gilt als kleinster Hauptbahnhof der Bundesrepublik. Er ist nach strenger Definition nicht als Bahnhof zu bezeichnen, da sich dort keine Weiche befindet. Gevelsberg gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr an. Außerdem gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe für Fahrten in deren Gebiet. Der Tarif des Verkehrsverbund Rhein-Sieg kann als Übergangstarif bis Köln benutzt werden. Stadt-EntwicklungDie bedeutendsten Projekte der Stadtentwicklung sind: EnnepebogenBeim Stadtentwicklungsprojekt Ennepebogen soll eine alte Industriebrache, auf der auch das Gevelsberger Elektrizitätswerk stand, in einen Wohn- und Freizeitbereich umgestaltet werden. Das 10-Mio.-Euro-Projekt soll gemeinsam von der Stadt Gevelsberg, der Aktiengesellschaft für Versorgungsunternehmen als Energieversorger, der Stadtsparkasse Gevelsberg und dem Bauverein Gevelsberg umgesetzt werden. Bürgermeister Claus Jacobi hat das Projekt Ennepebogen im Januar 2006 gegen heftige Widerstände der oppositionellen Ratsfraktionen (Grüne, FWG + FDP) verteidigt. Die Abbrucharbeiten wurden im August 2006 begonnen. PersönlichkeitenSöhne und Töchter der StadtFolgende Persönlichkeiten leben in Gevelsberg oder wurden in Gevelsberg geboren:
Ehrenbürger
Danach hat die Stadt Gevelsberg keine Ehrenbürger mehr ernannt. Die eingemeindeten Gemeinden Asbeck, Silschede und Berge hatten vor der Eingemeindung Ehrenbürger ernannt, die heute als Gevelsberger Ehrenbürger gelten. Dies sind:
Medien
Gevelsberg gehört zum Redaktionsgebiet des Studios Dortmund, des Lokalsenders des WDR. Literatur
Fußnoten
WeblinksStädte und Gemeinden im Ennepe-Ruhr-Kreis
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