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Gjakova

Gjakovë/Gjakova1
Đakovica/Ђаковица2
Wappen von Gjakova
Gjakova (Kosovo)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Kosovo
Gemeinde: Gjakova
Koordinaten: 42° 23′ N, 20° 26′ O42.382520.4355555556360Koordinaten: 42° 22′ 57″ N, 20° 26′ 8″ O
Höhe: 360 m ü. A.
Fläche: 521 km²
Einwohner: 94.158
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 0390
Postleitzahl: 50000
Kfz-Kennzeichen: KS
Struktur und Verwaltung (Stand: 2010)
Gemeindeart: Großgemeinde
Gliederung: 91 Wohnorte
Bürgermeister: Pal Lekaj (AAK)
Postanschrift: Rruga Nëna Terezë 469
50010 Gjakovë
Webpräsenz:
1 albanisch (unbestimmte / bestimmte Form),
2 serbisch (lateinische / kyrillische Schreibweise)

Gjakova (unbestimmte Form auf albanisch: Gjakovë, serbisch Ђаковица/Đakovica) ist eine Industriestadt im Südwesten des Kosovo an der Grenze zu Albanien. Gjakova ist Hauptsitz der gleichnamigen Großgemeinde.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Die Gemeinde besteht aus der Stadt selbst und ca. 84 Ortschaften. Die Einwohnerzahl der Großgemeinde liegt bei etwa 90.000 Menschen (Stand 2011).[1] Die große Mehrheit der Bevölkerung betrachten sich als Albaner.

Liste der Orte in Gjakova

Im Kosovokrieg flüchteten beinahe alle der rund 3000 in der Großgemeinde ansässigen Serben.

Außerdem leben Angehörige anderer ethnischer Minderheiten in Gjakova. Im Jahr 2008 waren darunter etwa sechzig bosniakische Familien. Roma, Goranen, Aschkali und Kosovo-Ägypter waren mit insgesamt über 7000 Angehörigen vertreten.[2]

Geschichte

Der serbischen Geschichtsschreibung nach wurde Đakovica oder Gjakova Ende des 14. Jahrhundert gegründet. Hier soll Jakov (dt. Jakob), ein Vasall des Vuk Branković, seinen Sitz gehabt haben, der unter seinem Namen auch eigene Münzen prägte. Nach diesem Jakov soll die Stadt ihre Bezeichnung erhalten haben. Dem entgegen hält die albanische Überlieferung fest, dass „gjak“ auf Albanisch Blut bedeutet und der Name der Stadt auf dieses zurückzuführen sei. Bis etwa 1454 gehörte Đakovica zum Herrschaftsgebiet der Branković und wurde dann von den Osmanen erobert. Nach der osmanischen Katasterzählung von 1485 war Đakovica ein Dorf mit 65 serbischen und möglicherweise zwei albanischen Haushalten. Im 16. Jahrhundert wird die Kirche von Đakovica als ein Metoch des Klosters Dečani genannt. In dieser Zeit beginnt verstärkt die albanische Einwanderung in das heutige Metochien (alb. Rrafsh i Dukagjinit) und damit auch in das bis dahin albanisch-serbische Grenzland um Đakovica/Gjakova.

Die Geschichte Gjakovas ist eng verbunden mit jener des benachbarten Hochgebirges. Im Laufe der frühen Neuzeit - besonders im 17. und 18. Jahrhundert - siedelten sich immer wieder Hochlandbewohner in der Ebene um die Stadt an, teils aus wirtschaftlichen Gründen, teils auf Betreiben der Osmanen. So bestehen zum einen starke familiäre Bindungen zwischen den Bewohnern der Gegend von Gjakova und jenen des Hochlandes; zum anderen ist Gjakova bis heute ein Zentrum der kleinen römisch-katholischen Gemeinschaft im Kosovo.[3]

In den Balkankriegen 1912-13 kam Gjakova zu Serbien, während das historische Hinterland der Stadt durch die neue Grenzziehung abgetrennt wurde und seitdem zu Albanien gehört. Die traditionell starken Beziehungen zwischen dem heutigen nordalbanischen Bergland und der Stadt in der Ebene wurden so dauerhaft gestört. Im Sommer und Herbst 1913 erhoben sich albanische Muslime in Gjakova und Umgebung gegen die serbische Militärverwaltung; der Aufstand der sogenannten Kaçaken wurde jedoch niedergeworfen. Am 7. September 1913 annektierte das mit Serbien verbündete Montenegro die Gegend um Gjakova.[4]

Im Herbst 1915 marschierten im Zuge des Ersten Weltkrieges, der in Südosteuropa de facto eine Fortsetzung der Balkankriege war, bulgarische Truppen in Gjakova ein. Nach dem Krieg wurde Kosovo dem neuen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen angeschlossen. In den 20er und 30er Jahren wurden im Zuge der serbischen Bevölkerungspolitik etwa 13.000 serbische Siedler in der albanisch dominierten Gegend von Gjakova angesiedelt, so dass sich der serbische Bevölkerungsanteil von 8,3 auf 33 Prozent vervierfachte.[5]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt von den Tito-Partisanen erobert. In der Folge kam es am 11. März 1945 in Gjakova zur ersten größeren Demonstration im Kosovo, als albanische Frauen gegen die Einziehung ihrer Männer und Söhne in die Volksbefreiungsarmee protestierten. Eine Teilnehmerin wurde anschließend zum Tode verurteilt.[6]

Im sozialistischen Jugoslawien erlebte die Stadt eine angehende Industrialisierung, so fanden beispielsweise im neu gegründeten Baumwollkombinat Emin Duraku etwa 2000 Menschen Arbeit. In diesem Zusammenhang wurde Gjakova, das zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Wesentlichen aus seiner osmanischen Altstadt bestand, deutlich ausgebaut.

Vor und während des Kosovokrieges zählte die Gegend um Gjakova zu den Hochburgen des albanischen Widerstandes gegen die jugoslawische Staatsmacht, ab 1997 auch zu den Zentren der UÇK, die hier sowohl die Anfänge einer eigenen Verwaltungsstruktur aufbaute, als auch gegen nicht-albanische Teile der Bevölkerung vorging, jedoch im Sommer 1998 vorerst wieder zurückgeschlagen wurde.[7] Während des Krieges - insbesondere beim Abzug der serbischen Truppen 1999 - wurde die Altstadt stark zerstört, inzwischen wurde sie jedoch wieder aufgebaut.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur

Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung ist Gjakova ein bedeutendes industrielles und wirtschaftliches Zentrum des Kosovo. Im Jahr 2008 waren viele kleinere und mittlere textil- und metallverarbeitende Betriebe, Handelsunternehmen sowie Speditionen angesiedelt. Einige weitere Unternehmen sind noch im Privatisierungsprozess.[2] Die Stadt leidet unter sehr hoher Arbeitslosigkeit, die nach Schätzungen bis zu 80 % beträgt.

Der Flughafen Gjakova, derzeit noch Militärflugplatz unter Kontrolle der italienischen Luftstreitkräfte, soll zum Zivilflughafen ausgebaut werden.[9]

Sehenswürdigkeiten

Uhrturm (Kulla e Sahatit)

Neben dem Altstadtensemble touristisch bedeutsam sind unter anderem die Hadum-Moschee und das Scheich-Emin-Derwischkloster. Es existiert ein historisches Museum.

Ein weiteres historisches Kulturdenkmal ist der Uhrturm der Stadt.

Söhne und Töchter der Stadt

Sport

Der lokale Fußballverein heißt KF Vëllaznimi und spielt zurzeit in der höchsten Liga, der Raiffeisen Superliga.

Galerie

Literatur

Susanne Dell: Kosovo: Informieren - Reisen - Erinnern. München 2008, 110 S., ISBN 978-3-940303-05-9.

Weblinks

 Commons: Gjakova – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistisches Amt des Kosovo: Vorläufige Ergebinisse der Volkszählung 2011
  2. a b OSCE Profile of Gjakova. OSCE, April 2008, abgerufen am 20. Juni 2011.
  3. Schmitt, Oliver Jens: Kosovo - Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2008, S. 124 f.
  4. ebd., S. 177
  5. ebd., S. 199 f.
  6. ebd., S. 224
  7. ebd., S. 325 ff.
  8. Susanne Dell: Kosovo: Informieren, Reisen, Erinnern. München 2008, S. 65
  9. Konkurrenz für überlasteten Flughafen Prishtina. Deutsche Welle, 2004, abgerufen am 2004.


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