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Glucose

Strukturformel
Struktur von D- und L-Glucose
Offenkettige Darstellung in der Fischer-Projektion
Allgemeines
Name Glucose
Andere Namen
  • D-Glucose
    • D-Glukose
    • D-(+)-Glucose
    • Dextrose
    • IUPAC: (2R,3S,4R,5R)-2,3,4,5,6-Pentahydroxyhexanal (als Aldehyd)
    • IUPAC: (3R,4S,5S,6R)-6-(Hydroxymethyl)oxan-2,3,4,5-tetrol (als Pyranose)
    • Traubenzucker
    • StĂ€rkezucker (veraltet)
  • L-Glucose
    • L(−)-Glucose
Summenformel C6H12O6
CAS-Nummer
  • 50-99-7 (D-Glucose)
  • 921-60-8 (L-Glucose)
ATC-Code
Kurzbeschreibung

D-Glucose:
farb- und geruchloser Feststoff[1]
rel. SĂŒĂŸkraft = 0,42 [2]

Eigenschaften
Molare Masse 180,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,562 g·cm−3[3]

Schmelzpunkt

146 °C[1]

Löslichkeit

gut in Wasser (470 g·l−1 bei 20 Â°C)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
EU-Gefahrstoffkennzeichnung (D-Glucose)[1]
keine Gefahrensymbole
R- und S-SĂ€tze R: keine R-SĂ€tze
S: keine S-SĂ€tze
LD50

25,8 g·kg−1 (Ratte, oral) (D-Glucose)[4]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Glucose (kurz Glc, auch Glukose geschrieben, von Griechisch â€žÎłÎ»Ï…Îșύς“, sĂŒĂŸ) ist ein Monosaccharid (Einfachzucker) und gehört damit zu den Kohlenhydraten. Es gibt zwei Enantiomere: D-Glucose und L-Glucose (fĂŒr eine ErklĂ€rung der Bezeichnungen „D“ und „L“ siehe Fischer-Projektion). In der Natur kommt ausschließlich D-Glucose vor. Diese wird auch als Traubenzucker oder in Ă€lterer Literatur als Dextrose bezeichnet. L-Glucose ist nur synthetisch zugĂ€nglich und besitzt nur geringe praktische Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckungsgeschichte

Der Traubenzucker wurde 1792 von Johann Tobias Lowitz in Weintrauben entdeckt und als von Rohrzucker (Saccharose) verschieden erkannt.[5] Glucose ist der von Jean Baptiste Dumas 1838 geprĂ€gte Begriff, der sich in der chemischen Literatur durchgesetzt hat. Von Friedrich August KekulĂ© stammt der Vorschlag Dextrose (von Lateinisch dexter = rechts), da Traubenzucker die physikalische Eigenschaft besitzt, die Ebene des linear polarisierten Lichtes nach rechts zu drehen.[6] Im Gegensatz dazu drehen D-Fructose (eine Ketohexose) und L-Glucose polarisiertes Licht nach links. Die Struktur der Glucose und die Strukturbeziehungen zu den anderen Monosacchariden wurden 1891 von Emil Fischer beschrieben und stellten einen Meilenstein der Naturstoffchemie dar.[6] Die Namen beziehen sich zunĂ€chst auf die Naturstoffe. Ihre Enantiomeren erhielten mit EinfĂŒhrung systematischer Nomenklaturen denselben Namen mit BerĂŒcksichtigung der absoluten Stereochemie [z. B. Fischer-Nomenklatur (D,L-Nomenklatur)].[7]

Vorkommen und technische Gewinnung

Traubenzucker ist als Baustein in Zweifachzuckern wie Lactose (Milchzucker) oder Saccharose (Rohr- oder RĂŒbenzucker), in Mehrfachzuckern wie Raffinose und in Vielfachzuckern wie StĂ€rke, Glycogen oder Cellulose enthalten. Er wird durch die vollstĂ€ndige enzymatische Spaltung von StĂ€rke (z. B. aus Mais oder Kartoffeln) hergestellt. Daraus resultiert die frĂŒher gĂ€ngige Bezeichnung „StĂ€rkezucker“.[8]

Biochemie

Übergeordnet
Stoffwechsel der Hexosen
Untergeordnet
Gluconeogenese
Glycolyse
Entner-Doudoroff-Weg
Gene Ontology
AmiGO QuickGO

Glucose wird hauptsĂ€chlich von Pflanzen mithilfe der Photosynthese aus Sonnenlicht, Wasser und Kohlenstoffdioxid produziert und kann von allen Lebewesen als Energie- und Kohlenstofflieferant verwertet werden. Normalerweise kommt Glucose aber nicht frei, sondern in Form ihrer Polymere, also Milchzucker, RĂŒbenzucker, StĂ€rke, Cellulose und andere vor, die in Pflanzen sowohl Reservestoffe als auch Bestandteil der Zellstruktur sind. Diese Polymere werden bei der Nahrungsaufnahme durch Tiere, Pilze und Bakterien mithilfe von Enzymen erst zu Glucose abgebaut. Beim Mensch geschieht dies teilweise bereits beim Kauen mittels Amylase, die im Speichel enthalten ist. Alle Lebewesen sind außerdem in der Lage, Glucose aus bestimmten Ausgangsprodukten selbst herzustellen, wenn sich die Notwendigkeit ergibt. Der Glucosegehalt des Blutes betrĂ€gt etwa 0,1 % und wird durch die Hormone Insulin und Glucagon geregelt.

Glucose wird in Lebewesen zu mehreren anderen chemischen Verbindungen umgesetzt, die Ausgangsprodukt verschiedener Stoffwechselwege sind. Neben der Phosphorylierung zu Glucose-6-phosphat, die Teil der Glycolyse ist, kann Glucose bei ihrem Abbau zunĂ€chst zu Glucono-1,5-lacton oxidiert werden. Glucose dient als Baustein bei der Biosynthese von Trehalose in Bakterien und von Glycogen. Glucose kann außerdem von der bakteriellen Xylose-Isomerase in Fructose umgewandelt werden.

Nicht zuletzt muss Glucose, um in Zellen und Zellkompartimente oder heraus zu gelangen, durch Membranen transportiert werden, wofĂŒr es beim Mensch mehrere Dutzend spezielle Transportproteine gibt, die hauptsĂ€chlich zur Major-Facilitator-Superfamilie gehören.[9]

Biosynthese

Biosynthese aus kleineren MolekĂŒlen

Der Stoffwechselweg, der mit MolekĂŒlen beginnt, die zwei bis vier Kohlenstoffatome (C) enthalten und im GlucosemolekĂŒl endet, das sechs Kohlenstoffatome enthĂ€lt, heißt Gluconeogenese und kommt in allen Lebewesen vor. Die kleineren Ausgangsstoffe sind das Resultat anderer Stoffwechselwege und stammen bei Pflanzen letztlich von der Assimilation von Kohlenstoffdioxid.

→ Hauptartikel: Gluconeogenese

Biosynthese aus Reservestoffen und Polymeren

Glucose ist ein Baustein vieler Kohlenhydrate und kann aus diesen mithilfe von bestimmten Enzymen abgespalten werden. So genannte Glycosidasen katalysieren zunĂ€chst die Hydrolyse langkettiger Polysaccharide, wobei endstĂ€ndige Glucose oder Disaccharide entfernt werden. Disaccharide wiederum werden meist von speziellen Glycosidasen zu Glucose abgebaut. Die Namen der abbauenden Enzyme sind oft vom jeweiligen Poly- und Disaccharid abgeleitet; so gibt es unter anderem fĂŒr den Abbau von Polysaccharidketten Amylasen (von Amylose, Bestandteil der StĂ€rke), Cellulasen (von Cellulose), Chitinasen (von Chitin) und mehr; weiters fĂŒr die Spaltung von Disacchariden die Lactase, Saccharase, Trehalase und andere.

Beim Menschen sind etwa 70 Gene bekannt, die fĂŒr Glycosidasen codieren. Sie haben Funktionen bei der Verdauung und beim Abbau von Glycogen, Sphingolipiden, Mucopolysacchariden und Poly(ADP)-Ribose.[10]

Abbau und Verwertung

Diagramm mit den möglichen Zwischenprodukten beim Glucose-Abbau. Stoffwechselwege Orange: Glycolyse. GrĂŒn: Entner-Doudoroff-Weg, phosphorylierend. Gelb: Entner-Doudoroff-Weg, nicht-phosphorylierend.

Der physiologische Brennwert von Glucose betrĂ€gt 15,7 kJ/g (3,74 kcal/g). [11]Die hohe VerfĂŒgbarkeit von Kohlenhydraten durch die pflanzliche Biomasse hat wĂ€hrend der Evolution, besonders der Mikroorganismen, zu einer Vielfalt von Methoden gefĂŒhrt, den Energie- und Kohlenstoffspeicher Glucose zu verwerten. Unterschiede bestehen darin, bis zu welchem nicht mehr fĂŒr die Energiegewinnung nutzbaren Endprodukt der Weg fĂŒhrt. Hier entscheidet das Vorhandensein einzelner Gene, und ihrer Genprodukte, der Enzyme, welche Reaktionen möglich sind (siehe Abbildung). Dabei wird der Stoffwechselweg der Glycolyse von nahezu allen Lebewesen genutzt. Lediglich die an Extrembedingungen angepassten Bakterien und Archaeen haben weitere Abbaureaktionen erschlossen, die im Entner-Doudoroff-Weg zusammengefasst werden. Ein wesentlicher Unterschied dieses Wegs besteht in der Gewinnung von NADP-ReduktionsĂ€quivalenten, die sonst indirekt erzeugt werden mĂŒssten.[12]

Zuletzt findet Glucose als Baustein bei der Glycosylierung von Proteinen und anderen Stoffen (katalysiert von Glycosyltransferasen) Verwendung und kann von den resultierenden Glycoproteinen, Peptidoglycanen und Glycosiden wieder abgespalten werden.

Medizin

Traubenzucker kann im Körper ĂŒber die Glycolyse, die oxidative Decarboxylierung, den Citratzyklus und die Atmungskette vollstĂ€ndig zu Wasser und Kohlenstoffdioxid abgebaut werden. Ist dafĂŒr nicht genĂŒgend Sauerstoff verfĂŒgbar, erfolgt der Glucoseabbau anaerob bis zum Lactat durch die MilchsĂ€uregĂ€rung und setzt weniger Energie frei. Bei hohem Angebot an Glucose kann der Metabolit Acetyl-CoA aber auch zur FettsĂ€uresynthese genutzt werden. Ebenfalls wird durch Glucose der Glycogen-Speicher des Körpers wieder aufgefĂŒllt, der vor allem in Leber und Skelettmuskulatur zu finden ist. Diese VorgĂ€nge werden hormonell reguliert. Durch die Gluconeogenese kann der Organismus Glucose aus anderen Stoffwechselprodukten, unter anderem aus Lactat oder bestimmten AminosĂ€uren unter Energieverbrauch aufbauen. Die Neubildung von bis zu 250 g Glucose am Tag findet hauptsĂ€chlich in der Leber statt. Auch die Tubuluszellen der Nieren können Glucose bilden. Eine dauernde Erhöhung des Glucosegehalts im Blut wird als Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bezeichnet.

Glucosekonzentration im Blut

Die Glucose im Blut wird als Blutzucker bezeichnet. Der Blutzuckergehalt eines gesunden Menschen betrĂ€gt im nĂŒchternen Zustand, d. h. nach Übernachtfasten, etwa 70 bis 100 mg/dl Blut (4 bis 5,5 mM). Im Blutplasma liegen die gemessenen Werte etwa 10–15 % höher. Außerdem liegen die Werte im arteriellen Blut ĂŒber den Konzentrationen im venösen Blut, da Glucose wĂ€hrend der Passage des Kapillarbettes in das Gewebe aufgenommen wird. Auch im Kapillarblut, das hĂ€ufig zur Blutzuckerbestimmung verwendet wird, liegen die Werte teils höher als im venösen Blut. Nach Nahrungsaufnahme steigt die Blutzuckerkonzentration an. Werte ĂŒber 180 mg/dl in venösem Vollblut sind sicher pathologisch und werden als HyperglykĂ€mie bezeichnet. Ein wiederholt oder dauerhaft erhöhter Blutzuckerwert weist in der Regel auf Diabetes mellitus hin. Glucosekonzentrationen unter 40 mg/dl in venösem Vollblut werden als HypoglykĂ€mie bezeichnet.[13]

→ Hauptartikel: Blutzucker

Systematik der Glucose

Verschiedene Formen und Darstellungen von D-Glucose im Vergleich
Keilstrichformel Haworth-Schreibweise
D-Glucose Keilstrich.svg Alpha-D-Glucofuranose.svg
α-D-Glucofuranose
Beta-D-Glucofuranose.svg
ÎČ-D-Glucofuranose
Alpha-D-Glucopyranose.svg
α-D-Glucopyranose
Beta-D-Glucopyranose.svg
ÎČ-D-Glucopyranose
α-D-Glucopyranose in (1) Tollens/Fischer- (2) Haworth- (3) Sessel-Darstellung (4) stereochemischer Ansicht
Alpha glucose views.svg

Als Kohlenhydrat mit sechs C-Atomen gehört Glucose zu den Hexosen. Als Aldose hat die Glucose eine Aldehydfunktion am ersten Kohlenstoffatom (Kohlenhydrate mit einer Ketogruppe werden als Ketosen bezeichnet). Durch eine intramolekulare Halbacetal-Bildung entsteht ein Ring: In der Pyranose-Form wird das erste mit dem fĂŒnften, in der selteneren Furanose-Form das erste mit dem vierten Kohlenstoffatom ĂŒber eine SauerstoffbrĂŒcke verbunden. Der Carbonylsauerstoff der Aldehydgruppe wird dabei zur Hydroxygruppe.

Die oben abgebildete Darstellung der pyranoiden Form – im Beispiel die ÎČ-D-Glucopyranose – wird als Haworth-Projektion bezeichnet. Dabei wird der Ring als eben dargestellt, was nicht der RealitĂ€t entspricht, aber fĂŒr viele Zwecke ausreichend ist. Durch den Ringschluss wird das erste C-Atom zu einem neuen, weiteren ChiralitĂ€tszentrum, so dass die Bildung von Diastereomeren möglich wird. Die Struktur, bei der die Hydroxy-Funktion des Halbacetals in der Haworth-Projektion nach unten weist, wird als α-D-Glucose bezeichnet, die mit der Hydroxy-Funktion nach oben als ÎČ-D-Glucose. Allgemein gilt, dass bei der α-Form die beim Ringschluss gebildete Hydroxy-Funktion auf der entgegengesetzten Seite der Ringebene der Haworth-Projektion steht wie die Hydroxymethylengruppe (C-Atom 6), bei der ÎČ-Form auf derselben. In dieser Form gilt die Definition sowohl fĂŒr die D- und L-Zucker, als auch fĂŒr Aldosen und Ketosen. α- und ÎČ-D-Glucose sind Beispiele fĂŒr als Anomere bezeichnete Strukturen. Anomere sind stereoisomere Zucker, die sich nur in der Konfiguration an dem beim Ringschluss gebilden ChiralitĂ€tszentrum unterscheiden. Anomere sind somit ein Spezialfall der Epimere.

Die Fischer-Projektion ist bei den cyclischen Halbacetal-Formen, siehe 1, unĂŒbersichtlich. Um die gewinkelte Anordnung der Kohlenstoff-Kette zu verdeutlichen, wird die Sessel-Darstellung 3 gewĂ€hlt. Auch die Darstellung 4 ist ĂŒblich und stereochemisch eindeutig.

Reaktionen der Glucose

Siehe auch: Kohlenhydrate: Chemie

Verhalten in wÀssriger Lösung

Verhalten in wĂ€ssriger Lösung: Schließen des Rings. Nicht animierte Version

In wĂ€ssriger Lösung kann der Ring geöffnet und geschlossen werden, so dass ein Gleichgewicht zwischen Pyranose- (Sechsring mit endozyklischem Sauerstoffatom, 99,75 %), Furanoseform (FĂŒnfring, in Spuren) und offenkettiger Aldehydform (0,25 %) vorliegt. Die Zugabe von SĂ€ure oder Lauge beschleunigt diesen Vorgang. Da beim Ringschluss entweder die Alpha- oder die Beta-Form entstehen kann, liegt auch ein Gleichgewicht zwischen Alpha-Form (36,4 %) und Beta-Form (63,6 %) vor. Das Gleichgewicht liegt, wie an den prozentualen Anteilen zu erkennen ist, auf der Seite der ÎČ-D-Glucose. Sie ist das stabilere Anomer, da alle Hydroxygruppen in der Sesselkonformation Ă€quatorial angeordnet sind und somit den grĂ¶ĂŸtmöglichen Abstand voneinander haben. Dass das α-Anomer mit immerhin 36,4 % trotz der axialen OH-Gruppe vorliegt, deutet darauf hin, dass es noch weitere EinflĂŒsse geben muss. Die relative StabilitĂ€t der α-Konfiguration wird als anomerer Effekt bezeichnet.

Mutarotation

Mutarotation: D-Glucose-MolekĂŒle liegen als cyclische Halbacetale vor, die zueinander epimer (= diastereomer) sind. Das EpimerenverhĂ€ltnis α:β betrĂ€gt 36:64. In der α-D-Glucopyranose (links) steht die blau markierte Hydroxygruppe am anomeren Zentrum in axialer Position, in der β-D-Glucopyranose (rechts) hingegen steht die blau markierte Hydroxygruppe am anomeren Zentrum in equatorialer Position.

Die Umwandlung zwischen den beiden Anomeren kann im Polarimeter beobachtet werden, da reine α-D-Glucose einen spezifischen Drehwinkel von +112° hat, reine ÎČ-D-Glucose von +18,7°. Hat sich nach einer gewissen Zeit das Gleichgewicht eingestellt, liegt ein Drehwinkel von +52,7° vor. Diese VerĂ€nderung des Drehwinkels wird als Mutarotation bezeichnet. Durch Zugabe von SĂ€ure oder Base kann diese Umwandlung massiv beschleunigt werden. Die Gleichgewichtseinstellung lĂ€uft ĂŒber die offenkettige Aldehyd-Form.

Isomerisierung

In verdĂŒnnter Natronlauge werden Mannose, Glucose und Fructose ineinander umgewandelt (Lobry-de-Bruyn-Alberda-van-Ekenstein-Umlagerung), so dass sich ein Gleichgewicht zwischen diesen Isomeren ausbildet. Diese Reaktion verlĂ€uft ĂŒber ein Endiol:</br> R-CH(OH)-CH=O <math>\rightleftharpoons</math> R-C(OH)=CH-OH <math>\rightleftharpoons</math> R-C(=O)-CH2-OH

Analytik

Klassische qualitative Nachweisreaktionen

Diese Reaktionen haben nur historische Bedeutung:

Fehling-Reaktion

Die Fehling-Probe ist ein klassischer Nachweis fĂŒr Aldosen. Aufgrund der Mutarotation liegt Glucose immer zu einem geringen Anteil als offenkettiger Aldehyd vor. Durch Zugabe der Fehling-Reagenzien wird die Aldehydgruppe zur CarbonsĂ€ure oxidiert, wĂ€hrend der Cu2+-Tartratkomplex zu Cu+ reduziert wird und als roter Niederschlag (Cu2O) ausfĂ€llt.

Tollens-Reaktion

Nach Zugabe von ammoniakalischen AgNO3 zur Probelösung wird Ag+ von Glucose zu elementarem Silber reduziert, welches sich an der GefĂ€ĂŸwand als Silberspiegel ablagert.

Instrumentelle quantitative Bestimmung

Optische Methoden zur Bestimmung der Glucosekonzentration

Photometrisch-enzymatische Verfahren in Lösung

Das Enzym Glucose-Oxidase (GOx) setzt Glucose unter Verbrauch von Sauerstoff zu GluconsÀure und Wasserstoffperoxid um. Ein weiteres Enzym, die Peroxidase, katalysiert eine chromogene Reaktion (Trinder-Reaktion) von Phenol mit 4-Aminoantipyrin zu einem violetten Farbstoff.[14]

Photometrische Teststreifen-Methode

Die Teststreifen-Methode bedient sich der oben erwĂ€hnten enzymatischen Umsetzung von Glucose zu GluconsĂ€ure unter Bildung von Wasserstoffperoxid. Die Reagenzien sind auf einer Polymermatrix immobilisiert, dem sog. Teststreifen, der eine mehr oder weniger starke Farbe annimmt. Diese kann mit Hilfe eines LED-basierten Handphotometers bei 510 nm reflektometrisch ausgelesen werden. Dies ermöglicht die routinemĂ€ĂŸige Blutzuckerbestimmung durch Laien. Neben der Reaktion von Phenol mit 4-Aminoantipyrin wurden neue chromogene Reaktionen entwickelt, welche die Photometrie bei höheren WellenlĂ€ngen (550 nm, 750 nm) erlauben.[15]

Amperometrische Glucosesensorik

Die Elektroanalytik der Glucose basiert ebenfalls auf der oben erwĂ€hnten enzymatischen Umsetzung. Das produzierte Wasserstoffperoxid kann durch anodische Oxidation bei einem Potential von 600 mV amperometrisch quantifiziert werden[16]. Die GOx wird auf der ElektrodenoberflĂ€che oder in einer dicht vor der Elektrode angeordneten Membran immobilisiert. Als Elektroden kommen neben den klassischen Edelmetallen wie Platin oder Gold in jĂŒngster Zeit immer hĂ€ufiger Kohlenstoffnanoröhren-Elektroden zum Einsatz, welche z. B. mit Bor dotiert wurden.[17]. Auch Cu-CuO-NanodrĂ€hte finden als enzymfreie amperometrische Elektroden Verwendung. Es wurde damit eine Nachweisgrenze von 50 ”mol/L erzielt.[18]. Eine besonders aussichtsreiche Methode besteht im sog. „enzyme wiring“. Dabei wird das bei der Oxidation fließende Elektron direkt aus dem Enzym ĂŒber einen molekularen Draht auf die Elektrode abgeleitet.[19]

Andere sensorische Methoden

FĂŒr die Glucose gibt es eine Vielzahl anderer chemischer Sensoren [20]. Angesichts der Bedeutung der Analytik von Glucose in den Biowissenschaften sind auch zahlreiche optische Sonden fĂŒr Saccharide entwickelt worden, die auf der Verwendung von BoronsĂ€uren[21] beruhen und vor allem fĂŒr intrazellulĂ€re, sensorische Anwendungen in Frage kommen, wo andere (optische) Methoden gar nicht oder nur bedingt einsetzbar sind. Neben den organischen BoronsĂ€urenderivaten, welche oft hochspezifisch an die 1,2-Diolgruppen der Zucker binden, gibt es noch weitere nach Funktionsmechanismen klassifizierte Sondenkonzepte, die selektive Glucose-bindende Proteine (z. B. Concanavalin A) als Rezeptor verwenden [20]. Des Weiteren wurden Methoden entwickelt, welche die Glucosekonzentration indirekt ĂŒber die Konzentration von verstoffwechselten Produkten erfassen, z. B. den Verbrauch von Sauerstoff mit Hilfe fluoreszenz-optischer Sensoren.[22] Schließlich gibt es enzymbasierte Konzepte, die die intrinsische Absorbanz bzw. Fluoreszenz von (fluoreszenzmarkierten) Enzymen als InformationstrĂ€ger nutzen.[20]

Biotechnologische Produkte aus Glucose

Glucose ist ein bedeutender biotechnologischer Rohstoff. Folgende Schautafel gibt einen kurzen Überblick ĂŒber wichtige Produkte (Klick auf die Namen fĂŒhrt zu den entsprechenden Artikeln). Die industriell interessanten Produkte bzw. deren Vorstufen sind fett gekennzeichnet:

PflanzenPhotosyntheseAmylasenWasserKohlendioxidStärkeGlycogenStreptomycinBiopolymerCysteinSerinPenicillinCephalosporinSauerstoffMilchsäureAmeisensäureValinPyruvatEthanolEssigsäureAsparaginsäureAcetyl-CoAEssigsäureMethanOxalessigsäureCitronensäureZitronensäurezyklusΑ-KetoglutarsäureGlutamatArgininFettsäurePolyketideIsoprenoideAcetoacetyl-CoAGlucose-Produkte.svg
Über dieses Bild


Merkhilfen zur Stereochemie

D-Glucose und D-Galactose
Um sich die Glucose-Konfiguration in der Fischer-Projektion zu merken, gibt es folgende EselsbrĂŒcke: Die Positionen der Hydroxygruppen rechts und links der Kohlenstoffkette lassen sich durch „Ta-TĂŒ-Ta-Ta“ (wie das Martinshorn) „versinnbildlichen“. Die Anordnung der Hydroxygruppen der Galactose kann man sich hingegen als Blaulicht (siehe Abbildung) merken.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Eintrag zu CAS-Nr. 50-99-7 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 29. MĂ€rz. 2008 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ Question No. 215 : How sweetness can be measured? Is there a simple method to measure sweetness of sugar and other type of sweeteners? Singapore Science Center, 2006.
  3. ↑ CRC Handbook of Chemistry and Physics, 90. Auflage, CRC Press, Boca Raton, Florida, 2009, ISBN 978-1-4200-9084-0, Section 3, Physical Constants of Organic Compounds, p. 3-268.
  4. ↑ Datenblatt Glucose bei Carl Roth, abgerufen am 24. August 2010.
  5. ↑ The Development of Modern Chemistry. Aaron J. Ihde. Harper and Row, New York, 1964.
  6. ↑ a b Essentials of Carbohydrate Chemistry. by John F. Robyt. Springer Advanced Texts in Chemistry, 1998. ISBN 0-387-94951-8.
  7. ↑ http://www.chem.qmul.ac.uk/iupac/2carb/.
  8. ↑ Autorenkollektiv: StĂ€rkezucker. Merck's Warenlexikon, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884, S. 547–548.
  9. ↑ Suchergebnis UniProt.
  10. ↑ Suchergebnis UniProt.
  11. ↑ Schmidt, Lang "Physiologie des Menschen", Springer Verlag 2007, 30.Auflage, Seite 907
  12. ↑ Dandekar T, Schuster S, Snel B, Huynen M, Bork P: Pathway alignment: application to the comparative analysis of glycolytic enzymes. In: Biochem. J.. 343 Pt 1, Oktober 1999, S. 115–24. PMID 10493919. Volltext bei PMC: 1220531.
  13. ↑ W. A. Scherbaum, B. M. Lobnig, in: Wolff, Weihrauch: Internistische Therapie, 16. Auflage, Elsevier, MĂŒnchen S. 927 u. S. 985.
  14. ↑ P. Trinder; Determination of glucose in blood using glucose oxidase with an alternative oxygen acceptor; Annals of Clinical Biochemistry 6 (1969) 24-27.
  15. ↑ M. Mizoguchi, M. Ishiyama, M. Shiga, K. Sasamoto; Water-soluble chromogenic reagent for cholorimetric detection of hydrogen peroxide – an alternative to 4-aminoantipyrine working at a long wavelength; Analytical Communications 35 (1998) 71-73.
  16. ↑ J. Wang; Electrochemical Glucose Biosensors; Chem. Rev. 108 (2008) 814-825.
  17. ↑ X. Chen, J. Chen, Ch. Deng, Ch. Xiau, Y. Yang, Z. Nie, S. Yao; Amperometric glucose biosensor based on boron-doped carbon nanotubes modified electrode; Talanta 76 (2008) 763-767.
  18. ↑ G. Wang, Y. Wei, W. Zhang, X. Zhang, B. Fang, L. Wang; Enzyme-free amperometric sensing of glucose using Cu-CuO nanowire composites; Microchimica Acta 168 (2010) 87-92.
  19. ↑ T. J. Ohara, R. Rajagopaian, A. Heller; „Wired“ Enzyme Electrodes for Amperometric Determination of Glucose or Lactate in the Presence of Interfering Substances; Anal. Chem. 66 (1994) 2451–2457.
  20. ↑ a b c S.M. Borisov, O.S. Wolfbeis; Optical Biosensors; Chem. Rev. 108 (2008) 423-461.
  21. ↑ H.S. Mader, O.S. Wolfbeis; Boronic acid based probes for microdetermination of saccharides and glycosylated biomolecules; Microchimica Acta 162 (2008) 1-34.
  22. ↑ O.S. Wolfbeis, I. Oehme, N. Papkovskaya, I. Klimant; Glucose Biosensors Employing Optical Oxygen Transducers, and a Method for Compensating for Variable Oxygen Background; Biosensors and Bioelectronics 15 (2000) 69-76.

Literatur

  • Jochen Lehmann: Kohlenhydrate. Chemie und Biologie. 2. neu bearb. und erw. Aufl., Thieme, Stuttgart; New York 1996.
  • Stefan Schenk: Glucose. Der Energielieferant des Körpers. 1. Aufl. MĂŒnchen, 2001.

Weblinks

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