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Mit dem Kofferwort Greeklish (griechisch auch Griklis Γκρίκλις, aus engl. Greek ‚griechisch‘ und English ‚englisch‘) wird die lateinschriftliche Transkription bzw. Transliteration des Griechischen in der Internet- und Handy-Kommunikation bezeichnet. Der Begriff umfasst auch den dazugehörigen Netzjargon, also die sprachlichen Eigenheiten dieser Kommunikationsform. Weitere Namen für das Greeklish sind engl. Grenglish und ASCII Greek sowie griech. Latinoellinika (Λατινοελληνικά ‚Latinogriechisch‘) und Frangolevandinika (Φραγκολεβαντίνικα, eigentlich ‚Frankolevantinisch‘, etwa im Sinne von ‚westöstlich‘).
Greeklish wird gewöhnlich im Internet in der griechischsprachigen Kommunikation via E-Mail, IRC und Instant Messaging sowie für den SMS-Verkehr mit Mobiltelefonen verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff Frangolevandinika bezeichnete eigentlich den Gebrauch der Lateinschrift ab der frühen Neuzeit für das Griechische im Bereich der venezianischen, katholisch geprägten Herrschaft über einige Teile Griechenlands. Das Wort frangos (φράγκος ‚fränkisch‘) ist im Griechischen ein Synonym für ‚westeuropäisch‘ und im engeren Sinne für ‚römisch-katholisch‘, als Levante bezeichnete die Republik Venedig ihre Besitzungen im östlichen Mittelmeer. Dies folgte einer allgemeinen Tendenz zur Verwendung von Schriften nach der religiösen Konfession, so der griechischen und arabischen für das Albanische je nach orthodoxem bzw. islamischem Glauben oder der griechischen für das Türkisch der Karamanlı. Einige griechische Literatur der frühen Neuzeit liegt in lateinschriftlichen Manuskripten vor (so die Komödie Fortounatos von Markos Antonios Foskolos, 1655). Das lateinisch geschriebene Griechisch wurde im 19. Jahrhundert auch als frangochiotika (φραγκοχιώτικα ‚frankochiotisch‘, nach der von Chios ausgehenden katholischen Mission in der Ägäis) oder als frangovlachika (φραγκοβλάχικα ‚frankowalachisch‘, nach den romanischsprachigen Walachen) bezeichnet.
Im Rahmen der Diskussion über eine (nie erfolgte) griechische Orthographie-Reform nach phonetischen Prinzipien zur Bekämpfung der „Plage der Illiteralität“ wurde um 1930 von einigen Autoren für das Griechische die Lateinschrift vorgeschlagen, die Verwechslungen mit der bisher gültigen altgriechischen Orthographie vermeiden, Kosten in der literarischen Produktion verringern und nicht zuletzt symbolisch eine Angleichung an die westliche Zivilisation manifestieren sollte. Dabei wurde Gegenargumenten, die einen Verlust der kulturellen Identität des Griechischen befürchteten, mit dem Hinweis auf die erfolgreich durchgeführte Umstellung des Türkischen auf die Lateinschrift begegnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde latinisiertes Griechisch spärlich, in internationalen Telegrammen und im Bankverkehr, angeblich auch im Nationalen griechischen Wetterdienst (Ethniki Meteorologiki Ypiresia, ΕΜΥ) gebraucht.
Mit dem Aufkommen der Computer im privaten Bereich in den 1960er Jahren, die nur über den englischen 7-Bit-ASCII-Schriftsatz zur Darstellung des Englischen verfügten, wurde das Greeklish praktisch neu erfunden. Im frühen Internet der 1980er Jahre wurde das Greeklish zur Darstellung des Griechischen weiter verbreitet und in den 1990er Jahren schnell sehr populär. Nachdem zum Ende des Jahrhunderts die meisten Anwendungen im Computer-Bereich mittels Unicode die griechische Schrift unterstützten, hielt es sich jedoch aufgrund der leichten und schnellen Anwendbarkeit und der hier weitgehend vernachlässigbaren Orthographie und entwickelte sich zu einer Art griechischem Netzjargon.
Seit der weiteren Verbreitung des Greeklish im Internet war es Gegenstand der öffentlichen Diskussion in Griechenland. 1996 titelte das Typographie-Magazin acro: „Etsi tha grafetai i glossa mas apo do ke bros?“ („Wird man von nun an unsere Sprache so schreiben?“). Im Januar 2001 veröffentlichte die Akademie von Athen einen offenen Brief, in dem vor einem Ersatz des griechischen durch das lateinische Alphabet gewarnt wurde:
Dieser Brief löste eine lebhafte Debatte in der griechischen Zeitungslandschaft aus, die zwischen geradezu phobischen Standpunkten gegen eine Latinisierung des Griechischen und Meinungen, die das Greeklish mit einer positiven Haltung zum technologischen Fortschritt beleuchteten und teils sogar eine neue Sprachvarietät des Neugriechischen konstatierten. Einige verbanden diese greeklish-freundliche Tendenz mit einer allgemeinen Globalisierungs-Kritik. Einige Forscher sahen in dieser Debatte eine Reminiszenz an die Auseinandersetzungen um die Griechische Sprachfrage, da die Argumente gegen das Greeklish an die der Katharevousa-Befürworter, die dafür an die Argumente der Dimotiki-Anhänger erinnerten.
Für die verwendete Schrift gibt es keine festen oder einheitlichen Regeln. Für das Wort διεύθυνση (diefthynsi ‚Adresse‘) konnten 23 verschiedene Transkriptionsformen nachgewiesen werden. Das griechische Theta (θ), das den Laut [θ], der dem englischen stimmlosen th entspricht, wiedergibt, fand man in einer Untersuchung in 62,9 % der Fälle durch th, in 22,9 % durch die Ziffer 8, in 5,7 % durch die Null (0), und in 2,9 % mit Q oder q wiedergegeben, in 5,6 % der Fälle wurden andere Zeichen gewählt. Die griechischen Betonungszeichen werden in der Regel nicht übertragen. Durch die regelmäßige Verwendung bestimmter Zeichen können sich regelrechte Greeklish-Stile entwickeln, die für die sie verwendenden Gruppen sogar identitätsstiftend wirken.
Im Wesentlichen werden drei Prinzipien beziehungsweise deren Kombination zur Wiedergabe des Griechischen mit lateinischen Zeichen angewandt:
| griechisches Alphabet | α | β | γ | δ | ε | ζ | η | θ | ι | κ | λ | μ | ν | ξ | ο | π | ρ | σ | τ | υ | φ | χ | ψ | ω | ´ | ει | ευ | ου | ς |
| phonetische Transkription | a | v | gh/y | d | e | z | i | th | i | k | l | m | n | ks x |
o | p | r | s | t | i | f | kh/h | ps | o | i | ef/ev | u | s | |
| visuelle Transliteration | a | b | g | d | e | z | n h |
8 9 0 Q q |
i | k | l | m | v | 3 | o | p n |
r p |
s c |
t | u y |
f | x | 4 | w | ei | eu ey |
ou oy |
s | |
| Tastatur-Transliteration | a | b | g | d | e | z | h | u | i | k | l | m | n | j | o | p | r | s | t | y | f | x | c | v | ; | ei | ey | oy | w |
Für die visuelle Transliteration sind auch extreme Beispiele belegt, die das Schriftbild seiner griechischen Erscheinungsform möglichst weit annähern wollen. So benutzte ein User ein Transliterationsschema, das er als „to pio prosegmevo kai omorfo optiko pou exw dei“ („den behutsamsten und optisch schönsten Standard, den ich je gesehen habe“) bezeichnete. Sie verwendet mit dem c ein Zeichen, das der Variante ϲ des Sigma aus der griechischen Unzialen gleicht:
| As | npoc8ecw | ki' | egw | oti | ta | teleutaia | duo | xrovia | nou | ekana | Xrictougevva | cthn | Qeccalovikh | ta | mova | naidia |
| Ας | προσθέσω | κι' | εγώ | ότι | τα | τελευταία | δύο | χρόνια | που | έκανα | Χριστούγεννα | ϲτην | Θεσσαλονίκη | τα | μόνα | παιδιά |
| nou | hr8an | va | mas | pouv | ta | kallavta | htav | npocfugonoula, | kopitcia | cuvh8ws, | ano | thn | Gewpgia; |
| που | ήρθαν | να | μας | πουν | τα | κάλλαντα | ήταν | προσφυγόπουλα, | κορίτσια | συνήθως, | από | την | Γεωργία; |
In den 1990er Jahren waren viele private Homepages in Greeklish gestaltet - die meisten HTML-Editoren unterstützten keinen griechischen Zeichensatz. Sie sind heute eher die Ausnahme. Manche Internet-Provider im griechischsprachigen Raum bieten Vorlagen für den E-Mail-Verkehr in Griechisch und Greeklish, die sie neben Englisch auch für ihre eigenen E-Mail-Nachrichten an die Kunden benutzen. Im griechischsprachigen Bereich des IRC und Instant Messaging wird heute fast ausschließlich Greeklish verwendet. Für längere oder formalere Texte ist es weitgehend außer Gebrauch. Im Bereich von geschäftlichen Nachrichten gilt der Gebrauch des Greeklish als unangebracht.
Etwa im Jahr 2004 begann in griechischen Internetforen, beispielsweise bei translatum und AWNM[3], eine Diskussion gegen die Verwendung des Greeklish und für die Etablierung des Griechischen als obligatorisch, Administratoren drohten gelegentlich Nutzern, die Greeklish verwendeten, mit Sperrung. Hauptargument gegen das Greeklish war hierbei das als unschön empfunde Schriftbild und die schwierigere Lesbarkeit im Vergleich zur griechischen Schrift. Als Gegenargument wurde vorgebracht, dass gerade Benutzer in der griechischen Diaspora, besonders an Universitäten oder in Internetcafés Computer benutzen müssen, die die griechische Schrift nicht unterstützen. Die technischen Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren zwar verbessert, doch in der Zwischenzeit hat sich Greeklish in manchen Kreisen als „schick“ etabliert, u. a. weil es schneller einzugeben ist und die griechische Orthographie vernachlässigt werden kann.
Weit verbreitet, so zum Beispiel auf einer Mailingliste von www.greece.org, [4] ist auch der selbstironische Gebrauch englischer Sätze, die erst ins Griechische und dann Greeklish rücktranskribiert werden. Beispiel: „this is hard to read“ wird über δις ιζ χαρντ του ριντ zu Greeklish „dis iz xarnt tou rint“ („das ist schwer zu lesen“).
Durch die griechische Übersetzung des Romans Exegesis von Astro Teller [5], der ausschließlich aus E-Mail-Nachrichten besteht und in der griechischen Übersetzung in Greeklish wiedergegeben wurde, wurde die Schriftform literarisch.
Ein weiterer Trend in Greeklish ist das Entstehen einer Art griechischen Netzjargons mit den typischen Abkürzungen und scherzhaften „Falschschreibungen“ oder „falschen“ Formen. Beispiele:
| Greeklish | Bedeutung |
|---|---|
| tsagia | ‚Tschüs‘, eigentlich τσάγια (‚Tees‘), scherzhafte „Pluralform“ von ciao |
| Re c | re sy, umgangssprachlich ‚Hey, Alter!‘ ‚Ey, Mann!‘ |
| kalimerez, merez | Kalimeres, scherzhafte „Pluralform“ für kalimera (καλη)μέρα (‚Guten Tag‘), analog zum engl. byez |
| tpt | tipota (τίποτα ‚nichts‘ ‚keine Ursache‘) |
| dn | den (δεν ‚nicht‘) |
| m | mou, (μου ‚mir‘ ‚mein‘) |
| s | sou, (σου ‚dir‘ ‚dein‘) |
Im Bereich des Zypriotischen Griechisch, das keine Literatursprache ist, gibt es Varianten des Greeklish, die den Lautstand dieses griechischen Dialekts wiedergeben. So wird der griechische Laut [kʲ], der in Zypern [dʒ] lautet, phonetisch als j, in Transliteration auch als tzi (aus gr. τζι-) wiedergegeben. Dem folgend steht die Abkürzung j hier für das griechische Wort für ‚und‘ (και, in zypriotischer Aussprache [dʒɛ]). n steht für das standardgriechische den (δεν [ðɛn] ‚nicht‘), das in Zypern en εν lautet.
Auch andere Sprachen, die mit nicht-lateinischen Schriften geschrieben werden, haben Internetversionen mit den Buchstaben das lateinischen Alphabets entwickelt, Beispiele hierfür sind das „ASCII-isierte Arabisch“, und diverse Anwendungen im Internet des Pinyin für das Chinesische.
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Dieser Artikel wurde am 12. Dezember 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |