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Die Glykolyse (altgriechisch ÎłÎ»Ï ÎșÏÏ glykys âsĂŒĂâ und λÏÏÎčÏ lysis âAuflösungâ) ist bei Lebewesen der schrittweise Abbau von Monosacchariden (Einfachzuckern) wie der D-Glucose (Traubenzucker), von der sich auch die Bezeichnung Glykolyse ableitet. Sie ist der zentrale Prozess beim Abbau aller Kohlenhydrate in allen Eukaryoten, dazu gehören Tiere, Pflanzen und Pilze. Bei Bakterien und Archaeen ist Glykolyse ebenfalls verbreitet, manche Arten nutzen aber auch andere Stoffwechselwege um Glucose abzubauen, beispielsweise den Entner-Doudoroff-Weg (ED-Weg). Die Glykolyse ist ein zentraler Vorgang im Energiestoffwechsel und einer der wenigen Stoffwechselwege, den fast alle Organismen gemeinsam haben, was auf eine sehr frĂŒhe Entstehung hinweist.
Der Abbau erfolgt in zehn Einzelschritten. Dabei entstehen aus einem GlucosemolekĂŒl zwei MolekĂŒle Pyruvat. Neben dem fĂŒr das Freiwerden von Energie wichtigen Adenosintriphosphat (ATP) werden auch zwei MolekĂŒle NADH erzeugt. Die Glykolyse wird nach ihren Entdeckern Gustav Embden, Otto Meyerhof und Jakub Karol Parnas auch Embden-Meyerhof-Parnas-Weg oder EMP-Weg genannt. Nicht mehr gebrĂ€uchlich ist die Bezeichnung FDP-Weg, die auf das Zwischenprodukt D-Fructose-1,6-bisphosphat (veraltet: Fructosediphosphat) zurĂŒckgeht.
Untersuchungen ĂŒber den Abbau von Zucker gehen weit ins 19. Jahrhundert zurĂŒck und begannen ursprĂŒnglich mit der Erforschung der alkoholischen GĂ€rung beziehungsweise spĂ€ter der MilchsĂ€uregĂ€rung. Bei diesen GĂ€rungen sind die Reaktionsschritte bis zur Bildung von Pyruvat identisch. 1837 wurde durch die Forscher Charles Cagniard-Latour,[1] Theodor Schwann[2] und Friedrich Traugott KĂŒtzing[3] unabhĂ€ngig voneinander nachgewiesen, dass der heutzutage als alkoholische GĂ€rung bekannte Abbau von Glucose zu Ethanol durch Lebewesen, nĂ€mlich Hefen, verursacht wird.[4] Dass fĂŒr den anaeroben Abbau von Zuckern die Stoffwechselprozesse lebender Hefezellen verantwortlich sind, war zum damaligen Zeitpunkt noch sehr umstritten. Vor allem die prominenten Chemiker Jöns Jakob Berzelius, Friedrich Wöhler und Justus von Liebig zĂ€hlten zu den heftigsten Gegnern dieser Ansicht. Liebig postulierte beispielsweise, dass verwesendes Material âSchwingungenâ auf den zu vergĂ€renden Zucker ĂŒbertrage, welcher dadurch zu Ethanol und Kohlenstoffdioxid zerfalle.[5]
Dem Abbau von Zuckern in lebenden Hefezellen widmete sich ab 1857 auch der französische Forscher Louis Pasteur. 1860 veröffentlichte er eine BestĂ€tigung der Ergebnisse von Cagniard-Latour, KĂŒtzing und Schwann und stellte sich damit gegen Liebigs Hypothese.[6] AuĂerdem beobachtete er, dass der Verbrauch an Glucose unter anaeroben Bedingungen höher ist als wenn den Hefen Sauerstoff zur VerfĂŒgung steht. Diese Beobachtung wird heutzutage als der âPasteur-Effektâ bezeichnet.
Zu jener Zeit herrschte die Lehrmeinung vor, dass nur eine den Lebewesen innewohnende âLebenskraftâ (vis vitalis) die Umwandlung von Glucose zu Ethanol bewerkstelligen könne. 1858 schlug dagegen Moritz Traube vor, dass fĂŒr den Abbau von Zuckern in Hefezellen allein chemische Prozesse, weniger die âLebendigkeitâ als solche verantwortlich seien.[7] 1897 schlieĂlich entdeckte Eduard Buchner, dass alkoholische VergĂ€rung auch in einem zellfreien Hefeextrakt möglich ist.[8] Damit zeigte er, dass der Stoffwechselweg auch dann stattfinden kann, wenn die Zellen nicht mehr intakt sind. Man bezeichnet dies als in vitro. Das katalytisch wirksame PrĂ€parat bezeichnete er als âZymaseâ, ohne zu wissen, dass mehrere Enzyme in den anaeroben Glucoseabbau involviert sind. Auch Marie von Mannasein zog im selben Jahr in einer Veröffentlichung Ă€hnliche SchlĂŒsse wie Buchner.[9] Jedoch konnte ihre Arbeit andere nicht ĂŒberzeugen, da ihre BeweisfĂŒhrung unzureichend war.
Die AufklĂ€rung der einzelnen Schritte der Glykolyse gelang ab Anfang des 20. Jahrhunderts. So konnten Arthur Harden und William John Young (1878â1942) Entscheidendes zur AufklĂ€rung des glykolytischen Stoffwechselweges beitragen und veröffentlichten ihre Ergebnisse in einer Serie von Publikationen ab 1905. Unter anderem fanden sie heraus, dass isolierte Hefeextrakte Glucose nur langsam zu Ethanol und Kohlenstoffdioxid abbauten, wenn in den Extrakten kein anorganisches Phosphat vorhanden war.[10] Bei Zugabe von Phosphat jedoch konnte diese in vitro, also ohne lebende Zellen stattfindende GĂ€rreaktion wieder schneller ablaufen.[11] AuĂerdem gelang es ihnen, Fructose-1,6-bisphosphat zu isolieren und nachzuweisen, dass es ein Zwischenprodukt der Glykolyse ist. Zudem trennten sie zellfreien Hefeextrakt mittels Dialyse in zwei Fraktionen auf.[12] Die Forscher bezeichneten die nicht dialysierbare Fraktion, das sind normalerweise gröĂere MolekĂŒle und Proteine, nach Buchner als âZymaseâ. Sie war wĂ€rmeempfindlich. Die dialysierbare Fraktion besteht dagegen aus Ionen und kleinen MolekĂŒlen, die die Dialysemembran passieren können. Diese war wĂ€rmestabil und wurde âCozymaseâ genannt. Nur beide zusammen konnten eine GĂ€rreaktion in vitro hervorrufen. Es stellte sich heraus, dass die Zymase ein Enzymgemisch war, wĂ€hrend die Cozymase die fĂŒr diese Enzyme nötigen Coenzyme enthielt.
1918 konnte Otto Meyerhof nachweisen, dass in der MilchsĂ€uregĂ€rung in Muskeln die gleichen Coenzyme benötigt werden wie bei der alkoholischen GĂ€rung.[13] Wegen der Kurzlebigkeit vieler Zwischenprodukte gestaltete sich die weitere AufklĂ€rung des Stoffwechselweges als schwierig. Gustav Embden schlug 1932 eine erste biochemische Reaktionsfolge fĂŒr die Glykolyse vor. Zwei Jahre spĂ€ter konnte Karl Lohmann im Labor Meyerhofs den Nachweis erbringen, dass der universelle EnergietrĂ€ger Adenosintriphosphat (ATP) bei der Glykolyse erzeugt wird. Meyerhofs Forschergruppe hatte Anteil an der Entdeckung etwa eines Drittels der an der Glykolyse beteiligten Enzyme.
SchlieĂlich waren Ende der 1930er-Jahre durch die Arbeiten von Otto Warburg und Hans von Euler-Chelpin die Reaktionsschritte in Hefe aufgeklĂ€rt; Embden, Meyerhof und Jakub Karol Parnas arbeiteten dagegen mit Muskelzellen. AuĂerdem hatten auch Carl und Gerty Cori, Carl Neuberg, Robert Robinson sowie der unter Warburg tĂ€tige Erwin Negelein wesentlichen Anteil an der AufklĂ€rung der Glykolyse.
Alle Schritte und Enzyme der Glykolyse sind seit den 1940er-Jahren bekannt. Genauere Untersuchungen der beteiligten Enzyme und ihrer Regulation folgten anschlieĂend.
Die Glykolyse ist der wichtigste Abbauweg der Kohlenhydrate im Stoffwechsel. GröĂtenteils werden alle Hexosen und Triosen durch diesen einen Stoffwechselweg metabolisiert und fĂŒr den weiteren Abbau vorbereitet. Damit nimmt die Glykolyse einen zentralen Platz im katabolen Stoffwechsel ein. Die an den Reaktionen beteiligten Enzyme kommen in fast allen Lebewesen vor, so dass die Glykolyse auch universell ist. Die Glykolyse hat daneben auch noch weitere wichtige Funktionen:
In der Glykolyse wird Energie gewonnen und in Form von zwei MolekĂŒlen ATP je MolekĂŒl abgebauter D-Glucose bereitgestellt, unabhĂ€ngig davon, ob Sauerstoff fĂŒr die Atmungskette vorliegt oder nicht. Die Glykolyse erzeugt ungefĂ€hr ein FĂŒnfzehntel so viel ATP auf ein MolekĂŒl D-Glucose wie der vollstĂ€ndige oxidative Abbau zu Kohlenstoffdioxid und Wasser im Citratzyklus und in der Atmungskette. Daher wird unter aeroben Bedingungen auch weniger Glucose verstoffwechselt, was bereits 1861 von Louis Pasteur bei Hefen beobachtet wurde (Pasteur-Effekt).
Da die Glykolyse auch unter anoxischen Bedingungen ablĂ€uft, eröffnet dies einige vorteilhafte Möglichkeiten im Stoffwechsel. Beispielsweise können Mikroorganismen in einem anoxischen Milieu auf diese Weise Energie gewinnen. Bei Wirbeltieren wird im Falle starker Muskelbeanspruchung manchmal mehr Sauerstoff verbraucht als in die Zellen transportiert wird. Daher muss die Zelle ihre Energie kurzfristig ausschlieĂlich aus der Glykolyse beziehen. Dies ist hĂ€ufig bei gröĂeren Tieren wie Alligatoren, Krokodilen, Elefanten, Nashörnern, Walen und Robben der Fall, bei denen Sauerstoff fĂŒr den oxidativen Abbau von Glucose nicht schnell genug bereitgestellt werden kann.[14] Auch beim Menschen wird Glucose in schnell kontrahierenden Muskelzellen im Zuge der Glykolyse und der MilchsĂ€uregĂ€rung zu Lactat umgesetzt. Ein groĂer Vorteil der Glykolyse ist die Tatsache, dass ATP dabei 100 mal so schnell bereitgestellt werden kann wie ĂŒber die oxidative Phosphorylierung in der Atmungskette.[15]
Pflanzen gewinnen ihre Energie entweder aus der Photosynthese oder aus der Atmungskette. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen temporĂ€r Licht und Sauerstoff nicht zur VerfĂŒgung steht, beispielsweise bei der Imbibition wĂ€hrend der Samenkeimung oder bei einer zeitweiligen Ăberflutung der Wurzeln mit Wasser. Unter diesen Bedingungen wird der lokale Stoffwechsel durch die Glykolyse aufrechterhalten.[16]
Einige spezialisierte Zellen beziehen ihre Energie ausschlieĂlich aus der Glykolyse. So sind beispielsweise Zellen im Gehirn und dem Nierenmark auf Glucose als Brennstoff angewiesen; Erythrozyten, denen die Mitochondrien und damit die Atmungskette fehlen, und Spermien[17] sowie schnell wachsende und sich teilende Tumorzellen gehören ebenfalls dazu. Otto Warburg entdeckte 1930, dass Tumorzellen eine sehr viel höhere Glykolyserate besitzen als gesunde Zellen. In der Positronen-Emissions-Tomographie wird dies genutzt, um Tumorgewebe bildlich darzustellen.
Die Glykolyse bereitet Glucose nicht nur fĂŒr den oxidativen Abbau vor, sondern liefert auch VorlĂ€ufer fĂŒr die Biosynthese anderer Verbindungen. So ist Pyruvat Ausgangsstoff fĂŒr die FettsĂ€uresynthese und fĂŒr manche AminosĂ€uren (L-Alanin, L-Valin und L-Leucin). Aus Dihydroxyacetonphosphat wird reduktiv Glycerin-3-phosphat gebildet, welches bei der Synthese von Lipiden eine Rolle spielt. Phosphoenolpyruvat ist Ausgangsstoff fĂŒr die Biosynthese der aromatischen AminosĂ€uren L-Phenylalanin, L-Tryptophan und L-Tyrosin, wĂ€hrend L-Serin aus 3-Phosphoglycerat gebildet wird.[18][19]
In der Glykolyse wird neben ATP auch das Reduktionsmittel NADH erzeugt. Dies wird entweder in der Atmungskette fĂŒr einen weiteren ATP-Gewinn reoxidiert, oder als Reduktionsmittel fĂŒr die Synthese anderer MolekĂŒle verwendet â zumindest zum Zwecke der NAD+-Regeneration in GĂ€rungen.
Die Glykolyse findet im Zytoplasma einer Zelle statt. In multizellulĂ€ren Organismen â wie beispielsweise dem Menschen â wird die Glykolyse in allen (differenzierten) Zelltypen durchgefĂŒhrt. Pflanzen betreiben die Glykolyse auch zusĂ€tzlich in den Plastiden.[20]
Der Abbau von Glucose bis zu Pyruvat lÀuft sowohl unter Sauerstoffmangelbedingungen (anaerob) als auch bei ausreichendem Sauerstoffangebot (aerob) gleichartig ab. Im Gegensatz zur Atmungskette wird kein Sauerstoff (O2) verbraucht.
Die Glykolyse lĂ€sst sich in zwei Phasen unterteilen. Die erste Phase ist eine Vorbereitungsphase, bei der zunĂ€chst Energie in Form von ATP investiert wird. Sie besteht aus der Spaltung der Hexose D-Glucose in zwei Triosephosphate: Dihydroxyacetonphosphat (DHAP) und Glycerinaldehyd-3-phosphat (GAP) (vgl. Abbildung). Hierbei wird DHAP in GAP fĂŒr die zweite Phase isomerisiert. Dadurch wird der Zucker fĂŒr den eigentlichen Abbau vorbereitet.
In der zweiten Phase werden zwei MolekĂŒle GAP ĂŒber mehrere Zwischenschritte in zwei MolekĂŒle Pyruvat (Pyr) umgesetzt. Dabei werden zwei MolekĂŒle NADH sowie vier MolekĂŒle ATP gebildet. Diese Phase liefert somit Energie und 4 ReduktionsĂ€quivalente in Form von NADH.
Die Gesamtbilanz der Glykolyse kann damit wie folgt formuliert werden:
Der erste Schritt der Glykolyse ist die Phosphorylierung von D-Glucose (Glc) zu Glucose-6-phosphat (G6P). In AbhĂ€ngigkeit vom Zelltyp wird diese Reaktion durch eine Hexokinase oder Glucokinase (= Hexokinase IV) katalysiert, bei der ein MolekĂŒl ATP investiert wird. Dies hat zwei Vorteile: Zum einen ist die Zellmembran zwar durchlĂ€ssig fĂŒr Glucose, nicht aber fĂŒr das durch die Phosphorylierung entstehende Glucose-6-phosphat. Dadurch reichert es sich in der Zelle an. Zum anderen verringert sich durch Phosphorylierung der Glucose die Glucosekonzentration in der Zelle, wĂ€hrend die Konzentration an G6P umgekehrt ansteigt. Die initiale Phosphorylierung bewirkt damit, dass innerhalb der Zelle weniger Glucose vorliegt als auĂerhalb der Zelle. Da die intrazellulĂ€re Glucosekonzentration im Gleichgewicht zu der extrazellulĂ€ren steht, strömt weitere Glucose durch dieses entstandene KonzentrationsgefĂ€lle in die Zelle ein. Infolgedessen ist die Aufnahme von Glucose begĂŒnstigt.
In Bakterien wird die Phosphorylierung im ersten Schritt der Glykolyse nicht durch Hexo- beziehungsweise Glucokinasen, sondern durch das Phosphoenolpyruvat (PEP)-abhÀngige Zucker-Phosphotransferasesystem katalysiert.[21]
Glucose-6-phosphat wird dann von der Glucose-6-phosphat-Isomerase in das isomere Fructose-6-phosphat (F6P) umgebaut. Das Enzym bevorzugt die Bindung des alpha-Anomers der G6P, als Reaktionsprodukt entsteht α-D-Fructose-6-phosphat. Unter Standardbedingungen liegt zwar das Gleichgewicht der Isomerisierungsreaktion auf Seite des G6P. Aber da F6P schnell weiterreagiert, wird dieses dem Reaktionssystem entzogen, so dass sich kein Gleichgewicht einstellt und die Isomerisierungsreaktion zu Gunsten des F6P ablÀuft.
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ATP ADP Hexokinase oder Glucokinase |
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Glucose- 6-phosphat- Isomerase |
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| α-D-Glucose | α-D-Glucose-6-phosphat | α-D-Fructose-6-phosphat |
Fructose-6-phosphat wird danach unter Einwirkung des ersten SchlĂŒsselenzyms der Glykolyse, Phosphofructokinase 1, mit einem MolekĂŒl ATP zu Fructose-1,6-bisphosphat (F1,6bP) phosphoryliert, wobei ADP entsteht. Das Enzym bevorzugt das beta-Anomer der F6P, in der Vorreaktion ist dagegen das alpha-Anomer entstanden. Dies stellt jedoch kein Problem dar, da die beiden Anomere im Gleichgewicht stehen. In anaeroben Bakterien, manchen Pflanzen, primitiven Eukaryoten und manchen Archaeen wird dieser Schritt von einer Pyrophosphat-abhĂ€ngigen Phosphofructokinase (EC 2.7.1.90) katalysiert, bei der Pyrophosphat (PPi) anstatt ATP verwendet wird.[22]
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ATP ADP Phospho- fructo- kinase |
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| ÎČ-D-Fructose-6-phosphat | ÎČ-D-Fructose-1,6-bisphosphat |
Die damit erneute Investition von Energie ist aus zwei GrĂŒnden gĂŒnstig und notwendig: Zum einen macht dieser Schritt â neben der Glucokinase sowie der Pyruvatkinase â die Glykolyse unter physiologischen Bedingungen unumkehrbar. Zum anderen ermöglicht die Spaltung der Hexose die Bildung von zwei phosphorylierten Triosen fĂŒr den weiteren Abbau, Dihydroxyacetonphosphat (DHAP) und Glycerinaldehyd-3-phosphat (GAP). Die Kohlenstoffatome C1-C3 der F1,6bP finden sich in DHAP, wĂ€hrend die C-Atome in GAP aus der C4-C6 Einheit der F1,6bP stammen.
Die Spaltungsreaktion ist unter Standardbedingungen sehr ungĂŒnstig (ÎG0â = +24 kJ/mol) und wĂŒrde nicht ablaufen. Durch die schnelle Metabolisierung beider Reaktionsprodukte lĂ€uft sie aber unter physiologischen Bedingungen im annĂ€hernden Gleichgewicht ab. Dihydroxyacetonphosphat wird noch von der Triosephosphatisomerase (TIM) in D-Glycerinaldehyd-3-phosphat umgewandelt. Diese stereospezifische Isomerisierung in Richtung GAP wird dadurch begĂŒnstigt, dass GAP in der Glykolyse weiter abgebaut wird und damit die Konzentration in der Zelle niedrig gehalten wird. Ohne weitere Metabolisierung wĂŒrde das Gleichgewicht zwischen DHAP und GAP stark auf Seiten des Ketons liegen (22:1).[23]
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Aldolase |
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Triose- phosphat- Isomerase |
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| ÎČ-D-Fructose-1,6-bisphosphat | Dihydroxy- aceton- phosphat |
D-Glycerin- aldehyd- 3-phosphat |
Jedes der beiden resultierenden Glycerinaldehyd-3-phosphat-MolekĂŒle wird zu Beginn der Amortisierungsphase der Glykolyse durch eine Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase (GAPDH) oxidiert. Bei der Reaktion wird NAD+ zu NADH reduziert. Die Oxidation der Aldehydgruppe (GAP) zur Carboxygruppe ist energetisch sehr gĂŒnstig. Sie wird ausgenutzt, um anorganisches Phosphat mit der Carboxygruppe zu verknĂŒpfen. Es entsteht dadurch das gemischte SĂ€ureanhydrid 1,3-Bisphosphoglycerat (1,3-BPG). Das Gleichgewicht dieser Reaktion ist zwar auf Seiten des Eduktes GAP gegenĂŒber 1,3-BPG (10:1).[23] Durch die schnelle Umsetzung des Produktes wird aber die Einstellung des Gleichgewichts verhindert und stĂ€ndig 1,3-BPG gebildet, auĂerdem begĂŒnstigt eine hohe Konzentration an NAD+ gegenĂŒber NADH die Umsetzung in eine Richtung.
Ein in Erythrozyten vorhandener alternativer Nebenweg, vom 1,3-Bisphosphoglycerat zum 3-Phosphoglycerat, ist der ĂŒber das Intermediat 2,3-Bisphosphoglycerat verlaufende Rapoport-Luebering-Zyklus, dessen zentrales Enzym die trifunktionale Bisphosphoglyceratmutase ist.
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NAD+ NADH + Pi + H+ Glycerinaldehyd- 3-phosphat- Dehydrogenase |
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| D-Glycerinaldehyd-3-phosphat | D-1,3-Bisphosphoglycerat |
Im nĂ€chsten Schritt erzeugt die Phosphoglyceratkinase je ein MolekĂŒl ATP bei der Umwandlung von 1,3-Bisphosphoglycerat zu 3-Phosphoglycerat durch Ăbertragung eines Phosphatrests auf ADP. Die bei der vorangegangenen Oxidation frei gewordene Energie wird also konserviert, indem ATP aufgebaut wird. Die hier stattfindende Bildung von ATP aus ADP ist ein Beispiel der Substratphosphorylierung. Falls die Zelle bereits viel ATP (und damit wenig ADP) hat, hĂ€lt die Reaktion an dieser Stelle an, bis wieder genĂŒgend ADP zur VerfĂŒgung steht. Diese Feedbackregulation ist wichtig, da ATP relativ schnell zerfĂ€llt, wenn es nicht genutzt wird. Ăberproduktion von ATP wird somit verhindert.
Die Energiebilanz der Glykolyse ist an diesem Schritt ausgeglichen: zwei MolekĂŒle ATP wurden verbraucht und zwei wieder gewonnen
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Phospho- glycerat- kinase ADP ATP |
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| D-1,3-Bisphosphoglycerat | D-3-Phosphoglycerat |
Eine Kofaktor-unabhĂ€ngige Phosphoglyceratmutase (PGM) katalysiert dann die Umwandlung von 3-Phosphoglycerat zu 2-Phosphoglycerat. Bei dem Vorgang wird die Phosphatgruppe zwischenzeitlich auf einen AminosĂ€urerest des Enzyms ĂŒbertragen. In Erythrozyten wird diese Reaktion von einer Cofaktor-abhĂ€ngigen PGM katalysiert, bei der 2,3-Bisphosphogylcerat als Zwischenprodukt gebildet wird.
2-Phosphoglycerat wird dann mit Hilfe der Enolase zu Phosphoenolpyruvat (PEP) dehydratisiert. Daher nennt man das Enzym auch 2-Phosphoglycerat-Dehydratase. PEP ist eine phosphorylierte Verbindung mit einem sehr hohen GruppenĂŒbertragungspotential. Dies wird im letzten Schritt der Glykolyse genutzt, um ein weiteres MolekĂŒl ATP zu gewinnen. Hierbei katalysiert eine Pyruvatkinase (PK) unter ATP-Gewinn die Umsetzung von PEP zu Pyruvat (= Anion der BrenztraubensĂ€ure). Dabei entsteht jedoch nicht Pyruvat direkt, sondern das im Gleichgewicht stehende Enolpyruvat.[24] Bei pH 7 liegt das Gleichgewicht auf Seiten der Ketonform. Auch dieser Schritt ist ADP-reguliert, es ist die dritte, irreversible Reaktion im Verlauf der Glykolyse.
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Phospho- glycerat- Mutase |
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âH2O Enolase |
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ADP ATP Pyruvatkinase |
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| D-3-Phosphoglycerat | D-2-Phosphoglycerat | Phosphoenolpyruvat | Pyruvat |
Bei Phosphatmangel können Pflanzen PEP ohne ATP-Gewinn zu Pyruvat hydrolysieren, was in den Vakuolen stattfindet. Das beteiligte Enzym ist eine PEP-Phosphatase (EC 3.1.3.60), die anorganisches Phosphat freisetzt und damit dem Phosphatmangel entgegensteuert.[25]
In der Glykolyse werden pro Durchgang zwei MolekĂŒle NAD+ zu NADH reduziert. Meistens ist die zellulĂ€re Konzentration an NAD+ sehr niedrig, so dass es ohne eine Reoxidation schnell verbraucht wĂ€re. Infolgedessen muss NAD+ wieder regeneriert werden, da sonst die Glykolyse zum Erliegen kommt. Wie das geschieht, hĂ€ngt davon ab, ob anoxische oder oxische Bedingungen vorliegen. Zudem beeinflusst dies den weiteren Abbauweg des Pyruvates.
Unter oxischen Bedingungen wird Pyruvat im Pyruvatdehydrogenase-Komplex zu Acetyl-CoA oxidativ decarboxyliert. Hierbei entstehen ein MolekĂŒl Kohlenstoffdioxid und ein MolekĂŒl NADH. Acetyl-CoA tritt anschlieĂend in den Citratzyklus ein, in dem es vollstĂ€ndig zu zwei MolekĂŒlen Kohlenstoffdioxid oxidiert wird. Bei diesen Oxidationsschritten entstehen weitere MolekĂŒle NADH. Diese und die aus der Glykolyse stammenden werden schlieĂlich im Zuge der Atmungskette unter Verbrauch von Sauerstoff reoxidiert und somit steht NAD+ wieder der Glykolyse und dem Citratzyklus zur VerfĂŒgung. Gleichzeitig werden bei diesen Schritten weitere MolekĂŒle ATP gebildet. WĂ€hrend Prokaryoten etwa insgesamt 38 MolekĂŒle ATP je MolekĂŒl Glucose erzeugen können, hĂ€ngt die Bilanz bei Eukaryoten vom Weg ab, auf dem im Cytosol gebildetes NADH die Mitochondrienmembran passiert (Malat-Aspartat-Shuttle beziehungsweise Glycerin-3-phosphat-Shuttle).
In Eukaryoten findet der Citratzyklus in der Matrix des Mitochondriums, die Glykolyse hingegen im Cytosol statt. NAD+ und NADH können nicht frei durch die innere Membran des Mitochondriums diffundieren, auĂerdem fehlen spezielle Translokatoren. Der Austausch von NAD+ und NADH findet daher entweder durch den Malat-Aspartat-Shuttle oder den Glycerin-3-phosphat-Shuttle statt.
In der Literatur werden manchmal die Glykolyse und der Folgeabbau von Pyruvat zu Kohlenstoffdioxid durch die Prozesse des Citratzyklus und der Atmungskette fÀlschlicherweise als aerobe Glykolyse zusammengefasst. Die Glykolyse endet jedoch mit der Entstehung von Pyruvat und findet sowohl unter oxischen als auch anoxischen Bedingungen statt.
â siehe auch Hauptartikel alkoholische GĂ€rung, MilchsĂ€uregĂ€rung
Steht Sauerstoff nicht oder nur begrenzt zur VerfĂŒgung, kann Pyruvat reduktiv weiter umgesetzt werden, beispielsweise in der MilchsĂ€uregĂ€rung oder in der alkoholischen GĂ€rung. In der MilchsĂ€uregĂ€rung wird Pyruvat mit NADH zu L-Lactat reduziert, in der alkoholischen GĂ€rung wird es zu Ethanol decarboxyliert und reduziert. In beiden FĂ€llen wird NADH zu NAD+ oxidiert und liegt fĂŒr weitere Runden der Glykolyse bereit. In diesen GĂ€rungsschritten wird aber im Gegensatz zum aeroben Abbauweg kein ATP gebildet.
In der alkoholischen GĂ€rung bilden Hefen in zwei Reaktionsschritten aus Pyruvat Ethanol, welches durch zwei Enzyme, die Pyruvatdecarboxylase (EC 4.1.1.1) und die Alkoholdehydrogenase, katalysiert wird. Dabei wird das durch die Glykolyse angefallene NADH zu NAD+ reoxidiert. Andere Bakterien wie beispielsweise MilchsĂ€urebakterien oder auch Muskelzellen im Menschen betreiben die MilchsĂ€uregĂ€rung (vgl. auch Abbildung rechts). Hierbei wird Pyruvat durch eine Lactatdehydrogenase mittels NADH + H+ zu Lactat reduziert, wobei NAD+ entsteht, so dass die Glykolyse weiter ablaufen kann. Diese Reaktion ist sowohl unter Standardbedingungen als auch unter physiologischen Bedingungen stark exergonisch (ÎG0âČ = â25 kJ/mol beziehungsweise ÎG = â14,8 kJ/mol)[26]
Die (homofermentative) MilchsĂ€uregĂ€rung wird teilweise als anaerobe Glykolyse bezeichnet. Dies ist jedoch irrefĂŒhrend, da die Glykolyse mit dem Entstehen von Pyruvat endet und unter sowohl oxischen als auch anoxischen Bedingungen stattfindet.
| Schritt | Reaktion in der Glykolyse | ÎG0â [kJ/mol][27][26] | ÎG [kJ/mol][26] |
|---|---|---|---|
| 1 | Glucose + ATP â Glucose-6-P + ADP | â16,7 | â33,9 |
| 2 | Glucose-6-P â Fructose-6-P | +1,7 | â2,9 |
| 3 | Fructose-6-P + ATP â Fructose-1,6-bP + ADP | â14,2 | â18,8 |
| 4 | Fructose-1,6-bP â DHAP + G-3-P | +23,9 | â0,2 |
| 5 | DHAP â GAP | +7,6 | +2,4 |
| 6 | GAP + Pi + NAD+ â 1,3-Bis-P-glycerat + NADH + H+ | +6,3 | â1,3 |
| 7 | 1,3-Bis-P-glycerat + ADP â 3-P-glycerat + ATP | â18,9 | +0,1 |
| 8 | 3-Phosphoglycerat â 2-Phosphoglycerat | +4,4 | +0,8 |
| 9 | 2-P-glycerat â PEP + H2O | +7,5[27] beziehungsweise +1,8[26] | +1,1 |
| 10 | PEP + ADP â Pyruvat + ATP | â31,7 | â23,0 |
Die meisten Reaktionen der Glykolyse sind unter Standardbedingungen bei einem pH-Wert von 7 energetisch ungĂŒnstig. So ist hĂ€ufig die Ănderung der freien Enthalpie G0â positiv, so dass jene Reaktionen endergon sind und nicht ablaufen wĂŒrden (vgl. Tabelle ÎG0â-Werte). Die Glykolyse wĂŒrde bereits im vierten Schritt enden.
| Metabolit | Konzentration [mM][28] |
|---|---|
| Glucose | 5,0 |
| Glucose-6-P | 0,083 |
| Fructose-6-P | 0,014 |
| Fructose-1,6-bP | 0,031 |
| DHAP | 0,140 |
| GAP | 0,019 |
| 1,3-Bis-P-glycerat | 0,001 |
| 3-PG | 0,120 |
| 2-PG | 0,030 |
| PEP | 0,023 |
| Pyruvat | 0,051 |
| Pi | 0,001 |
DefinitionsgemÀà entspricht die Stoffmengenkonzentration der Reaktanten unter solchen Bedingungen jeweils 1 mol·lâ1. Dies kann aber nicht als Grundlage einer Berechnung dienen, da lebende Zellen solch hohe Konzentrationen nicht erzeugen beziehungsweise aufrechterhalten können. FĂŒr eine aussagekrĂ€ftige Beurteilung mĂŒsste man dagegen die tatsĂ€chlichen Stoffmengenkonzentrationen kennen. Misst man diese unter physiologischen Bedingungen, kann die Ănderung der freien Enthalpie G neu berechnet werden (vgl. Tabelle ÎG-Werte, Metabolitkonzentration).
FĂŒr die Berechnung dieser Werte bieten sich insbesondere Erythrozyten an.[29] Erythrozyten beziehen ihre gesamte Energie ausschlieĂlich aus der Glykolyse. Dabei finden auch alle ĂŒbrigen zellulĂ€ren Reaktionen im Cytoplasma statt, da sie weder ĂŒber Mitochondrien, einen Zellkern noch ein endoplasmatisches Retikulum verfĂŒgen. Dies erleichtert auĂerdem die Trennung der Zellbestandteile. Ohne Mitochondrien finden auch keine Reaktionen der Atmungskette und des Citratzyklus statt. Eine Quantifizierung der daran beteiligten Coenzyme wĂ€re sonst erheblich erschwert. SchlieĂlich nimmt der Pentosephosphatweg nur einen geringen Anteil am Stoffwechsel von Erythrozyten ein, es erfolgt auch keine Protein- und keine Lipidbiosynthese. Damit können die glykolytischen Zwischenprodukte leicht isoliert und bestimmt werden.
1965 wurden die Stoffmengenkonzentrationen (steady state) glykolytischer Intermediate aus menschlichen Erythrozyten bestimmt (vgl. Tabelle rechts).[30] Es ergab sich, dass gewisse Intermediate in sehr niedrigen Konzentrationen vorliegen.[31] Unter BerĂŒcksichtigung dieser Konzentrationen Ă€ndert sich die Gleichgewichtslage der korrespondierenden Reaktionen derart, dass unter physiologischen Bedingungen die gesamte Glykolyse bis auf drei Reaktionen reversibel verlĂ€uft (ÎG ungefĂ€hr 0 kJ·molâ1).
Bei jenen Reaktionen bleibt die Stoffmengenkonzentration deswegen so niedrig, weil die erzeugten Produkte schnell umgesetzt und abschlieĂend durch irreverbibe Reaktionen dem System entzogen werden. Diese drei irreversiblen Reaktionen werden von den SchlĂŒsselenzymen Glucokinase beziehungsweise Hexokinase, Phosphofructokinase 1 sowie Pyruvatkinase katalysiert. Durch die schnelle, irreversible Umsetzung mittels eines der SchlĂŒsselenzyme werden die Stoffmengenkonzentrationen der vorher erzeugten Produkte ausreichend abgesenkt â die Glykolyse kann in eine Richtung ablaufen.
Bei der Berechnung der Gleichgewichtslage unter physiologischen Bedingungen ergeben sich fĂŒr manche Reaktionen kleine, aber dennoch positive ÎG-Werte, beispielsweise bei der Isomerisieruug von 3-Phosphoglycerat zu 2-Phosphoglycerat (ÎG = +1,1 kJ·molâ1). Streng genommen können diese Werte nicht ganz stimmen, da die VorwĂ€rtsreaktion nur bei negativen ÎG-Werten stattfinden kann. Da die Glykolyse aber stattfindet, nimmt man an, dass fĂŒr diesen Widerspruch Messfehler bei der Bestimmung der Stoffmengenkonzentrationen verantwortlich sind.[32]
Aus dem Vorhandensein dreier Kontrollpunkte ergeben sich zwei Konsequenzen. Erstens kann die Glykolyse an jenen Stellen effektiv reguliert werden, so dass sie abhÀngig vom Energiestatus der Zelle schnell an- beziehungsweise abgeschaltet werden kann. Zweitens ermöglicht die vorliegende Gleichgewichtslage auch die Umkehrreaktion der Glykolyse, die Gluconeogenese. Bis auf drei Enzyme werden hierbei alle Enzyme der Glykolyse verwendet.
Unter Standardbedingungen wird bei der Umsetzung von D-Glucose zu zwei MolekĂŒlen Lactat 183,6 kJ/mol Energie frei (ÎG0â = â183,6 kJ/mol):
FĂŒr den Aufbau von zwei MolekĂŒlen ATP aus jeweils zwei MolekĂŒlen ADP sowie anorganischem Phosphat (Pi) werden 61,0 kJ/mol benötigt:
Da die Glykolyse diese zwei Reaktionen durch Substratkettenphosphorylierung koppelt, wird somit eine Energie von 122,6 kJ·mol/mol frei:
ÎG0â = (â183,6 + 61) kJ·molâ1 = â122,6 kJ·molâ1
Unter Standardbedingungen werden beim anaeroben Abbau von Glucose zu Lactat damit 33 % der verfĂŒgbaren Energie genutzt, um zwei MolekĂŒle ATP aufzubauen. Da unter physiologischen Bedingungen etwa 50 kJ·molâ1 fĂŒr den Aufbau von ATP benötigt werden, ist die Energieausbeute auch etwas höher, etwa 50 %.[33]
Die Glykolyse dient der Bereitstellung von Energie, insbesondere wenn das entstehende Pyruvat unter aeroben Bedingungen weiter abgebaut wird. Liegt dagegen ein energetisch gĂŒnstiger Zustand vor, wird Glucose gespeichert und im Zuge des Anabolismus unter Energieverbrauch in andere Metabolite umgewandelt.
Die Regulation der Glykolyse ist daher von entscheidender Bedeutung. Sie sollte beispielsweise nicht parallel zu deren Umkehrreaktion, der Gluconeogenese, ablaufen. In so einem Falle spricht man von einem âLeerlaufprozessâ, der sinnlos ATP verbraucht und damit unproduktiv ist. Als Ausnahme sei die WĂ€rmeerzeugung in Hummeln erwĂ€hnenswert, die durch beabsichtigte, gegenlĂ€ufige Phosphorylierung und Dephosphorylierung von Fructose-6-phosphat zu Fructose-1,6-bisphosphat und umgekehrt WĂ€rme erzeugen.[34]
Biochemisch betrachtet werden irreversible Reaktionen kontrolliert. Unter physiologischen Bedingungen gibt es drei Reaktionen in der Glykolyse, die irreversibel sind. Sie werden von der Hexo- beziehungsweise Glucokinase, von der Phosphofructokinase-1 und der Pyruvatkinase katalysiert und sind damit Ziel einer Regulation.
Die Hexokinase ist das erste Enzym in der Glykolyse, dessen AktivitÀt reguliert wird. Es phosphoryliert unter ATP-Verbrauch Glucose zu Glucose-6-phosphat (G6P), kann aber auch andere Hexosen als Substrat verwenden. G6P ist das Endprodukt der Hexokinasereaktion und inhibiert als solches das Enzym allosterisch.[35]
Das in der Leber vorkommende Isoenzym der Hexokinase, die Glucokinase, wird nicht durch das Produkt G6P inhibiert. Im Gegensatz zur Hexokinase zeigt es auch einen höheren KM-Wert. Daher löst die Glucokinase erst bei sehr hohen Glucosekonzentrationen die Hexokinase ab. Unter diesen Bedingungen wird G6P durch nachfolgende Schritte aber als Glykogen gespeichert und nicht in der Glykolyse abgebaut, denn G6P wird auch fĂŒr andere Stoffwechselwege abgezweigt. Die Leber fungiert daher als Homöostat des Blutzuckerspiegels, da sie diesen durch den Auf- beziehungsweise Abbau von Glucose aufrechterhĂ€lt.[36]
Ein leberspezifisches, regulatorisches Protein kann reversibel an die Glucokinase binden und sie dadurch hemmen. Das Binden dieses Regulators an die Glucokinase findet im Zellkern statt, so dass die gehemmte Glucokinase dort inaktiv verbleibt und nicht durch andere cytosolische Effektoren beeinflusst werden kann. Diese Bindung wird dann verstĂ€rkt, falls das Enzym allosterisch durch Fructose-6-phosphat modifiziert wurde. Dagegen bewirkt Glucose ein Ablösen dieses Leberproteins. Bei einer hohen Blutzuckerkonzentration dominiert Glucose, so dass die Dissoziation des Regulators ermöglicht und Glucose zu Glucose-6-phosphat phosphoryliert wird. Sinkt der Blutzuckerspiegel aber zu sehr ab (unter 5 mmol·lâ1), erfolgt die Hemmung der Glucokinase â vermittelt durch Fructose-6-phosphat. Glucose wird nicht mehr phosphoryliert und kann die Leber wieder verlassen, um anderen Organen zur VerfĂŒgung zu stehen.[36]
SchlieĂlich wird die Glucokinase auf Ebene der Transkription reguliert.[35] Hierbei beeinflusst das Hormon Insulin die Menge an Glucokinase in der Leber. Eine Stoffwechselstörung liegt bei Patienten mit Diabetes mellitus vor, da sie Insulin nicht ausreichend herstellen können. Bei ihnen ist die Menge an Glucokinase zu niedrig, sie tolerieren nicht eine hohe Blutzuckerkonzentration und weisen nur wenig Glucokinase in der Leber auf.
Der wichtigste Kontrollpunkt der Glykolyse ist die Phosphorylierung von Frc-6-P zu Frc1,6-bP durch die Phosphofructokinase-1 (PFK-1). Er stellt den ersten wirklichen glykolysespezifischen Schritt dar und ist unter physiologischen Bedingungen irreversibel.[37] Das Enzym weist zwei Bindungsstellen fĂŒr ATP auf. Neben einer hochaffinen Substratbindestelle verfĂŒgt die PFK-1 auch ĂŒber eine regulatorische Seite. So kann ATP sowohl als Substrat dienen, als auch die PFK-1 allosterisch hemmen. Bei ausreichend hohen ATP-Konzentrationen wird der KM-Wert des Enzyms erhöht. Dies senkt die AktivitĂ€t der PFK-1, so dass die Glykolyse gedrosselt wird. Dennoch schwanken die ATP-Konzentrationen einer Zelle nur geringfĂŒgig, so dass ATP alleine nicht ausreichend wĂ€re fĂŒr eine genaue Regulation. Daher hĂ€ngt die AktivitĂ€t der PFK-1 auch von der AMP-Konzentration ab und spiegelt die energetische Versorgung der Zelle wider. Falls diese ausreichend hoch ist, wird das Enzym gehemmt, andernfalls wird die AktivitĂ€t der PFK-1 erhöht, um mehr ATP zu bilden.
Auch Citrat inhibiert die PFK-1 allosterisch. Citrat ist ein SchlĂŒsselmetabolit des Citratzyklus, dessen primĂ€rer Zweck die Erzeugung von Energie unter aeroben Bedingungen ist. Alternativ können aus dem Citratzyklus verschiedene VorlĂ€ufermolekĂŒle entnommen werden. Falls viel Citrat vorliegt, ist der Citratzyklus gesĂ€ttigt. Daher inhibiert Citrat die PFK-1 im Sinne einer Endprodukthemmung, so dass die Glykolyse den Citratzyklus weniger stark speist.
Die AktivitÀt der Phosphofructokinase-1 wird auch durch den pH-Wert beeinflusst. Ein niedriger pH-Wert hemmt das Enzym und drosselt die Glykolyse. Dies passiert beispielsweise bei starker Muskelbeanspruchung, bei der viel Lactat entsteht. Dieses senkt den pH-Wert in den Zellen.[38]
SchlieĂlich wird PFK-1 in mikromolaren Konzentrationen durch ÎČ-D-Fructose-2,6-bisphosphat (F-2,6-bP) allosterisch aktiviert.[38] Durch F-2,6-bP wird damit die Glykolyse gefördert, wĂ€hrend sie die Fructose-1,6-bisphosphatase inhibiert. Dies ist das Enzym, das an dieser Stelle die RĂŒckreaktion in der Gluconeogenese katalysiert. Unter physiologischen Bedingungen verbleibt das Enzym ohne F-2,6-bP in einem praktisch inaktiven Zustand.[36] Nach Binden von F-2,6-bP an PFK-1 wird auch die AffinitĂ€t der beiden Inhibitoren ATP und Citrat reduziert.
In Bakterien kommt Fructose-2,6-bisphosphat als Aktivator der PFK-1 nicht vor.[38]
Der letzte Schritt in der Glykolyse ist irreversibel und wird von der Pyruvatkinase (PK) katalysiert. Diese wird zwar auch reguliert, aber im Gegensatz zu den anderen beiden Enzymen in vergleichsweise untergeordneter Weise. Fructose-1,6-bisphosphat und AMP stimulieren die PK, wĂ€hrend ATP, Acetyl-CoA und L-Alanin diese allosterisch hemmen. Das in der Leber und Darm vorherrschende Isoenzym (L-Form) kann im Gegensatz zu der im Muskel vorkommenden M-Form zusĂ€tzlich durch die Proteinkinase A phosphoryliert werden. Die AktivitĂ€t der Proteinkinase A wird hormonell durch Glukagon vermittelt. In phosphorylierter Form wird dieses Isoenzym dann vergleichsweise stĂ€rker durch ATP und Alanin inhibiert als die unmodifizierte PK.[39] Dies soll ein Abbau von Glucose in der Leber verlangsamen, damit dieses eher fĂŒr andere Organe zur VerfĂŒgung steht. Die Dephosphorylierung wird durch eine Phosphatase katalysiert.
Die Enolase wird durch Fluorid inhibiert.[40] Iodacetat hemmt die Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase, die Glycerinaldehyd-3-phosphat mit einem anorganischen Phosphat und unter Beteiligung von NAD+ zu 1,3-Bisphosphoglycerat oxidiert. Es modifiziert dabei eine SH-Gruppe des Enzyms, deshalb kann durch Zugabe von Mercaptanen diese Hemmung wieder aufgehoben werden.
Arsenat, HAsO42â, Ă€hnelt anorganischem Phosphat HPO42â und wird an seiner Stelle durch die Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase umgesetzt. Dadurch entsteht aus Glycerinaldehyd-3-phosphat somit 1-Arseno-3-phosphoglycerat (vgl. Abbildung). Im Gegensatz zu 1,3-Bisphosphoglycerat ist diese Arsenatverbindung wie jedes andere Acylarsenat sehr instabil, es zerfĂ€llt zu 3-Phosphoglycerat. Infolgedessen kann die Energie der Oxidation nicht mehr durch Substratkettenphosphorylierung nutzbar gemacht werden. Es entfĂ€llt ein Schritt der ATP-Bildung in der Glykolyse, die zwar weiterhin ablĂ€uft, aber netto kein ATP mehr liefert. Da Arsenat nicht verbraucht wird, wirkt es bereits in katalytischen Mengen. Harden und Young hatten die Wirkung Arsenats auf die Glykolyse Anfang des 20. Jahrhunderts mittels Hefeextrakten demonstriert.[41]
Neben D-Glucose können auch andere Metabolite in der Glykolyse eintreten, sofern sie in eines der darin vorkommenden Zwischenprodukte umgewandelt werden können. Pentosen und Tetrosen werden dabei in der Regel durch den Pentosephosphatweg zu Glycerinaldehyd-3-phosphat beziehungsweise Fructose-6-phosphat umgewandelt und können dann weiter umgesetzt werden.
Auch die Abbauwege der Di- oder Polysacchariden mĂŒnden in die Glykolyse ein. So wird zum Beispiel Saccharose in Glucose und Fructose gespalten. Wie Fructose weiter umgesetzt wird, wird weiter unten beschrieben. Beim Abbau von Milchzucker entstehen D-Glucose und D-Galactose, letzteres wird schlieĂlich auch in Glucose umgewandelt und findet seinen Abbauweg in der Glykolyse.
Aus Vielfachzucker entstehen durch enzymatische Reaktionen einzelne Monosaccharide, die gegebenenfalls nach Isomerisierung zu Glucose-6-phosphat oder Fructose-6-phosphat direkt in den glykolytischen Abbauweg einflieĂen können. Ein bekanntes Beispiel ist der Speicherstoff Glykogen. Aus ihm wird durch eine Glycogenphosphorylase Glucose-1-phosphat, welches dann zu Glucose-6-phosphat isomerisiert wird.
Glycerin entsteht beim Abbau von Triglyceriden und kann als Vorstufe der Glykolyse beziehungsweise Gluconeogenese dienen. Eine cytosolische Glycerinkinase phosphoryliert Glycerin unter ATP-Verbrauch zu Glycerin-3-phosphat, welches dann zu Dihydroxyacetonphosphat oxidiert wird. Entweder wird dies von einer cytosolischen Glycerin-3-phosphat-Dehydrogenase (cGDH) oder einem membranstÀndigen Isoenzym im Mitochondrium (mGDH) katalysiert. Bei ersterer wird NAD+, bei letzterer Ubichinon reduziert.
Bei der Spaltung des Disaccharids Saccharose werden Glucose und Fructose freigesetzt. Fructose wird bei höheren Tieren in der Leber zu Fructose-1-phosphat phosphoryliert, was durch eine Fructokinase (Ketohexokinase, FK) unter ATP-Verbrauch katalysiert wird. AnschlieĂend spaltet die Aldolase B (Fructose-1-phosphat-Aldolase, ALD-B) Fructose-1-phosphat in Dihydroxyacetonphosphat (DHAP) und Glycerinaldehyd. DHAP beziehungsweise Glycerinaldehyd werden beide in Glycerinaldehyd-3-phosphat umgewandelt. Dies katalysieren eine weiter oben beschriebene Triosephosphatisomerase (TPI) beziehungsweise eine Triosekinase (TK) unter ATP-Verbrauch. Fehlt die Fructokinase, fĂŒhrt dies bei höheren Tieren zu einer Fructosurie, einer autosomal-rezessiven Erbkrankheit.[42]
In anderen Organen kann auch die Hexokinase die Funktion der Fructokinase ĂŒbernehmen, um Fructose zu phosphorylieren. Ihre AffinitĂ€t zur Glucose gegenĂŒber der Fructose ist aber wesentlich höher (95 % Glucose, 5 % Fructose).
D-Mannose ist Bestandteil verschiedener Glykoproteine und Polysaccharide. Um in die Glykolyse eintreten zu können, wird Mannose zunĂ€chst durch eine Hexokinase zu Mannose-6-phosphat unter ATP-Verbrauch phosphoryliert. Dieses wird schlieĂlich zu Fructose-6-phosphat isomerisiert, was durch Mannose-6-phosphat-Isomerase (auch Phosphomannoseisomerase, EC 5.3.1.8) katalysiert wird.
Sorbit kann im Polyolweg zu Glucose beziehungsweise Fructose oxidiert werden.
Nach Spaltung von Milchzucker werden D-Glucose und D-Galactose freigesetzt. Um Galactose in sein C4-Epimer Glucose zu ĂŒberfĂŒhren, wird der Zucker zunĂ€chst durch eine Galactokinase (GK) unter Verbrauch von ATP zu Galactose-1-phosphat umgesetzt. Eine Galactose-1-phosphat-Uridyltransferase (GALT) katalysiert nun einen Austausch von UDP-gebundener Glucose mit Galactose. Hierbei entstehen Glucose-1-phosphat und UDP-Galactose. WĂ€hrend Glucose-1-phosphat durch eine Phosphoglucomutase (PGM) zu Glucose-6-phosphat isomerisiert wird, epimerisiert eine UDP-Glucose-4-Epimerase (UGE) UDP-Galactose zu UDP-Glucose.
Ein Defekt der Galactokinase Ă€uĂert sich der Stoffwechselkrankheit GalaktosĂ€mie.
Bei grĂŒnen Pflanzen gibt es einige Variationen in der Glykolyse verglichen mit der bei Tieren.[43] Diese werden im Folgenden beschrieben.
Es ist bekannt, dass in Pflanzen die Glykolyse nicht nur im Cytoplasma, sondern auch in den Plastiden der Zelle unabhĂ€ngig voneinander betrieben wird. Nicht immer lĂ€uft sie dort jedoch vollstĂ€ndig ab, da hĂ€ufig Enzyme der Amortisierungsphase fehlen, beispielsweise die Enolase oder die Phosphoglyceratmutase. Durch hochspezifische Translokatoren können Intermediate von einem zum anderen Zellkompartiment transportiert werden, um so alle Reaktionsschritte der Glykolyse zu vervollstĂ€ndigen. Im Cytosol vieler einzelliger GrĂŒnalgen fehlen die cytosolischen Enzyme fĂŒr die Glykolyse, so dass diese in den Chloroplasten vollstĂ€ndig ablĂ€uft.
GrĂŒne Pflanzen nutzen die Glykolyse in den Plastiden, um in der Dunkelheit oder in nicht-photosynthetischem Gewebe StĂ€rke zu Pyruvat unter ATP- und NADH-Gewinn abzubauen. AuĂerdem stellen sie dadurch verschiedene VorlĂ€ufermolekĂŒle zum Aufbau anderer Produkte bereit, beispielsweise fĂŒr die FettsĂ€uresynthese.
FĂŒr das parallele Betreiben der Glykolyse sowohl im Cytoplasma als auch in den Plastiden werden Isoenzyme benötigt. So gibt es beispielsweise eine Pyrvatkinase, die sich im Cytoplasma befindet, als auch eine, die im Plastid die analoge Reaktion katalysiert. Alle Isoenzyme werden im Genom der Pflanze kodiert. Die plastidĂ€ren Vertreter werden im Cytoplasma der Pflanzenzelle translatiert und anschlieĂend in das Organell transportiert. Es ist noch unklar, ob die Isoenzyme durch Genduplikation aus einem VorlĂ€ufergen entstanden sind. Möglich wĂ€re auch ein horizontaler Gentransfer aus dem Genom eines prokaryotischen Symbionten (Endosymbiontentheorie).
Eine weitere Besonderheit ist das Verwenden von Pyrophosphat (PPi) anstatt ATP als Phosphatdonor bei den ersten glykolytischen Reaktionen. Dies wurde ebenso in einigen Bakterien beobachtet. Normalerweise wird Pyrophosphat durch eine Pyrophosphatase (PPiase, EC 3.6.1.1) zu zwei MolekĂŒlen Phosphat hydrolysiert. Der Zweck dieser Hydrolyse ist es, biochemische Reaktionen unter physiologischen Bedingungen irreversibel zu machen. Man spricht umgangssprachlich davon, dass durch diese Hydrolyse die Reaktion auf eine Seite âgezogenâ wird. Die ErklĂ€rung dafĂŒr ist, dass die Hydrolyse exergonisch ist, dabei also Energie freigesetzt wird:
Im Cytosol der Pflanzen kommt die PPiase nicht vor, so dass dort eine Pyrophosphatkonzentration von bis zu 0,3 mmol/L entstehen kann. Die 1979 entdeckte Pyrophosphat-abhĂ€ngige Phosphofructokinase (PFP, EC 2.7.1.90) nutzt das Pyrophosphat fĂŒr die Phosphorylierung von Fructose-6-phosphat zu Fructose-1,6-bisphosphat. Diese Reaktion ist auĂerdem reversibel und könnte auch fĂŒr den umgekehrten Weg, die Gluconeogenese, verwendet werden. PFP wird wie PFK-1 durch Fructose-2,6-bisphosphat reguliert.
Pflanzen nutzen PEP aus der Glykolyse in unterschiedlicher Weise (vgl. Abbildung rechts). Im klassischen, glykolytischen Abbauweg ist die Nutzung PEPs beschrĂ€nkt: Eine Pyrvuatkinase (PK) nutzt PEP als Substrat zur direkten Bildung von Pyruvat. Durch Substratkettenphosphorylierung wird dabei ATP erzeugt. In Pflanzen dient PEP darĂŒber hinaus auch als Substrat fĂŒr eine PEP-Carboxykinase (PEPC), was insbesondere in Pflanzen mit C4- beziehungsweise Crassulaceen-SĂ€urestoffwechsel wichtig ist. Aus PEP und Hydrogencarbonat entsteht hierbei Oxalacetat, ein Intermediat des Citratzyklus. Oxalacetat wird dann durch eine cytosolische Malatdehydrogenase (MDH) zu L-Malat reduziert. L-Malat wird dann in verschiedene Organellen transportiert. Im Mitochondrium kann es durch ein mitochondrielles, NAD+-abhĂ€ngiges Malatenzym (ME) zu Pyruvat decarboxyliert werden. Dies ist eine Umgehungsreaktion der Pyruvatkinase, bei der aber kein ATP erzeugt wird, dafĂŒr aber bei einem Phosphatmangel nĂŒtzlich ist. Denn so wird das in PEP gebundene Phosphat wieder freigesetzt und steht der Pflanze fĂŒr andere Reaktionen zur VerfĂŒgung. In den Wurzeln der Erbse wurde diese Umgehung nachgewiesen.
Aus durch PEPC und MDH erzeugtem L-Malat kann ein plastidĂ€res, NADP-abhĂ€ngiges Malatenzym Pyruvat erzeugen. Pyruvat wird dort fĂŒr die FettsĂ€uresynthese benötigt oder wird zurĂŒck ins Cytosol transportiert. Auch dadurch wird die Reaktion der Pyruvatkinase umgangen, was unter Phosphatmangel vorteilhaft ist.
Unter Phosphatmangel kann auch eine PEP-Phosphatase (PEPase, EC 3.1.3.60) wertvolles Phosphat freisetzen. Hierbei wird PEP in die Vakuole transportiert und dort von einer PEPase zu Pyruvat hydrolyisiert. Pyruvat und Phosphat werden dann ins Cytoplasma zurĂŒcktransportiert. Wenn kein Phosphatmangel vorliegt, wird die PEPase durch eine ausreichend hohe Pi-Konzentration inhibiert.
SchlieĂlich gibt es auch eine cytosolische, phosphatunabhĂ€ngige GADH (EC 1.2.1.9), die Glycerinaldehyd direkt zu 3-Phosphoglycerat oxidiert. Dabei entsteht nur NADPH, aber kein ATP.
Bei der Regulation der an der Glykolyse beteiligten Enzyme gibt es einige wichtige Unterschiede zu der bei Tieren.[43] So ist PEP ein besonderer allosterischer Effektor, das im Gegensatz zum Ablauf in Tieren die PFK inhibieren kann. Fructose-1,6-bisphosphat dagegen kann nicht die Pyruvatkinase aktivieren. WĂ€hrend Fructose-2,6-bisphosphat in Tieren die PFK aktiviert, geschieht nichts dergleichen in Pflanzen.
Damit wird die Glykolyse in grĂŒnen Pflanzen in erster Linie durch die AktivitĂ€ten der Pyruvatkinase und PEP-Carboxykinase reguliert, in zweiter Linie durch die PFK-1 beziehungsweise PFP. Bei Tieren ist es prinzipiell umgekehrt.
Bei den zuckerabbauenden Archaeen werden Kohlenhydrate auf unterschiedliche Weise abgebaut. In hyperthermophilen und thermophilen Aerobiern, beispielsweise Thermoplasma acidophilum oder Sulfolobus solfataricus, wird Glucose ĂŒber eine Variante des Entner-Doudoroff-Weg (ED-Weg) zu Pyrvuat umgesetzt. Dagegen verwerten hyperthermophile, gĂ€rende Anaerobier wie Pyrococcus furiosus, Desulfurococcus amylolyticus, Pyrobaculum aerophilum (ein Mikroaerobier), der Sulfatreduzierer Archaeoglobus fulgidus sowie Vertreter der Gattung Thermococcus Kohlenhydrate in einen modifizierten EMP-Weg.[45]
Die darin vorkommenden Metabolite gleichen zwar denen der Glykolyse von Eukaryoten und Bakterien, jedoch werden hierfĂŒr Enzyme verwendet, die keine Ăhnlichkeiten mit denen von Bakterien oder Eukaryoten aufweisen. So findet man in Archaeen ADP- anstatt ATP-abhĂ€ngige Kinasen, beispielsweise die Glucokinase (EC 2.7.1.147) oder die Phosphofructokinase (EC 2.7.1.146). Im Gegensatz zu Bakterien verfĂŒgen sie nicht ĂŒber ein PEP-abhĂ€ngiges Zuckertransportsystem. Der letzte Schritt in der Glykolyse, die Umsetzung von PEP zu Pyruvat, kann neben der PK auch durch eine Pyruvat-Phosphat-Dikinase (PPDK, EC 2.7.9.1) erfolgen. Dieses Enzym katalysiert die reversible Umwandlung von PEP, AMP und PPi zu Pyruvat, ATP und Pi, wenngleich in Thermoproteus tenax die Bildung von Pyruvat bevorzugt wird.[46]T. tenax ist ein anaerob lebendes, fakultatives, heterotrophes Archeon der Abteilung Crenarchaeota. PPDK wurde auch in Bakterien und Eukaryoten nachgewiesen.
Ein wichtiger Unterschied besteht bei der Oxidation von Glycerinaldehyd-3-phosphat. Dieses wird entweder von einer NAD(P)+-abhÀngigen (GAPN) oder einer Ferredoxin-abhÀngigen Dehydrogenase (GAPOR) direkt zu 3-Phosophoglycerat oxidiert, ohne aber dabei anorganisches Phosphat einzubauen.[22] Daher wird bei diesem Schritt kein ATP durch Substratkettenphosphorylierung gebildet, so dass bei den meisten Archaeen durch diese modifizierte Glykolyse formal kein ATP gewonnen wird. Der am besten untersuchte Glykolysestoffwechselweg in Archaeen ist der von P. furiosus. Dort betrÀgt die Nettoreaktion:
Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die fehlende allosterische Regulation der SchlĂŒsselenzyme mit den Effektoren, die fĂŒr Bakterien beziehungsweise Eukaryoten weiter oben beschrieben wurde. In T. tenax gibt es zumindest Hinweise darauf, dass die GAPN durch AMP, Glucose-1-phosphat, Fructose-6-phosphat, Fructose-1-phosphat, ADP und Ribose-5-phosphat allosterisch aktiviert wird, wĂ€hrend NAD(P)H, NADP+ und ATP das Enzym hemmen. Möglicherweise findet auch eine Regulation auf Ebene der Transkription statt, wie bei der in T. tenax vorkommenden GAPDH.[47]
Die Glykolyse ist in den meisten Bakterien und Eukaryoten vertreten, in etwas abgewandelter Form auch bei Archaeen und hyperthermophilen Bakterien. Dies lĂ€sst darauf schlieĂen, dass die Glykolyse sich sehr frĂŒh im Laufe der Evolution etabliert hatte und bereits in den ersten Organismen vertreten war. Durch phylogenetische Vergleiche mit thermophilen und hyperthermophilen Mikroorganismen vermutet man, dass der EMP-Weg nach dem ED-Weg entstanden ist. AuĂerdem lag wahrscheinlich die ursprĂŒngliche Bedeutung des EMP-Weges nicht im Abbau von Kohlenhydraten, sondern er lief umgekehrt als Gluconeogenese zum Aufbau von Glucose ab.[48][49] Dies stĂŒtzt auch die Theorie, dass Stoffwechselwege fĂŒr den Aufbau von Kohlenhydraten in der Evolution frĂŒher aufgetreten sind als solche, die Kohlenhydrate abbauen; so ist die âheutigeâ Gluconeogenese bei den Organismen aller drei DomĂ€nen weiter verbreitet als die Glykolyse.
Die Enzyme des unteren Zweiges der Glykolyse (Amortisierungsphase) katalysieren gröĂtenteils Reaktionen, die reversibel ablaufen und am höchsten konserviert sind.[22] AuĂerdem kommen sie auch in dem phylogenetisch Ă€lteren ED-Weg vor. Wahrscheinlich waren sie â wie auch andere Stoffwechselwege â schon vor der Auftrennung der drei DomĂ€nen der Lebewesen vorhanden und zĂ€hlen daher zu den Ă€ltesten Enzymen. Wegen ihrer essentiellen Bedeutung konnten sie weder verloren gehen noch im Laufe der Zeit durch andere Enzyme ersetzt werden. Die Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase ist unter allen glykolytischen Enzymen am höchsten konserviert, lediglich 3 % der katalytischen DomĂ€ne haben sich in 100 Millionen Jahren verĂ€ndert.
Der obere Zweig der Glykolyse (Vorbereitungsphase) hat sich vermutlich spĂ€ter etabliert. WĂ€hrend die darin involvierten Enzyme in Bakterien und Eukaryoten hohe Homologien aufweisen, sind die in Archaeen vorkommenden Enzyme dagegen einzigartig. Es wird noch diskutiert, ob ursprĂŒnglich Enzyme fĂŒr den ersten Teil der Glykolyse bei Archaeen verloren gingen und erst spĂ€ter durch horizontalen Gentransfer wieder eingefĂŒhrt wurden. Alternativ könnten auch Enzyme mit Ă€hnlicher Funktionen fĂŒr die ursprĂŒngliche Glykolyse herangezogen worden sein, welche danach starken Modifikationen und SequenzĂ€nderungen unterlagen. In beiden FĂ€llen könnte dies erklĂ€ren, warum sich die glykolytischen Enzyme in Archaeen so sehr von denen anderer Organismen unterscheiden.
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Dieser Artikel wurde am 21. Juli 2010 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |