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| Großer Inselsberg | ||
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Großer Inselsberg von Nordwesten aus gesehen | ||
| Höhe | 916,5 m ü. HN | |
| Lage | Thüringen (Deutschland) | |
| Gebirge | Thüringer Wald | |
| Dominanz | 27,3 km → Sommerbachskopf | |
| Schartenhöhe | 228 m ↓ Heuberghaus am Rennsteig südwestlich von Finsterbergen[1] | |
| Geographische Lage | 50° 51′ 4″ N, 10° 27′ 57″ O50.851111111110.4658333333916.5Koordinaten: 50° 51′ 4″ N, 10° 27′ 57″ O | |
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| Gestein | Quarzporphyr | |
Der Große Inselsberg (auch Großer Inselberg – früher südlich des Rennsteigs die gebräuchlichere Schreibung) mit einer Höhe von 916,5 m ü. HN ist ein markanter und vielbesuchter Berg des Thüringer Waldes.
Inhaltsverzeichnis |
Der Inselsberg ist der höchste Berg der nordwestlichen Hälfte des Mittleren Thüringer Waldes und nach dem Großen Beerberg (982 m), dem Schneekopf (978 m) und dem Großen Finsterberg (944 m) der vierthöchste (eigenständige) Berg Thüringens. Als Landmarke ist er von Norden und Westen in einem Umkreis von etwa 30 bis 50 Kilometer gut zu erkennen. Der Berg markiert seit über 1000 Jahren historische Grenzverläufe – gegenwärtig zwischen dem Landkreis Gotha und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Nächstliegende Ortslage ist der Kurort Brotterode, etwa 3 km südlich der Bergspitze.
Die Höhe des Inselsberges wird in amtlichen Karten mit 916,5 m ü. HN angegeben. Der Gipfel ist als schmales, etwa 700 m langes gewölbtes Plateau ausgebildet. Die Steilhänge an den Bergflanken sind durch Dellen und spornartig herausgewitterte Partien gegliedert. Das „Inselloch“ liegt auf der Nordseite und gilt mit etwa 300 m Höhenunterschied vom Grund zum Berggipfel und Hangneigungungen bis 40° als steilster Geländeabschnitt im westlichen Thüringer Wald.[2]
Zum Berg gehören auch die folgenden bewaldeten Nebenkuppen und spornartigen Hangpartien (Position und Höhe):
Bemerkenswert sind die als freiliegende Felspartien bekannten Reitsteine ▼50.8480506310.47223 und die Venetianersteine ▼50.8479410.45482. Es handelt sich dabei um Vulkanitgänge, die als Felsklippen durch Verwitterung freigelegt wurden. Sie sind von geübten Wanderern als Aussichtspunkte leicht zu erklimmen und bieten reizvolle Fernsichten. Unterhalb dieser Felspartien lagern Blockhalden aus Verwitterungsschutt.[3]
Die vom Inselsberg ausgehende geographische Dominanz ist mit über 27 Kilometern die zweithöchste des Gebirges.[4]
Der Inselsberg ist ein Quarzporphyr-Härtling, der aus den umliegenden weicheren Schichten herausgewittert ist. Den oberflächennahen geologischen Untergrund der Gipfelregion bilden die sogenannten Inselsberg-Quarzporphyre, eine Formation, die zu den Unteren Vulkaniten der Oberhof-Folge des Unterrotliegend (Autun) gezählt werden. Sie sind demnach vulkanischen Ursprungs. Die Quarzporphyre sind eingebettet in die Konglomerate, Sand- und Siltsteine der Goldlauter-Folge im Norden und die zum Kambrium zählenden Körnelgneise im Süden. Entlang der im Süden des Inselsberges verlaufenden Inselsberg-Störung, einer alten, in West-Ost-Richtung verlaufenden Verwerfungslinie erfolgt der Übergang zwischen dem Inselsberg-Quarzporphyr und dem Körnelgneis abrupt. An den Reitsteinen, einer senkrecht abbrechenden Felsklippe im Südosten des Großen Inselsberges tritt der Inselsberg-Quarzporphyr zu Tage.
Der Inselsberg ist aus klimatischer Sicht der montanen bis hochmontanen Höhenstufe zuzuordnen. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 4,4°C. Der mittlere Jahresniederschlag wird mit 1103 mm angegeben. Ein zusätzlicher Niederschlag von bis zu 100 mm jährlich entstammt der Nebeltraufe.[5] Die Temperaturextreme liegen zwischen -29,0°C am 1. Februar 1956 und +31,7°C am 9. August 2003. Der höchste Tagesniederschlag wurde mit 73,4 mm am 13. Oktober 1960 verzeichnet und die höchste Schneehöhe mit 2,2 m am 6. März 1970. Das Gipfelplateau ist dem Wind besonders ausgesetzt, Hauptwindrichtung ist Südwest.[6] Gemessen wurde jeweils an der damals noch existierenden Wetterstation auf dem Inselsberggipfel.
Der Südabfall des Inselsberges gehört dem Quellgebiet des Inselwassers an, das zusammen mit dem Gehegewasser südwestlich von Brotterode die Truse bildet. Am Nordwesthang entspringt der Ländersgraben, ein rechter Nebenbach der Emse. Die Strenge, ein linker Zufluss der Laucha, nimmt am Osthang des Inselsberges ihren Anfang. Die geologischen Grenzen können jeweils als Quellhorizonte angesehen werden[7].
Die potenzielle natürliche Vegetation des Inselsbergs ist auf dessen Nordseite ein Harzlabkraut- (Galio harcynici-Fagetum) und auf der sonnexponierten Südseite ein Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum). Die Fichte (Picea abies) wurde forstlich eingebracht. Sie wäre von Natur aus auf dem Inselsberg nicht vertreten. Naturnahe Buchenwälder sind an der Südseite und der Nordostseite des Inselsberges erhalten geblieben.
Mit dem Siebenstern und dem Wolligen Reitgras treten in den Gipfelbereichen bereits boreal-montane Florenelemente des Bergfichtenwaldes auf. Floristische Besonderheiten gibt es aktuell nicht. Wald-Reitgras, Drahtschmiele, Heidelbeere, Roter Fingerhut, Besenheide, Schmalblättriges Weidenröschen und Wald-Greiskraut sind in der Krautschicht vielerorts prägend.
Erstmalig wurde der Berg als Enzenberc um 1250 erwähnt. Im Jahr 1649 ließ Herzog Ernst der Fromme von Gotha den Berg durch den Bau einer Gipfelhütte für Waldwart und Jäger erschließen.
Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha und Altenburg ließ um 1750 auf dem Plateau ein kleines Observatorium für astronomische Beobachtungen und Landvermessungen errichten. Gauß nutzte 1821–1825 die Blickverbindung zum Hohen Hagen und zum Brocken für die Vermessung eines großen Dreiecks.[9] Über den Gipfel läuft der Rennsteig, der hier früher die Grenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Gotha und dem Kurfürstentum Hessen (Enklave Kreis Herrschaft Schmalkalden) darstellte. Grenzsteine, die diese historische territoriale Situation belegen, sind bis heute auf dem Inselsberg erhalten geblieben. Aus diesem Grund wurde auch auf beiden Seiten ein Gasthaus errichtet: 1810 auf der hessischen Seite der heutige Berggasthof Stöhr und auf der gothaischen 1852 der heutige Berggasthof Stadt Gotha. Darüber schreibt Polack:
In den 1960er Jahren wurde noch ein Jugendgästehaus errichtet, welches nun genau zwischen den beiden Gasthöfen steht und noch heute als Jugendherberge betrieben wird. Nach dem Sieg Preußens im Deutschen Krieg ging Kurhessen 1866 an das Königreich Preußen, das sich fortan den Gipfel mit dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha teilte. In der DDR verlief von 1952 bis 1990 die Grenze zwischen den Bezirken Suhl und Erfurt auf dem Berg.
Der ursprünglich königliche Waldbesitz wurde durch die Thüringer Landgrafen und die Klöster aufgeteilt, ihr Ziel war die Rodung und Schaffung neuer Siedlungen. Der Inselsberg selbst blieb auf der Nordseite wegen der Steilhänge davon verschont, auf der Südseite nutzte die Brotteroder Bevölkerung die relativ flachen Hänge zur Anlage von Terrassenäckern, Almen und Weiden. Das 1298 durch Kauf in den Besitz der Herren von Wangenheim gelangte Waldgebiet im oberen Emsetal war eine vorausschauende Investition. Die Wangenheimer hatten in ihrem Stammgebiet im mittleren Nessetal bereits das allmähliche Verschwinden der Wälder in den dortigen Siedlungen bemerkt, der Rohstoff Holz war eine wesentliche Grundlage für die mittelalterliche Wirtschaft. Ab 1349 wurden die Herren von Wangenheim als alleinige Besitzer der Herrschaft Winterstein genannt, dazu gehörten die Waldungen: Hopfenberg, Wolfenstein, Thielberg, Eichleite, Rappach, Lerchenberg und Sandberg. Der landgräfliche (tennebergische) Teil wurde 1596 von Herzog Johann Casimir übernommen.[8] Die forstliche Bewirtschaftung der damaligen Wälder begann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hervorgerufen durch die Bergbautätigkeit in den Umlandgemeinden. Nach einer nur auf hessischem Gebiet (Trusetal, Brotterode) geltenden Forstordnung wurde der zügellose Holzverbrauch reglementiert. Holznutzung durch die Bergbaugenossenschaften (Grubenholz), Schmelzhütten und Hammerwerke sollte abgesichert werden, da sie staatliche Einkünfte erbrachten und zudem der Rüstung dienten. Nebenbetriebe, wie Glashütten, Harzerei, Bienen- und Waldweide und anderen Waldnutzungen wurden damit stark reglementiert. Die zunehmende Holzknappheit im hessischen Teil führte regelmäßig zu Übergriffen auf grenznahe Waldbezirke in den angrenzenden Forsten, zu denen auch die Altensteiner Waldungen der Hunde von Wenckheim gehörten. Schadenersatzprozesse wurden häufig durch Vergleich und Aburteilung einiger beteiligter Waldarbeiter geregelt. Schließlich bat der hessische Amtmann sogar um Kontrakte oder Holzkohlebelieferung zu erhöhten Preisen bei der Gothaer Forstverwaltung, was aber auf Druck der jagdliebenden Herzöge unterbunden wurde.[10] Am Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Lagekarten und Forstbeschreibungen im Herzogtum Gotha. Anschließend wurde die erste Forsteinrichtung für acht Jahre mit acht Bestandsklassen errichtet. Ab 1750 setzte die waldbauliche Tätigkeit (planmäßige Wiederaufforstung) ein. Aus dem bisherigen Naturwald entstand durch zunehmende Nutzung über die letzten Jahrhunderte der sogenannte Altersklassenwald. Leider wurde dadurch auch der stabile Mischwald reduziert und der Anbau monotoner Fichtenbestände nahm zu.[8]
Der markante Inselsberg ist wegen seiner auffälligen Form und Lage gern als Landmarke zur Orientierung genutzt worden. Als Namensformen in Urkunden finden sich: Enzenberc (um 1250, zugleich die Ersterwähnung), Emmiseberg (1370), Encenberc (1430), Ensillbergk (1503), Emseberg (1528) und Enselsberg (1640). Im 17. Jahrhundert kommen auch dichterische Verfremdungen vor: Engelsberg und Heunselsberg. Ein behördlicher Versuch, den Namen auf Emsenberg zu vereinheitlichen, scheiterte am Starrsinn oder dem Traditionsbewustsein der Bevölkerung. Das eingefügte „S“ vor „berg“ ist sprachlich nicht gerechtfertigt, aber klangvoller, daher wird der Berg heute als Inselsberg bezeichnet.[11][12]
Die Bevölkerung der Inselsbergregion kennt eine Vielzahl von Sagen, die mit dem Berg in Verbindung stehen.
Pollack schildert in seinem Bericht ausführlich die frühe Geschichte des Inselsberg-Hauses:
Zum Gedenken an die Landvermesser Hansen, Gerling und Gauß wurde 1995 ein Steinmal mit einer stilisierten Messmarkierung errichtet.
Der Inselsberg zählt zu den überregional bedeutsamen Ausflugsbergen in Thüringen. Dem wird durch Bewirtungs- und Beherbungsbetriebe sowie durch den Erhalt von Ausblickspunkten Rechnung getragen. Des Weiteren verlaufen überregional bedeutsame Wanderwege wie der Rennsteig und der Bergwanderweg Eisenach-Budapest über den Gipfel des Großen Inselsbergs. Der Gipfel ist mit einer Straße und Parkplätzen für den Besucherverkehr erschlossen. Ein Großparkplatz und touristische Infrastruktur wie eine 1000 m lange Sommerrodelbahn und weitere Gaststätten befinden sich auf dem Kleinen Inselberg unweit des Inselsberggipfels. Für Wintersportler existiert eine Liftanlage und ein Abfahrtshang. Von April bis Oktober fährt vom Parkplatz Grenzwiese am Kleinen Inselsberg der Inselsberg-Express, eine auf der Straße verkehrende, gummibereifte Kleinbahn, zum Gipfel. Wanderer beginnen hier, auch wegen der guten Busanbindung, häufig eine Rennsteigetappe. Auch gab es hier bis 1977 eine Wetterstation.
Abgesehen von den Türmen gibt es keinen Punkt auf dem Gipfelplateau, der ein 360°-Panorama bieten würde. Der Besucher muss, je nach angestrebter Himmelsrichtung zu unterschiedlichen Punkten gehen:
Seit dem 30. März 1961 ist die Gipfelregion des Großen Inselsbergs auf einer Fläche von 148 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen und somit vor Eingriffen geschützt. Ausgenommen ist das Bergplateau mit den darauf befindlichen Bauten.
Auf dem Inselsberg befindet sich eine Sendeanlage für UKW und TV mit zwei Sendetürmen, die 1939 und 1974 errichtet wurden. Das Sendegebiet reicht vom nördlichen Baden-Württemberg über das gesamte Nordbayern, bis nach Nordrhein-Westfalen. Auch in Teilen von Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind die vom Großen Inselsberg abgestrahlten Programme zu empfangen. Im Norden endet das Sendegebiet in Niedersachsen in der Nähe von Hannover.
Trigonometrischer Punkt auf dem Inselsberg
Blick vom ehem. A 4-Parkplatz "Kälberfeld" auf den Inselsberg (Kamerastandort→50.950458448610.4603952169)